… und noch fünf Labertaschen für 2013

10 01 2013

Bei der Suche nach weiteren Jahresvorschauen möchte ich heute ein paar weitere Vertreter der Labertaschenfraktion vorstellen.

Ich beginne mit Frau Dr. (!!) Nitsche, die sich hier Gedanken über die Zukunft gemacht hat. Ihre „Wellenastrologie“ liefert ganz andere Bildchern als die „übliche“ Astrologie – aber liefert sie deshalb aber auch andere Inhalte? Zu Beginn ihres Textes „2013 und die nächsten Jahre – mundan gesehen“ steht erstaunlicherweise der Satz „Astrologische Prognosen sind immer auch problematisch.“ Ach hätte sie damit doch einfach begründet, dass sie sich zu keiner Prognose fähig fühle – zumindest ich hätte ihr sofort geglaubt. Stattdessen liefert sie ein Paradebeispiel dafür, dass „mundan gesehen“ ein Synonym für Blindheit zu sein scheint:

Erfolgt der sogenannte Haircut, werden die Schulden über eine steigende Inflation vermindert oder wird eisern in den Staatshaushalten gespart.
Extremes sparen in den Staatshaushalten führt entweder zu Steuererhöhungen oder zu verringerten sozialen Transferleistungen. Beides erhöht die Wahrscheinlichkeit für Protestbewegungen und soziale Unruhen. Beamte zum Beispiel werden nicht sparen wollen.
Ein Haircut in den Staatsanleihen führt zu großen Problemen der Lebensversicherer und Pensionsfonds, abgesehen von den wenigen, die von den Renditen der Staatsverschuldungen leben.
Die Folge wären erhöhte soziale Transferleistungen.
Es ist anzunehmen, dass eine steigende Inflation in Verbindung mit einer Drosselung der Staatsausgaben zu einem Abbau des gigantischen Schuldenberges führen kann. Es ist zurzeit nicht absehbar, dass ein anderer Weg beschritten würde, da hier vielleicht mit weniger sozialen Unruhen zu rechnen ist.

Bei Hannelore Fritsch handelt es sich um eine alte Bekannte, die in ihrer Jahresvorschau lediglich mit Astrogeblubber verzierte Nonsenstipps fürs Privatleben gibt. Das klingt dann so …

Im Hochsommer, genau am 18. und 19. Juli wird das Große Trigon der Wasserzeichen mit Jupiter, Saturn und Neptun exakt. Was für eine Möglichkeit, Gelegenheiten wahr werden zu lassen, lang gehegte Träume zu erfüllen und Erfolge zu verwirklichen. Manch einem wird diese Zeit ganz wundersam vorkommen, Dinge passieren, mit denen man nicht gerechnet hatte, das Leben erscheint wie ein Wunschkonzert.

… oder so …

Bald darauf Mitte August ist dann die Zeit der Wunder schon wieder vorbei, wir können aus allen Wolken fallen und eine Glückssträhne geht zu Ende: Jupiter, Uranus und Pluto bilden ein T-Quadrat. Das Quadrat wird im August erst von Mars und später noch von Venus zu einem Großen kardinalen Quadrat aktiviert. Seien Sie achtsam mit sich und anderen in dieser Zeit. Es ist eine Zeit höchster Spannung.

Aber ob das wirklich für jeden gilt?

Den Herrn MMag. Dr. Harald Geir hatte ich hier auch schon mal erwähnt, weil er tatsächlich auf seiner Webseite durch die Worte „Astrologie trifft Naturwissenschaft“ letztere beleidigt. Für 2013 schickt er gleich zwei Texte ins Rennen, den einen – ganz naturwissenschaftlich – mit „Nachrichten aus der geistigen Welt“ für 2012-2015, den anderen aus den Gestirnsständen herausgeklaubt.  In Letzterem heißt es bedeutungsschwanger:

Das Uranus Pluto Quadrat welches von Mitte April bis Mitte Juni und dann nochmals von Oktober bis Mitte November exakt wird, verschärft die gesamte Situation noch einmal drastisch. Revolutionäre und rebellische Energien mischen sich hinzu. Plötzliche Veränderungen und Umbrüche sind zu erwarten, Kellertüren öffnen sich und die Leichen kommen ans Licht. Echtheit und Eigenverantwortung sind in dieser Zeit mehr denn je gefordert.

Aha! Und er will wissen, dass sich die materielle und geistige Welt irgendwie verbinden:

Saturn und Neptun in harmonischer Verbindung von Mai bis Juli verbinden materielle mit geistiger Welt. Neue Möglichkeiten tun sich auf um Materielles mit Humanitären auszusöhnen. Auch der Schleier zur anderen Welt lichtet sich immer mehr.

… aber wohl nur wenn man genügend geistige Getränke zu sich nimmt.

Jeanne Philippi hatte bereits im September letzten Jahres „Zeiten des Wandels“ gesehen. Das liest sich dann so …

Gemäß der sich ankündigenden, globalen Tendenzen, ein wechselhaftes Jahr, in dem so manches stark dem Wandel unterliegt. Sowohl politisch und wirtschaftlich gesehen, aber auch bezogen auf individuelle Entwicklungen vieler Menschen.

… also das übliche Blabla.

Die Schweizerin Monika Kissing alias Madame Etoile ist in unserem Nachbarland sehr bekannt und durfte gleich mehrfach etwas zum Jahr 2013 sagen. In dieser Sendung sagt sie nach ca. 5.30 Minuten zur Eurokrise, sie würde sich entweder verschlimmern oder gelöst werden – wow, so genau wollten wir es gar nicht wissen! Ansonsten gehts eher persönlich zu, und höchst allgemein, wie etwa in diesem Text für die „Sonntagszeitung“. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist Frau Kissling auch vertreten – ein Grund für die schweizer Skeptikerkollegen in einer Petition das Ende ihres Engagements dort zu fordern – und da hat sie doch tatsächlich auch eine Prognose für 2013 abgegeben. Obwohl das Wort „Prognose“ für diese Ansammlung belangloser Binsenweisheiten sehr hochgegriffen ist. Folgende nichtssagende Sequenz fällt ihr beispielsweise zur Schweiz ein:

Saturn nähert sich dem Aszendenten des Landeshoroskops und erreicht diesen im Januar 2014. An exakt dieser Position befand sich bei der EWR-Abstimmung vor gut zwanzig Jahren Pluto. Das bedeutet, dass sich die Konsequenzen der damaligen Entscheidung jetzt klar zeigen – möglicherweise auch die Grenzen. Ist damit der bilaterale Weg am Ende? Möglich, aber nicht zwingend. Sicher ist jedoch, dass bis Ende 2013 eine neue und tragfähige Basis mit der EU gefunden werden muss. Dies ist ein steiniger Weg, denn die Schweiz wird noch stärker als 2012 mit Forderungen konfrontiert sein und sich dem Druck teilweise beugen müssen. Gleichzeitig mahnen die Sterne jedoch zu einer klaren Haltung der Schweiz, vor allem zu einer geschlossenen Haltung. Grabenkämpfe innerhalb der politischen Parteien sollten möglichst vermieden werden.

Dass die Dame für solche Nonsenstexte dann auch noch vom Rundfunk bezahlt wird ist schon erstaunlich. Einem Redakteur, der solch inhaltsleeres Geschwafel von sich gäbe würde wahrscheinlich schnellstmöglich der Stuhl vor die Türe gestellt. Auch ihre weitere „Voraussage“, dass es um das Image der Schweiz 2013 nicht zum Besten steht, ist doch angesichts der Debatten über von eidgenössischen Banken gedeckte Steuerflucht längst Schnee von gestern.

(Das waren Nr. 29 bis 33 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013)





Prognosen 2013: Astrologen sammeln selbst

5 01 2013

Mit den Leuten der Online-Astrologie-Zeitung Loop! hatte ich in der Vergangenheit ja bereits das Vergnügen (hier und hier). Jetzt scheint man dort auch einmal tatsächlich irgendwie prüfen zu wollen, ob die Astrologie wirklich für Jahresprognosen taugt (wovon man dort natürlich überzeugt ist!). Am 22. Dezember 2012 hat Loop! deshalb dazu aufgerufen, doch eigene (astrologische) Texte zum Jahr 2013 zu schicken, an die folgende vier Anforderungen gestellt wurden:

1. Keine Aussagen ohne eine nachvollziehbare astrologische Begründung.

Klar, dass die Astrologen eine astrologische Begründung für die Aussagen fordern. Mir persönlich ist diese allerdings egal, erst einmal müssen die Aussagen in irgendeiner Form zutreffend sein, bevor mich die Methode näher interessiert.

2. Keine tendenziell negativen und angsterzeugenden Aussagen. Niemand möchte hören, dass die Welt jetzt eben 2013 untergeht.

Diese Anforderung ist meines Erachtens ein wenig eigenwillig. Wenn denn die Welt tatsächlich völlig überraschend untergeht und irgendjemand dies aus den Sternen „richtig“ (!!) vorausgesehen hätte, dann würde sich eine solche, richtige Prognose auf Grund ihres Inhalts disqualifizieren – warum diese Einschränkung? Aber egal, die Verantwortlichen von Loop! können natürlich für ihre Prognosensammlung auch gerne ihre eigenen Regeln aufstellen.

3. Alle gemachten Aussagen sollten weitestgehend eindeutig sein, d.h. die Aussage sollte beim Eintreten des Ereignisses  darauf beziehbar sein.

Genau! Diese Anforderung ist auch ein zentraler Punkt meiner Prognosensammlung. Die üblichen Blabla-Prognosen sind ja in der Praxis schlicht und einfach nicht zu prüfen, so dass diese Forderung wirklich nur zu begrüßen ist. Und das Beispiel dazu könnte fast von mir sein:

Wer glaubt, dass Dortmund auch 2013 deutscher Fußballmeister wird, sollte dies auch so ausdrücken, wer nur eine Tendenz für ein gutes Abschneiden sieht, benennt das dann eben so.

Ich hätte noch ergänzt, dass auch das „gute Abschneiden“ noch definiert werden muss. Um beim Beispiel zu bleiben: Wenn sich Dortmund nicht für die Champions-League qualifiziert, jedoch Pokalsieger wird – ist das dann „gutes Abschneiden“? Genau solche Abgrenzungen muss man aber treffen, wenn es denn darum geht tatsächlich zu zeigen, dass die Astrologie kann was sie behauptet. Ohne solche Abgrenzungen ist es schlicht unmöglich, die Qualität einer Prognose zu bewerten.

4. Alle üblichen Verdächtigen wie Nostradamus, die Mayas oder außerirdische Botschaften haben in einer astrologischen Prognose nichts verloren, jedenfalls nicht bei uns.

Auch diese Anforderung ist natürlich sinnvoll, wenn die Texte in einer Astrologie-Zeitung erscheinen sollen.

Bisher gibt es in dieser Sammlung zwei Texte. Der eine trägt den Titel „2013: Euro, Dollar + der Underground“ und stammt von Christian Frei, der andere heißt „2013 und die Bundesrepublik“ und wurde von Gerhard Himmel verfasst. Die Texte genügen wohl der ersten Anforderung und begründen ausführlich astrologisch (was ich nicht beurteilen kann und will). Auch bezieht sich keiner der Texte auf Nostradamus et al. – Anforderung 4 ist also auch erfüllt. Ein Weltuntergang wird auch nicht vorausgesagt – aber ob das reicht, um Anforderung 2 bereits zu erfüllen? Natürlich habe ich mir die Texte hauptsächlich im Hinblick auf die Anforderung 3 angeschaut …

Fangen wir mit dem ersten Text an. Dieser besteht zum Teil aus Ausschnitten eines älteren Textes des Autors und irgendwie finde ich einfach keine in irgend einer Weise prüfbare Aussage zum Jahr 2013. Oder ist das Folgende etwa als „Prognose“ anzusehen?

Es besteht die Möglichkeit, gerade im Jahr 2013, mit dem sich anbahnenden großen Trigon zwischen Jupiter, Saturn und Neptun, Kontinuität in einen Entwicklungsprozess zu bringen.

Und was bedeutet das jetzt? Wo sind die von den Loop!-Machern geforderten möglichst genauen Aussagen? Etwa das hier?

Deshalb bleibt die Bruchlinie zwischen Volk und Regierenden/Staat bestehen (nicht nur in Ägypten!), sie wird sich noch verschärfen und erst bei Pluto im Wassermann auflösen. Das dauert noch ein Weilchen, insofern sei ein gepflegter Underground angesagt, eine gepflegte Grauzone.

Ich fand den Text – gemessen an den Anforderungen von Loop! – schon sehr enttäuschend …

Gehen wir zum zweiten Prognoseversuch, erstellt mit meiner liebsten Astrologievariante: der „Hamburger Schule“. Diese greift für ihre Deutungen auf acht fiktive „Planeten“, „Wirkpunkte“ bzw. „Transneptuner“ genannt, mit wunderbaren Namen wie „Kronos“, „Hades“ oder „Admetos“ zu. Hier wird also aus nichtexistenten Planeten „gelesen“ … … aber vielleicht funktioniert’s ja – schauen wir uns also den Text an (an einigen Stellen habe ich die astrologischen Erklärungen durch ein […] ersetzt, da mich ja nur die Prognosen selbst interessieren).

Nach langen astrologischen Erklärungen (die natürlich hier sein müssen – siehe Anforderung 1), folgert der Autor für Deutschland:

Zusammengefasst deute ich für Deutschland als eines der vorrangigsten Thema des Jahres 2013, nämlich Altersarmut und Rente. Durch […] wird dies eine große Veränderung und Veränderung im Sinne der Gesetzgebung sein, gestützt noch durch das Sextil des Saturn im Skorpion und dem Trigon zu Kronos. Kronos= Staatsgewalt, bzw. Größe. Das große überhaupt.

Die Rente bzw. ihre Höhe, das Rentensystem und die in den folgenden Jahren wirksam werdenden Änderungen mit Rentenabschlägen und erhöhtem Renteneintrittsalter sind ja seit Jahren ein vorrangiges Thema in der deutschen Politik. Auch das Thema Altersarmut – in letzter Zeit von Ministerin von der Leyen auf die Agenda gesetzt – ist keineswegs neu. Ob dieses Thema vorrangig sein wird? Hmm – was heißt vorrangig? Wie kann man ermitteln, ob dieses Thema – möglicherweise im Wahlkampf, zur Verwendung in diesem eignet sich das Thema hervorragend – vorrangig ist oder nicht? Leider liefert der Autor hier keine Hinweise, so dass die Aussage irgendwie leer im Raum steht. Gehen wir zur nächsten Aussage:

Laut Hamburger Schule Skorpion im Sinne von Eingang, Produktion und Geburten. Der Saturn bringt hier einen Rückgang. Stier im Sinne von Ausgang: Konsum und Verbrauch, Todesfälle, Rückstände.

OK, was das jetzt bedeuten soll weiß ich wirklich nicht. Geht der Konsum zurück? Wenn ja wie stark? Sind 0,01% Rückgang dann schon ein Treffer oder etwa nicht? Und was bedeutet ein Rückgang der „Rückstände“? Aber weiter:

Es ist also mit viel Aufregung und Streit ([…]) – sozialen Unruhen zu rechnen, die mit dem ganzen Thema im Zusammenhang stehen.

Wie definiert der Autor „Aufregung“ und „Streit“? Was genau versteht er unter sozialen Unruhen? Müssen es Massenproteste sein oder reichen ein paar kleine Demos, die irgendwo im Lande durchgeführt werden? Die nächste Aussage ist ein wenig klarer:

Die allgemeine Wirtschaftskrise wird wohl 2013 stärker auch auf Deutschland sich auswirken und sich im Rückgang von Arbeitsplätzen ([…]) bemerkbar machen.

OK, aber auch hier wäre es interessant, ob es für das Eintreffen der Prognose, dass die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, reicht wenn die Zahl z.B. nur um einige hundert sinkt, oder ob sich die Zahl schon um das ein oder andere Prozentchen reduzieren muss. Außerdem konterkariert der Autor diese Prognose gleich wieder:

Neptun als der Täuscher zeigt die Bemühungen an, die Öffentlichkeit darüber im Unklaren zu lassen oder zu täuschen.

Wenn also wirklich die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, dann wird es der Bevölkerung nicht gesagt? Und wie soll das dann geprüft werden? Sinkt die Zahl der Erwerbstätigen ist’s ein halber Treffer (weil das mit dem Täuschen dann nicht gestimmt hat), steigt die Zahl kann man immer noch behaupten sie wäre eigentlich gesunken und die Verantwortlichen hätten die Information unterschlagen (doppelter Treffer).

Der Autor wendet sich nun einem Standardthema der Prognostiker zu:

[…] ist auch ein Hinweis auf Überschwemmungen, Uranus am Aszendenten für plötzliche Einbrüche z.B. Naturkatastrophen. […] zieht sich geographisch von Stockholm über Berlin, durch den italienischen Stiefel, über Tripolis bis nach Südafrika. Auf dieser Achse ist also vermehrt mit Überschwemmungen zu rechnen. Damit auch für Deutschland.

Was heißt „vermehrt“? Wie zählt man das? Der Autor traut sich sogar, Zeiträume anzugeben:

Überschwemmungsgefahr für Deutschland besteht im März, […]. Außerdem im Juni, Juli, […].

Auch hier wieder die Frage: Wann ist das ein Treffer, und wann nicht? „Überschwemmungsgefahr“ besteht ja eigentlich immer, insbesondere zur Schneeschmelze im Frühjahr. Wie hoch muss das Wasser wo steigen, damit diese Prognose als erfüllt gilt? Reicht eine lokale Überschwemmung – zum Beispiel in einem Dorf im Allgäu – oder muss schon einer der größeren Flüsse betroffen sein? Auch hier ist die Aussage schwammig und beinhaltet kaum Prüfbares. Außerdem muss man schon fragen dürfen, ob dies nicht gegen die Anforderung 2 (keine angsterzeugenden Aussagen – wer am Mittelrhein, in Passau oder ähnlichen, von Hochwasser bedrohten, Orten wohnt, bei dem kann eine solche Prognose durchaus Angst erzeugen).

Als Nächstes liefert der Autor noch zwei Zeitfenster für die oben erwähnten Unruhen:

Was die Unruhen betrifft, so ist verstärkt damit zu rechnen, wenn das Laufende Uranus Quadrat zum Asz BRD exakt wird (ab 20.Feb) exakt wird und Ende März […]. Kritisch ist auch Ende Mai, […].

Was der Autor unter Unruhen versteht bzw. wie er die Prognose ggf. verifizieren will steht auch hier nicht. Immerhin gibt es am Ende noch eine Aussage, die meines Erachtens vielleicht ein wenig prüfbar ist:

Zur Zeit der Wahlen im September, steht der Deszendent der BRD in der Mitte zwischen Kronos und Hades laufend = ein Hinweis das die alten Staatsgewalten ein Schwergewicht haben, Außerdem Saturn am MC der BRD. Für mich beides Hinweise dass die Wahl eher konservative Kräfte bevorzugt. Pluto als Signifikant der Wandlung hat dann nicht so eine starke Konstellation aufzuweisen, daher vermute ich, es ändert sich nicht wirklich viel in der Regierungsführung.

Wenn ich das richtig verstehe, soll also die aktuelle Regierungskoalition durch die Wahl bestätigt werden. Das hätte der Autor natürlich auch ganz einfach schreiben können – oder zum Beispiel angeben, mit welcher Wahrscheinlichkeit er mit einer Fortsetzung dieser Koalition rechnet. Dass er am Ende das Wort „Regierungsführung“ benutzt macht aber ein wenig stutzig. Denn selbst wenn sich die Regierung ändert, also eine andere Koalition an die Macht kommt, kann man ja immer noch behaupten, die „Regierungsführung“ an sich habe sich nicht geändert.

Fazit: Ich finde es gut, dass man bei Loop! ein paar Anforderungen an zu veröffentlichende Prognosen stellt. Insbesondere Anforderung 3 finde ich richtig und wichtig, wenn auch – wie oben angemerkt – unvollständig. Leider werden die beiden bisher veröffentlichten Texte dieser wichtigen Anforderung an eine Prognose nicht gerecht, da genau das fehlt, was der Autor des Aufrufs mit seinem Fußballbeispiel – zumindest halbwegs – demonstrierte: die Abgrenzung von Treffern und Nichttreffern schon beim Stellen der Prognose.

(Das waren Nr. 28 und 29 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013)





Frau Teissier schwurbelt sich durch das Jahr 2013

3 01 2013

Elizabeth Teissier – Entschuldigung – Frau Dr. Elizabeth Teissier (mehr zu ihrem Doktortitel) hat 2012 ein Buch veröffentlicht, das mir freundlicherweise von einer Leserin dieses Blogs überlassen wurde (Vielen Dank dafür). Neben Horoskopen für die einzelnen Sternzeichen für die Jahre 2012-2016 gibt es auch einen dreieinhaldseitigen allgemeinen Text zum gerade begonnen Jahr, der mit folgendem kryptischen Titel überschrieben ist:

2013: Ein großer, kanalisierter Umbruch

Wer aber glaubt, Frau Teissier würde jetzt beschreiben, welcher Art dieser „große Umbruch“ sei, und wie dieser denn von wem kanalisiert werden soll, der befindet sich auf dem Holzweg. Nach einer Portion Astroblabla (Beispiel: Wenn die Energien von Pluto und Uranus aufeiananderprallen, kommt es zu einer Kollision von Planetenriesen, die gar nicht anders als explosiv sein kann […] – ich wußte gar nicht, dass Pluto ein Riese ist …) fängt sie folgendermaßen an:

Das Jahr 2013 beginnt durch Pluto/Uranus in Verbindung mit dem Nordknoten sehr stark.

Äh was?

Nun kann alles eintreten, wofür Uranus/Pluto zuständig ist, und eine mächtige, kollektive Dimension annehmen.

Meines Wissens sind Uranus und Pluto für gar nichts zuständig …

Denkbar sind Ereignisse in Zusammenhang mit Atomkraft, dem Erdöl, Vulkanausbrüche, Erdbeben, aber auch ein möglicher planetarer Bug im Internet durch Uranus, den Planeten der Kommunikation.

Sind die Bugs nicht normalerweise das Ergebnis suboptimaler Programmierung? Bei Frau Teissier programmiert scheinbar der Uranus …

Im Frühjahr 2013 erleben wir einen konstruktiven Aspekt, der auf Reformen hoffen lässt; dank des konstruktiven und reformerischen Aspekts, der bereits Ende 2012 vorhanden sein wird, versucht man Lücken zu schließen, Schäden zu reparieren.

Und schon wieder so eine Sensation: Man versucht Schäden zu reparieren …

Ein relativ destabilisierender Mai also, umso mehr, als auch Europas Zyklus davon betroffen ist (Ende Mai): Die europäische Entität hat Probleme, Harmonie und Ausgewogenheit zu finden. Eine weitere schwierige Phase folgt Ende Juni und begleitet möglicherweise entweder eine größere Luftfahrtkatastrophe oder bedeutende Währungs- und Wirtschaftsprobleme. Setzen wir darauf, dass es sich auf jeden Fall um ein kollektives Ereignis handeln wird, das die ganze Welt betrifft.

Wir lernen: Europa hat einen Zyklus und eine Entität. Und es wird etwas passieren …

Es folgt Geschwafel über Russland, ein paar Selbstbeweihräucherungen und eine irgendwie ruhigere Phase in den nächsten Monaten. Sie schreibt von „großmütigen Öffnungen“ und „solidarischeren Gesetzen“ und sieht die Zeit günstig für „Maßnahmen, die der Mehrheit zugute kommen„. Später im Text wird das Ganze allerdings wieder infrage gestellt (… der böse Jupiter!) und sie faselt irgendetwas von Polizeistaaten und Diktaturen.

Immerhin liefert sie am Ende doch noch so etwas wie eine Prognose, herbeifantasiert aus der üblichen Katastrophengrabbelkiste:

Das letzte Vierteljahr könnte von einer Welle an Epidemien und verschiedenen Umweltverschmutzungen bestimmt sein, aber auch von anarchistischen Ausschreitungen, deren Nachwirkungen bis zum Sommer 2014 reichen werden.

Insgesamt ist das Ganze schlicht und einfach Bullshit. Das gilt natürlich nicht nur für diesen Text über 2013, auch der Rest dieses Buches (2012-2016 Weltkrise und Neubeginn, ISBN 978-3-86882-250-2) ist mehr als lächerlich. Astroblabla, allgemeine Nonsenstexte, konjunktivlastige Pseudoprognosen und die immer wieder eingeworfenen Selbstbeweihräucherungen (auch ihre 2011-er Fehlprognose zu Dominique Strauss-Kahn versucht sie schön zu reden – ja sie hätte ihm sogar trotzdem die Präsidentschaft zugetraut …) machen das Lesen dieser 400 Seiten (davon über 200 Seiten für die Horoskope der einzelnen Sternzeichen) zu einer Dauerübung im Kopfschütteln. Will die Frau angesichts solcher Texte wirklich ernst genommen werden?

(Das war Nr. 26 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013)





Noch mehr Labertaschenprognosen für 2013 …

3 01 2013

Auch in der BILD am Sonntag durften ein paar Astrologen über das Jahr 2013 schwadronieren. Bei diesem „Astrologengipfel“ fanden sich ein paar alte Bekannte aus dem Astrowochengeblubber wieder: Erich Bauer, Michael Allgeier und Antonia Langsdorf. Dazu mit Sabine Woelky noch eine Astrologin, die sich nahtlos in die Riege dieser Nichts-aus-den-Sternen-lesen-Könner einreiht. Beispiele gefällig? Bitteschön! Eine wunderbare Sequenz (mit meinen Kommentaren in rot)

BILD am SONNTAG: Der Mond steht vor allem für Gefühle. Erwartet uns ein harmonisches Jahr?

ERICH BAUER: Es wird auf jeden Fall ein wechselhaftes Jahr, manches unterliegt starkem Wandel, sowohl politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich gesehen, aber auch bezogen auf die individuelle Entwicklungen der Menschen. Meine Antwort lautet also: Eher nein . . . (Blablabla)

CHRISTIANE WOELKY: . . . weil der Mond auch launisch ist. Mal voll, mal halb, mal gar nicht zu sehen. Wichtigster Rat: Nicht starr an alte Gewohnheiten klammern, sondern loslassen lernen. (Äh ja, das mit dem Wechseln zwischen voll, halb und gar nicht zu sehen macht der Mond doch jedes Jahr, was soll also dieser Satz????)

ANTONIA LANGSDORF: Es gilt, 2013 das Glück zu entdecken, das jenseits von Geld, Karriere und Konsum liegt. (Na herrlich! Und welches Glück ist das ihrer Meinung nach, Frau Langsdorf???)

Aber es geht ja noch weiter, und immer im gleichen Stil.

BamS: Findet die Euro-Krise zu einem guten Ende?

MICHAEL ALLGEIER: Pluto steht 2013 und 2014 auf der Sonne des Euro: Pluto bedeutet Transformation und Tod, die Sonne steht für das Leben. Die schwerste Krise steht noch bevor, ob unsere Währung diese zwei Jahre überlebt, ist fraglich. (… und was hat Herr Allgeier jetzt aus den Sternmen gelesen? Überlebt der Euro jetzt? Oder doch nicht?)

CHRISTIANE WOELKY: Es kann gut sein, dass Griechenland die Euro-Zone noch verlässt. (Auch hier: Bitte eine Prognose Frau Woelky, ein Ja oder ein Nein!!!!!)

ANTONIA LANGSDORF: Wenn wir bis 2014 durchhalten, haben wir die Krise überwunden. (… das hat Frau Langsdorf schon mal angemerkt …)

Bei der Frage nach der Bundestagswahl finden sich immerhin drei Prognöslein, wobei die beiden Damen auf eine Große Koalition setzen::

BamS: Wer gewinnt die Bundestagswahl 2013, Angela Merkel oder Peer Steinbrück?

ANTONIA LANGSDORF: Merkel ist Krebs, Steinbrück ist Steinbock. Zusammen funktionieren die beiden Sternzeichen wie ein Traumpaar. Ich glaube, es kommt zu einer Großen Koalition. (Oha! Frau Langsdorf glaubt! Und was sagen die Sterne?)

CHRISTIANE WOELKY: Beide haben zur Bundestagswahl gute Sterne, aber Angela Merkels stehen noch ein bisschen besser. Demnach schafft sie es, oder bleibt bei einer Großen Koalition zumindest Kanzlerin. (Merkel bleibt uns also erhalten)

MICHAEL ALLGEIER: Am Wahltag haben wir den Mond im Stier, das steht für die Erhaltung des Status quo. (Das heißt wohl, dass auch die bisherige Koalition gemäß Herrn Allgeier weiter regieren wird – oder habe ich das falsch verstanden?)

Ansonsten gibt es noch ein wenig Promiblabla (wobei sich bei der Frage nach einer Schwangerschaft im monegassischen Fürstenhaus Woelky und Bauer nicht einig sind, während Langsdorf und Allgeier der Schwedenprinzessin Madeleine von der geplanten Hochzeit abraten) und das wars dann.

Sandra Schiffer nennt sich „Dozentin“, ist aber eigentlich – so sagt sie selbst – „Berufshexe“. Für ihre Heimatstadt Duisburg sagt sie voraus:

„Im neuen Jahr“, so prophezeit das Medium vom Dellviertel, „wird es eine große Hilfe von Außen für diese Stadt geben, eine finanzielle Wohltat, die uns alle weiterbringt.“ Die Karte „Rad des Schicksals“ zusammen mit der Karte „Harmonie“ sagen ihr das ganz genau. Dann muss es ja stimmen. Das Universum, so sagt sie, hält für diese Stadt eine großen Geldsack bereit. Wunderbar!

Sie weiß aber auch, was mit diesem „Geldsack“ nicht gebaut wird:

A propos Geldsack: Könnte der dann nicht auch beim furchtbaren Murkel-Bau „Mercatorhalle“ hilfreich sein? Wann erklingt hier wieder Musik der Philharmoniker? Oh, der Blick der Kartenleserin, er verfinstert sich, sie starrt auf einzelne Karten mit den symbolträchtigen Namen „Fünf der Kelche“ und „Münzritter“, die sie so eben auf den Glastisch geblättert hat und sie orakelt: „Hier kann eigentlich nur noch ein Wunder helfen, dass im Jahr danach wieder die Musik erklingt.“ Au weh, selbst der verschobene Neueröffnungstermin vom Sommer 2014 steht also auf wackligen Füßen, um den Pfusch am Bau in der Mercatorhalle komplett zu beseitigen? „Es fehlt das Geld, ein Münzritter, ein großzügiger Sponsor muss sich finden.“

Die Lübecker Nachrichten hatten nicht nur Martina Kaczmarek ins Rennen geschickt, mit Angelika Lindenau-Hoos darf auch im Lokalteil der Stadt Lübeck eine Wahrsagerin die Zukunft erpendeln:

Auch für die Zukunft Lübecks hat die Wahrsagerin nun das Pendel geschwungen. Zwar bestehe zwischen Elementen wie Wirtschaft, Kultur oder Wissenschaft viel Konfliktpotenzial im kommenden Jahr, es gebe aber auch viel Hoffnung für die Stadt. So sehe sie etwa in 2013 einen großen asiatischen Investor in der Hansestadt investieren. „Das bringt Lübeck wieder weiter voran“, sagt sie. Und ohnehin würde das viele Wasser, das Lübeck umgibt, positive Energien in die Stadt leiten — auch wenn im Mondjahr 2013 mit viel Hochwasser zu rechnen sei.

Ein asiatischer Investor also in Lübeck und Duisburg erhält unverhofft Geld – wer’s glauben will …

(Aktueller Zwischenstand: 25 Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013)





Labertaschenparade 2013: Ganz viel Nichtssagendes aus ganz Deutschland

31 12 2012

In verschiedenen Zeitungen ist es seit Jahren üblich, zum Jahresende zur lokalen (vermeintlichen) „Wahrsagergröße“ (ein Widerspruch in sich) zu gehen und nach dem neuen Jahr zu fragen. Hier eine kleine Auswahl aus den verschiedensten Zeitungen.

Beginnen wir im hohen Norden, bei den Lübecker Nachrichten. Dort darf eine alte Bekannte die Zukunft auspendeln: Martina Kaczmarek! Sie sagt einen trockenen Sommer voraus, und der bringe „nicht nur einige kleinere Brände, sondern auch Ungeziefer.“ Und sonst? Es soll für die Bienen und die Obstbauern ein gutes Jahr werden, Anfang des Jahres droht Dauerfrost (Wow, wie überrachend!) und ansonsten wird die CDU die Kommunalwahlen gewinnen, aber auch die Piraten würden den Kreistag entern. Beim Blick auf ganz Deutschland bleibt Frau Kaczmarek auch vage:

„Die Kriege im Nahen Osten werden bleiben“, sagt Martina Kaczmarek. Die Welt werde nicht klüger. Anderswo schmelzen die Eisberge und werfen große Klumpen ab.

Und auch zur Bundestagswahl äußert sie sich noch:

Bei der Bundestagswahl verlieren die Großen weitere Anteile. „Ich sehe jemanden dazukommen, aber niemanden herausgehen.“

Dazu wird dann noch ausgiebig ihr vermeintlicher Treffer bei der Suche nach einem vermissten Bergsteiger erzählt – allerdings in der Heldenversion der Frau K.. Allzu viel hat sie ja nicht erpendelt …

Der Westen und die Welt bedienen sich einer dapd-Meldung, die die Prognosen eines „Orakel von Delitzsch“ mit Teilen meiner aktuellen Prognoserückschau mixt. Autorin der Prognosen ist Birgit Vildebrand – eine Kartenlegerin. Sensationelles hat sie allerdings auch nicht zu bieten:

„Steinbrück wird Vize-Kanzler“, sagt die 52-Jährige plötzlich. „Ich hab’s in den Karten gesehen.“

Aha, es soll also eine große Koalition geben … … und dazu noch zwei absolut unprüfbare Sätze:

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kümmere sich lieber um sein Privatleben als um die Euro-Krise. Und der gebürtige Görlitzer Ex-Kicker Michael Ballack leide angeblich an Selbstzweifeln, da er sein Karriereende nur schwer verkrafte.

Also auch hier wieder wunderbares Blabla …

Beim Berliner Tagesspiegel dürfen gleich drei selbst ernannte Zukunftskenner ans Werk. Malkiel Rouven Dietrich ist einer von ihnen, noch so ein alter Bekannter. Und was weiß er über Berlin:

„Große Vielfältigkeit, aber auch ein Skandal-Horoskop – Berlin ist herb und hat wenig Stil.“

Äh, naja – und was bedeutet das jetzt? Nun aber mal ein wenig mehr Details:

BER könne man vergessen, sagt Dietrich, er sehe eine Fertigstellung in der zweiten Jahreshälfte 2014. Der Spatenstich zum Bau, es war der 5. September 2006, sei „astrologisch ein Fass ohne Boden“ gewesen. Ein „Fluchhafen“ wird da gebaut. Auch die Planeten des Regierenden Bürgermeisters hat Dietrich mit seinem Rechner im Blick: „Ab Juli 2013 lastet eine gravierende Jupiterspannung auf seiner Sonne“. Soll heißen: Wowereit müsse mit Unbeliebtheit kämpfen und den BER durchboxen. Er bleibe aber im Amt.

Sensationell! Jetzt, wo der Termin zur Eröffnung des neuen Flughafens seit Monaten gefährdet scheint sieht auch Dietrich dort Probleme. Aber immerhin: Mit der zweiten Jahreshälfte 2014 wagt er sogar so etwas wie ein Prognose.

Seine Kollegin Nanny Tober widerspricht ihm ein wenig bei astrologischen Feinheiten, und bezeichnet irrwitzigerweise den Flughafen für 2014 (!!!) als „Unglückskind“. Und was bedeutet das jetzt?

Etwas konkreter ist da Kerstin Rossbander. Sie geht davon aus, dass der Flughafen im nächsten Jahr eröffnet wird:

„Rund um den Flughafen wird es 2013 noch viel Ärger geben – aber er wird im Herbst eröffnet. Ich spüre, dass Köpfe rollen werden.“

Beim Wetter ist sie weniger optimistisch:

„Der Januar wird sehr kalt, danach suppt es aus, dunkel und nass. Auch wenn die Techniker bei der S-Bahn mit großen Vorhaben herangehen, werden sie es nicht schaffen, Ausfälle zu verhindern.“

Bleiben die Voraussagen zur Hertha und ihren Chancen auf den Wiederaufstieg in die Bundesliga:

Was den Aufstieg der Hertha in die erste Liga angeht, so sind die Seher uneinig. Keinen Aufstieg sieht Rossbander. Die Spieler seien zu eitel – „ihr Zusammenhalt wirkt auf mich hoppelig, beinahe verkrampft“. Astrologe Dietrich hingegen sieht einen Erfolg vorher: „Die Hertha schafft’s! Und bleibt auf Erfolgskurs.“ Allein Tober möchte sich nicht ganz festlegen: „Ich sehe, dass sie knapp den Aufstieg schaffen. Es ist etwas dunkel, aber am Ende könnte ein Tor entscheiden.“

Genau! Ein Tor wird entscheiden – es geht ja auch schließlich um Fußball …

Das Mindener Tagblatt bietet mit der Kartenlegerin Silvie Kollin eine bekannte Kartenlegerin auf, die im Sommer mit Frau Maischberger plaudern durfte. Eigentlich ärgert mich dieses Interview – hatten die Leute vom Mindener Tagblatt doch zur EM den ganzen Orakeltierwahn mit ihrem „Blechnager“ wunderbar karikiert. Aber Frau Kollin sagt sowieso nichts – aber auch wirklich gar nichts. Sie traut dem SPD-Kandidaten den Wahlsieg in NIedersachsen zu … … und prophezeit für Doris Schröder-Köpf: „Das wird ihr Jahr.

In der Augsburger Allgemeinen durfte – wieder einmal – Ramona Kreis etwas zum folgenden Jahr sagen. Das Geschlecht des Kindes von William und Kate sagt sie natürlich nicht voraus – ihre Ausrede, dass dies Unglück bringen würde, ist allerdings überraschend. Weiter haben ihr die Sterne geflüstert, dass

  • Prinz Harry sich noch nicht für eine Frau entscheiden kann
  • das ZDF „Wetten dass“ nicht absetzen wird
  • Markus Lanz weiter „Wetten dass“ moderiert
  • der FC Augsburg nicht Meister wird (!!!!!!!!!)
  • Angela Merkel in jedem Fall Kanzlerin bleiben wird
  • die CSU die Bayernwahl gewinnt, aber nicht die absolute Mehrheit erreicht.

Den Fans des FC Bayern München empfiehlt sie übrigens Beten:

Ich habe die Bärenkarte gezogen. Das ist eine kraftvolle Karte, die zeigt, dass es die Bayern durch ihr Können und ihren Ehrgeiz schaffen können. Leider habe ich keine Glückskarte gezogen. Und genau das – Glück – wird entscheidend sein. Die Fans des FC Bayern müssen zur Göttin Fortuna beten.

Immerhin – Frau Kreis ist von den hier zitierten die Mutigste …

Aktuelles Fazit für 2013: Neben den sieben weitgehenden Prognoseverweigerern hier waren es bisher acht + fünf + eins + eins, also insgesamt 22 Astrologen, Pendler, Hellseher … … aber es kommen garantiert noch ein paar mehr.





Börsenkatastrophe 2013? Ein Astrologe will es schon wissen!

26 12 2012

In der schweizer Zeitung Blick (der Focus hat die Meldung übernommen) durfte kurz vor Weihnachten ein Astrologe einen Blick auf das nächste Börsenjahr werfen – und was sagt er voraus:

„Für 2013 sehe ich schwarz.“

Uiuiuiui – das ist ja ganz etwas Besonderes. Ein Astrologe sieht schwarz! Das hatte er übrigens schon häufiger gemacht, denn

Der 38-Jährige erwartete für 2008 und 2010 eine grosse Depression wie 1931 in seiner Heimat Österreich. Und bekam recht.

Tatsächlich? Gab es wirklich 2008 und 2010 eine große Depression in Österreich? Schauen wir ‚mal ins Anleger-Lexikon und suchen den Begriff „Depression“:

Ein nachhaltig konjunktureller Niedergang der Wirtschaft wird als Depression bezeichnet. Ein solcher Niedergang äußert sich in einem erheblichen Rückgang des Sozialprodukts, hoher Arbeitslosigkeit und Deflation. Die letzte Depression fand in den 30er Jahren statt.

Schauen wir doch einfach ‚mal die Daten an:

  • Das Bruttosozialprodukt stieg in Österreich in 2008, fiel in 2009 und stieg in 2010 erneut.
  • Die Arbeitslosenquote lag in Österreich 2008 bei 5,9%, stieg 2009 auf 7,2% und fiel 2010 auf 6,9%.
  • Und eine Deflation gab es auch nicht – wenn man sich den Verbraucherpreisindex (diesen oder diesen) anschaut, dann sank dieser zwischendurch in einzelnen Monaten (2008, 2009, 2010 und 2011) gegenüber dem Vorjahr, stieg aber im Jahresdurchschnitt immer an.

OK, warum bei einer Zeitung solche Daten nicht sofort überprüft werden, und stattdessen lieber den Selbstbeweihräucherungen des Astrologen geglaubt wird, das verstehe ich wirklich nicht.

Immerhin kennt der Herr Astrologe die Schuldigen an der Krise, es sind Saturn und Neptun:

Zu mehreren Dutzend Indikatoren, denen er folgt, gehört die Himmelsstellung von Saturn und Neptun. Die sogenannte Trigon-Konstellation der Planeten deute das Platzen einer Finanzblase an. Sie trete im kommenden Juni/ Juli auf.

… und die waren auch am Platzen der Immobilienblase 2007 schuld …

Letztmals lagen die beiden Planeten im Februar und Juni 2007 in jenem Winkel. Prompt platzte die Immobilienblase. Die Aktienmärkte erreichten ihr Allzeithoch. Zimmel empfiehlt Investoren in der jetzigen Phase, am besten alles zu meiden: Staatsanleihen sowieso, aber auch Gold und den Schweizer Franken.

Ach ja, und was erwartet der Sterndeuter konkret:

Die anstehende wirtschaftliche Depression werde grösser sein als in den 1930er-Jahren, weil die heutige Verschuldung höher sei als damals.  Trotz düsterer Aussichten ist Zimmel überzeugt, dass geschickte Anleger gut verdienen können.

Größer als in den 30er Jahren? Glaubt der Mann tatsächlich dass zum Beispiel die Industrieproduktion in den USA um knapp die Hälfte und in Deutschland um 40% fallen wird, wie zum Höhepunkt der damaligen Krise?





Die acht Astrologen von der Astrowoche (Labertaschen reloaded)

22 12 2012

Schon für die Prognosen für 2012 hatte ich einen ausführlichen Artikel aus der Astrowoche berücksichtigt, und wie nicht anders zu erwarten liefert diese Postille auch für 2013 Material für meine Sammlung. Der FrageWie wird das neue Jahr?“ stellten sich

  • Erich Bauer:  nicht nur Astrologe sondern auch Diplompsychologe – da muss an irgendeiner Uni damals etwas schief gelaufen sein …
  • Kurt Allgeier: wird als „Nostradamus-Experte“ angekündigt – ich kannte ihn bisher nur als Katastrophenastrologe
  • Christine Schoppa: soll als Astrologin den Schwerpunkt „Gesundheit“ haben – meines Erachtens eine fast schon gemeingefährliche Kombination
  • Michael Allgeier: leitet das Astrokolleg seines Vaters und von Winfried Noe – ist ansonsten in der Vergangenheit weitgehend durch schwammiges Blabla aufgefallen
  • Ruth Siegenthaler: hat einen Schwerpunkt namens „visuelle Astrologie“ – was immer das sein mag
  • Christopher Weidner: „nur“ exam. Astrologe – sonst nichts
  • Antonia Langsdorf: TV-Astrologin – und ehemalige Dschungelcampbewohnerin
  • Gebriele Sperzel: Astrologin und Autorin – Aha, wird bestimmt ein Astrologiebuch geschrieben haben …

Und warum?

Die Astrowoche hat sie zusammengerufen, um eine Prognose gebeten: Was 2013 aus unserer Welt, aus unserem Geld, aus unseren alten Menschen, aus uns selbst wird. Droht ein Krieg, ist unsere Erde in Gefahr? Unser Astrogipfel gibt Prognosen für 2013 ab.

Mal sehen was da so alles kommt. Prognosen? Echt? Bei dem Labertaschensamelsurium würden mich echte Prognosen wirklich überraschen. Fangen wir mit der ersten von sechs vermeintlichen Prognoseseiten an. Um was es geht zeigt schon die Zusammenfassung:

Der große Umbruch, einschneidender Wandel der Machtpositionen, sogar Aufstand und Rebellion – unsere Welt und besonders Europa wird sich 2013 entscheidend verändern. Darüber ist sich die Mehrheit der acht Astrologen einig.

Aha, entscheidend verändern. Und wie? Erich Bauer liefert da keine Prognose sondern bestenfalls fromme Wünsche. Kurt Allgeier hat sogar die ganz rosarote Brille auf …

„2013 ist nicht zuletzt deshalb so günstig, weil sich der Glücksplanet Jupiter in der ersten Jahreshälfte in den Zwillingen aufhält und in der zweiten im Krebs. Es werden damit so gut wie alle Sternzeichen ihre Glücksphase bekommen. Die ersten vier Monate werden recht gut werden und keine größeren Probleme aufwerfen. Juli und August werden wohl die besten Monate in diesem Jahr werden.“

… und sagt gar nichts. Christine Schoppa labert allgemein von technischem Fortschritt und fordert eine Zuwendung zum Spirituellen. Dagegen wird Michael Allgeier schon etwas konkreter:

„Das demokratische Griechenland ist aus Sicht der Sterne sogar erst am Anfang einer furchtbaren Krise. 2013, 2014, 2015 steht Pluto in Spannung zum Krebs-Aszendent und zum Saturn von Griechenland, die zusätzlich von Uranus befeuert werden. Das bedeutet: absoluter Staatsbankrott. Nichts geht mehr. Die Bündnispartner sind innerlich schon längst abgefallen. Die einzige Chance Griechenlands ist der radikale Neuanfang.“

Na ja, aber eine Prognose für 2013, die vielleicht erst 2014 oder 2015 eintritt ist auch nicht so toll. Ruth Siegenthaler weiß gar nichts:

„Es werden Veränderungen stattfinden, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Wir müssen mit einer Verschlimmerung der Zustände rechnen, bevor sich die Dinge zum Besseren wenden können.“

Ah ja, und was bedeutet das jetzt genau? Blablabla – sonst nichts! Und auch Christopher Weidner faselt nur Schwammiges während Antonia Langsdorf ein Auseinanderbrechen der Eurozone befürchtet, allerdings nur bis 2014, wenns bis dann nicht passiert dann eben nicht. Und Gabriele Sperzel spielt die Aufstandskarte:

„Die astrologische Konstellation von Uranus im Quadrat zu Pluto konfrontiert uns auch im Jahr 2013 (und weit darüber hinaus) mit mächtigen Energien von Umsturz und Veränderung. Die Richtung für Deutschland und Europa geht schon klar erkennbar zu notwendigen Umstrukturierungen in eine sozialere Wirtschaftsordnung. Der Unmut der Bevölkerung wird sich immer häufiger in Demonstrationen (leider auch gewalttätigen) Luft machen.

Beim Thema Geld auf der zweiten Prognosenseite finden sich nichts außer Blabllabla, so dass man diese Seite getrost ignorieren kann. Auch auf der dritten Prognoseseite zum Thema Renten gibt es nur allgemeines Geblubber. Auf der nächsten Prognoseseite geht es dann aber richtig rund, denn es geht um Katastrophen. Schon die Zusammenfassung würde frösteln lassen, wenn solche allgemeine Katastrophenprognosen nicht der Normalfall bei den astrologischen Propheten wäre: „Die Astrologen vom Astrogipfel sehen große Umweltkatastrophen auf uns zukommen: Erdbeben, Überschwemmungen, Tsunamis.“ Wird’s wenigstens ein wenig konkreter? Nicht bei Christopher Weidner, der Prognosen solcher Art sowieso als gewagt empfindet und sich klugerweise völlig zurückhält. Auch Ruth Siegenthaler sagt eigentlich nichts, außer dass mit mehr Naturkatastrophen zu rechnen ist. Aber mit welchen? Und wann und wo? Vielleicht gibts Näheres bei Michael Allgeier? Nein, gibts nicht:

„Insgesamt bleibt die Gefahr von Erdbeben, Tsunamis, Erdrutschen, Wirbelstürmen groß. Diese Umweltkatastrophen werden das gesamte Wassermann-Zeitalter und insbesondere diese Jahre, in denen Uranus, der Herr der neuen Ära, angegriffen ist, begleiten. 2013 scheint mir jedoch Saturn im Skorpion noch bedrohlicher. Er legt die Finger in die Wunden unserer Zeit und hat als Krisenplanet seit jeher einen sehr zweifelhaften Ruf. Einstmals tauchte er im Zusammenhang mit der Pest auf und auch heute kann er der Vorbote von Epidemien und Seuchen sein. Gesund leben ist also ein Muss 2013.

Und sein Vater wird auch nicht konkreter:

Wir werden sie ganz allgemein im Mai und Juni, im Oktober und November wieder zu spüren bekommen und müssen deshalb auch in diesem Jahr auf heftige Naturkatastrophen gefasst sein.

Da will auch Christine Schoppa nichts Konkretes liefern …

„Terroranschläge, Katastrophen, schlimme Unwetter und Epidemien – immer wieder ereilten uns in der Vergangenheit solche Hiobsbotschaften. Und es wird leider weiter so bleiben, die Erde beruhigt sich nicht, mit Uranus und Pluto muss nach wie vor mit großen Wetter- und Umweltkatastrophen (Stürmen, Überschwemmungen, Tsunamis) gerechnet werden.

… und garniert das mit diffusen Ängsten, unter anderem vor Energiesparlampen:

Aber am schlimmsten sehe ich die Gefahr von den schleichenden Giften in unserem Umfeld. Wie zum Beispiel die neuen Energielampen, die man im Sondermüll entsorgen muss, da sie Quecksilber enthalten. Bricht so eine Lampe, muss man mit schweren gesundheitlichen Schäden rechnen. Viele wissen gar nicht von der Gefahr. Und so ist es mit vielen Produkten, die in Umlauf geraten.

Antonia Langsdorf beherrscht das große Blablaba auch:

„Die größte Problematik sehe ich im Bereich von Trinkwasser, Chemikalien und schleichenden Vergiftungen. Ich befürchte selbst gemachte Katastrophen durch Pestizide und Medikamentenrückstände, die ins Trinkwasser gelangen, oder eine neue Ölpest durch ein Schiffsunglück.“

Und Erich Bauer? Hat der wenigstens eine Prognose? Nein:

Die Erderwärmung zeitigt immer schlimmere Folgen, wie uns zuletzt der Hurrikan Sandy überdeutlich vor Augen geführt hat. Und an verschiedenen Orten der Erde drohen kriegerische Auseinandersetzungen wie zwischen Israel und Iran, China und Japan, Indien und Pakistan, ganz zu schweigen davon, dass es anscheinend unmöglich ist, den Terrorismus aus der Welt zu verbannen.

Auf der nächsten Seite wird es optimistisch – aber inhaltlich bleibt das Ganze dünner als dünn. Auf der letzten Seite geht es dann um Kriege, und da verknotet sich die Logik in Antonia Langsdorfs Hirn schon sehr speziell:

Es wird also weniger Kriege eher soziale Unruhen zwischen politischen Gruppen geben. Das kann durchaus Kriege auslösen.

Ja was denn nun? Mehr oder weniger Kriege? Ansonsten wird auf die bekannten Krisenherde hingewiesen, und das wars.

Insgesamt sind das sieben Seiten (die Einführung und sechs Prognoseseiten), auf denen man irgendetwas Konkretes schlicht und einfach nicht finden kann. Inhaltsleeres Gelaber, allgemeine Vermutungen für die man durch die Lektüre der täglichen lokalen Tageszeitung schon überqualifiziert scheint – bisweilen garniert mit astrologischem Quatsch. Und das soll die eingangs gestellte Frage nach 2013 beantworten? Wie stand es auf der ersten Seite dieses Labertextes:

Verblüffend, aber auch beunruhigend, wie wenig Gegensätze zwischen den einzelnen Prognosen für 2013 auftauchten. Wir können uns also unsere Lieblingsantwort, die uns beschwichtigt, kaum aussuchen. Wir müssen uns damit abfinden: Es wird so kommen. Und Ende.

Klar, wenn keine Prognosen zu finden sind, gibt es auch keine Gegensätze – und wir müssen uns damit abfinden, dass es eh so kommt wie es kommt … … und damit, dass diese acht Astrologen offensichtlich Nichts, aber auch wirklich gar Nichts, über die Zukunft aus den Sternen lesen können.

Mit den fünfen aus dem ersten 2013-Post sind es jetzt 13 Wahrsager/Astrologen/Hellseher für die nächste Rückschau.





Der Vesuv brach nicht aus und den Euro gibt es noch (mit Quellen und Outtakes)

13 12 2012

Jetzt ist er wieder online, der alljährliche Prognosenrückblick der GWUP, und wie seit einigen Jahren gewohnt gibt es hier die Quellenhinweise und ein paar Outtakes.

Die Überschrift war nicht erste Wahl, aber meinen Favoriten „Die UFOs kamen nicht zu Olympia“ konnte ich leider nicht verwenden, da ich ihn nicht mehr mit dem damals verfügbaren Youtube-Video  belegen kann. Schade eigentlich, denn die UFOs sollten zunächst zur Olympiade, später dann zu den Paralympics erscheinen. Dann mussten eben zwei andere Prognosen in die Überschrift. Der erste Abschnitt ist wie gewohnt recht allgemein gehalten:

 Der Euro abgeschafft, der Vesuv ausgebrochen, die Olympischen Spiele in London von Terroranschlägen überschattet – die Jahresrückblicke 2012 würden anders ausfallen, wenn die Prognosen von Astrologen, Hellsehern und Wahrsagern tatsächlich eingetroffen wären. Aber auch in diesem Jahr versagten die selbst ernannten Propheten auf ganzer Linie, wie die alljährliche Auswertung solcher Prognosen durch die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)“ zeigt.

 Die Quellen zu Vesuv und Euro folgen gleich, die Quelle zu zumindest einem Attentat während der Olympischen Spiele in London ist noch online verfügbar, trägt aber jetzt den Titel „Sorry for this video: I don’t know the date… (don’t watch this video anymore)“.

 Für die absurdesten Prognosen des Jahres 2012 sorgte wieder einmal das kanadische Medium Nikki Pezaro: Vögel, die am Jahresende Menschen angreifen sollten, auftauchende Tiefseemonster, der Fund des heiligen Grals – auch 2012 schienen einige ihrer über 200 Prognosen eher aus einem Hollywooddrehbuch stammen. Immerhin stand sie mit ihrer Prognose, dass der Vesuv ausbrechen würde, nicht ganz alleine: Auch ihr Kollege Blair Robertson wagte eine ähnliche Voraussage. Noch schlimmer sollte es bei Kurt Allgeier kommen, denn er erwartete Ende Juni und Mitte Juli Naturkatastrophen, „die wohl sogar noch heftiger sein werden, als wir sie zuletzt erlebt haben“. Seine Kollegin Susanne Eder hatte ebenfalls für Mitte Juli „Bombenattentate, Terroranschläge, Flugzeugunfälle und andere Katastrophen“ im Angebot. Für den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit Jahren diese Prophezeiungen sammelt und auswertet, sind solche Schwarzsehereien nicht überraschend: „Traditionell werden für die Zukunft immer Katastrophen aller Art vorausgesagt, die in den letzten Jahren um dramatische Schilderungen der Folgen wirtschaftlicher Krisen ergänzt wurden.“ So prophezeite die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller für 2012 das Ende von EU und Euro, Christiane Durer sah eine Währungsreform, den „kompletten Zusammenbruch des derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsystems“ sowie das Zerbrechen der Euro-Zone voraus und Thomas Ritter las in altindischen Palmblätter von Aufständen und Plünderungen in verschiedenen europäischen Hauptstädten, denen in Rom schließlich auch der Papst zum Opfer fallen sollte.

Die Links zu Nikki Pezaro und Blair Robertson hatte ich schon hiergepostet. Das ins weiße Haus stürzende Flugzeug habe ich aber ebenso draußen gelassen wie Blair Robertsons Prognose der Abwahl Obamas. Interessant ist hier nur, dass Robertson bei seiner Prognose blieb, auch als die Meinungsumfragen kurz vor der Wahl Obama dann doch eine Favoritenrolle zugestanden. Christiane Durer und Rosalinde Halle hatte ich auch bereits hier gewürdigt, die kurz- und schmerzlose Europrognose von Frau Haller lautete: 2012 Ende Euro/EU. Thomas Ritters Unsinn ist noch immer hier zu finden (… und in meinem Lieblingswebarchiv, allerdings ohne Sonderzeichen). Ritter dürfte im Moment übrigens unterwegs sein, denn er wollte ja eigentlich am 12.12.2012 an einem „Zeitreiseexperiment“ in Australien teilnehmen und nachher mit seinem Kristallschädel zu den Mayas fahren. Dummerweise ist ihm das gute Stück aber vor einigen Monaten zu Boden gefallen und hat heftig gelitten

Angesichts der vielen Katastrophenprognosen kann man sich fragen, ob es wirklich noch eines Weltuntergangs bedarf, den manche auf den 21. Dezember dieses Jahres berechnet haben wollen. Über das, was zu diesem vermeintlichen Ende des Maya-Kalenders passieren soll, herrscht allerdings keinerlei Einigkeit. Einmal soll ein Planet sich der Erde nähern oder gar mit ihr kollidieren, ein anderes Mal soll die Erde von einem ominösen „Synchronisationsstrahl“ getroffen werden, wieder andere erwarten eine Umpolung des Erdmagnetfelds (Polsprung) – jeweils mit dramatischen und katastrophalen Folgen. „Die zu diesem Termin seit Jahren kursierenden Mutmaßungen sind allesamt hanebüchener Unsinn,“ so Kunkel, der sich darüber ärgert, dass mit solchen Voraussagen bei Leichtgläubigen und insbesondere auch bei Jugendlichen Angst verbreitet wird. „Rudimentäre Kenntnisse der Astronomie reichen, um viele der für dieses Datum behaupteten Besonderheiten zu widerlegen.“

Klar, hier muss als Quelle Florians Blog her. Vielen Dank für seine nimmermüde Aufklärungsarbeit! Auch die GWUP hat seit einigen Tagen eine Sonderseite zum Thema eingerichtet, auf der man auch eigene Weltuntergangspartys registrieren kann. Diese Weltuntergangsprognose aus Australien habe ich für die Pressemeldung unterschlagen.

Die Fußball-EM stand erstaunlich selten im Fokus der Wahrsager und Hellseher hierzulande. Frau Hallers Prognose eines Ausscheidens der deutschen Mannschaft in der Vorrunde war zwar daneben, aber immerhin lag sie bei den restlichen Viertelfinalisten richtig. Ein Erfolg der Hellseherin? Kunkel relativiert: „Wer nach einer langen Liste von Fehlprognosen einmal halbwegs richtig liegt, kann nicht von sich behaupten, in die Zukunft sehen zu können“. Die meisten Sterndeuter hielten sich aber von prüfbaren Prognosen zur EM völlig fern, prognostizierten bestenfalls Ungefähres von Spiel zu Spiel oder ließen sich zu der (falschen) Aussage hinreißen, dass der Sieger des zweiten Halbfinalspiels auch Europameister werden würde. Statt Astrologen und Hellsehern wurden lieber Tiere nach dem Ausgang der Spiele der deutschen Nationalelf gefragt, und allein wegen der Menge an Orakeltieren hätte man mit einem tierischen Superorakel à la Krake Paul rechnen können. Affen, Schnecken, Hamster, Hunde, Katzen, Schweine, Elefanten, Tiger, Schildkröten – die Liste der von Zeitungen, Radiosendern, Firmen oder Privatpersonen (meist via Youtube) ins Rennen geschickten Tiere war lang, und mit der im Vorjahr durch ihre monatelange Flucht vor dem Schlachter bekannt gewordenen Kuh Yvonne war sogar tierische Prominenz am Start. Nach dem Halbfinale gab es allerdings kein einziges Tier mehr, das bei allen Spielen richtig gelegen hatte …

Die astrologische Prognose wegen des Siegers des zweiten Halbfinalspiels findet sich hier, und ich hatte noch ein paar andere Astrologen erwähnt, auch Rosalinde Hallers Prognose. Zu den Tieren hatte ich wochenlang im Blog die jeweils aktuellen Entwicklungen beschrieben – nachzulesen über diesen Link.

Immerhin gibt es auch einen Treffer zu verzeichnen. Seit der Hochzeit von Prinz William mit Kate Middleton wird in der Regenbogenpresse über eine baldige Schwangerschaft im britischen Königshaus spekuliert, und vor wenigen Tagen meldeten die Agenturen, dass Kate tatsächlich schwanger ist. Dies hatten unter anderem Blair Robertson und Nikki Pezaro für 2012 sowie Nikki Pezaro und die Kartenlegerin Casia Cheyenne bereits für 2011 vorausgesagt, aber hätte es zu dieser Prognose wirklich eines Hellsehers oder Astrologen bedurft? Bis zur Niederkunft kann nun noch über das Geschlecht des Kindes spekuliert werden – hier gíbt es immerhin eine Erfolgschance von 50%. Unklar ist noch, ob sich Rosalinde Haller hier wieder eine Voraussage zutraut, denn bei Victoria von Schweden lag sie mit ihrer Prognose „Es wird ein Bub“ daneben.

Frau Hallers Prognose zum falschen Geschlecht des Schwedenbabys hatte ich schon hier gewürdigt (der Link oben gilt auch hier). Die Frau hat ja auch noch eine richtige Prognose abgegeben, denn sie hat tasächlich den britischen Thronerben für 2013 vorausgesagt. Die anderen Prognosen sind in obigen Links zu finden, bzw. in den Prognosen zu den Vorjahren.

Ob sich die Astrologen, Hellseher und Wahrsager 2013 etwas mehr anstrengen? Einen Anreiz dafür hätten sie, denn mehrere europäische Skeptikerorganisationen bieten bis zum 30. September 2013 einen Preis in Höhe von einer Million Euro für denjenigen, der ein paranormales Phänomen wie Hellsehen unter kontrollierten, wissenschaftlichen Bedingungen belegen kann. Die bereits vorliegenden Prognosen haben laut Kunkel allerdings keine Chance: „Bisher gibt es für 2013 nur die üblichen, schwammigen Katastrophenprognosen – wenn da nicht mehr kommt, können zumindest die selbst ernannten Propheten die Million nicht gewinnen.“

Hier fehlt natürlich noch ein Link zur Euromillion, den die gibt es tatsächlich – allerdings nur bis Ende September 2013.

Leider habe ich eines nicht unterbringen können:

Meine Lieblingsweissagung für 2012 …

…  von meinem (charismatischen) Lieblings-Sektenführer und Autor des herrlichen Sheng-Fui-Buches, die er im Dezember 2011 auf facebook veröffentlichte:

Es ist zu erwarten, dass bei übermäßiger Anwendung der Udo-Jürgens-Regel in diesem Zusammenhang auf einigen Hüften mit katastrophalen Zunahmis zu rechnen ist. (Dank an Herrn D. für die Zunahmis!)

Diese Prognose kann man natürlich gerne ins nächste Jahr fortschreiben, denn das machen die selbst ernannten Propheten bei ihren Katastrophen ja auch …

Und wie immer die Bitte: Wer eine Prognose findet, egal wo, bitte kurze Nachricht an mich – ich sammele nämlich weiter (… wie man an meinem letzten Blogbeitrag ja auch sehen kann).





Das Jahr 2013 naht …

12 12 2012

… und damit auch die neue Prognosensammelrunde. Ja, ich weiß, in den letzten Wochen war hier im Blog fast gar nichts los (das hatte seine Gründe – so stand zum beispiel ein Umzug an …), aber das wird sich in den nächsten Tagen ändern. Bevor die Rückschau für 2012 veröffentlich wird kann ich schon die ersten Prognosen für 2013 präsentieren, denn einige „alte Bekannte“ haben sich bereits zum folgenden Jahr geäußert. Klar ist damit auch, dass der von einigen Verstörten angekündigte Weltuntergang wegen dem vermeintlichen Ende des Maya-Kalenders wohl ausfallen  muss, wenn die selbst ernannten Propheten schon für 2013 prognostizieren (wer’s genauer wissen wil, der lese die zig Artikel zum Thema bei Florian Freistetter!!!).

Natürlich geht von den ersten fünf Kandidaten für die Rückschau 2013 niemand auf die eigenen Fehlprognosen aus dem Vorjahr ein. Wie sagte doch Ignazio Silone so schön:

Der Ruhm vieler Propheten beruht auf dem schlechten Gedächtnis ihrer Zuhörer.

Wenn aber die Autoren solcher Prognosendem Gedächtnis ihrer Zuhörer nicht auf die Sprünge helfen wollen, dann mache ich das eben wieder.

So vermeidet Palmblattspezi Thomas Ritter in seiner Dreijahresvorschau jede Erwähnung des Papstes –  denn der hätte ja bereits 2012 von einem wütenden Plünderermob im Rahmen der für Italien prognostiezierten blutigen Aufstände getötet werden sollen. Aber auch so hat er wieder allerlei Schwachsinn im Köcher, zum Beispiel mit diesem Katastrophenrundumschlag:

Mutter Erde wehrt sich gegen ihren Missbrauch – Vulkanausbrüche, Erdbeben, aber auch Wirbelstürme, Starkregen, verbunden mit ausgedehnten Überschwemmungen und plötzlichen, intensiven Hitzwellen werden vermehrt auftreten, vor allem in Regionen, die bislang bereits von diesen Katastrophen betroffen waren. Besonders in der zweiten Hälfte des Monats März 2013 sowie zwischen der dritten Woche des Monats August und der ersten Woche des Monats September 2013 und dann noch einmal zwischen der dritten Dezemberwoche 2013 und der ersten Januarwoche 2014 ist mit Terroranschlägen, Störungen in der Energieversorgung und großen Risiken in der Finanzwelt zu rechnen.

Dazu kommt noch sein Lieblingsthema: die blutigen Aufstände allenthalben:

In den europäischen Metropolen wird es Aufstände geben, die sich zum großen Teil auch gegen dort ansässige Ausländer richten werden. Besonders blutige Kämpfe werden sich in Paris und Rom, aber auch in Madrid, London, Prag und Budapest abspielen.

Ansonsten ist der Mann dieses Mal erstaunlich optimitistisch und hat sogar positive Aussichten im Köcher:

Mit ehrlicher Arbeit ( in der sog. „Realwirtschaft“ – Anm. Thomas Ritter) wird sich wieder besseres Geld verdienen lassen, da diese Tätigkeiten dem Volke dienen. Eine langsame, dafür aber langfristige wirtschaftliche Erholung vor allem in Zentraleuropa zeichnet sich ab.

… wenn auch nicht für alle:

Im Süden, Südosten und äußerstem Westen Europas hingegen verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Menschen weiter.

Insgesamt erscheint das Ganze ein wenig wirr, weil einerseits wirds positiv, andererseits wieder nicht, denn:

In Deutschland und Österreich wird es vor allem 2013 und 2014 viele Arbeitslose geben. Den Menschen wird es sehr schwer fallen, ihren gewohnten Lebensstandard zu erhalten.

Irgendwie kann sich der Palmblattspezialist und Besitzer eines beschädigten Kristallschädels nicht so richtig entscheiden

Auch laut Susanne Eder erwartet uns ein ausnehmend positives Jahr …

Mit ehrlicher Arbeit, egal, ob als Handwerker, Buchhalter oder Topmanager wird man auf jeden Fall gut verdienen können, denn diese Tätigkeiten dienen der Masse (dem Volk) und das möchte Pluto im Steinbock ja bewirken. Die Wirtschaft wird sich endlich wieder erholen und durch die Krisen der vergangenen Jahre haben sich vermutlich neue Geschäftszweige entwickelt, die jetzt aufblühen.

Das klingt ja fast so, als hätten die beiden voneinander abgeschrieben … … aber wer von wem? Und von Katastrophen sollen wir natürlich trotzdem nicht verschont bleiben:

Pluto und Uranus bilden das ganze Jahr über ein Quadrat, das zeigt an, dass Vulkanausbrüche, Erdbeben, Flugzeugabstürze, Terroranschläge, Probleme mit Atomkraftwerken, Finanzkrisen etc. vermehrt auftreten werden. Besonders zu jenen Zeiten, wo Mars einen Spannungsaspekt zu diesem Quadrat macht, kann es zu gefährlichen Situationen kommen!
16. März bis 10. April 2013, von 20. Juli bis 7. August 2013 und dann nochmals von 20.Dezember 2013 bis 10. Jänner 2014 der Fall.
Zu diesen Zeiten sollte man sich nicht in Krisenregionen begeben und wenn man sich schon dort aufhalten muss, alle Warnungen ernst nehmen und bitte nichts riskieren!

Auch hier: Erstaunliche Übereinstimmungen sogar in den angegebenen Zeiträumen. Ob hier die große Schwurbifex-Verschwörung im Gange ist?

Bei dem Schweizer Peter Schmid geht es weniger dramatisch, dafür aber viel schwammiger zu. Neben längeren Elaboraten, die viel weiter in die Zukunft führen sollen (was das in einem Text über 2013 zu suchen hat bleibt sein Geheimnis) kommen dann Textfragmente wie diese:

AB April 2013 steht Uranus zudem bis über das Jahresende hinaus im Quadrat zu Pluto. Ein besonderer Hinweis auf Massenunruhen. Ruhiger und einfacher wird es auch dieser Jahr kaum. Mächtige werden zittern und teilweise auch schon mal den totalen Sturz erleben. Aber ebenso dramatisch werden viele Menschen der untersten Einkommensschichten an den Fehlern der Mächtigen zu leiden haben.

Viele der Geschichten im Zusammenhang mit Geld und Macht werden auch dieses Jahr weitergehen. Zu erwarten ist dabei aber eher eine Zuspitzung als eine Beruhigung. Die Welt steht im Wandel und es ist ein sehr umfassender Wandel, der leider nicht überall harmonisch ablaufen wird.

Wird Zeit wieder ‚mal meinen Lieblingsastrologielink loszuwerden, denn der bietet Gehaltvolleres: Gnampf!
Bei Siebelt Meyer, dem laut eigener Aussageweltweit anerkannten Experten der Vedischen Parashara Astrologie„, soll 2013 natürlich auch schlimm werden (… oder eben nicht):

Wenn die Menschen das derzeitige Erwachen der evolutionären Kraft der Natur, d.h. die Chancen, die in den obigen Abschnitten beschrieben wurden, nicht nutzen, dann wird 2013 ein Katastrophenjahr, das sich tief in das Menschheitsgedächtnis eingraben wird. Katastrophen außerhalb unserer Vorstellungskraft, Kriege und geologische Veränderungen würden dann viel Leben kosten. Wirtschaft, Politik und Finanzwelt, Energieversorgung, Kommunikation und Ernährung würden stark betroffen sein. Es wird Menschen geben, die am Anfang selbst aus den Katastrophen noch Gewinn ziehen, aber am Ende werden sie alles verlieren.

Tja, so schwarz kann man sehen …

Der österreichische Hellseher Johannes Höber hat seine Seite zwar seit einem Jahr nicht mehr verändert, aber schon damals gab es eine Vorhersage für 2013:

2013 wird Italien und Griechenland von der EU ausscheiden.

OK, ob man jemanden glauben sollte, der für 2012 prophezeit hat, dass Israel den Iran angreifen wird?

So, der Anfang der 2013er-Sammlung ist gemacht. Drei Astrologen, ein Hellseher und der hanebüchene Palmblattleser sind abgespeichert. Irgendetwas Besonderes ist zwar noch nicht dabei, aber es fehlen ja auch noch ein paar der bekannten Oberschwurbler und Oberschwurblerinnen. Was macht eigentlich Nikki Pezaro????





QED oder Wenn der Weihnachtsmann mit dem Sockenmonster zweimal klingelt

5 09 2012

Ach manchmal muss man Astrologen (zumindest einige) einfach gern haben. Es ist einfach zu schön, wie einige keine Gelegenheit auslassen, die Aussagen von Skeptikern zu bestätigen. Dieses Mal geht es um einen – ganz neuen – „Wettbewerb“, der hier angekündigt wird, und an dessen Zustandekommen ich offensichtlich nicht ganz unschuldig zu sein scheine. Ausgangspunkt war wohl mein Schwurbelei-Artikel, der einige wortreiche Kommentare anregte und offensichtlich dazu führte, dass wieder einmal ein Astrologe zeigt, dass er genau das kann, was Harry G. Frankfurt mit dem englischen Wort für Fäkalien männlicher boviner Lebensformen beschreibt.  Hier wird das etwas kürzer beschrieben, die zwei entscheidenden Ausschnitte sind diese:

Frankfurt unterscheidet Bullshit von Information oder Mitteilung. Bullshit grenzt an Lüge, ist mit ihr aber nicht gleichzusetzen. Bullshit-Äußerungen geht es nicht darum, wahr (oder unwahr) zu sein – das ist ihnen gleichgültig. Bullshit kann als „heiße Luft“ verstanden werden, Reden ohne Substanz und Inhalt.

Fragt sich aber doch, wie Bullshit entsteht. Frankfurt erwähnt zum einen, dass Bullshit „unvermeidbar“ wird, wenn „die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen“.

Eigentlich reicht der letzte Satz, wobei einen eigentlich niemand zwingt, solchen Kram zu reden oder zu schreiben. Aber wer das tut – und sogar auch noch öffentlich! – der darf sich nicht wundern, wenn er/sie Gegenwind bekommt. Ich möchte am Ende beginnen, denn da wünscht sich der Autor, dass man Auszüge aus seinem Text nur nach Rücksprache mit ihm veröffentlichen dürfe. Das ist allerdings nicht so ganz richtig, denn in Deutschland gibt es auch ein „Zitatrecht“ – nachzulesen bei Wikipedia. Ein Zitat (!!) hieraus:

Die Verwendung von Zitaten ist durch das Urheberrecht geregelt und unter bestimmten Voraussetzungen gestattet, ohne dass eine Erlaubnis des Urhebers eingeholt oder diesem eine Vergütung gezahlt werden muss (§ 51 UrhG in Deutschland, siehe unten). Die allgemeine Begründung dafür ist, dass Zitate der kulturellen und wissenschaftlichen Weiterentwicklung einer Gesellschaft dienen (siehe auch Informationsfreiheit). Zitate stellen einen Unterfall der urheberrechtlichen Schranken dar.

Ja, ich gebe zu, dass ich in meiner sinngemäßen Wiedergabe des vom Autor erhofften Zitatverbots das kleine Wort „sinnentstellend“ verschwiegen habe. Aber ich habe ja auch nicht wörtlich zitiert, und ich möchte mich für meinen Fauxpas hiermit entschuldigen. Hätte ich mich doch getraut, wörtlich zu zitieren, dann wäre das nicht passiert …

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Der Autor des Textes hat sich wirklich Mühe gegeben – schreibt er zumindest. Und er hat – Skandal! – weder auf meiner, noch auf den Webseiten anderer Skeptiker irgendeine Widerlegung der Astrologie gefunden. Wow! Das muss ja ‚mal ganz laut öffentlich verkündet werden!

>>>Und deshalb ruft der Autor die Skeptiker der Welt auf, doch bis Ende des Jahres endlich ‚mal eine Widerlegung der Astrologie zu liefern. <<<

Tja, leider wieder nur ein Beleg für den oben zitierten Satz über nicht verstandene Dinge. Da hilft es auch nicht weiter, dass er dieses Zitat einer geschätzten Science-Bloggerin bringt, die vor fast genau 3 Jahren schrieb:

„In den Naturwissenschaften gibt es keine 100%igen Beweise, sondern immer einen Haufen von Belegen. Irgendwann ist eine Idee so schlüssig und mit derart vielen Experimenten belegt und gleichzeitig spricht auch nichts oder sehr wenig gegen diese, so dass die Idee – genauer die Hypothese – ein verlässliches Fundament für weitere Arbeiten wird. Sie wird Teil einer Theorie.“

Eigentlich steht das Entscheidende ja drin, nämlich das mit den vielen Experimenten. Und genau daran krankt es eben bei den Astrologen. Wo sind die Belege für ihre Behauptungen? Ich warte seit über 20 Jahren darauf (damals wusste ich noch gar nicht was ein Skeptiker ist, geschweige denn dass es einen solchen Verein wie die GWUP gibt)! Und nein, persönliche Erfahrungen zählen nicht – es müssen schon objektivierbare Belege sein, solche, die von anderen jederzeit nachvollzogen werden können und bei denen tatsächlich die Analyse der Gestirnsstände einzig und alleine zu einem Wissensvorsprung führt. Dabei hat es die Astrologie sogar wirklich leicht: Gib mir Geburtsdaten, ich Astrologe erstelle ein Horoskop – und schon erkennt sich der Kunde darin wieder (ich weiß, das funktioniert – allerdings auch, wenn der Kunde ein falsches Horoskop erhält! Also zählt das dann eben nicht!). Oder der umgekehrte Weg: Gib mir die Lebensdaten von ein paar Leuten (alle, die die Astrologen möchten) und – getrennt davon – die Geburtsdaten. Können die Astrologen die persönlichen Daten den Geburtsdaten zuordnen? Nein! Können sie nicht! Oder mein Lieblingstest: Astrologen sollen anhand der Geburtsdaten herausfinden, ob eine Person besonders extrovertiert oder besonders introvertiert ist. Nicht mehr. Ein solch herausstechendes Charaktermerkmal (man hatte nur die Geburtsdaten von Personen verwendet, die in mehreren psychologische Untersuchungen Extremwerte in diesen Kriterien hatten – also selten extro- bzw. selten introvertierte Personen) müsste doch irgendwie aus dem Horoskop alleine ermittelbar sein! War es aber nicht – die Trefferquote der Astrologen war so gut wie reines Raten oder  ein einfacher Münzwurf. Quellen zu solchen und anderen Untersuchungen werden zum Beispiel hier genannt (obwohl ich den Text insgesamt als ein wenig schräg empfinde).

Aber es wird ja das Umgekehrte gefordert. Der Beweis des Nichtfunktionierens der Astrologie. Aber genau da versagt die Wissenschaft tatsächlich. Die Nichtexistenz kann man nicht beweisen. Das geht einfach nicht. Die Nichtexistenz eines realen Pumuckl kann niemand beweisen. Fiktion aus einem Kinderbuch? Bitte beweisen, dass solch ein rothaariger Kobold (scheu, weitgehend unsichtbar) nicht in irgendeiner Ecke des Amazonasurwalds, in irgend eines Steilwand im Himalaya oder auf dem 5. Jupitermond lebt! Egal wo man hinschaut, der Pumuckl-Fan kann immer damit argumentieren, dass der kleine Kobold sich eben gerade versteckt hat (und unsichtbar machen kann er sich sowieso). Die Nichtexistenz kann man nicht beweisen! Es geht immer darum, so starke Belege (im Sinne des obigen Zitats) zu liefern, dass man diese Theorie – wie beschrieben – als schlüssig ansieht. Findet irgendwer ein einziges (!) Gegenbeispiel, dann ist die Theorie nicht mehr allgemein gültig (wie die Newtonsche Gravitationsteorie, die erst eine allgemeine Theorie war und heute „nur noch“ eine – sehr gute – Näherung darstellt, da Einstein das Ganze mit seiner Relativitätstheorie erweitert hat) oder vollständig falsifiziert.

Also es gilt weiterhin für die Astrologen: Her mit den Belegen! Die Beweislastumkehr ist unwissenschaftlich – und deswegen macht das auch niemand, der Ernst genommen werden möchte. Oder können die Herren und Damen mit dem Sterndeutungsfaible zweifelsfrei beweisen, dass der Weihnachtsmann nicht exitiert, dass nicht zumindest für so manche vermeintlich aus einer Waschmaschine verschwundene Einzelsocke das unheimliche Sockenmonster verantwortlich ist? Los! Beweisen! Die Wissenschaft erfordert Existenzbelege – keine Nichtexistenzbeweise. Kleiner Lesetipp: Das ganze wird in einem kleinen skeptischen Standardwerk namens „Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine“ wunderbar erklärt …

Und übrigens: Belege könnte dann sogar reich machen! Weltweit werden Preise für den Beweis eines solchen Phänomens angeboten – warum holt die kein Astrologe ab?

Aber ok, immerhin gibt es in diesem Text auch erstaunliche Aussagen, bei denen ich dem Autor zustimme. Der Autor schimpft nämlich über die von mir gerne zitierten Prognostiker und nimmt auch die Einstein-Leugner nicht ernst.

PS: Lieber Herr m… (den Namen möchte ich jetzt nicht zitieren – von wegen eventueller Sinnentstellung), es ist völig schnurz, ob die Zahlen 2, 3, 5, 7, 11. 13. 17 usw. Primzahlen, Primelzahlen, Hutzliputzli oder bullshitzahlen (der Name wäre aus manchen Gründen übrigens gar nicht schlecht … die Zahlen kennen zum Beispiel keine echten Teiler außer „1“) heißen: Es geht nicht und niemals um den Namen sondern um die – speziellen – Eigenschaften dieser Zahlen.

PPS: Bevor ich’s vergesse: Ich finde es hochinteressant, wenn sich Kommentatoren über vermeintliche Schmähkritiken auslassen, obwohl in dem inkrimierten Artikel kein einziger Name genannt wird, während sie selbst gerne und mehrfach volle Namen nennen. Soll ich das in Zukunft „Astrologenkonsequenz“ nennen?