Vermeintliche und echte Aprilscherze – mit und ohne Homöopathie

4 04 2012

Ich bin ja kein großer Freund von Aprilscherzen. Entgehen kann man ihnen kaum, und zumindest in den Medien gibt es immer mal wieder den einen oder anderen, der mir zumindest ein Schmunzeln, wenn nicht gar ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert. Dieses Jahr war es eine Meldung in Telepolis. Natürlich ist es Quatsch, dass die Bewohner der ehemaligen DDR für ihren damaligen Konsum des Westfernsehens von der GEZ nachträglich zur Kasse gebeten werden sollen. Andererseits – und das macht für mich einen guten Aprilscherze aus – liegt diese Meldung gar nicht so weit neben der Realität. Vielleicht wurde dieser Scherz ja wirklich von dieser echten Meldung inspiriert: Ein Mann soll für die Zeit seiner Obdachlosigkeit GEZ-Gebühren nachzahlen

Wissenschatliche Scherze sind bisweilen schwerer zu entdecken. In Brasilien versuchte der Scientific American mit einer Homöopathiestory den 1. April zu feiern. Den Text selbst fand allerdings nicht nur ich wenig lustig, denn das Ganze könnte ohne eine einzige Änderung tatsächlich in irgendeinem Homöopathiebuch stehen. Das Ganze beginnt – wie hier berichtet wird – so:

Homeopathy is known as an alternative treatment for human beings, but few people know about its utilization on animals, plants, soils, and water. This technique is the target of critiques regarding results and efficacy.  One of them is about the “placebo effect” of its remedies, which do not contain any trace of the raw material used in its preparation. To answer this criticism, a clarification is necessary: homeopathy is not related to chemistry, but to quantum physics, because it works with energy, not with chemical compounds that can be qualified and quantified.

Aber Moment! War das jetzt überhaupt ein Aprilscherz oder meint der brasilianische Scientific American das Ernst? Gibt es überhaupt eine brasilianische Version des Scientific American? Ok, die letzte Frage lässt sich einfach beantworten: Ja, es gibt eine. Um die erste Frage zu beantworten müsste man schon mehr über den Artikel wissen. Auf der verlinkten brasilianischen Internetseite konnte ich ihn nicht finden (das muss aber nichts bedeuten, denn ich kann kein portugiesisch). Ein Aprilscherz auf der zitierenden Seite kann man ausschließen, denn der Artikel trägt das Datum 3. April. So darf also weiter – zum Beispiel hier – darüber diskutiert werden, ob das jetzt ein missglückter Aprilscherz oder völlig missglückte Wissenschaft war. Letzteres wäre viel ärgerlicher!

Bei diesem Beitrag in den Science-Blogs geht es – zum 1.April – auch um Homöopathie, bzw. einen vermeintlichen Beweis dafür. Hier erschließt sich der Scherz auch nicht beim schnellen Querlesen, aber es reichen schon ein genauer Blick auf die ersten beiden Sätze nach der Einleitung:

Behandelt wurden Menschen, die mindestens 5 Jahre an morbus algia imperceptible litten, einer sehr seltenen Schmerzerkrankung des Metencephalon. Die Studie wurde an 5.000 Patienten und Patientinnen in einem Krankenhaus in Barcelona durchgeführt.

Eine sehr seltene Krankheit soll an 5.000 Patienten über 5 Jahre beobachtet worden sein? Das ist natürlich lächerlich, aber noch lächerlicher ist, dass die Krankheit ja „imperceptible“, also gar nicht wahrnehmbar sein soll.

Interessant wird in beiden Fällen sein, ob nicht vielleicht irgendwelche Homöopathen diese Artikel auf ihrer Homepage oder in irgendwelchen Veröffentlichungen als Argument dafür verwenden, dass ja sogar die „richtige Wissenschaft“ sich durchaus positiv zu ihrer glaubensbasierten Pseudomedizin äußert. Dass Aprilscherze – wenn sie gut gemacht sind – durchaus ein längeres Eigenleben führen können, war im Mathlog nachzulesen: Eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung aus diesem SB-Artikel zum 1. April 2009 fand ihren Weg sogar in die deutschsprachige Wikipedia – und wurde erst nach der Veröffentlichung des Mathlog-Artikels bereinigt.

Auf Heilpraxis.net scheinen die Autoren ein wenig verpennt zu haben, denn ihr Aprilscherz stammt vom 2. April. Alleine die 2. Überschrift spricht Bände:

Anti-Homöopathie-Gegner planen keine Aktionen mehr

Herrlich! Den Rest kommentiert Bernd Harder – inclusive echter homöopathischer Tipps – auf dem GWUP-Blog.





Schwachsinn hoch zehn …

3 04 2012

… ist dieser Artikel, in dem es einem BILD-Journalist aus Dresden gelingt in 224 Wörtern bzw. 1284 Zeichen eine rekordverdächtige Anzahl Unsinn unterzubringen. Nicht dass ich von der BILD-Zeitung intellektuell anspruchsvolle Artikel erwarte, aber dieser ist eine absolute Meisterleistung. Es geht um einen 11 cm hohen, schwarzen Schädel „aus Vulkangestein“, der einem Mann gehört (zu dem später mehr), der Reisen zu Kornkreisen organisiert und diesem Steinschädel magische Kräfte zuschreibt.

Angeblich ist der Kopf Tausende Jahre alt und stammt von den legendären Maya. 

Ja! Genau! Angeblich! Übrigens: Man könnte das ganz einfach wissenschaftlich überprüfen … … aber der mutmaßliche Journalist glaubt diesem Mann (zu dem später mehr) offensichtlich alles.

[…] glaubt, dass die Skulptur SS-Chef Heinrich Himmler († 44) gehörte. (5)

Muss es unbedingt diese stinkende, braune Sosse sein? Aber der Mann (zu dem später noch einiges zu erzählen ist) darf seinen Schwachsinn weiter verbreiten:

Der Dresdner dagegen erklärt, er habe recherchiert und herausgefunden, dass Himmler mit Geldern aus dem berüchtigten „Amt Ahnenerbe“ 1937 bis 1939 eine Expedition nach Tibet entsandte.

Für diese Recherche reicht ein kurzer Blick in die Wikipedia (hier die englische Webseite zum Thema) …

Dort sollen die Nazis solch einen Schädel aus einem Kloster geholt haben.

Äh, Moooooment! Wie kommt eigentlich ein Maya-Schädel (Mittelamerika) in ein nepalesisches Kloster (Mitten in Asien)? Das wäre eine einfache Frage gewesen, und die Antwort hätte mich wirklich sehr interessiert. Aber stattdessen gibt es das vermeintliche Gerücht eines eventuellen Schlüssels zur Weltherrschaft:

Die Nazis waren der Überzeugung, dass 13 solcher Schädel existierten. Wer sie zusammenführt, besitzt einen Schlüssel zur Beherrschung der Welt.

Wen interessiert eigentlich, von was die Nazis überzeugt waren? Viel interessanter ist sowieso die Geschichte, wie dieser Mann (zu dem gleich noch ein wenig zu sagen sein wird) den Steinschädel 2009 von jemanden geschenkt bekommen habe will, dessen Vater bei der Verhaftung Himmlers (jetzt reicht’s aber mit dem braunen Zeugs!) dabei gewesen sein soll. Und jetzt wird’s noch mystischer, denn der Schädel hat das dem Ex-Besitzer selbst eingeflüstert:

Sein Vater hätte ihn aufbewahrt. Doch nun forderte der Schädel, der ‚Quauthemoc‘ heiße und telepathisch Kontakt aufnehme, dass man ihn an mich übergebe.

Wow! Ein Kristallschädel mit eigenem, mystisch klingenden Namen, der sich seinen neuen Besitzer (gleich noch mehr zu ihm) selbst aussucht. Und wenn wir schon bei den Maya sind, dann muss natürlich auch noch dieses ominöse Datum aus dem Dezember dieses Jahres verbraten werden:

Ein Maya-Nachfahre hat jetzt Schädelbesitzer aus der ganzen Welt zu einem Treffen in die alte mexikanische Stadt Palenque eingeladen. Ausgerechnet für den 21. Dezember 2012 – dem letzten Tag des Maya-Kalenders, an dem angeblich die Welt untergeht!

Ja, ich habe den letzten Link getürkt! Normalerweise wird auf eine Seite der BILD verwiesen, aber bei Astrodicticum ist dann doch ein klein wenig mehr Information zu diesem Thema zu finden …

Aber nun zu dem Herrn, der hier unkommentiert seine braunen Referenzen und weitere Hirngespinste vorstellen darf, denn den musste ich hier schon des Öfteren erwähnen. Es ist niemand geringerer als der Erfinder der wunderbar lächerlichen Palmblattprognosen, in denen er für 2011/2012 unter anderem Folgendes gelesen haben will:

In den europäischen Metropolen wird es Aufstände geben, die sich zum großen Teil auch gegen dort ansässige Ausländer richten werden. Besonders blutige Kämpfe werden sich in Paris und Rom, aber auch in Madrid, London und Prag abspielen. In Rom wird auch der Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche gestürmt. Zahlreiche Würdenträger sterben bei den Plünderungen, auch der Papst, der zwar zunächst fliehen kann, jedoch außerhalb von Rom in einen Hinterhalt von Plünderern gerät.

Was mich außerdem irritiert, ist die Tatsache, dass dieser Mann – ebenfalls aus den Palmblättern – auch folgenden Satz gelesen haben will …

Die Möglichkeit, nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit zu reisen, wird durch Experimente im Jahr 2012 sowohl in der Schweiz als auch in Australien bewiesen werden.

… zu dem er die entsprechende Reise anbietet:

Jeder Mensch träumt vermutlich irgendwann im Leben davon, in eine andere Zeit zu reisen. Aber für die meisten wird das wohl ewig ein Traum bleiben.Wie soll das auch gehen? Unter dem Namen „Time Machine 1212“ hatten vor einigen Jahren ein paar Männer eine Idee, wie dieser Traum vielleicht doch zu verwirklichen geht. Diese Idee ist so simpel, dass man sie ruhig genial nennen kann. In einer einzigartigen Versuchsanordnung setzen nun der Diplom-Physiker Walter Gith, der Diplom-Ingenieur Uwe Aloé und der Ökonom Bernd Siebler als Initiatoren ihre Idee in die Wirklichkeit um. Unter der Annahme, dass ein Zeitreiseverfahren in der Zukunft entwickelt wird, hat das Projekt exzellente Chancen erfolgreich zu sein. Vielleicht wird ja auch gerade diese jetzige Initiative zur zukünftigen Erfindung eines Zeitreiseverfahrens massgeblich beitragen? Wenn am 12.12.2012 keine Zeitmaschine erscheinen sollte, wäre im Umkehrschluss der Beweis erbracht, dass Zeitreisen grundsätzlich nicht möglich sind. Erleben Sie mit uns am 12.12.2012 das „Jahrtausend-Zeitreise-Experiment“ in Queensland/Australien.

Immerhin, das Timing der Reise nach Australien erlaubt, dass der entweder-an-alles-Glauber-oder-allen-Schwachsinn-für-sein-Geschäft-ausnutzende Herr Ritter noch rechtzeitig zu diesem ominösen Schädel-Event nach Palenque reisen kann. Meine Prognose für Palenque ist einfach: Leute, das mit der Weltherrschaft wird auch dann nicht klappen, wenn sich dort statt 13 dann doch 3000 Kristallschädelbesitzer einfinden werden …





Akademische Titel für Esoterik? Die schwierige und die einfache Variante!

28 03 2012

Die schöne bayrische Kreisstadt Traunstein wird seit einiger Zeit von wissenschaftlich denkenden Mitmenschen eher mit Kopfschütteln bedacht. Die Stadt will sich doch tatsächlich mit einer Hochschule für Homöopathie schmücken – und die Begeisterung der Entscheider ist schier grenzenlos. Ein Glücksfall soll das sein, auch wenn die designierten Betreiber schon mal vorsorglich auf ein kleines Problemchen hinweisen (und böse Kommentare von Kritikern zu lesen sind):

Als Wermutstropfen mussten die Stiftungsvertreter einräumen, dass die Frage der Anerkennung des Abschlusses derzeit nicht endgültig geregelt sei.

Etwa 150 km entfernt von Traunstein ist man schon ein wenig weiter. In Freising machte die Hochschule Weihenstephan Schlagzeilen, weil es dort schon hochoffiziell ein Modul mit dem wunderschonen Namen „Landschaftsästhetik & Geomantie und Feng Shui in der Landschaftsarchitektur“ gibt. Die Reaktionen auf dieses Angebot waren eindeutig, sogar der  Spiegel kommentierte. OK, einen Bachelor oder Master gibt es für diesen esoterischen Quatsch nicht, zumindest nicht alleine, aber man kann immerhin eine Abschlussarbeit mit einem solchen Mumpitz-Schwerpunkt schreiben.

Ebenfalls in Freising befindet sich der 2. Studienort von animalmundi. Diese selbst ernannte „Schule“ bildet z.B. Tierhomöopathen aus – und sammelt Spenden um ihr spezielles Anliegen zu unterstützen: Ihre so genannten Ausbildungen sollen doch bitte Bachelor-Weihen erhalten, es soll sogar der Bachelor of Science sein!

Das mit dem Bachelor ist in Deutschland allerdings ein wenig schwierig. Es gibt hier nur 5 Varianten und „Laws“, „Education“ und „Engineering“ scheiden für solche Themen von vorne herein aus. Bleiben noch „Arts“ und „Science“, aber mit Wissenschaft haben die drei Studienangebote in etwa so viel zu tun wie der Papst mit dem Wechseln von Babywindeln. Bleiben also nur die „Arts“, also Sozial-, Sprach-, Kultur-, Informations– und Wirtschaftswissenschaften. Immerhin! Und genau so machen sie das ja auch in Frankfurt/Oder, denn an der Viadrina gibt es seit 2008 einen Studiengang Komplementäre Medizin, der in der Presse und in Blogs kritisiert wurde, und einen Master of Arts bescheren soll (hier die Beschreibung). Die Homöopathen hatten das Spielchen übrigens auch in der Homöopathiestadt Köthen, gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, probiert, scheiterten aber daran, dass den Magdeburgern offensichtlich das Geld für solchen Humbug fehlte.

Diese gewünschte oder bereits angebotenen Titel haben zwei entscheidende Nachteile. Außer dem – nicht titelrelevanten – Wahlmodul zu Geomantie und Feng-Shui in Weihenstephan sind die anderen Studienangebote ausnahmslos kostenpflichtig. Das bedeutet, dass man nicht nur  jahrelang arbeiten und lernen, und am Ende sogar noch eine Prüfung ablegen muss – das ganze kostet auch noch reichlich Bares. Und das ganze nur um dann den Titel eines Bachelor oder Master „of Arts“ führen zu dürfen? (Ich kann ja leider nicht ausschliessen, dass solcher unwissenschaftliche Unsinn nicht doch irgendwann ‚mal mit einem „of Science“ Titel geadet wird, hoffe es aber nicht!) Allzu eindrucksvoll ist dieser Titel ja nicht. Außerdem sagt der Titel alleine rein gar nichts über irgend eine Qualifikation des Trägers aus. Der „of Arts“-Titelträger könnte ebenso gut ein Wirtschaftswissenschaftler o.ä. sein.

Viel eindrucksvoller wäre es natürlich, wenn man schon am Titel selbst sehen könnte, dass der Titelträger eine Koryphäe in seinem – esoterischen – Gebiet ist. Hier bietet diese Seite eine billige und viel einfachere Alternative. Statt jahrelang an irgend einer obskuren Hochschule zu lernen und sich einer Prüfung zu unterwerfen kann man sich viel eindrucksvollere Titel ja auch einfach kaufen. Und das sind keine Bachelor oder Master, es sind echte Doktor- oder Professorentitel, die man in vielen „Fachgebieten“ erwerben kann. Dass man diese Titel in der Öffentlichkeit nicht einfach mit Dr. oder Prof. abkürzen darf ist dabei nicht einmal ein Nachteil, denn an diesem Titel kann man genau erkennen in welchem Gebiet der Träger  als Scharlatan unterwegs ist sich nach außen als Meister seines Fachs ausgeben will. Zu den rechtlichen Fragen empfehle ich diese Seiten des Anbieters. Scheinbar dürfen selbst ernannte Kirchen alle möglichen Titel vergeben und diese Titel dürfen auch in Deutschland verwendet werden – so lange sie nicht mit echten akademischen Titeln zu verwechseln sind*.

Also warum in Traunstein oder sonstwo studieren, wenn man den Titel eines Dr. h.c. of Homeopathy für kleines Geld (mit einem Groupon-Gutschein kostet der Spaß mit dem Doktortitel gerade mal 39 Euro, der Prof. ist 10 Euro teurer) erwerben kann? Ok, wenn man den Titel tragen will muss man ihn in voller Länge angeben, und das sieht dann so aus:
Dr. h.c. of Homeopathy, MLDC Institute (USA)

Wow! Ist das nicht viel eindrucksvoller als ein schnöder „Bachelor of Arts“ oder „Master of Arts“? Das ist ja sogar ein Dr. (oder Prof.) h.c., also einer der ehrenhalber verliehen wird. Bestimmt für höchst aufsehenserregende Forschungen oder Erkenntnisse in dem entsprechenden „Fachgebiet“ … … dass man einen solchen Titel auch für eine wirklich kleine Spende erwerben kann, daran dürften die Leser der entsprechenden Visitenkarte eher nicht denken. Auch für die Fans der Viadrina gibt es passende Titel:

Dr. h.c. of Alternative Therapy, MLDC Institute (USA)

Dr. h.c. of Alternative Health, MLDC Institute (USA)

Nein, ich möchte hier nicht darüber diskutieren, dass eine Alternative zu Therapie oder Gesundheit eben eigentlich „keine Therapie“ oder „keine Gesundheit“ bedeuten kann. Für die Studenten in Weihenstephan-Triesdorf empfehle ich die beiden folgenden Varianten:

Dr. h.c. of Dowsing, MLDC Institute (USA)

Dr. h.c. of Feng Shui, MLDC Institute (USA)

Klingt das nicht hervorragend? OK, die Tierhomöopathen kriegen keinen eigenen Titel, aber dafür gibt es noch viele andere, über die man wirklich ernsthaft nachdenken könnte. Zum Beispiel dieser:

Dr. h.c. of Ufology, MLDC Institute (USA)

Man muss dafür nicht einmal behaupten, einmal von einem Ufo entführt worden zu sein! Ein paar Euro genügen und Sie sind bei allen UFO-Fans der absolute Star. Wenn Sie sich hingegen gerne irgendwelche pseudophilosophischer Schwurbeltexte in Anwesenheit anderer Menschen entäußern möchte, dann empfehle ich den

Dr. h.c. of Metaphysics, MLDC Institute (USA)

Andere werden lieber diesen Titel erwerben wollen:

Dr. h.c. of Apologetics, MLDC Institute (USA)

Eigentlich ist das ja ein Dr. in Ausreden, aber Apologetics klingt besser …

Meine absoluten Favoriten sind aber die folgenden beiden. Zum ersten der:

Dr. h.c. of Divinity, MLDC Institute (USA)

Einen Doktor h.c. in Göttlichkeit zu besitzen ist schon obercool. Man könnte das ja leicht abkürzen und auf die Frage „was machst’n du“ immer gleich mit „Ich bin Gott ehrenhalber“ antworten. Denn was soll ein Dr. in Göttlichkeit denn sonst aussagen?

Noch besser ist natürlich dieser Titel:

Dr. h.c. of Immortality, MLDC Institute (USA)

Einen Unsterblichkeitsdoktor verleiht die „normale“ wissenschaftliche Community schon gleich gar nicht. Ich frage mich nur, ob die Erben dann – falls der Träger dieses Doktortitels denn trotzdem irgendwann einmal ableben sollte – die Gebühr für den Titel zurückverlangen können? Aberkennen kann man diesen Titel ja nicht so einfach …

Es fehlt natürlich noch der Titel für den aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts überhaupt. Diesen würde ich selbstverständlich sofort erwerben:

Dr. h.c. of Sheng Fui, MLDC Institute (USA)

Ob mein charismatischer Lieblingsguru vielleicht dafür sorgen könnte, dass auch dieser Titel verfügbar wird?

* das finde ich das wirklich Beste an dieser ganzen Sache. Offensichtlich haben diese kaufbaren Doktortitel auch deswegen so tolle Namen, damit sie nicht mit echten Doktortiteln verwechselt werden können. Das „Fachgebiet“ muss wohl ausreichend unwissenschaftlich sein, damit es für die „Allgemeinheit“ als reiner Kauftitel erkennbar werden kann (wenn sich die Leute da mal nicht täuschen) …





Maya-Kalender endet schon diese Woche – am 28.10.2011 …

24 10 2011

… zumindest derjenige, an den sich dieser Blogger anzulehnen scheint:

Am 9. März 2011 begann die Neunte und letzte Welle des Mayakalenders. Sie dauert 234 Tage und endet am 28. Oktober 2011 gemeinsam mit allen acht vorhergehenden Wellen. Sie bildet damit den Höhepunkt und Abschluss der gesamten Zeitrechnung des Mayakalenders.

Und nun? Also doch nicht der vorweihnachtliche 21.12. im nächsten Jahr? Klar, dass dies Widerspruch hervorruft – die Astrologin Antonia Langsdorf wagt den Autor zu kritisieren, denn sie hat „das Phänomen 2012 mit den verlässlichen Vorhersagemethoden der Astrologie“ untersucht, und wenn der jetzt Recht hätte, dann wäre ihr Buch, ja ihre ganze „verlässliche Vorhersagemethode“ wohl irgendwie doch eher Mumpitz. Obwohl, wenn man eine Mumpitztheorie mit einer Mumpitzmethode zu untersuchen sucht, dann ist das Ergebnis ja von vorne herein klar …

Der Autor wagt seine abweichende Meinung zum vermeintlichen Kalenderende sogar zu begründen und verweist auf einen alten Schweden, der schon seit einiger Zeit in Texten wie diesem auf den kommenden Freitag hinweist und dies übrigens in diesem Text mit zwei Erdbebenkatastrophen  belegt:

I thus think that plate tectonics and earthquakes are a necessary side effect of the creation of resonance between the human beings and the Earth and that when a new wave starts its interior structure needs to undergo change.

Wenn irgend eine neue Welle im Kalender der Maya beginnt, dann wird irgend eine Resonanz gebildet die dann die Plattentektonik in Bewegung setzt … … und dann rumpelts in der Erde, wie damals (1755) in Lissabon und dieses Jahr in Japan. Für andere Erdbebenkatstrophen (Haiti, Tsunami in Südostasien, etc.) war der Mayakalender bzw. einer seiner „Wellenwechsel“ aber scheinbar nicht verantwortlich, denn sonst hätte der Autor das ganz bestimmt in bester Leichenfledderermanier erwähnt.

Wie sich solcher Quatsch auf Deutsch liest kann man in der Antwort des Bloggers auf Antonia Langsdorfs Kritik lesen:

Das Enddatum kann jedoch plausiblerweise nur auf einen Tag fallen, der 13 Ahau im Tzolkin entspricht. Daher scheidet der 21.12.2012 (4 Ahau) als Enddatum automatisch aus. Wenn man die „Lange Zählung“ bedenkt, dann kann man erforschen, wann diese begonnen hat. Das entspricht dem gregorianischen Datum 11.08.3115 vor Christus. Ganz genau 13 Baktuns später endet der Mayakalender, das entspricht dem 28.10.2011.

Die Plausibilität des Datums der abschließenden Neunten Welle vom 09.03.2011 bis 28.10.2011 ergab sich für mich nicht erst jetzt im August, sondern bereits am 11. März durch das Erdbeben von Fukushima. Wenn man das Erdbeben von Lissabon zu Beginn der Siebenten Welle am 01.11.1755 als Vergleich hernimmt, dann erkennt man, dass diese beiden Beben jeweils ganz zu Beginn einer ganzheitlichen Welle an genau demselben Breitengrad fast exakt am gegenüberliegenden Längengrad stattgefunden haben. Das entspricht ganz genau den gegensätzlichen Energien der Siebenten und Neunten Welle.

Ob jetzt diese Woche schon wieder die Welt irgendwie untergehen oder sich sonst etwas Revolutionäres auf irgend einer „energetischen“ oder spiritüllen Ebene tun soll, das war mir beim Überfliegen dieses Geschreibsels nicht so ganz klar. Beruhigend für die Angsthasen ist vielleicht, dass laut Frau Langsdorf die Welt jedenfalls auch am 21.12.2012 nicht untergehen wird.

Echte Informationen zum ganzen Mayakalenderhype liefern übrigens die 2012-FAQ bei Astrodicticum Simplex. Wer sich dort informiert kriegt genügend Argumente um sich gegen das ganze unsinnige Geschwurbel dauerhaft zu immunisieren.





WM-Prognosen Update: Hemispheren, Trikotfarben, Kraken, ein Erzengel und die Sterne

23 06 2010

Deutschlands WM-Gewinnwahrscheinlichkeit ist beim World Cup-Predictor des Co-Sponsors Castrol nach der Pleite gegen Serbien wieder gefallen. Dafür taucht jetzt erstmals Portugal in der Spitzengruppe auf – und Uruguay hat jetzt die gleiche Wahrscheinlichkeit wie die deutsche Mannschaft vor Turnierbeginn. Der regelmäßige Update der Seite lässt netterweise ausgeschiedene Teams auch gleich „verschwinden“:

Ob sich nach dem Spiel heute Abend auch die deutsche Fahne im „Schattenreich“ der Titelwahrscheinlichkeiten wieder findet bleibt anzuwarten. Die Fans werden sich natürlich gerne auf die Prognose von Hellseherin Annelie Eik (Vielen dank an den Vechtablog!) verlassen, die ihr direkt vom Erzengel Gabriel eingeflüstert wurde. OK, das Ende der deutschen Titelträume hat sie auch vorhergesagt, denn mit dem Halbfinale soll’s nichts werden – es sei denn der Erzengel hat sie angelogen.

Wer sich lieber an die Prognosen real existierender Wesen hält, dem sei Paul empfohlen. Der im Sealife Oberhausen lebende Oktopus soll bei seinen Prognosen zu den bisherigen WM-Spielen der deutschen Mannschaft eine 100%ige Trefferquote haben – für das Ghana-Spiel setzt das Krakenorakel wieder auf Deutschland! Ob Paul treffsicherer ist als seine Kollegen Benedikt und Angus bei der WM 2006? Diese sahen damals die  deutsche Mannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien ausscheiden …

Das astrologische WM-Tippspiel im Forum von astrologie.de liefert neben Ergebnisprognosen sogar noch Ratereien für den Zeitpunkt des ersten Treffers – komischerweise unterscheiden sich die Prognosen der Astropraktiker, auch wenn gleich zwei Mal das erste Tor für die 14. Spielminute prognostiziert wird. Nicht ganz so genau, aber immerhin optimistisch, schaut dieser Astrologe in die Sterne:

Also könnte man sagen, beide Favoriten gewinnen. Wir tun das mal und sagen hier einen Sieg für Deutschland und einen für Serbien voraus.

Update (23.6., 13:20 Uhr): Im Starfish-Blog wird auch gehofft, aber dort scheint die Autorin in den Sternen nichts Genaues zum Ghana-Spiel erkennen zu können:

Schwierig, schwierig. Ich glaube, die Sterne wollen mir nicht sagen, wer heute Abend gewinnt. Vielleicht ist das eine der Situationen, in der einfach noch alles offen ist und der Kosmos jetzt die Frage nicht beantworten kann.

Ob Herr Amann seine Prognoseseite mit den heutigen Spielen anreichert weiß ich nicht ( ich werde kurz vor 16:00 Uhr nochmals nachschauen und dann ggf. ein Update einfügen – Update 23.6., 22:48 Uhr: Für die Spiele heute gab es tatsächlich keine Prognosen von Herrn Amann … … die Seiten von 16, 18 und 22 Uhr sind jeweils auf WebCite archiviert – Update 24.6. 14:30: Für heute gibt’s wieder Prognosen), bisher ist seine Trefferquote jedenfalls nicht allzu berauschend. Bei 34 Spielen zu denen er einen wahrscheinlichen Sieger genannt hatte lag er 14 Mal richtig und  11 Mal falsch (die 9 Unentschieden fallen – gemäß seiner eigenen Treffer-Definition – aus der Wertung). Auch auf einen Titelgewinner will er sich astrologisch bisher noch nicht festlegen sondern bietet mit Argentinien, Brasilien, Deutschland, England und Uruguay fünf mögliche Weltmeister an.

Die südafrikanische Stundenastrologin Jaqueline Brook traut sich auch nicht, irgendeinen „astrologischen Favoriten“ zu küren. Sie sieht den Sieger in der „nördlichen Hemisphere“ beheimatet – Glück für Brasilien, denn dieses Land rechnet sie sowohl der südlichen als auch der nördlichen zu, Argentinien und Uruguay hätten demnach allerdings keine Chance. Spätestens zum Halbfinale will sie sich auf einen Favoriten festlegen (dann ist die Auswahl ja auch weniger groß) und überläßt es ihren Lesern ob diese die Ergebnisse schon vor dem jeweiligen Anstoß wissen wollen:

As the tournament unfolds I will take a closer look at certain teams and add the predictions for those matches to this article on this web site; it is up to the reader to decide if they wish to know the outcome of these events prior to kick-off, or not. The most exciting weeks will obviously be those of the semi finals and finals and by then I will have decided on a firm favourite!

Andi Singh aus Malysia will zumindest die Trikot-Farben der besten Teams aus den Sternen gelesen haben:

teams wearing green, purple, gray and brown would do well at this year’s World Cup.

Aha, und das grüne Team wird das braune im Finale schlagen … … fragt sich nur, welches Team überhaupt in braunen Trikots aufläuft! Vielleicht sollte sich der DFB jetzt ganz schnell noch neue Trikots bestellen, denn soweit ich weiß haben die deutschen Leibchen keine der genannten Farben – aber bitte nicht blau oder rot, denn damit sieht’s im Finale ebenfalls schlecht aus.





Wir basteln uns ein Argument für eine Verschwörungtheorie: per e-Petition!

10 03 2010

Eines der schwachinnigsten Themen aus dem reichhaltigen Fundus der Verschwörungstheoretiker sind die so genannten „Chemtrails„. Irgendwie sollen über die Kondensstreifen von Flugzeugen irgendwelche Substanzen oder Nanopartikel großflächig verteilt werden um irgendwie ganz superböse die Menschen oder das Wetter oder was auch immer zu manipulieren. Für Verschwörungstheoretiker ist es natürlich viel einfacher, daran zu glauben, dass zigtausende von Piloten, Servicetechniker auf Flughäfen, Hersteller der Chmikalien bzw. Nanopartikel und so weiter alle absolut verschwiegen sind, als die Ergebnisse der – reichhgaltig vorhandenen – wissenschaftlichen Forschungen zu diesem Thema anzuerkennen. Wobei die Wissenschaftler selbstverständlich auch in die Verschwörungstheorie eingeweiht sein müssen, denn warum sonst würden sie die Wahrheit über die bösen Chemtrails in ihren Forschungsergebnissen so beharrlich unterschlagen?

Eine Schwäche hat der ganze Chemtrailschwachsinn sowieso: Bisher habe ich noch nicht einmal von einem Kronzeugen gehört, einem aus der Riege der zigtausend Beteilgten, der irgend einen Beleg dafür liefern könnte, dass diese – natürlich nicht genannten – Chemikalien oder Nanopartikel (oder beides?) tatsächlich an dem ein oder anderen Flugzeug heimlich aus den von den Chemtrailverschwörern genannten Gründen appliziert wurden. Das macht aber nichts, denn es gibt ein anderes „Argument“, das mindestens ebenso eindrucksvoll erscheint und das man leicht binnen weniger Minuten selbst erzeugen kann. Und das geht so:

  1. Registrieren auf der Petitionsseite unserer Bundesregierung
  2. Eine e-Petition erstellen, wie z.B. diese, die kurz und knackig fordert:  Der Deutsche Bundestag möge beschließen , daß der Einsatz von Geoengineering im Luftraum über Deutschland verboten wird.

Da steht jetzt zwar nichts von Chemtrails, aber genau das ist mit „Geoengineering“ gemeint. Und für die Verschwörungstheoretiker ist das wirklich ganz toll, denn jetzt steht das Thema sogar auf einer offiziellen Regierungsseite. Und auch wenn Verschwörungstheoretiker ja den bösen Mächtigen immer irgendwie alles zutrauen und ihnen permanent Vertuschungen und Lügen vorwerfen, eine „offizielle“ Erwähnung der Verschwörungstheorie auf einer Regierungsseite gilt als absoluter Beweis dafür, dass an der Sache doch irgendetwas dran sein muss. Das meint auch ein Mensch aus der Community eines (nicht eingetragenen) Vereins von Hobby-Verschwörern in ihrem Forum (hier die unschöne Kopie auf WebCite®):

ich find die petition super… wird wahrscheinlich den kurs der regierenden nicht ändern, aber wenigstens kann man jetzt auf eine petition verweisen die auf einer regierungsseite steht …

Ist das nicht herrlich? Und es wird sogar noch besser: Wird die e-Petition abgeschmettert oder gar gelöscht, dann kann man weiter auf die böse Regierung schimpfen, die das Thema – wieder einmal – unter den Teppich gekehrt bzw. schlicht und einfach „wegzensiert“ hat.

Ob ich jetzt auch eine e-Petition erstellen soll? Immerhin verschwinden – nicht nur bei mir zu Hause – immer wieder einzelne Socken und ich fordere deswegen die Bundesregierung auf, sich endlich einmal um die Erforschung dieser – unter Skeptikern ja fast schon sprichwörtlichen – Sockenmonster zu kümmern und endlich Gegenmaßnahmen gegen diese Viecher einzuleiten. Es ist doch wirklich ein Skandal, dass man die Bevölkerung weiter darunter leiden lässt. Die Zahl der täglich verschwindenden Einzelsocken geht sicher in die Tausende und alleine der finanzielle Schaden für die Bevölkerung (die ja Geld für neue Sockenpaare ausgeben muss) dürfte sich pro Jahr auf mehrere Millionen Euro beziffern lassen. Das liegt eindeutig daran, dass die sockenproduzierende Industrie und der dazugehörige Handel durch gezielte Lobbyarbeit diese dringend notwendigen Forschungen verhindert sowie bereits besetehende Forschungsergebnisse unterdrückt. Es wird Zeit, dass sich das endlich ändert, deshalb wird meine Petition wohl so lauten:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen , daß die in vielen Waschmaschinen offensichtlich beheimateten „Sockenmonster“ endlich grundlegend erforscht und diese Forschungeergebnisse veröffentlicht werden, um der leidenden Bevölkerung endlich effektive Gegenmaßnahmen zu ermöglichen.

Ich war übrigens letzte Woche wieder betroffen, dieses Mal hat’s eine meiner Wundersocken erwischt! Bei der einzureichenden Petition könnte ich also genau so – wie Kommentatoren aktuell bei der Chemtrail Geoengineering-Petition – Zeugnis ablegen. Klar, dank des blauen Himmels sieht man Kondensstreifen, vor denen man sich fürchten kann, weil in diese irgendetwas „hineingesprüht“ worden sein soll, und genau das wird in meinem Lieblingsbeitrag aus dem Forum auch erwähnt:

Bei uns das gleiche, gestern abend Sternenklarer Himmel, gestern den ganzen Tag blauer Himmel und heute Morgen fingen sie schon wieder an erst vor der Sonne zu Sprühen und mittlerweile fliegen sie in Formation nebeneinander und ziehen dicke Streifen

Ob das daran liegen könnte, dass ein Flughafen in der Nähe ist?

Raum: frankfurt

Dacht‘ ich’s mir doch …





Leichenfleddererupdate für Haiti

28 01 2010

Ich habe heute eine neue Kategorie für den Blog angelegt: „Astrologische Leichenfledderei“! Wie gewohnt kann menschliches Leid gar nicht groß genug sein,  die astrologischen Leichenfledderer kommen aus ihren Löchern gekrochen und krähen ihre an Absurdität nicht zu überbietenden Erklärungsversuche der( Netz)Welt entgegen. Auf den Leichen der laut aktueller Zählung ungefähr 150.000 jämmerlich verreckten Mitmenschen in Haiti (die übrigens ganz bestimmt nicht alle eine ähnliche Konstellation im Horoskop hatten) kann man ja schön sein Süppchen kochen und zeigen, wie toll man über das Sternenzeugs schwurbeln kann. Heute im Angebot: Der aktuelle Newsletter vom Allgeier-Verlag (darauf hätte ich wetten können – ist ja nicht das erste Mal), die Astrologin Susanne Eder und ein unbekannter Mailschreiber, der meinte sich bei der GWUP melden zu müssen.

Der anonyme Mailschreiber äußerte sich so:

Ich habe am 09.01.2010 vorhergesagt das das Jahr 2010 Jahr der Katastrophen wird das mit Haiti war erst der anfang,

Ok, wann und wo diese Vorhersage (wenn überhaupt) getätigt wurde ist piepegal, denn irgend ein Schwurbifex kündigt alljährlich das „Jahr der Katastrophen“ an. Wann? Wo? Was? – Fehlanzeige! Stattdessen im Nachhinein sich in irgend einer Katastrophe suhlen und die Leichen als Trophäen der eigenen Prognosekunst präsentieren – das ist schäbig und entlarvt den Schreiber als aufgeblasenen Wichitigtuer.

Im Langzeitarchiv der österreichischen Astrologin Susanne Eder findet man ihre Texte zu früheren Jahren, sogar mit haarsträubenden „Trefferkommentaren“ garniert. Für 2009 war folgende Sequenz in ihrem Jahrestext zu finden:

WETTEREXTREME – UMWELTKATASTROPHEN
Ab April, wenn Jupiter mit Neptun in Konjunktion steht, könnte es zu extremen Niederschlägen kommen. Hochwasser und Überschwemmungen könnten viel Unheil anrichten.

Allgemeines Blabla wie tausendmal gelesen – aber was will sie damit vorausgesehen haben? Das Erdbeben in Haiti natürlich:

3) Das Erdbeeben in Haiti, war zwar erst im Jänner 2010, aber auch hier war die Jupiter-Neptun-Konjunktion noch gegeben.

Und warum nur in Haiti und nicht anderswo? Und warum gerade zu diesem Datum und nicht zu einem anderen? Aber wem Sätze wie die folgenden in die Tastatur entgleiten …

Die Theorie der Quantenphysik bestätigt eigentlich das Jahrtausende alte Wissen der Astrologen, die immer schon sagten: „Wie oben, so unten.“

… dem kann man nur empfehlen sich die Bitte von „die wahrheit“ in den nächsten 6 Wochen immer wieder anzuhören und besonders die 2. Hälfte genau zu beachten – und dann langsam das Antischwurbelmantra für jedes einzelne Wassermolekül wiederholen, das sich bei einer homöopathischen D30 Potenz um ein einziges Wirkstoffmolekül kümmern muß:

QuantensindkeinArgumentgradwennmansiegarnichtkennt erstmalkapiernumwas’sgehtbevormanseineStimm’erhebt

Und dann, aber wirklich erst dann, reden wir in aller Ruhe über Erdbeben. Aber bis dahin dürfte die Dame ein wenig beschäftigt sein (ich rechne gerne aus wie lange das dauert …).

Den Vogel schießt aber wieder einmal der aktuelle Alllgeier-Newsletter ab: Nachdem für die Fakten wikipedia zitiert wird geht’s los:

In der Januar-Ausgabe von STERNBILD schrieben wir unter der Rubrik „Wetter“: „Saturn im Quadrat zu Pluto zeigt im gesamten Januar weltweit eine Gefahr von Naturkatastrophen an.“

Na und? Das haben zig andere auch geschwurbelt! Und was hat das Wetter mit Erdbeben zu tun????

Wie wir nun in der Vergangenheit immer wieder beobachten konnten, ist vor allem Pluto an Erdbeben beteiligt.

Pluto? Der Nichtmehrplanet? Böser Pluto!

Astrologisch gesehen herrscht Pluto ja auch über die tieferen Regionen der Erde.

Und wie macht der Pluto das?

Zurück zum Beben von Haiti. In diesem Unglückshoroskop tritt wieder einmal der schnell laufende Mond als Zündfunke in Erscheinung.

Das hatten wir doch schon ‚mal! Auch beim Amoklauf eines Schülers in Ansbach und beim S-Bahn-Mord in München war doch der Mond der Schuldige – schön, dass die Allgeiers so wunderbar Bescheid wissen – läuft also der Mond auf Saturn zu, dann gibts laut den Allgeiers Mord und Amoklauf, wendet er sich gen Pluto dann bebt die Erde …

Er läuft auf Pluto zu, der sich nicht nur in diesem großen und lang andauernden Quadrat zu Saturn befindet, sondern an diesem Tag zusätzlich eine enge Konjunktion mit dem rückläufigen Merkur bildet.

… aber nur wenn gleichzeitig … … was für ein hanebüchenes, dummdreistes Geschwafel im Nachhinein! Können die Macher dieses Newsletters nicht einfach ‚mal sagen, dass sie etwas nicht vorausgesehen haben?

Eine Konstellation, die im Sinne der möglichen astrologischen Analogien etwa auch zu Massenunfällen hätte führen können.

War aber nicht – was soll den die ganze Prognostiziererei, wenn die „Profis“ nicht mal sagen können ob’s auf der Autobahn kracht oder sich irgendwelche tektonischen Platten verschieben?

Der Mond läuft nun in diesem Horoskop nicht nur auf Pluto zu, er bezieht auch Uranus in das Geschehen mit ein, indem er ein Quadrat zu ihm bildet. Man könnte sagen, dass der Mond im Zulauf auf Pluto und im genauen Quadrat zu Uranus eine schicksalhafte Brücke zwischen Uranus und Pluto baute, die die Kräfte der Zerstörung passieren ließ.

Blubberitis im Endstadium. Aber wenn man sich im Archiv dieses Newsletters umschaut gibt’s eh nur 2 Alternativen: Entweder die Macher sind gnadenlose, von allen Skrupeln  längst erlöste Abzocker oder sie haben eine behandlungsbedürftige astrologische Vollmeise!

Interessant ist, dass wir in diesem Horoskop auch eine sehr schöne Konjunktion zwischen Sonne und Venus im 7. Haus, dem Bereich des Du haben, die zusätzlich mit dem aufsteigenden Mondknoten Kontakt hat. Sonne und Venus bilden allerdings auch ein Sextil zu Uranus, wodurch Uranus weitere Energie erhält. Dennoch: Vielleicht sind der Mondknoten sowie Venus und die Sonne in Haus 7 eine Aufforderung an die Menschlichkeit, an ein weltweites Zusammenstehen in der größten Not.

Tja, und am Ende wird nach dem ganzen zynischen Astrogemeier  ja fast noch die Gutmenschenkappe aufgesetzt. Aber einen Spendenaufruf für die Opfer sucht man im Newsletter vergeblich – dass man aber auch alles selber machen muss, denn …

… zu Haiti gibt’s ja eigentlich nur eins zu sagen:

BITTE SPENDEN!

und am besten für eine richtig gute Organisation (das Geld geht an „Ärzte ohne Grenzen“ und das „Rote Kreuz“).






Bombendetektoren mit „Wünschelrutentechnik“: Hersteller verhaftet! (Updates)

24 01 2010

Im Novemer waren ernsthafte Zweifel an einem Gerät publik geworden, das im Irak zum Finden von Bomben und Sprengstoffen weit verbreitet zu sein scheint. Die Behauptungen, das Gerät könne Sprengstoffe noch in ein bis drei Kilometern Entfernung irgendwie „entdecken“ schien schon damals höchst fragwürdig, insbesondere da die britische Herstellerfirma nicht erklären konnte wie das Ganze funktioniert. James Randi hatte die Hersteller aufgefordert, die Fähigkeiten ihres Gerätes in einem Test zu zeigen, doch die wollten sich nicht darauf einlassen.

Inzwischen wurden die Bombendetektoren genauer untersucht, und das von der BBC ausgestrahlte Ergebnis bestätigt die Skeptiker in vollem Umfang:

Fazit: Ein leeres Plastikkästchen, das mit einer funktionslosen „Karte“ gefüttert werden muss …

Erste Konsequenzen wurden gezogen: laut Times wurde Jim McCormick – Chef des Herstellerunternehmens ATSC – inzwischen verhaftet (Update: gegen Kaution ist er offensichtlich wieder auf freiem Fuß) und diese „Geräte“ dürfen nicht mehr exportiert werden. Jim McCormick’s Umgang mit skeptischen Einwänden ist angesichts vieler Toter bei Bombenattentaten im Irak an Zynismus kaum zu überbieten:

We have been dealing with doubters for ten years. One of the problems we have is that the machine does look a little primitive.

Die bösen Skeptiker zweifeln an der Funktionsfähigkeit weil das Gerät „zu primitiv“ aussieht? Das kann man ja ändern:

We are working on a new model that has flashing lights.

Unfassbar! Mit ein paar bunt, blinkenden Lichtern kann man vielleicht kleinen Kindern Funktionsfähigkeit sugerrieren …

Mehr dazu gibt’s bei Skepchick!

… und ganz aktuell bei SpiegelOnline

… und Markus Kuhn, der die funktionslose Chipkarte untersucht hat, berichtet darüber in seinem Blog

… auch James Randi kommentiert





Frisches Futter für die Leichenfledderer

19 01 2010

Kaum war die Nachricht von einem katastrophalen Erdbeben in Haiti in den Nachrichtensendungen angekommen, schon krochen die astrologischen Leichenfledderer wieder aus ihren Löchern. Es folgte das bekannte zynische Erklärungsritual: Man nehme irgendwelche astrologischen Konstellationen zum Zeitpunkt des Ereignisses (hier war’s das Erdbeben, im letzten Jahr z.B. der Amoklauf von Winnenden), füge ggf. noch weitere Konstellationen hinzu (hier z.B. das „Länderhoroskop von Haiti“; im Fall Winnenden ein ungefähres Geburtshoroskop des jugendlichen Amokläufers) und schon hat man ganz viel Material mit dem man der Öffentlichkeit zeigen kann, dass das Geschehene ja irgendwie doch astrologisch unausweichlich  – und damit prinzipiell vorhersagbar – war. Florian Freistetter hat sich ein paar dieser Texte angeschaut – und wie immer stellt sich dabei eine ganz einfache und banale Frage:

Warum hat keiner der zitierten Astrologen vor der Katastrophe gewarnt?

Die Antwort ist einfach: Weil sie es nicht können!

Wenn sie jetzt im Nachhinein anderes behaupten, dann ist das der zynische Versuch auf dem Leid vieler Menschen ihr übliches Werbesüppchen zu kochen. An dieser besonders ekligen Form der astrologischen Erklärungsdiarrhoe leiden glücklicherweise nicht alle Sterndeuter, manche geben sogar offen zu, dass sie solche Voraussagen gar nicht machen können:

Das Erdbeben habe ich natürlich nicht vorhergesagt, weil es ohnehin sinnlos wäre sich mit derlei Prognosen zu beschäftigen, da man sie weder lokalisieren noch verhindern kann.

Na, immerhin – warum Karl-Heinz Waldenberger dann trotzdem mit irgendwelchen astrologischen Scheinbegründungen herumjongliert muss er selbst wissen. Aber eigentlich braucht er die Astrologie ja gar nicht, denn sein „Unbewußtes“ hat ja schon Ende 2009 auf die Gegend hingewiesen:

Also irgendwie scheint mein Unbewusstes im Vorfeld von Ereignissen zu reagieren, wie sonst wäre ich auf ausgerechnet auf die Karibik und den Ort Cayo Samana gestossen …. seltsam!

Seltsam ist bestenfalls dieser lächerliche Versuch einen Urlaubstipp an einen Kunden (DomRep) vom 31.12.2009 irgendwie mit dem Erdbeben in Verbindung zu bringen. Ich könnte ja jetzt behaupten, dass „mein Unbewußtes“ noch viel näher dran war: Ich hatte mich nämlich gerade mal drei Tage vor dem Erdbeben mit einem Bekannten über dessen Urlaubspläne unterhalten, und der wollte doch tatsächlich an einer Karibikkreuzfahrt (incl. einem Stopp in Haiti!!!!) teilnehmen …





Ganz kurz: Maischberger und noch ’ne Lottoauswertung

7 01 2010

Über die Maischberger-Sendung vom 5.1. (Seher und Propheten) haben sich die Welt, die Frankfurter Rundschau und der Esowatch-Blog bereits geäußert, ich selbst hab‘ mir die Sendung erst jetzt in kleinen Dosen zugemutet. Über die Seherinnen erübrigt sich jeder Kommentar – wem nichts besseres einfällt als einen Krankenhausaufenthalt des Papstes (irgendwann in der Zukunft) oder die Brille von Frau Merkel (trägt sie schon länger zum Lesen) zu prophezeien, der macht sich selbst lächerlich. Wen dieser komische Pastor in der Sendung genervt hat (das dürfte die Mehrzahl der Leser hier sein), dem empfehle ich folgende, kurze Therapie: Diesen Link anklicken (… hab‘ ihn korrigiert – irgendwie hat’s beim ersten Mal nicht funktioniert), dann auf der Webseite ganz links unten zu den Videos und Hörbeispielen spazieren und das 2. Video von oben aus Herrn Nitschkes Bestsellermenu anklicken … .

Neben dem Ergebnis des astrologischen Lottotest gibt es noch eine weitere Lottoauswertung zu erwähnen: In der RTL-Sendung „Die Prophezeiung 2009“ hatte ein afrikanischer Wahrsager sieben Lottoglückszahlen für das abgelaufene Jahr genannt – und wieviele Treffer damit gelandet? Keinen Einzigen! . Cimddwc hat nicht nur die damalige Sendung protokolliert, er hat das jetzt auch ausgewertet. Dieses Versagen ist übrigens durchaus überraschend, denn die Wahrscheinlichkeit dafür, mit 7 Zahlen im gesamten Jahr nicht ‚mal einen schäbigen Dreier zu erzielen liegt bei gerade mal 3,8% … … oder wollte der Mann die deutschen Lottospieler nur auf eine falsche Fährte locken um mit den richtigen Zahlen dann umso mehr absahnen zu können? RTL sollte mal nachprüfen, ob sich der Mann jetzt nicht zufällig ungeahnten Reichtums erfreut.