Placebo!

10 02 2010

Diesem Video, das eben bei Astrodicticum Simplex verlinkt wurde, ist wirklich nichts hinzuzufügen – außer vielleicht eine gute deutsche Übersetzung:





Homöopathische Überdosis – britische Glaubulistin macht Verbesserungsvorschläge

2 02 2010

Am Samstag hat die 10:23 Campaign – eine Gruppe britischer Skeptiker, die der Öffentlichkeit mit dem packenden Slogan „there’s nothing in it“ die Wahrheit über die Pseudomedizin der Verdünnungsschüttlungsfetischisten erklären will – den Versuch gewagt, sich mittels einer homöopathischen Überdosis zu vergiften. Inzwischen gibt es auf YouTube einige Videos dieser Aktion (z.B. Southhampton, Leicester, BrightonLeeds …) und auch australische Skeptiker sorgten am Samstag für einen unerwarteten Umsatzzuwachs irgendwelcher Hersteller homöopathischer Globuli, wie nicht nur ein Video aus Sydney zeigt. Jetzt hat auch Spiegel-Online die Kampagne erwähnt und seither tobt die bei diesem Thema übliche und unvermeidliche Kommentarschlacht mit den bekannten Argumenten von „Alles Unsinn“ über „Mir hat’s aber super geholfen“ bis zu hanebüchenen Erklärungsversuchen mit allerhand unpassenden Beispielen (… incl. Beschimpfen der Schulmedizin und falsch verstandener Studien zur Akkupunktur).

Wie der Skeptical Letter Writer berichtet wurde das Event in London auch von zwei Homöopathinnen besucht, die sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen wollten. Louise McLean ist eine von ihnen und hat auch eine „Erklärung“, warum dieser Versuch von vorne herein so gar nicht funktionieren konnte:

Of course homeopaths know that one dose of however many pills taken together in one go, is the equivalent of only one dose, because it is the time frame that counts.

Ich gebe zu, dass ich dieses Argument zum ersten Mal gelesen habe. Wieviele Globuli bei einer Dosis geschluckt werden ist also egal? Das hat mir eine streng homöopathische Ärztin vor gut zwei Jahren auf einer Fete aber ganz anders erklärt. Ich hatte bei ihr fast einen Herzkasper ausgelöst, weil ich von den von ihr für eine Freundin mitgebrachten Zuckerkügelchen („Aber nicht mehr als drei pro Tag, die sind ziemlich hoch potenziert“) eine ganze Handvoll heruntergewürgt hatte … … sie beobachtete mich für den Rest des Abends, war ehrlich besorgt und erklärte das Ausbleiben jeglicher Wirkung am Ende mit den üblichen Phrasen: Dieses Mittel würde eben bei mir nicht ansprechen … …da müsste man erst mal eine genaue Anamnese … … und überhaupt wirken Homöopathika nicht, wenn man Wein oder Bier trinkt … … aber zurück zur Erklärung von Louise McLean:

So if they had repeatedly taken a dose every hour for the rest of the day, the skeptics would most certainly have felt the effects.

Für diesen Vorschlag muss man der Frau ja fast schon danken, denn es ist eine sehr schöne Idee für die nächste Aktion. Skeptiker treffen sich um 12:00 Uhr und nehmen dann für die nächsten 12 Stunden alle 60 Minuten ein Kügelchen ein –  für die Zeit zwischen den Einnahmen könnte man ein paar sinnvolle Vorträge und vielleicht ein kleines Kulturprogramm einplanen, dazu ein paar nette Gespräche unter Skeptikern … … da wär‘ ich doch sofort dabei!

Therefore this little stunt ‘proves’ little, although I wouldn’t be surprised if some of them sheepishly confess that they did experience some symptoms later, because after taking a homeopathic remedy, especially 30c or above, the effects can be felt for days afterwards.

Ach, man muss erst ein paar Tage warten, bis sich die Wirkung einstellt? Hmm – das könnte natürlich auch der Grund für die nicht funktionierende Überdosis sein: Die Skeptiker haben zwischen der Einname des Mittels und der Wirkung ein paar Tage später möglicherweise eine der vielen Regeln verletzt, die laut Hahnemann’s Organon die Wirksamkeit der Homöopathie verhindern können. Welche das so alles sind hatte ich ja schon in meinem Beitrag über die Homöopathiestadt Köthen zitiert …

PS: Der Skeptical Letter Writer hat Louise McLean übrigens per Mail herausgefordert: Es geht um eine 5.000 Pfund-Spende für die Opfer des Erdbebens in Haiti …





VHS-Esoterik: Aktuelle Beispiele aus Mainz und Cuxhafen

21 01 2010

Jetzt wohne ich ja schon seit über eineinhalb Jahren nicht mehr in Mainz, und was passiert? Auf der Mailingliste der Skeptiker werden esoterische Angebote der VHS Mainz diskutiert. OK, dort gibt es ein paar fragwürdige Kurse aus dem Bereich der Esoterik, und es gibt sie schon seit vielen Jahren. Ob  solche Kurse wirklich der kritischen Ausseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema dienen möchte ich doch bezweifeln, auch wenn Herr Leder, der Leiter der VHS Mainz, dies gegenüber der FAZ als Motivation für entsprechende Kursangebote nannte. In dem Artikel aus dem August 2009 kam auch Frau akir-Wahl, Leiterin der VHS Frankfurt, zu Wort:

Entgegen der Vorurteile und trotz der Freiheit der Volkshochschulen, ihr Programm zu großen Teilen nach eigenem Ermessen zu gestalten, stellen alle VHS-Leiter heraus, Esoterisches spiele keine Rolle. Tatsächlich finden sich in den Broschüren eher vereinzelt Angebote wie „Die schamanische Reise“ und „Pendelpraxis 1“ (VHS Mainz) oder „Der Einfluss der Ahnen im Horoskop“ (VHS Frankfurt). Ihr Vorhandensein begründet VHS-Chef Leder damit, auch diese Themen gehörten zur „Kommunikationszentrale VHS dazu“. Immerhin führten derartige Kurse dazu, dass die Teilnehmer sich auch kritisch mit esoterischen Praktiken auseinandersetzten. Und akir-Wahl sagt, die VHS gehe damit auf ein steigendes Interesse in der Gesellschaft an Esoterischem ein. „Das breite Angebot ist eben ein Markenzeichen der VHS. Wie sinnvoll aber gerade die Astrologiekurse sind, werden wir noch einmal prüfen.“

Astrologie soll also in Frankfurt überprüft werden, die Pendelpraxis in Mainz nicht? Den Rest des Beitrags lesen »





Die Homöopathen kneifen (bis jetzt)!

18 11 2009

Komisch, da gibt man den Homöopathen die Möglichkeit per doppelblindem Selbstversuch die Wirkung ihrer Glaubuli zu zeigen, und was machen die: sie kneifen! Oder noch schlimmer: sie schimpfen ein wenig oder reden sich heraus. Auf meine Aufforderung habe ich nämlich drei Mails bekommen, und darin sind vermeintliche Gründe dafür zu finden, warum man nicht an diesem Selbstversuch teilnehmen möchte bzw. warum ein solcher Selbstversuch nicht sinnvoll sein können soll.  Die Begründungen im Einzelnen:

  1. Warum sollte ich ein Homöopathikum nehmen, wenn ich es doch gar nicht brauche? Und wenn ich krank bin, dann möchte ich natürlich mit dem richtigen Mittel behandelt werden.
  2. Natürlich könnte ich ein Homöopathikum an Hand seiner Wirkung erkennen, aber ich vertraue ihnen nicht!
  3. Ein solcher Versuch kann nicht funktionieren, da hier auf die Anamnese verzichtet wird.

OK, zu 1.  Bei einem homöopathischen Arzneimitteltest machen die Leute doch fast genau das Gleiche! Mit dem Unterschied, dass es dann nicht verblindet ist und – noch schlimmer! – der Globuligeber ja noch gar nicht weiß, was das von ihm verabreichte Mittel beim Einnehmenden bewirken kann. Bei meiner Versuchsanordnung hat der Testteilnehmer die freie Wahl des Mittels und sollte sich ja gerade ein Mittel aussuchen, dessen Wirkung er selbst genau kennt!

Zu 2. Mag sein, dass die Homöopathen einem Skeptiker nicht trauen, aber der Versuchsaufbau ist so gestaltet, dass ich überhaupt keinen Kontakt zu den Homöopathika habe: Sie werden von einem Apotheker abgefüllt und verblindet und meine einzige Tätigkeit würde darin bestehen, die verpackten Globuli an die Testteilnehmer zu adressieren und die Ergebnisse zu dokumentieren. Auch das könnte natürlich noch an Freiwillige ausgelagert werden bzw. wenn ein Homöopath da mitwirken und kontrollieren will: Bitte! Freiwillige Meldungen werden gerne entgegengenommen.

Zu 3.: Nach dem Motto „wer lesen kann ist klar im Vorteil“ kann ich zu dieser Antwort nur sagen, dass sich mein Aufruf genau aus diesem Grund ja ganz dezidiert an erfahrene Homöopathiepraktiker wendete. Diese sollten doch in der Lage sein ihre Lieblingsglobuli an Hand der Wirkung zu erkennen …

OK, nochmals der Versuchsaufbau:

  1. Freiwillige melden sich und geben ein Homöopathikum an, das sie an Hand der Wirkung erkennen zu können glauben. Angeben müssen sie noch, wie viele Globuli und wie viel Zeit sie brauchen, um die Wirkung zu erkennen.
  2. Der Versuchsleiter vergibt an jede Testperson eine „Nummer“ und gibt den Namen des Homöopathikums an einen Apotheker weiter.
  3. Der Apothker besorgt das Homöopathikum und gleich aussehende, bzw. gleich schmeckende „leere“ Globuli (die gibt es im Versandhandel). Der Apotheker kennt nur die „Nummer“ des Testteilnehmers.
  4. Der Apotheker nimmt nun 2 geeignete Behältnisse (die lediglich numeriert sind), füllt in eines das Homöopathikum und in das andere die gleiche Anzahl „leerer Globuli“. Selbstverständlich wird dokumentiert, in welchem Gefäß das Homöopathikum und in welchem die leeren Globuli sind und natürlich werden ggf. notwendige Vorsichtsmaßnahmen beim Umfüllen (die nach Meinung der Homöopathen die Wirksamkeit beeinflußen können) beachtet.
  5. Der Apotheker gibt die beiden Gefäße (die lediglich nummeriert sind) an den Versuchsleiter zurück (und nennt natürlich die Nummer der Testperson).
  6. Der Versuchsleiter schickt nun auf Basis der Nummer der Testperson die beiden Gefäße an diese Testperson.
  7. Die Testpersonen erhalten nun beide Gefäße und müssen binnen eines – von ihnen selbst vorab – festzulegenden Zeitraums entscheiden, in welchem Gefäß ihrer Meinung nach die echten Globuli sind. Sie müssen also lediglich zurückmelden, dass in Gefäß Nr. X Globuli zu finden waren und in Nr. Y nicht.
  8. Danach wird ausgewertet, in wieviel Prozent der Fälle die Homöopathiefraktion die „echten“ Globuli erkannt hat und natürlich auch, ob dieses Ergebnis auf einem Signifikanzniveau von 5% signifikant ist (das hängt ja auch von der Anzahl der Teilnehmer ab).

Ich bin ja mal gespannt, ob die Homöopathen weiter kneifen, oder ob sie sich diesem einfachen Selbstversuch stellen … … es gilt weiter: einfach per Mail melden. Sobald genug Teilnehmer zusammen sind, kann’s losgehen!





Homöopathen bitte zum Selbstversuch – ein ernst gemeintes Angebot

20 10 2009

Wenn in den ScienceBlogs in irgendeinem Artikel oder in den Kommentaren die Homöopathie erwähnt wird, dann entwickeln sich nicht selten endlos lange Kommentarschlachten, in denen mit den immer gleichen Argumenten zwei Welten aufeinander prallen. Auf der einen Seite die Wissenschaftlerfraktion, die darauf hinweist, dass die Behauptungen der Homöopathie so ziemlich allem widersprechen, was man heute über  Physik, Chemie und Biologie weiß und dass bisher keine über Placebo-Effekte hinausgehende Wirksamkeit festgestellt werden konnte sobald man Homöopathika ordentlich doppelblind testet – auf der anderen Seite die Globuli-Anhänger die auf eigene positive Erfahrungen verweisen und bisweilen sogar positive Ergebnisse von Untersuchungen erwähnen (die sich bei näherem Hinsehen aber in der Regel als methodisch höchst fragwürdig herausstellen). Dabei könnten es die Homöopathieanhänger eigentlich der Wissenschaftsfraktion ganz einfach mal so richtig zeigen: Sie müssten sich nur ordentlich designten Selbstversuchen unterwerfen, denn wenn die Hahnemann-Anhänger tatsächlich in der Lage sind, echte Hochpotenz-Globuli rein auf Basis der Wirkung von „leeren“ Globuli zu unterscheiden, dann wäre das durchaus eindrucksvoll.

Der Selbstversuch der Homöopathen funktioniert folgendermaßen:

  1. Freiwille melden sich und geben ein Homöopathikum an, das sie an Hand der Wirkung erkennen zu können glauben. Angeben müssen sie noch, wie viele Globuli sie brauchen, um die Wirkung zu erkennen.
  2. Der Versuchsleiter vergibt an jede Testperson eine „Nummer“ und gibt den Namen des Homöopathikums an einen Apotheker weiter.
  3. Der Apothker besorgt das Homöopathikum und gleich aussehende, bzw. gleich schmeckende „leere“ Globuli (die gibt es im Versandhandel). Der Apotheker kennt nur die „Nummer“ des Testteilnehmers.
  4. Der Apotheker nimmt nun 2 geeignete Behältnisse (die lediglich numeriert sind), füllt in eines das Homöopathikum und in das andere die gleiche Anzahl „leerer Globuli“. Selbstverständlich wird dokumentiert, in welchem Gefäß das Homöopathikum und in welchem die leeren Globuli sind und natürlich werden ggf. notwendige Vorsichtsmaßnahmen beim Umfüllen (die nach Meinung der Homöopathen die Wirksamkeit beeinflußen können) beachtet.
  5. Der Apotheker gibt die beiden Gefäße an den Versuchsleiter zurück (und nennt natürlich die Nummer der Testperson).
  6. Der Versuchsleiter schickt nun auf Basis der Nummer der Testperson die beiden Gefäße an diese zum Testen.
  7. Die Testpersonen erhalten nun beide Gefäße und müssen binnen eines – von ihnen selbst vorab – festzulegenden Zeitraums entscheiden, in welchem Gefäß ihrer Meinung nach die echten Globuli sind. Sie müssen also lediglich zurückmelden, dass in Gefäß Nr. X Globuli zu finden waren und in Nr. Y nicht.
  8. Danach wird ausgewertet, in wieviel Prozent der Fälle die Homöopathiefraktion die „echten“ Globuli erkannt hat und natürlich auch, ob dieses Ergebnis auf einem Signifikanzniveau von 5% signifikant ist (das hängt ja auch von der Anzahl der Teilnehmer ab).

Der Versuch ist also für die Testteilnehmer sehr einfach durchzuführen, und natürlich können die Testteilnehmer – wenn sie zum Beispiel der Meinung sind sie bräuchten 1o Globuli um die Wirkung sicher zu erkennen – mehrfach teilnehmen, ja sie sollen es sogar (das verringert die Kosten). Dies bedeutet: Nach einem „Durchgang“ mit Rückmeldung des Ergebnisses durch die Testperson an den Versuchsleiterv erhält die Testperson zwei neue „Portionen“ …

Die Testorganisation ist lediglich ein logistisches Problem. Benötigt wird ein vertrauenswürdiger Apotheker (der die Globuli abfüllt) und eine ordentliche Verblindung. Einen Apotheker, der das Ganze ordentlich durchführt (und das Umfüllen  ggf. jeweils per Videokamera dokumentiert) würde sich wohl finden lassen, da bin ich sehr optimistisch. Die Verblindung per „Münzwurf“ und die Dokumentation sind ebenfalls einfach zu bewerkstelligen. Für den Versand werden allerdings entsprechende Behältnisse benötigt. Kleine Platikphiolen etwa oder irgendwelche kleine Gläschen – hier würde ich mich vorab informieren, bzw. müsste wissen, ob es von Seiten der Homöopathen irgendwelche Einschränkungen gibt.

Ebenfalls noch offen ist die Kostenfrage. Wer bezahlt die Globuli? Nun, dies sollten die Homöopathen bzw. die Homöopathieanhänger natürlich selbst tun, denn ein positives Ergebnis – vorausgesetzt es finden sich genug Freiwillige – wäre ja für diese eine wunderbare Sache – endlich könnte man den bösen Skeptikern mit einem sogar mit einem ausgewiesenen Skeptiker durchgeführten Versuch entgegentreten und stolz verkünden, dass die Wirkung der Globuli eben doch irgendwie „fühlbar“ ist. Das würde zwar der Aussage von Kate Chatfield, einer englischen Spitzenfunktionärin der Homöopathen, widersprechen (in diesem Report ist auf Seite 220 nachzulesen, dass man ihrer Meinung nach Homöopathika nur am Etikett unterscheiden kann …), aber für die Homöopathie wäre ein positives Ergebnis eines solchen Tests schon mehr als bemerkenswert.

Also los! Meldet euch, wenn ihr bereit seid, an einem solchen einfachen und völlig ungefährlichen Selbstversuch teilzunehmen! Ich warte auf eure Mails und stelle mich – natürlich unentgeldlich – als Versuchsleiter zur Verfügung. Bitte teilt mit, welche Globuli ihr erkennen zu können glaubt, sowie an Hand wievieler Globuli und innerhalb welchen Zeitraums ihr euer Ergebnis dem Versuchsleiter mitteilen könnt. Auf Basis dieser Rückmeldungen würde ich dann das Versuchsdesign noch genauer spezifizieren, einen Zeitplan entwerfen und diesen hier veröffentlichen. Meldungen bitte direkt per Mail an mich (webmaster[at]wahrsagercheck.de) und nicht über die Blogkommentare.

Ich bin mal gespannt, wie viele sich die Teilnahme an diesem Selbstversuch zutrauen …





Herr Köpfer aus Rosenberg bitte zum Test: die Lottozahlen bitte!

10 10 2009

Das kleine Städtchen Rosenfeld war mir bisher nicht bekannt. Die Stadtseite zeigt neben einem offensichlich erfreuen Kleinkind ein schmuckes Fachwerkhaus und unter Torismus & Freiziet erfährt man von der Existens eines Rad- und Wander-Shuttles an Sonn- und Feiertagen und dass das gastronomischen Angebot vom Imbiss in der Metzgerei Gührig über das  Traditionsgasthaus Sonne bis zum Restaurant Mömpel reicht. Das Alles wäre kaum erwähnenswert, hätte nicht der Schwarzwälder Bote dort einen wahren Supermann gefunden.

Peter Köpfer heißt dieser Mann, den die aktuelle Ausgabe des Schwarzwälder Boten mit einem Artikel würdigt, der nur in der Überschrift Fragezeichen beinhaltet (Heilen ? allein mit den Händen?). Der Rest des Artikels könnte aus jeder x-beliebigen Esoterikpostille stammen  – denn es werden auch die absurdesten Behauptungen des Herrn Köpfer einfach unkritisch und ohne das geringste Hinterfragen aneiandergereiht.

Schon die einfache Frage, warum er eigentlich nicht vorab die Öffentlichkeit gewarnt habe, wenn er schon als Hellseher „den Tsunami vorhergesagt, der im Dezember 2004 in Asien Tausende das Leben kostete“ vorausgesehen habe, wurde offensichtlich nicht gestellt. Als „Quelle“ reicht die Aussage des „Hellsehers“, es gäbe Zeugen. Der grenzenlose Zynismus, der in solchen Behauptungen steckt, scheint der Autorin des Artikels gar nicht aufgefallen zu sein: Wenn Herr Köpfer das wirklich vorhergesehen hatte, warum hat er nicht zumindest versucht, die Öffentlichkeit zu warnen? Das hätte Leben retten können … … hat er es wirklich gewußt und nicht versucht die Öffentlichkeit zu warnen, könnte man auf die Idee kommen, ihm zumindest eine gewisse Mitverantwortung für die über 200.000 Toten vorzuwerfen. Das gilt natürlich auch für die bei secret.tv erwähnten „Anschläge vom 11. September 2001, [und] die Flugzeug-Katastrophe von Überlingen (Bodensee)„, die er ebenfalls vorausgesehen haben will.

Da er außerdem mit seinen Händen heilen zu können behauptet, ist die Frage berechtigt, ob er das überhaupt darf. Der Artikel erwähnt nicht, ob Herr Köpfer Heilpraktiker ist, aber er darf beschreiben wie sein „Heilverfahren“ „funktioniert“:

»Ich lege meine Hände auf die Handinnenflächen des Patienten«, sagt Köpfer. »Dabei spüre ich Strömungen, und genau diese Energie gebe ich über die Hände weiter. Auf diese Weise setzt der Heilungsvorgang ein.«

Meines Wissens ist es in Deutschland strafbar, Heilbehandlungen ohne eine entsprechende Ausbildung anzubieten … .

Bleibt die pseudokritische Frage der Redakteurin, ob Herr Köpfer nicht auch die Lottozahlen voraussagen könnte und die Antwort überrascht:

»Ich denke, wenn ich es probieren würde, könnte ich es«,

Na wunderbar! Dann mal los!

Ich fordere hiermit Herrn Köpfer dazu auf, seinen vollmundigen Behauptungen Taten folgen zu lassen: Sie sagen die Lottozahlen voraus und veröffentlichen ihre Zahlen jeweils nach Schließen der Annahmestellen (im Internet oder durch Schicken per Mail oder SMS an mich – damit kann dann auch niemand mehr mit diesen Zahlen spielen). Hauptsache Herr Köpfer gibt die Zahlen rechtzeitig vor der Ziehung der Lottozahlen weiter … … und dann vergleichen wir, ob diese Fähigkeiten wirklich vorhanden sind.

Ob sich Herr Köpfer auf diesen sehr einfachen Test einlässt? Wahrscheinlicher ist, dass er entweder schweigt oder sich feige auf irgendwelche faulen Ausreden zurückzieht … … aber vielleicht werde ich ja ‚mal überrascht?





Vermischtes vor dem Urlaub

6 07 2009

Da ich in den letzten Wochen im Job ziemlich eingespannt war musste der Blog ein wenig darben. Jetzt ist endlich Urlaub, und morgen früh wird das Auto gepackt und dann ist 2 Wochen Frankreich angesagt. Vorab noch ein paar Kleinigkeiten und Fundsachen:

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie Alternativmediziner in der Notaufnahme arbeiten kann sich über Kritisch gedacht einen wunderbaren Sketch aus England ansehen. Neben dem – erfolglosen – Versuch die Lebenslinie des eingelieferten Patienten mit einem Kugelschreiber zu verlängern finde ich das „homoeopathic Lager“ am Ende einfach grandios. Die beiden Comedians haben zumindest noch einen weiteren Sketch für Skeptiker auf Lager und auch der ist absolut shenswert.

Dass der Tod von Michael Jackson natürlich auch unter Astrologen diskutiert wird war zu erwarten. Die Frage, ob er in den Prognosen des Jahres 2009 vorkam auch. OK, Jacko war in der Liste „deatch and health watch“ von Nikki Pezaro verzeichnet, aber das war er auch schon  2003/2004, 2005 und 2008  (alles auf der gleichen Webseite).

Questico soll  möglicherweise einen Preis kriegen – natürlich nicht für seine „einfühlsamen Berater“ und deren treffsichere Zukunftsprognosen sondern für die von ihnen eingesetzte Technik. Die nicht unbekante Firma Dell vergibt alljährlich den „Small Business Award“ und laut der dazugehörigen  Pressemeldung geht der Preis an

kleine und mittlere Unternehmen aus, die IT besonders innovativ in ihren Geschäftsprozessen einsetzen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern.

Schön für Questico, dass alleine die Tatsache, dass das Unternehmen auf der Auswahlliste ist, irgend einemVorstand bereits ein neues Notebook sichert.

Beim astrologischen Lottotest von Herrn Wolters sind die ersten 17 Ziehungen vorbei. Die Trefferquoten bewegen sich – wie erwartet – im Rahmen der Zufallswahrscheinlichkeit. Herr Wolters hat bisher 2 Treffer, 6 meiner 10 zum Vergleich erstellten Zufallszahlenreihen auch. Bei 2 meiner Zufallsreihen gab es noch keinen und eine hat einen Treffer. Klar und deutlich in Führung liegt meine 5. Zufallsreihe mit sage und schreibe 5 Treffern. Zur Erinnerung: Herr Wolters hat für jede Ziehung bis zum Jahresende jeweils 10 Zahlen mit einem auf Basis astrologischer Konstellationen arbeitenden Computerprogramm berechnet und veröffentlicht und er erzielt einen Treffer, wenn unter den 10 Zahlen mindestens 3 Richtige sind (die Zusatzzahl zählt dabei nicht dazu, denn die erhöht nur die Quote). Rein rechnerisch beträgt die Wahrscheinlichkeit bei diesem Setting einen Treffer zu erzielen ca. 9% bzw. 1/11.

Florian Freistetter hat nicht nur einen guten Artikel über Erich von Däniken im aktuellen Skeptiker veröffentlicht, er hat auch ein weiteres Nonsens-Angebot aus dem Bereich der Astrologie gefunden und die Verhaftung eines Astrologen in Sri Lanka kommentiert. Dieser wanderte nicht etwa wegen falscher Voraussagen ins Kittchen, sondern weil er dem Präsidenten das nahende Ende seiner Amtszeit prognostiziert hatte.

Novch mehr Astrologie gibt’S bei Penn&Teller. Die haben sich in ihrer Bullshit-Reihe – endlich – der Sterndeutung angenommen und inzwischen ist war das Ganze in drei kleine Teile zerlegt auf YouTube zu finden. „War“, weil der 3. Teil auf Grund eines „Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube“ entfernt wurde. OK, es gibt andere Orte im Web, von denen man die Bullshit-Folge in voller Länge anschauen (… wenn man deren Player herunterlädt) oder herunterladen kann.

Jetzt muss ich aber so langsam mal meine Taschen packen und meine Urlaubslektüre vorbereiten: Colin Goldner’s Dalai Lama Buch, eine Portion Terry Pratchett, Joe Jackson’s „cure for gravity“  und Donald O’Shea „The Poincare Conjecture“ – aber ich vermute ja, dass ich höchstens eines der Bücher schaffe und ansonsten die hoffentlich reichlich vorhandene Sonne, die schöne Landschaft, das gute Essen und den ortsüblichen leckeren Rotwein geniessen werde.





Komplementärmedizin praktisch oder wie die Schweizer ihre Forderungen zum Thema Komplementärmedizin umsetzen können

18 05 2009

Die Schweizer haben sich mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, die Förderung der Komplementärmedizin in ihrer Verfassung zu verankern. Klar, dass sich im Vorfeld viele kritische Stimmen meldeten, die „Voodoo im Verfassungsrang“ fürchteten, die Homöopathie mit Urielles Badewasser verglichen oder vor der Kapitulation der Vernunft warnten. Aber ob die eidgenössischen Komplementärfans mit dieser Vorgabe wirklich etwas gewonnen haben ist noch gar nicht klar, denn jetzt fängt die Arbeit erst an und weiterer Streit ist vorprogrammiert. Den Rest des Beitrags lesen »





Werbung für „Heilsteine“ unzulässig

3 04 2009

Ein interessantes Urteil hat das Landgericht Hamburg gefällt: Werbung für „Heilsteine“ ist selbst dann unzulässig, wenn der Anbieter darauf hinweist, dass es für die in die Steine hineinphantasierten Wirkungen keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt. Ein wirklich schönes Urteil, das die Frage offen lässt, ob sich die vielfältigen Webangebote zu Heilsteinen nun ändern werden.

Ob Seiten wie diese oder  jene von dem Urteil betroffen sind könnte ebenfalls eine spannende Frage sein. Dort wird zwar nicht direkt etwas verkauft, sondern es werden nur mit den üblichen Eso-buzzwords garnierte Pseudoerklärungen geliefert, aber im Urteil des Gerichts steht auch folgender Satz:

Der Unterlassungsanspruch gegen die Klägerin umfasste aber nicht nur das Verbot, Steinen krank¬heitsheilende Wirkung beizulegen, sondern auch das Verbot, die Steine im konkreten Zusammenhang als „Heilsteine“ zu bezeichnen. Denn nach Ansicht des Gerichts stellt die Bezeichnung „Heilsteine“ im Kontext mit der Werbung für die angeblich krankheitslindernde Wirkung von Steinen eine unzulässige Werbeangabe i.S.d UWG und HWG dar.

Zum Thema „Einfluß der Steine auf den Menschen“ gab es auf der Skeptikertagung 2002 einen schönen Vortrag des Geologen Klaus Olschewski – den Bericht darüber möchte ich den Lesern nicht vorenthalten:

Der anschließende Vortrag des Geologen Klaus Olschewski beschäftigte sich mit der Frage „Welchen Einfluss haben Steine, Minerale und Edelsteine auf den Menschen?“ Zunächst gab Olschewski einen Überblick über die verschiedenen Gesteinsarten und erläuterte, wie die einzelnen Steine auf den Menschen wirken. Wohl jedem bekannt ist das in Höhlen auftretende Radon. Dies kann in Dosen, wie sie unterirdisch auftreten, schädlich sein, wird aber im Kurbetrieb therapeutisch immer noch eingesetzt. Bekannt sind auch durch Gesteine verursachte Krankheiten wie Silikose und Asbestose. Neben der schädlichen Wirkung sind durchaus auch positive Auswirkungen bekannt. So gibt es einen Deo-Stein (aus Alaun), der das Schwitzen unterbindet und als Blutstillstift adstringierend wirkt. Oder das „Höllenstein“ genannte Silbernitrat, welches zur Behandlung von Warzen eingesetzt werden kann, da es katalytisch auf Sauerstoff wirkt und die Warzenviren schädigt.

Der Referent ging dann über zur Gemmologie, der Edelsteinkunde. Zu den Edelsteinen zählen u. a. Bernstein, Perlen, Korallen und Elfenbein – bei Preisen von 20 Euro pro Gramm (4000 Euro pro Karat) sei hier eine eindeutige Wirkung auf die Psyche der Frauen festzustellen – eine Bemerkung, die ihren erheiternden Effekt nicht verfehlte. Olschewski widmete sich dann aber den in Mode gekommenen Heilsteinen. Ein guter Heilstein müsse auf jeden Fall bunt und attraktiv sein. Von Esoterikern werden fast alle attraktiven Minerale gegen jede Art von Beschwerden eingesetzt. In der Szene sind zurzeit „Donuts“ in Mode, ringförmig geschliffene, flache Anhänger, die an Lederschnüren getragen werden. Dem Tigerauge etwa schreibt man positiven Einfluss auf Lunge, Augen und Darm zu, es soll helfen bei hormoneller Überfunktion, Knochenkrankheit, Asthma usw. usw. Kein Steinchen, dem nicht eine Vielzahl von Heilwirkungen zugeschrieben werde – und Achat helfe sowieso gegen alles!

Daneben gibt es noch die Heilstein-Alchemie. Hier wird etwa die Asche von angeblich heilenden Steinen, z. B. von Diamant (!), aufgegossen mit Regenwasser, als Elixier verabreicht. Damit solle die „Information“ des Heilsteines weitergegeben werden. Oder es werden „Tees“ zubereitet, wobei z. B. der grüne Malachit gegen den Grünen Star eingesetzt wird. Die Steine werden auch getragen, wobei sie mit schädlicher Energie aufgeladen werden, sodass man sie danach wieder entladen muss, um sie schließlich wieder mit positiver Energie aufladen zu können. Mondstein etwa legt man zu diesem Zweck bei Vollmond ans Fenster. Die Palette der Anwendungsmöglichkeiten ist schier unendlich…

Entbehren solche Behauptungen jeder Grundlage, sollte man mögliche schädliche Wirkungen von Steinen ernster nehmen. So werden etwa so genannte Handschmeichler aus Zinnober vertrieben. Zinnober ist Quecksilbersulfid, das schon durch schwache Säuren wie etwa im Handschweiß gelöst wird, wodurch Quecksilber über die Haut aufgenommen werden kann. Das Mineral Rotnickelkies, das von Esoterikern gegen Anämie empfohlen wird, verwittert schon an der Erdoberfläche. Dabei entstehen u. a. Arsenate und Nickeloxide, die zum einen giftig und karzinogen sind und zum anderen hochallergen wirken können. Als Schmuckanhänger sollten auch radioaktive Zirkone nur dann eingesetzt werden, wenn man, so Olschewski, „von der Trägerin als Universalerbe eingesetzt wurde“. In den meisten Heilsteinbüchern fehle jedoch der Hinweis auf die Gefahren durch Mineralien.





Satire vs. Esoterik 0:1

20 03 2009

Qualitätsbloggerin Buchstaeblich hat ihre hübsche Beschreibung der Herstellung einer CD  zur Ohral-Homöopathie unter Satire eingeordnet und da gehört sie auch hin. Ihre Tonverdünnung ist aber noch gar nichts  gegen den realen Wahnsinn esoterischer Produkt- und Voodooangebote. Eine CD mit in „reiner Stille“ Verdünntem kann man nämlich schon seit Jahren in England bestellen – zum Beispiel bei Energetic Medicine Research oder World Development Systems.

Die Beschreibung ist Realsatire pur und beginnt zum Beispiel so:

The Silent Healing CD is 74 minutes of powerful silence – just pop it into your CD player and press Play, sit back, and FEEL the difference.

Nach einigem Gefasel von „advanced technology“ und „energy system“ wird auch erklärt, warum die CD so wirksam ist:

The CD contains over 34,000 different homoeopathic type remedies, which have been sampled and stored on the Silent Healing CD.

Wow! Damit wissen wir endlich, dass – bei 74 Minuten Laufzeit – ein gesampletes Homöopathikum in durchschnittlich 0,13 Sekunden Stille aufgelöst werden kann. Wie das funktioniert wird leider verschwiegen, aber dafür gibt es eine riesige Menge an Wirkung:

Balancing energies of people, room, office and space clearing.
Helps Feng Shui.
Counteracts adverse energy from TV, TV games, computer games, computer and Internet.
Promotes clearer thinking, whatever you are doing!
Reduces the effects of “sick office syndrome”.
Creates clear space for meditation and daily work.
Offers self-healing during the day and/or night.
Promotes deeper more restful sleep.
Helps calm children and animals.
Promotes healthier environment for house and greenhouse plants.
Exercises body’s ability to recognise beneficial healing

Fehlt nur noch, dass die CD das Körpergewicht reduzieren hilft, Viagra ersetzen kann und für dauerhaften Weltfrieden sorgt – für £34,00 (es geht auch teurer) ist das ein absolutes Schnäppchen. Und wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dem empfehle ich das Ganze doch einfach selbst zu testen: Einen 5-minütigen Ausschnitt kann man nämlich hier herunterladen und dann ganz in Ruhe anhören auf sich wirken lassen. Und das schönste: Wenn man den Download als Endlosschleife über die Lautsprecher schweigen lässt verwandeln sich die unbeschallten Räume automatisch in eine Heilpraktikerpraxis …