Tierhomöopathen im Größenwahn: Der CargoCult-Bachelor

28 09 2011

Richard Feynman prägte den schönen Begriff der Cargo-Cult-Wissenschaft und erklärte ihn in seiner Semester-Eröffnungsrede  1974 am California Institute of Technology wie folgt:

Auf den Samoainseln haben die Einheimischen nicht begriffen, was es mit den Flugzeugen auf sich hat, die während des Krieges landeten und ihnen alle möglichen herrlichen Dinge brachten. Und jetzt huldigen sie einem Flugzeugkult. Sie legen künstliche Landebahnen an, neben denen sie Feuer entzünden, um die Signallichter nachzuahmen. Und in einer Holzhütte hockt so ein armer Eingeborener mit hölzernen Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen darstellen sollen, und dreht den Kopf hin und her. Auch Radartürme aus Holz haben sie und alles mögliche andere und hoffen, so die Flugzeuge anzulocken, die ihnen die schönen Dinge bringen. Sie machen alles richtig. Der Form nach einwandfrei. Alles sieht genau so aus wie damals. Aber es haut nicht hin. Nicht ein Flugzeug landet.

Was hat das aber jetzt mit Tierhomöopathie zu tun? Oder mit einem Bachelor? Eigentlich nichts, es sei denn man schaut sich die Seiten von animalmundi an, denn was springt einem da sofort ins Auge:

Studium der Tierhomöopathie jetzt auf Bachelor-Niveau

Dazu gibt es noch eine mit einschläferndem Geklimper unterlegte Präsentation zum neuen Studienkonzept in dem  die Leute von diesem „Institut“ (so darf sich eigentlich alles und jeder nennen) ganz forsch behaupten:

An der Akkreditierung für den Studienbeginn 2012 arbeiten wir mit Nachdruck!

Oha! Und liest man dann noch genauer nach, dann geht es nicht um irgend einen Bachelor (wie z.B. bei den Menschenhomöopathen – die hätten gerne einen Bachelor of Arts gehabt, den die Uni Magdeburg jetzt doch nicht mitveranstalten will), sondern ausgerechnet um einen Bachelor of Science:

Das Studium ist bereits jetzt in der Lage Ihnen einen Studienumfang zu bieten, der den Anforderungen eines Bachelor-Studienganges gerecht wird. Animalmundi arbeitet intensiv an der Verwirklichung seines Ziels einen  Bachelor of Science für klassische Tierhomöopathie zu realisieren. (gleiches gilt für die Tierpsychologie)

Nun ja, die Verantwortlichen glauben offensichtlich tatsächlich, dass sie Wissenschaft betreiben und geben sich in einer Pressemeldung sehr optimistisch:

Mit der staatlichen Anerkennung als Bachelor-Studiengang im nächsten Jahr wird animalmundi das europaweit erste Institut sein, das diesen Abschluss ermöglicht.

Aber so weit ist es ja zunächst mal gar nicht. Die Leute von animalmundi haben ihre künstliche Landebahn angelegt und daneben Feuer entzündet die Struktur ihrer Ausbildung einem Bachelorstudium angelehnt und sie haben ihre hölzerne Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen darstellen sollen, aufgesetzt den Aufwand für die Ausbildung nach – dem bei echten Bachelorn üblichen – ECTS berechnet. Aber braucht man für einen B. Sc. nicht doch etwas mehr, vielleicht so etwas wie Wissenschaft?

Immerhin: 6 Tage Präsenzseminar und etwa ebenso viel für web-based-training werden für das Modul Wissenschaftliches Arbeiten veranschlagt – und ich würde ja doch gerne wissen, was da gelehrt wird. Wenn da auch nur ein klein wenig (also nicht homöopathisch verdünnt!) wissenschaftliche Methode drin ist, dann müssten danach ja die meisten ihr – kostenpflichtiges – „Studium“ wegen Unsinnigkeit abbrechen. Geht man mit wissenschaftlicher Methodik an die Tierhomöopathie heran, dann muss man neben den üblichen Widersprüchen zu einer Vielzahl bekannt gut belegter Naturgesetze auch noch „schlucken“, dass die Königsdisziplin der Homöopathen – die ausführliche Anamnese – bei Tieren gar nicht möglich ist. Dass Frauchen und Herrchen eines Goldfischs oder Meerschweinchens befragt werden, dürfte da auch wenig befriedigend sein – und schließt herrenlose Fundtiere doch eigentlich a priori von einer Behandlung aus. Oder muss in den letzt genannten Fällen eine der verlinkten Personen (deren selbst behauptete Fähigkeiten sich übrigens ziemlich leicht wissenschaftlich überprüfen lassen) hinzugezogen werden?

In jedem Fall wäre es natürlich ein Skandal, wenn ein solcher Bachelor (und dann noch Sc.) tatsächlich in irgendeiner Form Realität werden würde. Aber bisher reden ja – glücklicherweise – nur die Veranstalter dieser Kurse selbt von einem solchen Titel. Ob da die Spenden helfen, die man extra für dieses Bachelor bei den verblendeten gläubigen Anhängern einsammeln will? Ich schlage vor, dass sie für ihre Tierhomöopathie-Ausbildung entweder den B. o. Sch. (Bachelor of Schalatanerie – der natürlich auf einer Visitenkarte und einem „Praxisschild“ immer voll ausgeschrieben werden muss) oder eben einen CargoCult-Bachelor (der immer mit dem Zusatz „Muster ohne Wert“ oder „alles Quatsch mit Soße“ in gleicher Schriftgröße zu verzieren ist) verleihen dürfen – dann haben sie ihren Bachelor und können zumindest das Spendensammeln beenden.





Augen vs. Ohren 1:0 – der McGurk-Effekt

18 09 2011

Ich bin ja immer wieder erstaunt, auf welche Weise unser Hirn bisweilen die Realität verdreht. Der McGurk-Effekt war mir bis eben völlig unbekannt, bis mich ein Tweet auf das folgende Video hinwies:

Faszinierend ist dabei, dass man dieser Fehlwahrnehmung nicht entgehen kann. Auf YouTube gibt es noch weitere Beispiele, wobei mir folgende Version wirklich sehr gut gefällt:

Erst beim 2. Durchlauf fiel mir auf, dass zwischen 0:24 und 0:35 des Videos die Aufforderung des Moderators, jetzt die Augen geschlossen zu halten, nicht nur tatsächlich auch auf dem Bildschirm eingeblendet, sondern am Ende noch verschärft  wurde:

Dabei ist der Effekt meines Erachtens besonders eindrucksvoll, wenn man zwischen nur hören und hören und gucken abwechselt.





Ei, Ei, Ei

16 09 2011

Ach wie fies! Da wird die Mutter eines 11-jährigen nicht nur um ein paar Euro abgezockt, sie muss auch noch ein zerdrücktes rohes Ei aus zwei T-Shirts entfernen. Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung heute meldete hatte eine selbst ernannte Hellseherin der Mutter irgendwelche üblen Verhexungen eingeredet, die nun durch ein abstruses Ritual (für das natürlich gar nicht abstruses Bargeld verlangt wurde) beseitigt werden sollten:

Ein T-Shirt der Mutter, ein T-Shirt des Kindes, ein rohes Ei, eine rote Kerze und eine Heilige brauche sie, um den Hexenzauber auf dem Jungen zu brechen. Damit sollen die besorgte Mutter, die Hellseherin und eine Helferin (51) an einen entlegenen Platz gefahren sein. Dort habe die Zauberin der Mutter das Ei – zwischen die Shirts gelegt – auf den Bauch gedrückt – um die Hexen zu verjagen.

Immerhin, die Mutter ging zur Polizei als die Hellseherin dann noch wesentlich mehr Geld abzocken wollte, und in erster Instanz wurde die nicht zur Verhandlung erschienene Hellseherin zu einer Geldstrafe verurteilt. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, dann ist die Strafe zwölf mal so hoch wie der erzielte Gewinn bei der ersten Antihexerei-Ei-Abzocke … … und das wäre eine wirklich gute Nachricht.

Die Hellseherin war aber auch wirklich zu ungeschickt. Hätte sie das Ei nicht zwischen den T-Shirts auf dem Bauch der Mutter zerdrückt sondern nur leicht über deren Körper gerollt (und Unsinniges versprochen), sie hätte sich statt vor Gericht möglicherweise vor einem Volkshochschulauditorium wieder gefunden. So wie z.B.  diese Frau, die an der Volkshochschule Mainz einen Kurs anbietet, bei dem sie genau das tut. Die Veranstaltung heißt „Massage mit dem Ei“ und das Ei wird in weichen Bewegungen über den Körper geführt. Das soll dann irgendwie supidupi-energetisch-toll sein. Die dazu gehörige sinnfreie Anhäufung esoterischer Wellness-Buzzwords liest sich im Original so:

Stress, Ärger, Alltagssorgen – sie belasten Körper und Seele, sie erzeugen negative Energien. Und die können sich im Laufe der Zeit im Körper aufstauen, führen dann zu einer Art innerer Blockade. Der Fluss von positiven Energien wird behindert oder gar verhindert. Die Inkas fanden aus ihrem Wissen über natürliche Kräfte heraus einen Weg, solche Blockaden zu lindern, zu lösen. Inkas und ihre Schamanen waren davon überzeugt, dass ein schlichtes Hühnerei bei sanften Massagen des menschlichen Körpers negative Energien aufnehmen und damit abbauen kann. Ein energetisches Gleichgewicht ist dann wieder zu erreichen.

Mag sein, dass die Inka aus irgendwelchen Gründen Hühnereier über die Körper irgendwelcher Personen gerollt haben – die Suche nach entsprechenden Quellen bei google (Stichworte: Ei Massage Inka) lieferte aber eher abseitige Ergebnisse. Nur bei einem Herrn namens Gerardo Pizaro erfährt man etwas zum Thema (immerhin wird das Ei erwähnt!), denn ganz unten geht es um eine ominöse „Reinigung mit dem Ei“:

Es wird wie ein Röntgenbild benutzt, um den energetischen und physischen Zustand der Person zu sehen.

Was? Ein Ei wie ein Röntgenbild? Was für ein Quatsch! Noch spannender ist aber eine weitere bei Herrn Pizaro erwähnte „Methode“:

Im Norden von Peru wird auch heute noch die Reinigung mit dem Meerschweinchen angewandt.

Bleibt zu hoffen, dass die Düsseldorfer Hellseherinnenmafia sich daran kein Beispiel nimmt. Zwischen T-Shirts zerdrückte Meerschweinchen mag ich mir nun gar nicht vorstellen wollen.





Placebo rules

17 08 2011

Wie geht man mit schwachsinnigen Produkten aus der Esoterikszene um? Zum Beispiel so wie es seit einiger Zeit einige australische Skeptiker machen. Es geht dabei um die so genannten Power Armbänder, die man seit einiger Zeit fast überall kaufen kann. Was diese Silikon-Armbänder können sollen, das kann man hier nachlesen und ein paar Zitate deuten auf schwersten Esoterikschwurbelbefall hin:

Die in fernöstlichen Kulturen jahrtausend alte Erkenntnis, dass unser Wohlbefinden vom natürlichen Energiefluss abhängt, findet auch im Westen zunehmend Akzeptanz. Auf Basis dieser Philosophie entstand Power Balance™.

Ah ja! Und wie funktioniert das mit dem Armband?

Die Power Balance™ Hologramme sind in ansprechenden Armbändern und Halsketten integriert bzw. auch als Aufkleber erhältlich, wodurch man Power Balance™ beliebig am Körper tragen kann.

Hologramme? Kling ja gaaaaanz wissenschaftlich! Hat bestimmt irgend etwas mit Füssik zu tun. Aber irgendwelche Erklärungen über was-weiß-ich-für-obskure Wirkungen sucht man auf diesen Seiten vergebens. Warum sollte man aber sonst 40 Euro für ein solches Silikon-Armband zahlen? Bei Amazon gibt es eine Art Motivation:

Top-Athleten wie Shaquille O’Neal, Rubens Barrichello oder Andy Irons vertrauen seit Langem auf Power Balance. Auch Surfer, Golfer oder Ausdauersportler tragen die Armbänder.

Andy Irons? Da musste ich bei Wiki nachschauen um heraus zu finden, dass dieser Mensch auf Brettern über Wellen hoppelt. Barrichelo gehört zu den Verrückten die dafür bezahlt werden, dass sie regelmäßig mit einem Auto im Kreis herum fahren und Shaq (na klar, als alter Basketballer kenne ich den natürlich) haben die Armbänder so viel Power gebracht, dass er jüngst vom aktiven Sport zurückgetreten ist.

Die Frage, die hier diskutiert wird ist ja auch von vorne herein falsch gestellt, wenn niemand erklärt was „positive Lebensnergie“ denn sein soll. Diese australischen Skeptiker haben ihre eigene, fast geniale Antwort gefunden. Sie lassen nämlich eigene Armbänder produzieren, die den Power-Armbändern zum Verwechseln ähnlich sehen, aber den – wohl richtigen – Namen tragen, die Placebo-Bands!

Der Shop ist leider seit Monaten ausverkauft, denn sonst hätte ich sicher schon ein paar dieser wirklich ehrlich beworbenen Silikonarmbänder. Statt dem unsinnigen „Power-Blance“ ziert hier ein „Placebo  The Power of Beliefe“ das Armband und das ebenfalls eingearbeitete Hologram offenbart ein dickes „P“ für Placebo. Auch die „Wirksamkeitserklärungen“ sind absolut wissenschaftlich:

Availabe in 2 stylish shades Placebo Band features two eye catching holograms that not only attract and impress others but also remind you that you’re wearing Placebo Band long after the sensation on the wrist has subsided.

Was der erste Satz noch ein wenig verschleiert offenbart das Folgende:

Placebo Band uses two powerful, scientifically proven effects, the placebo effect (Placebo) and confirmation bias (Confirmation Bias), that, combined with a subtle alternation in your own activities, help to strengthen your own personal desired outcomes and even desired outcomes in others!

Genau! Und die „Stärke“ dieses Effektes ist natürlich nicht einmal messbar:

Placebo Bands potential is indefinite. Its powers are, quite literally, up to your imagination! Placebo Band is made from high quality surgical silicone and mylar, is completely inert and has absolutely zero side effects* (* those with silicone allergies are advised NOT to use Placebo Band)  

Und während die Power-Balance-Hersteller vor irgendwelchen Produktpiraten warnen („In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden zunehmend Fälschungen der Power Balance™ Armbänder verkauft. Aus diesem Grund distanzieren wir uns vom Verkauf auf Auktionsplattformen!„) verweisen die Vertreiber der Placebo-Bands auf harte wissenschaftliche Fakten:

Unlike similar products Placebo band does not employ any implausible technology in the manufacturing process means we can pass the savings on to you!

Was dies bedeutet sieht man am Preis, denn auch wenn es im Moment im Shop der Placebobandsmacher keine Preisangabe gibt, so zeigt dieser Beitrag, um wie viel billiger die Placebo Bands sind:

The Placebo Bands cost about 5% of what the Power Balance bands cost for an essentially identical product.

Das mit den 5% stimmt angesichts mancher Ausverkaufspreise für die Power-Balance-Bänder (oder eine ihrer Kopien – bisweilen kriegt man den Kram schon für unter 10 Euro) wohl nicht mehr, aber trotzdem zeigen solche Aktionen sehr schön wieviel Geld man leichtgläubigen Kunden mit leeren Versprechungen aus der Tasche ziehen kann – und schön dass man dieser Abzocke ein ehrliches Produkt entgegen setzen kann.





Sonntag 15:00 Uhr: Wir denken uns einen Regentanz!

13 08 2011

Ein großes Experiment steht kurz vor seiner Durchführung, und die Skeptiker haben es mal wieder nicht mitbekommen. Gerade noch rechtzeitig hat man mir eine Mail geschickt, die auf zwei YouTube-Videos aufmerksam machten, in denen es um einen wahnsinnig aufregenden „Versuch“ geht, der morgen, also am 14. August, ab 15:00 Uhr stattfinden soll.

Es geht um’s Wetter, denn es soll regnen! Natürlich nicht hier bei uns (das tut es bekanntlich schon seit Wochen), sondern irgendwo in der Sahara – auf der dazugehörigen Webseite wird der Ort Douz genannt. Die Aufforderung zu diesem Experiment in englisch bzw. eine etwas aufwendiger visualisierte Anleitung in Deutsch sollen also dafür sorgen, dass die aktuelle Wettervorhersage für die dortige Gegend sich als falsch erweist – angekündigt ist nämlich Folgendes:

Für diejenigen, die der dortigen Gegend ebenfalls ein wenig Feuchtigkeit zukommen lassen wollen hab ich ein paar Beispiele von Regentänzen auf YouTube gefunden. Laut Anleitungsvideo oben braucht man übrigens selbst keinen Regentanz durchführen, es reicht wenn man ihn einfach denkt, bzw. sich einfach irgendwie vorstellt, dass es dort nassen Sand geben würde oder Ähnliches. Von welchem YouTube-Regentanz man sich da inspirieren lassen will, das muss jede(r) selbst entscheiden …





Vier tolle Videos

12 08 2011

Herrlich! Diese vier Videos liebe ich seit Jahren, jetzt gibt es sie zum Anschauen auf diesem Blog:

So funktioniert das mit der selektiven Wahrnehmung

Update: Ich habe sie hier jetzt auch ‚mal eingebettet, die Erklärungen gibt es weiterhin im verlinkten Artikel:

Nr. 1: Der Klassiker (wie oft passen sich die mit den weißen T-Shirts den Ball zu?)

Nr. 2: Die gleiche Aufgabe wie oben …

Nr. 3: Anschauen und aufpassen – was fällt auf?

Nr.4: Für alle, die die Veränderungen in den ersten Videos nicht bemerkt haben: Ihr seid nicht alleine!





Placebo für Lette: Pech für Frau Kröger

3 08 2011

2256 Einwohner hat (laut Wikipedia) der zu Oelde gehörende Ortsteil Lette, der Ende letzten Jahres bundesweit in den Medien für Aufsehen sorgte. Da der einzige Arzt im Ort mit 69 Jahren seine Praxis aufgab versuchten die Bürger einen Nachfolger in die verwaisenden Praxisräume zu locken, dem sie Gratishaarschnitt, Gratismittagessen (zumindest eine Woche lang), Gratisfrühstücksbrötchen und einiges mehr anboten – scheiterten aber bis heute. Über die Gründe hat sich hier ein Landarzt so seine Gedanken gemacht …

Jetzt melden die Medien eine Scheinlösung des Problems, aber diese dürfte zumindest Frau Kröger nicht zufrieden stellen. „Weil sie regelmäßig Tabletten braucht, muss sie nun ins fünf Kilometer entfernte Clarholz zum Arzt fahren.“ war in diesem Focus-Artikel über die Rentnerin zu lesen, und das wird ihr weiterhin nicht erspart bleiben. Die Praxisräume wurden nämlich jetzt an einen Heilpraktiker vermietet, und der darf nun mal keine verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen.

Ob der neue Mieter jetzt in den Genuss der oben genannten Vergünstigungen kommen wird ist nicht bekannt. Das „Problem“ mit dem fehlenden Arzt im Ort ist jedenfalls nicht behoben. Wie sagte doch ein Richter anlässlich eines Prozesses gegen einen Heilpraktiker (Quelle dort): Patienten dürfen nicht im Glauben gelassen werden, der Besuch beim HP ersetze eine ärztliche Behandlung. Bleibt zu hoffen, dass sich die Einwohnern von Lette dieses Unterschieds bewußt sind.





Fukushima-Leichenfledderer-Nachtrag

26 07 2011

Das katastrophale Erdbeben im Norden Japans ist zwar lange vorbei, aber irgendwie war mir ein Leichenfledderer-Interview im DAF durch die Lappen gegangen. Nach 01:17 Minuten erklärt Herr Felber etwas absolut Sensationelles:

Prinzipiell ist es schon so, dass man auch Erdbeben mit Hilfe der Astro-Kartographie voraussagen kann bzw. zumindestens Breitengrade auf der Erde festlegen kann wo zu welchen Zeiten besonders erhöhte Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, dass ein Erdbeben stattfindet.

Wow! Da stellt sich nur die Frage, warum hat er denn nicht nachgeschaut?

Dass man dies dann noch auf ein bestimmtes Land einschränken kann, dafür müsste man dann die verschiedenen Nationalhoroskope durchschauen und das ist eine unglaubliche Menge an Arbeit für einen Astrologen so dass er dies von vorne herein nicht tut …

Zu viel Arbeit also. Tja, schade aber auch. Nicht nur, dass damit Menschenleben hätten gerettet werden könnten, auch finanziell würde sich der Aufwand doch eigentlich lohnen: Es winken nämlich nicht nur Ruhm und Ehre sondern auch eine Million Dollar!

… und gleichzeitig stellt sich natürlich die Frage der Sinnhaftigkeit …

Wie bitte? Es macht also keinen Sinn, Menschenleben zu retten? Und – in diesem Fall – wäre es keine gute Idee gewesen, vielleicht einige Wochen vorher (da war die astrologische Konstellation ja schon bekannt) darauf hinzuweisen, dass man Kernkraftwerke in bestimmten Regionen vielleicht vorsorglich doch herunterfahren soll? Für mich zeugt diese Aussage von Herrn Felber von einer gewissen Menschenverachtung …

… denn nur zu leicht ist es im Grunde nur eine Panikmache und im Endeffekt erntet er das Gelächter wenn’s nicht eintritt.

Natürlich erntet der Astrologe Gelächter, wenn seine vollmundig verkündeten Prognosen nicht eintreffen. Stellt er sich aber mit Behauptungen wie den oben zitierten einer fairen und offenen Überprüfung, dann macht er sich keinesfalls lächerlich, sondern zeigt dass er bereit und gewillt ist seine Behauptungen zu belegen.

Herr Felber tut dies allerdings nicht. Er behauptet zwar, dass die Voraussage von Erdbeben mittels der Astrologie möglich sei, redet sich dann aber mit fadenscheinigen Ausreden (zu viel Arbeit) heraus. So darf er sich nicht wundern, wenn man ihn in der Öffentlichkeit in die Riege der schamlosen Leichenfledderer einreiht, die auf den Leichen der Opfer dieser Katastrophe ihr astrologisches Werbesüppchen kochen zu müssen glauben.

Sollte Herr Felber zu einem Test seiner behaupteten Fähigkeiten bereit sein, revidiere ich selbstverständlich gerne den obigen Text. Dann ziehe ich sogar meinen virtuellen Hut, übrigens auch dann, wenn seine Voraussagen falsch sein sollten.

PS: Dass die sich Redakteurin nennende Mitarbeiterin des DAF auch hier nicht eine einzige kritische Nachfrage stellt überrascht nicht wirklich. Frau Thonak lässt sich offensichtlich gerne von Sterndeutern irgendwelchen Unsinn erzählen.





Frauen-WM-Tierorakel-Nachschlag: Nelly versagt! (Update)

14 07 2011

Eigentlich dachte ich ja, dass die hiesiegen Tierorakel nach dem Ausscheiden der deutschen Fußball-Damen jetzt doch lieber schweigen, aber sowohl im Serengeti-Park als auch in den SeaLife-Aquarien wurde weiter orakelt. Dabei hat das bisher makellose Trörakel Nelly beim Halbfinale schmählich versagt (zwei Tipps, beide daneben), während von den 7 verbliebenen SeaLife-Kraken immerhin 4 auf die richtigen Siegerinnen tippten (sie durften wohl nur ein Spiel raten).

Vielleicht war ich zu voreilig, als ich Nelly bereits zur Siegerin erklärte, mit 4 Treffern bei 6 Versuchen liegt sie wahrscheinlichkeitstechnisch jetzt wieder hinter der Berliner Octopodin Ophira, mit 4 Treffer bei 5 Versuchen – und sie hatte bei den ersten 3 Spielen noch erschwerte Bedingungen (sie konnte offensichtlich Sieg, Unentschieden oder Niederlage raten). Egal wie die letzten Tipps (SeaLife kündigt neue Tipps für den 15.7. an) jetzt ausgehen: Paul’s Quote wird wohl noch längere Zeit unerreichbar bleiben.

Update (18.7.)

Jetzt sind auch die letzten Spiele vorausgesagt und ich muss meinen Orakelsiegesglückwunsch an die wackere Elefantendame Nelly jetzt doch nicht  zurücknehmen. Zum Finale schaffte sie ihren fünften Treffer (bei sieben Spielen) und hat damit immerhin einen mehr als die Berliner SeaLife-Krake Ophira (vier Treffer bei sechs Spielen). Für die im nächsten Jahr anstehende Europameisterschaft sage ich jetzt schon mal voraus, dass es neben irgendwelchen Wassertieren bei SeaLife auf jeden Fall mehr Tierorakel geben wird, als jetzt bei der Frauen-WM.





Krake oder Elefant: 2 Kandidatinnen für Pauls Nachfolge (Update)

1 07 2011

Im Orakelwettbewerb der acht SeaLife-Kraken steht nach dem Sieg der deutschen Fußballdamen gegen Nigeria nur noch Ophira aus Berlin auf der Liste der Oktopoden, die wirklich in Paul’s FußTentakelstapfen treten können. Sie hat es als einzige geschafft, zwei Mal den richtigen Spielausgang vorauszusagen – um als legitime Nachfolgerin Pauls zu gelten fehlen zwar noch ein paar richtige Tipps, aber der Rest der SeaLife-Konkurrenz hat ja noch nicht einmal diese beiden Treffer erzielt. Man kann darüber streiten, ob man den drei Kraken, die immerhin ein Mal richtig lagen, noch eine Chance geben mag – immerhin war die Wahrscheinlichkeit eines Treffers bei diesen Prognosen eine etwas andere (irgendwie können ja auch Unentschieden vorausgesagt werden), so dass die Wahrscheinlichkeit für 2 Treffer in Folge mit 1/9 (gegenüber 1/4) doch weit geringer war als bei Paul.

Im Rennen um den Titel des erfolgreichsten Frauen-WM-Prognosetieres hat sich inzwischen eine weitere Kandidatin aufgedrängt: Nelly, die kickende Elefantendame aus dem Serengetipark Hodenhagen hat den deutschen Kickerinnen schon zwei Mal vorgemacht wie’s geht und  einen Ball in das mit der Fahne der jeweils anderen Mannschaft geschmückten Tores geschossen. Ob sie nächsten Dienstag das Tor mit der Trikolore trifft?

Update 5.7.:

Nach dem Sieg der deutschen Kickerinnen gegen Frankreich bleiben Ophira und Nelly weiterhin fehlerfrei bei ihren Prognosen. Überraschend auch, dass die Tipps der 8 SeaLife-Prognosekraken dieses Mal weit weniger „gestreut“ haben als bei den beiden vorherigen Spielen. 5 mal wurde auf Deutschland und 3 mal auf Unentschieden getippt – ob das jetzt wirklich reiner Zufall war? Oder haben die SeaLife-Leute da ein wenig nachgeholfen? Oder liegt es vielleicht  daran, dass die Kraken durch die regelmäßigen Prognoseübungen besser werden? Gilt Lezteres, dann müsste das ja bei den nächsten Spielen leicht zu erkennen sein.