Lieblingsweihnachtsgeschichte – jetzt auf YouTube!

21 12 2009

Eigentlich geht mir der ganze Weihnachtsrummel ja am Allerwertesten vorbei, aber die Familie erfordert dann doch alljährlich ein wenig weihnachtliches Engagement. OK, als Wahrsagercheck bin ich seit der Veröffentlichung der GWUP-Pressemeldung ja durchaus abgelenkt, weil diverse Interviewwünsche befriedigt werden wollen, aber irgendwie muss man sich ja auf die Feiertage vorbereiten. Warum also nicht die Weihnachtsgeschichte anschauen? Heute war es soweit: nachdem die abendliche Ruhe einkehrt war (die Kinder müssen ja morgen früh nochmal in die Schule) füllte ich ein paar Tropfen Talisker 57 in ein Glas, legte meine Weihnachts-DVD ein und erfreute mich an dem Getränk und der Wandlung des Herrn Ebenizer … … nein, nicht Scrooge, sondern Blackadder, die von einem sympathischer Weihnachtsgeist (gespielt von Robbie Coltrane) angestossen wird. Netterweise gibt es Leute, die das Ganze in fünf Teilen nach YouTube geladen haben, so dass diese Bescherung nicht auf DVD-Besitzer beschränkt bleibt:





Meine Wahrsagerpremiere (Update)

20 12 2009
Kleine Erklärung für das zwischenzeitliche Verschwinden dieses Textes
Den folgenden Text hatte ich am 8. Dezember geschrieben und hier veröffentlicht. Der Autor des Planetopia-Beitrags hatte mich gebeten, ihn bis zur Sendung vom Netz zu nehmen, und dieser Bitte bin ich natürlich gerne nachgekommen …

Am Montag war ich fast den ganzen Tag in Köln unterwegs – aber ausnahmsweise nicht beruflich, sondern wegen ein paar Fernsehaufnahmen. Im Rahmen eines Beitrags zum Thema Wahrsager hatte mich die SAT1-Sendung Planetopia kontaktiert und nachdem ich das Treffen des Redakteurs mit einer Wahrsagerin kommentieren durfte (die Frau war sehr nett, beherrschte aber nicht ‚mal einfachste Cold-Reading-Techniken … … und als Ergebnis gab’s viel wirres und überwiegend zusammenhangloses Geblubber) sollte ich in der Fußgängerzone meine Fähigkeiten unter Beweis stellen. OK, ich hatte dem Redakteur vorher gesagt, dass ich solcherlei noch nie gemacht habe und dass andere das viel, viel besser können, aber jetzt musste ich da durch.

Hinter dem Dom standen also der Kameramann, der Assistent, der Redakteur und ich, auf meinen ersten Einsatz als Wahrsager wartend. Der Redakteur versuchte freiwillige Testpersonen zu finden, und gleich die erste zeigte, wie das mit dem Cold-Reading funktioniert. Ich hatte mir – für Menschen, die offensichtlich Ü30 sind – folgende „Eingebung“ zurechtgelegt: „Sie haben in letzterZeit an jemanden gedacht, den sie schon lange, vielleicht viele Jahre lang, nichtmehr gesehen haben.“ Klar, das ist primitivstes Cold Reading, denn eigentlich denktjeder immer mal wieder an irgend Jemanden, den er/sie seit Jahren nicht mehr getroffen hat. Gleich die erste Frau schüttelte erst den Kopf und gerade als ich an meiner Strategie verzweifeln wollte sagte sie „Ja, meine Schwester!“. Ui! Ich war so überwältigt, dass sie genau das tat, was Wahrsagerkunden in solchen Fällen tun (ein diffuses, höchst allgemeines Statement durch eigene Erinnerungen verifizieren), dass ich die Situation gleich aufgelöst habe und mich als Nicht-Wahrsager zu erkennen gab (… ich hatte ja gesagt, dass ich das nicht so einfach aus dem Stegreif kann). Für die Sendung hatte ich noch ein paar weitere Plattitüden ausprobiert und bei den wenigen Versuchen eine durchaus respektable Trefferquote erzielt – zumindest besser als die Profiwahrsagerin beim Planetopia-Redakteur (… das werde ich jetzt natürlich nicht verraten, am 20.12. kann man sich’s anschauen …). Meinen Supertreffer erzielte ich bei einem jungen Österreicher, dem ich  ein sportliches Hobby auf den Kopf zusagte (typisches Coild Reading) und dann mit „Sie spielen Fußball“ (das war geraten, aber für einen Basketballer oder Voleyballer war er einfach zu klein und für einen Handballer fehlten die breiten Schultern) ihn auch wirklich überraschte. Die Vermutung von Narben am Bein war zwar falsch, aber nicht ganz, da er – klar, Fußballer! – blaue Flecken beklagte.

Insgesamt war mein Auftritt als Wahrsager mit Sicherheit ausbaufähig, und ich verspreche, dass ich das weiter üben werde. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht, und ich war überrascht wie die Leute auf meine – für Wahrsagerverhältnisse – grottenschlechte Performance reagierten.

PS: Dass ich in den letzten Wochen hier nichts geschrieben habe lag nicht an mangelnden Themen, sondern an unserem Umzug. Wenn ich die nächsten 10 Kisten im neuen Häuschen einsortiert habe, werde ich mich auch einigen inzwischen aufgelaufenen Kommentaren widmen …





Bildungsgutscheine für Sternenschwurbelei, Folge 5: Ein kurzer Brief aus Berlin

21 11 2009

Was bisher geschah:

Am 18. September hatten Florian Freistetter bei den ScienceBlogs und ich fast gleichzeitig über die Werbung für eine Astrologieausbildung auf Astrologie.de berichtet, die sich dezidiert an Arbeitslose richtete und damit warb, dass diese Kurse „in Kürze“ mittels Bildungsgutscheinen der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden könnte. Für den Politblogger roch ein Tweet zu diesem Thema, das auf Basis eines Kommentars von mir auf dem GWUP-Blog verbreitet wurde stark nach urbaner Legende, was mich zu einem weiteren Kommentar veranlasste. Inzwischen ist es jedoch amtlich, eine Suche in KURSNET bietet nicht nur den von mir Ende Oktober gefundenen Astrologiekurs unter den per Bildungsgutschein finanzierbaren Fortbildungen an, wie von mir am 4. November vermutet darf man jetzt auch für die Ausbildung in höherer Schwurbelei bei der Hamburger Astropraxis von Frau Fritsch Bildungsgutscheine beantragen.

Dies alles hatte ich zum Anlass genommen, beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales anzufragen, ob die finanzielle Förderung von Astrologiekursen denn überhaupt sinnvoll sei und die Antwort erreichte mich gestern per Post. Sie war wesentlich ausführlicher als die Antwort auf eine entsprechende Anfrage bei der Bundesagentur für Arbeit, die ich am 8.10. erhielt. Hatte die BfA nur mit einem lapidaren

Der Vorgang ist bekannt und wird zur Zeit geprüft.

geantwortet, so war das Bundesministerium für Arbeit und Soziales doch weitaus „gesprächiger“:

Ihre Einwände machen es erforderlich, die Angelegenheit zu prüfen. Die Anerkennung von Maßnahmen zur Beruflichen Weiterbildung wird von privaten fachkundlichen Stellen vorgenommen. Da mir die Tatsachen im Einzelnen nicht bekannt sind, habe ich die Anerkennungsstelle bei der Bundesanstalt für Arbeit, die wiederum die Arbeit der fachkundigen Stellen überwacht, um eine Stellungnahme gebeten. Nach Eingang der Stellungnahme komme ich auf Ihre E-Mail zurück.

OK, es wird also weiter geprüft und ich bin schon mal auf die Stellungnahme bzw. die daraus resultierende Reaktion gespannt. Ansonsten war mir das Anerkennungsprozedere durchaus bekannt, und da in §6, Abs. 2 der für die Fragen nach Bildungsgutscheinen relevanten Anerkennungs- und Zulassungsverordnung auch ein Anerkennungsbeirat beschrieben wird, habe ich heute eine weitere Anfrage zum Thema abgeschickt. Dieses Mal ging’s an das Bundesministerium für Forschung und Bildung, denn ein Vertreter aus dem Verantwortungsbereich von Frau Schavan müsste ja diesem Beirat angehört haben, und da würde mich eine Meinung aus dem Ministerium schon interessieren …





(Nur astrologisch) Vermischtes: Vielen Dank, keine Gewinner und Krankenzusatzversicherungen

12 11 2009

Als Erstes:

Vielen, vielen Dank an alle, die auf meinen Aufruf geanwortet haben. Und vielen Dank an die Twitter-Fraktion, die den Aufruf auch noch weiter verbreitet hat!

Ich hab‘ jetzt schon eine ganze Menge an Daten, allerdings reichen die Daten noch nicht aus um den Test zu beginnen. Dafür brauche ich jetzt nur noch ein paar Testpersonen (und deren Geburtsdatum), bei denen ein Auge um 2 Dioptrie besser ist als das andere (und ich muss wissen, welches Auge, genau das möchte ja der Astrologe hrausfinden – kurze  Mail genügt!). Bis nächste Woche solte es doch möglich sein, genug Testpersonen zu finden. Gibt es eigentlich keine twitternden Augenärzte oder Optiker?

Die von mir zur Verlosung angebotene Astrologie-CD wird bis auf Weiteres in meinem Besitz bleiben. Der Grund ist einfach: Das Ding wollte niemand haben. OK, dann wird die Blechdose samt CD eben im Schrank Umzugskarton verstaut, und sollte ich einmal arbeitslos werden, dann könnte ich ja immer noch selbst … … obwohl: Barnumtexte kriege ich auch ohne diese Software hin, Beispiele habe ich genug in meinem Archiv gesammelter Horoskope.

Dass die öffentlichen und obligatorischen Krankenkassen in der Schweiz über steigende Kosten stöhnen ist – ebenso wie in Deutschland – ein gefundenes Fressen für die private Konkurrenz, also die Anbieter verschiedener Zusatztarife. Um herauszufinden, welcher Zusatztarif für einen Menschen passt, bietet ein schweizer Finanzdienstleistungsportal allen Interessierten ein Astrologisches Profil, basierend auf der modernen Astrologielehre“, dessen Auswertung dann einen Hinweis auf die möglicherweise abzuschließende Zusatzversicherung bieten soll. Hmm, wenn die Tipps beim Thema Finanzdienstleistungen ebenso modern sind, dann wird den potentiellen Anlegern wahrscheinlich die Investition in Tulpenzwiebeln empfohlen.

Immerhin kann ich mit der Klassifizierung meiner Person nicht ganz unzufrieden sein: Einfühlsamer Kosmopolit hört sich doch gar nicht mal schlecht an! Der Rest ist das übliche Barnumblabla. Ich frage mich nur, welches Geburtsdatum man haben muss, damit einem auf diesem Portal nicht dazu geraten wird, eine „Spital- und ambulante Zusatzversicherung“ abzuschließen. Klar, solche Produkte sind selbstverständlich sinnvoll,  aber es fällt schon auf, dass außer kleinen Abweichungen in den Prozentwerten die Ergebnisse der „astrologischen Analyse“ doch sehr sehr ähnlich sind, egal welche Daten man eingibt. Ob das daran liegt,  dass die kombinierte Zusatzversicherung einfach mehr Umsatz bringt als eine der beiden alleine? Und was sagen eigentlich Astrologen dazu, wenn ihr Steckenpferd auf diese Weise für schnöde Werbezwecke missbraucht wird?





Astrologietest: Brillenträger/Kontaktlinsenträger gesucht!

10 11 2009

Für einen Astrologietest suche ich Daten von Menschen, die unterschiedlich „gute“ Augen haben. Insbesondere solche, bei denen ein Auge signifikant besser ist als das andere. Für den Test habe ich mich mit dem Astrologen auf einen Unterschied von mindestens 2 Dioptrie geeinigt. Dazu brauche ich noch das Geburtsdatum – Geburtszeit bzw. Geburtsort sind nicht notwendig. Natürlich nehme ich auch Daten von Personen an, bei denen beide Augen „gleich gut“ sind (Unterschied kleiner 0,5 Dioptrie), allerdings sind die sowieso leichter zu bekommen.

Benötigt werden also folgende Daten:

Geburtsdatum, Dioptriezahl linkes Auge, Dioptriezahl rechtes Auge

Aus den mir per Mail zugesandten Daten wähle ich jeweils die gleiche Anzahl von Datensätzen für die möglichen Ergebnisse „rechts besser als links“, „links besser als rechts“ und „beide Augen gleich gut“ aus (per Los) und schicke dann die Geburtsdaten – natürlich anonym – an den Astrologen. Dieser versucht an Hand der Geburtsdaten herauszufinden, ob und falls ja welches Auge denn besser ist.

Das Ergebnis wird dann natürlich hier veröffentlicht werden …

Vielen Dank schon Mal im Voraus!





Marshmallow-Folter

5 11 2009

Ach wie grausam kann Wissenschaft sein! Da foltert man wissentlich unschuldige Marshmallows, nur weil man herausfinden will, ob bzw. welche Blagen in der Lage sind, sich ‚mal für ein paar Minuten zu beherrschen. Walter Mischel heißt der „Erfinder“ dieser grausamen Praxis, die sich auch noch als psychologische Untersuchung über das – was für ein Wort! – Belohnungsaufschubsparadigma tarnt. Auf YouTube wird das Ganze mit lustiger Musik garniert und dem schaulustigen Pöbel zur Erbauung vorgeführt – und niemand scheint sich über das Leiden der Marshmallows aufzuregen. Nur das Mädel ganz am Ende hat ein Herz für die weichen Süßspeisen und verkürzt beherzt deren Leidenszeit …

… dafür dürfte sie allerdings im Erwachsenenalter „von anderen Menschen als stur auf etwas beharrend, schnell frustriert und neidisch beschrieben“ werden. Die Marshmallow-Folterer hingegen kommen viel besser weg, sie „konnten mehr Stress vertragen, hatten eine größere soziale Kompetenz und waren selbstbestimmter, vertrauenswürdiger, zuverlässiger und akademisch erfolgreicher„. Behaupten zumindest Psychologen (wie der bekannte Prof. Philip Zimbardo) und haben deshalb weiter gefoltert: Hier mal ziemlich nackisch, da mit Kindergesang oder dort mit Psychologen-Tipps für die Kindererziehung. Wenig überraschend ist, dass Glaubensfanatiker solche Folterer gerne als positive Beispiele vorstellen.





Fantasieanregende Piepserei

3 11 2009

Richard Wiseman hat heute morgen ein wundervolles Video aus der Sesamstraße in seinem Blog gepostet … … bei dem die eingestreuten Piepser ein Grinsen auf das Gesicht des Hörers zeichnen können (auch wenn man weiß, von welcher Tätigkeit das Lied ohne Piepser eigentlich handelt):

Richard Wiseman fragt zurecht, ob man solche Lieder kleinen Kindern vorspielen sollte …





Initiative KKK: Köthen konsequent kuriert

29 10 2009

Schaut man sich in Wikipedia Bilder aus Köthen an, dann wirkt das kleine Städtchen in Sachsen-Anhalt durchaus nett und sympathisch. Blöd ist nur, dass sich die Stadt als „Homöopathiestadt“ versteht, weil der Erfinder des ultimativen Verdünnungswahnsinns dort ein paar Jahre lang gewirkt hat. Wissen die Stadtoberen eigentlich was das bedeutet? Teilweise ja, denn es „soll untersucht werden, ob die Therapieansätze der homöopathischen Medizin auch auf die Gesundung unseres Stadtkörpers angewendet werden können.“ heißt es in der Beschreibung des Stadtentwicklungsprojekts, das unter dem Motto „Homöopathie als Entwicklungskraft“ steht. Noch ist dieser Therapieansatz über den Versuch einer Anamnese (so nennen die Homöopathen eine einfache Befragung!) nicht hinausgekommen (und die fand  ja nur in einer Straße statt, der Rest der Stadt müsste auch noch befragt anamnesiert werden), denn was ein Sonnenblumenfeld oder die Gestaltung eines Platzes mit homöopathischer „Methodik“ zu tun hat, das erschließt sich Kennern dieser Materie eher nicht.

Spannend wird es allerdings erst dann, wenn die Stadt irgendwann wirklich Ernst mit der homöopathischen Behandlung macht. Streng nach Hahnemann könnte das folgendermaßen aussehen: Nehmen wir mal an wir haben eine häßliche Baulücke in irgend einer Innenstadtstraße. Da sich die Homöopathie lediglich um das Symptom („sieht häßlich aus“) kümmert und dann ein „Mittel“ auswählt, dass ein gleiches Symptom erzeugt (Simileprinzip), kann die Baulücke zum Beispiel mit einem – häßlichen – Hundehaufen kuriert werden. OK, der muss natürlich (Potenzierung!) stark verdünnt und verschüttelt werden – aber nicht in der Art des entsprechenden homöopathischen Präparats, hier würde es ja einzig und allein auf das Auge ankommen! Die Lösung ist einfach: Gaaaaaanz kleine Hundehaufen – z.B. in „Nanogröße“, je kleiner desto besser wegen der Potenzierung – werden regelmäßig von den Verantwortlichen vor der häßlichen Baulücke appliziert … … die sieht man zwar nicht, aber genau so „funktionieren“ ja auch die Globuli! Wenn schon Hahnemann, dann konsequent!

Deshalb möchte ich die Initiative KKK – Köthen konsequent kuriert gründen! Ziel dieser Initiative ist es, in der Homöopathiestadt Köthen die „Gesundung des Stadtkörpers“ konsequent nacht homöopathischer Lehre und gemäß obigem Beispiel voranzutreiben.

Problematisch sind nur all die Dinge, die laut Hahnemann möglichst vermieden oder entfernt werden [müssen], wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll, denn diese werden gravierende Auswirkungen auf das Stadtleben haben:

Kaffee (Tchibofilialen und Cafes werden geschlossen …) , feiner chinesischer und anderer Kräuterthee (… auch Tee darf nicht mehr verkauft oder gebrüht werden …); Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht (… Bier ist offensichtlich auch verboten, denn Hopfen dürfte unangemessen sein – Kneipen werden also geschlossen, Getränkemärkte müssen Bier aus dem Angebot nehmen …), sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure (… kein Eierlikör mehr, meine Damen!), alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen (… hat Douglas eine Filiale in Köthen? Falls ja: Schliessen und leer räumen!) mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer (das muss natürlich überprüft werden …), aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus (weg mit allen homöopathieinkompatiblen Zahncremes – da bleiben allerdings nicht viele übrig). Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen (… das Aus für alle griechischen, türkischen und asiatischen Restaurants …), gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z. B. Kaffee, Vanille u.s.w. bereitet (… damit müssen auch Eisdielen und Konditoreien dicht machen …), rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten , u.s.w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen (hmm – was darf denn dann in Köthen überhaupt noch verzehrt werden? Wasser und Brot sind immerhin nicht ausgeschlossen, und sogar ein Gläschen Wein ist erlaubt!) als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke (OK, Köthener dürfen noch Schnaps mit viel Wasser trinken – aber keine Kräuterschnäpse, könnte ja eine Heilpflanze drin verarbeitet sein …); Stubenhitze (Heizung aus! Das spart auch Geld und schont die Umwelt!) , schafwollene Haut-Bekleidung (Baumwollfeinripp scheint ja erlaubt zu sein), sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft (Bürotätigkeiten in Köthen werden verboten), oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln) (wegen der Schaukeln werden Kinderspielplätze geschlossen, außerdem wird die Stadt autofrei), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten) (wird verhindert durch lautes gemeinsames Singen zwischen 11 und 15 Uhr), Lesen in wagerechter Lage (… wird nicht vergessen! s.u.), Nachtleben (Kneipen sind ja eh schon dicht, da ist diese Forderung leicht zu erfüllen), Unreinlichkeit (jeden Morgen ist Waschappell im Rathaus), unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften (entsprechende Bücher und Zeitungen werden aus der Stadt verbannt) , Onanism (das möchte ich jetzt nicht kommentieren) oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf (immerhin: Sex ist also erlaubt, aber nur die katholische Variante zur Kinderzeugung); Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses (das zu verhindern wird ganz schwierig!), leidenschaftliches Spiel (Spielsalons werden also auch geschlossen), übertriebene Anstrengung des Geistes (z.B. Denken!) und Körpers (Jogger und Walker müssen zu Hause bleiben, Bälle sollten vorsorglich konfisziert werden), vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben~ (erst wird alles „Unkarge“ verboten und dann das karge Darben … als Hahnemannstadtbewohner hat man es aber auch schwer …) u.s.w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll. Einige meiner Nachahmer scheinen durch Verbieten noch weit mehrer, ziemlich gleichgültiger Dinge die Diät des Kranken unnöthig zu erschweren, was nicht zu billigen ist. (zitiert aus dem §260, Organon der Heilkunst; außer den Kommentaren natürlich)

Tja, das wird heftig für die Köthener Bürger! Die beste Lösung wäre es natürlich, wenn man für die Zeit der homöopathischen Behandlung die Menschen einfach aus Köthen entfernt und die Stadt bis zur Genesung zu einer Art Sperrgebiet erklärt. Wer will denn diese ganze Litanei an Verboten kontrollieren? Und wer will die Verantwortung dafür übernehmen, dass nicht vielleicht ein paar böse, homöopathiefeindliche Skeptiker die Heilung durch einen Besuch in Köthen und den dortigen Verzehr mitgebrachter, „verbotener“ Speisen (scharfer Döner, Chinesisches aus der Szechuan-Küche oder gar ein leckeres indisches Vindaloo …) und Getränke (Kaffee, Tee,  Bier und den ein oder anderen unverdünnten Kräuterschnaps) oder irgendwelchen ungebührlichen Handlungen (z.B. auf einer Bank liegend „Spektrum der Wissenschaft“ lesen) die Heilung der Stadt Köthen gefährden? Lediglich ordentlich ausgebildeten Homöopathen sollte in der Heilungsphase noch Zutritt zur Stadt gewährt werden – irgend jemand muss ja die Nanohäufchen und ggf. andere Mittelchen applizieren und selbstverständlich dürfen diese Menschen dann auch in der Europäischen Homöopathiebibliothek schmökern (aber nicht im Liegen – s.o.). Dadurch ist die Heilung der Stadt übrigens auch garantiert: da so gut wie niemand mehr die oben erwähnte häßliche Baulücke sehen kann, ist ja auch das Symptom („Wie häßlich sieht das denn aus!“) sofort verschwunden.

Aber wohin mit den Einwohnern von Köthen? Da habe ich eine Idee:

Die Initiative KKK – Köthen konsequent kuriert ruft alle Homöopathen dieser Welt zur Mithilfe auf! Um die homöopathische Heilung der Stadt Köthen voranzutreiben braucht die Initiative KKK ihre Spende! Mit dieser Spende wird die Initiative KKK die Rahmenbedingungen schaffen, um der Stadt Köthen eine ganzheitliche homöopathische Heilung zu ermöglichen!

… in dem sie die Bürger für den Heilungszeitraum auf Kosten der Initiative KKK einfach an einen schönen Ort verbringt. Ob Mallorca, Kanarische Inseln, Österreich – in der Nebensaison (auf Schulferien muss keine Rücksicht genommen werden, der Unterricht an den Schulen wird am Ort der Verbringung fortgesetzt) und bei der Menge der zu verbringenden Personen (Mengenrabatt!) wird das bestimmt gar nicht soooo teuer. Und die Heilung der Stadt wird nicht nur zusätzlich durch zufrieden heimkehrende Bürger unterstützt, wenn sich das rumspricht werden nicht wenige Menschen versuchen ihren Wohnsitz nach Köthen zu verlegen und die Abwanderungstendenz ist gebannt. Deshalb:

Liebe Homöopathen, liebe Hersteller homöopathischer Produkte, bitte unterstützt die Initiative KKK – die Homöopathiestadt Köthen hat es verdient konsequent kuriert zu werden!





TMBG – Wissenschaftspopohrwürmer

26 10 2009

Wenn Tim Minchin’s geniales Beatpoem Storm schon als Skeptikerhymne bezeichnet wird, was macht man dann mit den neuen Songs von They might be giants? In den Scienceblogs wurde die neue CD (und DVD) schon gebührend gewürdigt, und dem Lob kann ich mich nur anschliessen. Welcher begeisterte Paläontologe wird nicht lauthals „that’s who I am“ singen, wenn das dazugehörige Lied der beiden Johns (Flansburgh und Linnell) läuft? Für Chemiker gibt’s den Ohrwurm „Meet the elements“ (bisher dachte ich,  für sie gäbe es nur „The Elements“ von dem eigentlich genialen Tom Lehrer, aber das ist natürlich irgendwie doch schon sehr altmodisch …) und die Biologie wird in Cells und Photosynthesis herrlich eingängig abgefeiert (… auf YouTube leider nicht zu finden). „Put it to the test“ erklärt die wissenschaftliche Methode (Klasse Video!), die in den beiden Songs „Why the sun shines“ (eigentlich ein Oldie – ob man so etwas heute noch irgendwo bekommen kann?) und dem direkt folgenden „Why the sun really shines“ auch gleich deutlich gemacht: Die These im ersten Song stimmt nämlich nicht, also machen die beiden einfach einen neuen Song mit einer besseren Erklärung. Die ganze CD macht einfach Spaß, und endlich kann ich mir auch die Reihenfolge der Farben des Regenbogens merken: Danke Roy G. Biv!

Auf dieser CD fehlt natürlich „mein“ Studienfach, aber dafür gibt’s ja „Here come the 123s“ mit so schönen Titeln wie „One Everything“ oder „I can add even“ und natürlich „Infinity„. Obwohl die Lyrics im Vergleich mit den Science-Texten eher schlecht abschneiden (nachlesen kann man den ganzen Kram im TMBG-Wiki) gibt es auf der 123-CD als absolutes Highlight den Wochentagssong:

… und solange es keine Mathe-CD von TMBG gibt kann ich mich ja noch mit diesem Song vergnügen:





Lieblingsfilm: Buchholz bleibt!

4 10 2009

Für den folgenden Film braucht es nur eine kleine Tüte Popcorn, gerade genug für 15 Minuten. Auch dürften die Freunde großleinwandiger Actionspektakel von dem dargebotenen kleinformatigen Kammerspiel eher enttäuscht sein. Es passiert nämlich gar nicht viel – die Kamera verfolgt lediglich einen leicht gebrechlichen älteren Herren, der einem etwas abgedrehten Hobby nachgeht, das auf der Webseite des Kameramanns wie folgt beschrieben wird:

Käptn Buchholz untersucht seit Jahren Bodenhärten, Erdzugkräfte und die Konsistenz von Stamm und Wurzelwerk der Bäume.
Seit 62 wiegt er die Erde und stellt fest, daß sich das Gewicht von Jahr zu Jahr verändert Die Erde wird leichter und der Boden lockerer. Steine, die Buchholz zum Boden wirft, benötigen mehr Zeit als früher. Fluginsekten sind nicht mehr in der Lage, von der Erdzugkraft auf dem Boden gehalten zu werden. Er zieht los und befestigt Bäume.

Genial, wie der Hauptdarsteller am Anfang die Bodenbeschaffenheit von Pappelboden, Eichenboden und weiterem mit einem Stöckchen misst und wie auch alle anderen obskuren Messungen immer wieder ganz selbstverständlich seine Nonsenstheorie der schwindenden Gravitation bestätigen. Käptn Buchholz zeigt hier ganz unspektakulär wie esoterisches Denken (… und esoterische Messungen) funktionieren …

… hier geht’s zum Film!

Dank gebührt natürlich dem Kameramann Voxi Bärenklau, der dieses – sogar prämierte – Meisterwerk auf seiner Webseite zur Verfügung stellt … … und dem Tonmeister Ecki Kuchenbecker … … die ich sehr gerne hier namentlich erwähne: sie gehören nämlich beide zu meinem Abijahrgang (ja, ich weiß, auf der Seite ist seit Jahren gar nichts mehr los und das Forum ist zur Spam-Müllkippe mutiert – immerhin gibt’s ein paar Bilder …)