WM-Prognosen Update: Hemispheren, Trikotfarben, Kraken, ein Erzengel und die Sterne

23 06 2010

Deutschlands WM-Gewinnwahrscheinlichkeit ist beim World Cup-Predictor des Co-Sponsors Castrol nach der Pleite gegen Serbien wieder gefallen. Dafür taucht jetzt erstmals Portugal in der Spitzengruppe auf – und Uruguay hat jetzt die gleiche Wahrscheinlichkeit wie die deutsche Mannschaft vor Turnierbeginn. Der regelmäßige Update der Seite lässt netterweise ausgeschiedene Teams auch gleich „verschwinden“:

Ob sich nach dem Spiel heute Abend auch die deutsche Fahne im „Schattenreich“ der Titelwahrscheinlichkeiten wieder findet bleibt anzuwarten. Die Fans werden sich natürlich gerne auf die Prognose von Hellseherin Annelie Eik (Vielen dank an den Vechtablog!) verlassen, die ihr direkt vom Erzengel Gabriel eingeflüstert wurde. OK, das Ende der deutschen Titelträume hat sie auch vorhergesagt, denn mit dem Halbfinale soll’s nichts werden – es sei denn der Erzengel hat sie angelogen.

Wer sich lieber an die Prognosen real existierender Wesen hält, dem sei Paul empfohlen. Der im Sealife Oberhausen lebende Oktopus soll bei seinen Prognosen zu den bisherigen WM-Spielen der deutschen Mannschaft eine 100%ige Trefferquote haben – für das Ghana-Spiel setzt das Krakenorakel wieder auf Deutschland! Ob Paul treffsicherer ist als seine Kollegen Benedikt und Angus bei der WM 2006? Diese sahen damals die  deutsche Mannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien ausscheiden …

Das astrologische WM-Tippspiel im Forum von astrologie.de liefert neben Ergebnisprognosen sogar noch Ratereien für den Zeitpunkt des ersten Treffers – komischerweise unterscheiden sich die Prognosen der Astropraktiker, auch wenn gleich zwei Mal das erste Tor für die 14. Spielminute prognostiziert wird. Nicht ganz so genau, aber immerhin optimistisch, schaut dieser Astrologe in die Sterne:

Also könnte man sagen, beide Favoriten gewinnen. Wir tun das mal und sagen hier einen Sieg für Deutschland und einen für Serbien voraus.

Update (23.6., 13:20 Uhr): Im Starfish-Blog wird auch gehofft, aber dort scheint die Autorin in den Sternen nichts Genaues zum Ghana-Spiel erkennen zu können:

Schwierig, schwierig. Ich glaube, die Sterne wollen mir nicht sagen, wer heute Abend gewinnt. Vielleicht ist das eine der Situationen, in der einfach noch alles offen ist und der Kosmos jetzt die Frage nicht beantworten kann.

Ob Herr Amann seine Prognoseseite mit den heutigen Spielen anreichert weiß ich nicht ( ich werde kurz vor 16:00 Uhr nochmals nachschauen und dann ggf. ein Update einfügen – Update 23.6., 22:48 Uhr: Für die Spiele heute gab es tatsächlich keine Prognosen von Herrn Amann … … die Seiten von 16, 18 und 22 Uhr sind jeweils auf WebCite archiviert – Update 24.6. 14:30: Für heute gibt’s wieder Prognosen), bisher ist seine Trefferquote jedenfalls nicht allzu berauschend. Bei 34 Spielen zu denen er einen wahrscheinlichen Sieger genannt hatte lag er 14 Mal richtig und  11 Mal falsch (die 9 Unentschieden fallen – gemäß seiner eigenen Treffer-Definition – aus der Wertung). Auch auf einen Titelgewinner will er sich astrologisch bisher noch nicht festlegen sondern bietet mit Argentinien, Brasilien, Deutschland, England und Uruguay fünf mögliche Weltmeister an.

Die südafrikanische Stundenastrologin Jaqueline Brook traut sich auch nicht, irgendeinen „astrologischen Favoriten“ zu küren. Sie sieht den Sieger in der „nördlichen Hemisphere“ beheimatet – Glück für Brasilien, denn dieses Land rechnet sie sowohl der südlichen als auch der nördlichen zu, Argentinien und Uruguay hätten demnach allerdings keine Chance. Spätestens zum Halbfinale will sie sich auf einen Favoriten festlegen (dann ist die Auswahl ja auch weniger groß) und überläßt es ihren Lesern ob diese die Ergebnisse schon vor dem jeweiligen Anstoß wissen wollen:

As the tournament unfolds I will take a closer look at certain teams and add the predictions for those matches to this article on this web site; it is up to the reader to decide if they wish to know the outcome of these events prior to kick-off, or not. The most exciting weeks will obviously be those of the semi finals and finals and by then I will have decided on a firm favourite!

Andi Singh aus Malysia will zumindest die Trikot-Farben der besten Teams aus den Sternen gelesen haben:

teams wearing green, purple, gray and brown would do well at this year’s World Cup.

Aha, und das grüne Team wird das braune im Finale schlagen … … fragt sich nur, welches Team überhaupt in braunen Trikots aufläuft! Vielleicht sollte sich der DFB jetzt ganz schnell noch neue Trikots bestellen, denn soweit ich weiß haben die deutschen Leibchen keine der genannten Farben – aber bitte nicht blau oder rot, denn damit sieht’s im Finale ebenfalls schlecht aus.





Weitere WM-Prognosen und Zahlenspielereien

17 06 2010

Das südafrikanische Summermärchen (kein Tippfehler) ist ja bereits voll im Gange, aber hin und wieder gibt es noch neue Prognosen zum Ausgang der WM. So hat sich der Mannheimer Wahrsager Emanuell Charis bei seiner Favoritenprognose auf die üblichen Verdächtigen „festgelegt“ – und sieht Deutschland als Vizeweltmeister. Einzelne Astrologen versuchen sogar so ziemlich jedes Spiel irgendwie vorherzusagen – bin mal gespannt, ob sie das bis zum Ende durchhalten, und ob die Ergebnisse dann in irgend einer Form überraschend sind.

Ist es nicht viel lustiger, beim kenntnisfreien Herumschwafeln mit Freunden eigene Prognosen zu erstellen und mit der Realität abzugleichen? Auch ohne tiefer gehende Fußballkenntnisse habe ich letzten Sonntag beim gemeinsamen Deutschland-Spiel-Kucken eine solche gewagt – das Ergebnis erinnerte dann allerdings  eher an folgendes Video:

Der damit beworbene Goal-Predictor ist eine wirklich nette Spielerei. Die von den Machern vorbelegten „Stärkepunkte“ in Angriff, Abwehr und 11m-Treffsicherheit kann man dort für alle Länder auf einer Skala von 0-9 beliebig ändern und ein Programm berechnet dann eine – jeweils neue – Ergebnisprognose für das gesamte Turnier (unter Berücksichtigung der aktuellen Ergebnisse). Wie das verwendete „Gaussian mathematical model for football match simulation“ genau funktioniert wird leider nicht verraten, aber mit ein wenig Manipulation habe ich folgende Ergebnisprognosen für Halbfinale und Finale gebastelt:

OK, das war jetzt natürlich völlig unrealistisch – zumindest was die einzelnen Spielergebnisse angeht. Noch unrealistischer ist freilich diese – wohl lustig gemeinte –  „Prognose“ des YouTube-Users „EpicClown“: bei ihm siegt Nordkorea im Finale gegen Neuseeland …

Auch die im Spiegel ewähnten Zahlenspielereien sind nicht ernst zu nehmen, denn hier geht es lediglich darum mit irgendwelchen obskuren Rechenexempeln den nächsten WM-Titel für die deutschen Balltreter irgendwie auf das Jahr 2010 zu rechnen … … oder – falls es dann doch nicht klappt – eben auf 2014. Ebenfalls im Spiegel begründet der FDP-Mann Dirk Niebel, warum der vierte deutsche WM-Titel – im Gegensatz zu 2006 – dieses Mal nicht zu vermeiden sei: Weil die FDP – wie bei den Titelgewinnen zuvor – mit in der Regierung sitzt! OK, die FDP saß auch während der Weltmeisterschaften 1998, 1994, 1986, 1982 und 1978 in der Regierung – also doch eher ein schlechtes Omen?

Derweil haben sich übrigens die Weltmeisterwahrscheinlichkeiten im bereits erwähntenWorld-Cup-Predictor“ nach der ersten Spielrunde in Südafrika verändert: Brasilien liegt noch immer vorne (22,0% statt 23,4%), dahinter folgen aber jetzt die Niederlande (16,2% statt 9,8%), England (10,4% statt 10,3%), Spanien (10,2% statt 17,0%), Deutschland (9,2% statt 5,7%) und Argentinien (9,0% statt 7,5%) – in etwas veränderter Reihenfolge.

Wahrscheinlichkeiten, Sternenschwurbel, mehr oder weniger lustige Raterei – es wird auch dieses Mal sein wie immer: Irgendjemand wird mit seiner Prognose Recht gehabt haben …





Fußball WM und Astrologie: kaum Prognosen, viel Blabla (Update)

11 06 2010

Hatte nicht Herr Amann aus Österreich ab dem 10. Juni seine astrologischen WM-Prognosen angekündigt? Ja, hatte er, aber auf seinem Blog sind sie bisher schlicht und einfach nicht zu finden. Ob die Prognosen so feinstofflich sind, dass man sie gar nicht mehr lesen kann? Vielleicht bezog sich das „ohne Gewähr“ in seiner Ankündigung vom 31.5. ja auch nicht auf die Richtigkeit der Prognosen sondern darauf, ob er sie überhaupt der Öffentlichkeit präsentiert …

Update, 14.6.: Inzwischen hat Herr Amann seine ersten Prognosen (… und heute Abend ist es schon eine mehr …) tatsächlich präsentiert – und dazu ein recht eigenartiges „Regelwerk“ zur Bewertung. Als Prognosen gibt er Prozentwerte für den Sieg einer der beiden Mannschaften an, als Fehler will er seine Prognose aber nur dann gewertet wissen, wenn die Mannschaft mit der höheren Wahrscheinlichkeit verliert. In seinen eigenen Worten:

Fehlinterpretationen gelten erst dann, wenn derjenige Staat verlieren würde, der als Sieger berrechnet wurde. Unentschieden gilt also nicht als Fehlinterptetation.

Mal sehen, ob er sich neben den bisherigen 8 (jetzt 9) Prognosen noch weitere zutraut … … bisher lag er bei 3 Spielen falsch, eines ging Unentschieden aus (wenn er es nicht als „Fehlinterpretation“ gezählt haben will, ok – dann ist es aber auch kein Treffer) und 4 Mal lag er richtig.

Seine Wiener Kollegin Rosalinde Haller erbat sich – laut dieser Meldung – noch ein wenig Bedenkzeit. Mal sehen, ob und wenn ja wann sie versucht ihre Traumquote von der EM 2008 zu toppen. Damals lag sie mit ihren sehr ausführlichen Tipps weitgehend daneben: Keines der von ihr im Februar ins Halbfinale prognostizierten Teams erreichte dieses tatsächlich …

Auch Iris Treppner, Spezialistin in den Disziplinen Prozentrechnung und Dreiste Übertreibung, hatte auf einer ihrer vielen Webseite angekündigt:

Sobald die Spielpläne stehen, gibt es auf dieser Seite weitere Informationen!

Gibt es aber nicht. So bleibt’s bei ihrer alten Prognose für ein Finale dessen Sieger „erst nach Verlängerung und vielleicht sogar erst beim 11-Meter-Schießen“ ermittelt wird: England – Argentinien

Im bayrischen Rundfunk durfte Petra Renzi fast 6 Minuten lang weitgehend Positives über die deutsche Mannschaft ins Mikro blubbern – zumindest bis zum Achtelfinale, denn die folgenden Tage sind dann „schlecht bestrahlt„. Sinnfrei und völlig wirr kicherte sich die Dame durch ein Interview – dessen Moderator man für die nächsten Tage eine Horde dauertrötender Vuzuela-Fans in die direkte Nachbarschaft wünschen möchte. Warum stellt der Mann nicht einmal eine konkrete Frage?

Aber nicht alle Sternenschwurbler verweigern die Prognosen so vollständig. Im Starfish-Blog gibt es eine wenig überraschende Prognose zum Spiel Deutschland gegen Australien – der erwartete Sieg der deutschen Kicker wird in der unter Astrologen üblichen Schwurbelsprache wie folgt begründet:

Ein wichtiger Faktor ist jedoch der Glückspunkt (Pars Fortuna), hier auf 26° Wassermann im 1. Haus. Er bildet ein Antiszium (Spiegelpunkt) zur Spitze des 10. Hauses, was ein sehr deutliches Argument für einen Sieg der Favoriten-Mannschaft ist. Zusätzlich bildet der Nebensignifikator für die deutsche Mannschaft, Mars, ein Sextil zum Antiszium des Glückspunktes.

Das muss man nicht verstehen – aber wer mag kann ja im Astrologenwiki solche Begriffe nachschlagen.

Solchen Umstand vermeidet man als Leser dieser Seite. Das 0:0 würde ich dabei nicht als Prognose für das Spiel verstehen wollen, denn hier werden lediglich irgendwie astrologisch den einzelnen Spielern bis zu 5 Fußbälle zugeordnet – also keinerlei Schwurbeltexte und eine Logik, die der ’schland-Fan auch nach dem 15. Bier noch verstehen kann (Ob die 92:82,5 Fußbälle irgendwie das Ergebnis symbolisieren sollen?). Außerdem gibt es bei einigen Spielern noch kleine, kurze Anmerkungen die irgendwie nach Fußball klingen – und durchaus überraschende Erkenntnisse liefern. Jetzt wissen wir nämlich, dass die Nummer 3 im Nationalmannschaftstor für das erste Spiel nicht nur einen „Publikum-Beliebtheitsprunkt“ sein eigen nennen kann, sondern auch „leicht rotgefährdet“ ist. Gilt das auch, wenn er gar nicht spielt? Andere Spiele haben einen „Fleißigkeitspunkt“ (der immer mit der Gefahr eines Platzverweises korreliert: „Extrem rotgefährdet„), einen „Technikpunkt“, einen „Gefährlichkeitspunkt“ – ein Australier hat gar einen Raubkatzen-(Torgefährlichkeits)punkt … … ob das Löw zu einer Sonderbewachung animiert?

Welche Bedeutung „Überraschungspunkt“ oder „Talismann-Glückspunkt“ haben weiß ich nicht, aber beim „Schiri-Lieblingspunkt“ habe ich ganz klare Vorstellungen: Mesut Özil wird also besonders viel und/oder hart foulen dürfen, ohne eine gelbe oder rote Karte bzw. einen Elfmeter für den Gegner zu riskieren … oder er erhält einen unberechtigten Elfmeter zugesprochen (Update: Ob seine mit einer gelben Karte bestrafte Schwalbe der Versuch war, den Schiri-Lieblingspunkt irgendwie „einzulösen“???). Eigenartig finde ich nur, dass auch ein Spieler der gegnerischen Mannschaft so einen Schiri-Lieblingspunkt hat. Wie entscheidet der Schiri, wenn sich ausgerechnet diese beiden auf dem Platz unsanft begegnen?

Ob man noch auf weitere astrologische Prognosen zur WM warten sollte? Wenn sogar Helen Fritsch, Leiterin der Hamburger Astropraxis (…  bei der man sich einzelne Kurse von der Bundesagentur für Arbeit finanzieren lassen kann …) schreibt …

Astrologische Prognosen über das konkrete Abschneiden einzelner Mannschaften sind unseriös,

… und sich dabei auf den Deutschen Astrologen Verband beruft, dann könnten sich die Sterndeuter doch all die Mühe beim Schreiben einer astrologische klingenden Begründung gleich sparen und – wie viele andere auch – einfach aus Spaß ein wenig raten. Eine bessere Trefferquote ist mit der Astrololgie bekanntlich eh nicht zu erzielen.

Weitere Prognosen gibt es hier und da und dort





Prognosen 2010 (Teil 7): WM-Prognosen aller Art

7 06 2010

Kurz vor der Fußball-WM in Südafrika nimmt erwartungsgemäß auch die Zahl der Prognosen zum Ausgang des Kickerspektakels zu. Dabei könnten die Quellen der im Folgenden vorgestellten Prognosen unterschiedlicher kaum sein. Von Astrologen über mehr oder weniger fachkundige Ratereien bis zu statistischen Simulationsmodellen reicht die Bandbreite. Beginnen möchte ich mit drei Prognosen aus dem Bereich Mathematik/Statistik/Ökonometrie.

Als Co-Sponsor der Titelkämpfe hat sich Castrol mächtig ins Zeug gelegt und bietet auf einer  Fußballseite einen „World-Cup-Predictor„. Dort kann man nicht nur die Wahrscheinlichkeiten für den Titelgewinn der einzelnen Nationen, sondern sogar die Wahrscheinlichkeiten jedes im Turnier möglichen Spielergebnisses (zumindest in der Form Sieg – Unentschieden – Niederlage) und einiges mehr abfragen. Das Ganze wird offensichtlich laufend upgedated, denn die angegebenen Wahrscheinlichkeiten ändern sich immer wieder ein wenig.  Die Namen der drei Topfavoriten blieben allerdings in den letzten Tagen gleich: Brasilien (aktuell: 23,4%) vor Spanien (17,0%) und England (10,3%). Hinter den Niederlanden (9,8%) und Argentinien (7,5%) folgen die Bundeskicker mit 5,7% auf Rang 6.

Deka-Bank und UBS haben für ihre WM-Broschüren ebenfalls fleißig mit statistischen Simulationen herumgespielt. Auch hier hat Brasilien die jeweils höchste Siegeswahrscheinlichkeit. Während aber die Ergebnisse bei der DEKA-Bank den Castrol-Berechnungen noch weitgehend ähneln (bei der DEKA folgen Spanien, Niederlande, England, Italien und Deutschland) sieht die Reihenfolge hinter Brasilien (22%) bei der UBS ganz anders aus: Deutschland (18%),  Italien (13%), Niederlande (8%), Frankreich (6%) und Argentinien (5%) liegen allesamt vor Spanien und England (jeweils 4%). OK, wer jetzt im aktuellen Spektrum der Wissenschaft den Artikel ‚Ist Fußball Glücksspiel?‘ aus den Mathematischen Unterhaltungen gelesen hat, der wird auf diese Prognosen eh nichts geben. Wie der Autor dort am Ende anmerkt lässt sich das ansonsten (… im Liga-Alltag) recht zuverlässige mathematische Modell (… zuverlässig im Vergleich zu einem Zufallsgenerator) auf eine Weltmeisterschaft gar nicht übertragen, da ‚diese nur alle vier Jahre stattfindet und sich die Zusammensetzung der Mannschaften in diesem Zeitraum stark ändert.‘

Die Astrologen drücken sich ja normalerweise eher kryptisch aus, es gibt allerdings auch Ausnahmen: Dieser Astrologe verbreitet die frohe Botschaft für die Oranje-Kicker sogar über ein Video:

Österreich spielt zwar gar nicht mit, aber auch in der Alpenrepublik kann man in die Sterne schauen und daraus irgendwelche Nonsensschlüsse ziehen. Ich bin schon mal gespannt, welche Prognosen uns von Herrn Amann erwarten: In seinem Blog kündigte er am 30. 5. an, dass er ab dem 10. 6. astrologische Fußballergebnisse zur Verfügung stellen wird – selbstverständlich ‚ohne Gewähr‘. Mal abwarten, was da so kommt …

Über einige weitere Prognosen aus der Astrologenszene hat Florian Freistetter aktuell berichtet. Entgangen ist ihm allerdings die genialste aller Prognosen – und die Auszeichung dafür gebührt ohne Einschränkungen Winfried Noe:  Kurz vor Weihnachten 2009 hatte er  im Kalenderblog auf die Frage nach dem kommenden Fußball-Weltmeister mit folgendem Sätzchen geantwortet:

“Das beste Team.”

Genaueres verraten die Sterne wohl nicht, aber vielleicht wissen Tarotkarten oder irgendwelche ‚Psychics‘ mehr? Sue Knock zum Beispiel traut sich was: Sie sieht schon jetzt, dass Ghana die WM gewinnen wird – und dass Deutschland und England nach starkem Beginn abfallen werden (während sich Italien und Frankreich im Laufe des Turniers steigern). Ein Kartenleger auf dieser Seite nennt die vier Halbfinalisten (Brasilien, England, Italien und Argentinien) und überlässt den Rest irgendwelchen Göttern. Das kanadische Medium Blair Robertson setzt auf die Spanier … … also irgendwie kommen immer die gleichen Namen –  oder eben gar keine.

Da sind mir Prognosen wie die Folgenden wesentlich lieber, denn da berufen sich die Autoren eigentlich auf gar nichts. Reine Raterei also? Vielleicht auch einfach eine Mischung aus Spaß, Wunschdenken und Youtube-Spielerei – die bisweilen aber wenig erfolgreich ist. So dauert das erste Video quälend lange 9 Minuten und ist wegen einer extrem dilletantischen Tonmischung weitgehend unverständlich – aber es wird ein ‚Sieger‘ benannt: England!

Der folgende Clip ist zumindest technisch ganz ok – er beginnt mit dem entscheidenden Elfmeter der WM 2006, liefert nette Flaggenanimationen und die erwarteten Ergebnisse aller Vorrundengruppen – für die entscheidenden K.O.-Runden danach reicht dann eine einzige schäbige Grafik (ab 4:20):

Argentinien als Titelträger? Die Fußballfans hierzulande werden eher folgendes Video lieben: Dort wird ein vollständiges Turnierszenario mit allen (!!!!) Spielergebnissen geboten und …

… einem Sieger der dann tatsächlich Deutschland heißen soll.

Da aber sowieso die Prognostiker aus den jeweiligen Ländern wohl am liebsten ihr eigenes Team vorne sehen, ist der folgende Clip für die Fußballfans aller teilnehmenden Länder zu empfehlen:

Herrlich kurz und wunderbar klar wird die Botschaft transportiert: Das eigene Team wird den Cup gewinnen – jetzt oder irgendwann später! Zumindest macht man sich mit einer solchen Prognose bei den heimatlichen Fans nicht unbeliebt.





Schüler testen: Astrologie versagt!

27 05 2010

Klasse Idee aus Nienburg (Weser): Am Marion-Dönhoff-Gymnasium trifft sich jeden Montag die „Skeptiker-AG“ – Schülerinnen und Schüler der 8.-10. Klasse, die sich mit vielerlei spannenden Fragen beschäftigen.  Von Astrologie über das Monster vom Loch Ness bis zu Verschwörungstheorien und dem Yeti reicht die Themenpalette – wobei sich die Nachwuchsskeptiker natürlich zunächst mal – wie auch die lokale Sonntagszeitung berichtete – mit der Theorie beschäftigen müssen; also damit wie mit den Methoden der Wis­sen­schaft Be­haup­tun­gen eigentlich geprüft werden. Ob sie sich dabei auch von folgendem Video* zu einem Test inspirieren liessen weiß ich natürlich nicht …

… aber dass sie die Methodik beherrschen haben die Schüler mit einem Astrologietest gezeigt, den sie im Rahmen ihrer AG  durchgeführt haben:

Versuchsanordnung

Drei freiwilligen Versuchspersonen wurden zur Überprüfung der Übereinstimmung mit ihrer Person zwei verschiedene Charakterhoroskope vorgelegt. Eines der beiden Horoskope wurde mit Hilfe der Geburtsdaten ermittelt, das andere war ein fremdes (das einer anderen Versuchsperson).
Die Versuchspersonen hatten die Aufgabe, die Horoskope zu lesen und anzugeben, inwieweit diese auf die eigene Person zutreffen (Übereinstimmung in Prozent). Die Versuchspersonen wussten nicht, bei welchem Horoskop es sich tatsächlich um ihr eigenes handelte (so genannte „Verblindung“). Sie erfuhren es erst nach dem Versuch.
Die verwendeten Charakterhoroskope wurden auf der Astrologie-Seite http://de.astrogeno.com/ unter Angabe von Geburtszeitpunkt und Geburtsort erstellt.

Das Ergebnis ist für die Astrologie katastrophal:

Die jungen Probanden fanden also in einem fremden Horoskop im Schnitt mehr Übereinstimmungen zur eigenen Person als in dem zu ihrem Geburtsdatum erstellten und folgerichtig formuliert das Versuchsergebnis auch ganz klar:

Der von Astrologen behauptete Zusammenhang zwischen den Charaktereigenschaften eines Menschen und der Konstellation der Himmelskörper zum Zeitpunkt seiner Geburt konnte im Experiment nicht belegt werden.

Natürlich ist das für Skeptiker keine neue Erkenntnis, aber auf die Teilnehmer der Skeptiker AG dürfte dieses eigene Experiment einen nachdrücklicheren Eindruck hinterlassen als wenn man ihnen nur folgenden Beitrag aus der RTL-Sendung „Welt der Wunder“ vorgespielt hätte. Dort findet man – nach der sehr schönen Entlarvung und Demonstration von Techniken des  „Cold Reading“ – am Ende noch zwei ähnliche Tests mit vergleichbaren Ergebnissen:

Gibt es eigentlich ähnliche Veranstaltungen auch an anderen Schulen? Zu wünschen wäre es, denn zum Einen gibt es genug Themen aus dem „Skeptiker-Repertoire“ mit denen man Schülerinnen und Schüler begeistern und an denen man die wissenschaftliche Methode wunderbar erklären und erproben kann, zum Anderen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass eine solche AG allen Beteiligten auch richtig Spaß macht – und der sollte bei einer AG natürlich nicht zu kurz kommen.

* Nein, ich bekomme von They might be giants kein Geld für diese erneute Werbung – ich finde aber, dass man die CD/DVD „here comes science“ nicht oft genug lobend erwähnen kann … … sie eignet sich übrigens bestimmt auch gut für den Einsatz im Englischunterricht!





Weltklasse? Erledigt!

25 05 2010

Wie war das noch mit dem Astrologen aus Darmstadt, der sich mit einer paradox benamten Webseite („gute-astrologie“? – klingt irgendwie nach „wohlduftende-Gülle“!) und zwei openPR-Veröffentlichungen (jeweils verziert mit ein und dem selben Bild, das die Möchtegernweltklasse in unmittelbarer Nähe eines weltbekannten Exiltibeters mit inhaltsleerer Schwafelneigung und dauernder Grinselähmung zeigt) Ende letzten Jahres so richtig bekannt machen wollte? Scheint ja irgendwie nicht geklappt zu haben, denn als ich heute mal auf seiner Webseite vorbeischaute war es vorbei mit den „Prognosen von Weltklasse“ – stattdessen ein Bild, eine Liste der üblichen esoterischen „Dienstleistungen“ und der Hinweis: Wir bauen um!

Aktuelle Webseite www.gute-astrologie.de





Astrologische Eyjafjalladingens: Datum egal

18 05 2010

Sollte tatsächlich irgend ein Astrologe vorausgesehen haben, dass Mitte April der gesamte Flugverkehr in Nord- und Mitteleuropa wegen eines isländischen Vulkans zum Erliegen kommen würde, dann ist mir diese Prognose doch glatt durch die Lappen gegangen. Gefunden habe ich allerdings ein paar der üblichen und lächerlichen astrologischen Erklärungsversuche im Nachhinein …

Zum Beispiel auf astrologie.de: Dort hatte bereits am 18.4. Gabrielle Moog den Kleinstplaneten Astraea als „Verursacher“ des Flugverbots ausgemacht, ihr Kollege Andreas W. Höschen widersprach nur einen Tag später:

Da braucht es meines Erachtens keineswegs eine von den hauptsächlichen Themen nur ablenkende „Beschwörung“ eines Asteroiden wie Astraea zur Erklärung, wie eine geschätzte Kollegin es hier vor einigen Tagen vorschlug.

Natürlich brauchte es Astraea nicht, denn das Herr Höschen hatte ja schon Ende März für das „Schicksalsjahr 2010“ alles Mögliche  vor sich hin gemurmelt:

Es geht also um möglicherweise plötzliche und unerwartete radikale und explosive Umwälzungen, welche Wirtschaft und Gesellschaft ganz praktisch und real betreffen.  […]

Da Saturn und das Steinbockzeichen, in welchem sich Pluto aufhält, auch ganz direkt die Materie bedeuten, enthält diese Konstellation durchaus auch die Möglichkeit zu schweren Erschütterungen der Erde selbst:
Erdbeben, Vulkanausbrüche …

Haiti und Chile waren vielleicht noch nicht „alles“.

Immerhin widersteht der Mann der Versuchung, die Nennung des Wortes „Vulkanausbrüche“ als exorbitanten Treffer für sich zu reklamieren – stattdessen verweist er auf seine weiteren Texte, in denen er ähnlich obigem Zitat bedeutungsschwanger vor sich hin schwurbelt (… und die er offensichtlich immer wieder nachträglich untereinander verlinkt). Er findet natürlich auch ein Datum, aus dem er die Aschenwolkenflugverbote nachträglich noch sehr gut erklären kann (Hervorhebung von mir):

Denn die Opposition von Saturn und Uranus wurde Ende April zum vorletzten Male exakt. am 27. 4. um 0 h 23 MESZ – zum ersten Male zeitgleich mit den ebenfalls schon bestehenden Quadraten zu Pluto.

Gefallen hat ihm offensichtlich auch die Erklärung seines Kollegen Holger L. Faß, der die Flugausfälle jedoch mit den Gestirnsständen zu einem ganz anderen Datum begründet (Hervorhebung von mir):

Die Umkehr des Planeten Merkur fand exakt am 18. April 2010 um 06:05 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit statt. […] Wir schauen nämlich, ob Merkur in diesem Moment Verbindungen zu anderen Planeten eingegangen ist. Das ist der Fall: es gab ein Quadrat zu Mars. […] Mars wiederum ist ein Planet der Schnelligkeit. […]  Tatsächlich bremst der im Erdzeichen stehende, rückläufige Merkur uns besonders dort aus, wo es schnell gehen soll. Fies. Denn da trifft uns die Zwangspause am meisten. Schauen wir uns aber ergänzend noch einen anderen Faktor an, der üblicherweise für den Flugverkehr herangezogen wird: Uranus, Planet des Himmels und ebenfalls der Schnelligkeit. Auch er ist an Ketten gelegt: aktuell beschert uns der Kosmos eine Konfrontation zwischen Uranus und Saturn, wobei Saturn als Bremser bekannt ist.

Im Newsletter des Allgeier-Verlags ist derVulkanausbruch natürlich ebenfalls Thema. Immerhin: die Allgeiers hätten ihre Newsletterempfänger vorab irgendwie warnen können, denn sie begründen das Ganze mit einem weiter zurück liegenden Datum (Hervorhebung von mir):

Am 20.3.2010 kurz vor Mitternacht fand nun zwar kein Erdbeben statt, aber die Erde brach in Island auf.

Für  Olaf Staudt ist die Flugasche natürlich nur ein weiterer Beleg für die universelle Gültigkeit seiner Astrologie. Zumindest schreibt er das in seinem aktuellen Newsletter, denn tatsächlich hatte er in einem früheren Newsletter den 13. und 14. April erwähnt …

Am 13. wird ein Halbsextil zwischen Uranus und Neptun exakt, zusätzlich aktiviert durch einen Neumond am 14. (siehe Abb. rechts). […] Die Erfahrung hat gezeigt, dass Verbindungen dieser beiden kollektiven Planeten häufig mit Naturkatastrophen wie Erdbeben, Stürmen und Tsunamis korrelieren, […]. Unglücksfälle im Zusammenhang mit der Luft- oder Schifffahrt bzw. Wasser allgemein sind weitere mögliche Entsprechungen.

Die Konstellation ist den ganzen März und April hindurch wirksam.

… und auch wenn er am Ende die „Wirksamkeit“ seines Datums noch fix auf 2 Monate ausdehnt, für ihn passt es natürlich trotzdem:

Der Eyjafjalla wurde am 14. April aktiv.

Nö, wurde er nicht – zu diesem Zeitpunkt hatte er schon ein paar Tage lang Asche gepustet und Lava gespuckt. Hier lag der Allgeier-Newsletter wohl besser – obwohl das andererseits sowieso völlig schnurz ist. Es ist ja offenbar egal, zu welchem Datum sich Astrologen ein Horoskop anschauen: Im Nachhinein findet sich immer eine passende Konstellation – egal für was.





Astraea war’s – nicht Eyjafjallajökull!

19 04 2010

Jetzt ist es endgültig raus: Der isländische Vulkan mit dem schönen Namen Eyjafjallajökull ist absolut unschuldig an den derzeit herrschenden Flugverboten in ganz Europa. Das wäre ja noch schöner, wenn man aus einem solchen Ereignis nicht sofort irgendwelche Verschwörungstheorien zusammenbasteln könnte …

Hier werden groß angelegte Antiterror-Maßnahmen und Notstandsübungen vermutet, dort ist irgendwie die NATO beteiligt und in dem von zoon politikon berichteten Verschwörungstheorien soll gar die Landung von Außerirdischen vorbereitet oder verschleiert werden.  Inzwischen werden in den Kommentaren zu einem neuen Artikel bei den selbst ernannten Infokriegern immer schwerere Geschütze aufgefahren, wobei ein sich möglicherweise veränderndes Magnetfeld ebenso erwähnt werden wie der Beginn einer neuen Weltordnung.

Dabei ist es doch eigentlich gaaaaanz anders. 117 km „groß“ ist der Asteroid, der laut Gabrielle Moog’s Artikel auf astrologie.de vom Sonntag Vormittag den Flugverkehr an den Boden fesselt:

Ganz einfach: im Vollmondhoroskop (wirksam meist ab ca. 10-14 Tage vor dem exkten Vollmond) für den 28. April steht Astraea in Konjunktion mit Uranus und zwingt den Flugverkehr (Uranus) unbeweglich am Boden zu bleiben, wie sie es damals tat, statt zu den Göttern in den Himmel aufzusteigen.





Nachtrag zum Tag der Astrologie

24 03 2010

Am vergangenen Samstag war ja – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – der „Tag der Astrologie“. Zwar wies der Deutsche Astrologenverband auf seiner Webseite auf diesen Tag hin, aber die Ankündigung „Rund um diesen Tag führen viele der insgesamt 33 Regionalstellen des DAV besondere Veranstaltungen durch.“ wird durch den Veranstaltungskalender konterkariert: Lediglich 3 Veranstaltungen (und davon zwei nicht am 20.) berufen sich auf diesen Tag. Sogar auf dem „Informationspool“ Astrologie.de fand sich nur ein einziger Artikel, der diesen Tag (ganz am Ende) erwähnte, und dessen Titel mich durchaus erstaunte:

Hat die Verschiebung der Erdachse Einfluss auf die Astrologie?

Im Artikel wird zu Beginn auf eine Meldung aus der Frankfurter Rundschau (über die vom Erdbeben in Haiti ausgelösten, minimalen Verschiebungen der Erdachse um 8 cm) verwiesen – aber warum dieser erwähnt wird bleibt im weiteren Verlauf  schleierhaft. Der Autor erklärt nämlich lediglich den Unterschied zwischen – astrologischen – Sternzeichen und – astronomischen – Sternbildern, erwähnt die Präzession der Erdachse und erklärt dann – vollkommen richtig:

Wir sehen schon, dass moderne Astrologen keine Beziehung zwischen den Sternansammlungen am Firmament und dem Tierkreis annehmen.

Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber immerhin wird sie auch mal von Astrologenseite öffentlich erwähnt. OK, in Lehrbüchern zur Astrologie wird das in der Regel auch erklärt, aber gegenüber den Kunden verschweigen die Astrologen meiner Erfahrung nach fast ausnahmslos, dass die Sternzeichen schlicht und einfach keine Entsprechung am Himmel haben. Im nächsten Satz fehlt dann allerdings das 5. Wort („willkürlich“):

Der Tierkreis ist eine Einteilung des Sonnenjahres in einen Zwölfer-Rhythmus, er beschreibt die Planetenbahnen in ihrem Lauf durch das Sonnensystem von der Erde aus gesehen.

Äh, na ja. Der Tierkreis ist gerade – willkürlich – so gemacht worden, dass alle Planeten auf jedem Punkt dieses zweidimensionalen „Kreises“ irgendwann erscheinen (also haben alle aus Sicht des Tierkreises die „selbe Bahn“). Dass dies nichts mit der Realität zu tun hat, Abstände zu den Planeten ebenso ignoriert werden wie Bahnabweichungen von der Ekliptik, das verschweigt der Autor natürlich ganz dezent. Immerhin kriegt er noch die Kurve zur verschobenen Erdachse …

Solange ein Erdbeben die Erde nicht „aus der Bahn wirft“, solange stimmen die Aussagen der Astrologie.

… und liefert dann die übliche astrologische Selbstbeweihräucherung. Dabei war die ganze Erdachsengeschichte doch gar nicht notwendig, denn die Aussagen der Astrologen stimmen ja bekanntlich immer, auch wenn sie das falsche Horoskop, den falschen Tierkreis oder völlig unsinnige Geburtsdaten benutzen …

Florian Freistetter nahm den Astrologietag zum Anlass und kommentierte einen aktuellen Artikel aus dem gleichen Informationspool der Astrologin Birgit von Borstel. Das nicht gerade überraschende Ergebnis lautete, dass die Dame außer einer Menge Schwurbelei nichts zu ihrem selbstgewählten Thema „Wissenschaft vs. Astrologie“ beitragen kann, da sie schlicht und einfach keine Ahnung von Wissenschaft und ihrer Methodik hat. In ihrem aktuellen Artikel fehlt allerdings die ansonsten unter Esoterikern so beliebte Erwähnung der Quantenmechanik … … aber das hatte Frau von Borstel ja auch gar nicht mehr nötig, denn  das hatte sie ja bereits im Januar 2007 unter dem fast gleichen Titel „Wissenschaft vs. Astrologie“ erledigt:

Das ganzheitliche System der Astrologie und das Paradigma der Wissenschaft von einem mechanistischen Universum schließen sich grundsätzlich gegenseitig aus. Dieses Paradigma wird übrigens auch moderneren Thesen wie der Teilchenphysik nicht mehr gerecht – die Quantenmechanik konnte z.B. nicht von der klassischen Mechanik abgeleitet werden, da sie voraussetzt, dass die Materie gleichzeitig Aspekte des Teilchens wie auch des Wellenverhaltens aufweist.

Teilchenphysik und Quantenmechanik gehören also nicht zum Paradigma der Wissenschaft? Diese Erkenntnis dürfte diversen Physikern ziemlich neu sein! Den letzten Abschnitt ihres damaligen Textes mag ich übrigens am liebsten, ist er doch ein weiteres Paradebeispiel für die einzige Disziplin, in der ich vielen Esoterikern wahre Meisterschaft zugestehe: Die wahllosen Verknüpfung vermeintlich bedeutsamer Buzzwords zu völlig sinnfreien und lächerlichen Texten. Der Abschnitt beginnt ein wenig wirr, denn zumindest mir ist vollkommen unklar, welche alten Theorien sich hier wem oder was öffnen sollen:

Vielleicht ist es doch nur noch eine Frage der Zeit, bis die Astrologie bis sich die Wissenschaft einer Erweiterung der alten Theorien über die Welt öffnet.

Es folgt ein Buzzwordsatz mit Globalisierung, Klimawandel und irgendeinem „Wandel des Bewusstseins“, der natürlich nichts mit Astrologie zu tun hat …

Die fortschreitende Globalisierung und Themen wie der Klimawandel tragen zumindest einen Teil zum Wandel des Bewusstseins bei, dass alles miteinander verbunden ist.

… gefolgt von der nicht unüblichen Rechtfertigung der Astrologie mittels der Erwähnung der Psychologie (… wobei natürlich hartnäckig verschwiegen wird, dass es für die Astrologie eben keine empirischen Belege gibt):

Bis dahin kann man Astrologie wie gehabt unter empirischen Gesichtspunkten betrachten, ähnlich wie die Psychologie. Und mit dieser wissenschaftlichen Zunft harmoniert sie ja wunderbar, […]

Ach wirklich? Nee, das tut sie wirklich nicht! Vielleicht solte man vor einer solchen Behauptung einfach mal einen Psychologen fragen? Diesen Text hatte ich schon mal verlinkt, tue es aber immer wieder gerne.

[…] wenn man für diese Verbindung offen ist.

Nö, das harmoniert nur dann, wenn man bedingungslos an die Astrologie glaubt und sich von der wissenschaftlichen Psychologie endgültig verabschiedet hat.





Astrologische Bildungsgutscheine (Teil 6): Jetzt fließt die Kohle …

8 03 2010

… und zwar aus den Töpfen der Bundesanstalt für Arbeit in die Taschen der einzigen, für die Annahme von solchen Bildungsgutscheinen bisher zertifizierten, Sternenschwurbelausbildungsstätte. Jetzt berichtete die Hamburger Morgenpost darüber, und über diesen Artikel ist ganz aktuell etwas bei Astrodicticum Simplex zu lesen (… bin mal gespannt, was aus dem Interview mit der Zeitung wird, das Florian dort ankündigt).  Etwas ausführlicher geht übrigens die Webseite der Kursveranstalterin selbst auf die zwei jetzt aus Steuermitteln geförderten Damen ein. Im Artikel geht es dabei zunächst um das Urteil des Bundesverfasungsgerichts zu Hartz IV und Frau Fritsch ordnet dieses Urteil zunächst mal astrologisch ein

Nimmt man die Unterzeichnung des Grundgesetzes als Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland, so ergibt sich eine interessante Radix zur Betrachtung der Qualitäten dieses Landes:

Bundesrepublik Deutschland

Unterzeichnung des Grundgesetzes, 23.05.1949, 17:00 Uhr, Bonn

Die Berufung, Mitgefühl zu entwickeln (MC im Krebs), wird von einer starken Neptunstellung in Konjunktion zum Aszendenten im 12. Haus und im Trigon zum AC-Herrscher Venus untermauert. Im Bewusstsein ist nicht immer alles so klar, wie es erscheint, wohl ist aber die Stimmung von starker Empathie und dem Wunsch nach Harmonie im Umgang miteinander geprägt. Da nicht immer alles so klar ist (rückläufiger Merkur) bedarf das Grundgesetz offenbar starker Hüter, also eines Verfassungsgerichts, das in wichtigen Fragen entscheidende Klärung schafft, um Neptun auf den richtigen Weg zu bringen und Dinge deutlich zu machen.

Ein herrlicher Text! Reine Leere – und natürlich erklärt sie nirgendwo, warum sie gerade dieses Datum benutzt (wie lange dauerte die Unterzeichnung denn? Hat sie um 17:00 Uhr begonnen oder geendet? Und warum hat sie nicht die folgende Mitternachtsstunde genommen, denn da trat das Gesetz in Kraft…), wobei dies bekanntlich sowieso egal sein dürfte.

Vor dem Interview mit den beiden Damen, deren Ausbildung jetzt auch von meinen Steuern bezahlt wird, wird kurz auf deren Lebenslauf eingegangen, aber diesen möchte ich wirklich nicht kommentieren. Gegen Ende werden die beiden dann nach Tipps gefragt „für den Umgang mit der Arbeitsagentur bzw. Arge, um an den Bildungsgutschein zu kommen“. Klar, für die Ausbildungsstätte ist es sehr wichtig, dass man noch mehr Leute in Selbstbetrug ausbilden und sich dies vom Steuerzahler bezahlen lassen kann. Während die erste Dame da noch auf ganz profane Überredungskünste gesetzt zu haben scheint…

Ich denke, es ist ganz wichtig, den Mitarbeitern bei den Behörden klar zu machen, dass es sich hier um einen seriösen Beruf mit Zukunftsperspektiven handelt, der vielfältige Möglichkeiten bietet. Es zeichnet sich im Moment ja schon der Trend ab, dass die seriöse Astrologie immer mehr Akzeptanz finden wird.

… will die andere keine Ratschläge geben …

Leider kann ich keinerlei konventionelle Ratschläge geben, da es bei mir anscheinend ganz anders gelaufen ist als bei den meisten, mit denen ich bis jetzt geredet habe oder von denen ich gehört habe.

… hat aber trotzdem eine Vermutung für ihren Erfolg:

Aber ich bin wohl auch die Einzige, die generell bei Behördengängen in der Wartezeit still für sich Licht-Meditation betreibt.

Und? Hat’s geholfen?

Tatsächlich bin ich in der Folge dann auch immer sehr kooperativen Sachbearbeitern zugeteilt worden.

Wow! Ein Wunder! Kooperative Sachbearbeiter dank Lichtmeditation – das ist doch wirklich der Tipp des Tages! Man sollte die Dame allerdings fragen, welche Art der Licht-Meditation denn dafür angewendet werden muss – bei google liefert das Stichwort immerhin ca. 246.000 Ergebnisse …