Es gibt natürlich nur einen echten Nostradmus, nämlich den Mann der am 14. Dezember 1503 unter dem Namen Michel de Notredame geboren wurde, ab 1555 mehrere Versionen seines Buches „Prophecies“ mit mehreren Hundert kryptischen Vierzeilern veröffentlichte und am 2. Juli 1566 verstarb. Und noch heute findet man zu jedem Jahreswechsel irgendwelche „Prognosen“ für das Folgejahr, die sich irgendwie auf Vierzeiler von Nostradamus berufen. Wenn man diese Nostradamusprognosen ein paar Jahre lang verfolgt so fällt auf dass dem Mann aus dem 16. Jahrhundert eigentlich immer die gleichen Prognosen in die Schuhe geschoben werden. Warum der 3. Weltkrieg, irgendwelche Naturkatastrophen (heute gerne mit Bezug zum Thema Klimawandel), irgendetwas mit dem Papst oder gekrönten Häuptern (oft im Vereinigten Königreich, in Frankreich gibt es ja keinen König mehr – oder es soll irgendein neuer „Anführer“ von was auch immer auftauchen) aber gerade für das folgende Jahr gelten sollen ist nur schwer nachzuvollziehen weil in den Originalschriften keine Jahreszahlen zu finden sind (ok, ich kenne genau zwei, und die liegen in der Vergangenheit).
Aber warum braucht man für den Namen Nostradamus einen Plural? Nun ja, in der Presse kommt ja nicht nur das Original vor sondern auch diverse „moderne“ – ja nun – Nostradamusse, Nostradamiden, Nostradami (im Lateinischen der Plural von Substantiven auf -us) … … also Menschen, denen in den Medien irgendeine „Nostradamusartigkeit“ zugeschrieben wird, weil sie sich mit meist katastrophalen Prognosen in die Öffentlichkeit wagen. Im Folgenden möchte ich ein paar dieser Figuren und ihre Vorhersagen für das abgelaufene Jahr 2024 präsentieren.
Fangen wir mit einem Mann an, der sich als „lebender Nostradamus“ geriert. Er nennt sich Athos Salomé, lebt wohl in Brasilien und schafft es immer wieder irgendwie in die Presse zu kommen. Für 2024 hatte er
den dritten Weltkrieg und einen Asteroideneinschlag ebenso vorhergesagt wie eine dreitägige Dunkelheit in Europa wegen flächendeckender Stromausfälle und einen neuen, sehr tödlichen Virus. Heute wissen wir, dass das schlicht und einfach falsch war, auch wenn andere Hellseher – wie der deutsche Michael Schneider – sogar ebenfalls einen neuen tödlichen Virus drohen sahen. OK, Schneider wurde nirgendwo als „deutscher Nostradamus“ bezeichnet, und seine verblüffend genaue Prognose über den russischen Präsidenten (stirbt Mitte bis Ende Mai 2024) war dann auch nur ebenso falsch wie seine Prognose dass Trump nicht wieder Präsident werden würde.
Apropos Putin: Der Brite Craig Hamilton-Parker gilt schon mal als „neuer Nostradamus“ und auch er hatte für 2024 den Tod des russischen Präsidenten im Prognoseprogramm. Und er wollte auch wissen wie es in Russland dann weitergehen soll: „Gleichzeitg warnt der selbsternannte Hellseher davor, dass der neue russische Präsident „genauso schlimm“ sein werde wie Putin. Es handle sich dabei um eine Frau.“ Nein, auch das war Quatsch! Weiterhin prophezeite Hamilton-Parker eine neue Pandemie (die in Australien beginnen sollte) und ein katastrophales Erdbeben an der amerikanischen Westküste.
Als indischer Nostradamus gilt bisweilen Kushal Kumar, ein vedischer Astrologe der in seiner Heimat auch deswegen bekannt ist weil er mit seinen Vorhersagen immer daneben liegen soll. Das war auch 2024 der Fall, denn der dritte Weltkrieg begann weder am 18. noch am 10. oder 29. Juni wie von ihm berechnet und auch das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in den USA wollte sich nicht nach seinen Sternen richten.
Athos Salomé, der „lebende Nostradamus“ aus Brasilien sieht seine Prognose eines Asteroideneinschlags übrigens als Treffer an! Er hatte im Juli auf Instagram nochmals betont, dass die NASA im September eine Pressemeldung herausgeben werde die einen bevorstehenden Asteroideneinschlag zum Inhalt haben sollte. Tatsächlich informierte die NASA im September die Öffentlichkeit dass ein Asteroid verhätnismäßig nahe an der Erde vorbeifliegen würde – in einer Entfernung von etwa einer Million Kilometer, also fast der dreifachen Entfernung des Mondes zur Erde. Solche Pressemeldungen gibt es übrigens des Öfteren – hier verlinkt ist eine die einen Asteroiden benennt der vielleicht, eventuell, im Februar 2046 mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 0,18% auf die Erde treffen könnte.
Die Nostradmusse oder Nostradamiden dieser Welt waren (und sind) also weiterhin auf dem Katastrophentrip – und für 2025 sieht es dabei übrigens nicht anders aus. Ob dem echten Nostradamus der bis heute andauernden Hype um seine Person bzw. seinen Namen gefallen würde? Man kann nur spekulieren, aber dass man ihm Jahr für Jahr falsche Prognosen in die Schuhe schiebt, das hat er sicherlich nicht verdient.
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