Prognoseresterampe 2017 (Teil 2): Noch mehr Blabla mit einer ganz kleinen Prise Trump

5 04 2017

Im 2. Teil der Prognoseresterampe fange ich mit der Seite annabelle.ch an, dort durfte bereits Mitte Dezember letzten Jahres die Astrologin Nicole von Bredow einen Blick auf das kommende Jahr mit dem Titel „2017 wird ein gutes Jahr zur Selbstfindung“ werfen. Viel scheint sie allerdings nicht gesehen zu haben, denn auf die Einstiegsfrage …

Was für ein Jahr! Politische Donnerschläge wie der Brexit oder die Wahl Donald Trumps, aber auch überraschende Todesfälle und Trennungen sorgten 2016 für Aufregung. Dürfen wir 2017 mehr Ruhe erwarten?

… antwortet sie zunächst mit …

Leider nein. 2016 war das Mars-Jahr. Der Mars ist bekannt dafür, Spannungen zu erzeugen und den Kampfgeist zu wecken. Dieser Einfluss ist zwar im nächsten Jahr vorbei, doch Ruhe kehrt nicht ein. Denn 2017 steht im Zeichen der Sonne.

… um dann das Ganze aber doch irgendwie „friedlicher“ enden zu lassen:

Die Sonne steht für Selbstdarstellung. In der Astrologie ist die Sonne der wichtigste «Planet» in einem Horoskop. Nach uralter Tradition herrschen die Himmelskörper im Turnus von sieben Jahren jeweils zwölf Monate lang und färben das Jahr mit ihrer Energie ein. Bei der Sonne heisst das, dass sich die Menschen weniger auf Konflikte mit anderen und mehr auf sich selber konzentriert. Es wird also etwas friedlicher als das vergangene Jahr.

Nachdem sie einem Jahr der Liebe eine Absage erteilt hat („Die Sonne ist kein Liebesplanet“ – beim Astrogipfel las sich das aber ganz anders …) erklärt sie das offensichtlich von ihr erfundene „Gummistiefelprinzip“, das bei google als ersten Treffer genau das verlinkte Interview auflistet:

Frauen in Gummistiefeln, die in sich ruhen und selbstbewusst sind, können viel anziehender sein als Frauen, die gestylt, aber unsicher in Highheels herumstolzieren.

Aha! Gilt dann für Frauen, die in sich ruhen und sicher in Highheels laufen das Highheelsprinzip? Und was ist mit dem Flipflopprinzip oder dem Weißetennissockeninsandalenprinzip? Ach, egal – immerhin äußert sich die Dame sogar zu Donald Trump:

Einerseits hilft das Sonnenjahr Egomanen wie Putin und Trump, die jetzt noch mehr bestärkt werden und im Licht stehen. Aber wir können darauf hoffen, dass Trump die Flügel etwas gestutzt bekommt. Das ist auch an seinem Horoskop ablesbar.

… und „präzisiert“ dann noch:

Trump wird im Januar an seine persönlichen Grenzen stossen. Der Widerstand, den er erfährt, wird ihm Mühe bereiten, und seine Freiheiten, die er sich erhofft hat, werden stark begrenzt sein.

Ach ja, diese Begrenzung nennt sich übrigens amerikanische Verfassung …

Der Freiburger Astrologe Winfried Henke sieht sich als Protagonist einer „spirituellen Astrologie“ und reißt in seinem Text für 2017 gleich mal das vermeintliche Fundament der Astrologie („wie oben, so unten“) ein, denn nachdem er das zunächst so fabuliert …

Wie oben so unten, die schöpferische Ordnung des Himmels spiegelt sich auf Erden wieder. Sie gibt uns Orientierung und Lebenshilfe. Der kreative Tanz der Gestirne stimmt uns auf die Harmonie des Universums ein.

… fährt er mit Folgendem fort:

Wenn oben nicht mehr wie unten ist, wenn der Himmel sich immer weniger schöpferisch und kreativ sondern immer mehr disharmonisch und destruktiv auf Erden spiegelt, dann ist es wieder so weit. In der aktuellen Weltsituation geraten immer mehr Menschen und Systeme aus der himmlischen Ordnung und in irdische Unordnung.

Und wie will er erkennen, ob für seinen nächsten Kunden dann wirklich das „wie oben, so unten“ gilt bzw. ob sich bei diesem Menschen der Himmel dann doch eher negativ „spiegelt“? Egal, denn auch zu Trump wird im leztzten Abschnitt erwähnt:

Der Schicksalsplanet Saturn wird 2017 im Galaktische Zentrum bei ca. 21°-28°Schütze hin und her pendeln und das evolutionäre Gewissen der Menschheit und jedes Einzelnen prüfen. Beispielsweise steht Donald Trumps Zwillings-Sonne in herausfordernder Opposition dazu. Und Angela Merkels Schütze-Mars steht dazu in harter Konjunktion. Diese beiden Weltpolitiker werden somit von Saturn, dem Meister des Schicksals im Galaktischen Zentrum geprüft und herausgefordert…

Evolutionäres Gewissen? Politiker werden geprüft und herausgefordert? Wenn wir schon „spirituell argumentieren“ wollen dann möchte ich den Herrn Henke an einen Bibelspruch erinnern (Mathäus 5,37): Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel. – ich möchte ergänzen: vielleicht nicht von Übel aber von Blabla!

Bei Astroschmid liegt die Blabla-Dichte bei beinahe 100%. Beispiele gefällig? Bitteschön:

  • die sozialen und ökologischen Errungenschaften, auch z.B. in der Gesundheitsversorgung (Chiron) [haben] eine Tendenz zum „Verdunsten“
  • im Weltgeschehen [gilt es] Schwierigkeiten (Saturn) mit Recht und Gerechtigkeit (Schütze) zu überstehen
  • man [stellt] sich auf der Welt wieder mehr der Frage der Verantwortung
  • Gerechtigkeit (Jupiter) durch Diplomatie (Waage) [hat] gute Chancen

Nach Astroschmid jetzt der „Astro-Uranus„, der neben einem Jahreshoroskop für die einzelnen Sternzeichen auch ein wenig allgemeinen Text auf Lager hat. Es gibt also ein „verheißungsvolles Omen„, es soll „Überraschendes“ geschehen (was wird natürlich nicht verraten) und zwei Prognoseklassiker aus der Binsenweisheitensektion:

  • Es wird ein Jahr des Umbruchs und der Erneuerung sein.
  • Altes muss etwas Neuem weichen, das besser sein muss.

Ein wenig konkreter wird es erst am Ende der Seite, wobei das Wort „wenig“ noch weit übertrieben erscheint. Auch hierfür ein paar Beispiele:

  • Diese allerdings ist weit weniger gut konstelliert und ein kritisches Datum, an dem sich keine neuen guten Aktivitäten in Gang bringen lassen, doch zerstörerische Aktivitäten begünstigt sind. Zwillinge, Jungfrau und Schützen wissen jetzt alles besser. Jetzt Genussgifte meiden, lieber Füße baden und Blattgemüse und Kresse säen!
  • Am 6. September erwartet uns ein Vollmond voller Mitgefühl in den Fischen, und wenn über den Leermond vom 20.9 in Waage eine Jupiter-Uranus-Opposition bis zum 28.9. zunimmt, an dem Tag exakt wird, an dem auch Pluto wieder voranzulaufen beginnt, also stark wird, dann möge Gott uns gnädig sein.
  • Der 1. Adventssonntag am 3. 12. Bringt einen Vollmond in den Zwillingen. Der Merkur wird rückläufig und Neptun hat das Wort. Also Vorsicht beim Einkauf. 2 Wochen später ist Neumond im Steinbock, da wird man realistischer einkaufen, falls noch möglich.

Noch mehr inhaltsloses Blabla also …

Bei Gabriele Moog gibt es zu den Themen Politik, Finanzen, Partnerschaft und Gesundheit jeweils sehr kurze Texte, die inhaltlich aus einem inhaltsleeren Phrasengenerator stammen könnten.

Mal sehen ob das nächste Paket der Prognosenresterampe ein wenig mehr konkrete Prognosen liefert …

(Das waren  Nummer 20 bis 24 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Prognoseresterampe 2017 (Teil 1): Viel Blabla und Katastrophengeraune beim alljährlichen Astro-Gipfel

28 03 2017

Schon Ende März, also höchste Zeit sich endlich mit den gesammelten Prognosen für das bereits seit fast drei Monaten laufende Jahr zu beschäftigen. Als Erstes ein Blick auf den alljährlichen „Astrogipfel“ aus der Astrowoche:

Wie üblich gab es bei den dieses Mal fünf Zukunftsdeutern überwiegend Belangloses zu lesen. So schrieb der Astrologe Erich Bauer folgendes zum Weltgeschehen:

Im Sonnenjahr 2017 stehen Uranus und Pluto zusammen gegen Jupiter. Das hat Auswirkungen auf bestehende Konflikte, aber auch auf Partnerschaft und Liebe. […] Mit der Sonne als Dirigent werden zuallererst einmal die Eigenschaften der einzelnen Tierkreiszeichen verstärkt – und zwar die positiven genauso wie die negativen. Es kommt dann auf jeden einzelnen an, in welche Richtung er sich bewegt, wohin er sich treiben lässt, ob mehr in die positive oder die negative Richtung.

Das gilt natürlich auch für diejenigen, die ganz oben sind, also unsere Regenten. In diesem Zusammenhang kann es leicht passieren, dass so mancher das Sonnenjahr dahingehend missbraucht, um wie allzumal der Sonnenkönig von Frankreich seine ohnehin ausgeprägten Vorstellungen einer Regentschaft noch maßlos auszubauen. Dass dann in seinem „Orchester“ noch ein Uranus im Widder und ein Pluto im Steinbock mitmischen, macht das Ganze noch bedrohlicher. Uranus würde sich nämlich gegen jegliche Tyrannei auflehnen, Widerstand, vielleicht sogar einen Aufstand anzetteln. Saturn, der im Zeichen Schütze steht, würde dafür die ideologische Legitimität abgeben.

Dem Himmel sei Dank existiert auch Jupiter. Er befindet sich bis in den Oktober hinein im Zeichen Waage. Er macht Hoffnung. Er ist 2017 der Prophet für Frieden. Solange dieser Planet in der Waage steht, bleibt es bei kleineren Scharmützeln und beim Säbelgerassel der verschiedenen selbst ernannten Sonnenkönige und -königinnen. Dieser Jupiter zieht dann im Herbst in das Zeichen Skorpion. Davor wird mir Angst und Bange. Dieser Jupiter scheut sich nicht vor einem größeren Konflikt. Es kommt also voll und ganz darauf an, ob es diesem Jupiter, solange er im Tierkreiszeichen Waage steht, gelingt, die Bereitschaft zum Frieden dermaßen zu stärken, dass er auch die Zeit überlebt, in der Jupiter durch den Skorpion wandert.

Aha, nichts Konkretes wieder einmal, aber genug Gefasel das Bauer dann irgendwie auf aktuelle Situationen irgendwo in der Welt deuteln kann. Ansonsten erwartet er „dass zerstrittene Beziehungen wieder Frieden finden“, ja sogar  dass „solche Partner, die eine Scheidung hinter sich haben, können jetzt durch eine erneute Heirat von vorne beginnen“ könnten … … nicht nur bei mir liegt er damit schon mal völlig falsch. Ach ja, und 2017 sollen sich außerdem mehr Menschen als sonst unsterblich verlieben – ich gönne das ja jedem, aber als Prognose ist das wenig brauchbar.

Ruth Siegenthalers Jahresprognose liefert nur Belanglosigkeiten a la

„In das Kapitel von Neptun und Chiron in den Fischen gehören auch erlittene Verletzungen in dieser und in früheren Inkarnationen. Dies kann sich so äußern, dass wir wegen eines unbedeutenden Ereignisses auf die Barrikaden gehen. Fehlt die Bereitschaft, unsere Reaktionen zu beobachten und vernünftig zu entscheiden, was der Vergangenheit angehört und was nicht, laufen wir Gefahr, unnötige Dramen zu produzieren.“

Blablabla …

Nur wenig konkreter ist Christine Schoppa, die für 2017 erwartet dass „Großfamilien entstehen“ und das Ganze mit dem üblichen Sternengelaber garniert. Ein klein wenig Katstrophengeraune gibt es noch dazu:

„In der Wirtschaft kann das starke finanzielle Einbußen zur Folge haben. Aber nicht nur diese eine Komponente hat dieser Aspekt zu bieten, ich sehe ihn auch als Übeltäter im Bereich Wetter- und Umweltkatastrophen, hier ist alles möglich, von starken Stürmen bis hin zu Erdbeben. Hinzu kommt dann Ende März noch das Quadrat von Jupiter und Pluto, was das ganze noch verstärkt. Jupiter zeigt sich also in den ersten drei Monaten diesmal nicht von seiner Glücksseite.“

Aha, wir haben also gerade jetzt mit Stürmen und Erdbeben zu rechnen …

Auch Gabriele Sperzel übt sich in allgemeinem Katastrophengeraune:

Das schon aus den Jahren 2012 bis 2015 bekannte Quadrat zwischen Uranus und Pluto erlebt von Januar bis März 2017 eine Wiederbelebung. Diese Konstellation ist aus astrologischer Sicht verantwortlich für die weltweiten Umstürze und Naturkatastrophen. Der Aspekt bleibt auch weiterhin latent vorhanden.

Dazu wird eine Finanzkrise bis „ca. 2020“ vorausgesagt, für die irgendwelche Planeten verantwortlich gemacht werden. Also das übliche Gelaber …

Fehlt noch der unvermeidliche Michael Allgeier, der als Herausgeber von Allgeiers Astrologischem Jahreskalender später noch einem eigenen Artikel hier erhalten wird, und der hier nur eine Kurzversion seiner Jahresprognose zum „Besten“ geben darf. Es fängt aber recht positiv an:

Die Welt ist zerrissen, es gibt so viele Brandherde wie noch nie. Und ja, auch 2017 wird es Krisen geben. Aber, die schlimmen, lang anhaltenden Aspekte fehlen nahezu völlig.

Ach wirklich? Und warum?

Saturn und Neptun, die im Vorjahr für so viele Krisen verantwortlich waren, haben sich aufgelöst.

Upps! Die Planeten haben sich aufgelöst? Das hätte ich wahrscheinlich irgendwo gelesen … . Und es gibt das übliche Katastrophengeraune:

Ein kritisches Quadrat bildet Jupiter allerdings zu Pluto zwischen dem 23. März und 6. April sowie zwischen dem 29. Juli und 10. August. In diesen Phasen regiert die Gier. Es ist der Aspekt des Reichtums, der nie genug bekommen kann. Auch Katastrophen wie größere Erdbeben sind unter dieser Spannung zu erwarten.

Ansonsten wird allerdings alles gut, zumindest wenn man Herrn Allgeier glauben will. Und sensationelle Tipps hat er auch noch auf Lager:

Das sind Phasen, in denen wir mit Klugheit und Umsicht unsere berufliche Zukunft planen sollten und in denen wir mit Bedacht Geld in größere Anschaffungen wie Autos oder Immobilien erfolgreich investieren sollten.

Dass dies nur für einen kleinen Teil des Jahres gelten soll wundert mich allerdings schon, sorgen die Sterne dafür, dass man zu den anderen Zeiten im Jahr das nicht tun sollten? Und am Ende wird den Lesern noch eine riesige Portion Honig  ums Maul geschmiert:

In der Waage macht uns Jupiter liebevoller, schöner, reicher und glücklicher. Alle Beziehungen, ob persönlich, geschäftlich oder politisch, werden von diesem Einfluss profitieren können. Dieser Jupiter kündigt nicht zuletzt ein Jahr der großen Liebe an, es ist der Hochzeitsstern schlechthin. Beruflich und geschäftlich fördert er Zusammenschlüsse und Kooperationen.

Ach ja, alles wird gut und zwar für ausnahmslos alle Menschen! Das mag manchen Menschen eine trügerische Hoffnung geben, ist wohl nett gemeint, aber als „Jahresvorschau“ völliger Blödsinn.

Auf jeden Fall fällt auf, dass der Name Trump bei keiner Prognose auftaucht – das kann natürlich daran liegen, dass diese Texte vor der US-Wahl geschrieben und nachher nicht mehr redigiert wurden …

(Das waren  Nummer 15 bis 19 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Skeptikerkritik am ZDF sorgt für Chefastrologen-Mimimi

30 01 2017

Klemens Ludwig ist aktuell der Vorsitzende des DAV, des Deutschen Astrologen Verbands, und er war in den Wochen um den Jahreswechsel ziemlich aktiv. Unter anderem hatte er auch heute.de ein Interview gegeben (auch dem hessischen Rundfunk, verschiedenen Zeitungen und schon 2015 der FAZ), und der GWUP-Blog hatte ebenso wie der hpd auf dieses Interview mit deutlicher Kritik am ZDF reagiert. Soweit so gut – das alljährliche Spielchen, obwohl man sich selbstverständlich schon fragen darf warum heute.de, als Teil unserer öffentlich-rechtlicher Medien mit Bildungsauftrag, dem Herren ein solches, vollkommen unkritisches Interview schenken muss. Seine Reaktion ist ein großes Mimimi bei Huffingtonpost.de.

Ein Dorn im Auge ist ihm schon der alljährliche Prognoserückblick und sein Argument ist amüsant:

Dass dabei vor allem die Prognosen herangezogen werden, die in das Weltbild der Skeptiker passen, liegt auf der Hand.

Als Autor der jährlichen Prognoserückschau muss ich dem Mann vehement widersprechen, denn ich nehme jede auf esoterischem Gedankengut fußende Prognose die ich finden kann in die Auswahl auf. Dass viele davon von Astrologen gemacht werden, dafür kann ich aber nichts.  Warum kritisiert Herr Ludwig nicht diese Astrologen? Die sind es doch, die mit ihren Prognosen das Bild der Sterndeutung in der Öffentlichkeit prägen! Wenn kein Astrologe solche Prognosen machen würde, dann könnte man wegen der Prognosen auch keine kritisieren. Ist doch ganz einfach …

Nach ein wenig herumnörgeln am hpd (weil dieser die dauerlachende Binsenweisheitenschleuder namens Dalai Lama recht kritisch sieht) zeigt Ludwig erstaunliche Wissenslücken bei seinem eigenen Fachgebiet.

Zu den ominösen „unterschiedlichen empirischen Studien“ fällt mir nur das Winston Churchill zugeschriebene Zitat ein: „Ich glaube nur Statistiken, die ich selbst gefälscht habe“. Ich komme später noch einmal darauf zurück.

Aha, die Studien zu seinem ureigenen Fachgebiet kennt er also gar nicht? Oder interessiert er sich einfach nicht dafür? Und dann noch den falschen Churchill-Spruch … Argumente lesen sich anders. Mal sehen ob er nochmal darauf zurückkommt. Zuerst aber wirft er den Skeptikern Intoleranz vor und beruft sich dabei auf einen Kommentator bei heute.de. Weder weiß Herr Ludwig wer da kommentiert hat, noch ob diese Person irgendetwas mit der GWUP oder dem hpd zu tun hat – aber diese Kritik am Umgang mit den Fernsehgebühren (auch wenn der Artikel „nur“ online war, der Journalist wurde vom ZDF bezahlt) zeigt natürlich ganz genau … … dass Herr Ludwig es beim Thema Dünnhäutigkeit mit dem aktuellen amerikanischen Präsidenten aufnehmen könnte.

Es folgt eines der liebsten Argumente aller Astrologen:

Was die Astrologie-Kritiker angeht, so bin ich fest davon überzeugt, dass nur eine verschwindend geringe Minderheit unter ihnen sich jemals auf ein persönliches Horoskop eingelassen hat. Das ist das gewichtigste Argument für die Astrologie, die seriöse Astrologie.

Tja hier liegt Herr Ludwig bei mir (und einigen anderen GWUP-Kollegen) vollkommen falsch. Ich zum Beispiel habe etwa zwei Dutzend Horoskope zu meiner echten Geburtszeit gelesen, davor oder danach mit einigen der erstellenden Astrologen gesprochen und mein Fazit ist ein ganz anderes: Genau das, was die Studien eben auch zeigen. Und natürlich darf ich das verbreiten, mache ich ja auch – genau so wie Herr Ludwig für die Astrologie Werbung machen darf, ist es mein Recht darauf hinweisen, was die Wissenschaft über astrologische Behauptungen so herausgefunden hat: Bringt Nix! Bestenfalls unterhaltsam!

Aber natürlich hat Herr Ludwig seine eigenen Beweise:

Insofern beweist sich Astrologie im praktischen Alltag, und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung zahllose Menschen nennen, die durch eine astrologische Beratung Orientierung und Perspektive erhalten haben. Das ist der Beweis für die Astrologie, keine fragwürdigen Untersuchungen oder Statistiken.

Nein, das ist kein Beweis für die Astrologie! Das ist vielleicht ein Hinweis darauf, dass Herr Ludwig ein netter, freundlicher und empathischer Mensch ist, als Beleg für die Astrologie (welche eigentlich? Es gibt ja so viele verschiedene „Schulen“ …) taugt das nichts. Aber immerhin schreibt er auch noch folgendes:

Ich kann keinen Skeptiker ernst nehmen, der sich nicht auf die individuelle Deutung seines eigenen Horoskops eingelassen hat. Nur über den Weg kann Sinn und Unsinn der Astrologie erfasst werden.

Dann muss er mich ja jetzt richtig ernst nehmen …

Und dabei stehen die Astrologen ausgesprochen gut da.

Nein, tun sie nicht. Wie stand es so schön zum Jahreswechsel im Spiegel?

Eine historische Studie, 1985 in „Nature“ publiziert, hat zweifelsfrei und unter aktiver Mitwirkung von Astrologen gezeigt, dass Astrologen – entgegen ihren eigenen Vorhersagen – anhand des Geburtsdatums keinerlei über den Zufall hinausgehende valide Aussagen über die Persönlichkeit einer Testperson machen können. Obwohl der Autor Shawn Carlson alle Wünsche von Astrologen hinsichtlich des Studiendesigns und der Auswertung umgesetzt hatte. Natürlich gibt es trotzdem Astrologen, die die Resultate bis heute anzweifeln.

Umgekehrt sind Testpersonen nicht in der Lage, aus einer Reihe von astrologischen Persönlichkeitsprofilen das für sie erstellte herauszufinden. Besonders anschaulich zeigte das der französische Psychologe und Astrologe Michel Gauquelin in den späten Sechzigerjahren: Er schickte an 150 Versuchspersonen ein angeblich persönliches Horoskop und fragte sie, wie sehr der Text auf sie persönlich zutreffe. Über 90 Prozent fanden sich darin wieder. Tatsächlich handelte es sich bei dem Text um ein echtes, von einem Astrologen erstelltes Horoskop – aber das zum Geburtsdatum des französischen Serienmörders Marcel Petiot.

Herr Ludwig kann natürlich jederzeit einen Vorschlag machen, wie man seine Behauptung testen kann …

Und übrigens: Wie ein ernsthafter Dialog zwischen Astrologen und Skeptikern (darunter ehemalige Astrologen) aussieht könnte er hier (über 80 Seiten lang) nachlesen.

 





Die Hamburger Morgenpost und der Wahrsager-König

29 01 2017

Die Hamburger Morgenpost hat auf ihrer Webpräsenz folgende Überschrift zu bieten:

chp_mopo

Es geht um Craig Hamilton-Parker, einen britischen Wahrsager, der 2016 bei einigen Themen richtig gelegen haben soll (Trump, Brexit, Terroranschlag in Nizza – die dazugehörigen Prognosen habe ich leider nicht gefunden),  der aber auch schon in früheren Jahren mit Horrorprognosen aufgefallen ist. So hatte er für 2014 unter anderem vorausgesagt:

  • Syrien wird in 2 Länder aufgeteilt und Assad versteckt sich irgendwo
  • Japan baut ene Atombombe
  • Großbrand in Mexico-City
  • Flutkatastrophe in New Orleans

Die falschen Prognosen (das waren längst nicht alle) werden in der Morgenpost natürlich nicht erwähnt, dafür aber die folgenden fünf Prognosen für 2017. Fangen wir mit Nummer eins an:

Es soll eine Krise in der Euro-Zone geben, nachdem Dänemark und Italien den Verbund verlassen.

Das ist sehr interessant, denn Dänemark gehört zwar zur EU, aber nicht zur Euro-Zone. Nummer zwei ist dann wieder schönstes Katastrophengeraune:

 Ein giftiger Bio-Gas-Angriff soll auf eine Schule in Europa verübt werden.

Die restlichen drei Prognosen kommen mir irgendwie bekannt vor, sie wurden in ähnlicher Form schon Nostradamus in die Schuhe geschoben:

  • Nord- und Südkorea sollen zu einem Land werden und Kim Jung-un gestürzt werden.
  • In den USA sollen bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen.
  • Außerdem sagt Hamilton-Parker einen versuchten Mord-Anschlag auf den Papst im Vatikan voraus.

Schaut man auf die Webseite von Hamilton-Parker findet man noch viel mehr Prognosen, und der Mann reiht sich locker in die lange Liste der Katastrophenprognostiker ein. Hier ein paar seiner weiteren Prognosen für 2017 – und wenn Manches davon irgendwie bekannt scheint, dann liegt das wohl daran, dass die Wahrsager und Hellseher wohl gerne voneinander abschreiben:

  • USA experiences a serious drought during the summer of 2017 while Europe has floods.
  • Large fire at the UK Houses of Parliament
  • New War spills into Afghanistan as revolution erupts in Uzbekistan
  • Ancient Giant Squid makes the news – found frozen in ice.
  • Volcanic eruption in Iceland causes toxic gas cloud over Norway
  • Conflicts between China and USA as satellite computers are hacked.
  • Japan initiates an arms race in the Far East after provocation from China and North Korea.
  • Kim Jong-un will be fall from power later in the year – maybe December 2017 or January 2018
  • Serious threat of escalating conflict between China and India over northern border of Kashmir.
  • Sample of Shakespeare’s bones exhumed and show that he was poisoned. Clues to a new play found in his grave.
  • Terrorists make toxic or biological attack on school in Europe.
  • Alliance between Russia and USA partitions Syria. Syria is left like a wasteland.
  • August 21, 2017 eclipse over America coincides with huge stock market fall and long-term inflation.
  • December 2017 – possibly into mid 2018 – there will be a world-wide flu like epidemic from a strange disease that attacks the immune system and will kill many in the third world.

Immerhin sind prüfbare Prognosen dabei, und netterweise „prüft“ der Mann auch selbst seine Prognosen – bzw. er sucht Belege, dass seine Prognosen irgendwie zutreffend waren. Ein Beispiel für 2017 hat er schon, und zwar bei dieser Prognose:

It could happen in 2017. My feeling is volcanic problems around Italy, around the area of Vesuvius and maybe the Island of Ischia and Naples itself. There’s problems there.

Das Erdbeben in Mittelitalien vom 19. Januar ist zwar kein Vulkanausbruch, aber immerhin … … es war etwas in Italien …

(Hamilton-Parker ist die Nummer 14 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2017)





Orakelzooende und ein Treffer des Sportastrologen

8 07 2016

Aus und vorbei, der Orakelzoo schließt auch bei dieser EM ohne dass ein würdiger Nachfolger des legendären Orakelkraken Paul gefunden werden konnte. Vielleicht gibt es in zwei Jahren bei der nächsten WM ja wieder irgendwelche Anwärter, oder die Öffentlichkeit verliert die Lust an diesen Spielchen. Der große Hype um Orakeltiere scheint jedenfalls vorbei zu sein.

Einen Prognosetreffer feiert aktuell in seinem Blog der Sportastrologe, denn er hatte tatsächlich ein Finale Frankreich gegen Portugal (mit Sieg für Frankreich) vorausgesagt und stellt sich folgende rhetorische Frage:

Ich lasse diesen erstaunlichen Tipp einfach mal so stehen und jeder kann sich dann seinen Teil dazu denken. Glück oder Können?

Die Antwort ist einfach, und ergibt sich aus seiner gesamten EM-Prognose, die ich hier gerne nochmal im Detail vorstelle. Dies sollte das Ergebnis der Gruppenphase sein:

end01 end02Sage und schreibe drei Positionen aus der Gruppenphase (Frankreich, Rumänien und Irland) waren richtig vorausgesagt, der Rest schlicht und einfach falsch – wirklich eine sensationelle Prognoseleistung! Drei späteren Gruppensiegern (Ungarn, Italien und Wales) hatte der Sportastrologe gar das sofortige Ausscheiden als Gruppenletzter prophezeit – kann man eigentlich noch weiter daneben liegen?

Die Spiele in der vom Sportastrologen vorausgesagten KO-Runde hatten dann natürlich gar nichts mit der Realität zu tun, obwohl er erstaunlicherweise auch Island erst im Viertelfinale ausscheiden sah: end04 end05Von den acht Viertelfinalisten des Sportastrologen waren drei (Spanien, England und Österreich) zu diesem Zeitpunkt längst zu Hause. Und im Halbfinale hätte Deutschland ja gegen Portugal ausscheiden sollen …

Alles in Allem eine wahre Meisterleistung des Sportastrologen der sein vermeintliches „Können“ mit dem prognostizierten Vorrundenergebnis eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Aber klar, die Prognose für das Finale war richtig, und wenn Frankreich gewinnt, dann gratuliere ich ihm gerne für diesen einen richtigen Tipp. Den fast völlig falschen Rest sollte man aber auch nicht vergessen …





Schon wieder Weltuntergang wegen dem ollen Maya-Kalender: heute oder morgen!

3 06 2016

Was? Schon wieder ein Weltuntergang wegen dem Maya-Kalender? Doch, es scheint zumindest in Indien ein paar Spinner zu geben, die genau ads behaupten. Gemäß dieser Meldung vom 31. Mai aus Indien (hier die unschöne WebCite-Version) haben sich die Leute damals nämlich einfach alle verrechnet, denn  ….

Scholars Release The Latest Date For Apocalypse –

June 3-4, 2016

Also heute oder morgen! Das heute Abend beginnende Weinfest im Nachbarort könnte man also noch schnell zur großen Weltuntergangsparty umdefinieren, denn irgendwelche „Scholars“ haben das ja berechnet. Mit dem Wort Scholar ist das aber schon ein kleines Problem, denn es kann laut leo Schüler, Student, Wissenschaftler, Stipendiat oder Lerner (dieses Wort scheint es im Deutschen tatsächlich zu geben) bedeuten. Aber egal, ob Schüler oder Wissenschaftler, die Berechnung ist schon hanebüchen grotesk. Bekanntlich ist der Maya-Kalender bzw. die schon für die letzte Mayakalender-Weltuntergangsberechnung berücksichtigte „Lange Zählung„, ein einfacher und reiner Tageszähler, bei dem sich die Wissenschaftler lediglich über das genaue Anfangsdatum streiten. Warum man aber dann irgendeine Differenz aus den Jahreslängen des julianischen Kalenders (365,25 Tage) und des gregorianischen Kalenders (365,2425 Tage) zur – vermuteten – Jahreslänge des Maya-Jahreskalenders (365 Tage) berechnen müssen soll ist wohl nur den Rechnenden selbst klar. Der Charme der langen Zählung war ja gerade, dass ein Tag nach dem anderen gezählt und keine Rücksicht auf die Länge eines Jahres genommen wurde.

Hinzu kommt, dass man nur dann auf das heutige (oder morgige) Datum kommt, wenn man die krude Rechnung mit dem julianischen Kalender ausführt – und sehr kreativ rundet. Hier die Rechnungen aus der indischen Zeitung, die als Basis immer die 13 Maya-Zyklen a  144000 Tagen benutzen:

1,872,000 days/365.2425 (Gregorian solar year) = 5125.36 years

OpenOffice Calc liefert: 5125,361917, also wenigstens richtig gerundet.

1,872,000 days/365.25 (Julian solar year) = 5125.256 years

OpenOffice Calc liefert: 5125,256676, warum hier auf 3 Nachkommastellen und dann auch noch falsch gerundet wird, das wird nicht erläutert …

1,872,000 days/365 (Haab solar year) = 5128.76 years

OpenOffice Calc liefert: 5128,767123, also wieder eine offensichtlich falsche Rundung.

Subtract 5128.76 years (Haab) from 5125.256 years (Julian)

Warum vom julianischen Kalender????

=3.504 year difference and that makes 1260 days

Tja, das müssen dann aber 3,504 sehr kurze Jahre gewesen sein, denn wenn man 1260 durch 3,504 teilt landet man bei 359,589 Tagen pro Jahr, und das macht nun mal gar keinen Sinn …

Dass man nicht den gregorianischen Kalender zum Rechnen benutzt hat könnte einfach daran liegen, dass dann der Weltuntergang schon längst vorbei gewesen wäre, egal ob man für die Länge eines Jahres jetzt 365, 365,2425 oder 365,25 Tage benutzt, die letzten beiden Wochen hätten wir nicht mehr erlebt.

So bleibt nur abzuwarten, ob die Rechnerei vielleicht doch noch einmal upgedated wird, denn wenn man richtig rechnet (bzw. OpenOfficeCalc rechnen lässt), dann beträgt die Differenz zum ursprünglichen Weltuntergangsdatum im Dezember 2012 zwischen 1262 (wenn man ganz kurze Jahr aus obiger Rechnerei annimmt) und 1283 Tagen …

… blöd nur, dass das dann nicht zu einer für Astrologen wichtigen Stellung passt:

Of course, there is also the perfect square grand cross alignment on June 4 this year. „The Cardinal Grand Cross is an alignment with 4 planets, all squaring each other. A square aspect is a 90 degree separation between planets. It causes friction,“ says Adam Sommer on his webpage, Astrology with Adam Sommer.

„Friction“?  War nicht in der Überschrift etwas von „Apocalypse“ zu lesen? Ist ja auch egal, denn auch dieser Weltuntergang wird spurlos an uns vorübergehen.





Aus Pause wird Ende: Der Sportastrologe gibt auf – und dankt der GWUP

19 05 2016

Vor sechs Wochen hatte ich hier die Pause des Sportastrologen Janis Okun kommentiert, jetzt hat Herr Okun das Ende seiner sportastrologischen Tätigkeit verkündet. Bemerkenswert ist dabei, dass er sich in seiner Begründung auch bei der GWUP bedankt:

Mein Dank gilt hier kritischen Stimmen wie der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), den Menschen aus meinem Umfeld, deren gutgemeinten Rat, mir die (Sport-)Astrologie aus dem Kopf zu schlagen, ich lange nicht beherzigte, oder auch einem User wie Abrakadabra, der mit seiner Kritik hier stets einen Gegenpol zu den unterstützenden Stimmen geliefert hat.

Wenn man sich die wortreichen Verteidigungen seiner Astrologie in diesem Thread bei Florian Freistetter anschaut, dann kann man sich vorstellen, wie viel Herzblut Herr Okun in sein astrologisches Projekt über viele Jahre hinweg gesteckt hat. Der nun erfolgte Sinneswandel und der Dank an seine Kritiker nötigt wahrscheinlich nicht nur mir höchsten Respekt ab.

Auch wenn ich bei der anstehenden EM in Frankreich wohl auf Herrn Okuns astrologischen Prognosen zu einzelnen Spielen verzichten muss, möchte ich ihm zu diesem mutigen Schritt gratulieren und ihm für seine weiteren Wege alles nur erdenklich Gute und viel Erfolg wünschen.





Prognosen 2016: Die große Resterampe – Labertaschen, Selbstbeweihräucherer und eine paar Prognosen

18 05 2016

Ich weiß, es ist schon Mitte Mai, aber irgendwann muss die Resterampe für die Jahresprognosen ja auch mal online gehen. Und da der für den 16. Mai vorausgesagte Asteroidenabsturz vor Puerto Rico – wie erwartet – ausgefallen ist stelle ich mal einen Teil des Restes vor, den ich gesammelt habe …

Ich fange mit der Astrologin Klaudia Gebauer aus Dormagen an. Sie liess sich anläßlich des Schaltjahres 2016 lediglich über Menschen aus, die am 29. Februar geboren sind und empfahl diesen, ihren Geburtstag schon am 28. Februar zu feiern. Außerdem weiß sie natürlich, dass das Leben einfacher wäre, wenn jeder zum Astrologen ginge …

Die Wahrsagerin Madam Rosalia las aus den Karten für Leverkusen und musste 4 Fragen beantworten. Das von ihr angekündigte Hochwasser „in den nächsten 5 Monaten“ hat nun noch ein paar Tage Zeit (wie hoch muss es denn sein, damit man die Prognose als Treffer ansehen muss?), ansonsten liefert sie weder zum Oberbürgermeister, noch zu einer maroden Autobahnbrücke oder zur Flüchtlingssituation irgendetwas Prüfbares.

Für die Astrologin Christa Rottbeck aus Borken ist die Welt nun in das Wassermannzeitalter eingetreten, für das sie „Technisierung, eine physikalische Ausrichtung, das Streben nach Unabhängigkeit und Autonomie“ erwartet. Dass die Technisierung immer voran schreitet ist keine neue Erkenntnis, aber was ist eine „physikalische Ausrichtung„?

Die Astrologin Susy Schädler aus Liechtenstein wußte schon zu Silvester 2015: „2016 wird in vielerlei Hinsicht ein Jahr der Entscheidungen.“ Um welche Entscheidungen es gehen könnte, darüber schwieg sie allerdings, wagte aber eine ganz allgemeine Prognose in Liebesdingen:

  • Paare, bei denen es schon seit längerer Zeit kriselt und bei denen es einfach nicht funktionieren will, werden sich trennen
  • Diejenigen, die sich 2016 finden werden, werden zusammenbleiben.

Gabriela Vierzig-Rostek ist ebenfalls Astrologin und erklärt in ihrem Blog „die Radix-Energie des Jahres 2016“ und zeigt kurz auf, wie „Angela Merkel, Barak Obama, R.T. Erdogan sowie Wladimir Putin zum Radix des Jahres 2016 passen“ und natürlich sei das „keine Wahrsagerei“ (zu diesem Thema hatte ich mich vor 2 Jahren mit ihr per Mail ausgetauscht). Konkretes liefert sie dabei nicht, dafür aber einen meiner liebsten Sätze:

Das Radix-Bild des Jahres 2016 wirkt instabil, weil es einige gestrichelte Linien zeigt. Diese sind nicht immer wirksam. Allerdings verändert sich dadurch dann die anpassende, hinterfragende (veränderliche) Energie in tatkräftigen Willen (kardinal).

Auch die bekannte Schweizer Astrologin Monica Kissling alias Madame Etoile (also: Frau Stern), deren im öffentlch rechtlichen Rundfunk gesendete Astrologiesendung nach 24 Jahren Ende Juli dieses Jahres eingestellt wird, wußte im Züricher Stadtanzeiger nicht viel zu sagen. Sie liefert ein paar Allgemeinplätze (Terrorgefahr! Unsicherheit!), garniert mit der Ausrede „Astrologen können keine kon­kre­ten Ereignisse voraussagen„, und beweihräuchert sich dann noch selbst – mit einem echten, „komkreten“ Prognosetreffer:

So habe ich zum Beispiel schon vor einem Jahr gesagt, dass Eve­line Widmer-Schlumpf abtreten und die SVP 2016 einen zweiten Bundesratssitz gewinnen wird.

Der Hellseher Johann Höber hatte vor Jahren die schönsten Ausreden für das Scheitern seiner Prognosen geliefert, jetzt hat er seine Webpräsenz radikal gekürzt und nur noch Prognosen für Österreich, das Wetter und Europa im Angebot. Kurz und bündig sieht er Aufstände und steigende Arbeitslosigkeit im Nachbarland sowie leichte Erdbeben in der Obersteiermark. Für die EU sieht er „Einige EU-Länder werden ein Volksreferendum starten, um aus der EU auszutreten“ – ok, das britische Referendum war zum Zeitpunkt seiner Prognose bereits bekannt, bei anderen Staaten heißt es abwarten.

Immerhin so etwas ähnliches wie Prognosen gab es bei der Huffington Post – von den Hellsehern Lennart Wolf und Emmanuel Charis. Die zwei Hellseher wagten Vorhersagen zu Terrorangriffen (Wolf: „… ein Anschlag in Europa in den nächsten zwei Jahren„, Charis für 2016: „… mindestens einen großen Anschlag in Nord- oder Westeuropa, wie Paris oder größer„), zur Entwicklung der Arbeitslosenzahlen (Wolf: „steigen nicht„, Charis: „steigen deutlich„) oder zum Dieselpreis (Charis: „steigt„). Der Rest ist weitgehend Blabla, Dinge also, die laut der Autorin jeder hätte voraussagen können.

Als nächstes wieder ein Astrologe: Thomas Georgiew aus Dresden. Der erweitert übrigens immer dann seine Webseite, wenn er meint, er hätte einen Treffer gelandet, und einen solchen schreibt er sich hier angesichts der letzten Landtagswahlergebnisse und der Böhmermannaffäre für die folgende Prognose über Angela Merkel zu: „Trennungen und oder Erschwernisse von oder in ihrem Umfeld (möglich auch körperliche Probleme), in solchen Zeiten schwindet der Rückhalt in den eigenen Reihen… „. Ja klar, in ein solches, extrem unklares Gelaber kann er natürlich alles hineindeuten … Und auch die folgende Deustchlandprognose gibt kaum konkret Prüfbares her, außer der prognostizierten Inflation, einer höheren Zahl von Gewaltverbrechen (was meint er genau damit?) und viel mehr Flüchtlinge.

Schon so viele Prognosen, und noch keine einzige zur anstehenden Fußball-EM! Haben sich da wirklich alle zurückgehalten? Nein, Heike Schwarz aus Braunschweig hat in den Sternen auch etwas zur Fußball-EM gesehen, und das habe ich in rot kommentiert:

  • Die EM findet vom 10. Juni – 10 Juli 2016 statt. Das erste Spiel startet am 11. Juni 2016. (Datum der EM stimmt, Datum des ersten Spiels nicht – am 10. Juni gibt’s das Eröffnungsspiel, die deutsche Mannschaft tritt erstmals am 12. uni an)  
  • Das Auftaktspiel verläuft gut. Klug und strategisch spielen sich die Deutschen nach vorn. Mit viel Glück und positiver Energie sowie einer ausgeklügelten Taktik könnten die Deutschen das Spiel bestreiten. (Und? Wie geht’s aus?)
  • Mit einer Mars Saturn Opposition ist jedoch auch mit Rücksichtslosigkeit und Verletzungen zu rechnen (ach ne, da werden wohl doch nicht alle Mannschaften gewinnen wollen …). Fairness ist fehl am Platz (… und manche um jeden Preis?). Das Spiel verläuft rasant. Verletzungen und Knochenbrüche bleiben nicht aus. (Knochenbrüche? Gilt das jetzt für das erste Spiel der deutschen Mannschaft oder doch für alle Spiele aller Mannschaften? Und wer bricht sich da die Knochen?)
  • Jupiter lässt die Mannschaft jedoch klug und weitsichtig agieren (Ich dachte das ist Sache des Trainers, seit wann heißt der Jupiter?). Das Glück ist auf unserer Seite. Die Sonne wird die Leistungsfähigkeit der Spieler steigern. (… und wenn’s dann doch mal regnet?)
  • Also, Top Leistungen, Top Energien der Deutschen für die EM 2016 (Und was bedeutet das jetzt?) 

Ansonsten hat Frau Schwarz noch den Juni im Angebot, denn dieser „könnte der beste Monat 2016 werden„. Das soll sich durch einen großgeschriebenen Familiensinn zeigen, und sie schreibt auch folgenden schönen Satz: „Auch materielle Erfolge durch Gewinnspiele sind im Juni 2016 möglich.

Zum Schluß noch der Hobby-Astrologe Konrad Gruber aus Ingolstadt. Hobby-Astrologe? Nun ja, seiner Webpräsenz nach verdient er mit Astrologie durchaus ein paar Euros, und auch mit Feuerlaufseminaren. Neben einer Analyse der kommenden US-Präsidentenwahl (Hillary gewinnt) präsentiert er stolz den Artikel aus dem Donaukurier vom 30.12.2015 auf seiner Webseite. Geflüstert haben ihm die Sterne dafür unter anderem folgendes:

  • Die deutschen Fußballer werden nicht Europameister, kommen höchstens ins Halbfinale
  • Jogi Löw wird deswegen zurücktreten
  • Der FC Ingolstadt schafft den Klassenerhalt (Treffer!)
  • Angela Merkel verkündet zwischen Februar und Oktober, dass sie 2017 nicht mehr zur Wahl antreten werde

Die Resterampe zeigt mal wieder, dass sich die meisten Astrologen und Wahrsager (auch wenn sie sich bisweilen großspurig mit Treffern aus der Vergangenheit brüsten – wie zum Beispiel auch Karin Ploog …) für das Sehen in die Zukunft offensichtlich nicht die richtige Technik benutzen. Windelweiche Blabla-Texte sind klar in der Überzahl.

(Das waren die Nummern 26 – 37 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2016)





Karten auf den Tisch, Herr Flückinger: Wann gibt’s den nächsten Terroranschlag?

10 05 2016

Die Selbstüberschätzung einiger Astrologen ist schon wirklich widerlich. Ein ganz besonderes Beispiel dazu liefert der Schweizer Edgar Valentin Flückinger. In einem YouTube-Video behauptet er schon in der Überschrift:

Terror-Anschläge auf den Tag genau vorhersehbar

In dem dazugehörigen Beschreibungstext wird er deutlich:

Wie Terroranschläge auf den Tag genau feststellbar sind zeigt der Astrologe hier auf. Für Laien und Involvierte leicht nachvollziehbar. Die Daten der gefährlichen Tage basieren auf einer einzigen Planeten-Verbindung zur Sonne, die jeder Laie spielerisch lokalisieren kann. Das Programm zeigt den Atten-Tag und Katastrophe im Voraus genau an. Kein Terrorist vermag diese kosmischen Energien durch Plan und „Wahl“ zu umgehen.

Die Terroristen werden also quasi „gezwungen“ ihre Attentate an bestimmten, von Astrologen vorher berechenbaren, Tagen zu begehen? Wirklich? Und schon wirft er den Geheimdiensten Unwissenheit und Tatenlosigkeit vor:

Die Geheimdienste trifft somit den Vorwurf, dass sie aufgrund von haltlosen Vorurteilen und Besserwisserei fahrlässig Menschenleben aufs Spiel setzen. Sie lassen Opfer zu, die zumindest in manchen Fällen zu verhindern wären. Das Gefahrenpotential exakt bestimmbarer Tage zu bestimmen, ist keine Nebensächlichkeit. Sie nutzen jedoch diese markante Tatsache nicht.

Na los, Herr Flückinger! Dann zeigen Sie doch einfach, dass Sie das können! Sie behaupten, ihr über 40-minütiges Geschwurbel wäre unwiderlegbar? Ach, das Video ist mir wirklich egal, denn es geht um ihre Behauptung, diese Tage wären vorhersehbar. Na los! Wann finden die nächsten Attentate durch den IS statt? Nennen Sie zumindest die gefährlichen Tage, und diejenigen, an denen – gemäß ihrer Sterndeutung – nichts passieren „darf“. Das können Sie doch, oder? Zumindest behaupten Sie das:

Der Astrologie zeigt hier an nur einer einzigen Konstellation deutlich und unwiderlegbar auf, was als Vorsorge zusätzlich machbar wäre. JEDER „ATTENTAG“ ist genau lokalisierbar. Gleichzeitig auch jene Tage, die ohne zu erwartende Terror- Katastrophen verlaufen. Allein mit dieser Kenntnis von Monat und Tag, könnte ganz einfach viel Aufwand, und der Bevölkerung unnötige Angst erspart bleiben.

Auf geht’s! Schicken Sie mir ihre Daten, gerne auch per Privatmail (und auf Wunsch ohne Veröffentlichung), dann werden wir ja sehen, ob ihre wahnwitzigen Behauptung wirklich wahr ist oder doch nur ein Hirngespinst. Sie müssen natürlich ein entsprechendes Datum und den Ort mindestens eine Woche im Voraus nennen. Sie haben ja in ihrem Video von Ende April schon drei Termine für Brüssel genannt (den 2. Mai, den 7. Mai und den 16. Juni), von denen sie aber jeweils auch sagen, dass nichts passieren muss. Trauen Sie sich?

 





Prognosen 2016: Herr Bardel als Schwarzseherazubi

27 04 2016

Heute ein spezieller Vertreter der alljährlichen Prognoselabertaschen aus Österreich: Rainer Bardel. Der Mann hat gleich mehrere Texte im Laufe der letzten Monate zum laufenden Jahr geschrieben, und er scheint der Schwarzseherfraktion zuzurechnen zu sein. Denn irgendwie scheint sein Text dann zu Beginn wenig Hoffnung für 2016 erwarten zu lassen:

Russland revanchiert sich nun für die Sanktionen beim Westen und die BRICS-Staaten gründen eine neue Finanzunion als Gegengewicht zum IWF. Griechenland kann und wird seine Schulden nicht begleichen. Die Konflikte am Balkan, in Syrien und in Israel werden eskalieren und die Finanzwelt als auch die Europäische Union erschüttern und in der gewohnten Form auflösen.

Hmm, das ginge natürlich noch viel schwärzer, aber so ganz kriegt er die Kurve zum richtigen Schwarzseher noch nicht, denn das Nächste klingt fast positiv:

Der Mondknoten im Zeichen Jungfrau fordert eine Bereinigung unsauberer Machenschaften und Saturn im Zeichen Schütze verlangt grenzenlose Menschenrechte und eine Öffnung der Religionen.

Ok, die grenzenlosen Menschenrechte werden von irgendwelchen Gestirnsständen verlangt – und wenn keiner darauf hört? Dann wird’s halt wieder schwarz:

Ein Höhepunkt der Finanzkrise, Erdbeben, Unruhen und Neuwahlen in Österreich mit politischen Veränderungen erwarten uns von Mitte April bis Ende Juni und von Mitte September bis Ende Oktober.

Klingt alles nicht gut, aber überhaupt, da es schon nach Mitte April ist hat der Mann einen phantastischen Treffer gelandet! Auch wenn die Präsidentenwahlen in seinem Heimatland Österreich schon lange terminiert waren, ein solcher Prognosetreffer ist ja wirklich krass! Krass blöd!

Danach gibt es wieder ein wenig Positives („diplomatische Lösungen„) und nichtssagendes Blabla („Neuordnung der EU und der Finanzwirtschaft“) bevor es wieder um die gar nicht mehr so latenten Ängste geht:

Der schwarze Mond Lilith wechselt am 21. Mai vom Zeichen Waage in das Zeichen Skorpion und wird ungelöste Konflikte zwischen den Geschlechtern verschärfen, denn nun prallen fremde Kulturen mit einem Patriarchat und die Bewegung der Emanzipation zusammen. Die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in europäischen Städten wurden von den Gestirnen angezeigt.

Ach, sie wurden „angezeigt“? Es wäre also nicht passiert, wenn die Sterne anders gestanden hätten? Astrologisch kann man ja alles begründen:

Lilith im Quadrat zu Pluto und in Opposition zu Uranus und der Mond in Konjunktion zum Fixstern Alkaid, welcher arabisch „die klagenden Frauen“bedeutet.

Und weiter gibt es noch so etwas wie eine Prognose:

Die Übergriffe auf Frauen werden sich häufen und es ist ratsam, Massenveranstaltungen in Kombination mit Drogen zu meiden.

Dann wird’s wieder irgendwie positiv:

Ängste und Vorurteile sollen aufgelöst werden, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

… gefolgt von ein wenig Medienbashing:

Einige Medien tragen leider ihren Teil zur Eskalation dieser Problematik bei und hier ist ebenso die Handschrift von Putin zu erkennen.

Wie bitte? Die Medien sind zum Teil schuld? Und Putin?

Scheinbar hat den Mann bei seinem 2016-Text vom Januar dann doch etwas der Mut verlassen. Am 26. März, in seiner Terrorprognose, ist er dagegen erstaunlich „genau“ und gibt gefährdete Städte und gefährliche Tage an. Das sind dann folgende Städte:

  • Istanbul und Ankara in der Türkei
  • Berlin, Frankfurt und Köln in Deutschland
  • Kopenhagen in Dänemark
  • Stockholm in Schweden
  • Brüssel in Belgien
  • Paris, Lyon und Marseille in Frankreich
  • London in Großbritannien
  • Moskau in Russland
  • Tel Aviv in Israel
  • New York und Washington in den USA

… und die dazugehörigen „Termine“:

  • 5. April 2016 (schon daneben)
  • 17. bis 21. April 2016  Es sind zusätzlich Verluste bei den Börsen angezeigt (wieder daneben) 
  • 25. bis 28. April 2016  
  • 18. bis 21. Mai 2016
  • 27. bis 31. Mai 2016
  • 4. Juni 2016
  • 12. bis 15. Juni 2016
  • 19. bis 23. Juni 2016   Große Verluste an den Börsen
  • 29. bis 31. Juni 2016
  • 12. bis 14. Juli 2016
  • 31. Juli bis 2. August 2016
  • 16. bis 18. August 2016
  • 24. bis 28. August 2016

Dazu gibt es noch „herausfordernde  Zeitphasen prominenter Personen„, die sogar – ein wenig versteckt – weitere Prognosen enthalten:

  • 18. November 2017   Ein neuer Lebensabschnitt nach einer schweren Erkrankung der Bauchspeicheldrüse (zu Wladimir Putin)
  • 21. November bis 6. Dezember 2016   Das absehbare Ende der Präsidentschaft (Baschar al-Assad)

Am Ende folgt ein Blick auf die Fußball-EM in Frankreich, aber Herr Bardel will nicht verraten wer gewinnen wird. Stattdessen hat er auch hier eine Liste von Terminen, an denen die Sicherheit seiner Analysen nach irgendwie gefährdet  scheint:

  • Donnerstag, 16. Juni 2016  „666“ ist eine besondere Zahl
  • Freitag, 17. Juni 2016
  • Montag, 20. Juni 2016 Vollmond im Zeichen Schütze
  • Donnerstag, 30. Juni 2016  Mars wird direktläufig und Mond Opposition Saturn
  • Freitag, 8. Juli 2016

Insgesamt scheint Herr Bardel seinen Schwarzsehereien (zurecht) nicht zu trauen, denn ganz so katastrophal wie andere sieht er dann doch nicht. Bleiben seine vielen prognostizierten Terrororte und Terrortermine –  nichts als lächerliche Angstmache für seine (hoffentlich kaum vorhandenen) Fans. Ernst kann man so jemanden nicht nehmen, aber vielleicht schafft es ja eine seiner Prognosen in die jährliche Rückschau …

(Rainer Bardel ist die Nummer 25 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2016)