Das Blabla der Feiglinge

28 09 2009

Nein, ich äußere mich hier nicht zum Ergebnis der Bundestagswahl. Warum auch? Die Überschrift würde selbstverständlich zu den Aussagen der Wahlkämpfer in den letzten Wochen passen, aber bei denen weiß man ja wie’s gemeint ist. Lustig fand‘ ich nur, dass die Linke hintereinander die Plakate „Reichtum für alle“ und „Reichtum besteuern“ an die Straßen gehängt hatte, was zusammen ein wenig überraschendes „Alle besteuern“ ergibt.

Aber nun  zu den wahren Meistern des Wahlblablas, denn die gewohnt windelweichen astrologischen Prognosen mit eingebautem Hintertürchen schienen bei dieser Wahl ganz besonders weit verbreitet zu sein. OK, der Wahlsieg von Angela Merkel hat nicht wirklich überrascht. Diesen schon zu Jahresbeginn vorauszusagen war also nicht allzu schwer. Die Frage nach der zukünftigen Koalition war auf Grund der Umfrageergebnisse dieses Jahres nur in den letzten Wochen ein wenig spannender. Die Demoskopen hatten ja schoin seit Monaten auf Schwarz-Gelb getippt, waren allerdings durchaus vorsichtig, da sie zum einen natürlich die hohe Anzahl unentschlossener Wähler noch mit berücksichtigen und zum anderen natürlich auch ihre „Unschärfe“ (die bei solchen Umfragen in der Regel bei +-2% liegt) in Betracht ziehen mussten. Die Astrologen müssen solche Unschärfen natürlich nicht berücksichtigen, denn wie die Sterne am Wahltag stehen ist extrem genau vorausberechenbar. Trotzdem wollte sich die Sterndeuterfraktion nur wenig genau äußern und lieferte neben ausufernden Konjunktivformulierungen immer wieder irgendwelche wenns, die sie daran hinderten eine klare und deutliche Prognose  aus den Sternen herauszulesen. Ich würde das ja einfach als Feigheit vor der Prognose bezeichnen. Und die Ausreden sind vielfältig – zum Beispiel fehlen einfach Daten … … aber wieso macht man überhaupt eine Prognose wenn die Daten fehlen?

Angela Merkel hat sehr gute Aussichten, Kanzlerin zu bleiben. Probleme könnte es mit der Koalitionsbildung geben. Die FDP dürfte sicher mit dabei sein, die SPD wohl nicht. Von den Grünen habe ich zu wenige Daten, sie könnten gut im Trend liegen. (Konrad Gruber)

Am Ende bleibt die Abwägung bei den Parteien ähnlich schwierig und fraglich wie bei den Kandidaten. Wenn bereits mit drei Parteien bzw. Kandidaten kein einheitliches Ergebnis erzielt werden kann, so erübrigt es sich meines Erachtens, tiefer in die Diskussion weiterer Parteien einzusteigen. (Gerhard Lukert,,der trotzdem – richtig – auf Schwarz-Gelb setzte)

Aber damit hat der Astrologe natürlich auch gleich ein Feigenblatt parat, wenn seine Prognose eben nicht stimmt. Andererseits wird natürlich jede Erwähnung eines richtigen Ergebnisses als Treffer gefeiert. Da ist es auch ganz egal, ob die Details stimmen:

Dennoch: sowohl Venus, als auch Mars haben eine positive Beziehung zum MC. Daher meine Voraussage: es wird knapp für CDU/FDP reichen. (Markus Termin am 26.9. in seinem Blog)

So richtig knapp war es dann ja doch nicht, aber immerhin CDU/FDP war richtig. Nur 2 Wochen vorher (am 12.9.) las sich das beim gleichen Autor noch etwas anders:

Wie aber geht die Wahl aus? Ich rechne damit, dass sie entweder wird wiederholt werden müssen, oder aber die nächste Regierung recht bald Neuwahlen wird ansetzen müssen. Und zwar wegen des Merkur rückläufig. (Markus Termin am 12.9. in seinem Blog)

Aha, und weiter:

Und es wird an den Mehrheitsverhältnissen liegen. Es wird schlicht ganz knapp nur für eine große Koalition reichen, weil sich die Grünen weigern werden, mit der FDP zu regieren. Die Piratenpartei wird um die drei Prozent bekommen. Die Linken werden enorm zulegen, aber nicht genug, um eventuell mit SPD und den Grünen zu regieren.

Ach was! Damals also eher „Große Koalition“ und jetzt „Schwarz-Gelb“? Da müssen sich die Sterne ja inzwischen ganz schön weit verschoben haben, oder? (@Markus Termin: die Texte habe ich natürlich gesichert- nachträgliche Änderungen ihrerseits kann ich jederzeit mit den entsprechenden Originaldateien kontern – da ist mir der rückläufige Merkur schnurz).

Wirklich überraschend scheint jedoch für die Sterndeuterfraktion der klare Wahlausgang gewesen zu sein. Angela Merkel scheint ja zur Zeit alles daran zu setzen, diese Prognose von Iris Treppner zu widerlegen:

Aus astrologischer Sicht liegt deshalb der Verdacht nahe, dass es Neuwahlen geben könnte, weil eine Regierungsbildung fehlschlägt, bzw. es wird eine geraume Zeit in Anspruch nehmen, bis Verhandlungen der verschiedenen Parteien einen günstigen Ausgang finden.

Aber Frau Treppner war mit dieser Einschätzung ja nicht alleine (siehe die Wahlprognosen von gestern, insbesondere Manfred Gregor und Wilma Sommer) – und offensichtlich ist es der Realität völlig egal, welchen Verdacht irgendwelche Schwurbifexe aus astrologischer Sicht äußern. Wenn die Astrologen schon mutiger deuten, dann verschieben sie diese Teile der Prognose gerne in die weitere Zukunft. So nicht nur der bereits erwähnte Manfred Gregor (Neuwahlen mit Parlamentseinzug der Piraten und Gabriele Paulis Splitterpartei) auch Silivia Grotsch traut sich hier eine ungewöhliche Prognose zu:

Im Horoskop von Angelika Merkel sieht man derzeit keinen Grund, dass sie die Wahl am Sonntag verliert. Die folgenden vier Jahre könnten für sie jedoch zu einem Abbruch ihrer Karriere führen, denn sie steht unter starken Spannungen und Angriffen.

Ja, ja – wieder mal der beliebte Konjunktiv „könnte“ … … mutige Auguren mit klaren Prognosen scheint es einfach nicht zu geben.

Bei all den Widersprüchen, die im Wahlhoroskop auftauchen, fragt man sich, ob überhaupt eine Einigung zustande kommt. Es wird auf jeden Fall schwierig, Mitglied der kommenden Regierung zu sein, denn die neue Regierung wird von Streit und schwer beizulegenden Differenzen geprägt sein.

Wenn Frau Grotsch mit diesen Worten Recht hat, dann werden die nächsten Jahre jedenfalls nicht langweilig.

Am Ende möchte ich noch die meiner Meinung nach genialste Prognose zu dieser Wahl prämieren. Erwähnt hatte ich sie schon gestern, aber die Chuzpe diesen Satz als Prognose zu verkaufen verdient durchaus Respekt:

Die CDU bekommt jedenfalls die meisten Stimmen.

Da Frau Keidel-Joura in ihrem gesamten Text niemals erwähnt, dass es auch eine CSU gibt, muss ich davon ausgehen, dass ihre Prognose das Ergebnis von CDU und CSU gemeinsam betrifft … … und damit hat sie ziemlich genau den Wert einer Prognose des allmorgendlichen Sonnenaufgangs. Ansonsten war im Text der Dame natürlich aller nur erdenkliche Nonsens zu finden – zum Beispiel Folgendes:

So gesehen dürften Grüne, Linke, FDP und SPD annähernd gleich viele Stimmen haben, zumindest im Vergleich mit anderen Wahljahren.

Wow! Eine Vierfachfehlprognose in einem Satz! Sie hatten weder annähernd gleich viele Stimmen untereinander noch – zu drei Vierteln – im Vergleich zu anderen Wahljahren. Und dazu noch ein interner Widerspruch zu

Für die Roten, insbesondere die SPD, ist aus astrologischer Sicht der rote Planet Mars zuständig. Jener befindet sich am Wahltag im Zeichen Krebs „im Fall“, was auf Stimmenverluste für die SPD hinweist.

Aber das ist ja nichts Neues: In der Astrololgie geht alles und nichts gleichzeitig und natürlich auch das Gegenteil. Dazu poste ich doch gerne mein Lieblingshoroskopbild – aus dem Astrologen mir doch bitte einfach mal erklären sollen, was so aus jeder einzelnen bunten Linie, jedem Deutungsobjekt in irgendeinem Haus (wenn ich alle Häusersysteme noch mit berücksichtigen wollte, dann hätte ich mehr als ein Dutzend unterschiedliche Bilder hier anfügen können) und nach jeder beliebigen Astrologieschule aus diesem Horoskop für einen Profiastrologen lesbar ist  … (Für Insider: Natürlich sind auch die real nicht existentenTransneptuner im Horoskopbild berücksichtigt!):

Horoskop "Freie AUswahl"

Horoskop "Freie Auswahl"





Noch mehr astrologische Wahlprognosen …

27 09 2009

Kurz vor Schließung der Wahllokale hat sich auch bei den astrologischen Wahlprognosen noch einiges getan. Auf Astrologix hat Gerhard Lukert gleich 6 astrologische Wahlprognosen eingestellt. Dabei gibt es neben den üblichen Vermutungen über den Wahl-Ausgang (Schwarz-Gelb vs. Schwarz-Rot 4:2) noch einige wunderbare Stilblüten zu lesen. So weiß Manfred Gregor:

Die größte Instabilität ergibt sich jedoch dadurch, dass astrologisch mit großer Wahrscheinlichkeit die gesamte Wahl annulliert wird und wiederholt werden muss. Gabriele Pauli mit der Freien Union (und auch andere) haben beste Aussichten, mit einer Klage gegen ihre Ausgrenzung zu gewinnen.

Aha, nochmal wählen! Und wie’s dann ausgeht, das weiß Manfred Gregor auch schon:

Falls Neuwahlen stattfinden, wird der Erdrutsch perfekt: die CDU/CSU verliert nochmals Stimmen und Prozente, die Freie Union und die Piratenpartei ziehen in den Bundestag ein, eine große Koalition ist politisch nicht mehr durchsetzbar. Es wäre eine Form von Revolution – oder Instabilität wie in der Weimarer Republik: eine noch nie dagewesene Koalition würde sich bilden: rot-rot-grün, Jamaika. Welche, das hängt astrologisch entscheidend von dem Neuwahltermin ab.

Mal sehen, ob er jetzt besser geraten hat als bei seiner Fußballprognose vor einigen Monaten …

Wie Herr Lukert darauf kommt, dass Konrad Gruber „eingängig formuliert“ weiß ich nicht. Abschnitte wie der Folgende (und davon gibt es viele) lassen mich doch eher ratlos zurück:

PLtr = MAr „Ich setze mich durch!“

JUtr = MAr

0.00 0.29

„Ich bin erfolgreich!“

URtr = JUr

0.00 -0.15

Bei Brigitte Hamann findet erstaunlicherweise mehrfach die Sonnenfinsternis vom 2.7.2009 Erwähnung. Ansonsten ist das Geschwurbel zumindest klar gegliedert und mit denm beliebten Konjunktiven versehen. Lukert zählt diese Prognose zu den Schwarz-gelben, bei Hamann selbst liest sich das etwas vorsichtiger:

Wenn Merkel diese Wahl gewinnt, wird sie die Möglichkeit haben, ihre Vorstellungen besser durchzusetzen als in der Großen Koalition, trotz der Schwierigkeiten zwischen CDU/CSU und FDP.

… und wenn nicht?

Der Text von Christine Keidel-Joura ist auf jeden Fall der bisher am besten lesbare. So richtig spektakulär ist die leider nicht datierte Prognose allerdings nicht. Neben lächerlichen Trivialitäten wie …

Die CDU bekommt jedenfalls die meisten Stimmen.

… wird gewohnt unscharf formuliert. Aussagen wie die, dass die Grünen „so viele Stimmen bekommen wie erwartet“ sind schlicht und einfach nichtssagendes Blabla.

Den langen Text von Gerhard Lukert habe ich mir noch nicht angetan – ich werde mir das Ganze später zu Gemüte führen. Glücklicherweise ist aber inzwischen auch der Text von Wilma Sommer online (der um 17:00 noch nicht verfügbar war). Auch ihr Fazit ist – wie üblich in der Astrologie – nicht ganz klar:

Die Prognose für die Bundestagswahl 2009 kann aus mundan- astrologischer Sicht nur lauten:

Die Wähler werden für eine CDU/ CSU und FDP Regierung votieren, die aber evtl. die Grünen als Koalitionspartner gewinnen muss, um die erforderliche Mehrheit zu erreichen.

Es reicht also für Schwarz-Gelb, oder auch nicht …

Warten wir’s also ab – in 20 Minuten sind wir alle schlauer!





Vermischtes: Wahlprognosen, Lourdeswunder und Abmahndrohung (Teil 3)

22 09 2009

Eigentlich wollte ich ja schon letzte Woche etwas zu den Wahlprognosen verschiedener selbst ernannter Auguren schreiben, aber irgendwie fand ich nicht die Zeit dazu. Jetzt hat Florian ein paar Prognosen (u.a. Monika Piper-Albach, Winfried Noe, Markus Termin und Chritiane Durer) schon mal sehr schön zusammengefasst … … und dem ist nicht viel hinzuzufügen. OK, es gab natürlich noch weitere Prognosen, aber die waren weder besser noch genauer. Ein paar Beispiele möchte ich noch ergänzen:

Hans-Jürgen Butz hat laut Münchner TZ vom 30.12.2008 das „zweite Gesicht“ und immerhin bei seinen Fußballtipps (Meister wird nicht der FC Bayern sondern eine Überraschungsmannschaft) richtig gelegen. Ob seine Merkelprognose stimmt? „Sie bleibt nach der Bundestagswahl nicht Kanzlerin. Das wird ein Mann.“ meint Butz, nennt aber nicht den Namen des Nachfolgers. Im gleichen Artikel hatte sich die Kartenlegerin Klaudia Braungart nicht zu einer Wahlprognose entschliessen können (Angela Merkel muss sich auf einen harten Kampf bei der Wahl zur Bundeskanzlerin einstellen: „Das wird ein knappes Ergebnis.“), während die „Hexe“ Luisa Francia keinen Wechsel im Kanzleramt voraaussah. In der Brigitte durfte Roswitha Broszath ihre astrologischen Pseudo-Erkenntnisse zu einigen Spitzenkandidaten im Bundestagswahlkampf loswerden. Die einige bekanntermaßen höchst absurde Diagnosemethoden benutzende Heilpraktikerin (dass die Irisdiagnose Unsinn ist hat sich sogar bis zur AOK herumgesprochen; der ebenso zur Anwendung kommende Vegatest ist eine „Weiterentwicklung“ der Elektro-Akupunktur nach Voll und wurde bereits bei Quackwatch „gewürdigt“) findet in den Sternen von Merkel, Steinmeier, Westerwelle, Lafontaine, Künast und Trittin Trivialitäten zuhauf. Wer hätte denn gedacht, dass bei Lafontaine die Sterne auf „Genussorientierung“ hindeuten, dass „er dem luxuriösen Leben nicht abgeneigt“ ist und dass er „die sozialen Aspekte hoch“  hält? „Einfluss haben, Macht ausüben“ das sagen die Sterne zu Angela Merkel (für welchen Politiker gilt das nicht???) – nur bei Westerwelle verwirrt mich, dass „das weibliche Prinzip etwas kompliziert besetzt“ sein soll … … insgesamt viel Blabla ohne wirklichen Inhalt und nach der ergebnislosen Erörterung der Frage „wer passt zu wem“ weiß Frau Broszath noch, welche Planeten angeblich schuld sind, wenn das Volk sich partout nicht entscheiden kann: Am Wahltag ist Volkes Wille gespalten, das liegt am Einfluss von Saturn und Uranus. Aha!

Lourdes 16072009

Ab heute sollen sich – laut der Nostradamus-Exegese von Ray O. Nolan – in Lourdes diverse Wunderheilungen ereignen. Ich bin schon mal gespannt, ob die großen Nachrichtensender dann vielleicht live berichten wenn die Leute reihenweise ihre Krücken wegwerfen oder aus ihren Rollstühlen aufstehen. Warum gerade dieses Datum interessant sein soll, findet sich übrigens nicht nur bei Nolan, sondern wortgleich im Wikipedia-Artikel zu Bernadette Soubirous, jenem Mädel, dass den ganzen Rummel durch ihre angebliche Vision im Jahre 1858 startete: Vor genau 100 Jahre wurde nämlich ihr Leichnam (warum auch immer) exhumiert …  … ob das die florierenden Geschäfte mit allerlei Behältnissen zum Transport des vermeintlich wunderwirksamen Wassers besonders begünstigt weiß ich natürlich nicht. Zu Engpässen dürfte es in den vielen Souvenirläden aber nicht kommen, denn so wie auf nebenstehenden Foto vom 16.Juli dieses Jahres sieht es vor jedem Laden dort aus (man beachte die Plastikmadonnen mit abschraubbarem Kopf …).

Die Abmahndrohung von Herrn X eskaliert inzwischen weiter. Nachdem mir eine Unterlassungserklärung zugesandt worden war die mir im Falle des Nichtentfernens seines Textes von meiner Webseite eine Strafe von sage und schreibe knapp 23 Euro pro zitiertem Wort androht, habe ich die Sache einem Anwalt übergeben. Jetzt bin ich mal gespannt, wie das Ganze ausgeht …





Bundesagentur zahlt für Astrologieausbildung???

18 09 2009

Noch nicht könnte man erleichtert aufatmen. Aber wenn schon die Österreicher solche Ausbildungen Scharlateneriekurse fördern, dann probieren einschlägige Anbieter natürlich auch hierzulande irgendwie an die öffentlichen Fördertöpfe zu gelangen.  In einer Meldung auf Astrologie.de spricht Helen Fritsch schon mal vorab ganz gezielt Arbeitslose an und wirbt für ihre Ausbildung zum Astrologen/ zur Astrologin mit folgender Überschrift:

Arbeitslos und an einer Astrologie-Ausbildung interessiert, die 100%-ig durch die Bildungsagentur für Arbeit finanziert wird?

Weiter heißt es in der Meldung:

Unsere Ausbildung ist staatlich zugelassen und voraussichtlich ab 1. Oktober 2009 nach AZWV- zertifizert. Das bedeutet für Arbeitslose, dass eine 100%-ige Finanzierung der Ausbildung über Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit möglich ist!

OK, das heißt also, dass diese Ausbildung noch nicht AZWV-zertifiziert ist, die Ausbildungsträger jedoch bis Anfang nächsten Monats mit einer Zertifizierung rechnen. Tatsächlich findet man in der Systematik auf KURSNET, dem Portal für berufliche Weiterbildung, unter C771-14-c5 (das sind die  Fortbildungen zu Astrologie, Graphologie und parawissenschaftliche Therapien) 14 Kursangebote,  die allerdings derzeit noch nicht über Bildungsgutscheine finanziert werden können (man kann bei KURSNET nach Kursen filtern, für die Bildungsgutscheine eingesetzt werden können).

Hoffentlich bleibt das auch so, es ist ja schon schlimm genug, dass in KURSNET seitenweise esoterische Nonsensfortbildungen aufgelistet werden. Sollten Astrologie-Ausbildungen tatsächlich über Bildungsgutscheine – und damit von der Allgemeinheit –  finanziert werden können, dann spricht nichts dagegen, dass auch für den Besuch der folgenden (Online-)Kurse Bildungsgutscheine eingesetzt werden können:

  • Aufzucht und Haltung von Dinosauriern“ (im Bereich Tierzucht, -pflege, -haltung), immerhin gibt es dazu ein wunderbares Lehrbuch (das man vor einigen Jahren als Spektrum-Abonnent in einer pdf-Version herunterladen durfte)
  • Ausbildung zum „Gästeführer(in) Atlantis“ (im Bereich Reiseleitung, Fremdenführung), analog der sicherlich hervorragenden Ausbildung „Gästeführer(in) Eifel“ – mit dem kleinen Unterschied, dass das Reiseziel nicht so genau festglegt ist. Die Lokalisierungshypothesen erfordern ja Reisen in eine ganze Reihe touristisch interessanter Gegenden (die dann natürlich auch über die Bildungsgutscheine bezahlt werden sollten) …
  • „Tastaturbedienung per Telekinese“ – ein Kurs zur Optimierung der Computer-Skills: Kaum gedacht bewegen sich die Tasten automatisch, und das unabhängig davon ob nur Texte abgetippt oder komplexe Programme geschrieben werden sollen (für den Bereich EDV-/IT-Grundlagen)

Weitere Kursvorschläge nehme ich gerne entgegen – die Gründung eines Ausbildungsinstituts dürfte ja nicht allzu schwer sein. Und die Zertifizierung wird mit dem Verweis auf die Astrologie dann ganz bestimmt auch klappen.

Ich muss mur mir nur noch Gedanken um die Kosten machen – immerhin schlägt die Anerkennung laut Bundesgesetzblatt (siehe letzte Seite) locker mit 10.000 Euro zu Buche. Ich glaube ich mach’s wie Frau Fritsch: Bei etwas über 2000 Euro pro Kurs (das verlangt sie nämlich) brauche ich nur 6 Ausbildungswillige um aus dem Minus zu kommen …





… und wieder keine SoFi-Katastrophe

22 07 2009

Heute morgen gab es eine Sonnenfinsternis in Asien und wie vor knapp 11 Jahren in Europa haben die üblichen Katastrophenpropheten mit ihren Voraussagen mal wieder nicht Recht gehabt. Waren es 1999 bei uns eine ganze Reihe von Nostradamusdeutern sowie die bekannte schweizer Sternverdeuterin Elisabth Teissier, die im Zuge der damaligen Sonenfinsternis gar schröckliche Katastrophen befürchteten so waren es hier ziemlich konkrete Voraussagen von Erdbeben und möglicherweise drohenden Tsunamis, über die Florian in seinem Blog Astrodictuicum Simplex berichtete. Die Prognose war dabei sogar überaus genau …

6+ Magnitude Quake on 22 July 2009 at 3:00 pm Local Japanese time. This will be follower by two level 5+ Earthquakes and a Tsunami between 5:00 pm and 7:00 pm. The tsunami will start out in the pacific ocean (to the South East of Japan … Along the fault line) and hit all the islands to the south west of Japan, Indonesia and even reach New Zealand. The major quakes will actually be along the fault lines inthe Ocean.

… und stützte sich übrigens nicht auf irgend einen alten oder neuen Propheten, sondern die Autoren beriefen sich auf Simulationen der Wirkungen der Gravitationskräfte auf tektonische Platten. Was die Autoren hier simuliert haben wollen ist jetzt egal, denn die Realität war es offensichtlich nicht. Viel spannender und schöner sind die ebenfalls bei Florian zu findenden Bilder der Sonnenfinsternis

Dass die Sonnenfinsternis auch hierzulande die esoterische Beraterbranche inspirieren soll zeigen die heutigen Pressemeldungen des Beraterportals viversum. Die auf Businessportal24.com und PresseEcho.de veröffentlichten Werbetexte sollten ja eigentlich gleich sein, doch scheinen den für die Veröffentlichung zuständigen Mitarbeitern nicht bekannt zu sein, wie man Links in eine Pressemeldung setzt. So liest sich das Ganze jetzt bei Businessportal24 eigenartiger Weise so …

Einer der führenden Anbieter für Astrologie viversum, Horoskope viversum und Esoterik viversum ist viversum.“

… während bei PresseEcho wenigstens noch die – sicher beabsichtigten – Links zu erkennen sind …

Einer der führenden Anbieter für Astrologie http://www.viversum.de/astrologie.php, Horoskope http://www.viversum.de/horoskop.php und Esoterik http://www.viversum.de/esoterik.php ist viversum.

… die jedoch nicht funktionieren. Die Beschreibung der Sonnenfinsternis ist auch ein wenig seltsam geraten – oder erinnert sich irgendjemand an einen aus der Sonne herausbrechenden Mond im August 1999?

Das besondere an einer Sonnenfinsternis ist, wie am helllichten Tag das Sonnenlicht seine Kraft verliert und die Farben langsam verblassen, bis hin zu dem Moment, wo aus der leuchtenden Sonnen heraus der Mond hervorbricht.

Immerhin stimmt das Ende irgendwie:

Der faszinierende Anblick der zart leuchtenden Sonnenkorona ist überwältigend.

Was das mit dem folgenden Werbeblabla über Astrologie zu tun haben soll, das ist den Autoren der viversum-Meldung wohl ebenso schleierhaft wie das Setzen von Links in Texten …





Vermischtes vor dem Urlaub

6 07 2009

Da ich in den letzten Wochen im Job ziemlich eingespannt war musste der Blog ein wenig darben. Jetzt ist endlich Urlaub, und morgen früh wird das Auto gepackt und dann ist 2 Wochen Frankreich angesagt. Vorab noch ein paar Kleinigkeiten und Fundsachen:

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie Alternativmediziner in der Notaufnahme arbeiten kann sich über Kritisch gedacht einen wunderbaren Sketch aus England ansehen. Neben dem – erfolglosen – Versuch die Lebenslinie des eingelieferten Patienten mit einem Kugelschreiber zu verlängern finde ich das „homoeopathic Lager“ am Ende einfach grandios. Die beiden Comedians haben zumindest noch einen weiteren Sketch für Skeptiker auf Lager und auch der ist absolut shenswert.

Dass der Tod von Michael Jackson natürlich auch unter Astrologen diskutiert wird war zu erwarten. Die Frage, ob er in den Prognosen des Jahres 2009 vorkam auch. OK, Jacko war in der Liste „deatch and health watch“ von Nikki Pezaro verzeichnet, aber das war er auch schon  2003/2004, 2005 und 2008  (alles auf der gleichen Webseite).

Questico soll  möglicherweise einen Preis kriegen – natürlich nicht für seine „einfühlsamen Berater“ und deren treffsichere Zukunftsprognosen sondern für die von ihnen eingesetzte Technik. Die nicht unbekante Firma Dell vergibt alljährlich den „Small Business Award“ und laut der dazugehörigen  Pressemeldung geht der Preis an

kleine und mittlere Unternehmen aus, die IT besonders innovativ in ihren Geschäftsprozessen einsetzen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern.

Schön für Questico, dass alleine die Tatsache, dass das Unternehmen auf der Auswahlliste ist, irgend einemVorstand bereits ein neues Notebook sichert.

Beim astrologischen Lottotest von Herrn Wolters sind die ersten 17 Ziehungen vorbei. Die Trefferquoten bewegen sich – wie erwartet – im Rahmen der Zufallswahrscheinlichkeit. Herr Wolters hat bisher 2 Treffer, 6 meiner 10 zum Vergleich erstellten Zufallszahlenreihen auch. Bei 2 meiner Zufallsreihen gab es noch keinen und eine hat einen Treffer. Klar und deutlich in Führung liegt meine 5. Zufallsreihe mit sage und schreibe 5 Treffern. Zur Erinnerung: Herr Wolters hat für jede Ziehung bis zum Jahresende jeweils 10 Zahlen mit einem auf Basis astrologischer Konstellationen arbeitenden Computerprogramm berechnet und veröffentlicht und er erzielt einen Treffer, wenn unter den 10 Zahlen mindestens 3 Richtige sind (die Zusatzzahl zählt dabei nicht dazu, denn die erhöht nur die Quote). Rein rechnerisch beträgt die Wahrscheinlichkeit bei diesem Setting einen Treffer zu erzielen ca. 9% bzw. 1/11.

Florian Freistetter hat nicht nur einen guten Artikel über Erich von Däniken im aktuellen Skeptiker veröffentlicht, er hat auch ein weiteres Nonsens-Angebot aus dem Bereich der Astrologie gefunden und die Verhaftung eines Astrologen in Sri Lanka kommentiert. Dieser wanderte nicht etwa wegen falscher Voraussagen ins Kittchen, sondern weil er dem Präsidenten das nahende Ende seiner Amtszeit prognostiziert hatte.

Novch mehr Astrologie gibt’S bei Penn&Teller. Die haben sich in ihrer Bullshit-Reihe – endlich – der Sterndeutung angenommen und inzwischen ist war das Ganze in drei kleine Teile zerlegt auf YouTube zu finden. „War“, weil der 3. Teil auf Grund eines „Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube“ entfernt wurde. OK, es gibt andere Orte im Web, von denen man die Bullshit-Folge in voller Länge anschauen (… wenn man deren Player herunterlädt) oder herunterladen kann.

Jetzt muss ich aber so langsam mal meine Taschen packen und meine Urlaubslektüre vorbereiten: Colin Goldner’s Dalai Lama Buch, eine Portion Terry Pratchett, Joe Jackson’s „cure for gravity“  und Donald O’Shea „The Poincare Conjecture“ – aber ich vermute ja, dass ich höchstens eines der Bücher schaffe und ansonsten die hoffentlich reichlich vorhandene Sonne, die schöne Landschaft, das gute Essen und den ortsüblichen leckeren Rotwein geniessen werde.





Astrologen auf Tour: Der Lehmann-Clan (mit kleinem Update)

15 06 2009

Der Name Lehmann wird seit dem Spätsommer 2008 in der Öffentlichkeit meist mit der Pleite einer Investmentbank und deren Folgen für die Anleger in Verbindung gebracht. Der Name steht aber auch für eine andere Art monetärer Verluste: Die Mitglieder des Lehmann-Clans – selbst ernannte (Diplom-)Parapsychologen, Astrologen und Handleser – ziehen auf ihren „Tourneen“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz regelmäßig leichtgläubigen Kunden dreistellige Eurobeträge für ein Stündchen Palaver aus der Tasche – und manchmal sogar mehr. Und das nicht erst seit gestern, denn bereits 1993 erwähnt der Focus-Artikel „Blendkraft der Sterne“ den Lehmann-Clan:

Den „Vulgär“-Astrologen sind auch die „Tournee“-Astrologen zuzuordnen, die von Stadt zu Stadt pilgern und – angekündigt von der Lokalpresse – ihre Deutersessions abhalten. Besonders aktive Mitglieder des fahrenden Astro-Volkes: Madame Indira (bürgerlich Lehmann) aus Kötzting, Bayerischer Wald, Patricia Bahrani (bürgerlich Lehmann), Tochter von Madame Indira, Rei Souli (bürgerlich Lehmann), Sohn von Madame Indira, sowie Madame Fatima (bürgerlich Eichel) aus München.

Die Masche mit der Lokalpresse

Bei ihren Reisen durch die Lande verschicken die reisenden Sternenschwafler in der Regel etwas Werbematerial an die Lokalpresse des zukünftigen Auftrittsorts und laden zu einem Pressetermin. Dort gibt es ein wenig nettes Blabla und gerne wird auch Gutes über die Zukunft des aktuellen Ortes verbreitet: Irgendetwas Positives mit Kultur soll in naher Zukunft geschehen und neue Arbeitsplätze durch Ansiedlung eines neuen Unternehmens soll es geben – dazu noch ein wenig heiteres Prognoseraten (Vertreter des Lehmann-Clans gehören zu den häufigsten Quellen des jährlichen Prognoserückblicks der GWUP) und in der Lokalpresse wird das Ganze dann mit den Werbematerialien vermischt dem Publikum dargeboten. Wenn’s optimal läuft, wird am Ende des Artikels noch eine Handynummer für die Terminvereinbarung angegeben … … perfekte Werbung ohne Kosten! Einige Beispiele finden sich auf meiner vor vielen Jahren erstellten Fanseite eines Clanmitgleids …

Da nicht jede Lokalzeitung diese Spielchen mit macht, gibt man noch die ein oder andere Kleinanzeige auf und schon kann man den Astrologiegläubigen das Geld aus der Tasche ziehen.

Die Mitglieder des Lehmann-Clans

Bereits 1993 erwähnt wurde Ludmilla Lehmann oder auch Madame Indira. Sie wird allerdings keine Tournee mehr unternehmen, denn sie starb – nachzulesen auf dieser Webseite – Anfang Dezember 2008. Laut Frankfurter Lokalteil der FAZ vom 13.6.2002 verlangte sie 180 Euro für ein Gespräch. Wer sich einen typischen  Barnumtext von ihr anhören möchte, dem sei dieser Link zu einem Gespräch mit SWR1 empfohlen (dass ein öffentlich rechtlicher Radiosender einer Astrologin so viel Platz einräumt, das wäre ein anderes Thema …) und auch hier schaffte sie es die Lehmann-übliche Standardwerbung als „Deutschlands bekannteste Wahrsagerin“ unterzubringen.

Lange Jahre war Patricia Bahrani alias Patricia Schwennold geborene Lehmann das aktivste Familienmitglied. Seit den Neunzigern war sie – siehe meine „Fanseite“ – immer wieder im Lande unterwegs, sagte allen möglichen Unsinn voraus und wurde in der Regel mit folgendem Lebenslauf angekündigt:

Die Vorhersagerin wurde vor 34 Jahren als Tochter eines Inders und einer Österreicherin geboren, ging mit 15 Lenzen mit ihrem Vater, einem Architekten, für drei Jahre nach Indien, lebte ein Jahr lang in einem Internat in einem Buddhistenkloster, wurde in fernöstliche Lebensphilosophie eingewiesen. (zu Patricia Schwennold, Neue Ruhr Zeitung, Moers, 14.5.2002)

Ihr Bekanntheitsgrad aus den Prognoserückschauen der GWUP führte übrigens dazu, dass sie in so manchem Pressegespräch unangenehme Fragen zu ihren Fehlprognosen beantworten musste, die sie mit Ausreden wie „ihre Daten seien nicht genau gewesen“ oder „die Presse hätte sie falsch ausgelegt“ konterte. Aus privaten Anrufen und Mails weiß ich außerdem, dass die Frau auch schon mal einer Kundin den binnen weniger Monate nahenden Tod vorhersagte (natürlich war’s falsch, aber die an Astrologie glaubende Frau hatte totale Panik!). Inzwischen gibt sie sich mehr als Parapsychologin aus und hält Vorträge zum Thema Reinkarnation. Seit kurzer Zeit hat sie auch wieder eine Homepage (auf der allerdings ein uralter Text zu finden ist – ich vermute aus 2002 oder 2003) und sogar ein XING-Profil. Dort nennt sie sich als Freiberuflerin „General Manager“ und „Therapeut“ und gibt das Ayurveda-Center Schloß Aistersheim in Österreich an (… das aber keine weiteren Spuren im Web hinterlassen hat … … das Schloß natürlich schon, aber Ayurveda?). Außerdem bietet sie Seminare an – so konnten Interessierte Anfang Mai im österreichischen Linz ein solches für „Menschen mit spirituellem Hintergrund“ besuchen – was da für 496 Euro pro Nase geboten wurde weiß ich nicht, aber die Beschreibung klingt eindrucksvoll:

Ich werde Ihnen auf realer und wissenschaftlicher Basis erklären, welche Kräfte, Mythen und Phänomene zwischen Himmel und Erde aktiv sind. Auch was Ihr Beitrag und Ihr Platz in diesem Ganzen Unglaublichen ist.“

Wissenschaftliche Basis? Lächerlich!

Mit dem fast gleichen Lebenslauf ist bis heute Rei Souli alias Roman LehmannSohn einer Österreicherin und eines Inders“ (Tiroler Tageszeitung, 16.3.2004) unterwegs.  Er erzählt gerne, dass er ungefähr 800 Jahre alt sei, schmückt sich mit nicht nachprüfbaren Prognosetreffern und schien im Frühjahr 2009 durch die  Schweiz zu reisen, wie man im RatgeberNews-Blog oder in der örtlichen Lokalpresse (Kreuzlingen) nachlesen kann. Dort verlangte er übrigens 230 Fränkli pro Stunde. Auch er hat in den Prognoserückblicken der GWUP seine Spuren hinterlassen …

Anton Lehmann alias Shandro Ramagani ist eher im Internet aktiv. Früher war er auch unterwegs, wie ein Artikel aus Berlin (in dem er mit seiner mutmaßlichen Schwester Patricia verglichen wurde) zeigt, aber scheinbar war das Betreiben von Webseiten lukrativer. Seine „Shandro Ramagani Gesellschaft für Esoterik und Parapsychologie mbH“ sitzt inzwischen in Unterschleißheim bei München, die  Werbeagentur Anton Lehmann, die für seine Webseite verantwortlich ist, zeigt noch immer eine Adresse aus Duisburg. Er betrieb bis Ende 2008 das esoterische Internetportal Okulus Videns, für das er für 1 Million Euro (kein Scherz!) kürzlich einen Käufer suchte. Auch war er Webmaster der Seite von Patricia Bahrani/Schwennold/Lehmann und es verwundert nicht, dass die „Testperson“, mit der er für seine Wahrsageseminare unter dem Titel „Remote Vewing“ warb ausgerechnet Patricia Schwennold hieß …

UPDATE: Anton Lehmann ist inzwischen übrigens als Questico-Berater aktiv … … und seine „Fans“ berichten dort über ihn! (Nachtrag 19.7.: Der Link zur Diskussion über ihn beim „Gofeminin“-Forum funktioniert leider nicht mehr – dort hatten sich einige ehemalige Berater von Okulus Videns über seine Zahlungsmoral geäußert …)

Völlig aus dem Internet verschwunden ist die Seite von Albert Lehmann. Sie wird zwar bisweilen noch auf obskuren Esoterikseiten aufgelistet, aber ein Klick auf den Link zum weltbekannten Wahrsager führt ins Leere. Er betrieb ein „Wahrsagerlädchen“ in Bruchsal bei Karlsruhe und die Seite verschwand just zur selben Zeit, als ein Wahrsager in einem spektakulären Prozess wegen Betrugs zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde … … Zufall?

Verhältnismäßig neu in der Szene scheint ein Mann zu sein, der sich Francesco Schwennold nennt (sein richtiger Vorname ist wohl „Marcel“ wie eine seiner Kundinnen nach einem Gespräch mit ihm berichtete). Den Sprung in die Lokalpresse hat er offensichtlich noch nicht geschafft, aber er bietet seine Dienste als reisender Astrologe und Handleser per Kleinanzeigen wie dieser aus dem Kölner Stadtanzeiger vom4./5.4.2009 an:

Astrologe und Parapsychologe Francesco S. kommt nach Köln!

Francesco Schwennold der seine Jugend in Indien verbrachte und dort die Astrologie, Parapsychologie und Chirologie erlernte, kommt jetzt nach Köln. Mit seinen Prognosen verblüffte er Medien, Politiker und auch Privatpersonen. Der Starastrologe, der in Indien in die Geheimnisse der Fernöstlichen eingewiesen wurde, lernte dort die drei verschiedenen Arten (indische, chinesische und klassische Astrologie) praktizieren und kombinieren. Jeder der eine persönliche Beratung möchte, hat vom 01.04.2009 bis 07.04.2009 die Gelegenheit dazu in Punkto Liebe, Beruf, Gesundheit, Familie und Anlagen einen persönlichen Rat zu bekommen. Preis pro Beratung 100 Euro.

Weitere Informationen und Terminvereinbarung unter Tel. XXXX-XXXXXXX

Also wieder mal genau der gleiche Lebenslauf, die gleichen Behauptungen – alles wie gehabt! Eine weitere Kundin berichtete, dass er zusätzlich zu der Beratungsgebühr noch „Energiearbeit“ für mehrere Hundert Euro (samt Ratenzahlungsvertrag) anbot, um „negative Energien“ beim (abtrünnigen) Lebenspartner der Kundin zu beseitigen. Die übliche Abzockmasche also – man findet irgendetwas Negatives und verspricht gegen Entgeld die Beseitigung des „entdeckten“ Übels. Immerhin scheint Schwennold dieses Spielchen nicht ganz so extrem zu betreiben wie andere, aber auch ein paar hundert Euro sind bares Geld, für das bestimmt bessere Verwendungsmöglichkeiten denkbar sind als es dem Familienvermögen des Lehmann-Clans zuzufügen.

PS: Über die Zusendung eingescannter Artikel oder Kleinanzeigen von den bzw. über die oben erwähnten Mitglieder des Lehmann-Clans würde ich mich freuen …





Das Wassermannzeitalter beginnt in Bad Homburg

13 06 2009

Wenn Astrologen oder Astrologinnen irgendwelche Ereignisse im Nachhinein mit astro“logischem“ Sternenbrimborium zu „erklären“ versuchen ist Absurdistan nicht weit. Erscheint ein solcher Text in irgendwelchen astrologischen Internetforen, dann ist das kaum einen Kommentar wert, denn dort ist das ja auch zu erwarten. Dass aber eine seriöse Tageszeitung wie die Frankfurter Rundschau einen Artikel abdruckte, in dem eine Astrologin das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl ihres Heimatortes Bad Homburg auf wirklich absurde Weise kommentieren durfte, hat bei mir doch einiges Kopfschütteln hervorgerufen. Auch wenn das Ganze jetzt schon einen Monat her ist möchte ich diesen Text den Lesern hier nicht vorenthalten.

Passiert war folgendes: Die Oberbürgermeisterwahl 2009 für die Stadt Bad Homburg v. d. Höhe wurde am 10. Mai in einer Stichwahl entschieden. Diese gewann Michael Korwisi (Grüne) deutlich gegen die bisherige Amtsinhaberin Ursula Jungherr (CDU) – womit erstmals seit 1948 nicht mehr die CDU den ersten Vertreter dieses schönen Kurorts im Taunus stellte. Unter demTitel „Das Korwisi-Zeitalter“ erschien nun am 15. Mai ein Interview mit der Astrologin Ursel Dörr, die in ihrer Einschätzung des Wahlergennisses tatsächlich Wassermannzeitalter, Maya-Kalender und Karmageschwafel unterzubringen weiß. Vom Wählerwillen, der sich in diesem Wahlergebnis ausdrückte, schreibt sie nichts, der scheint im kosmischen Gefüge gänzlich irrelevant zu sein.

Schon auf die erste Frage, was die Sterne mit dem Ergebnis der OB-Wahl zu tun hätten antwortet sie mit einer glatten Themaverfehlung:

Der Kosmos folgt großen Rhythmen. Das hat sich jetzt auch in Bad Homburg gezeigt. Derzeit stehen wir an der Schwelle zum Wassermannzeitalter. In den kommenden Jahren vollendet sich damit ein 24.000 Jahre währender Zyklus.Bis 2012 werden wir noch etliche heftige Planetenkonstellationen erleben.

Irgendwie scheint sie die Kurve zu ihrem Heimatort erst mal gar nicht zu kriegen:

Aber das ist natürlich auch eine Chance, dass die Welt friedlicher wird. Die vergangenen 2000 Jahre waren sehr männlich dominiert. Das ändert sich jetzt.

Auf das Ende von männlich dominierten 2000 Jahren im Zusammenhang mit einer Oberbürgermeisterwahl bei der eine Frau durch einen Mann abgelöst wurde hinzuweisen, das ist schon ein echter Brüller. Dem Interviewer ist das übrigens nicht entgangen und er weist Frau Doerr darauf hin, dass „die Rathausspitze mit der Wahl Michael Korwisis (Grüne) doch männlicher geworden“ sei. Ihre Antwort:

Das sehe ich nicht so.

Dass Herr Korwisi eher weibliche und Frau Jungherr männliche Prinzipien verkörpern soll – irgendwie muss Frau Doerr ja ihr voriges Esogeschnatter zurechtbiegen, da kann sie natürlich keine Rücksicht auf die Biologie nehmen. Typisch weiblich hatte Herr Korwisi…

…  im Wahlkampf ja auch immer gesagt, dass er ein Oberbürgermeister für alle Bad Homburger sein wird.

Superargument, das sagt ja wohl jeder Bürgermeisterkandidat! Eindrucksvoll wäre natürlich gewesen wenn er sich der von Frau Doerr herbeiphantasierten Prinzipien bewußt gewesen wäre und gesagt hätte, dass  er eine OberbürgermeisterIN für alle Bad Homburger werden wolle!

Und auch derZeitpunkt des politischen Wandels in Bad Homburg war goldrichtig. Frau Doerr behauptet nämlich zu wissen:

Nach dem Maya-Kalender ist 2009 das Jahr des karmischen Ausgleichs. Man könnte auch sagen, das Karma-Rad dreht sich schneller. Früher hat man alles ins nächste Leben mitgenommen, heute fallen unsere Handlungen direkt auf uns zurück.

Und weil sich Frau Jungherr (oha! tatsächlich mal ein wenig Bezug zur Oberbürgermeisterwahl) ja bekanntlich an die Macht geputscht habe, kann also ihr Scheitern an der Wahlurne durch Karmaquatsch erklärt werden.

Immerhin findet Frau Doerr am Ende positive Aussichten für und durch den neuen Oberbürgermeister und kann verkünden:

Auch Bad Homburg fängt an, das Wassermannzeitalter nun wirklich zu leben.

Und damit’s auch jeder mitkriegt sollten die zukünftigen Stadtratssitzungen einfach durch das gemeinsame Singen eines bekannten Liedes eröffnet werden (da die GEMA das Original hier nicht mehr erlaubt muss die deutsche Version ertragen werden …):





Sterne gegen den Zufall: ein astrologisches Lottoexperiment

3 06 2009

Die Ziehung der Lottozahlen ist ein reines Zufallsexperiment der Art „Ziehen ohne Zurücklegen„. Die Kugeln haben kein Gedächntnis und es ist aus mathematischer Sicht absolut irrelevant wie oft eine einzige Zahl oder eine wie auch immer geartete Zahlenkombination bereits gezogen wurde oder in den bisherigen Ziehungen fehlte: die Wahrscheinlichkeiten für die nächste Ziehung werden davon nicht beeinflusst. Aber vielleicht werden die Ziehungen durch andere Dinge, zum Beispiel die Sterne, beeinflußt? Das ist zwar äußerst unwahrscheinlich, hindert aber den Astrologen Hans-Werner Wolters nicht daran, solche Zusammenhänge zu untersuchen, die Ergebnisse seiner Untersuchungen in ein Programm zur Vorhersage von Lottozahen einfließen zu lassen und dieses seit Anfang Mai öffentlich zu testen.

Das ist auf jeden Fall schon ‚mal sehr mutig, denn wenn es schief geht ist ihm die Häme mancher Kritiker (auch aus den eigenen, astrologischen Reihen) angesichts einer solchen Behauptung sicher. Bis zum Ende seines Experiments sollte man sich allerdings fairerweise mit der Kritik zurückhalten, denn sein Versuchsaufbau ist absolut wissenschaftlich. Den Rest des Beitrags lesen »





Die Benzinpumpe in der Stundenastrologie

13 05 2009

Fahren sie ein altes Auto? Eines, dass sie über die Nutzung der Abwrackprämie nachdenken lässt und das so manchmal seine Macken hat? Fragen sie sich auch bei jedem Problem mit der Kiste, ob sich eine Reparatur überhaupt noch lohnt? Falls ja, dann haben abzockbereite Sternverdeuter einen Tipp für sie: Fragen sie doch einfach einen Astrologen oder eine Astrologin! Und zwar jemanden, der/die auf Stundenastrologie abonniert ist, denn die Stundenastrologie …

„… ist eine Möglichkeit, auf wichtige Fragen des täglichen Lebens eine Antwort zu bekommenl

So zumindet liest sich die entsprechende Definition auf einer Webseite. Und dass tatsächlich Fragen nach Autos gestellt werden, das berichtet der „Astrocoach“ Emil Schmidt in Beispiel 2 auf seiner Webseite mit dem irreführenden Titel „Wissen“: Den Rest des Beitrags lesen »