Fußball WM 2014: Die Vorrundentippbilanz zweier Astrologen und eines (noch?) jubelnden Skeptikers

28 06 2014

Neben den verschiedenen tierischen Orakeln und den statistischen Berechnungen zur WM gab es ja noch zwei Astrologen, die ihre Tipps für die gesamte Vorrunde ins Netz gestellt hatten. Hieute möchte ich deren Leistungen entsprechend würdigen.

Wie bewertet man aber die „Qualität“ der astrologischen WM-Prognosen? Wenn es sich – wie beim Würfelorakel des youtube-Users Handyman oder dem Abstauber von Spiegel Online –  um einen reinen Zufallsversuch handelt, dann ist die Qualität des Orakels verhältnismäig einfach zu bestimmen. Man vergleicht einfach die Anzahl der Treffer mit den Nieten, berücksichtigt dabei auch die Tatsache ob beim Tipp ein Unentschieden möglich war, oder nicht, und kann dann mit einfacher Schulmathematik ausrechnen wie wahrscheinlich diese Anzahl von Treffern ist. Bei der Bewertung der beiden Astrologen reicht das allerdings nicht, denn bei der Erstellung der Prognosen dürfte neben der Detung irgendwelcher Gestirnsstände auch der (mehr oder weniger vorhandene) fußballerische Sachverstand und möglicherweise auch die persönliche Präferenz für bestimmte Teams eine Rolle gespielt haben. Dei beiden astrologischen Prognosen vergleiche ich mit einer anderen Menge von WM-Vorrundenprognosen, nämlich den Teilnehmern des Tippspiels bei meinem Arbeitgeber und dem bereits früher erwähnten Programm asertoni, dem Versuch einiger IT-ler durch Datenanalyse früherer Fußballspiele ein Tippspiel zu gewinnen.

Dass reine Zufallstipps beim Fußball keine allzu hohen Trefferquoten versprechen dürfte eigentlich klar sein, So lag der Spiegel Online Abstaubsauger bei 18 Versuchen ganze 11 mal daneben, eine ebenso peinliche Quote wie bei Handymans extrem ehrlichen Würfelorakel (16 richtigie Tendenzen bei 48 Spielen). Wenn es um die Anzahl richtig getippter Tendenzen (Sieg, Unentscheiden, Niederlage) geht haben alle 18 Teilnehmer des Tippspiels bei meinem Arbeitgeber diese Marke locker übertroffen. Die Anzahl der Treffer liegt nach der Vorrunde zwischen 21 und 29 (Durchschnitt 25,5), und auch die beiden Astrologen liegen mit 23 (Astrocamp) und 28 (Astroarena) in diesem Bereich, ebenso übrigens wie das Programm asertoni (26). Kann man also mit astrologischer Hilfe besser tippen als ohne? Diese Zahlen liefern zumindest keinen Hinweis darauf.

Da die Astroarena auch Spielergebnisse vorab getippt hat, habe ich die Punktzahl berechnet, mit der der Sportastrologe – hätte er an unserem Tippspiel teilgenommen – zur Zeit dastehen würde. War er mit seinen 28 Tendenztreffern schon nicht schlecht (je zwei Kollegen haben aktuell 28 bzw. 29 Treffer), so verbessert sich sein relativer Rang bei Berechnung der Punkte noch ein wenig. Er läge bei 95, das wäre beim asertoni-Tippspiel aktuell Rang 3 und beim Tippspiel meines Arbeitgebers sogar ein geteilter 2. Rang. Immerhin, für den Sportastrologen sähe es bei diesen Tippspielen richtig gut aus. Ob das aber an der Astrologie liegt, das müsste man noch weiter analysieren. Beim Firmentippspiel hätte er übrigens aktuell 7 Punkte Rückstand auf einen mehr an Basketball als an Fußball interessierten Skeptiker, der aus Jux und Dollerei ein paar Tage vor WM-Beginn das ein oder andere Spiel „ausgewürfelt“ oder durch Werfen mehrerer Münzen getippt und sogar das Ergebnis des Gummibärchenorakels von der diesjährigen Skepcon (Deutschland – Portugal 1:4) verwendet hat:

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Was nun aber die Kommentare vom Sportastrologen hier und in seinem eigenen Blog betrifft, da bin ich schon ein wenig anderer Meinung. Es reicht nämlich nicht, nur darauf hinzuweisen, welche der weiteren astrologischen Hinweise man quasi als Treffer gewertet haben möchte, wenn zum einen die offensichtlich nicht zutreffenden verschwiegen werden und zum anderen vorab gar nicht klar war, unter welchen Umständen eine solche Aussage denn als Treffer zu werten sei. Hierfür ein paar Beispiele aus der Prognose zum Spiel Deutschland – USA (den deutschen Sieg hat er richtig vorausgesehen, und beim oben erwähnten Tippspiel gab es einen Sonderpunkt für die richtige Tordifferenz):

Beste Chancen Spieler des Tages zu werden haben Lukas Podolski (mit Abstrichen), sowie einmal mehr Toni Kroos und vor allem Julian Draxler.

In die Kategorie “positives Gesamtbild” lässt sich auch Benedikt Höwedes mit einem exakten Pluto-Pluto-Sextil und Mond-Jupiter-Sextil beim Abpfiff einfügen.

Bei Toni Kroos fällt die Sonne noch ziemlich genau auf seinen Jupiter. Das sollte mindestens wieder eine starke Vorstellung anzeigen, vielleicht ja dieses Mal auch mit einem Tor?

Bei den Amerikanern möchte ich dennoch einen Spieler herausstreichen, der besonders stark bestrahlt ist. Verteidiger Matt Besler hat ein exaktes Jupiter-Jupiter-Trigon und könnte unter Umständen ein wichtiges Tor für die Amis erzielen.

Die genannten deutschen Spieler bekamen bei Kicker die wenig überzeugenden – und im Mannschaftsvergleich schlechtesten – Noten 3,5 (Höwedes, Kroos) bzw. 4 (Podolski, wurde ausgewechselt), Draxler spielte nicht. Immerhin, Besler gehörte zu den beiden US-Spielern, die von Kicker mit der Note 3 bedacht wurden, aber ein Tor hat er nicht geschossen. Es ehrt den Sportastrologen. dass er bisweilen zugibt, wenn er ‚mal komplett daneben lag. Er begründet dieses „Prognosedesaster“ aber – geradezu typisch für die große Mehrheit der Astrologen, die ich in meinem Leben kennenlernen durfte – nicht mit einem Zweifel an der Astrologie, sondern mit dem Zweifel an der „Tiefe“ seiner eigenen Deutung.

Nun ja, ich habe meine Tipps für’s Achtelfinale vorhin in’s Kollegentippspiel eingetragen, und da ich wieder ein paar Mal Münzen geworfen habe wäre gemäß meiner Tipps Brasilien für die deutsche Mannschaft keine Hürde auf dem Weg ins Finale: Die Münzen fielen auf eine Niederlage des Gastgebers gegen Chile – im Elfmeterschießen … … aber egal wie’s ausgeht, solange ich beim Tippspiel den Platz an der Sonne besetze, darf ich mich natürlich freuen! Und deswegen gibt es jetzt noch ein Gläschen leckeren Rotwein …

 

 





WM 2014: Mehr Orakeltiere vor dem Portugalspiel, uneinige Astrologen und der Krake-Paul-Gedächtnispokal (mit Updates, mehr Portugaltipps und mehr Gürteltieren!)

16 06 2014

Bei der letzten Zählung am gestrigen Nachmittag hatten die WM-Orakel der deutschen Mannschaft eine klare Favoritenrolle zugeschustert. 18 von 31 Orakeln sahen einen deutschen Sieg voraus, 5 mal sollte es Unentschieden geben und 8 mal wurde auf Sieg der Portugiesen getippt. Aber da fehlten ja noch eine ganze Reihe von vorher angekündigten Orakeltieren, so dass sich das Bild  atürlich noch verschieben kann.

Bei den Astrologen sind die Voraussagen vollkommen ausgeglichen. Während die Astro-Arena einen 2:0 Sieg für Deutschland aus den Sternen las setzte das indische Seite „Astrocamp“ auf ein Unentschieden. Der hier nicht ganz unbekannte Astro-TV Schwurbifex Malkiel Rouven Dietrich will gar einen Sieg der Portugiesen aus den Sternen gelesen haben, und zwar mit folgenden Worten:

Beim ersten Gruppenspiel bestrahlt Jupiter alle wichtigen Planeten in Ronaldos Horoskop. Jupiter ist der Glücksplanet schlechthin. Das sind also unglaubliche Voraussetzungen für Ronaldo.

Bei Boateng sieht das alles nicht so gut aus. Als Jungfrau ist er wesentlich überlegter, ein Stratege. Er kapiert zwar mehr als ein Ronaldo, gerade das kann ihm aber das Genick brechen. Thomas Müller wäre die bessere Wahl gewesen. Wenn jemand so gute Jupiter-Aspekte hat wie Müller zurzeit, dann muss man ihn in die Abwehr stellen!

Die Sonne wird in Salvador im Zenit stehen, wenn die Teams auf den Platz laufen, und der Wassermann im Mond. Das kommt Ronaldo sehr entgegen: Er kann als Südländer besser mit der Hitze umgehen, die Sterne geben ihm zusätzlich Energie.

Sonnenklar: Portugal gewinnt gegen Deutschland.

Wir werden sehen ob er vielleicht dieses Mal ausnahmsweise mit dieser – ja wirklich erstaunlich exakten – Prognosen Recht hat, immerhin widerspricht ihm ja die Mehrheit der Orakeltiere. Aber eine Kartenlegerin unterstützt seine Prognose – wobei ich mich wirklich wundere, dass sich ein Astronom auf das Spielchen einlässt, gegen diese Dame zu orakeln … … ich finde das bestenfalls peinlich!

Gehen wir also wieder in den Zoo, und schauen wir auf die weiteren Orakeltiere. Der aktuelle Pegelstand ist für Deutschland inzwischen wie folgt (mit Updates bis 13:00 Uhr in rot und ab jezt laufend in grün!):

25 x Sieg – 5 x Unentschieden – 10 x Niederlage

31 x Sieg – 6 x Unentschieden – 15 x Niederlage

43 x Sieg – 7 x Unentschieden – 21 x Niederlage

Im Folgenden nun die Liste der Tipps der weiteren Orakeltiere (ggf. mit Updates in verschiedenen Farben falls noch neue für die weiteren Prognosen auftauchen). Ob der Schützenfisch aus Hanover seine Ladehemmung überwunden hat? Offenbar nicht – deswegen gilt das als Unentschieden! Eine Zwischenwertung gibt es natürlich bei den inwischen 7 Gürteltieren: 4 setzen auf Sieg, eins auf Unentschieden und zwei setzen auf Portugal.

Auf einen deutschen Sieg orakeln:

  • das Rentier (!!) Dancer von meiner Heimatzeitung
  • der kleine Hund von Radio Arabella
  • Hund Sally (für die „Hessische Allgemeine“ – allerdings schnabuliert das Vieh später auch das Futter aus dem Portugalnapf …)
  • Wildschwein Fritzi vom Circus Krone (hier gewinnt die Melone, die nicht gefressen wird – zumindest laut dem Kommentator, und wenn das weiter so gemacht wird ist das ja ok …)
  • Orakelschwein Hanni von der badischen Zeitung kommt vor Kollegin Nanni ins Ziel – da Hanni die deutsche Fahne trägt soll das Sieg für ’schland bedeuten (aber der Kommentator irrt: Wollschwein Emma, Vorgängerin von Hanni & Nanni,  hatte bei der EM 2012 einmal daneben gelegen und beim Spiel gegen Dänemark auf Unentschieden getippt!)
  • Hund Luna
  • das Nasorakel von SportBild (gute Idee, aber dass das Ei geöffnet wurde ist leider nicht zu sehen – also vielleicht doch eher Unentschieden?)
  • das Bayern3 Schweineorakel (in letzter Sekunde – fast wäre es ein Unentschieden-Tipp geworden)
  • Schweinchen Schweini
  • Rosenkakadu Lizzy
  • Gürteltier Tatu aus Halle
  • Hund Kira (beißt gerne in Ballons!)
  • das Lorbeerblätterorakel vonm Delphi (also dem Lokal gleichen Namens in Köln – klasse Idee, nächstes Mal bitte mit Video!)
  • ein Kuhorakel aus dem schwäbischen Aulendorf
  • Chihuahua „Özil“ vom Remscheider Generalanzeiger
  • Eisbär Anori aus dem Wuppertaler Zoo
  • Gürteltier Taka aus Erfurt (für die ZDF drehscheibe)
  • Gürteltier Arnold aus dem Heidelberger Zoo
  • Kater Peaches schießt erfrißt ein Tor für Deutschland
  • Orakelhund Emma
  • Katze Diego frißt zuerst den deutschen Teller leer
  • Jorchoder wie auch immer dieser Hund heißt
  • Pinguine aus Brandenburg (tippen auf 1:0)
  • Schidkröte Momario
  • das Erdmännchenorakel

Für ein Unentschieden sind:

… mal abwarten …

  • Gürteltier Lotte von Radio Schleswig-Holstein
  • Schützenfisch Flipper (s.o.)

Auf einen portugiesischen Sieg setzen:

  • Katze Heywood
  • Hund Paul
  • Gürteltier Brösel aus Neuwied
  • SWR3-Elch Konstantin
  • der SpiegelOnline Staubsauger
  • Gürteltier Flitz aus Chemnitz
  • Hund Keks von ZDFtivi
  • Orang-Utan Buschi aus dem Osnabrücker Zoo
  • der Orakel-Hahn von mdr Thüringen
  • Collie Max von der neuen Presse (ohne Kommentar muss ich davon ausgehen, dass das erste vom Hund gewählte Schälchen auf das  Ergebnis deutet – der Hund frißt die anderen Näpfe ja auch noch leer …)
  • Ziege „Kiki von Hohenstein
  • NRW-Hase Grigio (tippt ein 0:1)
  • Pferd Nasar

Für den Krake-Paul-Gedächtnispokal (ich werde einen gefrorenen Oktopus zur Verwendung bei einem sommerlichen Grillfest spendieren) qualifizieren sich natürlich nur die Orakel, die bei diesem Spiel richtig liegen – der Rest darf natürlich weiter orakeln, kann aber den leckeren Pokal (ich lege noch Olivenöl, Zitrone, Kräutersalz und Knobi drauf) nicht mehr gewinnen. Notfalls vertilge ich den Pokal auch selbst – und das soll kein Affront gegen Krake Paul sein (ich hatte ihn bereits 2009 im SeaLife Oberhausen besucht und 2011 das dortige Denkmal bewundert!) sondern ganz im Gegenteil eine Hommage an diese schönen, intelligenten, aber eben auch sehr leckeren Tiere.





Fußball-WM 2014: Mutige Astrologen mit mieser Trefferquote (bis jetzt)

15 06 2014

Auch der ein oder andere Astrologe hatte sich ja bereits im Vorfeld der WM geäußert, aber Webseiten, die sich so richtig durchgehend mit Voraussagen für die einzelnen Spiele beschäftigen habe ich derzeit nur drei gefunden, aber immerhin sind auf zwei dieser Seiten tatsächlich Voraussagen für alle Vorundenspiele zu finden, hier waren die Leute also mutig genug entsprechende Prognosen zu veröffentlichen. Bisher (aktuell läuft das zehnte Spiel der WM) ist die Trefferquote der beiden Sterndeuter jedoch nicht allzu beeindruckend: Nur bei jeweils drei der bisherigen Begegnungen lagen die Astrologen in der Tendenz richtig – überraschenderweise aber bei den gleichen drei Spielen: Brasilien-Kamerun, Chile-Australien und Italien-England – mit Sicherheit können die Astrologen mit irgendeiner Gestirnsstellung erklären, warum sie ausgerechnet bei diesen drei Spielen richtig lagen.

Während auf dieser indischen Seite nur vorausgesagt wird wer gewinnt oder ob das Spiel unentschieden endet, traut sich der Betreiber der „Astro-Arena“ sogar die Prognose der einzelnen Spielergebnisse zu. Klar, der Mann weiß selbst, dass er im Trüben fischt und schreibt:

Es bleibt aber dabei, noch ist es ein langer Weg bis sich mit Hilfe der Sportastrologie konkrete Ergebnisse vorhersagen lassen und eine hundertprozentige Sicherheit wird es wohl nie geben.

Hundertprozentige Sicherheit? Das erwartet ja niemand – aber immerhin ein besseres Ergebnis als durch reines Raten (unter Einbeziehung des eventuell vorhandenen Fußballsachcerstands) wäre schon ‚mal ein Ziel – aber davon sind die beiden Astrologieseiten derzeit weit entfernt. Mal sehen wie das am Ende der Vorrunde aussieht.

Die dritte Astrologie-Seite mit recht ausführlicher WM-„Berichterstattung“ kommt von „Loop!“ einer hier schon mehrfach erwähnten Online-Zeitschrift. Wer dort aber genaue Prognosen auf die Spielausgänge erwartet wird enttäuscht. Es dominieren wort- und konjunktivreiche Formulierungen, Vermutungen darüber wann irgendetwas geschehen soll – und netterweise auch bisweilen kleine Kommentare nach dem Spiel. So wie in diesem Beispiel, wo man im Text zum Spiel zwischen Uruguay und Costa Rica folgendes lesen konnte:

Spannend wird es dann nochmal gegen 17:25 h (22:25 unserer Zeit), ein wunderschöner Sonnenuntergang (Sonne am Ereignis-DC), flankiert von Merkur-IC beim Trainer von Uruguay und Sonne-AC bei Jorge Pinto, dem Trainer von Costa Rica. Sein innerer Sonnenaufgang steht damit nicht wirklich im Gleichklang mit dem aktuellen Zeitgeschehen, was eher auf einen Treffer für Uruguay hindeutet.

OK, war irgendwie nicht so ganz die richtige Vermutung, was zu folgendem kommentar führte:

(PS: Nach dem Spiel ist man immer schlauer, Costa-Rica gewinnt 3-1, schießt zwei Tore kurz nach dem Sonnenaufgang des Trainers. Passte also prima ins Zeitgeschehen…)

Ja klar, nachher passt’s ja sowieso immer …

 

PS: Frankreich schlägt Honduras, die Astro-Arena hat eben immerhin ihren 4. Treffer gelandet – während der indische Sterndeuter mit seinem prognostizierten Unentschieden daneben lag.





Noch mehr Weltmeisterprognosen aller Art: Brasilien, Brasilien, Brasilien – oder doch nicht?

12 06 2014

Der Beginn der WM naht, und immer mehr – bisweilen recht seltsame – Prognosen kommen ans Licht. So bastelte die Direkt Anlage Bank ihre Ergebnisse durch Vergleich der jeweiligen Änderungen des Aktienindices der Länder zwischen Januar und Mai zusammen und erhält Argentinien als Finalsieger gegen Italien, gefolgt von Portugal und Costa Rica (!!) – die deutsche Mannschaft scheitert hier bereits sang- und klanglos in der Vorrunde. Andere Banken haben ihre Prognosen ja dann doch ein wenig ernsthafter berechnet,  die bereits erwähnten Prognosen von GoldmannSachs und Unicredit werden jetzt auch von der Schweizer UBS gestützt: Brasilien siegt im Finale gegen Argentinien oder Spanien. Beim WM-Ergebnis liegt auch die Danske Bank  im allgemeinen Trend (Brasilien vor Argentinien), ihr Chefökonom hat aber durchaus einige Überraschungen in seiner Berechnung parat:

„Die USA werden daher wegen ihrer größeren wirtschaftlichen Potenz Portugal in der Vorrunde eliminieren, Chile und Uruguay dank ihrer höheren Wachstumsraten die krisengeschüttelten Europäer Spanien und Italien besiegen.“

Ob die Spieler das mit der „größeren wirtschaftlichen Potenz“ irgendwie merken? Auch der amerikanische Statistiker Nate Silver hat die WM berechnet und das Ergebnis kommt einem irgendwie bekannt vor:

Brasilien liegt bei Silvers SPI mit grossem Vorsprung vor Argentinien (13 %), Deutschland (11 %) und Spanien (8 %). Überraschend: Chile auf dem fünften Platz, das mit einer Wahrscheinlichkeit von vier Prozent den Titel holt.

Alles klar, die Zahlen sprechen also eindeutig für Brasilien. Und was sagen die Sterne? Natürlich wie immer gar nichts, aber man kann ja mal nachschauen: „Der WM-Titel ist für die deutsche Nationalmannschaft nicht unerreichbar„, meint ein „Astrologen-Team von Viversum„, und hat auch einen Grund für die weniger guten Nachrichten aus der Vorbereitung gefunden:

Spannungsaspekte von Uranus zu seinem Mars, die mit verletzten Spielern und einem Unfall im Trainingscamp so manch unangenehme Überraschung über das DFB-Team gebracht haben, werden schwächer.

OK, dass dieser „Spannungseffekt“ im Horoskop des Trainers sogar einen Mercedes aus der Bahn werfen kann in dem Löw gar nicht drin sitzt ist schon irgendwie seltsam. Auf eine irgdendwie genauere Aussage zum Abschneiden der deutschen Mannschaft lässt sich das Sterndeuterteam natürlich nicht festnageln, allerdings soll es Herrn Löw irgendwie an einem Glückplanet mangeln. Auch der Kartenleger „El Fantadu“ hat nicht viel mehr als allgemeines Geraune zum Abschneiden der deutschen Mannschaft aus den Karten gelesen:

Die Mannschaft wird gut abschneiden. Es wird sehr emotional, es werden Tränen fließen. Ich erkenne auch eine beleidigte Leberwurst. Ist der Trainer wirklich so sensibel? Auf jeden Fall muss der Trainer mit Verletzten improvisieren. Und er wird noch zwei bis drei Jahre im Amt sein.

Außerdem flüsterten ihm die Karten, dass die Niederlande früh nach Hause fahren und Brasilien nicht gewinnen wird während Spanien und Belgien Chancen auf ein gutes Abschneiden haben. Einen anderen Tipp findet man in einem Astrologieforum:

Also, Brasilien als Gastgeberland wird s nicht. Ebenfalls, Frankreich, Holland und Spanien hat diesmal auch nichts mit dem Ausgang des Turniers zu tun. In Verdacht habe ich, Italien die haben ein unglaubliches gutes Horoskop zu diesem Zeitpunkt, dann Argentinien und auch die DFB Auswahl hat Chancen.

Das widerspricht natürlich anderen, bisher bekannten Prognosen aus der Sterndeuterecke, aber immerhin sind mit Argentinien und Italien die gleichen Favoriten wie bei der oben erwähnten Direkt Anlage Bank genannt.

Ebenfalls auf ein Finale zwischen Italien und Argentinien setzt die Webseite „verstand-in-gefahr.de“. Wie der Autor seine WM-Prognose zusammengbastelt hat konnte ich allerdings nirgends finden, und ob dann wirklich Italien gewinnen wird bleibt ebenso abzuwarten wie das dort vorausberechnete Ausscheiden Deutschlands in der Vorrunde.

Zum Mitspielen reizt die Webbeite asertoni. Dort können die aktuellen Prognosen einer speziell konzipierten Software eingesehen werden, und man kann sogar gegen diese – und andere Mitspieler – bei einem Tippspiel antreten und ein nettes Tischfußballspiel aus Pappe gewinnen. Was allerdings fehlt ist eine Gesamtprognose! Oder ist den Verantwortlichen die wasweißichwievielte Prognose auf einen brasilianischen Turniersieg zu profan?

Auf die immer weiter steigende Zahl von Tieren, die einzelne Spiele orakeln, werde ich vor dem ersten Deutschlandspiel näher eingehen, aber das ein oder andere Spezialorakel verdient schon jetzt Erwähnung. Das Kopiererorakel ist natürlich nur ein Scherz, und für den Spiegel soll ein Staubsaugerroboter den Sieger der einzelnen Spiele ermitteln (und fährt ins deutsche und nicht ins portugiesische Tor – aber was bedeutet das?) – da werden Erinnerungen an den Blechnager wach, der 2012 die Sieger einzelner EM-Spiele ohne Erfolg zu erhoppeln versuchte. Bei den von Spiegel Online befragten 66 Promis halten sich die Tipps auf den Gastgeber Brasilien und die  schwarz-rot-goldene Brille mit jeweils 20 Nennungen die Waage, genannt werden außerdem England, Portugal, Argentinien, Belgien, Uruguay, Frankreich, die Elfenbeinküste, Italien und die Schweiz sowie der „SV Gifhorn“ und ein Land namens „Wir“.

Bleibt am Ende noch ein tierisches Orakel wie es nicht sein sollte, nämlich der Orakelhund Emilie. Schon die Auswahl der kleinen Freßnäpfchen ist mit Portugal, „was anderes“, Deutschland, Brasilien, Italien und Spanien ein wenig beschränkt. Dass sich Frauchen dann natürlich hinter das Deutschland-Näpfchen stellt und das gerufene Hundi auch brav aus diesem Näpfchen seine Leckerlis holt ist leider nicht mehr als eine lächerliche Dressurnummer und für ein WM-Orakel doch eher peinlich:

Bitte Leute, wenn ihr schon ein WM-Orakel an den Start schickt, dann lasst es richtig orakeln! Ein Orakel das von vorneherein immer „Deutschland“ als Sieger liefern soll ist schlicht und einfach langweilig!





Wer wird Fußball-Weltmeister 2014? – Teil 2: Astrologen, Wahrsager und Hellseher raunen um die Wette

9 06 2014

Meine speziellen Freunde von der esoterischen Augurenfront haben sich natürlich auch den ein oder anderen Gedanken zur anstehenden Fußball-WM gemacht, und zu Beginn gleich eine Beruhigung für all jene bereit, die auf Grund von Ausschreitungen in Brasilien einen Ausfall der WM fürchteten, denn diese Frage aus einem astrologischen Forum:

Findet die WM in Brasilien überhaupt statt. In Brasilien herrschen Vorrevolutionäre Zustände!

… wird dort wie folgt beantwortet:

Total interessant ist, dass Jupiter gerade so eben aus diesem schlimmen durchlaufenden Quadrat zwischen Jupiter-Mars-Pluto-Uranus herausgetreten ist. Er hat es also hinter sich. Sehr gutes Zeichen dafür, dass die Spiele stattfinden. Die Veranstalter werden es in den Griff bekommen!

Ok, aber wer gewinnt dann? In dieser recht alten Diskussion aus einem britischen Astrologieforum wird zunächst gepostet welche Teams aus der astrologischen Sicht des Autors nicht gewinnen werden:

NO Brazil. The inaugural chart Moon=Local is opposite to Sun=Cup. Neymar is aquarian and Saturn will be in quadrature to Suns natal
NO European monarchies : Spain, Holland and England.
The world is played with jupiter in cancer favors countries like Argentina, Germany for example. But Germany does not win because Saturn will be in quadrature to Suns natal coach Joachim Low.

Die Menge der möglichen Sieger umfasst bei diesem Sterndeuter dann die folgenden Teams:

For me Argentina, Uruguay and Colombia, they are the more chances you have.
Belgium, Ivery Coast and Ghana could be surprises.

Da war die brasilianische Hellseherin Marcia Fernandes im letzten Jahr doch etwas mutiger, ihr Tipp: Deutschland gewinnt! Judy Hevenly setzt auf Brasilien (oder Deutschland), Christian Dion will nur wissen, dass ein Weitschuß die Titelfrage mit einer Überraschung entscheidet (siehe jeweils hier).

Der Allgeier-Verlag setzt auf ein Finale zwischen Deutschland und Brasilien und weist auf unschöne Randerscheinungen in Brasilien hin:

Und wir müssen tatsächlich auch mit Gewalt, Anschlägen und größeren sozialen Unruhen im Umfeld rechnen. Kritisch sind neben den Tagen um den 12.Juni vor allem die Tage um den 25. Juni, in denen Mars Uranus gegenübersteht, die Tage um den 4. Juli, in denen die Sonne in Opposition zu Pluto ist und die Tage um den 8., in denen die Sonne quer zu Uranus steht.

Nachdem es bereits im letzten Jahr bei der Generalprobe zur WM zu Demonstrationen und Ausschreitungen kam und auch in den letzten Wochen immer wieder von Demonstrationen berichtet wurde ist eine solche Prognose (die auch von Craig Hamilton-Parker und Christian Dion geteilt wird – Link siehe hier) wenig überraschend.

Bei der Online-Astrologie-Zeitung Loop! findet sich ein Text, der zwar eine Vorhersage des Turnierverlaufs enthält, in dem aber auch steht: „das hier ist keine astrologische Prognose, sondern nur die Weiterführung dessen, was Hawking und seine Kollegen von der Universität Innsbruck gemacht haben“ (Fettdruck aus dem Original übernommen). Schade eigentlich, denn der dort abgebildete Turnierverlauf ab dem Achtelfinale bietet einige schöne Überraschungen (Sieger jeweils in rot):

Achtelfinal-Begegnungen:

Brasilien – Spanien; Kolumbien – Italien; Schweiz – Nigeria; USA – Belgien (demnach würde Deutschland in der eigenen Gruppe nur Zweiter werden); Niederlande – Mexiko; Uruguay – Griechenland; Argentinien – Frankreich; Russland – Deutschland

Die Gewinner sind eine Runde weiter und entsprechend dem Punkteschlüssel gäbe es im Viertelfinale folgende Begegnungen:

Brasilien – Italien; Schweiz – USA; Mexiko – Uruguay; Argentinien – Deutschland (evtl. aber auch Russland)

Im Halbfinale stehen dann Brasilien – USA sowie Uruguay – Argentinien und das Finale bestreiten Brasilien und Argentinien. Und hier liegen die Vorteile nicht wie erwartet bei den Gastgebern, sondern deutlich bei den „Weiß-Himmelblauen“ aus dem Nachbarland. Mit anderen Worten: der Weltmeister 2014 würde demnach Argentinien heißen.

Die deutsche Mannschaft wäre dann also spätestens nach dem Viertelfinale draußen (die Spanier noch früher!) und Klinsmanns US-Boys im Halbfinale!  Eine wirklich mutige (wie soll man etwas nennen was keine Prognose sein darf? – ich hab’s!) astrologische Herumrechnerei, die von den Autoren beim tatsächlichen Eintreffen allerdings flugs als Erfolg ihrer Sterndeuterei gesehen werden wird.

In den nächsten Tagen werde ich noch ein wenig auf die Suche gehen, der ein oder andere Hellseher oder Astrologe wird sich schon noch zur WM äußern …





Prognosen 2014: Englischsprachiger Mix – alles dabei, auch Promiprognosen!

2 04 2014

Heute gibt’s ein paar englischsprachige Prognosen, vielleicht sind die Auguren dort ja doch ein wenig mutiger als die Astrologen und Hellseher hierzulande. Allzu viel Hofnung habe ich ja nicht, aber schauen wir uns doch zunächst die „Mitspieler“ an:

Beginnen möchte ich mit einigen Promiprognosen. Seit zwei Jahren fehlt mir die Versorgung mit der Jahresendregenbogenpresse durch die damalige bzw. ehemalige Schwiegermutter, da bleiben dahingehend nur solch obskure Webseiten wie einige der oben gelisteten. Astrologen und Hellseher schmücken sich ja gerne mit richtigen Prognosen vor der Oskar-Verleihung, aber diese möchte ich hier nicht beachten – es werden von den Auguren genau die Leute favoritisiert, die vorher auch im Feuilleton erwähnt werden – die Favoriten vorherzusagen ist da wirklich keine große Kunst. Zunächst ‚mal ein paar der vielen Promiprognosen von Christian Dion (vorne immer seine Nummerierung):

  • 2 Robert Pattinson.
    A really good year for him, in fact his best yet, both professionally and personally.
  • 5 Kate Winslet
    Career wise great year, Romance was not good
  • 7 Lady Gaga.
    Both personally and professionally her best year yet. 
  • 22 David Bowie
    Some kind of personal drama which comes out of the blue, plus some kind of tour. 
  • 23 Rhianna
    A year of very high highs and very low lows is 2014 for Rhianna. 

Aha, außer irgendeiner Art von Tour bei David Bowie (darüber wird seit dem Release seiner letzten CD Anfang 2013 sowieso spekuliert) ist das reines Geblubber ohne jeden Inhalt. Aber eine – aus den letzten Jahren wohlbekannte – prüfbare Standardprognose haut Dion auch noch raus:

  • 12 Angelina Joile Brad Pitt.
    I see a really bad year for these two including a break up.

Trennung bei Brangelina, na ja – viel konkreter wird’s nicht, auch nicht bei den gekrönten Häupern: Den Rest des Beitrags lesen »





Prognosen 2014: Aprilkatastrophen von Herrn Schmidt und Herrn Bardel

26 03 2014

Emil Schmidt hat sich einen lustigen Titel gegeben: er nennt sich „Entscheidungshebamme“. Ansonsten frönt er der so genannten „Stundenastrologie„. Dies ist ein vollkommen wahnwitziger Zweig der Sterndeutung, denn dessen Vertreter behaupten, dass eine an sie gestellte Frage mittels des Horoskops zum Zeitpunkt der Fragestellung (… also des Moments an dem sie geruhen sich mit dieser Frage zu beschäftigen) beantworten können. Die gleiche gestellte Frage müsste also zu verschiedenen Zeitpunkten garantiert anders beantwortet werden – und da es ja häufig um Fragen nach irgendwelchen Entscheidungen geht, nennt sich Herr Schmidt eben – nun ja …

Nun scheint der Mann aber ein wenig verängstigt zu sein, und woran das liegt hat er in einem pdf-Dokument niedergeschrieben (ich habe es natürlich heruntergeladen, wer weiß wie lange der Link noch funktioniert). Auch hat er gleich noch ein wenig Werbung bei Astrologie.de gemacht, denn er möchte zu diesem Thema mit allen Interessierten eine Telefonkonferenz machen – und zwar am 31.März ab 19:00 Uhr (wer sich das antun möchte: hier ist das Anmeldeformular – ich habe leider keine Zeit). Aber was ist nun eigentlich das Thema? Schauen wir einfach in das pdf-Dokument, also zunächst mal auf die Überschrift:

entheb01

Nach ein wenig allgemeinem Gelaber …

entheb02… bringt er ein ominöses „Krachen“ ins Spiel und nennt sogar einen Zeitraum:

entheb03Blöd ist natürlich, dass er gar nicht wissen will, was das in der Realität zu bedeuten hat – oder traut er sich nur nicht es zu sagen? Nachdem er sich von Verschwörungstheorien und Weltuntergangsprognosen distanziert hat wird er aber ein wenig konkreter:

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Aha, kein Wasser, keine Banken, keine Supermärkte – aber warum? Immerhin scheint er ein wenig daran zu glauben, denn er will sich selbst vorbereiten:

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Herr Schmidt empfiehlt also seinen Lesern für die Zeit in gut 2 Wochen einen Vorrat anzulegen, möchte aber keine Angst schüren. Die Vorräte sollen eine Art „Versicherung“ sein, und man solle diese Tage als eine Art „Urlaub“ anzusehen. Aber warum warnt er dann? Und vor allen Dingen vor was warnt er? Wer im pdf-Dokument auf Antworten hofft wird enttäuscht. Es gibt ein paar halbgare Hinweise auf irgendein kollektives Bewusstsein, dass sich gerade in irgendeiner Form ausprägen soll und als einzige Begründung folgt die folgende – sinnfreie – astrologische Schwurbelei:

entheb05Blablabla! Was das denn genau bedeuten soll wird – zumindest hier – nicht verraten. Aber es soll unangenehm werden:

entheb06Tja, Herr Schmidt, solange sie sich nicht trauen hier irgendetwas Konkretes zu schreiben sondern nur ein wenig schwarzseherisch herumraunen machen Sie genau das was sie – laut ihrem eigenen Text – gar nicht wollen: Sie verbreiten eine diffuse Angst unter ihren Fans. Dass sie selbst hoffen, mit ihren Befürchtungen falsch zu liegen ändert daran nichts.

Ganz anders ist es bei dem Astrologen Rainer Bardel aus Klagenfurt. Dieser lädt zu einem „Workshop“ am nächsten Freitag ein, und gibt vorab eine Art Schnelldurchlauf durch das Jahr 2014:

Die ersten Wochen des neuen Jahres brachten schon viele Prüfungen mit sich. Die nächste Spannung, wie Bardel es nennt, erwartet er rund um den 14. April, die Karwoche. Hier sei mit Erdbeben, Kriegsauseinandersetzungen und sogar Anschlägen zu rechnen. Es ist eine Prüfung für die Menschheit.

Ist es das, was den Herrn Schmidt zu seiner Vorratshaltung motiviert? Ein Erdbeben, Krieg oder Anschläge? Und warum gibt’s dann kein Wasser, keinen Supermarkt und keine Bank hier bei uns? Immerhin, glaubt man Herrn Bardel, ist das Ganze dann auch bald wieder vorbei:

Rund um den 28. Mai heißt es dann aber aufatmen […]

Uff! Da sind wir aber froh!

[… ] und spätestens am 17. Juni gewinnen die Themen Familie, Ehe, Nachwuchs an Bedeutung.

Nun ja, ob gerade diese Themen immer unbedingt zum Aufatmen führen?

Erst am 11. November sei mit einer weiteren Spannungszeit zu rechnen.

Aha, Spannungszeit – so so … … schade, dass ich am Freitag nicht in Klagenfurt bin, denn der Herr Astrologe und Kartenleger hat ja ganz explizit nichts dagegen, wenn auch Skeptiker zu seinem Workshop erscheinen …

Aber für die Zukunft sollten sich Bardel und Schmidt einfach kurz schliessen. Schmidt übernimmt im April die Katastrophen von Bardel und liefert dafür dem Österreicher ein paar handfeste Gründe für die ab November drohende „Spannungszeit“.

(Das waren die Nummer 26 und 27 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2014)





Neues Futter für die astrologischen Leichenfledderer: Das verschwundene Flugzeug

18 03 2014

Seit vielen Tagen ist der Flug der Malayan Airlines mit der Flugnummer MH370 verschwunden und die Vermutungen darüber, was denn tatsächlich mit dem Flugzeug und den Passagieren geschehen ist werden immer wilder. Solange es keine Antwort auf die drängenden Fragen gibt, solange bleibt natürlich Zeit für allerlei Spekulationen, aber egal ob es ein tragisches Unglück, eine Flugzeugentführung oder gar eine Art terroristischer Anschlag war, solange wir nicht mehr wissen als bisher, solange sollte man sich mit Spekulationen zurückhalten, denn immerhin geht es um das Leben von etwa 250 Menschen. Aber solche mysteriösen Geschehnisse haben auf einige Astrologen eine geradezu magische Anziehungskraft, sie müssen sich einfach ihrer astrologischen Erklärungsdiarrhoe hingeben – das erklärt zwar nichts, aber sie und einige ihrer Fans scheinen diese perverse Art von Leichenfledderei als eine Art Hobby zu betrachten …

Bereits am 9. März analysierte die US-Astrologin Beth Turnage, dass es wohl ein plötzlicher Unfall war und der Pilot den Kurs nur deswegen wechselte, weil er eine Notwasserung probieren wollte – die dann aber wohl nicht funktionierte. Dies erkannte sie auf Basis des Horoskops des damals letzten bekannten Funkkontakts des Flugzeugs.

Der indische Astrologe Yuvaraj Sowma war sich am letzten Mittwoch sicher, dass es am Donnerstag große Fortschritte bei der Suche nach dem Flugzeug geben sollte – war aber wohl nichts, vielleicht hätten die Leute ja mehr beten sollen, denn dies sollte, nach Meinung des Astroschwurblers, das Auffinden des Flugzeugs unterstützen.

Eine andere indische Astrologieseite war sich ebenfalls sicher:

And, before the week is over (week from the date of the take off), the teams searching will have some firm answers – and location of the debris/ traces.

Nein, falsch! Und ob die Vermutung stimmt, es habe sich um ein eher technisches Problem gehandelt, ist ja noch lange nicht klar.

Bei Astrophoenix musste der „Astro-Fox“ seine Deutungen erbrechen, und wollte (am 14. März) folgendes aus den Sternen gelesen haben:

Es ist im Meer versunken.
Personen (oder nur eine) an Board sind für den Absturz verantwortlich.
Die Personen (oder die eine) haben den Selbstmord in Kauf genommen.
(Wenn es einer der Piloten war, so litt er an Depressionen oder Wahnvorstellungen)
Der Pilot hat selbst (oder unter Zwang) das Flugzeug zum Absturz gebracht und ins Meer gestürzt.

OK, die erste Aussage ist nicht unwahrscheinlich, aber der Rest sind genau die Dinge, über die die Nachrichtenagenturen auch spekulieren. Welches Horoskop der Mann zurate gezogen hat ist unklar, aber er muss sich dann noch mit 2 Kreisen auf einer Karte lächerlich machen – da soll man nämlich das Flugzeug finden … … oder

#nicht eingezeichnet: 5°N87°W, das ist südlich von Kalkutta und östlich der Nordspitze von Indonesien. Ursache ist dabei nicht das Ausgehen des Kraftstoffs sondern Geschehnisse an Bord. (Durchdrehen des Piloten oder eine Mißglückte “Einmischung/Übernahme”.)

Ach Herr-Astro-Fox, macht es eigentlich Spaß auf dem Rücken von knapp 250 Menschen solchen Unsinn zu blubbern?

Den Vogel schießt aber wieder einmal meine Lieblings-Online-Astrologiepostille ab, denn dort gibt es gleich zwei lange Texte zum verschwundenen Flugzeug. Im ersten Astrogelaber (Autorin sri) werden immer zwei verschiedene Daten (also Datum, Uhrzeit und Ort) zu einem einzigen Horoskop zusammengefasst (das nennt man Synastrie, man zeichnet also zwei Horoskope quasi „ineinander“ – und hat dann natürlich viel mehr Deutungsmasse), und schon diese Auswahl ist irgendwie schräg. Aus den gemeinsamen Horoskopen von

  • Erstflug dieses Flugzeugtyps und letztem Funkkontakt des vermissten Flugs
  • Erstflug dieses Flugzeugtyps und einem früheren Rollfeldunfall des vermissten Flugzeugs
  • Letztem Funkkontakt des vermissten Flugs und dem Einschlag des ersten Flugzeugs in die Zwillingstürme des World Trade Center am 11. September 2001

wird folgendes geschlossen:

Damit wäre ein terroristischer Einfluß möglich.

Na klar, wer mit Terrorismusdaten sucht, der glaubt auch solches zu finden. Ich frage mich was passiert wäre, wenn die Leute von der Astrologiepostille das Geburtsdatum des Papstes, oder das von Peter Maffay, oder das vom letzten Fußball-WM-Finale für die Synastrie benutzt hätten – unsinniger wäre das auch nicht gewesen, aber vielleicht hätte es gezeigt, dass an Bord des Flugzeuges mindestens ein Katholik gesessen hatte, dass irgendjemand suboptimale Musik auf dem Kopfhörer hatte oder dass sich im Koffer eines Fluggastes ein Fußball befand. Aber die Loop-Leute wären nicht die Loop-Leute wenn sie sich nicht noch ein scheunentor-breites Hintertürchen dazufantasiert hätten:

Betrachtet man allerdings die Achs-Überlagerung 12/6 plus Sonne dieses ersten WTC-Hits mit dem MC/IC des Signals oben, deutet sich auch an, dass der terroristische Verdacht unter Umständen reine Täuschung ist.

Fazit des ersten Textes: Nichts Genaues weiß man nicht, also warum dann das Ganze?

Der zweite Text stammt vom 15. März, kann jetzt also die neuen „Erkenntnisse“ mit verbraten (Autor: „meta“). Und man bietet sogar eine Art „Hilfe“ an:

[…] aber vielleicht mag sich ja der eine oder andere Hinweis zeigen, der zumindest für die Rettungskräfte hilfreich auf ihrer Suche nach möglichen Ursachen und Hintergründen ist.

Na klar! Irgendwo in Deutschland sitzt also ein Mensch, der mehr zu wissen gaubt als die in Vollzeit suchenden Rettungskräfts vor Ort – was für eine lächerliche und peinliche Selbstüberhöhung! Dieses Mal werden übrigens ganz andere Horoskope zur Deutung in Betracht gezogen, es sind dies:
  • das Horoskops zum Start des Flugzeuges
  • der Start des Fluges KA007 von Korean Airlines vom 31.08.1983 in New York (das Flugzeug wurde westlich der Insel Sachalin von russischen Kampfflugzeugen abgeschossen)
  • das Horoskop des ersten Offiziers des vermissten Fluges (in Synastrie mit einem aktuellen Horoskop)

Und wo ist die eingehende Betrachtung der Horoskope der Flugbegleiterinnen, der Leute im Kontrollturm, der Mechaniker auf dem Flughafen von Kuala Lumpur oder der Tante der Ehefrau des Bruders des Fluggastes auf Platz 22C? Egal, soviel Arbeit haben sich die Autoren wohl nicht gemacht – und da der erste Offizier wohl auch von den Behörden überprüft wurde kann man ihn jetzt zum astrologischen Sündenbock stempeln:

[…] dann finden sich bei ihm die klassischen Auslöser für Unberechenbarkeit und heimliche Absichten. Eingebunden in die energetischen Hauptakteure des Großen Quadrats. Seine Sonne auf 11° Widder wird gerade in diesen Tagen von Uranus überlaufen, dass Quadrat von Jupiter ist ebenfalls fast exakt. Im Vorfeld hat Pluto schon seit einigen Monaten für Probleme gesorgt und auch die genaue Konjunktion von Neptun mit seiner Radix-Venus in den letzten Wochen und Monaten macht ihn eher zu einem Kandidaten für genauere Überprüfungen. Als Anlage hat er eine Sonne-Jupiter Konjunktion im Quadrat zu Neptun im Steinbock, auch hier kann zumindest der Verdacht entstehen, dass er eine Art Doppelleben geführt hat, dass vor allem in den letzten beiden Jahren, durch die Auslösungen von Uranus und Pluto eine neue Dimension bekommen hat.

Ja klar, einem wildfremden Menschen wird per Ferndiagnose ein Doppelleben diagnostiziert astrologisiert – was für eine maßlose Überheblichkeit … … aber man lässt sich ja auch hier eine Hintertür:

Wohlgemerkt – einen Verdacht, denn natürlich könnte man diese Auslösungen auch so deuten, daß er selbst von den Ereignissen als Person „überrollt“ wurde. Nur wenn die momentane Frage aller Ermittler ist, wer von beiden alle Funk-Verbindungen abgebrochen hat und einen völlig anderen Kurs einschlug, stände aus meiner Sicht eher der Co-Pilot im Fokus einer Überprüfung.

Hauptsache ausführlich geblubbert, Herr „meta“ – und auch hier ist sich der Autor nicht zu schade um sich mit einer Karte möglicher Fundorte des vermissten Flugzeugs zu blamieren. Klar, dass hier völlig andere Orte angekreuzt sind als beim oben erwähnten Astro-Fox – ich vermute mal dass beide ähnlich falsch liegen …

Am Ende wird die Terrorismus-Vermutung aus dem ersten Text ad acta gelegt, und eine andere Vermutung geäußert:

Dass man die Maschine auch noch jetzt unversehrt findet, würde ich mir im Sinne aller Angehörigen und Passagiere sehr wünschen. Aber die Geschichte, die sich bisher zeigt, spricht eben eher nicht von Zu- oder Unfällen, sondern von einem verwirrten Menschen, der in einem bestimmten Moment seines Lebens falsche Entscheidungen getroffen hat. Um es freundlich zu formulieren.

… und es wird eine Prognose gegeben, wann man das Flugzeug denn finden wird:

Betrachtet man das gesamte Ereignis als einen Ausdruck der globalen Anspannung unter dem Quadrat von Jupiter, Pluto und Uranus, dann sollte sich aber zumindest in den nächsten 2-3 Tagen klären lassen, wo die Maschine jetzt ist, spätestens wenn der Mond das Quadrat komplettiert.

Nun ja, wir werden sehen was passiert. Die zunehmende Menge an Informationen und die Erweiterung der Suche (jetzt sogar mit Hilfe der ISS) sollte ja irgendwann dazu führen, dass das Flugzeug gefunden wird. Die Selbstüberschätzung der Astrologen, die tatsächlich glauben ihr absurdes Geschwurbel mit weitgehend willkürlich hervorgekramten Horoskopen hätte irgend einen Sinn, ist angesichts der höchstwahrscheinlichen Opfer aber in jedem Fall eine bodenlose Frechheit.





Donnerstagsvideos (6): Astro TV Mix

13 03 2014

Diese Woche brauche ich ‚mal etwas Leichtes – also  gibt’s etwas zu Astro TV, also ein paar Highlights Lowlights und ein wenig Kritik:

Zuerst die Top 10 bei fernsehkritik-tv:

Auch bei „dumm gelaufen“ gibt’s eine Zusammenstellung:

ZDF-Reporter über die Abzocke bei Astro-TV:

Das Wirtschaftsmagazon M€X wagt den Selbstversuch:

Und ZAPP kommentiert kompetent:

Viel Spaß





Aktuelle Prognose – einfach lächerlich: Frau Ayyad prophezeit Gleichgewicht in der Ukraine und Gärung im Iran

8 03 2014

Nachdem Joy Ayyad – ebenso wie die Allgeiers in ihrer Jahresvorschaunichts zur Ukraine vorausgesagt hatte legte sie jetzt – ebenso wie die Allgeiers in ihrem Newsletter – nach. OK, sie hatte einmal eine Prognose gewagt, die man als Treffer deuten konnte (Schnee in Ägypten – wobei sie ja nur ungewöhnliche Wetterphänomene prophezeit und den Schnee als Beispiel genannt hatte), aber muss man sie deshalb dauernd wieder befragen? Schaut man sich ihre aktuellen Prognosen zum Weltgeschehen an, dann wohl eher nicht.

Zu Beginn labert sie ziemlich sinnfrei über eine „Erregung der Elemente„, die sich bis Ende April und zum Teil bis in den Mai hinein ziehen soll. Welche Elemente hier wie erregt werden und was dies bedeutet wird nicht erklärt, aber die Folgen werden genannt:

In dieser Zeit sind sehr alarmierende Ereignisse zu erwarten. Das betrifft zum Beispiel den Iran; dort wird es zu einer großen Gärung kommen.

Alarmierende Ereignisse – aha, und welche? Und bei der großen Gärung im Iran dürfte man mit der offiziellen Definition von Gärung (Mikrobieller Abbau organischer Stoffe ohne Einbeziehung von externen Elektronenakzeptoren wie beispielsweise Sauerstoff zum Zweck der Energiegewinnung.„) auch nicht sehr weit kommen.

Auch über die Türkei traut sich Frau Ayyad ein paar Sätze zu, aber auch hier sucht man prüfbare Inhalte vergeblich. Präsident Erdogan ist seit Wochen unter Druck, da ist es trivial vorherzusagen, dass es unruhig sein wird. Sie erwartet dort „große Veränderungen im Bewusstsein der Menschen“ und die Lösung der Probleme „wenn sich entschlossene Führer finden, die sich im letzten entscheidenden Moment in den Prozess einmischen.“ Wer das eventuell sein sollte verschweigt sie natürlich, Namen nennt sie nur für Ägypten.

Vom Iran über die Türkei ist es natürlich nur ein kleiner Schritt …

Das ergibt eine Art Bogen von Südost nach Nordwest: vom Iran in die Türkei.

… zur Ukraine:

Weiter befindet sich die Ukraine auf diesem Bogen.

Aber nur wenn man diesen Bogen sehr speziell malt und über die Türkei heraus sehr individuell verlängert.

Wenn man von der Zeit spricht, in der die Veränderungen auftauchen, läuft alles andersherum: von Nordwest nach Südost.

Und warum soll das so sein, Frau Ayyad? Ist das irgend eine schräg-esoterische Faustregel? Oder schwafeln sie hier einfach wieder ein wenig vor sich her?

Jetzt befindet sich der Fleck der Instabilität über der Ukraine, dann bewegt er sich auf diesem Bogen nach unten. Und in der Ukraine wird es ruhiger.

Ach herrlich, es gibt also einen „Fleck der Instabilität„, und dieser bewegt sich sogar! Offensichtlich kann der sich auch teilen, denn in Venezuela scheint der ja auch gerade aktiv zu sein! Und klar, als Nächstes kommt dann die Türkei – und dann die Gärung im Iran. Falls nicht kann sich Frau Ayyad ja damit herausreden, dass irgendjemand einen Fleckenteufel (nein, für diese Werbeeinblendung werde ich nicht bezahlt) angewandt hat – wie auch immer. Für die Ukraine bedeutet das – laut Frau Ayyad – folgendes:

[…] und nach dem von mir bereits angegebenen Zeitraum der Instabilität wird sich bis Juni das Gleichgewicht wiederherstellen.

Und was bedeutet das? Wie wird dieses Gleichgewicht aussehen? Die spannende Frage des zukünftigen Status der Krim wird natürlich nicht einmal erwähnt. Ist die Ukraine im Gleichgewicht, wenn dieser Teil wegfallen sollte? Oder heißt das nur, dass es dann einfach ruhiger wird (weil der ominöse Fleck ja weitergezogen ist)?

Wie üblich bringt die Frau nichts außer allgemeinem Gelaber, an eine echte Prognose traut sie sich nicht. Von einer Wahrsagekönigin sollte man doch eigentlich mehr erwarten können …

(Noch ein Nachtrag für die Startnummer 5 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2014)