Gewerkschaft für Wahrsager?

6 04 2009

Die armen Hellseher! Wie auf n-tv berichtet wird wollen russische Wunderheiler, Hellseher und Parapsychologen eine Art eigene Gewerkschaft gründen und sich der Vereinigung unabhängiger Gewerkschaften anschliessen.  Der Chef der russischen Vereinigung für Volksmedizin, Wladimir Jegorow, ist von dieser Idee nicht überzeugt. Gewerkschaften richteten sich an Angestellte,  so Jegorow gegenüber der Zeitung „Nesawisimaja Gaseta“. Es gebe jedoch keine „Geistheiler-Fabriken“, diese arbeiteten vielmehr als selbstständige Scharlatane Unternehmer.

Und das gilt natürlich auch überwiegend für die Wahrsager hierzulande. Überwiegend, weil ich gerade gestern eine Ausnahme von dieser Regel beim Sonntagsausflug nach Schloß Burg gefunden und mit der Handykamera festgehalten habe:

Wahrsagerin

Wahrsagerin

Für die kleine Dame dürfte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zuständig sein. Vielleicht bringe ich ihr beim nächsten Besuch eine Beitrittserklärung mit …





Palmblätter aus Mönchengladbach (mit aktuellem Update)

29 03 2009

Vor einiger Zeit hatte ich über die kopierten Terrorprognosen aus den Palmblättern des Herrn Ritter geschrieben, heute muss ich – nach dem Lesen des taz-Artikels „Der übersinnliche DAX“ und dem Folgen des Links zu den Anbietern von Esoterikmessen – mich doch noch einmal zum Thema Palmblätter äußern. Denn auch wenn es Herrn Ritter, der ja Reisen zu den Palmblattbibliotheken in Indien feil bietet, nicht unbedingt gefallen dürfte, es gibt auch so etwas wie eine deutsche Palmblattbibliothek: bei Hildegard Matheika in Mönchengladbach. Auf ihren Namen kam ich durch das Verzeichnis der „Esoterikexperten“ auf der Webseite der Esoterikmesse-Veranstalter, denn dort firmiert sie als einzige Palmblattexpertin. Und ihre (Selbst-)Beschreibung klingt schon toll:


8000 Jahre? Nun ja, die anderen Palmblattjünger übertreiben da weniger und nennen 5000 Jahre, aber auch das stimmt ja nicht so ganz, denn sie schreibt  ja selbst, wie diese Blätter in ihren Besitz gelangten:

Für Frau Matheika sind also Palmblätter aus dem 16. und 17. Jahrhundert 8000 Jahre alt … … und selbstverständlich erklärt sie nicht, warum die Vergangenheit und Zukunft ihrer Kunden gerade in diesen Blättern stehen soll. Wahrscheinlich hat sie dafür keine Zeit, denn Frau Matheika ist nämlich 200 Tage im Jahr unterwegs und bietet ihre Arbeit an [der im Folgenden zitierte Text ist im Internet nicht mehr verfügbar, listet aber nur einen Teil der Angebote dieser Frau von ihrer Webseite auf]

„zum Teil Kartenlegen, Lesen aus der Palmblattbibliothek, Kontakt zum Jenseits, biete Pilgerreisen an nach Lourdes, dann Deeksha-Reisen nach Bali – einfach um den Menschen zu helfen …“

Boah! Diese Frau kann ja fast alles! Und auf ihrer Webseite kommt noch viel mehr (Die Screenshots der im Internet veröffentlichten Webseite von Frau Matheika habe ich am 23.3.2012 erneut erstellt. Außerdem wurden die Seiten aus Dokumentationsgründen bei WebCite archiviert) – zum Beispiel ist sie auch Meisterin der weißen Magie und kann alles Böse entfernen:

Das kennt man ja! Wenn’s schief läuft im Leben haben andere Schuld – und Matheika kann natürlich helfen:

Matheika, die Expertin für die Abwehr alles Bösen!

Wissenschaftlich erforscht? Aha! Und wie war das Ergebnis? Hat sie den Randi-Preis gewonnen? Natürlich nicht, aber wenn – wie in den Zeiten der Finanzkrise ja durchaus üblich – die Gier nach Geld als „negativ“ zu bewerten ist, dann kann Matheika sicher helfen … … denn ihre Hände haben die Kraft zu nehmen – bevorzugt Bares aus dem Portemonaie der Kunden!

Klar,  Matheika opfert sich und nimmt das negativ beladene Geld an sich. Verlogene, zynische Abzocke ist das – aber die Kunden auf den Esoterikmessen sind das ja gewohnt und haben es wohl nicht besser verdient. Wer bei der hanebüchenen Verbindung von Lourdes, weißer Magie und Palmblattbibliotheken nicht irgendwie stutzig wird, dem ist wohl nicht mehr zu helfen – hätte Matheika noch gechannelte Botschaften des Osterhasen in ihrem Repertoire, es würde kaum auffallen.

(Die Screenshots der im Internet veröffentlichten Webseite von Frau Matheika habe ich am 23.3.2012 erneut erstellt. Außerdem wurden die Seiten aus Dokumentationsgründen bei WebCite archiviert und können bei Bedarf jederzeit wieder abgerufen werden.)





Astroblabla für Managementseminar

29 03 2009

Das Managementzentrum Witten veranstaltet vom 19.-21. November in Berlin die  „3. Biennale für Management und Beratung“ unter der Überschrift „X-Organisationen: Neue Gegenwart„. Der Einführungstext auf den  Webseiten des Seminars beginnt völlig unverdächtig mit einer für solche unspezifischen Managerseminare üblichen, allgemeinen Beschreibung (die ich ein wenig gekürzt habe):

Die Krise am Kapitalmarkt mit ihren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft beschränkt sich nicht nur auf das Ökonomische, sie ist auch eine Krise unserer Denkmodelle. Wirtschaft und Politik sind ratlos und suchen nach einer neuen Balance. Leben wir in einer Gegenwart, die wir verstehen?  […] Unter dem Titel Neue Gegenwart wird sich der dritte Kongress X-Organisationen mit den Fragen dieser Zeit beschäftigen. […] Der Titel Neue Gegenwart gibt uns die Suchrichtung vor: Wir leben und erleben uns in einer neuen Gegenwart, deren Konturen noch unklar sind. […]

Aha! Man will sich mit den Fragen der Zeit beschäftigen – obwohl irgendwelche Konturen noch unklar sind…

Im Herbst 2008 wurde die Krise offensichtlich, im November 2009 findet der Kongress statt. – Dieses Jahr gibt Gelegenheit zu einem Zwischenresümee: Wo stehen wir, wie geht es weiter?

… und zumindest ein „Zwischenresümee“ ziehen. Zwischen was eigentlich? Wenigstens weiß man schon, dass man den Versuch wagt über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen:

Neben Ökonomen und Soziologen werden wir Vertreter benachbarter Disziplinen (z.B. Ethnologen, Philosophen, Politologen), aber auch Künstler und Dramaturgen oder…

man glaubt es kaum:

… Wahrsager befragen.

Und das hat man sogar schon im Vorfeld getan, wie das Video mit einer Astrologin*, die sich zu dem Kongress äußert, zeigt. Und was die zu sagen hat ist schon schwerstes Blablageschütz: Sätze wie „Hier ist eine Konstellation, die Hoffnung gibt, dem Ganzen“ oder „Man wird sich aktiv beschäftigen, mit dem Unsichtbaren“ sind eigentlich schon sinnfrei genug , aber die Astrologin* hat dann wirklich goldende Tipps für die Manager auf Lager:

Man muß neu, wirklich neu, anfangen – aber sich trauen zu sagen, wir sind mitten auf dem Ozean, wir wissen überhaupt nicht wo’s weiter – das ist ein Nebel, und da drin wird sozusagen eine Schneise gefahren. Durch den Nebel. Also das ist wie so ’ne Bootsfahrt auf dem Kanal durch den Nebel und man weiß nicht genau, wie wird denn das eigentlich.

Herrlich! Das hat die Zukunft nun mal so an sich, dass man sie nicht vorher kennt. Eine umwerfend neue Erkenntnis! Im weiteren Verlauf wird es irgendwie völig konfus: die Sterndeuterin faselt etwas vom Rahmen der Veranstaltung, der „sehr offiziell“ sein kann, aber „nach innen hin offen und weich gestaltet“ sein soll und empfiehlt Sofas, Grünpflanzen und Essensmöglichkeiten. Höchst ungewöhnlich bei einem Managementseminar – sonst kauern die Manager bei solchen Seminaren bekanntlich in ungetünchten Räumlichkeiten hungernd auf dem nackten Boden. Danach folgt eine einzige schleimende Lobhudelei für die Organisatoren und die Interviewerin. Wäre dies bei Astro TV über den Sender gelaufen hätte man kopfschüttelnd weitergezappt, aber hier scheinen die Organisatoren diese Schwurbeleien tatsächlich ernst zu nehmen – oder warum wirbt man sonst damit? Dabei sind die Aussagen der Astrologin so allgemein und nichtssagend gehalten, dass man sie fast wortgleich auch jeder anderen Veranstaltung unterjubeln könnte – natürlich inclusive der Schleimspur.

OK, ob man ein „Managementzentrum“ wirklich ernst nehmen sollte, das mit dem Motto Wer eine Lösung sucht, hat ein Problem! wirbt und sich mit dem intelligenten Umgang mit Nichtwissen zu beschäftigen behauptet?

* akute Namensallergie





Haftstrafe für Wahrsagerin

19 03 2009

Der Prozess gegen eine Kölner Wahrsagerin in Stuttgart ist zu Ende. Zwei Jahre und neun Monate lang kann die nun Verurteilte ihre „Dienste“ lediglich hinter Gefängnismauern anbieten. Zwar hatte die Staatsanwaltschaft eine weit höhere Strafe gefordert, aber die Dummheit ihrer Kunden (die ja „freiwillig“ bezahlten) wurde strafmildernd angerechnet. Ganz freiwillig haben die natürlich nicht bezahlt, denn sie wurden von der Wahrsagerin massiv unter Druck gesetzt. Und die kurz skizzierten Einzelfälle zeigen wie so oft: Menschen in Lebenskrisen sind leichte Opfer für Scharlatane und  Betrüger – und für die Täter wirkt sich die Schwäche der Opfer sogar noch strafmildernd aus.
Dass die Frau – laut Stuttgarter Nachrichten – einen „Wahrsager-Gewerbeschein“ hatte verwundert mich. Kann man tatsächlich in diesem unseren Lande einen Gewerbeschein zum Betrügen von Kunden erwerben? Oder war es ein „Irgendwelche- Beratungsdienstleistungen-Gewerbeschein-zu-Unterhaltungszwecken“, mit dem die Verurteilte auf Kundenfang ging? Im letzteren Fall war das für die Geschädigten eine sehr teure „Unterhaltung“ …
Wie hoch die Dunkelziffer bei solchen Betrügereien ist möchte ich mir gar nicht ausmalen. Nur wenige haben den Mut öffentlich zu bekennen, dass sie auf diese Art ausgenommen wurden. Da meine Telefonnummer über die GWUP-Seiten leicht ermittelbar ist erhalte ich im Schnitt ein Mal pro Monat Anrufe von auf diese oder ähnliche Weise Geschädigten, die jedoch nicht bereit sind darüber in der Öffentlichkeit zu reden – auch wenn der angerichtete monetäre Schaden schon mal locker für den Kauf eines kleinen Neuwagens (mal mit, mal ohne Abwrackprämie) gereicht hätte.





Vermischtes: Lourdeswunder, Astrologietag und mehr

17 03 2009

Wie Manfred Dimde behauptet auch Ray O. Nolan gerne er hätte irgend einen Nostradamus-Code entschlüsselt und könne aus den alten Verslein die Zukunft vorhersehen. Wie die anderen Nostradamusdeuter auch gehört Nolan üblicherweise zu den Schwarzsehern, hat aber für September 2009 eine gute Nachricht auf einer seiner Internetseiten parat und prophezeit das Wunder von Lourdes:

Die „zweite Vorsehung“ könnte nicht nur bedeuten, dass es an diesem 22. September 2009 zunächst zu Hunderten und in der Folge zu Tausenden neuen Wunderheilungen kommt, sondern vielleicht auch, dass es zu einem neuen, optisch sicht-baren Wunder kommt, über dass man noch lange sprechen wird („was vom hohen Himmel nicht fortgewischt werden kann!“). Auch hier bin ich mir sicher, dass wir   n a c h   diesem Ereignis die ein oder andere Textstelle erst wirklich verste-hen werden.

Diese Seite darf man übrigens zitieren, bei anderen Seiten möchte Nolan dies mit folgendem kleinen Text verhindern:

Copyright 2004-2009 by Ray O. Nolan
C.d.C. 2749, PY-1209 Asunción (Paraguay)

(Falls Sie dennoch Fotos oder Texte von dieser Homepage klauen wollen, erwartet Sie
im günstigsten Fall eine Rechnung in Höhe von 100.- Euro pro 1 bis 2000 Zeichen/Buchstaben
bzw. 100.- Euro pro Foto.)
Ich an Ihrer Stelle würd’s bleiben lassen und mir eigene Texte einfallen lassen.

Der Mann scheint tatsächlich zu glauben, irgendjemand wolle seinen Unsinn über die letzten sechs Päpste und die letzten 4 US-Präsidenten kopieren. Schon die Zählung der US-Präsidenten ist höchst eigenwillig: Obama ist der 44. Präsident, nicht der 18. …

Der Deutsche Astrologen Verband feiert am Freitag seinen „Tag der Astrologie“ und möchte „der Öffentlichkeit die Astrologie – als bedeutendste Symbolsprache des Abendlandes – wieder ins Bewusstsein zu rufen„. Klappern gehört zum Handwerk, aber das Ziel  „über die Unesco die Etablierung eines internationalen Tages der Astrologie zu erreichen“ zeugt mal wieder von einer masslosen Selbstüberschätzung der Astrologenfraktion.

Tauchen Sie ein in eine Welt voller Spiritualität und Inspiration –“ was wie die Einladung zu einem Wochenende mit irgendwelchen esoterischen Ritualen beginnt endet ganz profan „mit dem ersten spirituellen Mobilfunkanbieter qiwani-mobil„. Die Welt listete diesen Anbieter in einer Übersicht spezieller Handytarife auf und geboten werden Tageshoroskop, Wellnesstipps, verschiedene Orakel, Mondgeblubber und Esoterikwerbung satt. Ob mit solch spirituellen Angeboten tatsächlich ein Gegengewicht zu dem von Esoterikern häufig gefürchteten pösen Elektrosmog erreicht werden kann bleibt anzuwarten.

Absolut empfehlenswert ist der Gastbeitrag von Pianoman bei Astrodicticum Simplex über eine Veranstaltung im Forum Berufsbildung: am 12.3. hatte dort ein Bewerbungsprofi über Die eigene Berufung finden – Psychologische Astrologie als Wegweiser für Berufsfindung und Bewerbung“ referiert und Pianoman kommentiert und analysiert das Geschehen unter dem Titel „Instant Karma“ oder „Die Faulheit des Psychologen“.





Evo-Solution: Leonardo spielt die Evolution

14 03 2009

In meinem Lieblingswissenschaftsmagazin Leonardo (montags bis freitags in WDR5 – oder als Podcast) läuft seit Anfang Februar eine 14-teilige Serie zum Darwinjahr. Evo-Solution heißt das Werk und soll den Zuhörern die Geschichte der Evolution auf eine etwas andere Art – in Form einer unterhaltsamen Spielserie – nahe bringen. Das Szenario ist schnell erklärt: Die Agentur Evo-Solution (Motto: Aus Liebe zum Leben) erhält einen Auftrag „von ganz oben“ und soll ein Universum mit Leben und dem ganzen Rest erstellen. Die von der meist mies gelaunten Chefin beauftragten Mitarbeiter Dr. Müller-Gabriel und sein Assisstent Schmidt-Uriel haben zwar keine Ahnung und offensichtlich auch wenig Lust, aber nachdem einer der beiden in die angelieferte Singularität gepustet und den Urknall ausgelöst hat lässt sich das Ganze nicht mehr aufhalten. Entstehung der Erde und des ersten Lebens, Kambrische Artenexplosion, Entwicklung von Landlebewesen und (aktueller Stand nach Folge 5) das Aussterben der Dinosaurier folgen zwangsläufig – wobei die beiden Protagonsiten weitgehend damit beschäftigt sind die Folgen ihres weitgehenden Nichtstuns der Chefin zu erklären (was in der Regel der Assisst erledigt).

Aber irgendwie kommt mir das Ganze – zumindest bis jetzt – ein wenig zu bemüht daher. Nichts gegen lustige Einlagen wie die Frage der Chefin wie sie die Entstehung des Universums aus Nichts der Revision erklären soll oder die offensichtlich Saurierquartett spielenden Protagonisten die ganz vergessen haben, dass sie doch eigentlich einen Asteroiden zwecks Vernichtung der inzwischen viel zu groß gewordenen Dinos bestellt hatten – aber ich vermisse in den 6-8 Minuten langen Episoden einen packenden Spannungsbogen, der mich zum konzentrierten Zuhören motiviert. Vielleicht – und ich hoffe das – wird es ja in den nächsten Folgen besser, denn anhören werde ich mir den Rest auf jeden Fall auch noch.

Die kompakten Informationen mit Buchhinweisen zu jeder der oben verlinkten Folgen auf der Leonardo-Webseite finde ich dagegen hervorragend. Jedes Themengebiet wird kurz und verständlich erklärt und für weiter führende Fragen gibt es konkrete Literaturhinweise und den ein oder anderen Link.

Wenn es um eine unterhaltsame Darstellung der Evolution geht, dann führt für mich bislang noch keine Weg an Homer Simpson vorbei:





Sternzeichenrennen

12 03 2009

Florian hat den grandiosen Link aus Bad Astronomy zu getanzten und gesungen Tierkreiszeichen schon gestern gepostet – vielen Dank für dieses absolut lächerliche Video! Ich wusste nicht, dass es zu folgendem kurzen Auftritt zweier Damen im Zustand erhöhter Lebensfreude (auf den mich ein Bekannter vor einigen Monaten aufmerksam machte) tatsächlich ein Original gibt:

Ebenfalls gestern berichtete De:Bug vom Jubiläum einer japanischen Turnschuhmarke, die zu diesem Anlass ein Rennen der chinesischen Tierkreiszeichen (Drache, Affe, etc.) veranstalten liess:

Irgendwie schräg das Ganze – aber ich darf mich jetzt als Sieger fühlen: mein Tierkreiszeichen hat nämlich gewonnen!





Gepiekste Fische

12 03 2009

Es gibt Nachrichten, die sind einfach lustig. Heute morgen zum Beispiel die Meldung, dass ein japanisches Unternehmen Thunfische und Lachse für Sushi nicht mehr per chemischer Keule sondern mit Akupunktur betäuben will, um den Geschmack des Endprodukts zu verbessern. Wohin beim Fisch gestochen wird bleibt dabei übrigens Geschäftsgeheimnis, aber vielleicht sollte sich die Landwirtschaft hierzulande daran ein Beispiel nehmen: Wie wäre es mit Eiern aus nach Feng-Shui-Prinzipien gestalteten Hühnerställen oder mit astrologischer Dosenwurst? Die Vollmondsalami gibt es ja schon, da wäre der Schritt zur Angabe des Sternzeichens des zur Wurstherstellung verwendeten Tieres doch eigentlich nur ein kleiner Schritt.





Potentiale im Gesicht

10 03 2009

„Was umstrittene Persönlichkeitstrainer in Unternehmen anrichten“ ist der Untertitel des lesenswerten Buches „Der Griff nach der Psyche“ von Bärbel Schwertfeger aus dem Jahr 1998. Das Werk selbst ist leider nur noch antiquarisch verfügbar, aber die Autorin ist weiterhin in diesem Bereich aktiv. Unter dem Titel „Verräterische Beule am Kopf“ berichtete sie im November 2006 in einem Spiegel-Artikel über einen gerade aktuellen Wahnsinn aus der esoterischen Rumpelkammer: die Psycho-Physiognomik – eine 1:1-Fortführung der Physiognomik mit der schon die Nationalsozialisten ihr Eugenik-Programm pseudowissenschaftlich zu unterfüttern verstanden. Dass es offensichtlich Unternehmen gibt, die sich auch heute bei der Personalauswahl auf ein solches „Instrument“ verlassen ist an sich schon kaum zu glauben. „So sehe er etwa am Aufbau des Hinterkopfs und Unterkiefers, ob jemand eher harmoniegetrieben sei. Die Willensstärke erkenne er an der Nase.“ wird ein Personaler zitiert – man möchte ihn zu gerne fragen, ob sich die Willensstärke ändert, wenn bei einer Person mittels plastischer Chirurgie eine Nasenkorrektur vorgenommen wird.

Inzwischen gibt es ein solches Angebot sogar online für jedermann: Auf der Webseite Facionic – Discover your potential reicht das Einsenden zweier Fotos und man erhält – je nach Wunsch – sein Persönlichkeitsprofil oder sein Partnerschaftsprofil. Und dass es funktioniert, dafür verweist die Webseite auf einige Presseartikel, die ganz deutlich zeigen, wie wissenschaftlich das Ganze ist:

  • ein Artikel in der Fernsehwoche (Ausgabe vom 6.3.09; Seite 14/15)
  • ein Artikel aus Wallstreet online vom 20.11.2008
  • drei Spiegelartikel

Nun ja, die Fernsehwoche ist nicht gerade für Wissenschaftlichkeit berühmt (der Artikel ist so überzeugend wie eine Astrologiewerbung) und in Wallstreet online wird nur darauf hingewiesen, dass es ab jetzt Facionic gibt. Mit den Spiegelartikeln verhält es sich da etwas anders. Ein Artikel hat nichts mit dem Thema zu tun (es geht um Autos!), die beiden anderen beschreiben die jeweils gleiche Studie – einmal unter dem Titel „Erfolg steht Managern ins Gesicht geschrieben“ ein weiteres Mal unter „Das Antlitz der Sieger„. In dieser Studie konnten Probanden nur an Hand von Schwarz-Weiß-Fotos ziemlich gut unterscheiden, ob der Abgebildete ein eher erfolgreicher oder eher erfolgloser Manager war. Immerhin, möchte man sagen, aber stützt dies wirklich die Behauptung, dass man aus dem Gesicht eines Menschen seine Talente, Eigenschaften, Potentiale und Fähigkeiten ermitteln könne?

Aber auf Facionic wird das Ganze ja auch erklärt:

Grundlage der Physiognomik ist die Erkenntnis, dass das menschliche Erscheinungsbild einerseits auf genetischen Grundlagen aufbaut, zusätzlich jedoch auch sehr stark durch Erlebnisse und Erfahrungen wie auch Erziehung und Bildung, also durch anhaltende Aktivitäten des Gehirns geprägt wird.

Eine ziemlich gewagte Behauptung, zu der ich doch gerne den ein oder anderen Beleg hätte…

An allen Stellen eines menschlichen Körpers, an denen ein starker Energiefluss herrscht, zeigen sich formbildende Veränderungen.

Genau! Wenn ich zu viel esse, dann zeigen sich formbildende Veränderungen in Form einer Plautze – aber wo sonst herrscht ein starker „Energiefluß“ im Körper? Oder wird hier nur mal wieder das Wort „Energie“ verwendet weil es so schön klingt?

So wie ein Muskel, der über längere Zeit stark beansprucht wird, sich ausdehnt und vergrößert, reagiert auch das menschliche Gesicht auf die immer wiederkehrenden energetischen Reize geistiger Aktivität mit Ausdehnung und Veränderung.

Ein wunderbarer Satz! Mittels geistiger Aktivität kann ich also meine Gesichtsszüge verändern? Belege bitte! Um welche „energetischen Reize“ handelt es sich hier? Wie wirken sie?

In fortgesetzter Forschungsarbeit und Weiterentwicklung der Physiognomik ist es der FACIONIC AG gelungen, durch die Zuordnung von Arealen und Ausprägungen zu definierten Begabungen, Fähigkeiten und Eigenschaften die Methode so zu systematisieren, dass eine klare, nachvollziehbare und verlässliche Analyse der Merkmale des menschlichen Gesichts möglich ist.

Tatsächlich? Wo ist das nachzulesen? Wo sind diese bahnbrechenden Erkenntnisse veröffentlicht? Aber natürlich sucht man auf der Webseite diese Art von Quellen vergeblich. Es geht ja nur darum, seine pseudowissenschaftlichen Dienstleistungen zu verkaufen – und da behauptet man halt mal ziemlich genau das, was Astrologen von ihrer „Kunst“ auch behaupten. Potential, Beruf und Partnerschaft kann man übrigens auch aus anderen Körperteilen lesen lassen: Ob der oben zitierte Personalmensch seine Bewerber um entsprechende Bilder bittet wenn er an die Fähigkeiten von Frau Olschewski glaubt?





Aktuell im Spiegel: Diplomatenwahrsager aus Moskau

5 03 2009

Wer ist schon Nostradamus? Der wirkliche König aller Wahrsager wird bald Igor Paranin heißen. Der Mann ist immerhin Dekan der Diplomatenakademie in Moskau und sollte wissen wovon er redet, wenn er prophezeit, dass Barack Obama noch in diesem Jahr Kriegsrecht über die USA verhängen wird. Außerdem werde die USA bis 2011 in 6 Teilstaaten zerfallen und Alaska wieder an Russland gehen.
Letzteres eröffnet ganz neue Karrierechancen für die Möchtegernpräsidentschaftskandidatin Sarah Palin: Sie könnte sich ja in ein paar Jahren um die russische Präsidentschaft bewerben – ich prophezeie hiermit, dass sie das auch tun wird (aber nur falls Panarin Recht hat).