Für kommenden Dienstag hat die ARD ‚mal wieder ein Esoterikplauderstündchen ins Programm genommen. Die Sendung „Menschen bei Maischberger“ steht unter dem Motto „Horoskope, Handlesen, Tarotkarten: Unsinn, der hilft?“ und ich wage vorauszusagen, dass im Verlaufe der Sendung das Astrologie-Bullshit-Bingo mindestens ein Mal erfolgreich gespielt werden kann. Beim Blick auf die Gästeliste überfällt mich schon vorab ein leichtes Gruseln denn wie bei solchen Sendungen üblich sind die Esoteriker klar in der Überzahl. Gespannt bin ich ja, wie sich Frau Maischberger selbst positioniert. Vor ein paar Jahren hatte Sie in einer Sendung mit ähnlicher Thematik Winfried Noê mit einer seiner Fehlprognosen konfrontiert und dessen Versuch sich herauszureden mit einem kurzen „Das stand so auf ihrer Webseite“ beendet. Aber schauen wir uns einfach mal die Teilnehmer an dieser Talkrunde an.
Als erste Hella von Sinnen. Ob man ihren Humor mag ist natürlich Geschmacksache, aber bei „genial daneben“ finde ich sie wirklich klasse. Warum sie dabei ist? Hier stehts:
Astrologie hat für die Moderatorin jedoch nichts mit Glaube zu tun, „sondern mit Wissen und Erfahrung.“
Ok, also ein Astrologiefan? Schlimmer! Eine Hobby-Astrologin! Und weil wir gerade bei Sternschwurblern sind wurde auch „Deutschlands besten Astrologin“ eingeladen. Der Name dieser Dame – Mauretania Gregor – war mir bis dato völlig unbekannt. Hier übrigens ihr aktuelles Werbevideo für Juli …
… mit dem sie Werbung für das auf ihrer Webseite angebotene, monatliche Liebeshoroskop macht. Das kostet „ab 8,95 Euro“ – und man kann das dann auf ihrer Webseite anschauen. Und das verspricht sie:
Ihr erfahrt die heißesten Dating-Tage, ich sage Euch wann Ihr welchem Typ in die Arme laufen könnt und was schon die Qualität der Zeit über die Begegnung aussagt.
Das Übliche also! Aber wie fertig muss man sein, wenn man sich solche Videos wirklich für „mindestens 15 Minuten“ pro Sternzeichen antut? Den – wohl überwiegend – Zuhörerinnen wird permanent – mit enervierender Stimme, dickem Pathos und einer Mimik als wollte sie einem Kleinkind erklären wie man aufs Töpfchen geht – dick und fett Honig ums Maul geklatscht! Klar, das wollen die hören! Und jeden Monat wieder!
Eine Kartenlegerin muss natürlich auch sein. Auch hier ist es „Deutschlands Kartenlegerin Nr.1„! Auch diesen Namen – Sylvie Kollin – kannte ich bis dato noch nicht. In was sie Nummer 1 ist steht natürlich nicht da, aber ihr Selbstbewußtsein scheint grenzenlos:
„Man kann aus den Karten alles lesen. Die Karten sagen, was sowieso kommt“
Alles? Wirklich? Eingeladen ist auch einer ihrer Kunden: der Schauspieler Uwe Ochsenknecht, denn er
hat schon mehrmals den Rat der Kartenlegerin Sylvie Kollin gesucht und bescheinigt ihr eine neunzigprozentige Trefferquote.
Tut er tatsächlich, und zwar am Anfang und Ende ihres Imagevideos:
Wunderbar natürlich der Kerner-Schnipsel bei 0:34 …
Über Jürgen Fliege braucht man eigentlich nichts mehr schreiben. Dass der jeden esoterischen Mist vertritt ist bekannt. Ob man ihn mal wieder nach seiner Essenz fragen sollte? Vielleicht lässt er sich ja von Frau Gregor ein Liebeshoroskop erstellen …
Welche Rolle Prof. Dr. Ulrich Walter (Ex-Astronaut und Physiker) in diesem Panoptikum zugedacht ist weiß ich nicht. Dieser Satz …
Der Physiker und Lehrstuhlinhaber für Raumfahrttechnik hat sich einmal die Hand lesen lasse: Ihm wurde prophezeit, wie er sterben würde.
… macht kaum Hoffnung, dass er die rationale Seite vertreten soll. Man lässt in solchen Talksendungen ja gerne mal jemanden sprechen, der „beide Seiten“ irgendwie anerkennt. Und da ist ein Physikprofessor, der sich aus der Hand lesen liess, doch ein Supergast. Hoffentlich täusche ich mich mit dieser Einschätzung, und Prof. Walter macht es ebenso wie sein Kollege Prof. Martin Lambeck, der in ähnlichen Sendungen (z.B. auch bei Maischberger) immer wieder deutlich jeden Unsinn auch als solchen bezeichnete.
Bleibt noch einer, der sich garantiert dem ganzen Esoterikschwachsinn gegenüber stellt: Michael Schmidt-Salomon. Der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung wird wie folgt angekündigt:
Glaube und Aberglaube, Horoskope und Tarotkarten seien „Schabernack mit einer Menge Risiken und Nebenwirkungen.“ Die Naivität der Menschen werde ausgenutzt, finanzielle und gesundheitliche Gefahren könnten die Folge sein
Stimmt natürlich. Aber er wird möglicherweise alleine gegen alle argumentieren müssen. Wenn er dann so argumentiert wie er in seinem letzten Buch „Keine Macht den Doofen“ schreibt, dann wird das beim Fernsehzuschauer den Eindruck eines hyperarroganten Skeptikers hinterlassen. Seine „Streitschrift“ enthält nämlich meines Erachtens außer verbalen Rundumschlägen (alles Idioten!!!) nur einen eindrucksvollen Beleg dafür, dass er von Ökonomie keine Ahnung hat. Ich drücke ihm natürlich trotzdem alle Daumen …
Schön wäre es ja gewesen, wenn in dieser Sendung auch echte Spezialisten eingeladen worden wären. Ich kenne da zum Beispiel mehrere Psychologen, die den Zuschauern hätten erklären können wie und warum der ganze Unsinn „funktioniert“ …
Update:
Der Spiegel hat das ganze schön kritisiert, obwohl der Journalist zwischendurch wohl mehrmals nicht hingehört hat. Das merkt man an folgendem Absatz:
Michael Salomon erwies sich als solider Realist und Gegenpol zu dem Aszendenten- und Tarot-Geschnatter, das sich in der Maischbergers Runde ausgesprochen raumgreifend erhob. Der Autor und Sprecher der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung erklärte, dass „Bahnensätze“ wie „bei aller Impulsivität sind sie doch ein sehr romantischer Geist“ irgendwie immer stimmen und brachte bisweilen gar Hella von Sinnen mit seinem etwas irritierenden Dauerlächeln zum Schweigen. Und er warnte vor der „sanften Verblödung“ durch Esoterik, wenn „Spitzentechnologie und Spitzenidiotie aufeinandertreffen“.
OK, der Mann heißt Schmidt Salomon, und war tatsächlich der einzige Lichtblick in der Sendung. „Bahnensätze“ (… ist inzwischen auf SPON korrigiert – aber auf meinem WEbCite-Link noch vorhanden)? Schmidt Salomon hat doch recht ausführlich erklären dürfen was „Barnumsätze“ sind … … aber egal. Ich hab‘ selten etwas peinlicheres im Fernsehen gesehen …

. So weit ich weiß, ist auch keine ihrer Voraussagen eingetroffen.

















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