Vermischtes: HSV im Finale, Schweinegrippenastrologie und noch mehr Leichenfledderer

5 05 2009

Für einige Fussballfans im Norden hat der Astrologe Manfred Gregor eine gute und eine schlechte Nachricht: Der Hamburger SV erreicht das UEFA-Cup Finale gegen Werder Bremen, verliert aber am Sonntag in Bremen sein Bundesligaspiel. Wobei die in der Hamburger Morgenpost veröffentlichte Prognose für den UEFA-Cup nicht allzu gewagt ist, denn schließlich gewannen die Hamburger bereits das Hinspiel auswärts mit 1:0. Dass Gregor sogar die Matchwinner beider Spiele kennen will und für den Bremer Diego ein Tor in den ersten fünf Minuten des Sonntagsspiels vermutet ist eine in Astrologenprognosen selten genaue Aussage. Wenn’s daneben geht wird er sich wahrscheinlich mit der beliebten Ausrede, dass die Sterne nicht zwingen sondern nur „geneigt machen“ herausreden. Ob man den Lesern des Artikels bei der empfohlenen Reisebuchung zum Finale in Istanbul im Falle einer HSV-Niederlage am Donnerstag noch ein Rücktrittsrecht auf Kosten von Herrn Gregor einräumt ist leider nicht bekannt.

Die Schweinegrippe ist bereits vor Tagen ins Mundanforum von Astrologix geschwappt und bei den vielen dort zu findenden Horoskopbildern und abgedrehten Pseudoerklärungen mit Hilfe von Deutungen der Todeszeitpunkte von an der Spanischen Grippe im Jahr 1918 verstorbenen US-Soldaten (!!!) kamen sogar einer Mitdiskutantin namens „Marlies“ leise Zweifel. „NUR: Was hat die derzeitige Zeitqualität mit dem Tod dieses Soldaten zu tun? Hat sie überhaupt etwas damit zu tun?“ Userin „federkiel“ kontert mit einer kleinen Verschwörungstheorievermutung: „Also, wenn man mit der Lunge dieses Soldaten experimentiert hat, oder was gefunden hat, ist denen vielleicht etwas ausgekommen im Labor. Wäre ja nicht das Erste Mal„. Wie realitätsfern muß man eigentlich sein, um solches Hohlgeschwätz in eine Tastatur zu hämmern …

Nachdem bereits der Allgeier-Newsletter und der Astrologe Stephan E. Fuchs durch den tragischen Amoklauf eines Schülers in Winnenden mit einer besonders ekelhaften Form der astrologischen Erklärungsdiarrhoe infiziert wurden, scheint sich dieser Virus – etwas verspätet – auch bis zu Olaf Staudt verbreitet zu haben. Dieses Mal ist es die böse Zeitqualität und Staudt analysiert zielsicher aus der Ferne und den unvollständigen Geburtsdaten des Täters (die Geburtszeit fehlt in den Daten, die HSV-Prognostiker Manfred Gregor zugeliefert hat) „schwer wiegende Versäumnisse und emotionale Defizite von Seiten der Eltern“. Der dreiteilige Kommentar Winfried Noé’s zum gleichen tragischen Geschehen sowie das vedische Astrologiegeschwurbel von „Velvetrose“ alias Dirk Mett sind zwar schon etwas älter, aber wenn es so etwas wie eine Meisterschaft im Leichenfleddern geben würde, hätten sich die beiden Autoren ebenfalls qualifiziert. Dass Herr Mett eine solche Tat „eher früher, im Januar Februar erwartet“ hätte, und dies mit „dem Zeitpunkt der eigentlichen Beschlußfassung vor der Tat“ zu „erklären“ versucht ist die übliche Überheblichkeitsrhetorik eines sich allwissend fühlenden Nachherdeuters ohne jegliches Schamgefühl.





Noch ein Leichenfledderer (Update!)

4 04 2009

– Update vom 6.10.09: Herr Fuchs hat sich inzwischen von der Astrologie abgewandt: Aktuell kurz notiert bei mir und Florian! –

Die mediale Aufregung um die tragischen Geschehnisse in Winnenden ist langsam abgeflaut, aber Astrologen sind noch immer damit beschäftigt. In seinem aktuellen Newsletter vom 3. April schreibt Stephan E. Fuchs folgendes:

Vielfach wurde mir in Emails die Frage gestellt, ob es astrologisch ersichtlich sei, dass in Winnenden zurzeit des Notrufeingangs bei der Polizei, eine solche Tat stattfand.
Diese Anfragen bejahe ich. Eine ausführliche Begründung kann hier aus Platzgründen nicht erfolgen; doch zumindest ein Nachweis soll dargeboten werden. Nach der Hamburger Schule Technik ergibt sich u. a. folgendes Plantenbild zum MC. MC = SO/SA = SO/CU = MA/ZE.
Wenn wir dieses Planetenbild aufschlüsseln – und ich benutze hier exakt die Angaben aus dem Regelwerk für Planetenbilder 5. Auflage -, dann zeigt sich:

  • MC – Die Minute
  • SO/SA – körperliche Trennungen, körperliche Schwierigkeiten
  • SO/CU – körperliche Gemeinschaft
  • SA/CU stehen ebenfalls zusammen, daher ergibt sich das Bild SO//SA/CU. SA/CU bedeutet: Trennungen in Gemeinschaften
  • MA/ZE – Schußwaffe, Schießen, ausübende Gewalt, mit Schußwaffen umgehen

Es braucht daher keine Phantasie, um hier am MC direkt die Tat ablesen zu können, die der Polizei um 9.33h gemeldet wurde.

Nee, „Phantasie“ braucht’s dafür nicht – aber eine Überdosis Zynismus! Deshalb fordere ich Herrn Fuchs auf, eine kleine Reise zu unternehmen:

  • Fahren Sie nach Winnenden und erklären Sie bitte den Anghörigen der Opfer, dass für Sie das tragische Geschehen von Winnenden astrologisch erklärbar ist.
  • Sagen Sie den Trauernden offen ins Gesicht, dass Sie solche Termine aus den Sternen lesen können …
  • … und erklären Sie dann auch bitte, warum Sie – wenn doch die Tat so klar in den Sternen geschrieben stand – niemanden gewarnt haben.
  • Fangen Sie am besten mit dem jungen Polizisten an, der als einer der ersten am Tatort war und dann erfahren musste, dass seine Frau unter den Opfern war.

Ansonsten ist ihr nachgeschobenes Astroblabla nichts weiter als eine unglaublich überhebliche und ekelhafte Selbstbeweihräucherung auf Kosten der Opfer. Aber damit sind sie ja nicht alleine.





Astrologe verschenkt echtes Geld!

30 03 2009

Der Astrologe Gerald Peraeus hatte mich schon Ende Februar mit seinem Wall-E-Horoskop verblüfft, jetzt überrascht er mich total. Da ich seinen Newsletter von einer netten Bekannten regelmäßig weitergeleitet bekomme weiß ich zum Beispiel, dass der Herr Magister (Österreicher mögen ja jede Art von Titeln) Anfang Mai auf der Münchner Esoterikmesse zu „bewundern“ sein wird. Aus diesem  Grund bietet er seinen Newsletter-Empfängern an, dass er deren Eintrittspreis cash zurückzahlt:

Als besonderes Dankeschön fürs treue Mitlesen refundiere ich den Eintrittspreis, der in bar zur Abholung bereit liegt (STAND-NUMMER 125!!)

OK, der Besuch einer Esoterikmesse ist nicht unbedingt ein Geschenk und außerdem ist die Erstattung des Esomessentickets an eine kleine Bedingung gebunden:

Voraussetzung dafür ist lediglich die Anmeldung zu einem Gratisgespräch mit mir unter Bekanntgabe meines Expertencodes 437737 auf folgendem Link:
https://www.questico.de/k3/join.do
und das Führen eines wenigstens 5-minütigen Gesprächs über die Questico-Line bis spätestens 29.04.2009. Das Gespräch kostet tatsächlich keinen Cent (auch die Telefonkosten übernimmt Questico), ist aber wirklich sehr wertvoll! Damit ich Ihr Gespräch auch dieser Aktion zuordnen kann, nennen Sie bitte bei der Abholung Ihren Usernamen, den Sie bei Questico frei wählen können.

Ach so, der Mann wirbt also für Questico und erhält wahrscheinlich eine „Vermittlungsprovision“, wenn sich jemand dort mit Angabe des Peraeusschen Expertencodes anmeldet. Und ohne den Eintrittspreis für die Münchner Esoterikmesse zu kennen würde ich vermuten, dass die Anwerbeprämie bei mehr als 5 Euro liegt. Denn genau das verspricht er all denen zu überweisen, die nicht nach München kommen können – sich aber trotzdem bis dahin mit seiner Zahlenkombination bei Questico anmelden:

Manche meiner Leser nehmen diesen Dienst bereits in Anspruch, manche können nicht auf die Messe kommen – liebe XXXXXXX, auch da gibt es ein Dankeschön von mir:  5 Euro auf Ihr Konto*, wenn Sie mir bis 29.04.2009 in wenigstens 10 Minuten erzählen, was Sie bewegt! Damit ich Ihr Gespräch auch dieser Aktion zuordnen kann, mailen Sie bitte Ihren Usernamen, den Sie bei Questico frei wählen können, sowie Ihre Bankdaten*, die Gutschrift erfolgt umgehend nach der Messe, also in Kalenderwoche 19.

Ein wenig blöd ist natürlich, dass man vor dem Abkassieren 10 Minuten mit ihm reden muss, während für den Esomesseneintritt 5 Minuten Zeitverschwendung genügen …





Astroblabla für Managementseminar

29 03 2009

Das Managementzentrum Witten veranstaltet vom 19.-21. November in Berlin die  „3. Biennale für Management und Beratung“ unter der Überschrift „X-Organisationen: Neue Gegenwart„. Der Einführungstext auf den  Webseiten des Seminars beginnt völlig unverdächtig mit einer für solche unspezifischen Managerseminare üblichen, allgemeinen Beschreibung (die ich ein wenig gekürzt habe):

Die Krise am Kapitalmarkt mit ihren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft beschränkt sich nicht nur auf das Ökonomische, sie ist auch eine Krise unserer Denkmodelle. Wirtschaft und Politik sind ratlos und suchen nach einer neuen Balance. Leben wir in einer Gegenwart, die wir verstehen?  […] Unter dem Titel Neue Gegenwart wird sich der dritte Kongress X-Organisationen mit den Fragen dieser Zeit beschäftigen. […] Der Titel Neue Gegenwart gibt uns die Suchrichtung vor: Wir leben und erleben uns in einer neuen Gegenwart, deren Konturen noch unklar sind. […]

Aha! Man will sich mit den Fragen der Zeit beschäftigen – obwohl irgendwelche Konturen noch unklar sind…

Im Herbst 2008 wurde die Krise offensichtlich, im November 2009 findet der Kongress statt. – Dieses Jahr gibt Gelegenheit zu einem Zwischenresümee: Wo stehen wir, wie geht es weiter?

… und zumindest ein „Zwischenresümee“ ziehen. Zwischen was eigentlich? Wenigstens weiß man schon, dass man den Versuch wagt über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen:

Neben Ökonomen und Soziologen werden wir Vertreter benachbarter Disziplinen (z.B. Ethnologen, Philosophen, Politologen), aber auch Künstler und Dramaturgen oder…

man glaubt es kaum:

… Wahrsager befragen.

Und das hat man sogar schon im Vorfeld getan, wie das Video mit einer Astrologin*, die sich zu dem Kongress äußert, zeigt. Und was die zu sagen hat ist schon schwerstes Blablageschütz: Sätze wie „Hier ist eine Konstellation, die Hoffnung gibt, dem Ganzen“ oder „Man wird sich aktiv beschäftigen, mit dem Unsichtbaren“ sind eigentlich schon sinnfrei genug , aber die Astrologin* hat dann wirklich goldende Tipps für die Manager auf Lager:

Man muß neu, wirklich neu, anfangen – aber sich trauen zu sagen, wir sind mitten auf dem Ozean, wir wissen überhaupt nicht wo’s weiter – das ist ein Nebel, und da drin wird sozusagen eine Schneise gefahren. Durch den Nebel. Also das ist wie so ’ne Bootsfahrt auf dem Kanal durch den Nebel und man weiß nicht genau, wie wird denn das eigentlich.

Herrlich! Das hat die Zukunft nun mal so an sich, dass man sie nicht vorher kennt. Eine umwerfend neue Erkenntnis! Im weiteren Verlauf wird es irgendwie völig konfus: die Sterndeuterin faselt etwas vom Rahmen der Veranstaltung, der „sehr offiziell“ sein kann, aber „nach innen hin offen und weich gestaltet“ sein soll und empfiehlt Sofas, Grünpflanzen und Essensmöglichkeiten. Höchst ungewöhnlich bei einem Managementseminar – sonst kauern die Manager bei solchen Seminaren bekanntlich in ungetünchten Räumlichkeiten hungernd auf dem nackten Boden. Danach folgt eine einzige schleimende Lobhudelei für die Organisatoren und die Interviewerin. Wäre dies bei Astro TV über den Sender gelaufen hätte man kopfschüttelnd weitergezappt, aber hier scheinen die Organisatoren diese Schwurbeleien tatsächlich ernst zu nehmen – oder warum wirbt man sonst damit? Dabei sind die Aussagen der Astrologin so allgemein und nichtssagend gehalten, dass man sie fast wortgleich auch jeder anderen Veranstaltung unterjubeln könnte – natürlich inclusive der Schleimspur.

OK, ob man ein „Managementzentrum“ wirklich ernst nehmen sollte, das mit dem Motto Wer eine Lösung sucht, hat ein Problem! wirbt und sich mit dem intelligenten Umgang mit Nichtwissen zu beschäftigen behauptet?

* akute Namensallergie





15 Tote für die Leichenfledderer

24 03 2009

15 Tote in Winnenden – und der aktuelle Newsletter vom Allgeier-Verlag betreibt astrologische Ursachenforschung Leichenfledderei. Anders kann man es nicht nennen, wenn der Artikel unter der Rubrik Astrologie & Zeitgeschehen folgendes verspricht:

Der Amoklauf von Winnenden: der „böse“ Vollmond und die Motive des Täters aus astrologischer Sicht

Die Astrologie will also ein Geschehnis erklären, das nicht zu erklären ist. „Uranus spielte auch bei diesem furchtbaren Amoklauf in Winnenden eine Hauptrolle.“ ist da zu lesen oder „Die spezielle Zeitqualität des Attentats am 11. März war noch ein paar Spuren härter.“ und „Das Fass zum Überlaufen brachte aber ganz sicher der nun ebenfalls vorherrschende Vollmond in der Jungfrau, der in den Stunden des Amoklaufes ebenfalls auf der Achse Saturn-Uranus zu stehen kam.“  – Ach ne! Da haben wir ja noch Glück gehabt, dass nicht überall in Deutschland so etwas passiert ist, denn diese Konstellationen galten in der ganzen Republik. Und dass der Uranus und der Vollmond schuld sind, das ist für die Angehörigen der Opfer sicherlich beruhigend … … und außerdem hatten es die Astrologen natürlich vorher gewußt:

Bereits im vorigen Astroletter warnten wir vor diesem Zeitraum, indem die Sonne auf Uranus zulief und gleichzeitig in Opposition zu Saturn war.

Tatsächlich! Im  vorherigen Newsletter stand’s drin:

Die in den vergangenen Wochen vorherrschende Opposition zwischen Saturn und Uranus ist im März nicht mehr gradgenau und verliert deshalb an seiner Wirksamkeit. So jedenfalls möchte man meinen. Einen Strich durch diese Rechnung macht die Sonne, die in den Tagen um den 8. März Saturn gegenübersteht und in den Tagen um den 13. März Uranus überquert. Sie fungiert hier nach alter klassischer Regel als die „Überträgerin des Lichts“ und schafft hier quasi eine Spannung zwischen Saturn und Uranus, die bereits im Begriff war, sich aufzulösen.

Und was hat dieses Blabla jetzt mit Winnenden zu tun? Nichts natürlich, aber man kann ja mal daherschwurbeln, dass man vor einem Monat auch geschwurbelt hat.

Wenn schon die Medien – wie gewohnt – jegliche Scham angesichts einer solchen Tragödie vermissen lassen, dann kann der Allgeier-Newsletter nicht hintan stehen und fängt an das Täterhoroskop zu besprechen:

Diese „Schreckenskonstellation“ fiel nun auf die Häuser 5 und 11 als der 17-jährige Attentäter wild drauf los feuerte und insgesamt 15 Menschen erschoss. Das 5. Haus hat u.a. mit Liebe und Lebensfreude zu tun, das 11. mit Freundschaften, Hoffnungen, Wünschen und sozialen Kontakten.

Nach weiterem Geblubber wird’s hart:

Die angespannten Häuser 5 und 11 im Amoklauf-Horoskop deuten aus astrologischer Sicht darauf hin, dass er vom Leben ausgeschlossen und isoliert war, dass er keine Freunde hatte und dass er vor allem mit dem weiblichen Geschlecht, von dem er ziemlich sicher gemieden und abgelehnt wurde, enorme Konflikte hatte.

Genau! So geht das! Man braucht den Täter ja nicht zu kennen, der Blick ins Horoskop genügt: Einsamkeit und Triebstau – Vollmond in der Jungfrau und Uranus am Werk – Zackbumm! – 15 Tote!

… natürlich weiß man das erst hinterher (aus der Presse?) … … und natürlich gilt das nicht für alle einsamen 17-Jährigen … … und natürlich auch nicht für alle Jungs dieses Alters, die Probleme mit den Mädels haben … … und natürlich kann das beim nächsten Auftreten einer ähnlichen Konstellation ganz anders aussehen … … und natürlich hätte man nicht voraussehen können, dass … … die astrologischen Ausredephrasen bei konkreten Rückfragen sind bekannt!

Manchmal kann einem beim Lesen kurzer Newsletter schwer übel werden! Noch schlimmer wird’s nur bei den Oberastrologen von astrologix … … aber dieses traurige Hinundhergeschwalle auf dem Rücken der Opfer mag ich jetzt wirklich nicht kommentieren.





Vermischtes: Lourdeswunder, Astrologietag und mehr

17 03 2009

Wie Manfred Dimde behauptet auch Ray O. Nolan gerne er hätte irgend einen Nostradamus-Code entschlüsselt und könne aus den alten Verslein die Zukunft vorhersehen. Wie die anderen Nostradamusdeuter auch gehört Nolan üblicherweise zu den Schwarzsehern, hat aber für September 2009 eine gute Nachricht auf einer seiner Internetseiten parat und prophezeit das Wunder von Lourdes:

Die „zweite Vorsehung“ könnte nicht nur bedeuten, dass es an diesem 22. September 2009 zunächst zu Hunderten und in der Folge zu Tausenden neuen Wunderheilungen kommt, sondern vielleicht auch, dass es zu einem neuen, optisch sicht-baren Wunder kommt, über dass man noch lange sprechen wird („was vom hohen Himmel nicht fortgewischt werden kann!“). Auch hier bin ich mir sicher, dass wir   n a c h   diesem Ereignis die ein oder andere Textstelle erst wirklich verste-hen werden.

Diese Seite darf man übrigens zitieren, bei anderen Seiten möchte Nolan dies mit folgendem kleinen Text verhindern:

Copyright 2004-2009 by Ray O. Nolan
C.d.C. 2749, PY-1209 Asunción (Paraguay)

(Falls Sie dennoch Fotos oder Texte von dieser Homepage klauen wollen, erwartet Sie
im günstigsten Fall eine Rechnung in Höhe von 100.- Euro pro 1 bis 2000 Zeichen/Buchstaben
bzw. 100.- Euro pro Foto.)
Ich an Ihrer Stelle würd’s bleiben lassen und mir eigene Texte einfallen lassen.

Der Mann scheint tatsächlich zu glauben, irgendjemand wolle seinen Unsinn über die letzten sechs Päpste und die letzten 4 US-Präsidenten kopieren. Schon die Zählung der US-Präsidenten ist höchst eigenwillig: Obama ist der 44. Präsident, nicht der 18. …

Der Deutsche Astrologen Verband feiert am Freitag seinen „Tag der Astrologie“ und möchte „der Öffentlichkeit die Astrologie – als bedeutendste Symbolsprache des Abendlandes – wieder ins Bewusstsein zu rufen„. Klappern gehört zum Handwerk, aber das Ziel  „über die Unesco die Etablierung eines internationalen Tages der Astrologie zu erreichen“ zeugt mal wieder von einer masslosen Selbstüberschätzung der Astrologenfraktion.

Tauchen Sie ein in eine Welt voller Spiritualität und Inspiration –“ was wie die Einladung zu einem Wochenende mit irgendwelchen esoterischen Ritualen beginnt endet ganz profan „mit dem ersten spirituellen Mobilfunkanbieter qiwani-mobil„. Die Welt listete diesen Anbieter in einer Übersicht spezieller Handytarife auf und geboten werden Tageshoroskop, Wellnesstipps, verschiedene Orakel, Mondgeblubber und Esoterikwerbung satt. Ob mit solch spirituellen Angeboten tatsächlich ein Gegengewicht zu dem von Esoterikern häufig gefürchteten pösen Elektrosmog erreicht werden kann bleibt anzuwarten.

Absolut empfehlenswert ist der Gastbeitrag von Pianoman bei Astrodicticum Simplex über eine Veranstaltung im Forum Berufsbildung: am 12.3. hatte dort ein Bewerbungsprofi über Die eigene Berufung finden – Psychologische Astrologie als Wegweiser für Berufsfindung und Bewerbung“ referiert und Pianoman kommentiert und analysiert das Geschehen unter dem Titel „Instant Karma“ oder „Die Faulheit des Psychologen“.





Sternzeichenrennen

12 03 2009

Florian hat den grandiosen Link aus Bad Astronomy zu getanzten und gesungen Tierkreiszeichen schon gestern gepostet – vielen Dank für dieses absolut lächerliche Video! Ich wusste nicht, dass es zu folgendem kurzen Auftritt zweier Damen im Zustand erhöhter Lebensfreude (auf den mich ein Bekannter vor einigen Monaten aufmerksam machte) tatsächlich ein Original gibt:

Ebenfalls gestern berichtete De:Bug vom Jubiläum einer japanischen Turnschuhmarke, die zu diesem Anlass ein Rennen der chinesischen Tierkreiszeichen (Drache, Affe, etc.) veranstalten liess:

Irgendwie schräg das Ganze – aber ich darf mich jetzt als Sieger fühlen: mein Tierkreiszeichen hat nämlich gewonnen!





Die Kunden der Astrologin

7 03 2009

Anfang März erschien im Schweizer Tagesanzeiger ein Interview mit der Astrologin Monika Kissling mit dem Titel „In der Not schauen die Banker in die Sterne„. Die Kommentare zu diesem Artikel waren dabei sehr eindeutig:

Mumpitz Mumpitz Mumpitz Wüsste die Dame alles hätten wir keine Krise ! Das man darüber noch einen Artikel bringt ist ebenfalls bedauerlich.

Ein derartiger Versuch von Volksverdummung wie dieser Artikel sollte eigentlich nicht einfach so durchgehen. Pure Eigenwerbung für Frau Kissling, ohne jede kritische Frage, wie z.B. welche ihrer Voraussagen – konkret! – denn tatsächlich eingetroffen ist?

Können die Wirtschaftswissenschaften noch tiefer sinken? Unglaublich, dass der Tagi eine Plattform bietet für solche Inhalte. Hätte der Zusammenschluss der UBS mit dem Bankverein also an einem andern Tag als am 8.12.1997 stattgefunden, hätten wir nun keine Finanzkrise? Wer glaubt solchen Schwachsinn?

Florian Freistetter hat sich in seinem Blog Astrodicticum Simplex auch zu diesem Interview geäußert und ich habe mich mal auf der Webseite der Astrologin umgesehen. Da gibt es doch tatsächlich monatliche „Sternenberichte„, in denen allerdings außer belanglosem Blabla nichts zu finden ist. Bestenfalls zeigt Frau Kissling, dass sie in den Tagen vor dem Schreiben der Texte die Nachrichten verfolgt hat – so heißt es für den Februar 2008:

So werden im Umeld von Finsternissen (-/+ 2-4 Wochen) auf globaler Ebene meist die Weichen für die Zukunft neu gestellt. In das aktuelle Finsternis-Zeitfenster fallen die Amtseinsetzung von Barack Obama und seine ersten Amtshandlungen. Interessant dürften aber auch die Entwicklungen in der katholischen Kirche sein, denn die Rückführung von vier exkomunizierten Bischöfen durch den Papst erfolgte ebenfalls kurz vor der Finsternis.

Noch interessanter ist die Seite ihrer Angebote für Unternehmen. So bietet sie Vorträge zu folgenden Themen an:

  • Am Puls der Zeit: Wissensvorsprung dank Astrologie
  • Zyklisches Denken – ein neues Verständnis der Zeit
  • Erfolg hat, wer die Zeichen der Zeit erkennt!
  • Zeitgeist 2009 – ein Blick in die Zukunft

OK, als Realsatire könnte man einen solchen Vortrag ja mal über sich ergehen lassen  – ob es allerdings unterhaltsam wäre ist zu bezweifeln. Erfahrungsgemäß verursachen solche Vorträge zunmindest bei mir nach ca. 10-15 Minuten einen Schwurbeloverflow im Hirn, der wahlweise  durch Frischluft oder bestimmte, leicht toxische, Getränke zu bekämpfen ist. Aber  hier ist natürlich alles ernst gemeint – ebenso wie das Consulting für Führungskräfte und die Unterstützung bei der Personalselektion. Für letztere wirbt sie mit folgendem Text:

Der richtige Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort: Das Horoskop ist ein wertvolles Diagnoseinstrument für eignungsdiagnostische Abklärungen bei Anstellungen, Beförderungen und Weiterbildung. Es zeigt die Stärken und Konfliktbereiche eines Mitarbeiters auf und gibt Auskunft über Führungskompetenzen, soziale sowie persönliche Kompetenzen.

Eine astrologische Analyse weist Parallelen zum graphologischen Gutachten auf, umfasst jedoch zusätzlich die „zeitliche“ Dimension. Wo steht der Bewerber auf seinem Lebensweg? Ist die Zeit für ein langfristiges Engagement reif, oder präsentiert sich die nahe Zukunft wechselhaft? Welche Herausforderungen stellen sich in den kommenden Jahren?

Dass sich manche Unternehmen tatsächlich auf solchen Nonsens verlassen ist wenig überraschend, denn an den entscheidenden Stellen sitzen Menschen, die eben auch der einen oder anderen esoterischen Lehre erliegen können. Offen zugegeben wird das eher selten – welches Unternehmen möchte sich schon nachsagen lassen, dass seine Personalauswahl zumindest teilweise auf pseudowissenschaftlichem Humbug beruht?

Ob das auf die Unternehmen zutrifft die Frau Kissling in ihrer Kundenreferenzliste angibt weiß ich natürlich nicht. Gewundert haben mich einige der Namen auf der Liste aber schon – ob die tatsächlich wissen, dass sie dort als Referenz genannt werden? Ich habe bei einer kleinen Auswahl einfach ‚mal nachgefragt – immerhin finden sich auf der Liste zwei schweizer Dependancen ehemaliger Arbeitgeber von mir und ich möchte nicht auf Grund meines Horoskops eingestellt worden sein …





Lechts und Rinks: George Crabb beschreibt 1813 den Unterschied zwischen Astronomie und Astrologie

3 03 2009

In der Presse kommt es immer mal wieder zur Begriffsverwechselung zwischen AstroLOGie und AstroNOMie. Erst vor wenigen Tagen berichte der Lokalteil einer Zeitung von einer Messe zum neunten Hückelhovener Astronomietag, der von der Astrologie-AG des örtlichen Gymnasiums organisiert gewesen sein soll und auch dieser Bericht über den Start des Portals „Academic Earth“ behauptet es gäbe dort von renommierten Universitäten wie Yale oder dem MIT Vorlesungen „von Astrology und Biology bis Philosophie und Religion“. Dabei ist diese Velwechserung ganz sicher kein neues Problem, denn schon in seinem 1813 erschienen Buch „English Synonyms Explained in Alphabetical Order; with Cupious Illustrations and Examples drawn from the Best Writers“ listet der Autor George Crabb neben anderen synonymen Begriffen – auch Astrologie und Astronomie auf. Dabei ist ihm vollkommen klar, dass es sich in diesem Fall eben nicht um Synonyme handelt – denn er erklärt den Unterschied in ziemlich deutlichen Worten:

The  astronomer studies the course and movement of the stars; the astrologer reasons on their influence.

The astronomer calculates and seldom errs, as his calculations are based on fixed rules and actual observations – the astrologer deals in conjectures, and his imagination often deceives him.

The astronomer explains what he knows and merits the esteem of the learned – the astrologer hazards what he thinks and seaks to please.

A thirst for knowledge leads to the study of astronomy; an inequitude of the future has given rise to astrology.

Many important results for the arts of navigation, agriculture,  and of civil society in general, have been drawn from astronomical researches.  Many serious and mischievous effects have been produced on the minds of the ignorant, from their faith in the dreams of the astrologer.

Mich wundert allerdings seit Jahren, dass ich noch niemals eine Verwechslung „in die andere Richtung“ gefunden habe. Immer macht sich die Astrologie fälschlicherweise auf dem Platz der Astronomie breit, nie ist es umgekehrt … … oder kennt hier jemand ein Gegenbeispiel?





Falsches Blechhoroskop!

27 02 2009

Auf der österreichischen Nachrichtenplattform news.at gibt derzeit eine Diashow zur DVD-Veröffentlichung des Pixar-Animationsfilms Wall-E. Wie in solchen Fällen nicht unüblich gibt es auch ein kleines Gewinnspiel – na ja, eigentlich ist es eher eine Art organisierter Datensammlung, denn „Mitspieler“ müssen lediglich ihre eigenen Kontaktdaten im Antwortformular erfassen.

Zu gewinnen gibt es dabei etwas durchaus Ungewöhnliches: ein Partnerhoroskop von tierkreis.at. Zur Motivation dieses Gewinns gibt es dazu noch eine 5-seitige astrologische Würdigung der Blechbüchsenliebesgeschichte zwischen Wall-E und Eve, die man sich sogar als pdf herunterladen kann.

Der Autor – Astrologe Gerald Peraeus – schildert die animierten Roboterprotagonisten als Vertreter verschiedener astrologischer Prinzipien, und hat sogar ein Horoskop für Wall-E zu bieten. Als „Geburtsdaten“ verwendet er den 27.6.2008 mit der Uhrzeit 20:00 Uhr und dem Ort Washington. Wie er darauf kommt beschreibt er auch:

Nachstehend die Radix der Premiere in den USA bezogen auf die Hauptstadt Washington.

Dass diese Daten rein willkürlich gewählt sind, das zeigt schon ein Blick auf die Releaseinfos des Films. Die Premiere fand nämlich bereits am 23.6.2008  statt, und – wie es sich für einen Kinofilm gehört – in Los Angeles. Die „Geburtszeit“ ist ebenfalls willkürlich gewählt, denn da der Film auch Kinder ansprechen sollte dürfte er am ersten offiziellen Spieltag (das war der 27.6.2008) selbstverständlich auch schon vor der Abendvorstellung gelaufen sein. Aber im Horoskoptext passt ja alles astrologisch soooo schöööön zusammen … … dann müssen diese Daten einfach „richtig“ sein.

Ein rein logisches Problem habe ich aber mit den Geburtsdaten von Eve. Hat diese Blechbüchse nicht die selben Geburtsdaten wie Wall-E? Falls nein, warum nicht? Falls ja, wie kann Eve dann – wie von Herrn Peraeus in seinem Text beschrieben – ein ganz anderes „astrologisches Prinzip“ vertreten? Na ja, Logik ist ja bekanntlich nicht die Stärke der Astrologen …

Insgesamt muss man natürlich Herrn Peraeus gratulieren: auf die Idee die DVD-Veröffentlichung eines Animationsfilms als Werbeträger für seine unsinnigen astrologischen Dienste zu benutzen muss man schliesslich erstmal kommen.