Prognoserückschau 2009: Alle Quellen und ein „vergessener“ Abschnitt

14 12 2009

Wenn die alljährliche Pressemeldung zur Prognoserückschau von der GWUP veröffentlicht ist bekomme ich zum einen Fragen nach den genauen Quellen gestellt und muss zum anderen erklären, warum es die ein oder andere Prognose nicht in die Auswahl für die Pressemeldung geschafft hat. Die Quellen hatte ich schon im letzten Jahr hier im Blog vollständig genannt, und das werde ich jetzt auch wieder tun. Zusätzlich gibt es dazu noch einen Abschnitt, der es am Ende nicht in die Pressemeldung geschafft hatten (natürlich ebenfalls mit Quellenangabe).

Zunächst zu den Quellen der GWUP-Prognoserückschau (für Links nutze ich seit Kurzem wo immer es geht WebCite® – dadurch stören mich nachträgliche Änderungen von im Internet abgegebenen Prognosen nicht mehr …) :

Als Einstieg habe ich ein paar der „Prophezeiungen“ von Nikki Pezaro für 2009 gewählt: aus den „World Predictions“  Nr. 59 (Golden Gate Brücke), Nr. 23 – 25 (Obama) und Nr. 13 (Nessie) sowie aus dem Abschnitt „The Royals“ Nr. 11 (Kronjuwelen), Nr. 9 (Buckingham brennt) und Nr. 13 (Windsor auch) . Die ausgefallenen Terrorangriffe habe ich aus Nr. 1 der „Additional Predictions“ und Nr. 70 der „World Predictions“.

Ray O. Nolan’s prognostizierte Wunderheilungen fanden sich auf seiner Webseite, Manfred Dimde’s Weltkriegsgefasel steht in seinem Buch „Nostradamus 2009“ (ISBN-10: 3426780976). Ich hatte mir das Werk im März besorgt und fand auf Seite 76 folgendes:

Hier, im Text für 2009, hinterlegt er, worauf die Menschen unserer Zeit, die mit klarem Blick die Ereignisse erkennen wollen, besonders achten sollten.

  • Erstens: 100 Staaten werden vom Dritten Weltkrieg betroffen sein.
  • Zweitens: Ein Waffensystem wird durch einen Beschluß geächtet, abgelehnt oder auch nur bekämpft.
  • Drittens: Ein auffälliges Merkmal sind 11 Staaten oder Staatschefs, die sich nicht daran halten.
  • Viertens: 100 Staaten werden es sein, die darunter zu leiden haben.

Rosalinde Haller hat wie üblich auf ihrer Prophezeiungen-Webseite die angesprochenen Aussagen gemacht (über den Menueintrag „Prophezeiungen“ kommt man auf  eine Übersichtsseite, dort geht’s über „Neu: 2009“ zu den Originaltexten), Emanuel Charis wurde in der Zeitschrift „Fernsehwoche“ Heft 1/2009 (erschienen am 24.12.2008), auf Seite 5  wie folgt zitiert: „Es sind schwere Stürme in der Karibik zu erwarten. Der Wasserspiegel steigt stark an und es wird weltweit Katastrophen geben. Wir werden auch zum ersten Mal erleben, wie eine Insel komplett im Wasser versinkt.

Lilo von Kiesenwetter hatte den Anschlag auf Obama in der RTL-Sendung „Prophezeiungen 2009“ erwähnt, eine genaue Auflistung aller Prognosen aus der Sendung findet sich im Blog von cimddwc. Die Palmblattprognosen von Herrn Ritter habe ich inzwischen auch ins WebCite-Archiv überführt – neben dem Text für 2009 auch die für 2007 und 2008 zum Vergleich und zur Dokumentation seiner überragenden Fähigkeiten im Umgang mit Copy&Paste.

Die Ratschläge von Susanne Eder gibt’s auf ihrer Webseite, Hannelore Roller-Bollmann gründet ihre Ratschläge auf die „rückläufigen Planeten“ 2009, die  Zitate stehen bei Saturn und Uranus. Sehr schön ist auch der Text für den rückäufigen Jupiter (15.6. bis 12.10.), denn er liefert eine wunderbare Ausrede für alle aktuellen Erstsemester, wenn sie für ihr Studium länger als geplant brauchen:

In dieser Zeit keine expansiven Projekte planen oder starten wie Reiseexpeditionen, Studien, Immatrikulationen, die Ergebnisse erzielen nicht die geplanten Vorstellungen oder ufern ins Unendliche aus.

Zum Thema Bildungsgutscheine und Astrologieausbildung habe ich mich hier letztmals geäußert, in diesem Zusammenhang verweise ich gerne auf weitere Artikel zu diesem Thema in den ScienceBlogs bei Florian Freistetter.

Die abschliessenden Betrachtungen zur Fußball-WM 2010 beruhen auf zwei Aussagen aus der bereits angesprochenen RTL-Sendung vom 3. Januar 2009.

Jetzt aber zu dem „vergessenen“ Abschnitt zu den Themen Fußball und Formel 1:

Auf welche Gestirnsstände sich die Astrologin Iris Treppner bezog als sie Bayern München nach einem spannenden Zweikampf mit Hoffenheim die deutsche Fußballmeisterschaft prophezeite, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall scheint der Flug von Fußbällen nicht aus den Sternen berechenbar zu sein, denn mit Georg Stockhorst und Monika Geiger lagen zwei weitere Sterndeuter mit dem gleichen Tipp daneben. Der Seher Hans-Jürgen Butz lag schon nähr an der Realität – hätte er allerdings noch verraten, welche Überraschungsmannschaft den Titel am Ende gewinnen würde (Bayern und Hoffenheim hatte er richtigerweise ausgeschlossen), man hätte ihm tatsächlich einen der seltenen Prognosetreffer zuschreiben können. Als ganz weit daneben entpuppten sich die Prognosen von Iris Treppner zur Formel 1 WM: Räikkönen vor Heidfeld, dann Massa und Hamilton ungefähr gleich stark dahinter – die 4 genannten Fahrer fanden sich am Ende zwischen den Rängen 5 und 13 wieder. Sind Frau Treppners sinnfreie Sätze wie „Sebastian Vettel wechselt im Sommer den Rennstall oder festigt seinen Vertrag“ bei einer Formel 1 Prognose eher der Unterhaltung zuzurechnen, wird es bei anderen Themen schon ernsthafter.

Quellen: Treppners Fußball und Formel-Prognose stammen von ihrer Webseite, diese ist nicht mehr online verfügbar, aber ich habe die damalige Version lokal abgespeichert. Ihr Formel 1 Text lautete folgendermaßen:

Besonders beständig fährt in der Saison 2009 Kimi Raikkönen! Er könnte Weltmeister werden, wenn Ferrari sich dazu durchringen würde, Lewis Hamilton vom Thron und als zweiten Fahrer hinter Raikkönen zu setzen.

Nick Heidfeld überrascht positiv trotz Pechsträhnen in der kommenden Saison 2009 – vor allem im Sommer. Er könnte im Ranking direkt hinter Raikkönen auftauchen.

Lewis Hamilton und Felipe Massa liefern sich ein Kopf-an-kopf-Rennen. Mit leichten Vorteilen für Massa. Da die beiden offensichtlich auf jeweils den anderen fixiert sind, nehmen sie irgendwie nicht wirklich am Geschehen teil und versäumen es wichtige Punkte zu sammeln.

Fernando Alonso wird der „Schattenfahrer“ der Saison. Entweder landet er immer auf unwichtige Plätze oder fährt tatsächlich sehr viel im Windschatten, um Vorteile zu bekommen. Helfen wird es ihm jedoch nicht.

Sebastian Vettel wechselt im Sommer den Rennstall oder festigt seinen Vertrag, weil er am Anfang der Saison mit guten Leistungen glänzen kann.

Robert Kubica fährt in der Saison unauffällig und wird kaum eine Konkurrenz darstellen.

Die anderen Fußballprognosen stammen aus einem Artikel aus der Münchner tz vom 30.12.2008, Titel: Fünf Hellseher blicken in Münchens Zukunft.

Natürlich hätten auch weitere Themen erwähnt werden können, aber nachdem in den letzten Jahren immer mal wieder Prognosen um DAX und zur Wirtschaft im Allgemeinen erwähnt wurden, habe ich in diesem Jahr davon abgesehen. In der Regel kann man in die schwammigen Prognosetexte zu diesem Thema im Nachhinein alles und nichts hineindeuten und es verwundert deshalb nicht, dass astrologische Tipps zu diesem Thema mit einem Haftungsausschluss garniert werden.





Ab November: Böse Russen zerbröseln die USA

22 10 2009

Wenn ein russischer Diplomat den Zerfall der USA in 6 Teilstaaten vor 2011 prophezeit, dann hat das einen nicht geringen Belustigungsfaktor und man fragt sich ob dieser Igor Panarin hier nur grob gescherzt hat (wie weiland der US-Präsident Ronald Reagan, der vor gut 25 Jahren die Bombardierung der Sowjetunion binnen 5 Minuten ankündigte) oder völlig durchgeknallt ist. Unter Verschwörungsschwurblern nimmt man auch solcherlei Nonsens ernst – zumindest scheint dies ein gewisser Torsten Mann zu tun, der vor einem Monat nicht weniger als die binnen kurzer Zeit bevorstehende Invasion der USA ankündigte.

OK, das ganze liest sich, als hätte sich der Text eines Kommunistenhassers aus der Zeit des Kalten Krieges in die heutige Zeit verirrt, denn wie damals ist das Böse eindeutig identifiziert: Die Russen sind’s! Oder die Chinesen, oder beide … … auf jeden Fall ist’s irgendwie der böse Kommunismus, dessen Langzeitplan nun – bezogen auf die Vereinigten Staaten – endlich aufzugehen scheint. Für Europa sieht es übrigens auch nicht besser aus – aber das hatte der Mann ja bereits vor einem Jahr beschrieben, wobei das Ganze in Bezug auf Deutschland nach tiefbrauner Soße müffelt:

Vor allem die innere Schwäche Deutschlands, hervorgerufen durch die »Fünfte Kolonne« Moskaus in Gestalt der 68er-Bewegung und ihrer zersetzenden Folgeerscheinungen, zu denen auch die Friedensbewegung zählt, ist das größte Hindernis auf dem Weg zu wahrer nationaler Souveränität.

So eindeutig er die Schuld an allen drohenden Übeln bei den Russen findet, so schwer scheint sich der Autor mit Zahlen oder der Geografie zu tun. Nach dem folgenden, unter Schwarzsehern durchaus üblichen, Katastrophengeraune …

im Anschluss an einen massiven Atomschlag würden russische Truppen Alaska und Teile Kanadas besetzen,“

… bleiben bei Herrn Mann noch wieviele der 50 US-Bundesstaaten für China übrig? Genau:

„während China in den restlichen 48 Bundesstaten einfiele.“

Dass Kanada nicht zu den 50 Staaten gehört sollte er eigentlich wissen, aber Verschwörungsmathematik scheint sowieso eine sehr eigenwillige Disziplin zu sein. Im weiteren Verlauf des Textes nennt der Autor nämlich die 48 US-Bundesstaaten, die irgendwann den Chinesen zufallen sollen, beim Namen:

Kalifornien, Washington, Oregon, Nevada, Arizona, Utah und Idaho

Nun gut, das sind jetzt nur sieben, aber für Verschwörungsmathematiker scheint das schnurz zu sein. Sehr schön ist auch das kleine Bildchen, das die zukünftige „Aufteilung“ der USA zeigen soll: Mexiko krallt sich den Süden (wie und warum bleibt im Dunkeln), Kanada (… wurde das nicht gerade noch von den Russen besetzt????) den Norden und für die Europäische Union (… die dann bestimmt von Moskau dominiert ist …) bleibt auch noch etwas übrig. Schließlich sollen die Japaner – warum auch immer – Hawaii erhalten … … aber das scheint eine neuere Erkenntnis zu sein, da im März auf einem ähnlichen Bildchen noch die Chinesen das Urlaubsparadies zugeteilt bekamen (zumindest die Zuteilung Hawaiis an Japan scheint der Zahl 6 geschuldet zu sein – in so viele Teilstaaten soll die USA laut Paranin ja zerfallen).

Kleiner Tipp für  Herrn Mann: Nicht nur Bücher aus dem Kopp-Verlag lesen, auch wenn der das eigene Geschreibsel veröffentlicht. Und übrigens: Wie hieß noch dieser Staat, der in den letzten 20 Jahren in diverse Einzelteile (ich zähle jetzt nicht nach, aber es sind weit mehr als 6) mit wohlklingenden Namen wie Usbekisten, Kasachstan, Moldawien, Ukraine, Aserbeidschan, Georgien, Tadschikistan, Turkmenistan usw. usf. zerfallen ist? Na? Keine Idee? Ein Blick in den Atlas hilft …





Herr Köpfer aus Rosenberg bitte zum Test: die Lottozahlen bitte!

10 10 2009

Das kleine Städtchen Rosenfeld war mir bisher nicht bekannt. Die Stadtseite zeigt neben einem offensichlich erfreuen Kleinkind ein schmuckes Fachwerkhaus und unter Torismus & Freiziet erfährt man von der Existens eines Rad- und Wander-Shuttles an Sonn- und Feiertagen und dass das gastronomischen Angebot vom Imbiss in der Metzgerei Gührig über das  Traditionsgasthaus Sonne bis zum Restaurant Mömpel reicht. Das Alles wäre kaum erwähnenswert, hätte nicht der Schwarzwälder Bote dort einen wahren Supermann gefunden.

Peter Köpfer heißt dieser Mann, den die aktuelle Ausgabe des Schwarzwälder Boten mit einem Artikel würdigt, der nur in der Überschrift Fragezeichen beinhaltet (Heilen ? allein mit den Händen?). Der Rest des Artikels könnte aus jeder x-beliebigen Esoterikpostille stammen  – denn es werden auch die absurdesten Behauptungen des Herrn Köpfer einfach unkritisch und ohne das geringste Hinterfragen aneiandergereiht.

Schon die einfache Frage, warum er eigentlich nicht vorab die Öffentlichkeit gewarnt habe, wenn er schon als Hellseher „den Tsunami vorhergesagt, der im Dezember 2004 in Asien Tausende das Leben kostete“ vorausgesehen habe, wurde offensichtlich nicht gestellt. Als „Quelle“ reicht die Aussage des „Hellsehers“, es gäbe Zeugen. Der grenzenlose Zynismus, der in solchen Behauptungen steckt, scheint der Autorin des Artikels gar nicht aufgefallen zu sein: Wenn Herr Köpfer das wirklich vorhergesehen hatte, warum hat er nicht zumindest versucht, die Öffentlichkeit zu warnen? Das hätte Leben retten können … … hat er es wirklich gewußt und nicht versucht die Öffentlichkeit zu warnen, könnte man auf die Idee kommen, ihm zumindest eine gewisse Mitverantwortung für die über 200.000 Toten vorzuwerfen. Das gilt natürlich auch für die bei secret.tv erwähnten „Anschläge vom 11. September 2001, [und] die Flugzeug-Katastrophe von Überlingen (Bodensee)„, die er ebenfalls vorausgesehen haben will.

Da er außerdem mit seinen Händen heilen zu können behauptet, ist die Frage berechtigt, ob er das überhaupt darf. Der Artikel erwähnt nicht, ob Herr Köpfer Heilpraktiker ist, aber er darf beschreiben wie sein „Heilverfahren“ „funktioniert“:

»Ich lege meine Hände auf die Handinnenflächen des Patienten«, sagt Köpfer. »Dabei spüre ich Strömungen, und genau diese Energie gebe ich über die Hände weiter. Auf diese Weise setzt der Heilungsvorgang ein.«

Meines Wissens ist es in Deutschland strafbar, Heilbehandlungen ohne eine entsprechende Ausbildung anzubieten … .

Bleibt die pseudokritische Frage der Redakteurin, ob Herr Köpfer nicht auch die Lottozahlen voraussagen könnte und die Antwort überrascht:

»Ich denke, wenn ich es probieren würde, könnte ich es«,

Na wunderbar! Dann mal los!

Ich fordere hiermit Herrn Köpfer dazu auf, seinen vollmundigen Behauptungen Taten folgen zu lassen: Sie sagen die Lottozahlen voraus und veröffentlichen ihre Zahlen jeweils nach Schließen der Annahmestellen (im Internet oder durch Schicken per Mail oder SMS an mich – damit kann dann auch niemand mehr mit diesen Zahlen spielen). Hauptsache Herr Köpfer gibt die Zahlen rechtzeitig vor der Ziehung der Lottozahlen weiter … … und dann vergleichen wir, ob diese Fähigkeiten wirklich vorhanden sind.

Ob sich Herr Köpfer auf diesen sehr einfachen Test einlässt? Wahrscheinlicher ist, dass er entweder schweigt oder sich feige auf irgendwelche faulen Ausreden zurückzieht … … aber vielleicht werde ich ja ‚mal überrascht?





Vermischtes: Wahlprognosen, Lourdeswunder und Abmahndrohung (Teil 3)

22 09 2009

Eigentlich wollte ich ja schon letzte Woche etwas zu den Wahlprognosen verschiedener selbst ernannter Auguren schreiben, aber irgendwie fand ich nicht die Zeit dazu. Jetzt hat Florian ein paar Prognosen (u.a. Monika Piper-Albach, Winfried Noe, Markus Termin und Chritiane Durer) schon mal sehr schön zusammengefasst … … und dem ist nicht viel hinzuzufügen. OK, es gab natürlich noch weitere Prognosen, aber die waren weder besser noch genauer. Ein paar Beispiele möchte ich noch ergänzen:

Hans-Jürgen Butz hat laut Münchner TZ vom 30.12.2008 das „zweite Gesicht“ und immerhin bei seinen Fußballtipps (Meister wird nicht der FC Bayern sondern eine Überraschungsmannschaft) richtig gelegen. Ob seine Merkelprognose stimmt? „Sie bleibt nach der Bundestagswahl nicht Kanzlerin. Das wird ein Mann.“ meint Butz, nennt aber nicht den Namen des Nachfolgers. Im gleichen Artikel hatte sich die Kartenlegerin Klaudia Braungart nicht zu einer Wahlprognose entschliessen können (Angela Merkel muss sich auf einen harten Kampf bei der Wahl zur Bundeskanzlerin einstellen: „Das wird ein knappes Ergebnis.“), während die „Hexe“ Luisa Francia keinen Wechsel im Kanzleramt voraaussah. In der Brigitte durfte Roswitha Broszath ihre astrologischen Pseudo-Erkenntnisse zu einigen Spitzenkandidaten im Bundestagswahlkampf loswerden. Die einige bekanntermaßen höchst absurde Diagnosemethoden benutzende Heilpraktikerin (dass die Irisdiagnose Unsinn ist hat sich sogar bis zur AOK herumgesprochen; der ebenso zur Anwendung kommende Vegatest ist eine „Weiterentwicklung“ der Elektro-Akupunktur nach Voll und wurde bereits bei Quackwatch „gewürdigt“) findet in den Sternen von Merkel, Steinmeier, Westerwelle, Lafontaine, Künast und Trittin Trivialitäten zuhauf. Wer hätte denn gedacht, dass bei Lafontaine die Sterne auf „Genussorientierung“ hindeuten, dass „er dem luxuriösen Leben nicht abgeneigt“ ist und dass er „die sozialen Aspekte hoch“  hält? „Einfluss haben, Macht ausüben“ das sagen die Sterne zu Angela Merkel (für welchen Politiker gilt das nicht???) – nur bei Westerwelle verwirrt mich, dass „das weibliche Prinzip etwas kompliziert besetzt“ sein soll … … insgesamt viel Blabla ohne wirklichen Inhalt und nach der ergebnislosen Erörterung der Frage „wer passt zu wem“ weiß Frau Broszath noch, welche Planeten angeblich schuld sind, wenn das Volk sich partout nicht entscheiden kann: Am Wahltag ist Volkes Wille gespalten, das liegt am Einfluss von Saturn und Uranus. Aha!

Lourdes 16072009

Ab heute sollen sich – laut der Nostradamus-Exegese von Ray O. Nolan – in Lourdes diverse Wunderheilungen ereignen. Ich bin schon mal gespannt, ob die großen Nachrichtensender dann vielleicht live berichten wenn die Leute reihenweise ihre Krücken wegwerfen oder aus ihren Rollstühlen aufstehen. Warum gerade dieses Datum interessant sein soll, findet sich übrigens nicht nur bei Nolan, sondern wortgleich im Wikipedia-Artikel zu Bernadette Soubirous, jenem Mädel, dass den ganzen Rummel durch ihre angebliche Vision im Jahre 1858 startete: Vor genau 100 Jahre wurde nämlich ihr Leichnam (warum auch immer) exhumiert …  … ob das die florierenden Geschäfte mit allerlei Behältnissen zum Transport des vermeintlich wunderwirksamen Wassers besonders begünstigt weiß ich natürlich nicht. Zu Engpässen dürfte es in den vielen Souvenirläden aber nicht kommen, denn so wie auf nebenstehenden Foto vom 16.Juli dieses Jahres sieht es vor jedem Laden dort aus (man beachte die Plastikmadonnen mit abschraubbarem Kopf …).

Die Abmahndrohung von Herrn X eskaliert inzwischen weiter. Nachdem mir eine Unterlassungserklärung zugesandt worden war die mir im Falle des Nichtentfernens seines Textes von meiner Webseite eine Strafe von sage und schreibe knapp 23 Euro pro zitiertem Wort androht, habe ich die Sache einem Anwalt übergeben. Jetzt bin ich mal gespannt, wie das Ganze ausgeht …





… und noch eine betrügerische Wahrsagerin verurteilt

29 08 2009

Bonn scheint eine Hochburg für die Verurteilung von Wahrsagerinnen zu sein. Nachdem bereits vor 5 Wochen eine Wahrsagerin wegen Betrugs verurteilt wurde gab es diese Woche einen fast gleichen Fall zu verhandeln. Wie damals endete das Ganze mit einer Bewährungsstrafe – dieses Mal waren es ein Jahr und 10 Monate für die auch in diesem Fall wieder einschlägig vorbestrafte Täterin, also mehr als 3 Mal so viel wie im Fall aus dem Monat Juli. OK, der bei den Opfern angerichtete Schaden war auch beträchtlich höher. Um sage und schreibe fast 170.000 Euro hatte die Täterin ihre zwei Opfer betrogen … … und auch dieses Mal scheint es sich um ein „gutes Geschäft“ gehandelt zu haben. Die Täterin ist zwar jetzt vorbestraft, aber neben der Bewährungsstrafe und 15o Stunden Sozialarbeit musse sie laut Urteil lediglich 20.000 Euro an die Opfer zurückzahlen.  Ob die Summe an beide zusammen oder jedes Opfer einzeln zu zahlen ist, darüber gibt der Artikel leider keine Auskunft (Lilith meint 10.000 € pro Opfer). Es bleiben also in jedem Fall fast 130.000 Euro übrig – dafür, dass die Frau nun 4 Jahre nicht strafällig werden darf hat sie also vorgesorgt: Mindestens 2.500 Euro steuerfrei pro Monat, da müssen andere Leute schon ordentlich für schuften.

Den traurigen Artikel aus der Kölnischen Rundschau über zwei kranke Frauen, Den Rest des Beitrags lesen »





Und schon wieder: Wahrsagerin verurteilt!

22 07 2009

Die Masche ist wirklich immer die Gleiche und ich wundere mich immer wieder, wie leicht es doch zu sein scheint, gutgläubigen Esoterikanhängern große Mengen an Bares abzunehmen. Dem Bericht des Bonner Generalanzeigers von heute ist eigentlich nichts hinzuzufügen – außer der Frage, wo denn die von der Täterin ergaunerten 33600 Euro (für die sich das Opfer verschuldete …) geblieben sind. Das Opfer wird in den nächsten 4 Jahren gerade Mal schlappe 50 Euro pro Monat (also insgesamt 2400 Euro) zurückerhalten was  wahrscheinlich nicht einmal die Zinsen für den aufgenommenen Kredit kompensieren dürfte. Ob das milde Urteil (7 Monate Haft auf Bewährung und Zahlung der erwähnten 50 Euro monatlich an das Opfer für 4 Jahre) nicht eher eine Ermutigung für Nachahmer darstellt? Hier die ganze Pressemeldung im Wortlaut:

Bonner Gericht verurteilt Wahrsagerin

Betrügerin kassierte 33 600 Euro für Fluchaufhebung mit Engelshilfe und verschwand

Von Rita Klein

Bonn. Als Wahrsagerin machte sich die Frau auf der Anklagebank im Sommer 2008 in der City an eine 27-jährige Frau heran – und bewies damit zumindest exzellente Menschenkenntnis: Die sensible und labile junge Frau befand sich gerade in einer gesundheitlich und emotional so verzweifelten Lage, dass sie für die Wahrsagerin leichte Beute war. Sie glaubte der Frau mit den angeblich übersinnlichen Kräften, dass ein Fluch auf ihr laste.

Und auch, dass die Wahrsagerin diesen Fluch mit Hilfe von Engeln vertreiben könne, wenn sie genug dafür zahle. Das tat die 27-Jährige, doch statt des Fluches war am Ende nur die angebliche Wahrsagerin mit insgesamt 33 600 Euro weg. Da suchte die 27-Jährige Hilfe bei höchst irdischen Instanzen, erstattete Anzeige und sieht die Frau, die ihre Hilfsbedürftig- und Gutgläubigkeit so schamlos ausgenutzt hat, nun vor Gericht wieder.

Schweigend hört sich die 28-jährige Angeklagte an, wie ihr Opfer schildert, was vor einem Jahr geschah: Wie die Frau sie als Wahrsagerin angesprochen und ihr auf den Kopf zugesagt habe, dass sie Hilfe brauche. Und da sie im Kontakt mit Engeln stehe, wisse sie, was zu tun sei, um den Fluch zu bannen. Das habe allerdings seinen Preis. Die verzweifelte junge Frau zahlte für drei angebliche Kerzen- und weitere Fluchbannungsrituale mit Engelsbeistand 2 600 Euro. Besser ging es ihr danach nicht.

Und so holte die Wahrsagerin am 27. August zum finalen Coup aus. Sie versprach der 27-Jährigen die endgültige Aufhebung des Fluches, wenn sie für ihre fünf Engel so viel Geld wie möglich bei der Bank leihe.

Aber wichtig sei: Eine blonde Bankmitarbeiterin müsse es ihr geben. Mit diesem Geld müsse sie in weißem Kleid und mit roten Rosen nach Saarbrücken kommen, ihr das Geld und zwei Ringe geben, damit sie, die Wahrsagerin, damit dreimal betend um die Kirche laufen könne.

Das Geld müsse die 27-Jährige dann zurück zur Bank bringen, wo sie es nur einer dunkelhaarigen Mitarbeiterin geben dürfe. Ihr Opfer lief von Bank zu Bank, bis ihr eine 31 000 Euro lieh, fuhr mit dem Geld nach Saarbrücken, gab es der Wahrsagerin – und sah es nie wieder.

„Hat Ihnen denn keiner Ihrer Engel gesagt, dass Sie das nicht tun dürfen?“ fragt Schöffenrichter Frank Liegat die Angeklagte süffisant. Die Mutter von vier Kindern, die von Sozialhilfe lebt, beteuert zwar, dass sie alles bereue.

Doch sie verzieht höchst verärgert das Gesicht, als das Gericht sie nicht nur wegen Betruges zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, sondern auch vier Jahre lang zur monatlichen Zahlung von 50 Euro an das Opfer. Das ist mittlerweile völlig verschuldet.

Artikel vom 22.07.2009





Polizei warnt vor Betrugsmasche vermeintlicher Wahrsagerin …

20 07 2009

Die bayerische Polizei warnt vor einer vermeintlichen Wahrsagerin, die in den letzten Tagen in Günzburg und Kempten geschätzte 40.000 Euro ergaunert hat. Auch wenn der erste Teil der Masche der Täterin alles andere als neu ist (dass man seinen Opfern Angst vor irgend einem Unheil einredet um dieses dann gegen Entgeld irgendwie zu beseitigen, das kennt man von einer Vielzahl esoterischer Abzockangebote), so ist der dann folgende „Trick“ älteren Kinofans aus der Anfangssequenz des 1974 mit 7 Oscars prämierten Filmklassikers „Der Clou“ bestens bekannt:

Chicago 1936: Der junge Trickbetrüger Johnny Hooker und sein erfahrener Kollege Luther Coleman betrügen einen Gangster namens Mottola. Luther täuscht als reicher Mann verkleidet einen Diebstahl seiner Brieftasche vor. Er bittet Mottola, einen größeren Betrag als Schutzgeld bestimmt für ihn schnell an einem bestimmten Ort abzuliefern. Johnny zeigt ihm, dass er sein Geld, in einem Taschentuch eingewickelt, in der Hose verstecken soll. Dabei tauscht er das eingewickelte Geld von Mottola geschickt gegen ein Päckchen mit wertlosem Papier aus. Mottola steigt in ein Taxi und wundert sich, dass ihm jemand so viel Geld anvertraut hat. Er fährt, anstatt das Geld wie vereinbart abzuliefern, in die entgegengesetzte Richtung und bemerkt, dass die beiden ihn reingelegt und um elftausend Dollar erleichtert haben.

In Günzburg lief das ganz ähnlich ab:

Am 14.07.09, gegen 10.30 Uhr, begab sich eine 54-jährige Frau auf den Wochenmarkt in Günzburg. Dort wurde sie von einer ihr unbekannten Frau mit vermutlich osteuropäischer Herkunft angesprochen, die sich als Wahrsagerin ausgab und der Frau einredete, dass sie sehr krank sei und die Ärzte ihr nicht helfen könnten. Eine zweite Täterin kam hinzu und bekräftigte die Heilkraft der Wahrsagerin.

Soweit so gut, aber mit dem bischen Geld, das man normalerweise beim Besuch des Wochenmarkts in der Tasche hat gaben sich die Betrügerinnen nicht zufrieden, denn …

Die Frau wurde überredet, ihr ganzes Bargeld in Scheinen von zu Hause zu holen, wobei ihr versichert wurde, dass ihr Geld bei ihr bleibt und es nur zur Heilung benötigt würde. Die Frau ging mit einer Täterin nach Hause, holte ihr ganzes Bargeld und die beiden Frauen trafen sich anschließend mit der zweiten Täterin im Stadtzentrum.

… sie wollten – natürlich – mehr, bekamen es auch und verschafften sich 3 Tage Vorsprung:

Auf einer Parkbank packte nun eine der Täterinnen das Geld in ein von ihr mitgebrachtes neues Geschirrtuch, verschnürte das Päckchen und gab es der Frau. Diese sollte das Päckchen nun 3 Tage unter ihr Kopfkissen legen, nicht öffnen und dann wollte man sich an gleicher Stelle wieder treffen. Als die Geschädigte am 18.07.09, um 05.00 Uhr, zuhause das Päckchen öffnete, befanden sich darin nur Papierschnipsel. Sie hatte nicht bemerkt, wann die zwei Päckchen miteinander vertauscht wurden.

Wie die Polizei weiter berichtete scheinen die Betrüger schon länger unterwegs zu sein:

Ein vergleichbarer Fall hatte sich bereits vor wenigen Tagen in Kempten ereignet. Auch hier wurde einer Frau eine Erkrankung suggeriert. In den beiden Fällen konnten die vermutlich identischen Täterinnen insgesamt rund 40.000 Euro ergaunern. Offensichtlich handelt es sich um überregional agierende Täterinnen. Ähnliche Fälle wurden aus anderen Regionen Schwabens ebenfalls gemeldet. Die Polizei warnt dringend davor sich auf entsprechende „Geschäfte“ einzulassen. Bei Antreffen der Personen wird um umgehende Verständigung der Polizei gebeten.

Schon im April dieses Jahres hatte der Ratgeber-News-Blog von einer ähnlichen Warnung berichtet, nachdem eine einschlägig vorbestrafte „Fluchaustreiberin“ 2 Jahre nach ihrer Verurteilung wieder im Raum Aalen aufgetaucht war…





Vermischtes vor dem Urlaub

6 07 2009

Da ich in den letzten Wochen im Job ziemlich eingespannt war musste der Blog ein wenig darben. Jetzt ist endlich Urlaub, und morgen früh wird das Auto gepackt und dann ist 2 Wochen Frankreich angesagt. Vorab noch ein paar Kleinigkeiten und Fundsachen:

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie Alternativmediziner in der Notaufnahme arbeiten kann sich über Kritisch gedacht einen wunderbaren Sketch aus England ansehen. Neben dem – erfolglosen – Versuch die Lebenslinie des eingelieferten Patienten mit einem Kugelschreiber zu verlängern finde ich das „homoeopathic Lager“ am Ende einfach grandios. Die beiden Comedians haben zumindest noch einen weiteren Sketch für Skeptiker auf Lager und auch der ist absolut shenswert.

Dass der Tod von Michael Jackson natürlich auch unter Astrologen diskutiert wird war zu erwarten. Die Frage, ob er in den Prognosen des Jahres 2009 vorkam auch. OK, Jacko war in der Liste „deatch and health watch“ von Nikki Pezaro verzeichnet, aber das war er auch schon  2003/2004, 2005 und 2008  (alles auf der gleichen Webseite).

Questico soll  möglicherweise einen Preis kriegen – natürlich nicht für seine „einfühlsamen Berater“ und deren treffsichere Zukunftsprognosen sondern für die von ihnen eingesetzte Technik. Die nicht unbekante Firma Dell vergibt alljährlich den „Small Business Award“ und laut der dazugehörigen  Pressemeldung geht der Preis an

kleine und mittlere Unternehmen aus, die IT besonders innovativ in ihren Geschäftsprozessen einsetzen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern.

Schön für Questico, dass alleine die Tatsache, dass das Unternehmen auf der Auswahlliste ist, irgend einemVorstand bereits ein neues Notebook sichert.

Beim astrologischen Lottotest von Herrn Wolters sind die ersten 17 Ziehungen vorbei. Die Trefferquoten bewegen sich – wie erwartet – im Rahmen der Zufallswahrscheinlichkeit. Herr Wolters hat bisher 2 Treffer, 6 meiner 10 zum Vergleich erstellten Zufallszahlenreihen auch. Bei 2 meiner Zufallsreihen gab es noch keinen und eine hat einen Treffer. Klar und deutlich in Führung liegt meine 5. Zufallsreihe mit sage und schreibe 5 Treffern. Zur Erinnerung: Herr Wolters hat für jede Ziehung bis zum Jahresende jeweils 10 Zahlen mit einem auf Basis astrologischer Konstellationen arbeitenden Computerprogramm berechnet und veröffentlicht und er erzielt einen Treffer, wenn unter den 10 Zahlen mindestens 3 Richtige sind (die Zusatzzahl zählt dabei nicht dazu, denn die erhöht nur die Quote). Rein rechnerisch beträgt die Wahrscheinlichkeit bei diesem Setting einen Treffer zu erzielen ca. 9% bzw. 1/11.

Florian Freistetter hat nicht nur einen guten Artikel über Erich von Däniken im aktuellen Skeptiker veröffentlicht, er hat auch ein weiteres Nonsens-Angebot aus dem Bereich der Astrologie gefunden und die Verhaftung eines Astrologen in Sri Lanka kommentiert. Dieser wanderte nicht etwa wegen falscher Voraussagen ins Kittchen, sondern weil er dem Präsidenten das nahende Ende seiner Amtszeit prognostiziert hatte.

Novch mehr Astrologie gibt’S bei Penn&Teller. Die haben sich in ihrer Bullshit-Reihe – endlich – der Sterndeutung angenommen und inzwischen ist war das Ganze in drei kleine Teile zerlegt auf YouTube zu finden. „War“, weil der 3. Teil auf Grund eines „Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube“ entfernt wurde. OK, es gibt andere Orte im Web, von denen man die Bullshit-Folge in voller Länge anschauen (… wenn man deren Player herunterlädt) oder herunterladen kann.

Jetzt muss ich aber so langsam mal meine Taschen packen und meine Urlaubslektüre vorbereiten: Colin Goldner’s Dalai Lama Buch, eine Portion Terry Pratchett, Joe Jackson’s „cure for gravity“  und Donald O’Shea „The Poincare Conjecture“ – aber ich vermute ja, dass ich höchstens eines der Bücher schaffe und ansonsten die hoffentlich reichlich vorhandene Sonne, die schöne Landschaft, das gute Essen und den ortsüblichen leckeren Rotwein geniessen werde.





Astrologen auf Tour: Der Lehmann-Clan (mit kleinem Update)

15 06 2009

Der Name Lehmann wird seit dem Spätsommer 2008 in der Öffentlichkeit meist mit der Pleite einer Investmentbank und deren Folgen für die Anleger in Verbindung gebracht. Der Name steht aber auch für eine andere Art monetärer Verluste: Die Mitglieder des Lehmann-Clans – selbst ernannte (Diplom-)Parapsychologen, Astrologen und Handleser – ziehen auf ihren „Tourneen“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz regelmäßig leichtgläubigen Kunden dreistellige Eurobeträge für ein Stündchen Palaver aus der Tasche – und manchmal sogar mehr. Und das nicht erst seit gestern, denn bereits 1993 erwähnt der Focus-Artikel „Blendkraft der Sterne“ den Lehmann-Clan:

Den „Vulgär“-Astrologen sind auch die „Tournee“-Astrologen zuzuordnen, die von Stadt zu Stadt pilgern und – angekündigt von der Lokalpresse – ihre Deutersessions abhalten. Besonders aktive Mitglieder des fahrenden Astro-Volkes: Madame Indira (bürgerlich Lehmann) aus Kötzting, Bayerischer Wald, Patricia Bahrani (bürgerlich Lehmann), Tochter von Madame Indira, Rei Souli (bürgerlich Lehmann), Sohn von Madame Indira, sowie Madame Fatima (bürgerlich Eichel) aus München.

Die Masche mit der Lokalpresse

Bei ihren Reisen durch die Lande verschicken die reisenden Sternenschwafler in der Regel etwas Werbematerial an die Lokalpresse des zukünftigen Auftrittsorts und laden zu einem Pressetermin. Dort gibt es ein wenig nettes Blabla und gerne wird auch Gutes über die Zukunft des aktuellen Ortes verbreitet: Irgendetwas Positives mit Kultur soll in naher Zukunft geschehen und neue Arbeitsplätze durch Ansiedlung eines neuen Unternehmens soll es geben – dazu noch ein wenig heiteres Prognoseraten (Vertreter des Lehmann-Clans gehören zu den häufigsten Quellen des jährlichen Prognoserückblicks der GWUP) und in der Lokalpresse wird das Ganze dann mit den Werbematerialien vermischt dem Publikum dargeboten. Wenn’s optimal läuft, wird am Ende des Artikels noch eine Handynummer für die Terminvereinbarung angegeben … … perfekte Werbung ohne Kosten! Einige Beispiele finden sich auf meiner vor vielen Jahren erstellten Fanseite eines Clanmitgleids …

Da nicht jede Lokalzeitung diese Spielchen mit macht, gibt man noch die ein oder andere Kleinanzeige auf und schon kann man den Astrologiegläubigen das Geld aus der Tasche ziehen.

Die Mitglieder des Lehmann-Clans

Bereits 1993 erwähnt wurde Ludmilla Lehmann oder auch Madame Indira. Sie wird allerdings keine Tournee mehr unternehmen, denn sie starb – nachzulesen auf dieser Webseite – Anfang Dezember 2008. Laut Frankfurter Lokalteil der FAZ vom 13.6.2002 verlangte sie 180 Euro für ein Gespräch. Wer sich einen typischen  Barnumtext von ihr anhören möchte, dem sei dieser Link zu einem Gespräch mit SWR1 empfohlen (dass ein öffentlich rechtlicher Radiosender einer Astrologin so viel Platz einräumt, das wäre ein anderes Thema …) und auch hier schaffte sie es die Lehmann-übliche Standardwerbung als „Deutschlands bekannteste Wahrsagerin“ unterzubringen.

Lange Jahre war Patricia Bahrani alias Patricia Schwennold geborene Lehmann das aktivste Familienmitglied. Seit den Neunzigern war sie – siehe meine „Fanseite“ – immer wieder im Lande unterwegs, sagte allen möglichen Unsinn voraus und wurde in der Regel mit folgendem Lebenslauf angekündigt:

Die Vorhersagerin wurde vor 34 Jahren als Tochter eines Inders und einer Österreicherin geboren, ging mit 15 Lenzen mit ihrem Vater, einem Architekten, für drei Jahre nach Indien, lebte ein Jahr lang in einem Internat in einem Buddhistenkloster, wurde in fernöstliche Lebensphilosophie eingewiesen. (zu Patricia Schwennold, Neue Ruhr Zeitung, Moers, 14.5.2002)

Ihr Bekanntheitsgrad aus den Prognoserückschauen der GWUP führte übrigens dazu, dass sie in so manchem Pressegespräch unangenehme Fragen zu ihren Fehlprognosen beantworten musste, die sie mit Ausreden wie „ihre Daten seien nicht genau gewesen“ oder „die Presse hätte sie falsch ausgelegt“ konterte. Aus privaten Anrufen und Mails weiß ich außerdem, dass die Frau auch schon mal einer Kundin den binnen weniger Monate nahenden Tod vorhersagte (natürlich war’s falsch, aber die an Astrologie glaubende Frau hatte totale Panik!). Inzwischen gibt sie sich mehr als Parapsychologin aus und hält Vorträge zum Thema Reinkarnation. Seit kurzer Zeit hat sie auch wieder eine Homepage (auf der allerdings ein uralter Text zu finden ist – ich vermute aus 2002 oder 2003) und sogar ein XING-Profil. Dort nennt sie sich als Freiberuflerin „General Manager“ und „Therapeut“ und gibt das Ayurveda-Center Schloß Aistersheim in Österreich an (… das aber keine weiteren Spuren im Web hinterlassen hat … … das Schloß natürlich schon, aber Ayurveda?). Außerdem bietet sie Seminare an – so konnten Interessierte Anfang Mai im österreichischen Linz ein solches für „Menschen mit spirituellem Hintergrund“ besuchen – was da für 496 Euro pro Nase geboten wurde weiß ich nicht, aber die Beschreibung klingt eindrucksvoll:

Ich werde Ihnen auf realer und wissenschaftlicher Basis erklären, welche Kräfte, Mythen und Phänomene zwischen Himmel und Erde aktiv sind. Auch was Ihr Beitrag und Ihr Platz in diesem Ganzen Unglaublichen ist.“

Wissenschaftliche Basis? Lächerlich!

Mit dem fast gleichen Lebenslauf ist bis heute Rei Souli alias Roman LehmannSohn einer Österreicherin und eines Inders“ (Tiroler Tageszeitung, 16.3.2004) unterwegs.  Er erzählt gerne, dass er ungefähr 800 Jahre alt sei, schmückt sich mit nicht nachprüfbaren Prognosetreffern und schien im Frühjahr 2009 durch die  Schweiz zu reisen, wie man im RatgeberNews-Blog oder in der örtlichen Lokalpresse (Kreuzlingen) nachlesen kann. Dort verlangte er übrigens 230 Fränkli pro Stunde. Auch er hat in den Prognoserückblicken der GWUP seine Spuren hinterlassen …

Anton Lehmann alias Shandro Ramagani ist eher im Internet aktiv. Früher war er auch unterwegs, wie ein Artikel aus Berlin (in dem er mit seiner mutmaßlichen Schwester Patricia verglichen wurde) zeigt, aber scheinbar war das Betreiben von Webseiten lukrativer. Seine „Shandro Ramagani Gesellschaft für Esoterik und Parapsychologie mbH“ sitzt inzwischen in Unterschleißheim bei München, die  Werbeagentur Anton Lehmann, die für seine Webseite verantwortlich ist, zeigt noch immer eine Adresse aus Duisburg. Er betrieb bis Ende 2008 das esoterische Internetportal Okulus Videns, für das er für 1 Million Euro (kein Scherz!) kürzlich einen Käufer suchte. Auch war er Webmaster der Seite von Patricia Bahrani/Schwennold/Lehmann und es verwundert nicht, dass die „Testperson“, mit der er für seine Wahrsageseminare unter dem Titel „Remote Vewing“ warb ausgerechnet Patricia Schwennold hieß …

UPDATE: Anton Lehmann ist inzwischen übrigens als Questico-Berater aktiv … … und seine „Fans“ berichten dort über ihn! (Nachtrag 19.7.: Der Link zur Diskussion über ihn beim „Gofeminin“-Forum funktioniert leider nicht mehr – dort hatten sich einige ehemalige Berater von Okulus Videns über seine Zahlungsmoral geäußert …)

Völlig aus dem Internet verschwunden ist die Seite von Albert Lehmann. Sie wird zwar bisweilen noch auf obskuren Esoterikseiten aufgelistet, aber ein Klick auf den Link zum weltbekannten Wahrsager führt ins Leere. Er betrieb ein „Wahrsagerlädchen“ in Bruchsal bei Karlsruhe und die Seite verschwand just zur selben Zeit, als ein Wahrsager in einem spektakulären Prozess wegen Betrugs zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde … … Zufall?

Verhältnismäßig neu in der Szene scheint ein Mann zu sein, der sich Francesco Schwennold nennt (sein richtiger Vorname ist wohl „Marcel“ wie eine seiner Kundinnen nach einem Gespräch mit ihm berichtete). Den Sprung in die Lokalpresse hat er offensichtlich noch nicht geschafft, aber er bietet seine Dienste als reisender Astrologe und Handleser per Kleinanzeigen wie dieser aus dem Kölner Stadtanzeiger vom4./5.4.2009 an:

Astrologe und Parapsychologe Francesco S. kommt nach Köln!

Francesco Schwennold der seine Jugend in Indien verbrachte und dort die Astrologie, Parapsychologie und Chirologie erlernte, kommt jetzt nach Köln. Mit seinen Prognosen verblüffte er Medien, Politiker und auch Privatpersonen. Der Starastrologe, der in Indien in die Geheimnisse der Fernöstlichen eingewiesen wurde, lernte dort die drei verschiedenen Arten (indische, chinesische und klassische Astrologie) praktizieren und kombinieren. Jeder der eine persönliche Beratung möchte, hat vom 01.04.2009 bis 07.04.2009 die Gelegenheit dazu in Punkto Liebe, Beruf, Gesundheit, Familie und Anlagen einen persönlichen Rat zu bekommen. Preis pro Beratung 100 Euro.

Weitere Informationen und Terminvereinbarung unter Tel. XXXX-XXXXXXX

Also wieder mal genau der gleiche Lebenslauf, die gleichen Behauptungen – alles wie gehabt! Eine weitere Kundin berichtete, dass er zusätzlich zu der Beratungsgebühr noch „Energiearbeit“ für mehrere Hundert Euro (samt Ratenzahlungsvertrag) anbot, um „negative Energien“ beim (abtrünnigen) Lebenspartner der Kundin zu beseitigen. Die übliche Abzockmasche also – man findet irgendetwas Negatives und verspricht gegen Entgeld die Beseitigung des „entdeckten“ Übels. Immerhin scheint Schwennold dieses Spielchen nicht ganz so extrem zu betreiben wie andere, aber auch ein paar hundert Euro sind bares Geld, für das bestimmt bessere Verwendungsmöglichkeiten denkbar sind als es dem Familienvermögen des Lehmann-Clans zuzufügen.

PS: Über die Zusendung eingescannter Artikel oder Kleinanzeigen von den bzw. über die oben erwähnten Mitglieder des Lehmann-Clans würde ich mich freuen …





Topaktuelle Fußballastrologie: Kaninchen gegen Astrologe 0:0

20 05 2009

Die Bildzeitung hat anlässlich des UEFA-Cup-Finales in Istanbul einen Reporter durch die Stadt und dann ins Stadion geschickt. Und dieser hat auch gleich ein tolles Experiment gewagt: Nachdem nämlich der Astrologe Manfred Gregor der Hamburger Morgenpost vor 2 Wochen fälschlicherweise den Finaleinzug des HSV prophezeit hatte fragt der Bildmensch lieber einen Prognoseprofi, nämlich diesen – äh – dieses da:

Das Wahrsagekaninchen

Das Wahrsagekaninchen "einfach so" ...

Und wie das Vieh arbeitet kann man hier sehen: Den Rest des Beitrags lesen »