EHEC-Leichenfledderei und Blue-Beam

6 06 2011

Der aktuelle Newsletter des Allgeier-Verlags findet auch beim Thema EHEC Antwort in den Sternen. In gewohnter Leichenfleddertradition erklären die Autoren warum gerade jetzt …

Rein astrologisch ist der Darm dem Tierkreiszeichen Jungfrau und in zweiter Hinsicht seinem Gegenzeichen Fische zugeordnet. Neptun befindet sich nun seit Anfang April 2011 in den Fischen, seinem eigenen Herrschaftsbereich und wird dort bis 2025 bleiben. Neptun in den Fischen steht astro-medizinisch für eine Schwächung des Darms, etwa durch Umweltgifte oder eben auch Bakterien.

Heißt das, dass wir jetzt bis 2025 mit weiteren Erkrankungen rechnen müssen? Dazu lassen sich die Allgeiers natürlich mal wieder nicht aus.

Auch Christiane Durer wußte schon früh Bescheid und schrieb am 25.5. Folgendes:

Am 21.5. wurde erstmals berichtet, dass in Norddeutschland vermehrt Krankheitsfälle auftraten. Dies geschah unter Neptun-Saturn-Sonne, einer Seuchenkonstellation. 

Frau Durer, eine Katastrophenschnepfe ersten Ranges, wartet aber sowieso nur auf das endgültige Ende – bei ihr wird also jede astrologische Konstellation auf die endgültige Katastrophe hindeuten. Wie schrieb sie am 26.5. zu diesem Thema:

Ja, das kommt bald. Die apokalyptischen Zeichen mehren sich —- aber es dauert trotzdem noch 
relativ lange bis alles zusammenbricht und die Pole sich umdrehen.
Darauf warten ja alle, aber das kommt nicht 2012.
So inbrünstig manche Nibiru und den Polsprung erwarten – oder auch Jesus Christus in den 
Wolken – es geht zunächst einmal immer weiter bergab. Einige Jahre. Bis alle mürbe sind.
Bis dahin passiert folgendes:
Eurocrash
Systemecrash
EU-Zerfall
Reglementierungen
Diktatur
Verarmung
Entrechung
Steigende Kriminalität
Naturkatastrophen
Überschwemmungen
Umweltkatastrophen
Krankheiten und Seuchen
Pferdewagen und Esel als Transportmittel (etc.)
Einsatz des Mikrochips
Einsatz von Blue-Beam
Bürgerkrieg  ….

Von „Blue-Beam“ hatte ich bisher noch nichts gehört. Natürlich ist es etwas ganz Katastrophales, wie man bei diesen Verschwörungsfutzies nachlesen kann:

Das Projekt Blue Beam (deutsch: Projekt Blauer Strahl) wird neben den drei genannten Anschlägen auf New York (WTC, biochemischer sowie nuklearer Anschlag) genannt und soll mit einer gewissen Verzögerung zu den vorgenannten Anschlägen quasi das Finale zur NWO darstellen.

Oder geht es doch eher um etwas Anderes? Der offensichtlich (extrem holprig) übersetzte Schwurbeltext auf dieser Seite verwurstet am Ende Kinofilme und diverse Götter zu einer gigantischen Lasershow und schließt mit der Materialisation von „bösartigen/satanischen Geistern, Gespenstern und Poltergeistern über den gesamten Planeten um Hysterie und Panik zu erzeugen.

Wie Frau Durer den blauen Strahl „erklärt“ weiß ich nicht, denn wenn’s auf ihrer Seite steht, dann wahrscheinlich im Premium-Bereich. Dieser ist aber nur für Bares zugänglich:

6-Monats-Abo – 60 Euro
12-Monats-Abo – 120 Euro

Ein satter Preis für solches Katastrophengeschwurbel. Tipp für die Abonennten: Lest doch einfach öfter die alten Nostradamusbücher von Herrn Dimde. Da gehts auch um allerlei Katastrophen und bei diesen älteren Werken ist das Porto der teuerste Teil der Bestellung …





Ist Astrologie in Tirol eine anerkannte Wissenschaft?

23 05 2011

Ich hoffe ja nicht, dass die obige Frage mit „Ja“ beantwortet werden muss. Im Regionalen Netzwerk der Naturwissenschaften Tirol hat man aber zumindest keine Skrupel einen selbst ernannten Astrologen als Kontaktperson aufzuführen. Der Mann scheint im Hauptberuf Lehrer in Innsbruck zu sein, und zumindest im Interview mit AstroTV, das er stolz auf seiner Webseite unter „Referenzen“ präsentiert, behauptet er dass Astrologie eine Wissenschaft ist – genauso wie die Biologie, in der er sogar promoviert haben will. MMag. darf er sich laut obiger Seite titulieren lassen und tatsächlich ist seine Ausbildungsliste außerhalb der Sterndeuterei beeindruckend:

naturwissenschaftlich & pädagogisch

  • Montessori Pädagogik (seit Oktober 2010)
  • Doktoratsstudium der Naturwissenschaften (2009)
  • Diplomstudium Biologie Stzw. Botanik (2005)
  • Diplomstudium Biologie Lehramt (2005)
  • Naturpädagogische Ausbildung Natopia (2005)
  • Pädagogische Ausbildung am ILS
  • Bildungspass am IFS (Krisenmanagement, Selbstmarketing, Rhetorik ect…)

In Rhetorik hat er wirklich gut aufgepasst – garantiert wesentlich besser als in seinem Doktoratsstudium der Naturwissenschaften. Reden kann er nämlich richtig gut, aber wer ihn in Naturwissenschaften ausgebildet hat, wird sich angesichts von ihm angebotener Kurse im Kartenlegen oder in „Kosmobiologie Basis“ wahrscheinlich in den Allerwertesten beißen.

„Am Ende dieses Kurses haben Sie ein fundiertes Verständnis für Symbolsprache der Astrologie erworben. Auch werden Ansätze aus anderen Disziplinen, wie der Biophysik, Organsprache, Lichtarbeit ect. mit einbezogen

Lichtarbeit? So langsam wird’s wirklich abgedreht! Leichenfleddern kann er übrigens auch, der Regenbogenpresse dient er sich mit seinem Kate-und-William-Geblubber an und das falsche Einstein-Zitat (siehe hier) darf auf der Webseite ebenfalls nicht fehlen. OK, sein Bierprojekt an einer Innsbrucker Schule war eine klasse Idee, und auch seine Experimente in AstroTV (im 3. Teil) fand ich in Ordnung.

Astrologie trifft Wissenschaft“ steht auf seinem blauen Logo – die Wissenschaft hat wohl niemand gefragt, ob sie sich mit der Astrolügie treffen will. Was die der Astrologie möglicherweise sagen würde, kann man hier nachlesen. Mehr würde mich allerdings interessieren, ob es in seinem Kollegium vielleicht auch richtige Lehrer für Naturwissenschaften gibt – und wie die zum Hobby dieses Herrn stehen …





Futter für die Leichenfledderer: Das Erdbeben in Japan

12 03 2011

Kaum haben sich die ersten Nachrichten über das dramatische Erdbeben in Japan verbreitet, schon kroch der erste astrologische Leichenfledderer aus seinem Loch. Folgendes fand ich am Nachmittag des 11.3.2011:

Für manche mag dies unheimlich sein, das Zeitinhalte wie der Paradigmenwechsel des Uranus in den Widder, in der Nacht vom 11.03.11 auf den 12.03.11, ausgerechnet mit einem schweren Erdebeben in Japan einhergeht, das die Stärke 8,8 erreicht, und die Erschütterungen ( Uranus ) damit als ein selten schweres Erdeben kennzeichnen.

Nein, Spicaastro (im Impressum steht der Name Karl-Heinz Waldenberger), das ist nicht unheimlich, das ist schlicht und einfach dummdreiste Selbstbeweihräucherung.

In ihrem Blog wunderte sich später DAV-Astrologin Christa Heidecke:

Seltsamerweise zeigt das Erdbebenhoroskop selbst kaum relevante Spannungen.

Wie blöd! Aber echte Astrologen kennen natürlich die entsprechenden Tricks

Deshalb ziehe ich den letzten Neumond zu Rate, berechnet auf Tokio, mit den Transiten für heute.

So funktioniert das eben: Wenn das Horoskop nicht zum Ereignis passt, dann nimmt man eben ein anderes. Lächerlicher geht’s kaum.

Wie erwartet wird auch in astrologischen Diskussionsforen heiß diskutiert und – wie immer! – gibt es so viele verschiedene Horoskope, dass die Sternenschwurbler garantiert eines finden, das nach der von ihnen vertretenen Astrologielehre passend ist. In anderen Ländern sieht das übrigens genau so aus: hier, da (vom gleichen Autor gibt es auch eine „Erklärung„) oder dort gibt es ähnlichen Schwachsinn zu lesen.

Tja, hätte ein Astrologe das Erdbeben und die dramatischen Folgen tatsächlich öffentlich vorausgesagt (auf 2-3 Tage genau, mit der Angabe der ungefähren Stärke des Bebens und mit zumindest halbwegs exakten Orts- und Zeitangaben – wobei die Angabe „Japan“ wegen der täglich dort zu messenden Beben ohne hinreichend genaue Stärkeangabe nicht ausreichend gewesen wäre), dann könnte man vielleicht anfangen über den Wert der Astrologie zu diskutieren.

 

Ich hoffe sie verstehen nun den Wert der Astrologie und der objektiven Vorausschau.

Ja, Spicaastro! Wir verstehen. Astrologie hat keinen Wert, keinen Sinn und statt „objektiver Vorausschau“ wird immer nur im Nachhinein schäbig die Klappe aufgerissen.

Zum Weiterlesen …

Update: DAV-Astrologin Christa Heidecke hat ihren Artikel inzwischen erweitert, mit noch mehr sinnlosen Horoskopbildchen fleddert sich’s noch besser auf dem Rücken der Betroffenen. Auch dieser Herr nutzt die Katastrophe zum astrologischen Geblubber und hier qualifiziert sich jemand namens gil (offensichtlich aus Düsseldorf) mit gleich 5 Horoskopen ebenso für die Leichenfleddergarde wie die Astrologin Milena D Amico mit ihren Kommentaren in einem Questico-Forum.





Leichenfleddererupdate für Haiti

28 01 2010

Ich habe heute eine neue Kategorie für den Blog angelegt: „Astrologische Leichenfledderei“! Wie gewohnt kann menschliches Leid gar nicht groß genug sein,  die astrologischen Leichenfledderer kommen aus ihren Löchern gekrochen und krähen ihre an Absurdität nicht zu überbietenden Erklärungsversuche der( Netz)Welt entgegen. Auf den Leichen der laut aktueller Zählung ungefähr 150.000 jämmerlich verreckten Mitmenschen in Haiti (die übrigens ganz bestimmt nicht alle eine ähnliche Konstellation im Horoskop hatten) kann man ja schön sein Süppchen kochen und zeigen, wie toll man über das Sternenzeugs schwurbeln kann. Heute im Angebot: Der aktuelle Newsletter vom Allgeier-Verlag (darauf hätte ich wetten können – ist ja nicht das erste Mal), die Astrologin Susanne Eder und ein unbekannter Mailschreiber, der meinte sich bei der GWUP melden zu müssen.

Der anonyme Mailschreiber äußerte sich so:

Ich habe am 09.01.2010 vorhergesagt das das Jahr 2010 Jahr der Katastrophen wird das mit Haiti war erst der anfang,

Ok, wann und wo diese Vorhersage (wenn überhaupt) getätigt wurde ist piepegal, denn irgend ein Schwurbifex kündigt alljährlich das „Jahr der Katastrophen“ an. Wann? Wo? Was? – Fehlanzeige! Stattdessen im Nachhinein sich in irgend einer Katastrophe suhlen und die Leichen als Trophäen der eigenen Prognosekunst präsentieren – das ist schäbig und entlarvt den Schreiber als aufgeblasenen Wichitigtuer.

Im Langzeitarchiv der österreichischen Astrologin Susanne Eder findet man ihre Texte zu früheren Jahren, sogar mit haarsträubenden „Trefferkommentaren“ garniert. Für 2009 war folgende Sequenz in ihrem Jahrestext zu finden:

WETTEREXTREME – UMWELTKATASTROPHEN
Ab April, wenn Jupiter mit Neptun in Konjunktion steht, könnte es zu extremen Niederschlägen kommen. Hochwasser und Überschwemmungen könnten viel Unheil anrichten.

Allgemeines Blabla wie tausendmal gelesen – aber was will sie damit vorausgesehen haben? Das Erdbeben in Haiti natürlich:

3) Das Erdbeeben in Haiti, war zwar erst im Jänner 2010, aber auch hier war die Jupiter-Neptun-Konjunktion noch gegeben.

Und warum nur in Haiti und nicht anderswo? Und warum gerade zu diesem Datum und nicht zu einem anderen? Aber wem Sätze wie die folgenden in die Tastatur entgleiten …

Die Theorie der Quantenphysik bestätigt eigentlich das Jahrtausende alte Wissen der Astrologen, die immer schon sagten: „Wie oben, so unten.“

… dem kann man nur empfehlen sich die Bitte von „die wahrheit“ in den nächsten 6 Wochen immer wieder anzuhören und besonders die 2. Hälfte genau zu beachten – und dann langsam das Antischwurbelmantra für jedes einzelne Wassermolekül wiederholen, das sich bei einer homöopathischen D30 Potenz um ein einziges Wirkstoffmolekül kümmern muß:

QuantensindkeinArgumentgradwennmansiegarnichtkennt erstmalkapiernumwas’sgehtbevormanseineStimm’erhebt

Und dann, aber wirklich erst dann, reden wir in aller Ruhe über Erdbeben. Aber bis dahin dürfte die Dame ein wenig beschäftigt sein (ich rechne gerne aus wie lange das dauert …).

Den Vogel schießt aber wieder einmal der aktuelle Alllgeier-Newsletter ab: Nachdem für die Fakten wikipedia zitiert wird geht’s los:

In der Januar-Ausgabe von STERNBILD schrieben wir unter der Rubrik „Wetter“: „Saturn im Quadrat zu Pluto zeigt im gesamten Januar weltweit eine Gefahr von Naturkatastrophen an.“

Na und? Das haben zig andere auch geschwurbelt! Und was hat das Wetter mit Erdbeben zu tun????

Wie wir nun in der Vergangenheit immer wieder beobachten konnten, ist vor allem Pluto an Erdbeben beteiligt.

Pluto? Der Nichtmehrplanet? Böser Pluto!

Astrologisch gesehen herrscht Pluto ja auch über die tieferen Regionen der Erde.

Und wie macht der Pluto das?

Zurück zum Beben von Haiti. In diesem Unglückshoroskop tritt wieder einmal der schnell laufende Mond als Zündfunke in Erscheinung.

Das hatten wir doch schon ‚mal! Auch beim Amoklauf eines Schülers in Ansbach und beim S-Bahn-Mord in München war doch der Mond der Schuldige – schön, dass die Allgeiers so wunderbar Bescheid wissen – läuft also der Mond auf Saturn zu, dann gibts laut den Allgeiers Mord und Amoklauf, wendet er sich gen Pluto dann bebt die Erde …

Er läuft auf Pluto zu, der sich nicht nur in diesem großen und lang andauernden Quadrat zu Saturn befindet, sondern an diesem Tag zusätzlich eine enge Konjunktion mit dem rückläufigen Merkur bildet.

… aber nur wenn gleichzeitig … … was für ein hanebüchenes, dummdreistes Geschwafel im Nachhinein! Können die Macher dieses Newsletters nicht einfach ‚mal sagen, dass sie etwas nicht vorausgesehen haben?

Eine Konstellation, die im Sinne der möglichen astrologischen Analogien etwa auch zu Massenunfällen hätte führen können.

War aber nicht – was soll den die ganze Prognostiziererei, wenn die „Profis“ nicht mal sagen können ob’s auf der Autobahn kracht oder sich irgendwelche tektonischen Platten verschieben?

Der Mond läuft nun in diesem Horoskop nicht nur auf Pluto zu, er bezieht auch Uranus in das Geschehen mit ein, indem er ein Quadrat zu ihm bildet. Man könnte sagen, dass der Mond im Zulauf auf Pluto und im genauen Quadrat zu Uranus eine schicksalhafte Brücke zwischen Uranus und Pluto baute, die die Kräfte der Zerstörung passieren ließ.

Blubberitis im Endstadium. Aber wenn man sich im Archiv dieses Newsletters umschaut gibt’s eh nur 2 Alternativen: Entweder die Macher sind gnadenlose, von allen Skrupeln  längst erlöste Abzocker oder sie haben eine behandlungsbedürftige astrologische Vollmeise!

Interessant ist, dass wir in diesem Horoskop auch eine sehr schöne Konjunktion zwischen Sonne und Venus im 7. Haus, dem Bereich des Du haben, die zusätzlich mit dem aufsteigenden Mondknoten Kontakt hat. Sonne und Venus bilden allerdings auch ein Sextil zu Uranus, wodurch Uranus weitere Energie erhält. Dennoch: Vielleicht sind der Mondknoten sowie Venus und die Sonne in Haus 7 eine Aufforderung an die Menschlichkeit, an ein weltweites Zusammenstehen in der größten Not.

Tja, und am Ende wird nach dem ganzen zynischen Astrogemeier  ja fast noch die Gutmenschenkappe aufgesetzt. Aber einen Spendenaufruf für die Opfer sucht man im Newsletter vergeblich – dass man aber auch alles selber machen muss, denn …

… zu Haiti gibt’s ja eigentlich nur eins zu sagen:

BITTE SPENDEN!

und am besten für eine richtig gute Organisation (das Geld geht an „Ärzte ohne Grenzen“ und das „Rote Kreuz“).






Frisches Futter für die Leichenfledderer

19 01 2010

Kaum war die Nachricht von einem katastrophalen Erdbeben in Haiti in den Nachrichtensendungen angekommen, schon krochen die astrologischen Leichenfledderer wieder aus ihren Löchern. Es folgte das bekannte zynische Erklärungsritual: Man nehme irgendwelche astrologischen Konstellationen zum Zeitpunkt des Ereignisses (hier war’s das Erdbeben, im letzten Jahr z.B. der Amoklauf von Winnenden), füge ggf. noch weitere Konstellationen hinzu (hier z.B. das „Länderhoroskop von Haiti“; im Fall Winnenden ein ungefähres Geburtshoroskop des jugendlichen Amokläufers) und schon hat man ganz viel Material mit dem man der Öffentlichkeit zeigen kann, dass das Geschehene ja irgendwie doch astrologisch unausweichlich  – und damit prinzipiell vorhersagbar – war. Florian Freistetter hat sich ein paar dieser Texte angeschaut – und wie immer stellt sich dabei eine ganz einfache und banale Frage:

Warum hat keiner der zitierten Astrologen vor der Katastrophe gewarnt?

Die Antwort ist einfach: Weil sie es nicht können!

Wenn sie jetzt im Nachhinein anderes behaupten, dann ist das der zynische Versuch auf dem Leid vieler Menschen ihr übliches Werbesüppchen zu kochen. An dieser besonders ekligen Form der astrologischen Erklärungsdiarrhoe leiden glücklicherweise nicht alle Sterndeuter, manche geben sogar offen zu, dass sie solche Voraussagen gar nicht machen können:

Das Erdbeben habe ich natürlich nicht vorhergesagt, weil es ohnehin sinnlos wäre sich mit derlei Prognosen zu beschäftigen, da man sie weder lokalisieren noch verhindern kann.

Na, immerhin – warum Karl-Heinz Waldenberger dann trotzdem mit irgendwelchen astrologischen Scheinbegründungen herumjongliert muss er selbst wissen. Aber eigentlich braucht er die Astrologie ja gar nicht, denn sein „Unbewußtes“ hat ja schon Ende 2009 auf die Gegend hingewiesen:

Also irgendwie scheint mein Unbewusstes im Vorfeld von Ereignissen zu reagieren, wie sonst wäre ich auf ausgerechnet auf die Karibik und den Ort Cayo Samana gestossen …. seltsam!

Seltsam ist bestenfalls dieser lächerliche Versuch einen Urlaubstipp an einen Kunden (DomRep) vom 31.12.2009 irgendwie mit dem Erdbeben in Verbindung zu bringen. Ich könnte ja jetzt behaupten, dass „mein Unbewußtes“ noch viel näher dran war: Ich hatte mich nämlich gerade mal drei Tage vor dem Erdbeben mit einem Bekannten über dessen Urlaubspläne unterhalten, und der wollte doch tatsächlich an einer Karibikkreuzfahrt (incl. einem Stopp in Haiti!!!!) teilnehmen …





Let’s fledder again: Allgeier-Newsletter mit Leichenreflex

1 10 2009

Nachdem der Amoklauf von Winnenden am 11.3.2009 mehrere Astrologen zu ausufernden Kommentaren „inspirierte“ (natürlich war das alles astrologisch erklärbar, nur vorhergesagt hatte es selbstverständlich niemand) wissen wir dank dem Newsletter des Allgeier-Verlags vom 28.9.2009 (Merci für’s weiterleiten, Stefanie), dass auch der Amoklauf eines Schülers in Ansbach (17.9.2009) und der S-Bahn-Mord von München-Solln (12.9.2009) astrologisch erklärt werden können.

Welch unerträglicher Zynismus lässt die Autoren vom Allgeier-Verlag eigentlich ein Horoskop für einen Mord erstellen?

Im Horoskop des Mordes steht Gewaltplanet Pluto am Aszendent, der in diesem Falle stellvertretend für die Täter steht. Die Sonne läuft auf Saturn zu, der in Opposition zu Uranus steht. Sonne und Schicksalsplanet Saturn, den die alten Astrologen auch als das „große Unglück“ sahen, befinden sich im 8. Haus, dem Bereich, der mit Tod und Zerstörung zu tun hat. Der Mond war der zündende Funke, er erhöhte die Gewaltbereitschaft der Täter, brachte in Opposition zu Pluto und im Quadrat zu Saturn und Uranus das Fass zum Überlaufen.

Nach dieser „Deutung“ waren die Täter also offensichtlich zumindest nicht alleine schuld – es war der Mond, der die Gewaltbereitschaft erhöhte und der deshalb wegen Anstiftung oder Ähnlichem ebenfalls auf eine Anklagebank gehört. Ähnlich auch die Erklärungen im Fall Ansbach:

Im Horoskop des Amoklaufs stehen Sonne, das Problem der Stunde, und Saturn im 12. Haus, was auf tiefe Depression, Verzweiflung und Isolation hinweist. Symbolisch für den Attentäter steht der Waage-Aszendent, dessen Herrscherin Venus sich im 11. Haus befindet, das mit Freundschaft und Hoffnung zu tun hat. Venus steht Neptun gegenüber, das seine Enttäuschung in Freundschaften, allgemein sozialen Angelegenheiten und in der Liebe dokumentiert. Der Mond, der die Stimmung im Augenblick der Tat widerspiegelt, befindet sich ebenfalls im 11. Haus und läuft dort auf Saturn zu, was zusätzlich in die Richtung Depression und Verzweiflung aufgrund von Ablehnung, Missachtung und Außenseitertum hindeutet. Mars steht direkt am MC, dem höchsten Punkt der Sonnenbahn, was Gewalt zum obersten Ziel hat. Die Merkur-Pluto-Spannung auf das 3. Haus beschreibt eindrucksvoll die Gefahr, in der sich die Schule befindet (Pluto = Zerstörung, 3. Haus = Schule). Ein großes Glück, dass es „nur“ Verletzte gab.

Wie immer kann der Sterndeuter im Nachhinein – übrigens auch ganz ohne Geburtsdatum des Täters, aber mit etwas Kenntnis der dazugehörigen Presseberichte – genau erklären, warum es so kommen „musste“ und wie immer wird nicht erklärt, warum gerade dieser Schüler als Einziger eine solche Tat beging. Standen für andere Menschen nicht auch  Sonne und Saturn im 12. Haus? Bedeutete dies bei anderen Menschen etwas Anderes, und wenn ja, warum? Ganz böse ist übrigens auch im 2. Fall der Mond gewesen. Dieses Mal weil er laut Deutung irgendwie „auf Saturn zu“ gelaufen sei …

Nach den Allgeier-Fledderprofis ist der Mond also ab sofort als Serientäter oder zumindest Serienanstifter zu betrachten – vielleicht ist das ja der eigentliche Grund für eine deutsche Mondmission: Es geht nur um die Sicherheit unserer Bevölkerung, wenn dank überragender Technologie dafür gesorgt wird, dass der Mond solche Ausflüge in Zukunft unterläßt.

Im Horoskop des Amoklaufs stehen Sonne, das Problem der Stunde, und Saturn im 12. Haus, was auf tiefe Depression, Verzweiflung und Isolation hinweist. Symbolisch für den Attentäter steht der Waage-Aszendent, dessen Herrscherin Venus sich im 11. Haus befindet, das mit Freundschaft und Hoffnung zu tun hat. Venus steht Neptun gegenüber, das seine Enttäuschung in Freundschaften, allgemein sozialen Angelegenheiten und in der Liebe dokumentiert. Der Mond, der die Stimmung im Augenblick der Tat widerspiegelt, befindet sich ebenfalls im 11. Haus und läuft dort auf Saturn zu, was zusätzlich in die Richtung Depression und Verzweiflung aufgrund von Ablehnung, Missachtung und Außenseitertum hindeutet. Mars steht direkt am MC, dem höchsten Punkt der Sonnenbahn, was Gewalt zum obersten Ziel hat. Die Merkur-Pluto-Spannung auf das 3. Haus beschreibt eindrucksvoll die Gefahr, in der sich die Schule befindet (Pluto = Zerstörung, 3. Haus = Schule). Ein großes Glück, dass es „nur“ Verletzte gab.

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Vermischtes: HSV im Finale, Schweinegrippenastrologie und noch mehr Leichenfledderer

5 05 2009

Für einige Fussballfans im Norden hat der Astrologe Manfred Gregor eine gute und eine schlechte Nachricht: Der Hamburger SV erreicht das UEFA-Cup Finale gegen Werder Bremen, verliert aber am Sonntag in Bremen sein Bundesligaspiel. Wobei die in der Hamburger Morgenpost veröffentlichte Prognose für den UEFA-Cup nicht allzu gewagt ist, denn schließlich gewannen die Hamburger bereits das Hinspiel auswärts mit 1:0. Dass Gregor sogar die Matchwinner beider Spiele kennen will und für den Bremer Diego ein Tor in den ersten fünf Minuten des Sonntagsspiels vermutet ist eine in Astrologenprognosen selten genaue Aussage. Wenn’s daneben geht wird er sich wahrscheinlich mit der beliebten Ausrede, dass die Sterne nicht zwingen sondern nur „geneigt machen“ herausreden. Ob man den Lesern des Artikels bei der empfohlenen Reisebuchung zum Finale in Istanbul im Falle einer HSV-Niederlage am Donnerstag noch ein Rücktrittsrecht auf Kosten von Herrn Gregor einräumt ist leider nicht bekannt.

Die Schweinegrippe ist bereits vor Tagen ins Mundanforum von Astrologix geschwappt und bei den vielen dort zu findenden Horoskopbildern und abgedrehten Pseudoerklärungen mit Hilfe von Deutungen der Todeszeitpunkte von an der Spanischen Grippe im Jahr 1918 verstorbenen US-Soldaten (!!!) kamen sogar einer Mitdiskutantin namens „Marlies“ leise Zweifel. „NUR: Was hat die derzeitige Zeitqualität mit dem Tod dieses Soldaten zu tun? Hat sie überhaupt etwas damit zu tun?“ Userin „federkiel“ kontert mit einer kleinen Verschwörungstheorievermutung: „Also, wenn man mit der Lunge dieses Soldaten experimentiert hat, oder was gefunden hat, ist denen vielleicht etwas ausgekommen im Labor. Wäre ja nicht das Erste Mal„. Wie realitätsfern muß man eigentlich sein, um solches Hohlgeschwätz in eine Tastatur zu hämmern …

Nachdem bereits der Allgeier-Newsletter und der Astrologe Stephan E. Fuchs durch den tragischen Amoklauf eines Schülers in Winnenden mit einer besonders ekelhaften Form der astrologischen Erklärungsdiarrhoe infiziert wurden, scheint sich dieser Virus – etwas verspätet – auch bis zu Olaf Staudt verbreitet zu haben. Dieses Mal ist es die böse Zeitqualität und Staudt analysiert zielsicher aus der Ferne und den unvollständigen Geburtsdaten des Täters (die Geburtszeit fehlt in den Daten, die HSV-Prognostiker Manfred Gregor zugeliefert hat) „schwer wiegende Versäumnisse und emotionale Defizite von Seiten der Eltern“. Der dreiteilige Kommentar Winfried Noé’s zum gleichen tragischen Geschehen sowie das vedische Astrologiegeschwurbel von „Velvetrose“ alias Dirk Mett sind zwar schon etwas älter, aber wenn es so etwas wie eine Meisterschaft im Leichenfleddern geben würde, hätten sich die beiden Autoren ebenfalls qualifiziert. Dass Herr Mett eine solche Tat „eher früher, im Januar Februar erwartet“ hätte, und dies mit „dem Zeitpunkt der eigentlichen Beschlußfassung vor der Tat“ zu „erklären“ versucht ist die übliche Überheblichkeitsrhetorik eines sich allwissend fühlenden Nachherdeuters ohne jegliches Schamgefühl.