Vermischtes: Betrügerische Wahrsager, gottlose Mobilfunkmasten und mehr

4 03 2009

Wieder mal gibt es einen Prozess gegen eine Wahrsagerin, die das schöne einfache Spielchen gespielt hat:rede den Kunden irgend einen Fluch ein und zaubere ihn dann gegen viel Bares wieder weg. Der krasseste Fall aus dieser – endlosen – Serie wurde übrigens  2007  in Konstanz verhandelt. Der damalige Täter hatte sich mit einer ähnlich hohen Summe bei einer einzigen Familie bedient – bis zu deren Pleite und wurde dann zu einer – meines Erachtens recht kurzen angesichts einer ähnlichen Vorstrafe – Haftstrafe verurteilt.

Der ultimative Grund für die Gottlosigkeit der Gesellschaft ist gefunden: Die Mobilfunkmasten sind schuld! Mehr dazu gibt’s bei Frischer Wind in den Science Blogs.

Ähnlich lustig ist das Fundstück meines Lieblings-Sciencebloggers Florian Freistetter: Er stellt die Astro-Dynamische-Manifestation vor – eine Methode, mit der man seinem eigenen Horoskop entgehen können soll. Was wohl „normale Astrologen“ dazu sagen?

Der Schweizer Wahrsager Mike Shiva zeigt derweilen, dass er am letzten Samstag „Wetten dass?“ gesehen hat: Im Schweizer Blick sieht er für Bobeles Hochzeitspläne kosmisch-erotisch rosarot.  Wenn’s klappt hatte Iris Treppner mit ihrer Prognose nicht recht: Sie hatte Kurzzeitbeziehungen aus den Sternen gelesen. Immerhin: Auch Shiva sieht finanzielle Probleme für den Leimer Ex-Schlägerschwinger – das war auch schon bei weiteren Auguren zu lesen. Ob sich Boris‘ Finanzen daran halten?

Ein neuer „Weltrekord“ wurde ebenfalls vermeldet: Eine Frau hat der Nigeria-Connection 350.000 € überwiesen. Dass sie aus Österreich ist sollte kein Grund für Häme sein, denn wie auf einer niederländischen Webseite für solcherlei Betrugsfälle zu lesen, gilt Clever people ‘are easier to con’.





Lechts und Rinks: George Crabb beschreibt 1813 den Unterschied zwischen Astronomie und Astrologie

3 03 2009

In der Presse kommt es immer mal wieder zur Begriffsverwechselung zwischen AstroLOGie und AstroNOMie. Erst vor wenigen Tagen berichte der Lokalteil einer Zeitung von einer Messe zum neunten Hückelhovener Astronomietag, der von der Astrologie-AG des örtlichen Gymnasiums organisiert gewesen sein soll und auch dieser Bericht über den Start des Portals „Academic Earth“ behauptet es gäbe dort von renommierten Universitäten wie Yale oder dem MIT Vorlesungen „von Astrology und Biology bis Philosophie und Religion“. Dabei ist diese Velwechserung ganz sicher kein neues Problem, denn schon in seinem 1813 erschienen Buch „English Synonyms Explained in Alphabetical Order; with Cupious Illustrations and Examples drawn from the Best Writers“ listet der Autor George Crabb neben anderen synonymen Begriffen – auch Astrologie und Astronomie auf. Dabei ist ihm vollkommen klar, dass es sich in diesem Fall eben nicht um Synonyme handelt – denn er erklärt den Unterschied in ziemlich deutlichen Worten:

The  astronomer studies the course and movement of the stars; the astrologer reasons on their influence.

The astronomer calculates and seldom errs, as his calculations are based on fixed rules and actual observations – the astrologer deals in conjectures, and his imagination often deceives him.

The astronomer explains what he knows and merits the esteem of the learned – the astrologer hazards what he thinks and seaks to please.

A thirst for knowledge leads to the study of astronomy; an inequitude of the future has given rise to astrology.

Many important results for the arts of navigation, agriculture,  and of civil society in general, have been drawn from astronomical researches.  Many serious and mischievous effects have been produced on the minds of the ignorant, from their faith in the dreams of the astrologer.

Mich wundert allerdings seit Jahren, dass ich noch niemals eine Verwechslung „in die andere Richtung“ gefunden habe. Immer macht sich die Astrologie fälschlicherweise auf dem Platz der Astronomie breit, nie ist es umgekehrt … … oder kennt hier jemand ein Gegenbeispiel?





Verdünnte Meister in Öl und Alkohol

19 02 2009

Für den Begriff „Essenz“ gibt es in Meyers Lexikon gleich mehrere Beschreibungen: In der Lebensmittelchemie ist es eine „hoch konzentrierte naturreine oder künstliche, meist alkoholische Lösung von Geschmacks- oder Geruchsstoffen zur Aromatisierung von Lebens- und Genussmitteln“, in der Philosophie bedeutet Essenz „das Wesen, im Unterschied zum Akzidens, dem Zufälligen, und zur Existenz, dem Dasein„. Ähnliche Beschreibungen des Begriffs findet man auch im Online-Lexikon des Bertelsmannverlags unter Ernährung bzw. Philosophie. Den Rest des Beitrags lesen »





Dreiste Überteibungen – Frau Treppner und der DAX

8 02 2009

Über die Unfähigkeit der Hamburger Astrologin Iris Treppner den einfachen Wert von 100% zu berechnen hatte ich bereits vor einiger Zeit berichtet. Inzwischen hat sie auf ihrer Webseite eine ganze Liste fantastischer Trefferquoten zu ihren Börsenprognosen als Resumee für 2008 veröffentlicht und wagt es sogar, diese mit ihren Originalprognosen zu belegen. Dass sie ihre Quellen nennt und verlinkt ist durchaus lobenswert – andere Astrologen und Wahrsager behaupten ihre früheren Treffer in der Regel nur und sind bei der Lieferung von Belegen mehr als sparsam. In diesem Fall jedoch belegt dies nur Eines: Frau Treppner’s dreiste Suche nach Anerkennung als „Zukunftserkennerin“ – die weder vor falsch berechneten Prozentzahlen noch vor hanebüchenen Übetreibungen ihrer vermeintlichen Fähigkeiten zurück schreckt.Vielleicht liegt das ja daran, dass sie auf jeden Fall reich oder „mega-berühmt“ werden will: wie Elke vom Ratgeber-Blog berichtete ist es laut einem Interview aus dem Jahr 2006 ihr eigentliches Ziel in St. Moritz oder Kitzbühel Polo zu spielen …

Ich nehme jetzt einfach mal die DAX-Prognosen als Beispiel. Für diese hat sie sich eine Trefferquote von 83% bescheinigt und hat für jeden der 12 Monate bewertet, ob ihre Prognose richtig oder falsch war. Sie attestiert sich dabei 10 Treffer:

Treppner's Ergebnis

Treppner's Ergebnis

Eine Frechheit ist schon alleine die Bewertung von Juli und August: Frau Treppner hat keine Prognose abgegeben, attestiert sich aber jeweils einen Treffer? Hält die Frau ihre Leser für besonders doof? Aber schauen wir doch einfach in ihre Originalprognose, die sie in einem registrierungspflichtigen Börsenforum veröffentlicht hat. Sie antwortet dabei auf die Frage nach dem DAX-Stand Mitte 2008 wie folgt: Den Rest des Beitrags lesen »





Cargo-Kult-Warentester

22 01 2009

Der von dem bekannten Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman geprägte Begriff der Cargo-Kult-Wissenschaft steht als Metapher für (formal bzw. syntaktisch richtige) Abläufe und Prozesse im Wissenschaftsbetrieb und im Umgang mit Technologie, bei denen der Status und Symbolgehalt dieser Vorgänge den tatsächlichen Nutzwert übersteigt. In Cargo-Kult-Wissenschaften wird versucht, durch eher symbolische Handlungen wirtschaftlichen Erfolg und öffentliche Anerkennung zu erreichen. Angewendet hat Feynman den Begriff insbesondere auch auf Para- und Pseudowissenschaften, wenn sie „ihre Theorien mit dem Erwerb von Formalia und Statussymbolen des Wissenschaftsbetriebs aufzuwerten versuchen“ oder sich generell so gebärden, als würden sie wissenschaftlich arbeiten.

Das gilt auch für die Cargo-Kult-Warentester. Genau so wie die Stiftung Warentest werden Produkte getestet und bewertet … … allerdings nach esoterischen Regeln, und wie und was da so getestet wird, das kann man wunderbar beim Life-Testinstitut nachlesen. Die Liste der Testmethoden ist schon bemerkenswert. Schaut man sich beispielsweise bei der ersten Methode ein wenig um, dann wird das Urteil Cargo-Kult oder Wissenschaftsmimikri klar: Als Beleg für die Wirksamkeit des Gerätes „Prognos“ gilt der Artikel eines gewissen Herrn Udo Arndt – der aber nicht in einer wissenschaftlichen Publikation sondern in der Zeitschrift esotera erschienen ist sowie eine „Gesellschaft für Energetische und Informationsmedizin e.V“, in der mit Prof. Meyl ein Skeptikern nicht unbekannter Pseudophysiker vertreten ist. Ähnliche Belege mit esotera-Artikeln (von Udo Arndt)  gibt es natürlich auch für andere der so genannten Testmethoden, die dann für einzelne Menschen den „Zustand seiner Lebensenergie und welche Einflüsse sich positiv oder negativ darauf auswirken“ messbar machen sollen. Was Lebensenergie bedeuten soll wird natürlich diskret verschwiegen – aber nach dem Prinzip ex falso quodlibet muss man das ja auch nicht erklären – es würde womöglich ja das Geschäft schädigen. Denn das Testen muss bezahlt werden und auch für die Nutzung des als Gütesiegel gedachten Testlabels zu Werbezwecken wird eine Rechnung erstellt.

Ob sich dieses Gütesiegel durchsetzt ist allerdings zu bezweifeln. Gefunden habe ich es bisher lediglich bei Produkten des esoterischen Internetversands „Allesgesunde„. Dieser wirbt auch schon mal im Rahmen eines Artikels von Udo Arndt zum Thema „Was hilft bei Elektrosmog“ – und natürlich kann man alle positiv getesteten Produkte dort bestellen. Anruf genügt, bestellt wird unter 0641-935698 – komisch nur, dass sich die  Faxnummer des Testers/Autors Udo Arndt davon nur in einer einzigen, der letzten, Ziffer unterscheidet …

Ein Blick ins Impressum von Allesgesunde bzw. Life-Testinstitut verschafft Klarheit. Zwar sind die  Ortsangaben verschieden (Life Testinstitut:  Mundingen, Allesgesunde:  Emmendingen), Straße und Hausnummer sind jedoch identisch – und natürlich auch die Postleitzahl … … kein Wunder, denn Mundingen ist ein Stadtteil von Emmendingen.  Natürlich könnte es ein phänomenaler Zufall sein, dass Udo Arndt sein Testinstitut im gleichen Haus betreibt wie der Webshop, der mit seinen Tests wirbt. Aber wenn ich ehrlich bin glaube ich nicht an solche Zufälle.





Zufriedene Kunden halfen nicht: Wahrsagebetrüger zu 20 Monaten verurteilt

15 01 2009

Wie der „Standard“ berichtet wurde ein Ehepaar, dass auf Esoterikmessen die Leute um mindestens 80.000 Euro erleichterte, jetzt zu 20 Monaten Haft verurteilt. Ob die anderen Angebote der jeweiligen Esoterikmessen weniger Betrug waren hat das Gericht natürlich nicht untersucht – interessant ist jedoch, dass eine Kundin, die dem Hartz-IV-Pärchen 17.000 Euro bezahlt hat trotz der Geständnisse dabei blebt, dass ihr geholfen wurde: Seit der Behandlung seien viele ihrer Probleme gelöst, Schmerzen von Verwandten seien verschwunden. „Der Familienfluch ist beseitigt.“ – Da fragt man sich ernsthaft, was denn noch passieren muss, damit die Kundin merkt dass sie ihr Geld schlicht zum Fenster hinaus geworfen hat. Hoffentlich geht es ihr nicht so wie der Frau, über die die FAZ bereits im Oktober 2007 berichtete: diese hatte ihre gesamten Ersparnisse und einen – extra dafür aufgenommenen – Kredit an „liebevolle esoterische Berater“ vertelefoniert …





Herr D., verschwundene Prognosen, taggenaue Treffer und ein Deja-Vu

10 01 2009

Als ich im Laufe der letzten Tage des abgelaufenen Jahres einen kurzen Beitrag zu ein paar vorliegenden Prognosen für 2009 schrieb war mir nicht klar, was ich damit auslösen würde. Es begann eigentlich recht harmlos und hatte gar nichts mit dem Blogbeitrag zu tun, denn die Mail, die ich am 30.12. von Herrn Lieblein erhielt hatte mich eher erheitert. Darin stand übrigens, dass ich die Kopie von D.’s Texten von meiner Webseite nehmen sollte, da die Webseite „Planetenwelt“ dieser Veröffentlichung nicht zugestimmt habe und dass ansonsten rechtliche Schritte eingeleitet würden. OK, gefragt hatte ich wirklich nicht, aber ich hatte den Text selbstverständlich mit einer vollständigen Quellenangabe und einem Link versehen … … denn Prognosen ohne Quellenangabe verwende ich generell nicht. Dass ich den Text dann von meiner Webseite entfernt habe hat übrigens nichts mit den angedrohten rechtlichen Konsequenzen zu tun, ich habe dies schon öfters getan, wenn man mich freundlich darum gebeten hat. In diesem Fall konnte ich mir aber einen Kommentar nicht verkneifen, denn die Androhung rechtlicher Konsequenzen fand ich übertrieben und deplaziert.

Was danach kam ist bereits bekannt: Einen Tag später wurde ich von Herrn D. aufgefordert auch den Link zu seiner Seite zu löschen, in einer weiteren Mail informierte mich Herr D. unter der Überschrift „Erfreulich“, dass er die Sache seinem Medienanwalt übergeben werde.

Da sich auch andere Blogger plötzlich mit dem Thema beschäftigten sah sich Herr D. dann wohl auch genötigt, einen Kommentar zu der ganzen Situation abzugeben – und er tat dies, in dem er sich im Blog von Stefan Niggemeier zum Artikel „Schicksalsstromausfall bei Herrn Lestat“ zu Wort meldete. Thema war dabei auch eine verschwundene Prognose, die Ulrich Berger in seinem Blog „Kritisch Gedacht“ zitierte und die auf der Webseite des Herrn D. nicht mehr zu finden waren (im google-Archiv abr schon …).  Diese Prognose – zur US-Präsidentenwahl und übrigens völlig falsch – gibt es zwar noch im Internet, aber eben nicht mehr auf Herrn D.’s eigener Seite sondern im Archiv von astrologie.de.

Interessant an der ganzen Sache ist zunächst mal die – in Diskussionen mit Astrologen und anderen Esoterikern immer wieder zu beobachtende – „Zielverschiebung“, mit der Herr D. seine Aktionen rechtfertigt. Erst war es das Zitieren seiner Prognosen, dann die Verlinkung die ihm nicht gefiel – schlußendlich gibt er im Kommentar 44 bei Stefan Niggemeier zu, dass er sich über meine Kommentierung geärgert hat.  Tja, da hätte er eben bessere, bzw. exaktere Prognosen stellen müssen, denn nebulöses Geraue kann man nur als solches bezeichnen.  Dass Herr D. sich nun einer Art „Hexenjagd“ ausgesetzt sieht ist wirklich amüsant – das hatte er offensichtlich trotz seiner behaupteten Fähigkeiten nicht vorausgesehen. Seine sonstigen Ausflüchte („Im Übrigen fallen natürlich immer Texte von meiner HP raus, um Neuem zu weichen. „) zur verschwundenen Prognose braucht man nicht zu kommentieren – denn komischerweise fliegen Texte, die er für „Treffer“ hält selbstverständlich nicht von der Webseite. Aber der Text ist ja noch da, und außer seinen grottenfalschen Spekulationen zur US-Präsidentenwahl soll ja der Rest seiner Prognosen  eingetroffen sein – behauptet er zumindest im Kommentar Nr. 60:  „Allerdings ist der Rest der Prognose sogar auf den Tag eingetreten!

Schauen wir uns also den Rest seiner „taggenau eingetroffenen“ Prognose an:

„Berufliche Krisen und Unfallgefahren zeigen die Sterne vom 15. Oktober bis 5. November an. Der Höhepunkt dieser Konstellation ist die Phase kurz vor Neumond vom 24. bis 26. Oktober. Also: Passen Sie auf sich auf!“

Interessant, aber für wen soll dieses Blabla gelten?

Von Spannungen geprägt ist vor allem die letzte Wochen im Oktober. Vor allem in dieser Zeit drohen Unfallgefahren.

Für wen drohen Unfallgefahren? OK, für jeden, der sich in den Straßenverkehr begibt, und nicht nur in der letzten Woche im Oktober sondern an 365 Tagen im Jahr.

Mit zu den möglichen Szenarien gehört auch ein Erdbeben.

Ein Erdbeben? Wo? Welche Stärke? Erdbeben gibt es auf diesem Planeten jeden Tag

Die Sterne raten für diese Zeit zu unbedingter Vorsicht. Das gilt auch für Dinge, die Sie unterschreiben, also beispielsweise Verträge.

Bei Verträgen sollte man immer vorsichtig sein und das Kleingedruckte lesen …

Mars und Neptun stellen sich ab 3. November »quer«.

Uiuiui – klingt ja ganz gefährlich!

Der schwierige Neptun-Einfluss kann Unwetter, Überschwemmungen, Probleme durch Giftstoffe oder die Ausbreitung epidemischer Krankheiten bedeuten.

Und? Was ist davon eingetreten? Wo hat Herr D. seine taggenauen Treffer für diese – übrigens durch die Formulierung „ab“ nicht taggenaue! – Prognose aufgelistet? Und was ist das Besondere daran, wenn irgendwo auf der Welt eines dieser Themen durch die Nachrichten geht?

Durch das T-Quadrat von Saturn, Venus und Uranus kann es Anfang November außerdem zu Unruhen oder zumindest zu einer plötzlich steigenden Unzufriedenheit der Menschen kommen. Diese Phase mahnt unter anderem zur Zurückhaltung in Sachen Liebe und Partnerschaft. Unter dieser Konstellation ist ein Scheitern von Friedensverhandlungen auf politischer Ebene sehr wahrscheinlich.

Dieser Abschnitt ist einfach herrlich wenn man bedenkt, dass das Ganze ja taggenau eingetroffen sein soll: Welche Unruhen wurden hier vorausgesagt? Welche steigende Unzufriedenheit der Menschen (und wie wurde das gemessen?)? Wieso geht es dann zwischendurch wieder um Liebe und Partnerschaft? Und an welche Friedensverhandlungen denkt Herr D., wenn er seine Prognosen als taggenau eingetroffen bezeichnet? Ich vermute mal, dass er hier nicht antworten wird, obwohl mich seine Antworten auf Basis seiner vollmundigen Behauptungen wirklich interessieren würde.

Der Fernsehkritiker hat durch seinen Kommentar 62 in Niggemeier’s Blog übrigens ein wunderschönes Deja-Vu bei mir ausgelöst: Gestern abend blieb ich beim Zappen auf Astro TV hängen, als niemand anderes als Herr D. persönlich einer Anruferin gute Gewinnchancen im März oder April aus den Karten herauslesen zu können glaubte. Vorher hatte er vorsichtshalber gefragt, ob sie überhaupt an Glücksspielen teilnimmt (es war leider die „anonyme Runde“, so dass man die Anruferin Christa nicht hören konnte), denn das schienen die Karten ja nicht zu zeigen. Der YouTubeLink des Fernsehkritikers lieferte zwischen 1:00 und 1:10 genau die gleiche Prognose (mit unterschiedlichem Monat)… … und der Rest ist nicht nur durch die präzise Kommentierung sehenswert. Wie Herr D. ab Minute 2 eine ihm völlig fremde Person auf Basis des Geburtsdatums als beziehungsunfähigen Lügner (und einiges mehr) charakterisiert ist schon ein starkes Stück. Im Deutschen Astrologen Verband dürfte Herr D. ja wohl nicht sein, denn gegen dessen „Gelöbnis“ (Punkt III. der „Berufsordnung„) verstößt Herr D. hier durchgehend. Im Gelöbnis steht:

Dazu gehört, dass ich nicht ohne Zustimmung der Horoskopeigner im Auftrage Dritter (etwa einer Partnerin / eines Partners oder gar eines Arbeitgebers) Gutachten erstellen werde, die den Horoskopeignern zum Nachteil gereichen könnten.

Dass hier der Astrologen Verband davon ausgeht, dass solche „Gutachten“ für irgend etwas gut sein sollen, das steht natürlich auf einem anderen Blatt.





Nachhilfe im Prozentrechnen: Was sind 100%?

5 01 2009

In Wikipedia steht: Zahlenangaben in Prozent (lat.-it. vom Hundert, Hundertstel) dienen der Veranschaulichung und dem Vergleichbarmachen von Größenverhältnissen, indem die Größen zu einem einheitlichen Grundwert (Hundert) ins Verhältnis gesetzt werden. Normalerweise halte ich mich bei Prozentangaben zu Trefferquoten zurück – es sei denn es macht tatsächlich Sinn eine Prozentangabe zu berechnen. Bisher war das erst zwei Mal der Fall, und beides Mal ging es um den Astrologen Karsten F. Kröncke – ein Mal um seine „Abwärtsprognosen“ (die er seit 2005 nicht mehr veröffentlicht) und beim 2.Mal um seine DAX-Prognosen (deren Trefferquoten er seit 2008 übrigens ordentlich dokumentiert – vorher hat er bei seinen behaupteten Trefferquoten entweder bisweilen übertrieben oder er war damals der Prozentrechnung nicht mächtig).

Jetzt wirbt die Astrologin Iris Treppner mit hohen Trefferquoten, und da schaue ich doch gerne mal nach, ob hier nicht doch ein wenig Nachhilfe im Prozentrechnen gefragt ist. Frau Treppner hat nicht nur eine ganze Reihe von Webseiten registriert (http://www.astro-pferde.com/, http://www.astro-wetten.com/, http://www.treppner-kartenlegen.de/), hinterlässt bisweilen positive Kommentare zum Wahrsagercheck (z.B. hier oder da), war bei den RTL-Wahrsagern zu sehen und lässt sich von der Regenbogenpresse zu Prognosen hinreißen. Hier geht es allerdings um eine andere Webpräsenz von ihr: http://www.astro-boerse.com/. In ihrer Rückschau auf 2008 behauptet sie eine Trefferquote von 86% – belegt sie aber nicht. Hübsch auch ihr Kommentar: „Werte, bei denen ich keine 65 % erreicht habe, werden in Zukunft von der Website entfernt“. Klar, wenn ich alle Fehlprognosen entferne, dann muss ja ein hoher Prozentsatz herauskommen. Besonders interessant ist ihre Behauptung, sie hätte beim Goldpreis zu 100% richtig gelegen, bietet sie doch deshalb ihre Goldprognosen für 2009 und 2010 gegen ein geringes Entgelt von 150 Europro Jahr – zum Kauf an. In diesem Fall bietet sie ihre Belege als pdf-Datei zum Download an, und die musste ich mir natürlich anschauen und hätte sie gerne mit dem Goldfixing von 2008 verglichen. Das geht allerdings gar nicht, denn Frau Treppner legt sich überhaupt nicht fest was sie meint, wenn sie schreibt, der Goldpreis könnte an einem bestimmten Datum steigen oder fallen. Gilt das gegenüber dem Vortag? Und wenn ja geht es um das Vormittagsfixing gegenüber dem Nachmittagsfixing des Vortags oder sollen die beiden Nachmittagsfixings verglichen werden? Geht es um den Preis in Dollar, britischen Pfund oder Euro? Und das mit dem ungefähren Datum habe ich ja schon in den oben verlinkten Texten über Herrn Kröncke im Detail ausgeführt.

Aber die genaue Sicht ist bei einer 100%-Behauptung gar nicht notwendig, denn 100% heißt, dass jede Prognose richtig sein muß – und sie sagte ja z.B. auch Folgendes voraus:

Februar/März/April – geschäftliche und wirtschaftliche Hochburg, der Kurs könnte noch einmal kräftig steigen

Tja, Der Goldpreis lag beim ersten Fixing am 1.2. bei 933 USD, Ende April (Nachmittagsfixing 30.4.) jedoch bei  871 USD. Eine wahrlich kräftige Steigerung …





Vermischtes vor dem Jahresrückblick 2008

13 12 2008

Wenige Tage vor der Veröffentlichung des alljährlichen Prognoserückblicks möchte ich noch ein paar Kleinigkeiten los werden:

  • So erhielt ich vor einigen Tagen die Mail eines Astrologen, dessen Jahresblabla Jahresprognose in Bezug auf das Börsengeschehen für 2007 ich abgespeichert hatte.  Der Mann aus Österreich  schämt sich aber nun offensichtlich seiner Prognose von vor fast zwei Jahren und möchte, dass ich das Ganze lösche. Astrologie betreibt er natürlich weiterhin, sogar Wirtschaftsastrologie – auf seiner Webseite jedoch äußert er sich heute nicht mehr in solcher Weise. Nun gut, bei einem Honorar von 200 Euro pro halber Stunde ist es natürlich gaaaanz böse, wenn man irgendwo im Internet daran erinnert wird was man vor knapp 2 Jahren auf seiner Webseite geschrieben hat bzw. wenn potentielle Kunden das dann nachlesen können. Wer übrigens meint, die 200 Euronen für 30 Minuten seien die Übertreibung eines böswilligen Skeptikers, der kann ja selbst nachschauen, welchen Obulus er für wirtschaftsastrologische Beratung von seinen Kunden verlangt.
  • Von Tedora erhielt ich vor einigen Wochen den Hinweis auf die Seite von Seherin Eva. Die im Nachtprogramm praktizierende Astro TV Beraterin schreibt ihre „Visionen, geschannelten Botschaften und Prophezeihungen“ in einer Art Blog nieder und ist dabei wunderbar unkonkret – Datumsangaben fehlen nämlich fast vollständig. Auch bei anderen Prognosen und Visionen ist sie sehr unkonkret. So richtig fleißig am Visionieren war sie am 27. November – nicht weniger als 6 Visionen hat sie an diesem Tag zwischen O:44 und 1:17 gehabt – am Vortag eine, und davor lange nichts. Die schönste der 6 Prognosen ist meines Erachtens „Karin’s Beinbruch“ von 0:58 Uhr (wobei selbstverständlich verschwiegen wird, um welche Karin es sich handelt). Ansonsten gibt es aus den früheren Visionen das übliche Katastrophengeraune (Kriege, 3. Weltkrieg, Überschwemmungen in Deutschland, Wirtschaft bricht zusammen …) und viel Blabla. Lustig finde ich, dass sie jede ihrer Minitexte mit folgender Erklärung abschließt:

ACHTUNG: HIERBEI HANDELT ES SICH VON MIR GESEHENE VISIONEN, GECHANNELTE BOTSCHAFTEN UND PROPHEZEIHUNGEN; OHNE JEGLICHE WERTUNG UND GARANTIE.

Da brauchen sich die Karins im Lande also wohl doch nicht so arg zu sorgen. Fragt sich nur, warum sie diese Textlein dann überhaupt veröffentlicht – vielleicht ja als Werbung für ihre nächtlichen Auftritte bei Astro TV, auf die sie wahrscheinlich sogar nocht stolz ist (Würde sie das sonst auf ihrer Webseite erwähnen?).

  • Die ersten Jahresprognosen für 2009 sind eingetroffen – wieder mal dabei ist Starastrologe Winfried Noe, der einen Text zur Finanzkrise geschrieben hat, in dem er davon raunt, dass alles noch schlimmer kommen wird. Dabei geht er mit keiner Silbe darauf ein, dass es die Finanzkrise nach seiner Börsenprognose, die in der Zeitung „Euro am Sonntag“ (Heft 3/2008 Ausgabe vom 6.1.2008, Seite 30) zu lesen war, gar nicht hätte geben „dürfen“. Seine Prognose für den DAX 2008 lautete nämlich folgendermaßen:

    2008 wird ein stabiles Börsenjahr, der DAX steigt bis Jahresende um fünf bis neun Prozent