Prognosen 2014: Binsenweisheitengipfel bei der Astrowoche

31 12 2013

Wie bereits in den letzten Jahren hat die Astrowoche auch für 2014 wieder zum so genannten „Astro-Gipfel“ geladen und dieses Mal sieben (letztes Jahr waren es 8) Astrologen um eine Vorschau auf 2014 gebeten. Werfen wir also auch in diesem Jahr wieder einen Blick auf die Ergüsse dieser wenig glorreichen Sieben.

Den Anfang macht

Erich Bauer: Chefastrologe der Astrowoche, Diplompsychologe und Buchautor

Wie gewohnt gibt der Mann weitgehend Positives von sich, und will sich scheinbar selbst arbeitslos machen:

Das wird ein Segen sein, dass unsere Welt nüchterner, aber dafür realistischer werden wird. Und viele werden staunend feststellen, dass die Wirklichkeit viel schöner ist als alle Träume.

Tja, wenn die Welt realistischer wird, dann braucht man ja die Astrologen gar nicht mehr! Und dass sich Menschen Nach Liebe, Geld und Anerkennung sehnen ist auch keine große Neuigkeit – dafür hätte es keinen Blick in die Sterne gebraucht. Aber weiter mit der nächsten Kandiatin:

Christine Schoppa: Astrologin der Astrowoche mit Schwerpunkt Gesundheit und Partnerschaft

Frau Schoppa hatte ja im letzten Jahr ja „mit großen Wetter- und Umweltkatastrophen (Stürmen, Überschwemmungen, Tsunamis)“ gerechnet, und rechtfertigt ihre damalige Einschätzung eines Katastrophenjahres mit einem Rückblick auf „die schlimme Jahrhundertflut, das Flüchtlingsdrama, Terror und Gewalt, dann der Abhörskandal und noch vieles mehr“. Nun ja, Flüchtlingsdrama und Abhörskandal hatten ja nicht unbedingt etwas mit Wetter- und Umweltkatastrophen zu tun, und Überschwemmungen gibt es auch in jedem Jahr (… oder hatte sie irgend etwas von der Donau vorhergesehen????), aber das reicht natürlich um auch für 2014 ein wenig in der Katastrophenkiste zu wühlen:

Tatsache ist, dass das Quadrat von Uranus und Pluto uns auch 2014 in Atem hält und dass Krieg, Katastrophen und Terror nicht mit einem Fingerschnippen plötzlich zu Ende sind.

Der Rest sind allgemeingültige Tipps, die jeder Hobby-Küchenpsychologe auf Lager hat – auch hier fragt man sich warum man für solche Banalitäten in die Sterne schauen muss. Weiter geht es mit

Michael Allgeier: Astrologe, Leiter von Astro-Kolleg Allgeier & Noe

Dieses Mal vermeidet er jegliche Erwähnung von Naturkatastrophen sondern verlegt sich auf Binsenweisheiten zum Berufsleben. Klar, wer sich „mit Mut, Begeisterung und Ausdauer auf neue Herausforderungen“ stürzt, dem könnte ein beruflicher Aufstieg gelingen. Und auch für das Liebesleben seiner Leserinnen und Leser hat er sensationelle Nachrichten: „Es wird viele Trennungen, aber auch sehr viele neue und glückliche Bindungen geben.“ Als nächstes kommt wieder eine Frau zu Wort:

Gabriele Sperzel: Astrologin und Autorin im ENGELmagazin

Bei ihr wird es ein wenig politisch, denn sie schreibt:

Leider werden wir uns auch im Jahr 2014 mit den nun schon bekannten Problemen im Bereich Wirtschaft und Finanzen sowie dem hochbrisanten Thema einer größeren, sozialen Gerechtigkeit auseinandersetzen müssen.

Also auch hier nichts Neues. Und wer sich schon immer gefragt hat, wer an den vielen Turbulenzen Schuld hat, für den hat Frau Sperzel eine Antwort:

Nehmen wir als Beispiel den zwischen 2012 und 2015 vorhandenen Quadrat-Aspekt zwischen Uranus im Widder und Pluto im Steinbock, der wohl hauptsächlich für die weltweiten großen Turbulenzen verantwortlich sein dürfte.

Auch hier ist ansonsten nicht die Spur einer Prognose zu finden, was mich übrigens bei dem nächsten Kandidaten sowieso gewundert hätte, denn jetzt kommt

Christopher Weidner: Exam. Astrologe TPA und System. Therapeut (Heilpraktiker für Psychotherapie)

Sein Text lässt wohl nicht nur mich ratlos zurück, denn was Sätze wie dieser …

Jetzt dürfen wir zeigen, dass wir uns nicht mehr länger unter Wert verkaufen.

… ausgerechnet mit 2014 zu tun haben, ist mir nicht so recht klar. Oder haben mir (und Ihnen) die Sterne solches in den letzten Jahren verboten? Der Rest sind auch aus den Binsen geklaubte Trivialitäten wie

Vielleicht müssen wir dem einen oder anderen Menschen die Wahrheit sagen und riskieren dadurch auch den Bruch der Beziehung.

Also wie erwartet, keine Prognosen von Herrn Weidner, also flugs zu

Ruth Siegenthaler: Astrologin mit Schwerpunkt visuelle Astrologie und Fixsterne

Unter den sieben Befragten des Astro-Gipfels ist Frau Siegenthaler klare Siegerin in der Disziplin „bedeutungsschwangeres Schwurbeln ohne Inhalt“. Oder können Sie die folgenden Sätze in irgendein verständliches Deutsch übersetzen?

Uranus im Widder bringt die Befreiung und den neuen Zeitgeist; Pluto im Steinbock setzt regenerative Kräfte frei, um Bestehendes zu transformieren, Saturn im Skorpion fördert alles Unstimmige an die Oberfläche, und Neptun und Chiron in den Fischen fördern eine Kultur des Mitgefühls. Ferner stärkt Jupiter im Krebs in der ersten Jahreshälfte das Vertrauen in unser seelisches Wachstum und in der zweiten unseren Selbstausdruck. Treue und Verlässlichkeit begleiten uns dann, wenn wir uns selbst treu bleiben.

… und weiter geht der Schwurbel:

Auf einer tieferen Ebene geht es darum, dass wir in unserer göttlichen Autorität stehen und uns erlauben, ja oder nein zu einer Situation zu sagen. Wenn wir uns jedoch aus Angst vor Verlust oder Anerkennung verleugnen, fühlt sich unser Herz, in dem unsere göttliche Autorität wohnt, im Stich gelassen. Und wenn dem so ist, werden wir auch nicht treue und verlässliche Menschen anziehen.

Später wendet sich Frau Siegenthaler sogar noch ein wenig den allgemeinen Tendenzen zu und schreibt:

Die Situation ist aus astrologischer Sicht sehr kritisch. Im Weltgeschehen werden die Verhandlungen über die Konfliktherde in der Welt auf Hochtouren laufen. Es bleibt zu hoffen, dass Friedensbemühungen fruchten und es zu keinen weiteren militärischen Interventionen kommt. Trotz aller schrecklichen Ereignisse befinden wir uns im Potenzial einer Zeit der Gnade, weil die gesamte Menschheit als lebendiges Ganzes dazu gezwungen wird, eine Phase der Selbstheilung durchzumachen und neue Wege einzuschlagen, um wieder gesund zu werden.

Aha, es wird kritisch – mehr verraten die Sterne offensichtlich nicht. Genug des Geschwurbels, wenden wir uns der letzten Kandidatin zu:

Antonia Langsdorf: Astrologin, Buchautorin und Moderatorin. Tätig unter anderem bei nexworld.tv

Die Ex-Dschungelcampbewohnerin reiht sich nahtlos in die Banalitätenparade der anderen sechs ein und gibt goldene Tipps, mit Sätzen die schon vor Jahrzehnten jede Oma ihrem Enkel eingetrichtert hat:

Zum Beispiel Treue und Verpflichtung, wenn wir eine tragfähige Partnerschaft führen wollen. Struktur, Plan und Konzentration auf das Ziel, wenn wir beruflichen Erfolg anstreben. Sparsames Haushalten und gesundes Sicherheitsdenken, wenn wir unser Hab und Gut bewahren wollen.

Und das soll jetzt irgendwie mit „Saturn“ zu tun haben? Ach Frau Langsdorf, prophezeien sie doch lieber wieder ein wenig Fußballkram, dann kann man ihnen wenigstens eine Prognose bescheinigen.

Ein Fazit dieser Nonsenstexte erspare ich mir …

(Das waren die Nummern 6-11 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2014)





Silvesterspannung: Gibt es dieses Mal echte Prognosen bei Loop?

30 12 2013

Wie im letzten Jahr hat das astrologische Online-Magazin Loop! auch für 2014 wieder seine Leser dazu aufgerufen, astrologische Prognosen für das kommende Jahr einzusenden. Die Frist endet zu Silvester, und ich bin wirklich gespannt, ob es dieses Jahr wieder ein paar Einsendungen gibt, nachdem die beiden Texte im letzten Jahr mich nicht überzeugen konnten. Die Bedingungen sind dabei ggenüber dem Vorjahr fast unverändert, so dass ich mir eine erneute Kritik der Forderungen an die einzureichenden Texte fast ersparen könnte,wenn die Verantworlichen nicht die meines Erachtens wichtigste Forderung an die Einsendungen über Bord geworfen hätten. Diese Anforderung 3 lautete:

3. Alle gemachten Aussagen sollten weitestgehend eindeutig sein, d.h. die Aussage sollte beim Eintreten des Ereignisses  darauf beziehbar sein.
Wenn man sich dazu nicht in der Lage sieht, dann ist es durchaus legitim, darauf hinzuweisen. Wer glaubt, dass Dortmund auch 2013 deutscher Fußballmeister wird, sollte dies auch so ausdrücken, wer nur eine Tendenz für ein gutes Abschneiden sieht, benennt das dann eben so.

Genau diese – meiner Meinung nach wichtigste – Anforderung fehlt jetzt. Schade eigentlich, aber vielleicht lassen sich die Einsender ja von der kleinen Ermutigung motivieren, die der diesmaligen Auflistung der Anforderungen an einen einzureichenden Text folgt. Diese beginnt nämlich mit folgendem Kurzsatz:

Astrologie funktioniert.

Hmmm – Belege bitte, und natürlich keine Anekdoten! Aber klar, unter Astrologen ist das natürlich unumstritten. Im weiteren Text findet sich auch diese schöne, allgemeingültige Wahrheit:

Die Zukunft bleibt aber immer nur ein Ort von potentiellen Möglichkeiten.

Ja klar, in der Zukunft kann alles mögliche passieren.

Manche davon sind wahrscheinlicher als andere, allein das aufzuzeigen, kann eine konstruktive Hilfestellung sein. Mehr ist nicht verlangt.

Auch das stimmt natürlich, es gibt Dinge, die wahrscheinlicher sind als andere. So werde ich im Jahr 2014 mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum Vorstand eines DAX-Unternehmens berufen, auch dass der FSV Mainz 05 deutscher Fußballmeister wird ist eher unwahrscheinlich. Dagegen ist es sehr wahrscheinlich, dass ich im Laufe des Jahres ein Bad nehmen werde und dass Basketballprofi Dirk Nowitzki für seine Dallas Mavericks in einigen Spielen mehr als 20 Punkte erzielen wird. Aber klar, ich weiß, das war so von den Loop!-Autoren ganz bestimmt nicht gemeint …

Und wer immer den Mut hat, dabei konkret zu werden, kann auch scheitern – sprich daneben liegen.

Aber klar doch, das liegt in der Natur der Sache …

Darin unterscheiden sich Astrologen in Nichts von anderen Berufszweigen, die Diagnosen und Prognosen erstellen.

Nun ja, aber die „anderen“ trauen sich mit ihren exakten Prognosen durchaus an die Öffentlichkeit, und müssen es dann aushalten, wenn die Presse die Aussagen überprüft. Und wenn in diesem Beispiel eine Bank lediglich vorausgesagt hätte, dass die Kurse mal steigen und mal fallen werden, dann hätte sie sich erst Recht der Lächerlichkeit preisgegeben.

Für die Astrologen wäre es übrigens gar nicht schwer ihre Einschätzungen der Zukunft prüfbar zu formulieren, sie müssten es nur wollen. Und das wäre wirklich sehr einfach, denn sie müssten nur bei ihren prognostischen Aussagen einfach nur dazu schreiben, unter welchen Umständen sie diese als erfüllt ansehen, und unter welchen eben nicht. Erst im Nachhinein irgendwelche konkreten Ereignisse in eine diffuse Prognose hineinzudefinieren wäre dann unmöglich. Meiner Hochachtung können sich all jene, die sich so etwas trauen, gewiß sein, – es sei denn es handelt sich um Trivialitäten, deren Eintrittswahrscheinlichkeiten sowieso bei nahezu 100% liegen.

Also los, liebe Astrologen! Traut euch! Ich freue mich schon auf entsprechende Beiträge bei Loop!





Prognosen 2014: Die Königin der ägyptischen Wahrsagerei?

29 12 2013

Bereits vor einigen Wochen ist mir der Name Joy Ayyad begegnet, der selbst ernannten Königin der ägyptischen Wahrsager. In der jüngeren Vergangenheit soll sie ja einige spektakuläre Treffer gelandet haben, und so zum Beispiel nicht nur den Sturz von Ägyptens Präsident Mursi (… damit war sie aber nicht alleine) sondern auch die Schneefälle in Ägypten vorhergesagt haben. Ob das stimmt kann ich nicht nachprüfen, aber sie hat ja ein paar Prognosen für 2014 hinterlassen, die ich mir gerne ‚mal genauer anschaue (und in rot kommentiere):

  • Russland soll weltweit einflussreicher werden als Amerika und China. (ok, und wie kann die Richtigkeit der Prognose geprüft werden? Herrn Putin fragen?)
  • In den USA sind 2014 ernsthafte Naturkatastrophen zu erwarten. (… und welche? … und wann? … und wo? … das übliche sinnfreie Blabla also …)
  • Ayyad prophezeit noch mehr Unheil für die Vereinigten Staaten: „Darüber hinaus wird es in der Gesellschaft zu einer großen Spaltung kommen, die den Anfang vom Ende jener USA bedeuten könnte, die wir gewohnt sind.“ (Aha! Wieder nichts Konkretes!)
  • Ägypten soll wieder seine Führungsrolle in der arabischen Welt erlangen. (Was bedeutet das genau????)
  • Ägypten und Russland werden ein festes Bündnis schmieden. (Und welcher Art soll das Bündnis sein? Militärisch? Wirtschaftlich? Auch hier fehlt ein wenig Inhalt!)
  • Es kommt erneut zu einer Revolution in Tunesien und zu einem Machtwechsel in Libyen. (OK, das ist immerhin prüfbar! Zwar nicht ganz unwahrscheinlich, aber immerhin so etwas Ähnliches wie eine Prognose!!)
  • Im Nahen Osten sind außerdem Naturphänomene zu erwarten, wie Schneefall in Ägypten. (Bitte Genauer! Wenn ihre eingetroffene Prognose auch dieser Art war, dann war sie schlicht lächerlich. Ein wenig Genauer sollte eine Prognose schon sein … … welche Naturphänomene sollen denn als Treffer gelten????)
  • In Saudi-Arabien kommt es voraussichtlich zu einer Überschwemmung, wahrscheinlich in Dschidda. (OK, eine Überschwemmung in einem Wüstenstaat – ich bin schon mal gespannt)
  • Die Weltkarte wird sich im Jahr 2014 ändern. (Aha – und wo genau? Reicht es, wenn vor Japan ein neues Inselchen entsteht? Verschieben sich irgendwelche Grenzen? Und falls ja, welche?)
  • Russland wird einen groß angelegten Terror-Angriff abwehren müssen. Ayyad präzisiert: „Dies gelingt voraussichtlich dank seiner Sicherheitsbehörden, aber auch dank gewisser Technologien, die vorerst geheim gehalten werden und keine Konkurrenz weltweit kennen.“ (Nun wird’s aber geheimnisvoll! „Gewisse Technologien“ kann ja alles und nichts sein …)

Fazit: Weitgehend allgemeines Gelaber ohne prüfbaren Inhalt, lediglich die Aussagen über Libyen und Tunesien und die Überschwemmung in Saudi-Arabien scheinen irgendwie prüfbar. Und das soll die „Königin“ der ägyptischen Wahrsagerei sein? Lächerlich!

(Das war die Nummer 5 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2014)





Prognosen 2014: Frau Teissier mit Katastrophendefizit?

28 12 2013

Bereits für 2013 hatte ich das mir von einer Leserin dieses Blogs zur Verfügung gestellte Buch „2012-2016 Weltkrise und Neubeginn“ (ISBN 978-3-86882-250-2) zur Hand genommen, jetzt ist es Zeit ihre Ergüsse für 2014 kurz zusammen zu fassen. Die Überschrift für die allgemeine Jahresprognose von Frau Teissier lautet:

2014: Gerät das Abendland ins Wanken?

Was dann ins Wanken geraten soll liest sich auf Seite 133 so:

Sagen wir unverblümt, dass dieses Jahr zusammen mit 2015 vielleicht das härteste in der Periode der Zivilisationskrise sein wird. Das ganze Jahr über herrscht ein Grundklima soziopolitischer Erdbeben. Es ist ein Jahr, dass von einem völligen Missverhältnis zwischen den positiven und konstruktiven Aspekten (zwei) und den kritischen, destruktiven Aspekten (zehn) gekennzeichnet wird.

Aha, die destruktiven Aspekte gewinnen also mit 10:2 gegen die konstruktiven – aber was das konkret bedeutet, da flüchtet sich Frau Teissier wie gewohnt in Allgemeinplätze und Konjunktive. OK, die „Europäische Union kann sich konsolidieren„, aber gleichzeitig gibt es ein „nicht zu vernachlässigendes Risiko von bewaffneten Konflikten„. Und schon im Januar droht Explosives: „Erdöl, Börse, Kernkraft“, auch im Februar und dann liegen noch dank dem bösen Mars zwischen Anfang März und Juli „bewaffnete Angriffe in der Luft„. Ganz besonders schlimm soll es im April (bis Anfang Mai) und in der zweiten Junihälfte werden:

Eine große Destabilisierung ist in Aussicht, legislative und monetäre Probleme, größere Brände liegen in der Luft, Volksausschreitungen etc. Auch bei diesem kosmischen Schauspiel, das häufig Abbild eines schmerzliche Teilungsklimas ist, werden u. a. Frankreich, die USA, Deutschland und England in  der ersten Reihe sitzen.

Erst soll sich die EU stabilisieren, dann gibt es ein Teilungsklima – egal was passiert, Frau Teissier hat natürlich immer Recht. Kein Wunder, wenn man so inhaltsleer daher schwafelt, denn damit kann niemand daneben liegen. Und die Prognose größerer Brände dürfte sich Ende Juni alleine durch die beginnende Grillsaison bewahrheiten. Im November und Dezember soll es dann wieder ganz schlimm werden, aber schon ab dem 12. Juni sorgen irgendwelche Planeten dafür, dass es …

zu allen möglichen Umweltverschmutzungen und vielleicht auch zu Epidemien kommen wird.

Was für ein Quatsch! Wie gewohnt traut sich die Starastrologin aber ‚mal gar keine vernünftige Prognose zu. Ob da bei ihren Prognosen für einzelne Länder anders ist?

Für Deutschland labert die Dame über angespannte Beziehungen zum Ausland (Oktober 2013 bis Oktober 2014 – die Spannungen mit der USA wegen der NSA-Affäre hatten im Oktober längst begonnen …), von der Bevölkerung geforderte Änderungen im Gesundheitswesen (welche?), von einer Spaltung der Gesellschaft (z.B. zwischen Älteren und Jüngeren) und faselt sogar etwas von einer Rebellion. Danach wird’s aber positiv …

Für Frankreich sieht ihre Prognose schlimmer aus. Im Frühjahr erwartet sie eine …

explosive Phase – und im Vergleich zu diesen sozioökonomischen Turbulenzen wird uns der Mai ’68 im Rückblick als eine angenehme Frühjahrsbrise vorkommen. Bürgerkriegsähnliche Zustände drohen oder ein Unfall in einem Atomreaktor, ebensowenig auszuschliessen wäre eine Panne auf dem technologischen Sektor.

Oh Gott! Bürgerkrieg in Frankreich – oder eine Atomkatastrophe – die Sterne mögen Frankreich wohl nicht so gerne … … obwohl: auch hier soll’s im Herbst aufwärts gehen.

Fazit: Frau Teissier hat erstaunlich wenig Naturkatastrophen im Angebot, dafür erwartet sie allerlei sozioökonomische Veränderungen. Nicht ganz ungeschickt dieser Schachzug, denn da Gesellschaften immer irgendwie im Wandel sind ist es im Nachinein leicht einen Treffer für die eigene Laberprognose zu finden – und wenn’s mit Bürgerkriegen und Rebellionen nichts wird haben eben die positiven Aspekte – trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit – dann doch gewonnen. Und dass sie konkrete Prognosen inzwischen fürchtet ist spätestens nach ihrer Topblamage aus dem Jahr 2011 klar: Dem damaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hatte sie prognostiziert …

2011 wird ein geniales Jahr für ihn. Mit 62 Jahren wird es das Jahr seines Lebens

Angesichts seiner Tage in einem New Yorker Gefängnis dürfte der inzwischen Ex-IWF-CHef da anderer Meinung gewesen sein.

(Das war die Nummer 4 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2014)





Die Prognoserückschau 2013 – mit Quellen und Kommentaren

12 12 2013

Wie in den Vorjahren auch werde ich hier die Quellen zur Prognoserückschau offen legen und auch den ein oder anderen Kommentar loswerden.

2013 war zumindest für mich ein schlechtes Prognosenjahr. Irgendwie fehlten die knalligen Nonsensprognosen, so dass die Gammablitze von Rosalinde Haller und – wie so oft – eine völlig schräge Prognose von Nikki Pezaro in die Überschrift drängten:

Gammablitze fielen aus und Audrey bleibt verschollen

Stromausfälle durch Gammablitze und Sonneneruptionen sowie die Entdeckung einer Pflanze, die wie „Audrey“ in dem Kino- und Musicalklassiker „Der kleine Horrorladen“ ganze Menschen verspeisen kann – wenn die Hellseherinnen Rosalinde Haller und Nikki Pezaro mit diesen Voraussagen für 2013 richtig gelegen hätten, wäre dies der Öffentlichkeit kaum verborgen geblieben. Aber wie in den Vorjahren lagen Hellseher, Wahrsager und Astrologen mit ihren Prognosen auch 2013 überwiegend daneben.

 Die Quellen für diese beiden Prognosen hatte ich schon hier und hier verlinkt.

Die jährliche Auswertung esoterischer Zukunftsprognosen durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) zeigte auch 2013, dass Astrologen, Hellsehern und Wahrsagern keineswegs in die Zukunft sehen können – mit ihren Prognosen versagten sie auch 2013 auf ganzer Linie. Daran können auch einzelne Treffer nichts ändern. So hatte die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller tatsächlich vorhergesehen, dass sich der ägyptische Präsident Mursi nicht halten können würde – für den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit Jahren diese Prognosen auswertet, ein reiner Glückstreffer: „Wenn man – wie Frau Haller – sehr viele Prognosen formuliert, dann sind einzelne Treffer praktisch unvermeidlich. Ansonsten lag Frau Haller mit ihrem Sammelsurium an Katastrophenprognosen durchweg daneben.“ So hatte sie neben den erwähnten Stromausfällen auch einen 2. Atom-Unfall in Japan oder einen Vulkanausbruch in den USA vorhergesehen.

 Zu Frau Haller verweise ich wieder auf obigen Link.

Katastrophen aller Art sind sowieso das Lieblingsthema aller Prognostiker. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, Stürme, verheerende Waldbrände, Tsunamis, Terroranschläge und nukleare Unfälle – auch in den Prognosen von Christiane Durer, Elizabeth Teissier, Christine Schoppa, Kurt Allgeier und Nikki Pezaro blieben solche Szenarien nicht unerwähnt. Allerdings fehlten jeweils genaue Hinweise, wann und wo die jeweilige Katastrophe hätte eintreffen sollen, die Prognosen sind damit wertlos. „Wenn tatsächlich genauere Daten genannt werden, dann erweisen sich diese als falsch“ erläutert Kunkel und verweist darauf, dass zum Beispiel Nikki Pezaro für 2013 Terroranschläge in New York, Washington, London und Frankfurt vorausgesagt hatte.

In die Liste der Katastrophenpropheten hätte ich noch mehr namen aufnehmen können, aber ich denke diese kleine Auswahl reicht. Die Damen Durer, Teissier und Pezaro hatte ich ja mit einem Artikel geehrt, Herr Allgeier und Frau Schoppa durften sich hier äußern …

Dabei gab es 2013 zwei Ereignisse, deren Voraussage sogar einen Skeptiker wie Kunkel zumindest verblüfft hätte. Aber weder der Rücktritt des Papstes noch der spektakuläre Meteoritenabsturz bei Tcheljabinsk fand sich in den Prognosen der Auguren wieder. Zwar raunte die bereits erwähnte Katastrophenprognostikerin Christiane Durer von Gefahren aus dem All (Weltraumschrott oder ein Meteorit), terminierte dies aber auf einen Zeitraum zwischen dem 28. Dezember 2013 und dem 4. Januar 2014 und wollte auch nicht verraten, wo dies denn stattfinden sollte.

Die übliche Frage, was denn Besonderes die Auguren nicht vorausgesagt haben, habe ich dieses Mal gleich in die Pressemeldung gepackt. Der Papstrücktritt wäre eine Prognose gewesen, die ich immerhin bemerkenswert gefunden hätte  -wenn sie denn irgendwo aufgetaucht wäre. Bei dem Meteoriten von Tcheljabinsk wäre ich über eine halbwegs genaue Zeit- und Ortsangabe (z.B. Frühjahr in Russland) schon zufrieden gewesen. Frau Durer (hier die Quelle) hat zwar eine (falsche) Zeitangabe geliefert, war sich aber ansonsten auch offensichtlich unsicher, denn Weltraumschrott unterscheidet sich von einem Meteoriten ja doch ein wenig (… und das hatte sie nicht ausgeschlossen).

Mit der Deutung der Sterne scheiterten auch der Wiener Astrologe Manfred Zimmel und sein Kollege Karsten F. Kröncke bei Prognosen zur Zukunft der Aktienmärkte. Während Krönckes Trefferquote bei der monatlichen Voraussage des Steigens bzw. Fallens wichtiger Börsenindizes problemlos durch einen einfachen Münzwurf hätte erzielt werden können, lag Zimmel mit seiner Crashprognose vollständig daneben. Er hatte für die Jahresmitte 2013 einen Börsencrash mit folgender Depression wie in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts prognostiziert – ein Horrorszenario, das glücklicherweise ausblieb. Rosalinde Haller sagte für 2013 sowohl Inflation als auch Deflation voraus – Szenarien, die sich definitiv gegenseitig ausschließen.

Die astrologischen Börsenprognosen waren in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen, deswegen in diesem Jahr ein wenig mehr dazu. Herr Zimmel hat sich ja mit seiner Prognose völlig blamiert, die Katastrophe blieb aus. Herr Kröncke ist immerhin so ehrlich, dass er seine Treffer und Nieten auf seiner Webseite ordentlich dokumentiert.

Das erste rein deutsche Champions-League-Finale sorgte zumindest einige Tage lang für ein tierisches Orakelspektakel. Unter den Orakeltieren – normalerweise nur zu fußballerischen Großereignissen im Einsatz – gab es bei der Voraussage nur eines einzigen Ergebnisses gleich mehrere „Sieger“. Allerdings hatte die Mehrheit der tierischen Zufallsgeneratoren mit einem Sieg der Dortmunder gerechnet und befand sich somit in guter Gesellschaft: Mit Thomas Georgiev, Christian Kraut und Sally Kirkman lagen auch alle drei zu diesem Thema überprüften Astrologen mit ihren Voraussagen daneben. Ob bei der Fußball-WM in Brasilien wieder ein Orakelzoo im Einsatz sein wird, bleibt abzuwarten. Fußballfans hierzulande werden jedoch gerne lesen, dass ausgerechnet eine brasilianische Wahrsagerin der Löw-Truppe bereits vor einigen Tagen den Titel vorhergesagt hat. Ob hiesige Hellseher und Astrologen sich zu ähnlich mutigen Prognosen hinreißen lassen?

Mein Orakeltierartikel mit Astrologenbeteiligung zum Champions-League-Finale musste natürlich auch noch verbraten werden – und der prognostizierte deutsche Titelgewinn bei der Fußball-WM in Brasilien …

Auch mit ihren Prognosen zur Bundestagswahl hat sich die Augurenzunft weitgehend blamiert. Müssten die Sterne nicht allen Astrologen das gleiche Ergebnis anzeigen? Immerhin waren sich die Astrologen und Hellseher im Jahr 2013 weitgehend einig, dass Angela Merkel Kanzlerin bleiben würde, und auch eine große Koalition wurde nicht ausgeschlossen. Das war 2011 noch anders, denn damals hatte der Astrologe Manfred Gregor noch eine „Kanzlerinnendämmerung“ für die Wahl 2013 aus den Sternen gelesen. Die Prognose im  Online-Astrologie-Journal „Loop“, sah die FDP im Bundestag (falsch) aber nicht mehr in der Regierung (richtig) sowie ein überraschend gutes Ergebnis der Linkspartei (ob das bei -3,3% als Treffer zu werten ist?)[IH1] . Auch die guten Chancen der Grünen auf 15% der Stimmen (Christiane Durer) dürfte man ebenso zu den Prognosenieten zählen wie die Aussage der Astrologin Ruth Brummund, die eine Fortsetzung der früheren Regierungskoalition aus den Sternen las. Ihr Kollege Wolfgang Held schaffte es in einer fast 90-minütigen Internet-Radiosendung zur Bundestagswahl wortreich jede Art einer auch nur halbwegs prüfbaren Prognose zu vermeiden – so kann er zwar nicht daneben liegen, aber auch keinen Prognosetreffer verbuchen. Nicht unerwähnt soll auch die Astrologin Karin Mayer bleiben, deren Wahlprognose tatsächlich weitgehend richtig war – allerdings war eine solche Prognose kurz vor dem Wahltermin angesichts der veröffentlichten Meinungsumfragen nicht so unwahrscheinlich und nicht wenige politische Kommentatoren hatten auch ohne astrologische Analyse Ähnliches erwartet.

Zur Bundestagswahl hatte ich seinerzeit auch schon die Prognosen zusammengefasst

Für 2014 erwartet Kunkel die üblichen Warnungen vor Börsen- und Naturkatastrophen sowie die ein oder andere Prognose zur Fußball-WM. Allerdings nur dann, wenn die Voraussage eines Herrn Wagner nicht doch noch zutreffen sollte. Dieser erwartet für den ersten Weihnachtsfeiertag eine Kollision zwischen Jupiter und einem schwarzen Loch, durch das in der Folge der Jupitermond Europa auf die Erde zurasen und gigantische Erdbeben verursachen soll. Kunkel beruhigt: „Noch nie hat eines der Jahr für Jahr vorausgesagten Weltuntergangsszenarien stattgefunden. Ich sage voraus, dass die Erde auch von diesem Horrorszenario verschont bleiben und das Jahr 2014 nach ausgiebigen Silvesterfeiern mit dem Neujahrstag beginnen wird.“

Bleibt noch Herr Wagner, der seine Katastrophenprognose tatsächlich unter anderem damit begründet, dass seine Teilnehmernummer bei Bohlen’s Supertalentshow exakt gleich der Gewinnlosnummer bei der spanischen Weihnachtslotterie „El Gordo“ war … … über den Rest der „Begründungen“ schweige ich jetzt lieber ‚mal.





Telekinese live …

7 10 2013

… in einem New Yorker Café:

Ein hübsches und gut gemachtes Werbevideo, insbesondere weil man ja auch den Aufbau der Tricks sieht. Und klar, die Besucher sind geschockt!





Alles Gute zum Start: Das Projekt 137

20 08 2013

137 ist eine durchaus interessante Zahl. Nicht nur weil es eine Primzahl ist, sondern weil diese Zahl – warum auch immer – bei einem interessanten Projekt im Namen vorhanden ist, das ein „Triptychons aus Hörspiel/Blog/O-Ton-Collage“ bilden soll, und auch eine Facebookseite besitzt. Um was es gehen soll steht im Willkommensposting des Blogs:

Projekt 137 bietet Interviews mit Wissenschaftlern, Künstlern und anderen interessanten Persönlichkeiten.

Im weitesten Sinne geht es um dabei um das Spannungsfeld zwischen Materie und Geist.

Die Meta-Frage lautet: Gibt es überhaupt ein Spannungsfeld, oder konstruieren wir es nur?

Projekt 137 liefert keine Antworten, sondern provoziert Fragen. Fragen, die vielleicht zu Denkanstößen führen.

Was es bisher dort gibt ist schon lesens- und hörenswert:

ich bin schon mal gespannt, was hier noch so kommt – und worauf dieses Projekt in der Zukunft so hinausläuft.

Bis dahin danke für die Idee mal wieder Kate Bush zu hören!, Und auch wenn das Original des folgenden Stücks aus dem Jahr 1989 (Ja, damals gab es auch schon Computer!!!!) viel besser ist als diese Version aus dem Jahr 2011, das Video mit Robbie Coltrane rettet die schwächere Musikfassung dann doch einigermaßen …





Ein kurzes Video zum Thema Impfen

10 08 2013

Penn & Teller haben in einer ihrer Bullshit-Folgen die Folgen von Impfen und Nicht-Impfen sehr schön dargestellt:

Mehr gibt es zu diesem Thema wirklich nicht zu sagen!





Krähen vor Gericht

8 08 2013

Die Redensart „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“ bedeutet laut dieser Seite über Sprichwörter und Redewendungen unter anderem dass Berufs- und Standesgenossen zusammenhalten und sich nicht gegenseitig Anschwärzen. OK, das kennt man aus dem normalen Leben zur Genüge, gilt aber nicht unbedingt im weitläufigen Feld der Esoterik.

Wie der Kölner Stadtanzeiger berichtete hatte eine „promovierte Lehrerin, die an einer Schule in Brüssel unterrichtet“ einen – natürlich selbst ernannten – Geistheiler verklagt, weil er sie um 27.600 Euro gebracht hätte. Das Pikante an der Sache ist, dass die Klägerin selbst „esoterische Kurse anbietet; sie sollen zu einer „Selbstregulierung aller energetischen Systeme“ führen“; und in Einzelsitzungen auch „Chakren-, Quanten- und Matrixarbeit“ ihren Kunden in Rechnung stellt (ob man über google die Preise für ihre Angebote finden kann verrate ich natürlich nicht). Nun hatte sie mit dem Geistheiler 2009 folgendes vereinbart:

Die vertragliche Vereinbarung umfasste eine Beschwörung der Seelen ihrer verstorbenen Großeltern, Meditation, Reinigungsrituale und ein „Coaching“ mit Wochenendkursen über längere Zeit. Die Hauptziele: Monika G. (43, Name geändert) wollte einen Partner finden und zur Oberstudienrätin befördert werden.

Na ja, wer mit Chakren-, Quanten- und Matrixarbeit seinen Mitmenschen das Geld aus der Tasche zieht, der muss wohl auch glauben, dass die Beschwörung verstorbener Seelen zu Liebesglück und beruflicher Karriere führen. Irgendwann wurde die Dame aber misstrauisch:

Nachdem sie sich von einem Schreiben, in dem der Heiler mehr Honorar dafür forderte, durch „Beten“ aus der Ferne „Blockaden“ aufzulösen, unter Druck gesetzt sah, brach sie den Kontakt ab und schaltete eine Anwältin ein.

Zu diesem Zeitpunkt scheint sie ja immerhin schon die 27.600 Euro bezahlt zu haben – und warum sie jetzt klagte ist irgendwie unklar, denn …

Vor Gericht betonte sie, ihr Problem sei nicht das Ausbleiben einer Beförderung gewesen; das habe ihr erst Luc S. [der Geistheiler] eingeredet. Es bewegte sie immerhin dazu, sich um einen Karrieresprung zu bemühen. Seit gut zwei Jahren ist sie Oberstudienrätin – ohne Zutun des Heilers, betonte sie, es sei ihrer eigenen Initiative geschuldet.

Hier widerspricht sich die Frau irgendwie selbst, denn zum einen wollte sie irgendwie nicht befördert werden, habe sich aber dann darum bemüht, nachdem ihr der Geistheiler das eingeredet hat … … das kommt mir schon reichlich schräg vor. Aber was ist schon nicht schräg wenn man versucht esoterisch motivierten „Argumentationen“ zu folgen?

Ob sie inzwischen einen Partner gefunden hat, darüber sagt der Artikel nichts. Auch hat wohl das vom Geistheiler versprochene Coaching nicht stattgefunden („Die Rückzahlungsansprüche wegen des nicht zustande gekommenen Coachings seien zivilrechtlich zu klären.„). Oberstudienrätin ist sie inzwischen (ob mit oder – viel wahrscheinlicher – ohne des Geistheilers Hilfe ist ja auch egal), aber ihr Geld kriegt sie nicht zurück. Das Gericht folgte zumindest teilweise der Argumentation des Geistheilers:

Die Verteidiger konnten sich auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom Januar 2011 zur Wahrsagerei berufen. Darin heißt es: „Ein Kunde muss für magische Leistungen zahlen, wenn er diese im Bewusstsein darüber erkaufte, dass die Geeignetheit und Tauglichkeit dieser Leistungen zur Erreichung des von ihm gewünschten Erfolgs rational nicht erklärbar ist.“

Leider hat das damalige Urteil des Bundesgerichtshofs (ich hatte es hier kommentiert) nicht zu einer endgültigen Entscheidung geführt, da sich die damaligen Streitkrähen nach der Zurückverweisung durch den Bundesgerichtshof irgendwie außergerichtlich einigten. Die Begründung des Kölner Urteils passt aber irgendwie doch, denn die Klägerin müsste alleine auf Basis ihrer akademischen Ausbildung wissen, dass ihr oben zitierter Vertragsgegenstand absolut irrational ist – und bezahlt hatte sie ja freiwillig. Außerdem zieht sie ihre Kunden ja mit ähnlichem Nonsens über den Tisch, so dass sich mein Mitleid gerade mal vollständig abgemeldet hat, obwohl die Versprechen des Geistheilers meines Erachtens schon vom Prinzip her gegen § 306 BGB verstossen:

Ein auf eine unmögliche Leistung gerichteter Vertrag ist nichtig.

Dummerweise für die Klägerin gilt aber auch § 307 BGB:

(1) Wer bei der Schließung eines Vertrags, der auf eine unmögliche Leistung gerichtet ist, die Unmöglichkeit der Leistung kennt oder kennen muß, ist zum Ersatze des Schadens verpflichtet, den der andere Teil dadurch erleidet, daß er auf die Gültigkeit des Vertrags vertraut, jedoch nicht über den Betrag des Interesses hinaus, welches der andere Teil an der Gültigkeit des Vertrags hat. Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der andere Teil die Unmöglichkeit kennt oder kennen muß.

Der Geistheiler hat offensichtlich dem Gericht klar gemacht, dass er nicht weiß, dass er Unsinn betreibt (und seinen Kunden damit Geld aus der Tasche zieht). Ich bin ja kein Jurist, aber dieses Urteil kann ich gerade in diesem Fall durchaus verstehen.

Mir tun nur die Schüler leid, die sich von dieser Oberstudienrätin in was auch immer belehren beleeren lassen müssen …





Wenn Hanf die Radioaktivität wegschwingen soll …

8 08 2013

… dann ist das natürlich schlicht und einfach hanebüchener BULLSHIT! Zur Zeit gibt es ja wieder so einige Meldungen über Fukushima, da passt es ja ganz gut wenn auf einer Facebookseite folgendes Bild zu sehen ist:

Der Mann, der (vor gut einem Jahr) behauptete so etwas könne ja irgendwie möglich sein, heißt Masaru Emoto und ist einschlägig bekannt, ja er gehört sogar zu den spirituellen Superstars, die vor gut zwei Jahren auf einer Top 100 Liste ausgewiesen wurden. Eigentlich hat er’s ja mehr so mit dem Wasser, von dem er behauptet, es könne „die Einflüsse von Gedanken und Gefühlen aufnehmen und speichern“ (Quelle: Wikipedia). Wie er das „beweist“, dazu kommen wir noch, aber zunächst mal gehts um seinen Senf Hanf zu Fukushima. Meine erste Frage war, hat er das wirklich so gesagt? Und wenn man den Untertiteln in folgendem Video glauben darf, dann lautet die Antwort uneingeschränkt „Ja“:

Nochmal zum mitlesen (ab 03:27min):

As a Hado researcher I made the following suggestion to Fukushima prefecture. It is the suggestion to plant a lot of hemp in the land of Fukushima. The plant, hemp, is prohibited in almost all places in the world, but I am supporting the movement for hemp to revive. Hemp has high frequency, and by its vibration, I think it has the effect and potentiality to purify the contaminated environment made by the radiation. Presently, the figure of Bequerel seems to be high, so I am very interested in it. I believe that the hemp fields will bring the eradication effect. The only concern is that Japanese government doesn’t show their interest or understandings. They would say that it’s outrageous and so we can be sometimes suppressed. So I would like to cooperate with people around the world who truly understand hemp and who know that „Hemp is nothing like that“, so we can advocate together the movement of hemp revival globally. 

Nun ja, ich kann nicht beurteilen, ob das Japanische richtig übersetzt wurde, aber wenn doch, dann scheint sich der Herr „Dr.“ Emoto (der Dr. stammt von einer indischen Titelmühle, das nur für die, die Links zu Psiram nicht anklicken mögen) nun an die Hanffreunde ranwanzen zu wollen. Er will also mit Leuten kooperieren, die den Hanf wirklich verstehen und mithelfen, dass Hanf wieder „richtig verstanden“ wird. Ob die aber tatsächlich auf die Frequenzen des Hanf abfahren und seine Schwingungen? Nicht vielleicht doch eher darauf, dass diese alte Kulturpflanze vielfältig verwendet werden kann und neben ihrer berauschenden Drogenwirkung als Faser- Heil- und Ölpflanze Verwendung findet (Quelle: Wikipedia)? Erwartet er, dass ihm jetzt die Hanffreunde weltweit die Füße küssen? Oder dass ihn die Freunde eines lässigen Joints jetzt als einen der ihren betrachten? Moment – würden die Jointfreunde überhaupt das Zeugs aus Fukushima rauchen wollen? Ja, ich weiß – die Reduzierung auf Hanf als Droge ist eine Verkürzung der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser Pflanze.  Aber dass diese Pflanze in der Lage wäre mit Hilfe ihrer „hohen Frequenz“ (welcher Art ist diese Frequenz? Frequenz ist das Mass einer Schwingung: was schwingt denn da????) und ihren Schwingungen (nochmal: was schwingt denn da???) die Radioaktivität in der Umgebung von Fukushima zu heilen das dürften auch die treuesten Hanffreunde nicht glauben wollen.

Emoto sollte doch lieber bei seinem angestammten Thema bleiben, bei der Beeinflußung des Wassers mit“Gedanken und Gefühlen„, oder auch mit Musik oder aufgeklebten Zetteln. Er behauptet sinngemäß, dass durch das Bekleben eines wassergefüllten Gefässes mit dem Wort „Liebe“ beim Trocknen viel schönere Kristalle entstehen, als wenn man das Gefäss mit dem Wort „Hitler“ beklebt. Oder wenn man dem Gefäß diese guten bzw. bösen Worte sagt, oder das Gefäß einfach andenkt … … wobei ich mich frage, ob das Wasser auch vor 200 Jahren beim Namen „Hitler“ schon kristallmäßig zusammengezuckt wäre … … wie dem auch sei, ich kann Emoto so oder so nicht unbedingt sympathisch finden. Hat er nicht recht (was wahrscheinlich ist, da seine „Experimente“ noch von niemandem nachgestellt werden konnten – er selbst spricht bisweilen bei bohrenden Nachfragen ja auch irgendwie von „Kunst“ … … immerhin, die Kristallbilder sind ja auch nicht unschön), dann veralbert er seine Fans, hat er Recht, dann foltert er bisweilen das gefühlvolle Wasser mit bösen Worten, und das könnte den Zorn des Wassers erregen und irgendwann ganz böse enden:

Emoto

(Quelle: http://grafikpolizei.wordpress.com/2013/07/04/neulich-in-emotos-wasserlabor/)

Beim Hanfanbau dürfte ihm solcherlei Gefahren nicht drohen, aber muss er das wirklich unbedingt  in Fukushima machen?