Alles Lug und Trug …

17 05 2010

… behauptet eine Frau namens Birgit über ihre Zeit als Kartenlegerin bei irgend einem Esoterikportal. Das Ganze ist nicht wirklich überraschend und die potentiellen Kunden werden durch solche Selbstbezichtigungen wohl auch nicht davon abgehalten ihr Geld weiter den esoterischen Abzockern in den Rachen zu werfen. Die zwölfminütige Beichte bei Domian in 2 Teilen:

(gefunden bei esowatch)





Hochprozentige Trefferquote: Whiskey, Werbung und die Zukunft

26 02 2010

Auf der Webseite von der Computerzeitschrift PC-Welt gibt es aktuell einen sehr schönen Artikel über eine ganz spezielle Art der Zukunftsprognose. Unter dem Motto „Für Männer, die über das Morgen hinausplanen“ warb die Whiskeymarke „Seagram“ in den 40-er Jahren mit einer ganzen Reihe von  Spekulationen über zukünftige Technologien, die man – aus heutiger Sicht – als weitgehend zutreffend bezeichnen kann. OK, das gilt glücklicherweise nicht für alle Utopien der damals offensichtlich sehr technikgläubigen Werbefritzen, denn ob man wirklich die Wüsten mittels Atomkraftwerken in blühende Landschaften verwandeln sollte, darüber könnte man trefflich streiten. Andere der vorausgesagten technischen Neuerungen sind heute längst im Alltag angekommen – entweder genau so wie es die schönen alten Bilder zeigen oder doch zumindest in verblüffend ähnlicher Form:

  • 3D-Kinofilme gab es in der Realität erst 9 Jahre später (… das Highlight des 53/54-er 3D-Kinohypes dürfte der herrliche Horrorklassiker „Der Schrecken vom Amazonas sein“ – vor einigen Jahren hab‘ ich den mal in 3D in einem Kino gesehen und war wirklich begeistert, auch wenn die damalige Technik natürlich nicht mit heutigen 3D-Werken a la Avatar vergleichbar ist)
  • das Radiotelefon sieht zwar nicht aus wie ein heutiges Handy, aber es soll wohl so funktionieren (und das die Mikros eines Headsets heute sehr viel kleiner sind konnte man sich damals wohl schelcht vorstellen).
  • im Bild zur Kommunikation der Zukunft sieht das Mobiltelefon schon ziemlich genau so aus wie ein Handy der ersten Generation aus den 90er Jahren, und auch die anderen Ideen waren alles andere als abwegig auch wenn die technische Realisierung einen etwas anderen Weg genommen hat.

Unter den weiteren, vorausgesagten Innovationen befinden sich die von den heutigen Flughäfen bekannten Laufbänder, Bildtelefonie, Flachbildschirme in Kneipen und das wunderscöne Zukunftsbüro, bei dem ledigklich das Design der Geräte nicht dem heutigen Geschmack zu entsprechen scheint. Insgesamt wirklich sehr schöne „Prognosen“ mit einer „Trefferquote“, die Hellseher, Wahrsager und Astrologen vor Neid erblassen lassen müsste, denn deren Trefferquote scheint im Vergleich dazu lächerlich gering.





Nachwuchs für die Fluchmaschenbetrüger (Update)

18 01 2010

Es ist ja keine großartig neue Erkenntnis, dass die alte Wahrsagerabzockmasche immer noch zieht. Dem leichtgläubigen Opfer wird irgendein völlig schwachsinniger, über- (gefallene Engel) oder unterirdisch (gaanz böse Mächte, Teufel oder Ähnliches) motivierter Fluch eingeredet, dessen Beseitigung mit der Gabe ganz irdischer Euronen erfolgen kann. Hat das Opfer einmal Geld gegeben, dann  qualifiziert es sich automatisch für weitere Abzockversuche – bis entweder nichts mehr zu holen ist oder – wesentlich seltener – sich im Hirn des Opfers irgend ein Rest gesunden Menschenverstandes findet. Es kann nur ein Rest sein, denn warum sonst sollte man auf diese uralte, zig Mal publizierte Betrugsmasche sonst hereinfallen?

Im aktuellen Fall in Österreich war die gerade einmal 18-Jährige Täterin wohl auch etwas zu gierig und konnte nicht abwarten – warum sonst versucht sie nach erfolgreicher Abzocke von erstmal 3.600, und danach nochmal etwa 1.400  Euro das 26-Jährige Opfer gleich weiter zu melken? Hätte sie ein paar Monate gewartet (und dem Opfer den Fluch dann auch noch weggeredet) hätte sie wahrscheinlich weiter abzocken können – so brachte das Opfer dann ein paar Polizisten zur nächsten Geldübergabe mit …

Interessant sind die Kommentare bei dem Artikel des ORF. Nicht wenige sind der Meinung, dass das Opfer ja eine gewisse Mitschuld trägt … … ok, das mag ja sein, aber Betrug bleibt es in jedem Fall, und zwar mindestens. Dem Opfer wurde ein Bedrohungsszenario eingeredet, und es wurden negative Konsequenzen für die Nichtzahlung dieser Summe angekündigt. Klar ist das Opfer irgendwie mit schuld- jedes Kind mit katholischer Sozialisation merkt irgendwann, dass sich eben nicht der Himmel auftut und man selbst vom Blitz getroffen wird wenn man absichtlich oder aus Versehen irgendetwas „Verbotenes“ tut – und von einer erwachsenen Frau erwartet man natürlich, dass sie solchen Humbug erkennen kann. Aber wie auch die Fälle aus der Vergangenheit zeigen gibt es viel zu viele Menschen, die mit solch einfachen Betrügereien auf Kindergartenniveau ausgenommen werden können. 5.000 Euro Schaden sind da ja eher eine Bagatelle … … können aber (wie in einem Fall in Deutschland) auch schon – mindestens – zu einer Bewährungsstrafe führen. Mal abwarten ob man diesen Fall noch weiter verfolgen kann …

Update:

Die junge Frau war ja wirklich ganz schön aktiv. Wie jetzt gemeldet wurde hatte sie mit dem gleichen Trick bereits letzte Woche 3.000 Euro abgesahnt …





Prognosen 2010 (Teil 6): Resterampe aus den Printmedien

18 01 2010

So langsam neigt sich die erste Runde beim diesjährigen Prognosesammeln dem Ende zu. Die Liste der bisher erwähnten Prognostiker (Nikki Pezaro, Gabriele Moog, Susanne Eder, Winfried NoéThomas Ritter, Erich Bauer, Michael Allgeier, Monika Meyer, Christiane Woelky, NestrovoAlexander RostamiWinfried Noé, Roswitha Broszath, Claude WeissKamil Sunar Das, Astrid Fuhrmann, Ramona Kreis, Tuwani, Selina Nenzhele, Leopoldas Malinauskas) lässt sich mit dem in den letzten Wochen gesammelten Material leicht verdoppeln, und da die üblichen Kritiker immer wieder Zweifel an der Zahl der von mir genannten Prognostiker äußern liste ich am Ende eine ganze Reihe weiterer Quellen auf. Vollständig ist das noch lange nicht, denn immer wieder weisen mich auch Leser dieses Blogs auf weitere Prognosen hin und in die alljährlichen Almanache (Dimde’s „Nostradamus 2010“, „Wendezeit 2010 – 2012“ von Alexandra Klinghammer und Claude Weiß, Huter’s und Allgeiers astrologische Kalender, usw. usf.) habe ich noch gar nicht geschaut. Dabei verdienen es die meisten Voraussagen nicht im Detail erwähnt zu werden, denn nichtssagendes Blabla a la „Die Krise ist noch nicht vorbei“ [16], „Das bedeutet, dass hier sehr viel los ist, Umbrüche stehen im Mittelpunkt“ [6] oder „Uns steht ein günstiges Zeitklima bevor.[…] 2010 ist ein Jahr der Besinnung auf das Wesentliche, in dem es um mehr Toleranz, Teamgeist und ein Miteinander geht.“ [15] sind ebenso lächerlich wie die ebenfalls üblichen lokalen Prognosen mit der rosaroten Brille – z.B.  „Es wird ein gutes Jahr für Ingolstadt und die Region“ [7] oder viele guten Nachrichten für Witten [9]. Aber es gibt auch ein paar Prognosen, die durchaus das Potential haben in der nächsten Jahresrückschau erwähnt zu werden – hier eine kleine Auswahl, wobei sich die in Klammern angegebenen Zahlen auf die unten angefügte Quellenliste bezieht.

Eine Abrechnung droht den ehemaligen bayrischen Spitzenpolitikern Stoiber und Beckstein, die „wegen des Milliardenverlusts der Bayrischen Landesbank in Zusammenhang mit dem Kauf der Hypo Group Alpe Adria vor Gericht gestellt“ werden sollen [11]. Bundesweit soll „das ungerechte Hartz IV-Gesetz für nichtig erklärt werden“ [14] und Schäuble an irgend einem Wechsel im Kabinett beteiligt sein [13]. Auch 2010 sollen die Hochzeitsglocken (zum wievielten Male eigentlich?) für den Britenprinzen William läuten [13], während sich Madonna und Robbie Williams aus dem Geschäft zurückziehen sollen [11]. Auch über die Fußball-WM gibt es weitere Äußerungen, aber außer dem bereits erwähnten Herrn aus Witten traut sich niemand weiteres unseren Kickern den Titeln zu versprechen.

Hier also die Liste weiterer Quellen aus verschiedenen Printmedien:

  • Sonja Schön (tz München vom 22.12.2009, Seite 11) [Quelle 1]
  • Manfred Magg (Stuttgarter Nachrichten vom 28.12.2009, Seite 20) [2]
  • Astrid Fuhrmann (Thüringer Allgemeine vom 31.12.09 Seite TCMZ131) [3]
  • Angela Gassmann (Thüringer Allgemeine vom 31.12.09 Seite TAHS131) [4]
  • Christel Hellweg (Neue Westfälische vom 02.01.2010, Lokalteil Enger/Sprenge – Lokales) [5]
  • Birgit Weingarten (Kreiszeitung.de, Lokales aus Doetlingen; 5.1.2010) [6]
  • Wahrsagerin Samira (Donaukurier, Lokalteil Ingolstadt, 1.1.2010) [7]
  • Johann und Martina Kaczmarek (Lübecker Nachrichten, Lokalteil Lübeck, 30.12.2009) [8]
  • Sunil Kumar Das (WAZ, Lokalteil Witten, 1.1.2010) [9]
  • Hans-Jürgen Butz (tz München, 31.12.2009, Seite 4) [10]
  • Luisa Francia (tz München, 31.12.2009, Seite 4) [11]
  • Klaudia Braungart (tz München, 31.12.2009, Seite 4) [12]
  • Karin Biela (tz München, 31.12.2009, Seite 4) [13]
  • Ana Wäsler (tz München, 31.12.2009, Seite 4) [14]
  • Bernd Schiele (RP Online, Lokalteil Düsseldorf, 8.1.2010) [15] – dazu gibt’s einen Blogartikel von Florian Freistetter
  • Elizabeth Teissier (Schweizer Ilustrierte, Heft 51, 14.12.2009, ab Seite 42) [16]

Dazu kommen natürlich noch die Webseiten verschiedener Astrologen, Wahrsager und Hellseher – etwa ein Dutzend habe ich inzwischen archiviert, die Auswertung folgt dann zu einem späteren Zeitpunkt.





Ganz kurz: Maischberger und noch ’ne Lottoauswertung

7 01 2010

Über die Maischberger-Sendung vom 5.1. (Seher und Propheten) haben sich die Welt, die Frankfurter Rundschau und der Esowatch-Blog bereits geäußert, ich selbst hab‘ mir die Sendung erst jetzt in kleinen Dosen zugemutet. Über die Seherinnen erübrigt sich jeder Kommentar – wem nichts besseres einfällt als einen Krankenhausaufenthalt des Papstes (irgendwann in der Zukunft) oder die Brille von Frau Merkel (trägt sie schon länger zum Lesen) zu prophezeien, der macht sich selbst lächerlich. Wen dieser komische Pastor in der Sendung genervt hat (das dürfte die Mehrzahl der Leser hier sein), dem empfehle ich folgende, kurze Therapie: Diesen Link anklicken (… hab‘ ihn korrigiert – irgendwie hat’s beim ersten Mal nicht funktioniert), dann auf der Webseite ganz links unten zu den Videos und Hörbeispielen spazieren und das 2. Video von oben aus Herrn Nitschkes Bestsellermenu anklicken … .

Neben dem Ergebnis des astrologischen Lottotest gibt es noch eine weitere Lottoauswertung zu erwähnen: In der RTL-Sendung „Die Prophezeiung 2009“ hatte ein afrikanischer Wahrsager sieben Lottoglückszahlen für das abgelaufene Jahr genannt – und wieviele Treffer damit gelandet? Keinen Einzigen! . Cimddwc hat nicht nur die damalige Sendung protokolliert, er hat das jetzt auch ausgewertet. Dieses Versagen ist übrigens durchaus überraschend, denn die Wahrscheinlichkeit dafür, mit 7 Zahlen im gesamten Jahr nicht ‚mal einen schäbigen Dreier zu erzielen liegt bei gerade mal 3,8% … … oder wollte der Mann die deutschen Lottospieler nur auf eine falsche Fährte locken um mit den richtigen Zahlen dann umso mehr absahnen zu können? RTL sollte mal nachprüfen, ob sich der Mann jetzt nicht zufällig ungeahnten Reichtums erfreut.





Prognosen 2010 (Teil 5): Deutschland wird Fußballweltmeister …

6 01 2010

… natürlich nur, wenn die einzige mir bisher bekannte entsprechende Voraussage von Sunil Kumar Das auch tatsächlich eintrifft. Für den Lokalteil Witten der WAZ hat sich der Mann, der eigentlich als Handleser sein Geld erschwurbelt,  astrologisch betätigt und diese allen Fußballfans hierzulande Hoffnung machende Prognose abgesondert. OK, er wusste scheinbar nicht in welche Vorundengruppe die Löw-Kicker bei der WM in Südafrika gelost wurden, aber das ist bei dem prognostizierten Ende ja sowieso völlig egal.

In der Thüringer Allgemeine vom 31.12.09 (Seite TCMZ131; der Artikel ist leider nicht online verfügbar) ist die Wahrsagerin Astrid Fuhrmann nicht ganz so optimistisch:“ Ein Platz unter den ersten dreien dürfte drin sein.“ raunt sie und verweigert den Deutschen die Titelprognose ebenso wie ihre Augsburger Kollegin Ramona Kreis, die meint das deutsche Team würde „sehr weit kommen, aber nicht Weltmeister.“ Mehr wollte sie dazu nicht sagen …

Die Karten von Sybille Wiese wollen den deutschen Kickern auch keinen WM-Titel versprechen, aber immerhin geht’s mindestens ins Achtelfinale, wenn auch „nur über Umwege„.  Ob sie damit einen – nicht unwahrscheinlichen – Stau auf dem Weg ins Stadion meinte? Da war die internationale Wahrsagerriege in der RTL-Sendung „Die Prophezeiung 2009“ doch wesentlich optimistischer: Halbfinale (Hexenmeister Tuwani aus Südafrika),  Chancen auf Halbfinale und vielleicht mehr (Selina Nenzhelele, auch aus Afrika) und sogar Finale (Leopoldas Malinauskas liest aus den Karten den 1. oder 2. Platz) wurde den Fußballfans versprochen.

Warten wir’s ab und vergessen dabei nicht, dass die ganze WM sowieso nur ein gigantisches Ablenkungsmanöver der Mächtigen ist, die uns über die Medien manipulieren. Das muss so sein, denn so hat es ja Thomas Ritter aus uralten Palmblättern in pseudonaiver Formulierung aus seinen früheren Prognosen kopiert herausgelesendingst:

Im Jahr 2010 wird die Aufmerksamkeit der Menschen durch die Manipulation der Medien vor allem auf sportliche Ereignisse gerichtet werden. Vor allem im sechsten und zu Beginn des siebten Monats 2010 wird der Sport alle Schlagzeilen beherrschen. Mit Berichten über ein sportliches Ereignis im Süden Afrikas, an dem die ganze Welt teilhat, sollten die Menschen von ihren Problemen abgelenkt werden. Doch dieser Plan der Mächtigen wird nicht aufgehen. Die Wettkämpfe werden bereits im Vorfeld und auch während ihrer Durchführung von schweren, gewaltsamen Unruhen überschattet, mit denen die Armen auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Diese Proteste werden eine überaus scharfe Reaktion der Mächtigen nach sich ziehen, welche ihre wahren Absichten verrät.

Aha! Immerhin werden die mächtigen Superbösewichte durch ihre Reaktion ihre wahren Absichten verraten … … vielleicht sollte Herr Ritter aber erst einmal verraten, wen er überhaupt meint, wenn er – wie schon in den letzten Jahren – verschwörerisch von „den Mächtigen“ faselt.





Noch eine Rückschau: Überwiegend Bewährungsstrafen für betrügerische Wahrsagerinnen

30 12 2009

Zum Jahresende hat mich ein aktueller Fall zu einer kleinen Übersicht der mir bekannten Verurteilungen von Wahrsagerinnen und Wahrsagern (es waren dieses Jahr keine Männer dabei …) vor deutschen Gerichten des Jahres 2009 motiviert. Das Betrugsschema ist dabei weitgehend gleich, Strafmaß und Schadenshöhe variieren jedoch kräftig.

Ganz aktuell ist ein Fall aus Frankfurt: Wie die lokalen Medien (Offenbach-Post, FAZ und die Frankfurter Rundschau) berichteten hatte die Täterin in diesem Falle die alte Fluchmasche verwendet: Negatives voraussagen und dann gegen Entgeld irgendeinen Abwehrzauber versprechen. In diesem Falle sollte zur Vermeidung des anstehenden Unfalls irgendein Teufel ausgetrieben werden – die 300 Euro für das Ritual waren im Vergleich zu anderen, ähnlich gelagerten Fällen geradezu ein Schnäppchen. Dass die Täterin dann auch noch irgendwelche Schmuckstücke einkassiert und nur gegen die Zahlung von 3000 Euro zurückgeben wollte scheint ihr zum Verhängnis geworden zu sein: 1 Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen versuchten Betrugs und 150 Sozialstunden lautete das Urteil.

In anderen Fällen waren die Urteile der Gerichte wesentlich milder: Ende August war eine – übrigens einschlägig vorbestrafte – Wahrsagerin mit ähnlichen Praktiken in Bonn ebenfalls zu einer Bewährungsstrafe (1 Jahr und 10 Monate) und 150 Sozialstunden verurteilt worden – der Schaden betrug satte 170.000 Euro (!!!) von denen die Täterin lediglich 20.000 Euro an die Opfer zurückzahlen musste. Besonders unappetitlich an diesem Fall: Die Wahrsagerin hatte Heilung von einer schweren Krankheit versprochen und das Opfer hatte sogar einen Kredit über 50.000 Euro aufgenommen um die Gier der Betrügerin zu befriedigen.

Im Juli berichtete der Bonner Generalanzeiger über einen ähnlichen Fall: Damals lag der angerichtete Schaden bei 33.600 Euro und die Täterin wurde zu schlappen 7 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Opfer hat nun einen Kredit von ca. 30.000 Euro am Hals und erhält von der Täterin 4 Jahre lang lächerliche 50 Euro pro Monat …

Gleich mehrmals musste sich das Stuttgarter Landgericht mit einer Wahrsagerin beschäftigen, die ihren Kunden mindestens 180.000 Euro abgenommen hatte. Das Urteil: Eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren und eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten sowie die Erkenntnis, dass sich Gerichte mit solchen  Straftaten wohl doch etwas schwer tun.

Es ist schon seltsam, dass der versuchte Betrug in Frankfurt mit einer fast ebenso schweren Strafe geahndet wird wie z.B. das vollständige Ausnehmen der Opfer in Köln Ende August. OK, die Leichtgläubigkeit der Opfer wirkt sich da in der Regel strafmildend aus – aber warum eigentlich? Geht es hier wirklich „nur“ um Betrug?

Unter Betrug versteht man im strafrechtlichen Sinn ein Vermögensdelikt, bei dem der Täter in rechtswidriger Bereicherungsabsicht das Opfer durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen gezielt so irreführt, dass es sich selbst oder einen Dritten am Vermögen schädigt.

Haben die Täterinnen nicht doch eher versucht sich „durch Androhung eines empfindlichen Übels zu Lasten eines anderen zu bereichern„? Falls ja, dann wäre dies kein Betrug sondern Erpressung, bzw. räuberische Erpressung, da „der Täter der räuberischen Erpressung [sich] die Beute vom eingeschüchterten Opfer übergeben lässt„. Ich bin ja kein Jurist, und ich weiß natürlich, dass die Opfer sich ihre Betrüger bisweilen sogar selbst aussuchen –  aber irgendwie scheint mir die Tatsache, dass die Täter für ihre Opfer in der Regel tatsächlich ein absurdes Bedrohungsszenario aufbauen doch recht wenig gewürdigt.

Ob die Gerichte in Österreich in solchen Fällen härter bestrafen? In diesem Jahr habe ich nur von einem Fall erfahren, und da kann man das Strafmaß durchaus als „etwas höher“ bezeichnen: Ein deutsches Ehepaar, dass seine Kunden auf Esoterikmessen anwarb und um mindestens 80.000 Euro erleichterte, wurde dort im Januar zu 20 Monaten Haft verurteilt (von denen mindestens 4 Monate abzusitzen waren), wobei hier immerhin ein Geständnis strafmildernd berücksichtigt werden konnte … (die Pressemeldung in ganzer Länge gibts dort).





Prognosen 2010 (Teil 2): Palmblattblabla und Banalitätenparade

30 12 2009

So langsam trudeln die Prognosen für 2010 ein, und es zeigt sich mal wieder, dass die Auguren auch für das kommende Jahr nicht in der Lage zu sein scheinen irgendetwas Konkretes vorauszusagen. Ausnahme ist der Palmblattdeuter Thomas Ritter, der auch in seiner Prognose für 2010 nicht auf konkrete Terrorprognosen verzichten möchte. Immerhin hat er seine Terrorprognose für 2010 nicht noch einmal wörtlich aus dem Vorjahr kopiert, denn dieses Mal sollen Flugzeuge mit Raketen beschossen werden und zwar „in der dritten Woche des siebten Monats und der zweiten Woche des achten Monats“ – für die Orte des Unheils fehlt ihm allerdings Phantasie oder eine Deutschlandkarte: Wieder sollen Frankfurt und Berlin leiden. Der Rest seines Textes folgt dem gewohnten Schema und ist dann doch wieder aus seinen früheren Prognosen kopiert und wie gewohnt liefern die Palmblätter die üblichen Schwarzsehereien mit öffentlichen Unruhen überall. Weitere aus den Palmblättern herausgefaselte Aussagen wie „Dieser Mann ist jedoch ein kluger Politiker“ (über Irans Präsidenten Ahmadinedschad), „der US-Dollar , aber auch der Euro werden weiter extrem an Wert verlieren“ (gegenüber welcher Währung denn?) oder „In Europa und Nordamerika treten seit auch 2008 verstärkt bis dahin unbekannte Wetterphänomene wie Wirbelstürme und Starkregen auf. Diese Phänomene sind das Resultat von Experimenten, welche von einigen Nationen, darunter den USA, mit dem Klima veranstaltet werden (sind hier HAARP oder auch die Chemtrails gemeint? – Anm. Thomas Ritter).“  muss man nicht kommentieren: Wer solcherlei Schwachfug tatsächlich ernst nimmt, der hat seinen Verstand wohl gerade in den Urlaub geschickt. Nur so ist es auch zu erklären, dass man es als Leser zwischen den Zeilen immer mal wieder tiefbräunlich durchschimmern sieht … Den Rest des Beitrags lesen »





Meine Wahrsagerpremiere (Update)

20 12 2009
Kleine Erklärung für das zwischenzeitliche Verschwinden dieses Textes
Den folgenden Text hatte ich am 8. Dezember geschrieben und hier veröffentlicht. Der Autor des Planetopia-Beitrags hatte mich gebeten, ihn bis zur Sendung vom Netz zu nehmen, und dieser Bitte bin ich natürlich gerne nachgekommen …

Am Montag war ich fast den ganzen Tag in Köln unterwegs – aber ausnahmsweise nicht beruflich, sondern wegen ein paar Fernsehaufnahmen. Im Rahmen eines Beitrags zum Thema Wahrsager hatte mich die SAT1-Sendung Planetopia kontaktiert und nachdem ich das Treffen des Redakteurs mit einer Wahrsagerin kommentieren durfte (die Frau war sehr nett, beherrschte aber nicht ‚mal einfachste Cold-Reading-Techniken … … und als Ergebnis gab’s viel wirres und überwiegend zusammenhangloses Geblubber) sollte ich in der Fußgängerzone meine Fähigkeiten unter Beweis stellen. OK, ich hatte dem Redakteur vorher gesagt, dass ich solcherlei noch nie gemacht habe und dass andere das viel, viel besser können, aber jetzt musste ich da durch.

Hinter dem Dom standen also der Kameramann, der Assistent, der Redakteur und ich, auf meinen ersten Einsatz als Wahrsager wartend. Der Redakteur versuchte freiwillige Testpersonen zu finden, und gleich die erste zeigte, wie das mit dem Cold-Reading funktioniert. Ich hatte mir – für Menschen, die offensichtlich Ü30 sind – folgende „Eingebung“ zurechtgelegt: „Sie haben in letzterZeit an jemanden gedacht, den sie schon lange, vielleicht viele Jahre lang, nichtmehr gesehen haben.“ Klar, das ist primitivstes Cold Reading, denn eigentlich denktjeder immer mal wieder an irgend Jemanden, den er/sie seit Jahren nicht mehr getroffen hat. Gleich die erste Frau schüttelte erst den Kopf und gerade als ich an meiner Strategie verzweifeln wollte sagte sie „Ja, meine Schwester!“. Ui! Ich war so überwältigt, dass sie genau das tat, was Wahrsagerkunden in solchen Fällen tun (ein diffuses, höchst allgemeines Statement durch eigene Erinnerungen verifizieren), dass ich die Situation gleich aufgelöst habe und mich als Nicht-Wahrsager zu erkennen gab (… ich hatte ja gesagt, dass ich das nicht so einfach aus dem Stegreif kann). Für die Sendung hatte ich noch ein paar weitere Plattitüden ausprobiert und bei den wenigen Versuchen eine durchaus respektable Trefferquote erzielt – zumindest besser als die Profiwahrsagerin beim Planetopia-Redakteur (… das werde ich jetzt natürlich nicht verraten, am 20.12. kann man sich’s anschauen …). Meinen Supertreffer erzielte ich bei einem jungen Österreicher, dem ich  ein sportliches Hobby auf den Kopf zusagte (typisches Coild Reading) und dann mit „Sie spielen Fußball“ (das war geraten, aber für einen Basketballer oder Voleyballer war er einfach zu klein und für einen Handballer fehlten die breiten Schultern) ihn auch wirklich überraschte. Die Vermutung von Narben am Bein war zwar falsch, aber nicht ganz, da er – klar, Fußballer! – blaue Flecken beklagte.

Insgesamt war mein Auftritt als Wahrsager mit Sicherheit ausbaufähig, und ich verspreche, dass ich das weiter üben werde. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht, und ich war überrascht wie die Leute auf meine – für Wahrsagerverhältnisse – grottenschlechte Performance reagierten.

PS: Dass ich in den letzten Wochen hier nichts geschrieben habe lag nicht an mangelnden Themen, sondern an unserem Umzug. Wenn ich die nächsten 10 Kisten im neuen Häuschen einsortiert habe, werde ich mich auch einigen inzwischen aufgelaufenen Kommentaren widmen …





Auf ein Neues: Die ersten Prognosen für 2010

17 12 2009

Nachdem der Prognoserückblick veröffentlicht ist und ich die erste Interviewrunde hinter mir habe geht’s jetzt an die neue Sammlung. Natürlich werden die Wahrsager, Hellseher und Astrologen auch für das kommende Jahr ihre Prognosen veröffentlichen bzw. einige haben es bereits getan. Hier ein kurzer Überblick über die ersten Kandidaten für den Prognoserückblick 2010 …

Nikki Pezaro hat sich wieder mächtig ins Zeug gelegt und bietet weit über 200 ihrer kurz und knackig formulierten Prognosen an. Einige Passagen aus ihrer Liste sind wortwörtlich aus den (Fehl-)Prognosen des Vorjahres kopiert und leider fehlt meines Erachtens für 2010 so ein richtiger obskurer Knaller. Hatte sie für 2009 noch den Fang von Nessie, für 2008 die Entdeckung eines Riesenkaninchens in Südengland und für 2007 die Landung eines Ufos vor dem Weißen Haus oder die Entdeckung eines Riesenaffen a la „King Kong“ im Urwald von Costa Rica vorausgesagt, so wendet sie sich für 2010 bekannteren Spezies zu und kündigt in den Nummern 9 und 14 aus ihren „World Predictions“ folgendes an: Den Rest des Beitrags lesen »