Acht Kandidaten: SeaLife sucht das neue Krakenorakel

24 06 2011

Nach dem großen Erfolg der Oberhausener Wahrsagerkrake Paul bei der Männerfußball-WM im letzten Jahr (8 Prognosen – 8 Treffer) versuchen die hiesigen SeaLife-Aquarien auch bei der Frauenfußball-WM mit ihren Tieren die Medien zu interessieren. Versuchten es einzelne Dependancen im letzten Jahr noch mit anderen Tieren – z.B. Seepferdchen oder Langusten –  setzen die SeaLife-Werbestrategen in diesem Jahr voll auf die achtarmigen Meeresbewohner. Lola, Otti, Ophira, Sammy, Uli, Stöpsel, Paul (natürlich der II., das Original ist im Oktober letzten Jahres verstorbenen) und Paula heißen laut dieser Meldung die Kandidaten für die Nachfolge der inzwischen sogar mit einem eigenen Denkmal geehrten Orakellegende aus Oberhausen.

Ich sage schon mal voraus, dass sich die mediale Begeisterung für das Orakelteam auf keinen Fall in Paulschen Dimensionen bewegen wird und dass – auch wenn die ein oder andere Krake mehrfach richtig liegt – kaum Kamerateams aus der ganzen Welt vor irgend ein Aquarium pilgern um zu beobachten aus welchem Näpfchen das jeweilige Tier sein Leckerchen holt. Bei 8 Kandidaten ist es übrigens nicht unwahrscheinlich, dass mindestens ein Tier die 3 Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft richtig voraussagt – soweit es kein Unentschieden gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgend ein Oktopus bei allen drei Spielen richtig liegt beträgt knapp 40%, für zwei immerhin noch 20% (dafür, dass kein einziger Oktopus bei allen drei Spielen richtig liegt beträgt die Wahrscheinlichkeit ca. 35%).

Jetzt heißt es erstmal abwarten. Zum einen werden  in den nächsten Stunden die ersten Prognosen auf der SeaLife-Seite veröffentlicht und zum anderen könnten ja auch – wie im letzten Jahr – noch weitere Tierorakel auftauchen. Ob der Tierpark in Chemnitz wieder mitspielt? Oder 1Live mit einem Prognosehamster? Nur die Astrologen und Wahrsager scheinen sich nicht für das Thema zu interessieren – irgendwelche Prognosen habe ich von dieser Seite jedenfalls noch nicht gefunden.

Update:

Die Orakelkraken scheinen seit Paul ein wenig Wahrscheinlichkeitsrechnung gelernt zu haben. 3 mal Sieg für unsere Mädels, 3 mal Unentschieden und 2 mal Sieg für Kanada – sieht verdächtig nach Würfeln aus …





Superterroranschlagsprognose: 26. Juni, 19:00 Uhr, Berlin (Frauenfußball-WM!)

7 06 2011

Genaue, und damit leicht prüfbare, Prognosen sind selten in der Welt der Astrologen, Wahrsager und Hellseher. Nur bei den Weltuntergängen werden – wie erst kürzlich – immer mal wieder genaue Daten genannt. In dieser Hinsicht hatten schon die – natürlich falschen – Terrorprognosen meines Lieblingspalmblattschwaflers (hier oder da) Seltenheitswert, denn sie nannten Orte und zumindest die Kalenderwoche der zu befürchtenden Anschläge. Von ganz anderer, noch viel besserer „Qualität“ ist die Prognose, die sich vor ein paar Tagen auf der Seite extremnews finden liess. Garniert mit einem halbstündigen YouTube-Video führt wildwüste Zahlenmystik in den ersten 6-7 Minuten zu einem Anschlagstermin am 26.6.2011, 19:00 Uhr. Dass danach auch noch die Simpsons (so ab ca. 8:30 min) als Belege für dieses Datum herhalten ist nur der Anfang eines lächerlichen Sammelsuriums von Filmausschnitten, das irgendwie interpretiert als eine Art Prognose durchgehen soll:

Demnach könnte, wenn die Aussagen des Videos richtig interpretiert sind und tatsächlich Hinweise in eben diesen Hollywoodproduktionen versteckt worden sind, am 26.6.2011 ein Terroranschlag gigantischen Ausmaßes in Berlin das Eröffnungsspiel der Frauen-Fußball-WM zum Ziel haben. Dieser könnte die Anschläge des 11. September 2001 noch übertreffen und sogar durch eine Atombombe ausgelöst werden.

Tja, wenn! Und eine Person scheint ja mindestens darauf hereingefallen zu sein. Ein Rechtsanwalt aus Essen hat wegen diesem Terrorgeblubber eine einstweilige Verfügung beantragt:

In der außerordentlich umfassenden Antragsschrift [Anm.: fast 40MB, 409 Seiten] des Rechtsanwaltes Torsten van Geest sind die meisten Indizien aufgeführt. Diese als Ganzes betrachtet ergeben ein äußerst erschreckendes Bild. Laut van Geest scheint ein sogenannter staatsterroristischer „Anschlag unter falscher Flagge“ („false flag operation“) das Olympiastadion in Berlin am 26.06.2011 zum Ziel zu haben. Die Planung gehe wahrscheinlich von ausländischen Geheimdiensten aus, um „diesen Anschlag als weiteren Akt islamistischen Terrors darzustellen und auf diese Weise in den Bevölkerungen der von dem Anschlag betroffenen Nationen die Akzeptanz weiterer Maßnahmen im internationalen Krieg gegen den Terror („war on terror“) herbeizuführen“.

Wer sich von der Größe der pdf-Datei nicht abschrecken lässt erhält übrigens einen hervorragenden Überblick über die abgedrehtesten Verschwörungstheorien der Szene. Und das Schöne daran ist, wenn an diesem Tag nichts passiert, dann war das mit Sicherheit auf die Intervention dieses Rechtsanwalts zurückzuführen. Dieser fordert nämlich die Behörden auf, rechtzeitig zu intervenieren, damit es eben nicht passiert … … nur war dann die „Prognose“ falsch und die ganze Rechnerei umsonst.





Labertaschenparade 2011 – Teil 2

27 05 2011

Nachdem ich den ersten Teil der Labertaschenparade gerade mal 3 Tage vor dem großen Japanbeben veröffentlicht hatte habe ich erst jetzt ein wenig Zeit für den 2. Teil gefunden. Webseiten, Zeitungen, Blogs – die Quellen sind ja (wie üblich) verlinkt …

Rosalinde Haller gehört zum Stammpersonal der jährlichen Prognosesammlung und für 2011 hat sie wieder gewohnt schwarz gesehen:

Ab Mitte 2011 sind starke Gebrechen und Störungen in technischer Hinsicht zu erwarten. Diese Energie spüre ich bis 2012 anhalten. Veränderungen punkto Sonnenenergie und Erdachse sind an diesem Ereignis maßgeblich beteiligt. […] Veränderungen von Luft und Meeresströmungen zum Beispiel dem Golfstrom werden zum Thema. Unbekannte Flugobjekte oder Asteroiden echt.

Der letzte Satz endet tatsächlich so! Zudem fühlt sie „in Europa eine Schwingungskurve von etwa 170 Jahren“, die vielleicht auch daran schuld ist, dass Frau Heller inzwischen in Uruguay zu residieren scheint. Und sie weiß schon jetzt: 2012 Zerfall der EU- Abwendung von der Kirche.

Inhaltsleeres Gefühlsblaba von Sabine Herm mutete das Augsburger Salon Magazin seinen Lesern zu, Gerda Rogers wollte zum Jahreswechsel der Tagespresse nicht widersprechen und sah „wirtschaftlichen Aufschwung“. Uwe Christiansen scheint sein Gemurmel zur aktuellen Zeitqualität zwar bisweilen zu erneuern, die aktuelle Version unterscheidet sich allerdings kaum von der Vortragsbeschreibung aus dem November letzten Jahres. Auch bei Eva Vaskovich-Fidelsberger gibt es nur Plattitüden, sie wartet auf „erste Anzeichen spiritueller Erneuerung„. Diese dürfte auch spirituelle.info erhoffen, das nicht namentlich signierte Wintersonnwendhoroskop für 2010 als Prognose für das Jahr 2011 beschäftigte sich jedoch mit dem Thema „Gleichgewicht halten“ – um den 20. Dezember war das sogar eine Art Supi-Spezial-Treffer:

Wie markant das Thema Gleichgewicht halten aus diesem Horoskop spricht, konnte man auch an dem Glatteis erkennen, welches zu dieser Zeit vielerorts herrschte. Die Wald- und Wanderwege waren derart glatt, dass ich selbst beispielsweise 2 Tage lang nicht joggen konnte …

Nur wenig konkreter wird Herr Geir aus Österreich, er sieht ab dem 9. Februar einen Aufschwung für Scharlatane aller Art …

Diese Zeitqualität spricht für neue Heilungsmethoden und ganzheitliche Ansätze. Energiearbeit, Quantenheilung und dergleichen werden sich immer mehr durchsetzen bzw. an Akzeptanz finden.

… und DAV-Astrologin Christa Heidecke stimmt ihm irgendwie zu (… hebt die alternativen Heilweisen hervor, besonders im feinstofflichen Bereich) bevor sie aus den Sternen böses Unheil dräuen wähnt:

So werden 2011 die Anfänge der Umbrüche sichtbar werden, die im Januar mit der Sonnenfinsternis beginnen, wo das eigenmächtige und gesetzeswidrige Verhalten der Regierungen einen kräftigen Dämpfer erhält. Falls das System jetzt noch nicht zusammenbricht, und weiterhin $ und € in Massen gedruckt werden, so wird spätestens zu den 3 Sommerfinsternissen der Knall kommen, weil gleichzeitig die Proteste richtig losgehen (Pluto/Uranus) und Saturn den Ländern Grenzen setzt.

Apropos € und $: Einen Megadeal erwartet der Kanadier Blair Robertson noch vor dem nächsten Jahreswechsel: Apple kauft Facebook! Bei Wladimir Pogudin erfuhr man nichts über das bereits laufende Jahr aber eine wirklich schöne Aussage zur astrologischen Trefferquoten:

Die Astrologie erlaubt verschiedene Varianten. Es gibt eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass es so geschieht und eine 20-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass es anders geschieht.

Upps! Fehlt da nicht etwas?

Die restlichen zehn Prozent entfallen auf etwas anderes.

Vielleicht erklärt der Mann ja bis Ende 2011 wie sich die letzten beiden Varianten unterscheiden …





Endzeitfotospäße: #rapturebomb

22 05 2011

Harold Camping ist derzeit nicht zu sprechen. Nachdem er sich mit seiner aus irgendwelchen Bibelstellen herbeifantasierten Ankündigung, am gestrigen 21. Mai würden weltweite Erdbeben den Beginn der allerletzten Endzeit einläuten, lächerlich gemacht hat ist das auch durchaus verständlich. Es könnte allerdings auch einen ganz anderen Grund dafür geben. Wie Bernd Harder auf dem GWUP-Blog erklärte sollte ja gestern nur die „Entrückung“ stattfinden, also „Das Auffahren in den Himmel der Auserwählten Gottes“:

Ein Kennzeichen für die Entrückung wird eine ungeheure Anzahl von Katastrophen in ein und derselben Stunde sein. Es werden Flugzeuge abstürzen, da kein Pilot mehr darin sitzt, auf den Autobahnen und Straßen werden Autos plötzlich ohne Fahrer sein, wichtige Personen in Politik und Wirtschaft sind plötzlich verschwunden usw. Jeder kann sich gut vorstellen, welches Chaos ein solches Geschehen nach sich ziehen wird. Die Entrückung kann also nicht übersehen werden.

Streng genommen kann man das Ausbleiben dieser Katastrophen ja nicht als Versagen der Prognose deuten, denn es ist auch denkbar, dass unter den Auserwählten einfach keine Piloten oder Autofahrer zu finden waren. Es könnte ja auch sein, dass die Anzahl der „Auserwählten“ überhaupt recht überschaubar war, vielleicht wirklich nur eine einzige Person (… da wäre es dann auch nicht überraschend, wenn diese für Interviews nicht mehr zur Verfügung stehen würde).

Vergessen wir mal kurz, dass solche Endzeitprognosen nicht für jeden Menschen harmlos sind (siehe dort) und wenden uns den apokalyptischen Spaßvögeln zu. Diese haben nämlich ihre eigene Entrückung im Internet per Foto der zurückbleibenden Klamotten dokumentiert und unter der Kennung #rapturebomb tausendfach ins Internet gestellt.

Ob dieses Bild wirklich von „dem“ David Copperfield stammt? Egal, auf einigenBest ofSeiten kriegt man genug Auswahl, um sich über diese Art der Entrückung (und ggf. die Auserwählten) zu amüsieren. Mir persönlich gefällt jedenfalls dieses Bild am besten:





Taiwan ohne Beben, Münchnerin ohne Geld

11 05 2011

Nicht nur für Rom hatte ein Hellseher ein katastrophales Erdbeben angekündigt,  auch Taiwan sollte an einem der letzten Tage eine furchtbare Katastrophe ereilen. Autor dieser extrem genauen Prognose – sogar die  Uhrzeit (10.42 Uhr und 37 Sekunden) war genauestens angekündigt und das (natürlich!) einen Tsunami auslösende Erdbeben sollte die Stärke 14 (!!!) haben – war ein Herr namens Wang Chao-hung. Da die Katastrophe dann doch nicht eingetroffen ist vermutet man in Taiwan nun, dass der Herr seine Schreckensprognose nur dem schnöden Mammon wegen abgegeben hat:

Seit er Frachtcontainer als einzig sichere Notunterkünfte anpries, ist deren Absatz in Taiwan rapide angestiegen. Mancher vermutet, dass die Kontakte von „Lehrer Wang“ zur Containerindustrie besser seien als die zu den Geistern, die ihm Ereignisse aus der Zukunft zuflüstern.

Nur ums Geld ging es einer 15-jährigen(!!!) Österreicherin in München: bei ihrem 29-Jährigen Opfer nutzte dabei die altbekannte Masche aller einschlägig tätigen Betrüger: erst Vertrauen erwecken, dann Angst machen und schließlich abkassieren. Wie die Polizei (und mehrere weitere Medien) berichtete war das wirklich kinderleicht:

Im Oktober letzten Jahres wurde eine 29-jährige Münchnerin von einer 15-jährigen Wahrsagerin aus Österreich in München angesprochen. Die 15-Jährige sagte der 29-Jährigen, dass sie ihr ansehe, dass sie größere Probleme hätte. 

Cold Reading für ganz Arme scheint also wunderbar zu funktionieren, denn …

Die 29-Jährige fasste zu der Wahrsagerin Vertrauen.

… und es folgte der übliche Abzockmechanismus:

Daraufhin forderte die 15-Jährige immer wieder hohe Geldbeträge von der 29-Jährigen, um zu verhindern, dass ihr etwas Schlimmes passieren würde und um ihr Heilkräuter zu verkaufen. Die Drohungen wurden immer massiver und die Geldforderungen hörten nicht auf.

Neu ist das natürlich nicht, und auch die Folgen waren durchaus vorhersehbar:

Dadurch geriet die Münchnerin in eine existenzbedrohende Situation, da sie bereits weit über 10.000 Euro an die Wahrsagerin bezahlt hatte. Sie vertraute ihr Problem einem Bekannten an und daraufhin wurde die Polizei informiert.

Immerhin, das Mädel wurde gefasst! Aber ob das hilft? Wetten, dass dieses Jahr noch ein paar ähnliche Stories durch die Medien geistern werden?





Rom hofft auf päpstliche Hilfe und noch ein Weltuntergang

10 05 2011

In Rom scheinen sich einige Menschen vor einem für Morgen angedrohten Erdbeben zu fürchten. Zwar weisen die echten Wissenschaftler seit Tagen immer wieder darauf hin, dass das Ganze absoluter Nonsens sei, aber die Römer selbst scheint das nicht zu stören. Ob der Papst – wie im Spiegelartikel erwähnt – tatsächlich helfen kann möchte ich bezweifeln, denn in der ewigen Stadt werden ganz sicher auch viele Menschen irgendwelche USB-Anschlüsse nutzen – und dass die des Teufels sind müsste sich seit November letzten Jahres ja rumgesprochen haben.  Sieht man ja auch gleich: Das USB-Symbol sieht doch einem teuflichen Dreizack verdächtig ähnlich …

Sollte das Erdbeben in Rom nicht stattfinden, dann bleibt den Bewohnern noch eine kurze weitere Frist. Wie ein abgedrehter Prediger mitteilt garantiert die Bibel den Tag des Jüngsten Gerichts für den 21. Mai 2011. Nett finde ich ja, dass eine kleine Grafik mit einer durchgestrichenen 2012 dokumentiert, dass der ganze esoterische Mayakalender-Humbug und seine vielfältigen Ableger absoluter Nonsens ist – dass außerdem unter dem Titel „Kein Mensch kennt den Tag oder die Stunde“ die vollmundige Weltuntergangsprognose auf der gleichen Webseite wieder weggeschwurbelt wird, spricht für eine gewisse Desorientierung der Autoren.

PS: Ein guter Nachruf auf den vor einigen Tagen aus dem Leben geschiedenen Astrologieforscher Gunter Sachs gibt es hier!





Noch mehr Leichenfledderer und ein Interview aus Absurdistan

5 04 2011

Angesichts der Katastrophe in Fukushima segeln auch einzelne Homöopathen auf der radioaktiven Angstwelle und versuchen sich mit ihren Angeboten für  „Mittel gegen Radioaktivität“ (sogar auf japanisch!)  die Taschen zu füllen. Bei Astrodicticum Simplex (mit weiteren Beispielen) und im GWUP-Blog wurden diese „Angebote“ schon entsprechend kommentiert. Die üblichen Erklärungsversuche der Astrologen, die im Nachhinein über ihre „Gestirnsstellungen“ herumschwurbeln sind zwar ebenso lächerlich, zocken aber nicht ganz so dreist wie die Anhänger des ultimativen Verdünnungswahns ab. Für all jene, die unter akutem Schwurbeldefizit leiden, es gibt eine ganze Reihe weiterer Beispiele …

Dabei darf auch der Astroletter des Allgeier-Verlags nicht hintan stehen, in dem es mittendrin ganz, ganz düster wird:

Die Erde wird auch aufbrechen im westlichen Teil von Amerika. Der obere Teil von Europa ändert sich in einem kurzen Augenblick. Land wird erscheinen vor der Ostküste von Amerika. Wenn das erste Aufbrechen in der Südsee erscheint, oder im Mittelmeerraum und der Ätna-Region, als Sinken und Aufsteigen von meist gegenüberliegendem Gleichen, wissen wir, es hat begonnen.

Dabei beziehen sich die Allgeiers allerdings nicht auf irgendwelche Sterne, sondern auf den bekannten Katastrophenpropheten Edgar Cayce. Dass übrigens auch als seriös geltende Medien auf den esoterischen Katastrophenzug aufspringen zu müssen glauben zeigte vor einigen Tagen sogar die Süddeutsche – zum Glück ist im GWUP-Blog eine passende Antwort zu lesen.

Auch um Japan ging es in diesem Interview im Deutschen Absurditäten Anleger Fernsehen. Die Interviewerin Christina Thonack hat sich in der Vergangenheit schon des Öfteren als völlig unkritische Stichwortgeberin für unsinniges Geblubber verschiedener Astrologen betätigt, und auch in diesem Fall lässt sie die einschlägig bekannte Iris Treppner minutenlang Sinnlosigkeiten absondern ohne auch nur eine einzige Aussage der Frau in Frage zu stellen. Ich habe mir erlaubt, mögliche Fragen und Anmerkungen in rot in dieses „Interview“ einzubauen. Frau Thonack’s Stichworte sind in schwarz, Frau Treppners Unsinn in blau:

Was sagen sie zu Japan, war die Katastrophe absehbar?

Nein, eigentlich nicht oder vielleicht doch!

Also wie jetzt? Hätte man es voraussehen können, oder nicht?

Also über den NIKKEI hätte man die Krisensituation vielleicht erkennen können, wenn man sich damit auseinandergesetzt hätte.

Standardausrede! Schon die derzeit von der Polizei gesuchte Patricia Bahrani hat des öfteren auf entsprechende Fragen mit der gleichen Ausrede geantwortet!

Ich hab’s persönlich jetzt nicht getan, weil meine Prognosen beim NIKKEI – wie soll ich jetzt sagen – weniger treffsicher waren …

Noch weniger treffsicher als der andere Mumpitz? Ist ja kaum möglich …

… deswegen habe ich den NIKKEI einfach rausgenommen. Allerdings wenn man jetzt die richtigen Daten gehabt hätte, dann hätte man einen Hinweis darauf haben können, dass es dort kriselt.

Es kriselt? Eine zynischere Umschreibung für die dortigen Katastrophen habe ich bisher kaum gelesen!

Einen einzigen Hinweis habe ich, das ist der Transit Neptun-Saturn, der ist zur Zeit aktiv und zwar bis 2013 noch und das ist eine Konkurskonstellation, aber die wirkt sich auf jeden anders aus.

Typisch astrologische Entscheidungsneurose: Eine Konkurskonstellation, die sich auf jeden anders auswirkt – wieso greift eigentlich die Interviewerin nicht ein?

Zum Beispiel van Gaal, der Trainer von Bayern München hat diese Konstellation auch …

Ja, ja – Frau Treppner möchte wohl lieber über Fußball salbadern, auch das ist nichts Neues … … aber was sie hier macht heißt auf Deutsch: Themaverfehlung! Aber so lange es die Interviewerin nicht merkt …

… und der verlässt zum Beispiel den Verein. Also es wirkt sich bei jedem anders aus und ich hätte jetzt nicht angenommen, dass es so heftig in Japan aussehen könnte.

Ja wie jetzt? Erst sagt sie, sie hätte nicht nachgeschaut, jetzt hat sie nicht angenommen, dass so etwas passieren könnte? Merkt Frau Thonack eigentlich irgendwann, dass Frau Treppner nur Müll redet?

Das heißt, die Schwierigkeiten können auch bis 2013 noch Nachwirkungen zeigen?

Nö, sie merkt es offensichtlich nicht! Wenigstens hätte sie fragen können, was denn jetzt van Gaal mit Japan zu tun haben soll und ob sie jetzt nachgeschaut habe oder eben nicht …

Ich hoffe, dass es nur bis 2013 geht. Ich hab‘ auch nicht das Originalhoroskop da ich nicht den Einstieg der Handelszeit habe des NIKKEI. Das ist alles spekulativ …

Danke! Also das war jetzt offen zugegebenes reines Raten! Warum bricht die Interviewerin das Ganze nicht einfach ab? Ihre Gesprächspartnerin hat doch offensichtlich keine Ahnung wovon sie redet!

… mir fehlen viele weitere Angaben um mich da festlegen zu können oder zu wollen. Ich hoffe, dass nur dieser Transit dafür sorgt, dass es eben zur Zeit schlecht aussieht in Japan und dass ein Ende 2013 in Sicht ist.

Äh, ein Ende von was? Aber ok, sie will sich ja nicht festlegen …

Übertragen wir das mal auf Deutschland. Wie wird denn der DAX sich nach den Problemen in Japan weiter entwickeln.

Wow! Ganz unerwartet schießt Frau Thonack eine konkrete Frage aus der Hüfte! Respekt! Das riecht ja fast schon nach dem Hauch einer Redaktionsassisstenzanwärterin …

Ich meine schon im letzten Jahr gesagt zu haben, ihnen gegenüber (ich glaub‘ es war im August) dass es jetzt im Februar/März turbulent zu geht.

Nöö! Im Augustinterview (mit der gleichen Interviewerin) hatte sie nichts dergleichen gesagt, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass es bis zum Jahresende eher „seitwärts“ weiter gehen sollte (falsch). Im Dezember laberte sie tatsächlich über März 2011 – es ging aber dabei gar nicht um den DAX, sondern um die  VW-Aktie.

Woher diese Einflüsse kommen, das war mir da auch nicht klar, jetzt wissen wir das! Aber ich glaube, insgesamt wird der DAX unbeeindruckt aus der Sache ‚rausgehen. Also natürlich geht’s jetzt mit ‚runter, keiner weiß jetzt wo’s hingeht, wo die Leute etwas anlegen sollen, aber es stellt sich hier schnell heraus, wo die Schwerpunkte sind.

Ja, man sieht wo die Schwerpunkte sind! Frau Treppner zeigt – zum wiederholten Mal – dass sie auch ohne jedes Wissen bereit ist völlig sinnfreien Schwachsinn in irgendwelche Mikrofone zu posaunen – wenn man sie denn lässt.

Wer sich auch noch den Rest antun will, der kann sich’s ja hier anhören





Japanbeben: Dummer Minister in Indien und ein Leichenfledderwiderling aus Kanada

14 03 2011

Die Katastrophe in Japan lässt bei so manchen Menschen offensichtlich jede Sicherung durchbrennen. Wenn Prashant Kumar Sahi – immerhin als Minister für Arbeitsressourcen (toller Titel!) im indischen Bundesstaats Bihar für fast 100 Millionen Menschen zuständig – tatsächlich das gesagt haben soll, was hier berichtet wird, dann muss man ja fast froh sein, dass dieser indische Bundesstaat nicht am Meer liegt. OK, der Mann redete gestern (Sonntag) vor einem „Forum des Indischen  Rates für astrologische Wissenschaften“, da meinte er wohl seine Zuhöer bauchpinseln zu müssen. Er behauptete dabei nicht nur, „dass die Astrologie kein Rätselraten, sondern eine echte Wissenschaft sei„, sondern forderte auch Folgendes: „Die Astrologen sollen ihm zufolge vor Naturkatastrophen wie etwa der jüngste Tsunami in Japan warnen.

… und einer nutzte auch gleich seine Chance: „Ein Astrologe aus Haidarabad teilte seinerseits mit, dass er einen neuen Tsunami im Pazifik im Zeitraum zwischen dem 15. März und dem 15. April erwarte. Nach seiner Prognose sind in dieser Zeit auch Erdstöße in Indien möglich.

Der Rest des Artikels zeigt übrigens, dass die Quelle mit Vorsicht zu geniessen ist, denn im Zusammenhang mit dem Erdbeben wird auch gleich auf irgend einen Super-Mond hingewiesen und auch sonst scheint diese russische Nachrichtenagentur kaum als ernsthafte Quelle zu betrachten ist. (Es sei denn man ist Verschwörungstheoretiker – die nehmen auch die absurdeste Meldung von dort ernst. z.B. wird dies dort zitiert …)

In Kanada zeigte inzwischen der selbst ernannte „Psychic“ Blair Robertson, die widerlichste Form der Leichenfledderei. In seinen Laberprognosen aus den letzten beiden Wochen (hier und dort) erwartete er zwar Erdbeben, aber in Oregon und Kailfornien. Trotzdem behauptet er jetzt:

Japan Earthquake Tsunami Prediction Proves True

Blöde Frage: Wieso hat der Mann, der ansonsten jeden Pups und jede Prognose in seinem Blog bzw. in seinem Newsletter verbrät gerade dies eben nicht vorab veröffentlicht? Wie er schreibt hatte er die Prognose dienstags aufgeschrieben, dann in einem Safe deponiert und – wie die Fotos zeigen – dann Freitag Abends (in Kanada) verlesen lassen. Zu diesem Zeitpunkt zeigten die Nachrichten allerdings schon seit Stunden Bilder aus Japan …

Das stinkt sehr verdächtig nach einem primitiven, kleinen Zaubertrick, den jeder drittklassische Hobbymagier mit nur wenig Übung beherrscht. Jetzt, auf dem Rücken tausender Leichen, zu behaupten, er habe das aber doch richtig vorausgesagt, nur nicht ganz die katastrophalen Konsequenzen (die übrigens am Freitag Abend noch nicht so klar waren!) ist wirklich schäbig.





Labertaschenparade 2011 – Teil 1

8 03 2011

Langsam wird’s Zeit, dass ich hier mal eine Auswahl der Prognosensammlung für 2011 vorstelle. Einige Katatstrophenprognosen hatte ich ja schon gewürdigt, heute folgt ein – sehr verspäteter – Blick auf einschlägige Artikel zur Jahreswende.

Madame Michèle durfte in der Schweizer Postille „20 minuten“ an die Glaskugel. Meist ziemlich schwammig lässt sie sich immerhin bei einem Schweizer zu ein wenig mehr hinreißen: „Für mich ist Kachelmann Opfer und nicht Täter. Ein Theater!“. Noch genauer wird sie bei der bevorstehenden Hochzeit im englischen Königshaus:“Es wird eine glückliche Familie mit drei Kindern.“ Ob sich das bewahrheitet dürfte aber 2011 nicht zu entscheiden sein.

Frau Fritsch (die immer noch damit wirbt, dass man sich ihre Astrologiekurse von der Bundesanstalt für Arbeit bezahlen lassen kann) hatte auf astrologie.de ein paar Zeilen zum Venusjahr geschrieben und sie erklärt die Zuordnung des Jahres zu einem Planeten mit folgendem Satz: Die Reihenfolge der Jahresherrscher kommt durch die mittlere Geschwindigkeit der sieben klassischen Planeten zustande, beginnend mit dem langsamsten. Äh, und was bedeutet das jetzt? Wie kommt man darauf, dass gerade 2011 … … keine Antworten, stattdessen Astroblabla vom Feinsten:

Dass nun die Venus das ganze Jahr „regiert“, bedeutet (leider) nicht zwangsläufig, dass wir den Weltfrieden zu erwarten hätten, denn dann müsste das alle sieben Jahre der Fall sein. Wie alle Planeten zeigt sie symbolisch an, was das Potenzial des Jahres ist. Da mit Venus hauptsächlich positive Eigenschaften verbunden werden, nennt man sie in der klassischen Astrologie die kleine Wohltäterin. Aber sie hat auch ihre Schattenseiten: Eitelkeit, Gefallsucht, Materialismus, Opportunismus und Bequemlichkeit sind ihre Laster.

Noch mehr Blabla für 2011 gibt’s bei Astro Uranus, Paul Pawlowski, Evelyn Weishäupl (die ihre Ergüsse am 27.12. auf astrologie.de veröffentlichte), einem ungenannten Schwurbler von „kostenlos-horoskop.de„, oder Alexander Witschel (Pforzheimer Zeitung vom 14.1.2011).

Dagegen ist die von Radio Hamburg konsultierte Kartenlegerin Gloria Heilmann von  Bergen ja fast schon sensationell genau – zumindest beim Thema Fußball:

Dann legt Gloria die Karten für den HSV und St. Pauli. „Die Spieler vom HSV müssen sich eindeutiger und mehr konzentrieren […] dann können sie wirklich nach oben kommen – so zweiter, dritter Platz.“ Außerdem soll uns 2011 die Nachricht erreichen, dass ein Spieler Nachwuchs erwartet.

Ein Fußballer, der Nachwuchs erwartet? Herrlich! Weniger gut sind die Aussichten für den Fußballerischen Stadtrivalen:

Um St. Pauli steht es laut den Karten nicht so gut: „Es sieht im Moment eher so aus, als ob sie es nicht schaffen und in die 2. Bundesliga absteigen.“

Zu Lena’s Chancen beim Eurovision Song Contest hat sie aber wieder auf Schwurbelmodus umgeschaltet:

„Sie ist richtig gut dabei, aber sie hat damit zu tun, dass sie ihr Lampenfieber überwindet. […] Sie hat Angst vor ihrem eigenen Gefühl. Es stehen zwar viele Menschen und Freunde zu ihr, aber sie ist doch etwas unruhig. […] Außerdem hat sie eine große Konkurrentin, die etwas älter ist als sie.“

Eine neue Rekordmarke in Sachen Wahrsagerartikel hat vermutlich die  Märkische Allgemeine aufgestellt. Zum Jahreswechsel hatten gleich mehrere Lokalausgaben einschlägige Artikel im Angebot. Nur Binsenweisheiten lieferte im Lokalteil Potsdam eine Psychokinesiologin, Reiki-Meisterin und Heilerin aus Rendsburg namens Cassandra. Ein paar Vermutungen zu aktuellen lokalen Themen kombinierte sie mit der äußerst spektakulären Aussage „Die Menschen würden sich oft von den Politikern allein gelassen fühlen.“ Im Lokalteil Brandenburg durfte sich eine Frau namens „Karin Schneider“ in gnadenloser Selbstbeweihräucherung üben indem sie über ihre Erfahrungen beim Lesen aus Karten und Händen erzählte. Eigentlich hätte die „Redakteurin“ gleich den ganzen, älteren  Artikel aus dem „Preußenspiegel“ kopieren können – inhaltlich war war das der gleiche Mumpitz. Im Lokalteil Oranienburg durfte an Silvester Bärbel Zöller ein wenig aus den Sternen schwurbeln und kündigte für Widder ein „bewegtes Jahr“ an. Katastrophen sagt die  ja nicht voraus, warnt aber alle zwischen dem 3. und 22.10. Geborenen davor, dass sie in 2011 „mit Prüfungen in ihrem Leben“ rechnen müssen.  Nur 3 Tage später schenkte der Lokalteil Oranienburg einer Kartenlegerin namens Simone Meyer eine Portion kostenlose Werbung. Wobei das Ganze so wirr ist, dass jeder Mensch mit mehr als drei funktionierenden Gehirnzellen nur noch den Kopf schütteln kann.

Aber damit noch immer nicht genug, denn am 7.1. durfte auch noch die Schweizer Astrologin Monica Kissling alias Madame Etiole wunderbar sinnfrei vor sich hin labern:

2011 wird ein sehr dynamisches Jahr, in dem sich Reformprozesse beschleunigen. Gleichzeitig bilden sich jedoch immer stärkere Gegenkräfte, die an bisherigen Strukturen festhalten oder gar frühere Strukturen wieder etablieren wollen.

Wie war das noch mit dem Hahn, der auf dem Mist kräht?





Wie entlarvt man einen Wahrsager als Scharlatan?

16 01 2011

Ganz einfach:

(aus einem Kommentar bei Astrodicticum Simplex)

… ok, esowatch war schneller und excanwahn auch – ist aber trotzdem gut …