Wenn der Übersetzungscomputer Jahresprognosen erstellt …

4 01 2013

Irgendwie außer Konkurrenz im Prognoserennen 2013 ist dieser Text, der offensichtlich durch die Nutzung eines Übersetzungsprogramms entstanden ist. Gefunden habe ich das auf dieser herrliche Seite, die aus Kalmükien stammt und deshalb auch unter www.kalmykia.de zu finden ist. Dieser Text hat irgendwie seinen eigenen Charme, obwohl sich der Anfang noch völlig normal liest:

2013 ist das Jahr der Schlange.

OK, und was bedeutet das nun:

Im Einklang mit der Tradition feiert den Beginn des Naktsi Zul (dieses Jahr 8. Dezember) 5 Tage Kalmücken begleitete den alten Herrn, der Drache. Es wird angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt der Drache Snake die Macht.

Ich vermute ‚mal, dass dieser „Jahreswechsel“ bereits am 8. Dezember stattgefunden hat, denn nur so macht der nächste Absatz Sinn:

Eigentlich kein schlechtes Jahr. Am wichtigsten ist, möchte ich bitte alle, und sagen, dass das Ende der Welt nicht will. Er abgesagt (lacht). Sie können an die Worte des Dalai Lama. Wie für das Ende der Welt sagte der Dalai Lama: “Ich bin skeptisch, dieser Vorhersage. Ich glaube es nicht”.

Also kein Grund zu der Befürchtung nicht, zumindest sollten sie nicht unter denen, die sich Buddhisten (lächelt) zu erwägen.

So geht es weiter, und am Ende werden für 12-, 24-, 36-, 48- und 60-jährige ähnlich gehaltvolle Sätze vom Übersetzungsprogramm erstellt. Immerhin ist manchmal noch zu erraten, um was es eigentlich gehen soll. Hier z.B.:

36-Jährigen müssen von ansteckenden Krankheiten hüten. Achten Sie auf die Prävention dieser Krankheiten. Außerdem müssen sie mit äußerster Vorsicht, um finanzielle Transaktionen behandelt und nicht nichts riskieren. Nehmen Dienstleistungen vorzugsweise acht Mondtag.

Die „acht Mondtag Dienstleistungen“ sind zwar schwer verständlich, aber noch schwerer haben es 48-jährige bei der Deutung dieses Textfragments:

Für diejenigen, die wiederum 48 Jahre alt wird, einen kleineren Bord, um das Rad in der Nacht und bei schlechten Wetterbedingungen zu fahren. Sie sollten in diesem Jahr vorsichtig, Ihr einen ki-dimensional, machen ein Feueropfer, einschließlich einer “drei Weißen – drei rote,” aber in jedem Fall nicht auf Angebote von tierischen Opfer zu bringen. Kann das nicht für jedermann, immer. By the way, gilt dies für alle, unabhängig vom Jahr der Geburt.

Irgendwelche Ideen, was das bedeuten soll?





Die Orakelqueen aus Neuruppin

27 12 2012

… so heißt dieses schöne Lied von der wunderbaren Frau Scholz alias annamateur (… und als Zugabe gibts einen Tom Waits Klassiker):

 





QED oder Wenn der Weihnachtsmann mit dem Sockenmonster zweimal klingelt

5 09 2012

Ach manchmal muss man Astrologen (zumindest einige) einfach gern haben. Es ist einfach zu schön, wie einige keine Gelegenheit auslassen, die Aussagen von Skeptikern zu bestätigen. Dieses Mal geht es um einen – ganz neuen – „Wettbewerb“, der hier angekündigt wird, und an dessen Zustandekommen ich offensichtlich nicht ganz unschuldig zu sein scheine. Ausgangspunkt war wohl mein Schwurbelei-Artikel, der einige wortreiche Kommentare anregte und offensichtlich dazu führte, dass wieder einmal ein Astrologe zeigt, dass er genau das kann, was Harry G. Frankfurt mit dem englischen Wort für Fäkalien männlicher boviner Lebensformen beschreibt.  Hier wird das etwas kürzer beschrieben, die zwei entscheidenden Ausschnitte sind diese:

Frankfurt unterscheidet Bullshit von Information oder Mitteilung. Bullshit grenzt an Lüge, ist mit ihr aber nicht gleichzusetzen. Bullshit-Äußerungen geht es nicht darum, wahr (oder unwahr) zu sein – das ist ihnen gleichgültig. Bullshit kann als „heiße Luft“ verstanden werden, Reden ohne Substanz und Inhalt.

Fragt sich aber doch, wie Bullshit entsteht. Frankfurt erwähnt zum einen, dass Bullshit „unvermeidbar“ wird, wenn „die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen“.

Eigentlich reicht der letzte Satz, wobei einen eigentlich niemand zwingt, solchen Kram zu reden oder zu schreiben. Aber wer das tut – und sogar auch noch öffentlich! – der darf sich nicht wundern, wenn er/sie Gegenwind bekommt. Ich möchte am Ende beginnen, denn da wünscht sich der Autor, dass man Auszüge aus seinem Text nur nach Rücksprache mit ihm veröffentlichen dürfe. Das ist allerdings nicht so ganz richtig, denn in Deutschland gibt es auch ein „Zitatrecht“ – nachzulesen bei Wikipedia. Ein Zitat (!!) hieraus:

Die Verwendung von Zitaten ist durch das Urheberrecht geregelt und unter bestimmten Voraussetzungen gestattet, ohne dass eine Erlaubnis des Urhebers eingeholt oder diesem eine Vergütung gezahlt werden muss (§ 51 UrhG in Deutschland, siehe unten). Die allgemeine Begründung dafür ist, dass Zitate der kulturellen und wissenschaftlichen Weiterentwicklung einer Gesellschaft dienen (siehe auch Informationsfreiheit). Zitate stellen einen Unterfall der urheberrechtlichen Schranken dar.

Ja, ich gebe zu, dass ich in meiner sinngemäßen Wiedergabe des vom Autor erhofften Zitatverbots das kleine Wort „sinnentstellend“ verschwiegen habe. Aber ich habe ja auch nicht wörtlich zitiert, und ich möchte mich für meinen Fauxpas hiermit entschuldigen. Hätte ich mich doch getraut, wörtlich zu zitieren, dann wäre das nicht passiert …

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Der Autor des Textes hat sich wirklich Mühe gegeben – schreibt er zumindest. Und er hat – Skandal! – weder auf meiner, noch auf den Webseiten anderer Skeptiker irgendeine Widerlegung der Astrologie gefunden. Wow! Das muss ja ‚mal ganz laut öffentlich verkündet werden!

>>>Und deshalb ruft der Autor die Skeptiker der Welt auf, doch bis Ende des Jahres endlich ‚mal eine Widerlegung der Astrologie zu liefern. <<<

Tja, leider wieder nur ein Beleg für den oben zitierten Satz über nicht verstandene Dinge. Da hilft es auch nicht weiter, dass er dieses Zitat einer geschätzten Science-Bloggerin bringt, die vor fast genau 3 Jahren schrieb:

„In den Naturwissenschaften gibt es keine 100%igen Beweise, sondern immer einen Haufen von Belegen. Irgendwann ist eine Idee so schlüssig und mit derart vielen Experimenten belegt und gleichzeitig spricht auch nichts oder sehr wenig gegen diese, so dass die Idee – genauer die Hypothese – ein verlässliches Fundament für weitere Arbeiten wird. Sie wird Teil einer Theorie.“

Eigentlich steht das Entscheidende ja drin, nämlich das mit den vielen Experimenten. Und genau daran krankt es eben bei den Astrologen. Wo sind die Belege für ihre Behauptungen? Ich warte seit über 20 Jahren darauf (damals wusste ich noch gar nicht was ein Skeptiker ist, geschweige denn dass es einen solchen Verein wie die GWUP gibt)! Und nein, persönliche Erfahrungen zählen nicht – es müssen schon objektivierbare Belege sein, solche, die von anderen jederzeit nachvollzogen werden können und bei denen tatsächlich die Analyse der Gestirnsstände einzig und alleine zu einem Wissensvorsprung führt. Dabei hat es die Astrologie sogar wirklich leicht: Gib mir Geburtsdaten, ich Astrologe erstelle ein Horoskop – und schon erkennt sich der Kunde darin wieder (ich weiß, das funktioniert – allerdings auch, wenn der Kunde ein falsches Horoskop erhält! Also zählt das dann eben nicht!). Oder der umgekehrte Weg: Gib mir die Lebensdaten von ein paar Leuten (alle, die die Astrologen möchten) und – getrennt davon – die Geburtsdaten. Können die Astrologen die persönlichen Daten den Geburtsdaten zuordnen? Nein! Können sie nicht! Oder mein Lieblingstest: Astrologen sollen anhand der Geburtsdaten herausfinden, ob eine Person besonders extrovertiert oder besonders introvertiert ist. Nicht mehr. Ein solch herausstechendes Charaktermerkmal (man hatte nur die Geburtsdaten von Personen verwendet, die in mehreren psychologische Untersuchungen Extremwerte in diesen Kriterien hatten – also selten extro- bzw. selten introvertierte Personen) müsste doch irgendwie aus dem Horoskop alleine ermittelbar sein! War es aber nicht – die Trefferquote der Astrologen war so gut wie reines Raten oder  ein einfacher Münzwurf. Quellen zu solchen und anderen Untersuchungen werden zum Beispiel hier genannt (obwohl ich den Text insgesamt als ein wenig schräg empfinde).

Aber es wird ja das Umgekehrte gefordert. Der Beweis des Nichtfunktionierens der Astrologie. Aber genau da versagt die Wissenschaft tatsächlich. Die Nichtexistenz kann man nicht beweisen. Das geht einfach nicht. Die Nichtexistenz eines realen Pumuckl kann niemand beweisen. Fiktion aus einem Kinderbuch? Bitte beweisen, dass solch ein rothaariger Kobold (scheu, weitgehend unsichtbar) nicht in irgendeiner Ecke des Amazonasurwalds, in irgend eines Steilwand im Himalaya oder auf dem 5. Jupitermond lebt! Egal wo man hinschaut, der Pumuckl-Fan kann immer damit argumentieren, dass der kleine Kobold sich eben gerade versteckt hat (und unsichtbar machen kann er sich sowieso). Die Nichtexistenz kann man nicht beweisen! Es geht immer darum, so starke Belege (im Sinne des obigen Zitats) zu liefern, dass man diese Theorie – wie beschrieben – als schlüssig ansieht. Findet irgendwer ein einziges (!) Gegenbeispiel, dann ist die Theorie nicht mehr allgemein gültig (wie die Newtonsche Gravitationsteorie, die erst eine allgemeine Theorie war und heute „nur noch“ eine – sehr gute – Näherung darstellt, da Einstein das Ganze mit seiner Relativitätstheorie erweitert hat) oder vollständig falsifiziert.

Also es gilt weiterhin für die Astrologen: Her mit den Belegen! Die Beweislastumkehr ist unwissenschaftlich – und deswegen macht das auch niemand, der Ernst genommen werden möchte. Oder können die Herren und Damen mit dem Sterndeutungsfaible zweifelsfrei beweisen, dass der Weihnachtsmann nicht exitiert, dass nicht zumindest für so manche vermeintlich aus einer Waschmaschine verschwundene Einzelsocke das unheimliche Sockenmonster verantwortlich ist? Los! Beweisen! Die Wissenschaft erfordert Existenzbelege – keine Nichtexistenzbeweise. Kleiner Lesetipp: Das ganze wird in einem kleinen skeptischen Standardwerk namens „Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine“ wunderbar erklärt …

Und übrigens: Belege könnte dann sogar reich machen! Weltweit werden Preise für den Beweis eines solchen Phänomens angeboten – warum holt die kein Astrologe ab?

Aber ok, immerhin gibt es in diesem Text auch erstaunliche Aussagen, bei denen ich dem Autor zustimme. Der Autor schimpft nämlich über die von mir gerne zitierten Prognostiker und nimmt auch die Einstein-Leugner nicht ernst.

PS: Lieber Herr m… (den Namen möchte ich jetzt nicht zitieren – von wegen eventueller Sinnentstellung), es ist völig schnurz, ob die Zahlen 2, 3, 5, 7, 11. 13. 17 usw. Primzahlen, Primelzahlen, Hutzliputzli oder bullshitzahlen (der Name wäre aus manchen Gründen übrigens gar nicht schlecht … die Zahlen kennen zum Beispiel keine echten Teiler außer „1“) heißen: Es geht nicht und niemals um den Namen sondern um die – speziellen – Eigenschaften dieser Zahlen.

PPS: Bevor ich’s vergesse: Ich finde es hochinteressant, wenn sich Kommentatoren über vermeintliche Schmähkritiken auslassen, obwohl in dem inkrimierten Artikel kein einziger Name genannt wird, während sie selbst gerne und mehrfach volle Namen nennen. Soll ich das in Zukunft „Astrologenkonsequenz“ nennen?





Schwurbelei hoch drei – mit Astrologei

25 08 2012

Laut Wikipedia ist ein Essay „eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema. Die Kriterien streng wissenschaftlicher Methodik können dabei vernachlässigt werden.

Und genau um ein solches (oder einen solchen) Essay geht es hier heute. Um einen Text dessen Überschrift – „Das Dilemma einer kleinen Null“ – mich neugierig gemacht hat und dessen Subtitel („Astrologie: Alles entsteht abhängig von etwas anderem„) schon die ersten Fragezeichen aufwirft. Für mich. Zumindest! Und wenn es dann losgeht – mit dem Text natürlich – dann wecken gleich die ersten beiden Worte durchaus gespannte Erwartung in mir, denn der Text beginnt mit

Ach wie spannend! Eine Definition der Astrologie! OK, Essay – also wird es wohl eine eher subjektiv gefärbte „Definition“ sein. Wie wird diese wohl aussehen? Ähnlich wie in der Wikipedia? Wird dort in irgend einer Form stehen, dass die Astrologie „Zusammenhänge zwischen Positionen und Bewegungen von Himmelskörpern und Ereignissen im irdischen Bereich“ postuliert oder – wegen der Subjektivität der Autorin – doch wirklich beschreibt? Wird es Belege hageln? Eindeutig! Unwiderlegbar! Oder vielleicht doch nicht? Also schnell weiterlesen:

OK, als Definition der Astrologie taugt das jetzt nicht allzu viel. Alleine der erste Satz – was soll der bedeuten? Eine Kette, die zu Gründen führt wieso sich etwas ändert – oder eben nicht? Nun ja, wie war das noch? Essay! Persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema! Vielleicht kommt da ja noch was! Weiter geht es übrigens so (und ab jetzt lass‘ ich das mit den Screenshots):

Immer aber entsteht am Ende (oder war es am Anfang?) ein ganz anderes Bild. Eine Meinung, die aus einem riesigen Raum von Zeichen, Zahlen oder Bedeutungen aufsteigt, den das Universum uns anbietet. Diese große, rote Sonne des: Es IST. Deren erster Strahl wiederum einen noch größeren Raum erhellt, die ganze, weite Welt, von sehr kleinen Menschen bewohnt. Alles Verhältnismäßigkeit. Alles abhängig. Sie leben. Sie denken. Mit ihren Möglichkeiten und Grenzen tanzt, ohne Unterbrechung, ohne Sammlung, ohne Verlust, unser kleiner Raum namens Astrologie. Er erfindet, innerhalb jenes endlosen, wunderbaren, ANDEREN Raumes (namens Universum), unsere Sicht neu. Webt ein Netz, das sich vervielfältigt und junge, frische Pulsschläge des Kosmos zählt.

Wow! Ein Raum namens Astrologie tanzt, erfindet irgendeine Sicht neu und webt ein Netz – Bilder, die zwar nichts erklären, mich aber wegen ihrer inhaltsleeren Schwurbeligkeit durchaus faszinieren (… das ist natürlich auch sehr subjektiv) – oder doch eher erheitern? Letzteres! Und ja! Kann ich auch! „Sätze“ aus wenigen Worten schreiben!

Kopiert man den gesamten Text in ein handelsübliches Textverarbeitungsprogramm erhält man ungefähr sieben Seiten (incl. Bilder), in denen die Autorin wortreich zeigt, dass ihre persönlichen Definitionen und ihr persönliches Verständnis bestimmter Begriffe zumindest als eigenwillig bezeichnet werden müssen. So kommt es zu Sätzen wie dem folgenden:

Realität ist eine demokratische Entscheidung, die Schnittmenge von Milliarden einsamer Bewusstseins-Wesen.

Äh tatsächlich? Realität ist eine Mehrheitsentscheidung? Und wenn sich die Mehrheit entscheidet, dass die Sonne sich gefälligst um die Erde zu drehen hat, dann tut sie das auch? Im Kopf der Autorin vielleicht, und genau so subjektiv wird auch die Astrologie „begründet“:

Aha, die Tage werden mir lang. Wenn da mal kein Magier seine Hand im Spiel hat! Es muss an den Gestirnen liegen. Und, siehe da. Plötzlich fühlten Menschen sich besser. Es wurde warm, im Monat Mai. Die angenehme Zeit des Jahres begann. Stier war geboren.

Dumm nur, wenn ich das als Neuseeländer, Uruguayaner oder Feuerländer lese – da wurde und wird es im Mai nämlich kalt! Und zwar richtig! Die eisige, unangenehme Zeit beginnt.

Viel, viel später erst wurde ein Reim für alle daraus, jene alte, mutige Wissenschaft, die Mutter aller Abstrakta, die noch heute als Spiegel tausendfacher Lebensmuster wirkt. Astrologie.

Eine „mutige“ „Wissenschaft“? Die Dame macht sich sogar Gedanken darüber wie es wäre, wenn Astrologie irgendwie zu den Wissenschaften zählen würde und meint:

Alles andere ist sonnenklar: Wenn wir, die unfeierlich Ausgegrenzten, zu ihnen gehörten, den Wissenden, den amtlich attestierten Weisen, den Erfindern des kultivierten Daseins, würde vermutlich auch bei uns, die wir über alles und nichts miteinander diskutieren, keine Krähe mehr der anderen ein Auge aushacken. Wir wären im Nachteil. An-erkannt zu-erkannt. Der Prüfung unserer Erkenntnisse an der Wirklichkeit enthoben, wie alle, die das Branding haben: Wissenschaft.

Was für ein hanebüchener Schwachsinn! Jede Erkenntnis, die die Prüfung an der Wirklichkeit nicht besteht, wird im Mülleimer der Wissenschaftsgeschichte entsorgt. So einfach ist das! Klar, manchmal dauert das, weil zum Beispiel die zur Prüfung der Erkenntnis notwendigen Werkzeuge noch nicht vorhanden sind. Aber hat „die Wissenschaft“ damit Probleme? Nein! Ganz im Gegenteil! Und wenn sich zeigt, dass ein ganzes Fachgebiet eben nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, dann verschwindet es aus dem wissenschaftlichen Kanon. Astrologie wurde einstmals an Universitäten gelehrt – bis man merkte, dass dieses Hilfsmittel zur Beschreibung der Realität unbrauchbar war.

Was folgt sind seitenweise weitere Belege dafür, dass die Autorin von Wissenschaft – und insbesondere Mathematik – nicht einmal im Entfernsten den Hauch einer Ahnung hat. Mein Lieblingssatz findet sich übrigens in folgendem Abschnitt:

Ohne Respekt vor der Existenz von Zahlen funktioniert die Mathematik nämlich erst gar nicht. Trotzdem verlangte nie einer von Adam Riese, das Dasein der Zahl 714 oder 3165 erst einmal gründlich zu beweisen, bevor er seine Practica verfaßte und aufstieg in den Olymp der Rechengötter. Auch die binomischen Formeln hat noch keiner als „Aberglaube“ identifiziert und dingfest gemacht. Weil sie – natürlich – auf Annahmen, nämlich erfundenen Variablen oder Werten, fußen. Und das, obwohl sie und ihre Formelbrüder und -schwestern allesamt vom Menschen erdacht und nur innerhalb des Systems der Mathematik beweisbar sind.

Das mit den binomischen Formeln, an die man glauben müsse, ist nur eine von vielen lustigen Sequenzen. Erinnert mich an einen sehr schönen Dialog aus dem Buch „Odile“ von Raymond Queneau. Der Protagonist, Hobby-Mathematiker und ich-Erzähler spricht mit einem Bekannten namens Saxel – und erklärt die Auflösung von Gleichungen ersten und zweiten Grades. Saxel glaubt etwas verstanden zu haben …

Meine Intelligenz wird unheimlich: die Quadratwurzel. Die Quadratwurzel, das ist das Bemerkenswerte. Und ich sehe auch worauf sie hinaus wollen: das ist klar, das ist einfach, das ist schön. Für die Gleichung dritten Grades muss man eine Kubikwurzel ziehen, für die Gleichung vierten Grades eine vierte Wurzel und für die Gleichung fünften Grades eine fünfte Wurzel und für die Gleichung sechsten Grades eine sechste Wurzel und so fort. Das ist logisch! Logisch einfach, nicht wahr?

Nein, vom fünften Grad an stimmt nämlich nichts mehr.

Aber wieso denn das?

Es ist unmöglich, Gleichungen über den vierten Grad hinaus algebraisch aufzulösen, ausgenommen ganz besondere Fälle. Die allgemeine Gleichung lässt sich nicht ausführen.

Man weiß eben nicht wie’s gemacht wird

Man beweist es.

Das ist ja skandalös.

Aber weiter zum Schwurbeltext dieser Frau. Sie schreibt:

Astrologie funktioniert.

Wer hätte gedacht, dass eine Astrologin solcherlei behauptet?

Das ist das große, verrufene Wunder für die, die um sie wissen. Zu denen übrigens auch ich gehöre.

Welch Überraschung! Aber dem nächsten Kurzsatz …

Deshalb heisst es Wissenschaft.

… muss ich dann doch heftig widersprechen. Es ist eben keine Wissenschaft – auch wenn man für die Deutung eines Horoskops sehr viel „Wissen“ erwerben muss. Wenn ich alle Ergebnisse, alle Torschützen, alle Spielverläufe der Fußball-Bundesliga auswendig kennen würde, dann wäre das noch lange kein Beleg für irgend einen fußballerischen Sachverstand (den ich mangels Interesse definitiv nicht habe) – bestenfalls könnte ich damit zeigen, dass ich eine Menge unnützes Wissen in meinem Gehirn speichern kann.

Auch die Psychologie kriegt natürlich ihr Fett weg …

Obwohl sich unsere Arbeit, das Stiefkind der Forschung, häufig viel greifbarerer Parameter bedient, als beispielsweise diese kleine Schwester Psychologie, die mit dem gewichtslosen Pfund der Seele hantiert, fehlt uns immer noch die Eintrittskarte in den Dom der universitären Glaubens-Systeme.

… und mit den Quanten lässt sich immer gut schwurbeln:

Waren Astrologen lange der Ansicht, dass sich ihre Berufung eigentlich (im Sinne einer eher schlampigen Argumentation) über Koinzidenzen (oder Synchronizitäten) erklärt (Saturn macht einen 180-Grad-Winkel zum Mars und ich habe – kausal unabhängig davon – einen bösen Unfall), unterstützen neuere quanten-mechanische oder -technische oder -physikalische Forschungen der anerkannten Naturwissenschaft inzwischen auch wieder eine sehr alte, fast abergläubische Annahme. Die Planeten selbst könnten tatsächlich Wirkungen auf den menschlichen Organismus ausüben. Wenn es also wahr sein sollte, dass Lichtjahre entfernte Protuberanzen auf der Sonnenoberfläche an Akupunkturpunkten auf menschlichen Versuchsobjekten direkt den Hautwiderstand beeinflussen, wäre all das natürlich drin.

Wobei die Sonne natürlich nicht allzu viele Lichtjahre von uns entfernt ist – und das mit den Akupunkturpunkten ist mindestens bullshit hoch 9.

Weitere Beispiele erspare ich mir jetzt. Dieser Text ist wirklich eine absolute Meisterleistung! Die Menge der Abschnitte, aus denen man keinen vollkommen lächerlichen, total verschwurbelten Bullshitsatz extrahieren kann ist genau Null!  Deswegen wohl auch die Überschrift („Das Dilemma einer kleinen Null„). Erschienen ist das übrigens vor einiger Zeit in dieser astrologischen Onlinepostille.

Da die Autorin ihren Text unter dem Kürzel „sri“ veröffentlicht hat könnte man auf die Idee kommen, dieses „sri“ in Zukunft als Maß für solcherlei Bullshitschwurbelei zu definieren. Ich würde diesem Essay 100 sri für den durchschnittlichen Bullshitfaktor pro ausgedruckter Seite geben, als Referenzwert sozusagen (… wozu die formalen Besonderheiten des Textes durchaus mit beitragen). Kennt jemand einen Text mit noch mehr „sri„?





Der wahrheitsliebende Fake-Guru: Kumare

25 07 2012

Sollte es in den nächsten Tagen langweilig werden, hätte ich einen Tipp: Eine Reise in die Welt der Guru- und Leichtgläubigen, die man nicht einmal mit der Wahrheit abschrecken kann.  Ein indisch stämmiger Filmemacher aus der USA beschließt sich als Guru auszugeben, reist in eine Großstadt in der ihn keiner kennt, kultiviert den indischen Akzent seiner Großmutter, zieht sich eine Guru-Robe an … … und fasziniert seine neuen Fans mit vollkommen – und absichtlich – schwachsinnigen Sprüchen und selbst erfundenen Ritualen.

Der Film ist einfach gut gemacht, wird zwischendurch extrem lustig (weil sich der Protagonist mit ein paar lokalen Esogrößen trifft und später seine Anhänger wirklich tolle Esoplattitüden von sich geben) und kriegt am Ende eine wunderbare Kurve. Um seine dann 14 Anhänger nicht völlig zu verschrecken zieht er seine Selbstenthüllung ein wenig in die Länge – und schafft es am Ende, dass sich offensichtlich nur vier seiner Adepten von ihm wirklich verarscht fühlen (der Rest scheint seine „Botschaft“ verstanden zu haben).

Ich weiß nicht, wie lange der Film noch zum kostenlosen Anschauen zur Verfügung steht, deswegen empfehle ich möglichst bald hier zu klicken hier zu klicken (wieder zu sehen bis ca. 10.01.2013) –  83 Minuten gute und intelligente Unterhaltung (meine Meinung!) sind garantiert!

(Danke an Sabine V. für den Link via Facebook)





Der 21.12.2012 ist wirklich ein wichtiges Datum …

14 07 2012

… zumindest für die Mitglieder eines Vereins (dessen Namen ich unkenntlich gemacht habe), denn da endet ein spezielles Angebot:

Toll! Ein Rabatt von bis zu 500 Euro! Und nur bis zum 21.12.2012! Aber warum endet das  Rabattangebot genau an jenem ominösen Datum, für das irgendwelche Spinner das „Ende der Welt“ oder sonst irgend welchen Schwachsinn vorhergesagt haben? Ist ein Angebot „bis um Weltuntergang“ nicht von vorne herein absoluter Schwachsinn?

Klar! Natürlich ist es das! Und das Ganze hat natürlich gar nichts mit dem Maya-Kalender zu tun. Dieses Datum ist aus ganz anderen Gründen relevant. Es geht nämlich um das Angebot für eine spezielle Art von Versicherungen, und in diesem Metier wird sich am 21.12.2012 in Europa  tatsächlich etwas Entscheidendes ändern. Ab diesem Tag dürfen nämlich – nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs – bestimmte Versicherungstarife nicht mehr verkauft werden, wenn Männer und Frauen unterschiedlich behandelt werden. Diese Geschichte ist keineswegs neu, denn schon Anfang 2011 wies die Presse auf diesen Umstand hin:

Zur Begründung verweist der EuGH auf die EU-Gleichstellungsrichtlinie aus dem Jahr 2004. Sie verlange geschlechtsneutrale sogenannte Unisex-Tarife im Grundsatz schon ab dem 21. Dezember 2007 und sehe eine Überprüfung nach fünf Jahren, also am 21. Dezember 2012, vor. Damit das Ziel der Gleichstellung nicht unterlaufen werde, seien Ausnahmen danach unzulässig, urteilte der EuGH.

In der Praxis bedeutet dies, dass die davon betroffenen Versicherungsprodukte dann entweder für Männer teurer und Frauen billiger oder für Männer billiger und für Frauen teurer werden – je nachdem, welche Risiken bei dem jeweiligen Produkt abgesichert werden sollen. Immerhin können die Maya-Kalender-Irgendwaswirdpassieren-Fuzzies jetzt sagen, dass sich an diesem Tag tatsächlich etwas „ändern“ wird. Ist aber wirklich nicht sooo wichtig … … es sei denn man arbeitet in dieser Branche …

 





„Astrologie-Irrsinn“ in Nürnberg

29 06 2012

Walter Rotter heißt der Mann, der diesen Irrsinn in Nürnberg, genauer: im Nürnberger Rathaus, auslöste. Was war passiert? Der Mann, den die Zeitung als Guru bezeichnet, wollte wohl schon jahrelang irgendwie die Stadt beraten und hatte „bereits erfolglos versucht, im Sozialreferat und beim Schulbürgermeister Fuß zu fassen.“ Dann gelang ihm der große Coup: Er überzeugte die Leiterin im „Amt für Wirtschaft“ und erhielt darauf hin entsprechende Aufträge dieser Leiterin. Die Mitarbeiter reagierten wohl ein wenig irritiert, als sie bei Personalgesprächen nach genauen Geburtsdaten gefragt wurden und beklagten sich beim Personalreferenten. Ergebnis: Die Leiterin ist ihren Job – und Herr Rotter seinen gut dotierten (2.500 Euro cash für 10 Gespräche mit einem Mitarbeiter) Auftrag los.

So richtig absurd wird die Sache aber dadurch, dass sich Herrr Rotter irgendwie von der Astrologie abzusetzen versucht:

„Ein Astrologe erstellt ein Horoskop. Dazu braucht er neben dem Geburtstag und der Geburtsstunde auch den Geburtsort und das Geburtsjahr“, erläutert Rotter den grundlegenden Unterschied zwischen der Sterndeuterei und seiner sogenannten PQS-Theorie. „Die Charaktereigenschaften eines Menschen werden mit seiner Geburt als Wesenskern definiert. Das heißt, dass mit dem Geburtstag und der Geburtsstunde der Grundcharakter und die Prägung eines Menschen festgelegt wird.“

Also betreibt Herr Rotter was? Nein, nicht vorsagen! Fängt mit „A“ an und hört mit „strologie“ auf. Mag sein (bzw. ist höchstwahrscheinlich), dass er da eine ganz eigene Variante der Sterndeutung praktiziert, aber es bleibt dabei, dass er alleine aus den Geburtsdaten (Tag und Stunde) irgendwelche Schlüsse über den „Grundcharakter“ des Menschen zu ziehen meint – und sich damit von der Astrologie in Nichts unterscheidet.

Außerdem sollte man sowieso ein wenig stutzig werden, wenn man auf den Webseiten von Herrn Rotter folgendes liest:

Ich habe 40 Jahre Menschen studiert, beschreibt Rotter die Vorlaufzeit seines 1999 ausgestellten Patents.

Hmm, 40 Jahre? Eine echt lange Zeit! Aber 1999 ist lange vorbei, auf der aktuellen Homepage schreibt er, er betreibe

empirische Charakterforschung seit 46 Jahren

Schauen wir mal nach: Der Mann ist 1950 geboren, und wenn man seine Aussagen ernst nehmen möchte, dann hat er als 9-jähriger angefangen „Menschen zu studieren“ und betreibt seinem 16. Lebensjahr „Charakterforschung“. Er muss ein ziemlich frühreifes Kerlchen gewesen sein, wenn er wirklich so früh angefangen haben sollte … … aber da wäre doch sicher auch Zeit gewesen zu erkennen, dass seine „PQS“ genannte Methode nichts anderes als eine weitere astrologische Variante darstellt.

Aktuell wird übrigens darüber gestritten ob das Ganze nun vom Rechnungsprüfer in Augenschein genommen werden sollte. Eine Entscheidung gibt es noch nicht, aber wenn hier tatsächlich Steuergelder in Richtung dieses Astrologen geflossen sind, dann sollte man die dafür Verantwortlichen doch irgendwie auch finanziell in die Pflicht nehmen.





… und wieder keine Dollarmillion …

1 04 2012

Eine Million Dollar bietet die JREF (James Randi Educational Foundation) bekanntlich demjenigen Menschen, der seine übersinnlichen Fähigkeiten unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen zeigen kann. Natürlich haben es auch die Probanden in folgendem Video nicht geschafft:

Aber eigentlich ist der 1. April ja ein ganz anderer, wichtiger Termin für die Leute um James Randi. An diesem Tag werden trditionell die jährlichen Pigasus-Awards bekannt gegeben.Das dazugehörige Bild fand ich schon immer herzallerliebst:

So auch in diesem Jahr:

Ich gebe zu, es sind keine allzu spektakulären Preisträger darunter. Aber es ist ein guter Grund an den vom 18.-20. Mai in Berlin stattfindenden Welt-Skeptiker-Kongress zu erinnern. Dort werden – neben James Randi – eine ganze Reihe weiterer, weltbekannter Skeptiker zu sehen und zu hören sein.