Der Sportastrologe macht Pause – und erstaunt mit Selbsterkenntnis

7 04 2016
Der selbst ernannte „Sportastrologe“ Jannis Okun („Fußballastrologe“ wäre wohl ein passenderer Titel) hat auf seinem Blog AstroArena eine Pause angekündigt. Dort hatte er bisher allerlei Prognosen – überwiegend zu Fußballspielen, andere Sportarten spielten nur eine Nebenrolle –  abgegeben, sich diverser Treffer bezichtigt und durfte in der Folge bisweilen auch in den Medien über irgendwelche Fussballspiele, den Ausgang der Bundesliga oder die Zukunft einzelner Mannschaften reden. Inzwischen hat er scheinbar selbst gemerkt, dass seine im Blog zu findenden Prognosen weit von der Qualität entfernt waren, die er wohl selbst erwartet hatte. Seine Pause leitet er mit dem Eingeständnis seines Scheiterns bei den letzten beiden Vorhersagen ein:
Bereits nach meinen Prognosen vor der Länderspielpause, die man wohlwollend noch als “Negativlauf” hätte bezeichnen können, äußerte ich, wie froh über die zwei folgenden freien Wochen bin. Gleich nachdem diese vorbei war, versemmelte ich dann die nächste Prognose auf hochtrabende Weise als ich einen Wolfsburger Sieg in Leverkusen vorhergesagte[…]Nur fünf Tage später folgte dann der nächste Fehlschlag auf ganzer Linie. Der sportastrologe prognostizierte, dass der VfL “keine Chance” gegen Real Madrid im Champions-League-Viertelfinale haben würde.
Bekanntlich gewann Leverkusen gegen Wolfsburg klar mit 3:0 (sein Tipp war 1:3) und Wolfsburg schlug dann Real Madrid mit 2:0 (hier hatte er auf 0:3 getippt). Nun ja, Fehlprognosen sind ja nichts Besonderes, die kommen ja immer wieder mal vor, aber dass sich ein selbst ernannter Prognostiker ein Scheitern auf der ganzen Linie bescheinigt ist bemerkenswert:
Selbst wenn man sich die ganzen Prognosen der letzten Wochen genauer ansieht, z.B. die Analysen zu einzelnen Spielern, so muss man konstatieren, dass hier aber auch so gut wie gar nichts stimmte, nicht selten sogar das Gegenteil eintrat. Es war kein Pech und keine Prognosen, die man doch noch in irgendeiner Form als Erfolg hätten werten können (z.B. später Ausgleich bei einer Siegprognose), nein, es war in aller Regel ein Versagen auf ganzer Linie. Ohne Wenn und Aber.
Soviel Selbsterkenntnis habe ich von einem Astrologen lange nicht mehr gelesen, auch wenn er diese ein klein wenig verwässert. Dass Astrologen es gerne als „Erfolg“ ansehen, wenn ihre Siegprognose durch einen späten Ausgleich „gekillt“ wird fand ich schon immer sehr eigenartig – wenn ich Sieg voraussage und es endet Unentschieden dann lag ich eben falsch. So richtig erstaunt hat mich dann noch der folgende Satz:
Um einem “aufmunterndem” Argument von Vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen
– der Einwand, das ich hier ja auch schon “viele herausragende Prognosen” abgeliefert hätte (dies ist übrigens keineswegs statistisch belegt), wird mit jeder Fehlprognose mehr und mehr ad absurdum geführt.
Ich gebe ja zu, dass ich diesem Blog nur ganz sporadisch etwas Aufmerksamkeit gewidmet habe, weil ich erstens kein großer Fußballfan bin und mir zweitens jedweder Sportwettenkran gepflegt am Allerwertesten vorbei geht (Herr Okun postet bisweilen seine Wettscheine, am liebsten natürlich wenn er damit gewonnen hat – auch wenn er dazu gar keinen Artikel auf seinem Blog veröffentlicht hatte), aber dass er den ein oder anderen Treffer gelandet hat ist mir nicht entgangen. So richtig spektakulär fand ich die  Treffer allerdings nicht, denn er hat oft so viele Namen oder mögliche Entwicklungen vorab in den Vordergrund gestellt – und dann in der folgenden Analyse einfach vergessen, wenns denn nicht gepasst hat. Und bevor man etwas überhaupt statistisch beurteilen kann müsste man vorab das gesamte Procedere (z.B. die Art der Prognosen; was gilt als Treffer, was als Niete; usw. usf.) festlegen, darauf hatte ich Herrn Okun schon während der WM 2014 hingewiesen.
Zu seinen „besonderen Treffern“, denen er in seinem Blog eine eigene Rubrik widmet, ein paar Zitate aus einer seiner von ihm selbst als Topprognosetreffer eingestuften Voraussage zum DFB-Pokalfinale 2015 (Wolfsburg siegte 3:1 gegen Borussia Dortmund):
  • Mit den starken Aspekten der Offensivkräfte kann ich mir ein anschauliches, offenes Finale vorstellen. Ich bin mal mutig und tippe auf ein 2:2.
  • Eine Entscheidung erst im Elfmeterschießen halte ich schließlich für gut denkbar.
  • Wolfsburg holt sich zum ersten Mal den Pokal. Die starken Transite haben sich bestätigt. Als das Pokalfinale feststand, war ich mir schon ziemlich sicher, dass der VfL es packt. Erst als ich heute noch mal den BVB durchgeschaut habe und neben Jupiter Trigon Saturn im BVB-Vereinshoroskop noch auf die Aulösungen bei Reus und Aubameyang gestoßen bin, sind mir noch mal Zweifel gekommen.
Dazu gibt es viele Horoskopbildchen und ganz viel Astroblabla a la …
Sonne und Merkur in Opposition zu Mars wäre als kritischer Transit vorhanden bei einer Geburtszeit nachts/morgens. Venus Trigon Mondknoten sieht dagegen positiv aus. Im Quadrat zur Venus würden Sonne und Merkur bei einer sehr späten Geburtszeit stehen.
Die Sätze galten übrigens dem Dortmunder Spieler Marcel Schmelzer. In seiner Nachbetrachtung schreibt sich Okun dann einen „Treffer“ gut, weil der Dortmunder Verteidiger eine zu einem Tor führende Flanke nicht verhindern konnte. So richtig toll ist dieser Treffer eh nicht. Eine der beiden Mannschaften wird gewinnen (50%-Chance), hier hatte er richtig gelegen. In den Details (2:2, ggf. Elfmeterschießen) eben nicht.
Hoch anzurechnen ist Herrn Okun, dass er  tatsächlich versucht seine Prognosen „transparent“ zu machen – wobei allerdings der auch von ihm benutzte, sehr schwammige, Astrologensprech (siehe Schmelzer-Beispiel) eine für die kritischen Analyse notwendige, möglichst objektive Einschätzung seiner Aussagen verhindert. Ich glaube ihm natürlich, dass er seine astrologische Tätigkeit ernst nimmt (genommen hat?), jetzt will er sich auf jeden Fall – wahrscheinlich – eine Pause gönnen:
Um die Sache zum Ende zu bringen. Ich werde hier – wenn überhaupt – bis zum Ende der Saison nur noch ganz vereinzelt meine astrologischen Ergüsse unter die Leserschaft bringen. Was dann zur Europameisterschaft passieren wird, steht in den Sternen – obwohl sicher bin ich mir diesbezüglich auch nicht mehr… Vor allem meine Masterarbeit freut sich über die neu hinzugewonnene Zeit in den kommenden Wochen
Für seine Masterarbeit wünsche ich ihm natürlich gutes Gelingen, und falls er zur EM ein paar Prognosen hat werde ich mich natürlich mit diesen beschäftigen. Manche werden vielleicht auch hoffen, dass die ausführlichen Diskussionen mit ihm im Blog von Florian Freistetter  vielleicht doch Wirkung gezeigt haben. Seine Pausenankündigung klingt auf jeden Fall so, als würde er durchaus auch an seiner Methode zweifeln. Vielleicht hat er es inzwischen selbst gemerkt, dass die von ihm häufig vehement verteidigte Sterndeuterei einfach keine vernünftigen Ergebnisse liefern kann. Er wäre nicht der Erste




Nochmal Homöopathie: Infos für Herrn Hopp jetzt online

5 04 2016

Die Presse hat in den letzten Wochen und Monaten recht ausführlich über das vor einigen Wochen gegründete Informationsnetzwerk Homöopathie berichtet, das heute pressewirksam seine Onlinerepresenz gestartet hat. Eine Zielperson par excellence ist da wohl der Eglinger Heilpraktiker Mario Hopp, der – lustigerweise für die Ausgabe vom 1. April – in seiner Heimatzeitung interviewt wurde. Seine Antworten sind natürlich kein Aprilscherz, und an den Fragen des Journalisten kann man erkennen, dass einige Themen des Informationsnetzwerks durchaus bereits den Weg in die große weite Welt gefunden haben. Auf den gleich zu Beginn zu findenden Hinweis auf das Netzwerk antwortet der Heilpraktiker wie folgt:

Es ist grundsätzlich gut, dass es Kritiken gibt, weil dadurch das Thema Homöopathie in den öffentlichen Fokus rückt. Und es wird immer Pro und Kontra geben. In der fast 200-jährigen Geschichte der Homöopathie gab es immer wieder Gegner, die versucht haben, sie aus dem Verkehr zu ziehen. Das ist ihnen aber nie ganz gelungen und wird es auch diesmal nicht. Auch wenn diese Initiative natürlich kräftig angreift.

Zum Vorwurf, dass die Wirkung homöopathischer Mittel nicht über einen Placeboeffekt hinausgeht kommt zum Drölftausendsten Mal eine Anwort, die zeigt, dass Herr Hopp nicht weiß von was er redet, bzw. bei dem nicht ganz so einfachen medizinischen  Thema  „Placebo“ absoluter Laie ist:

Kinder oder auch Tiere können gar nicht an einen Heilerfolg durch homöopathische Mittel glauben. Aber die Homöopathie wirkt trotzdem. Da sieht man die Wirksamkeit der Mittel eindeutig.

Nochmal langsam zum Mitschreiben, Herr Hopp: Placeboeffekte bei Kindern und Tieren sind seit Jahrzehnten vielfach belegt (hier sind viele Studien dazu aufgeführt)! Und Placeboeffekte haben nichts mit „daran glauben“ zu tun.

Auf den Hinweis, dass homöopathische Präparate ihre Wirksamkeit nicht belegen müssen geht Herr Hopp nicht ein, aber er weiß natürlich:

Aber es gibt durchaus auch Studien, die eine Wirkung belegen.

Bei Herrn Aust kann er viele davon finden, mit der notwendigen Kritik …

Der Interviewer lässt aber nicht locker, weist darauf hin, dass „allium cepa“ besser klingt als „Küchenzwiebel“ und fragt nach ob das nicht „Augenwäscherei“ sei. Die Antwort von Herrn Hopp ist fast schon entlarvend:

Um einen Beipackzettel eines pharmazeutischen Medikaments zu verstehen muss man schon Mediziner sein. Den liest kein Mensch durch. Das ist doch auch nichts anderes.

Doch, Herr Hopp! Jeder wird beim Kauf eines echten Arzneimittels dazu aufgefordert, und die Anforderungen für den Beipackzettel aus §10 und § 11 des Arzneimittelgesetzes sind sehr ausführlich (werden aber natürlich nicht auf homöopathische Arzneimittel angewandt, dafür gibt es wieder einmal eine Ausnahmeregelung)

Der Höhepunkt des Wahnsinns ist aber Herrn Hopps Antwort auf folgende Frage:

Naja, die Homöopathie setzt auf Naturprodukte. Warum kann Hundekacke bei einer Behandlung also nicht beim deutschen Namen genannt werden, sondern wird zu excrementum canis?

Hier lautet die Antwort (mit Erwähnung des Informationsnetzwerks):

Mit diesen Argumenten versucht auch das Freiburger Netzwerk zu punkten. Aber die Mittel werden so hoch potenziert, also verdünnt, dass sie mit dem reinen Ausgangsstoff einfach nicht mehr viel zu tun haben. Und das muss irgendwie deutlich gemacht werden. Die Wirkung der homöopathischen Mittel entfaltet sich erst durch das Herstellungsverfahren, das heißt durch die Verdünnung und Verschüttelung.

Auch wenn ein vermeintliches Medikament mit Hundekacke „nicht mehr viel zu tun hat“, wüsste der Verbraucher wohl doch gerne, aus was das Zeugs hergestellt wurde. Eine fadenscheinigere Ausrede war selten …

Nun ja, der Mann ist gelernter Drucker, hatte also mit Medizin und Heilkunde in seinem früheren Beruf absolut nichts zu tun. Aber nach einem dreijährigen, nebenberuflichen „Studium“  weiß er natürlich mehr als viele Ärzte, die (heutzutage) in der Regel 6 Jahre Vollzeitstudium hinter sich haben (… und dazu diverse Zusatzausbildungen und Fortbildungen). Immerhin will er die Heilpraktikerprüfung im ersten Versuch bestanden haben …

Was er in dem Interview allerdings von sich gegeben hat war doch eher lächerlich. Für eine Kaspertruppe wie den Dachverband der homöopathischen Laienvereine ist er wahrscheinlich genau der Richtige – als Präsident, denn genau das will er werden. Und ein Laie ist der Mann tatsächlich, offensichtlich auch und gerade beim Thema Homöopathie.





Danke DHU!

13 03 2016

Endlich! Auf einer Seite der DHU, dem wohl bekanntesten Hersteller von Pseudomedikamenten wie Homöopathika und Schüßler-Salzen in Deutschland, kann man jetzt endlich statt der üblichen Werbesprüche ein paar Wahrheiten über Globuli lesen, zumindest zur Zeit. Grund dafür ist das 150-jährige Jubiläum des Unternehmens und die zu diesem Anlass ins Leben gerufene wirklich nette Aktion, die wie folgt beschrieben wird:

Wann hast Du das letzte Mal Danke gesagt? Hinterlasse hier Deine Danksagung und mit etwas Glück verstärken wir deine Botschaft zwischen dem 01.02. und dem 30.06. 2016 mit einem Blumenstrauß.

Die Folge ist sehr schön, denn jetzt stehen auf einer von einem Homöopathie-Hersteller ins Netzt gestellten Seite auch einmal ein paar schön bebilderte Wahrheitenen, so wie diese:

nutzlos

Mit DHU-Stempel werden Produkte der DHU in die Kategorie „nutzlos“ einsortiert – herrlich! Auch Susannchen, von Andrea Walter genial gestaltetes, globulifreies Mädchen, hat ihren Auftritt dort:

susannchen

Weitere Highlights aus den Danksagungen sind die drastische (aber natürlich nicht ernst gemeinte) Darstellung homöopathischer Nebenwirkungen (von kumi),  ein Dank an die evidenbasierte Medizin, die im Gegensatz zur Homöopathie nachweislich wirkt, und die Forderung, Globuli doch bitte dort einzusortieren wo sie hingehören:

baerli

Und schließlich wird auch ausnahmsweise einmal auf einer Homöopathenseite thematisiert, dass die Kügelchen gegenüber der echten Medizin Sonderrechte geniessen:

sonderrechte

Gespannt darf man sein, ob die Verantwortlichen jetzt in irgendeiner Weise reagieren. Lassen sie diese überwiegend ehrlich gemeinten Danksagungen auf ihrer Webpräsenz stehen oder finden sie eine fadenscheinige Begründung für eine Löschaktion? Wird vielleicht gar kommentarlos gelöscht? Immerhin soll die Aktion zwischen dem 01.02. und dem 30.06. 2016 laufen. Ich bin auf jeden Fall gespannt und habe mir eine Sonntagsmittagsversion der Galerie schon mal gespeichert …

Nachtrag: Inzwischen hat auch mein Guru Lorenz Meyer seine eigene Danksagung bekommen gebastelt, mit einem seiner bekannten Bullshitbingos und diesem Text:

Guru, Sie haben Recht! Wir von der DHU verkaufen nur Zucker und leere Versprechungen.

 

 





Die vrm-Akademie wirbt für esoterischen Unsinn

21 01 2016

Bereits im Juni letzten Jahres waren mir auf Grund eines Hinweises auf Facebook ein paar mehr als fragwürdige Angebote in der von den Herausgebern meiner geliebten Lokalzeitung (die mich per Onlineabo auch auf meinen Dienstreisen zuverlässig begleitet) organisierten Erlebnis-Akademie aufgefallen. Jetzt haben sie ein Angebot – unter anderem für das kommende Wochenende – das wirklich nur noch aus haarsträubender Esoterik besteht. Das Selbstverständnis der vrm-Akademie klingt ja noch vielversprechend:

Ihre Tageszeitung, egal ob gedruckt oder online, ist mehr als ein Informationsmedium. Wir nehmen das wörtlich und bieten Ihnen in der VRM-Akademie spannende, oft außergewöhnliche und interessante Seminare, Workshops, Vorträge und Events in überschaubaren Gruppen an.

Da steht nichts von Esoterik, aber dann wird dieser „Kurs“ beworben:

Sie wollen sich selbst oder Ihrer Familie bei Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Unruhe, Schlaflosigkeit und anderen körperlichen Beschwerden etwas Gutes tun können? Ohne schädliche Nebenwirkungen? Jederzeit anwendbar?

Natürlich wollen wir das! Und es ist ja auch ganz einfach, denn dafür gibt es das Sonuspunktur®-Seminar! Sonuspunktur®? Was soll das sein? Das wird natürlich gleich „erklärt“:

Dann können Sie im Sonuspunktur®-Seminar lernen, wie das auch für medizinische Laien gut möglich ist. Ausgehend von der traditionellen chinesischen Medizin bewirkt ein Ausgleich der körpereigenen Energiebahnen eine Stärkung Ihres Energiesystems und aktiviert Ihre Selbstheilungskräfte. Anders als mit Nadeln in der Akupunktur werden hier verschiedene Stimmgabeln auf Schmerzpunkte, Sehnenansätze, Nerven, Muskel- und Bindegewebe sowie auf Akupunkturpunkte und Reflexzonen gesetzt. Die unterschiedlichen Schwingungsfrequenzen der Stimmgabeln bringen blockierte Bereiche Ihres Körpers wieder in die richtige Schwingung. Die Kurse sind sowohl für medizinische Laien als auch für Menschen, die im medizinischen Bereich tätig sind, geeignet.

Wow! Was für ein Bullshit-Text! Akupunkturpunkte und Reflexzonen sind Hirngespinste! Aber halt, Stimmgabeln und Akupunkturpunkte? Da klingelt etwas bei mir – und tatsächlich, vor vier Jahren war mir der Schwachsinn schon einmal aufgefallen, damals hatte ein homöopathischer Spermienverschüttler ein ähnliches Verfahren im Angebot, unter dem Namen Phonophorese.

Sucht man im Internet nach der Sonuspunktur® findet man zwei Damen, die diese „Anwendungen“ anbieten und mit einem fast identischen Text bewerben. Das ist nicht verwunderlich, denn die beiden haben sich das Verfahren auch irgendwie ausgedacht. Die Beschreibung ist reinstes Bullshitbingo, mit echten Stilblüten:

Dazu gehört die Erkenntnis, dass die Organe etc. über spezielle Eigenschwingungen verfügen, welche im gesunden Zustand bei allen Menschen in etwa gleich sind.

Was? Organe schwingen? Mit welcher Frequenz? Mit welcher Amplitude? Also ich habe ja noch nichts davon gemerkt (ok, es gibt Organe die können schwingen) …

Bei einer Krankheit schwingt wenigstens ein Organ oder Körperteil in einer „falschen“ Frequenz und kann dabei nicht nur die Gesamtharmonie stören, sondern auch andere Organe und Körperteile aus der Balance bringen.

Hmm, ich werde also krank, wenn ich meinen Arm in einer falschen Frequenz schwingen lasse?

Heilversprechen geben die beiden Damen natürlich nicht ab, sie versprechen nur eine eventuelle Aktivierung der Selbstheilungskräfte und wann sie hilfreich sein kann:

Eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch Sonuspunktur® kann hilfreich sein bei:

  • Stress und innerer Unruhe,
  • Schmerz- und Entzündungsprozessen
  • Husten und Erkältungen
  • Konzentrationsstörungen / AD(H)S
  • Energielosigkeit
  • Traurigkeit, Angst
  • Kopfschmerzen und Migräne und
  • Schlafstörungen

sowie auch zur

  • Durchblutungsförderung
  • Verbesserung des Stoffwechsels
  • Ausscheidung von von Schlacken
  • Entstörung von Narben

und vielem mehr.

Bei solchem Entlangschlittern an der Grenze zu Heilversprechen muss man sich natürlich auch noch ein wenig absichern. Das sieht dann bei einer der Damen so aus:

sonus1

Die andere beschreibt das ausführlicher,und fügt noch folgenden Satz hinzu:

Für Schäden, die durch den Verzicht auf anerkannte und übliche medizinische Diagnostik und Anwendung entstehen, kann daher keine Haftung übernommen werden.

Ein Problem gibt es aber: Beide sind weder Ärztinnen noch Heilpraktikerinnen, dürfen also ihre (offensichtlich namentlich geschützte) Sonuspunktur® gar nicht selbst irgendwelchen Kunden „verschreiben“. Hier wird aber eine bekannte rechtliche Grauzone ausgenutzt, denn auch wenn die beiden Damen niemanden ihr Stimmgabelgemache als Heilbehandlung „verschreiben“ dürfen, ist ihnen das Anbieten und Abhalten von Seminaren erlaubt. Und so empfehlen sie den – zahlenden – Kunden (das von der vrm-Akademie beworbene Wochenendseminar kostet 190 Euro) frech die Selbstbehandlung bzw. die Behandlung von Familenmitgliedern.

Dass die Anbieterin dieses Schwachsinns ganz stolz auf die Kooperation mit der vrm-Akademie ist zeigt ein Blick auf ihre Seminarliste, denn dort wird das an prominenter Stelle erwähnt. Es ist schon sehr ärgerlich, wenn ein an sich guter Verlag mit solchen Kooperationen hanebüchenen Unsinn gesellschaftsfähig macht. Dass die Seminare sogar im Weiterbildungsportal RLP zu finden sind macht das nicht besser, ich werde der zuständigen Ministerin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz eine Nachricht zukommen lassen …

 





Prognosen 2016: Die Astrowoche-Labertaschenparade – sehr viel Blabla, und ein wenig Konkretes von Herrn Schott

7 01 2016

Alle Jahre wieder gehört der größte Teil der von irgendwelchen Astrologen oder Hellsehern veröffentlichten Jahresvorschauen in eine Kategorie, die man als reines Blabla bezeichnen müsste. Das ist auch für das Jahr 2016 nicht anders, wie das Beispiel des bereits erwähnten Astrogipfel der Werbepostille Astrowoche zeigt. Dieses Jahr durften 6 Astrologen etwas über das kommende Jahr sagen, und die Zusammenfassung ist wenig spektakulär, wenngleich ein wenig düster:

Die Angst wird zu unserem ständigen Begleiter, der sich wie ein düsterer Schatten über unserem Leben ausbreitet. Über unseren Urlaub, über heitere Stunden in unseren Städten. Gewalt droht in diesem Marsjahr 2016, noch mehr Kriege, Aggression, Terror, erhöhte Spannungen zwischen den Religionen.

Auch die Flüchtlinge sind natürlich Thema, und ganz allgemein kann man auch ein wenig labern:

Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab, die Kluft zwischen Arm und Reich wird nicht kleiner, aber wir werden auch zu unerhofften Lösungen finden, das sagen uns die Sterne.

Ob man für solche Sätze einen Blick in die Sterne gebraucht hätte? Wenn die „unverhofften Lösungen“ wengstens irgendwie beschrieben worden wären … … aber nein, es bleibt bei den Weisheiten der sprichwörtlichen Binse. Noch mehr gefällig? Biteschön:

Und der Unfrieden in diesem angespannten Marsjahr 2016 überträgt sich auf die Familien. Es wird mehr Scheidungen geben, härtere Kämpfe im Beruf und eine große Kälte, die Todesopfer fordert. Für Europa schaut es 2016 sehr schlecht aus, für Deutschland sehr gut.

Wie das mit der Todesopfer fordernden Kälte genau gemeint ist wird natürlich nicht erklärt, aber das macht auch nichts. Schaut man sich die Texte im Einzelnen an findet man – mit einer Ausnahme – nicht viel mehr. Über Michael Allgeiers (Chefastrologe der Astrowoche, Leiter von Astro-Kolleg Allgeier & Noe) Geschichtsverständnis hatte ich ja schon geschrieben, Prognosen über die obige Zusammenfassung hinaus gibt es da allerdings nicht. Bei Erich Bauer ist das ein wenig anders, der will zumindest etwas über das Fernsehprogramm im neuen Jahr wissen:

2016 wird etwas geboten. Sportveranstaltungen werden noch mehr aufgebläht, und das Fernsehprogramm besteht bestimmt nicht aus romantischen Liebesschnulzen, sondern aus Actionfilmen und, das natürlich auch, aus Reportagen über Plätze, an denen Krieg herrscht.

Ernst ist das wahrscheinlich nicht gemeint, denn dass die Programme auf Rosamunde-Pilcher-Schnulzen verzichten glaubt Herr Bauer wohl selbst nicht. Nummer drei in der Gipfelrunde ist der „Gründungsastrologe der Astrowoche und Nostradamus-ExperteKurt Allgeier. Der Vater des schon erwähnten Michael Allgeier versucht sich als Wetterprophet („Schuld“ hat natürlich eine astrologische Konstellation):

Sie wird von Ende Mai bis in die ersten Oktobertage gegeben sein und könnte in dieser langen Strecke endloses Regenwetter auslösen.

Dazu kommt noch ein wenig Europaskepsis und der Hinweis, dass es auch 2016 Kriege geben wird. Kommen wir zu Nummer 4, Christine Schoppa, die als Astrologin mit Schwerpunkt Gesundheit und Partnerschaft vorgestellt wird. Frau Schoppa hat überwiegend positives Blabla im Programm und empfiehlt ein monatliches Schutzritual gegen alle negativen Energien:

Senden Sie im Jahr 2016 einmal im Monat, immer wenn der Mond in den Fischen steht, Liebe hinaus in die Welt. Stellen Sie sich die Weltkugel vor, hüllen Sie diese in Gedanken in goldenes Licht und sprechen Sie dabei folgende Worte: Dieses goldene Licht soll mich und die Welt vor Hass, Krieg und Gewalt schützen.

Wenn’s nur so einfach wäre …

Weiter mit Nummer 5, Gabriele Sperzel (Astrologin und Autorin im Engelmagazin), die aber auch gar nichts irgendwie Konkretes zu sagen hat. Wesentlich mehr will da Konstantin Schott wissen, denn er beschreibt sogar einige Szenarien:

  • Der Mittelstand der USA verarmt und lebt in riesigen Zeltstädten.
  • Gleichzeitig werden neue Energierohstoffvorkommen in Amerika eine international vollkommen veränderte wirtschaftliche Situation heraufbeschwören.
  • In diesem Zusammenhang ist ein großer Börsencrash zu erwarten, der unsere westliche Welt erschüttern wird. Dramatische Pleiten sind die Folge.
  • Unsere Wirtschaft muss sich gegen amerikanische Konzerne durchsetzen, die sich nahezu aggressiv in Europa engagieren.
  • Es kommt zu Änderungen innerhalb der Regierungskoalition aufgrund einer Stärkung der Sozialdemokratie.
  • Es kann zu einer Teilung von Nord- und Süditalien kommen, aber wahrscheinlich nur wirtschaftlicher Natur.

Immerhin, da sind ja tatsächlich ein paar Prognosen dabei, die am Jahresende besprochen werden können! Ich glaube zwar nicht, dass der amerikanische Mittelstand in riesigen Zeltstädten leben wird, aber immerhin ist Herr Schott der einzige Astrogipfelteilnehmer, der sich tatsächlich so etwas wie Prognosen zutraut.

Alles in allem erwiesen sich die Teilnehmer des „Astrogipfel“ – mit Ausnahme von Herrn Schott – als Binsenweisheiten plappernde Labertaschen. Aber mehr sollte man von denen ja sowieso nicht erwarten …

(Die 5 Schwurbler und der mutige Herr Schott sind die Nummern 6 bis 11 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2016)





Esoterikurteil: Geld für verstorbene Unsterbliche muss zurückgezahlt werden!

12 12 2015

Gerichte müssen sich hierzulande manchmal mit etwas abwegigen Fällen befassen, insbesondere wenn es um Esoterik geht. Ein sehr schönes Urteil fällte der 14. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes (OLG) München in Augsburg am 10.12.2015: Ein selbst ernannter „spirituellen Meister“ muß 109.500,88 Euro – zuzüglich Zinsen – an ein Ehepaar aus dem bayrischen Bad Wörishofen zurückzahlen.

Die Pressemeldung des bayrischen Rundfunks zum Thema beschreibt das „Geschäftsmodell“ des Verurteilten mit folgendem schönen Satz:

Der Esoteriklehrer hatte seinen Meisterschülern versprochen, das Geld an bereits verstorbene Unsterbliche zu transferieren.

Verstorbene Unsterbliche? Herrlich! Wie das genau funktionerte kann man hier nachlesen:

Das Paar hatte zwischen Juli 2007 bis September 2013 jeden Monat zehn Prozent seines Einkommens einem Freund und gleichzeitig spirituellen Berater überwiesen […] Dieser hatte versprochen, das Geld an die „Unsterblichen“ weiterzuleiten. Dabei sollte es sich um verstorbene Persönlichkeiten handeln, mit denen der Berater real in Kontakt treten und das Geld überreichen könne. Das überlassene Geld sollten die „Unsterblichen“ dann zum Wohle der Menschheit einsetzen.

Für das betrogene Ehepaar war das dann wohl so etwas wie eine Spende für einen ihrer Meinung nach sehr guten Zweck. Dass sie dafür sogar Rechnungen bekamen in denen Leistungen wie „Marketing, Coaching, Beratung oder Suchmaschinenoptimierung“ ausgewiesen wurden störte das Paar offensichtlich jahrelang nicht. Vielleicht würden sie noch heute zahlen, wenn sich der Meister nicht mir seiner Partnerin verkracht hätte:

Als der Berater sich von seiner Partnerin trennte, blieb dies nicht ohne Folgen. Die Frau erschütterte den Glauben des Klägers und seiner Ehegattin. Sie teilte ihnen telefonisch im September 2013 mit, dass die regelmäßigen Zahlungen nicht den „Unsterblichen“ und damit dem Wohl der Menschheit, sondern lediglich ihrem Ex-Mann zugute gekommen seien.

Wie fies von der Ex-Partnerin den betrogenen Kunden einfach die Wahrheit zu sagen! Wie schrieb Marcus Hammerschmitt in seinem empfehlenswerten Büchlein „Instant Nirvana“:

Esoterik gibt Antworten auf die Frage „Was ist Wahrheit?“ und verzichtet dabei auf den notwendigen Umweg über die Realität.

 Auch der Senat des OLG war wohl sehr überrascht, dass der Kläger und seine Frau sich so weit von der Realität entfernt hatten:

Zwar ist dem Senat kaum nachvollziehbar, wie jemand daran glauben kann, dass eine physisch reale Geldübergabe an in Wirklichkeit lange verstorbene Persönlichkeiten erfolgt, auch wenn diese nach der Überzeugung des Klägers und seiner Ehefrau unsterblich waren. Nach Anhörung des Klägers als Partei und Einvernahme seiner Ehefrau als Zeugin ist der Senat aber überzeugt, dass diese hieran geglaubt haben.

„Selbst schuld!“ könnte man jetzt sagen – dieser Meinung war das Gericht jedoch glücklicherweise nicht:

Doch im Hinblick auf die Leichtgläubigkeit der Kläger zieht das Gericht eine interessante Parallele zu Fällen aus der realen Welt, die insbesondere nach der Bankenkrise mehrfach vor Gericht gelandet waren: „Andererseits ist der Beklagte aber als Lehrer und umfassender Berater des Klägers und seiner Ehefrau tätig geworden. Diese sind deswegen in dem Vertrauen auf die Richtigkeit der Angaben des Beklagten geschützt. Diese für Anlageberater entwickelte Rechtsprechung ist auch im vorliegenden Fall anzuwenden.“

Eine bemerkenswerte Urteilsbegründung! Wer seinen Kunden also mit esoterischem Schwachsinn das Geld aus der Tasche zieht haftet genauso wie ein Anlageberater der dies mit irgendwelchen Gewinnversprechen tut.

Man könnte dem bereits erwähnten Marcus Hammerschmitt fast schon prophetische Gaben unterstellen, denn er schrieb in „Instant Nirvana“ auch:

Esoterik ist psychischer Anlagebetrug.

Bleibt zu hoffen, dass in ähnlichen Fällen auch ähnlich geurteilt wird!





Mr. Noudelman klaut 10 Prognosen für 2016

10 12 2015

Alex Noudelman, ein Lehrer (!!!) aus der Stadt King City in Kanada, hatte sich bereits durch seine für 2016 geposteten Nostradamusprognosen lächerlich gemacht, dienten sie doch – mitsamt einiger Fehler – als Vorlage für die Webseite nostradamus-2016.de. Auf seiner Seite hat er im November 10 weitere Prognosen für 2016 gepostet, die nicht von Nostradamus stammen sollen (also wie die anderen auch). Woher die stammen, darüber schweigt sich der Mann auch wieder weitgehend aus …

Fangen wir mal oben an, komischerweise mit der Nummer 10:

Thousands of people from Japan will flee after a series of violent earthquakes destroys the northern region, seismologists are predicting.

Die Namen der Seismologen, die das vorausgesehen haben sollen wüsste ich ja gerne! Aber weiter im Text mit Nummer 9:

Televisions will get a makeover in 2016. Touch screen technology will be a part of TVs like they are on laptops and desktops..including 2 sided screens. Some TV’s will even be as thin as a nickel.

Ganz dünne Fernseher? Gibt es doch schon: 0,97 mm!

Nummer 8: „ISIS will be defeated“

Klingt ja erst einmal nicht schlecht, aber der Text dazu löst einen dann wieder einen starken Kopfschüttelreflex aus:

It said so in the Bible…“A worthless person, a wicked man, goes about with crooked speech, winks with his eyes, signals with his feet, points with his finger, with perverted heart devises evil, continually sowing discord; therefore calamity will come upon him suddenly; in a moment he will be broken beyond healing. There are six things that the Lord hates, seven that are an abomination to him” (Proverbs 6:12-16).

Ach ja, ein Bibelvers als Begründung, das ist ja sehr originell. Immerhin gibt Noudelman eine Quelle an:

In a startling discovery, Rabbi Matityahu Glazerson, a famous author and one of the world’s leading experts on Bible Codes (also known as Torah Codes), published a video on YouTube suggesting that ISIS will be destroyed between now and 2016 by the Messiah.

Ein Rabbi und Spezialist in Bibelcodes sagt voraus, dass der „Messiah“ ISIS zerstören wird. OK, wenn’s nicht klappt bin ich schuld, denn diesen Messiah habe ich im Sommer vollständig ausgetrunken (war sehr lecker):

IMG_20150712_101604Und an die Bibelcode-Geschichte erinnern sich die Älteren vielleicht auch noch: 1997 veröffentlichte der Journalist Michael Drosnin ein Buch, in dem er alle möglichen – vergangenen – Ereignisse irgendwie aus der Bibel herausgelesen hatte. Seine daraus konstruierten Zukunftsprognosen (unter anderem ein Weltuntergang) erwiesen sich jedoch als falsch. Für den Kryptografie-Experten Klaus Schmeh ist der Bibelcode ein „kryptologischer Jahrhundertflop„.

Bei Nummer 7 geht es um die Wahl zum amerikanischen Präsidenten, aber die Prognose kann sich nicht so richtig entscheiden. Denn zum einen soll Hillary Clinton hoch gegen Jeb Bush gewinnen, andererseits wird erwähnt, dass Clinton in Umfragen mit Ben Carson Kopf an Kopf liegt.

Nummer 6 ist aber der absolute Hammer:

North Korea will be unified with South Korea and the two will create one of the top successful economic forces in the region..similar to what we saw happen with Germany after the unification in 1989. Kim Jong-un will finally be overthrown by a bureaucratic body that will become fed up with his totalitarianism and corruption.

Wiedervereinigung in Korea? Wäre eine tolle Prognose wenn’s denn stimmt, da wüßte ich doch gerne wer diese abgegeben hat …

Nummer 5 ist wieder eher langweilig, denn dass das US-Amerikanische Handelsembargo gegenüber Kuba gelockert wird ist seit Januar 2015 bereits Fakt. Auch Nummer 4 ist nicht besser, denn jetzt geht es um die unsicheren Wirtschaftsaussichten. Preise sollen allgemein steigen, die Benzinpreise steigen und fallen und am Ende ein „all time low“ erreichen. Außerdem soll der Goldpreis fallen (auf unter 1000 $, heute steht der Preis bei ca. 1070 $ – das wäre also keine große Sache) und der Silberpreis steigen. Dass der eine fällt und der andere steigt ist aber eher selten der Fall. Ich habe mal das 5-Jahreschart für beide Preise per Screenshot gesichert:

goldsilberAußer 2011 bewegten sich die Kurse doch weitgehend parallel …

Nach der Nummer 3 (Russland besetzt die Ukraine) kommt als Nummer 2 ein wenig Verschwörungstheorie:

New facts about a moon landing conspiracy will be revealed through a deathbed confession of a person involved in a cover-up.

Also irgendjemand wird auf dem Totenbett etwas zur Mondlandungsverschwörung sagen, na und? Ändert das etwas daran, dass die Mondlandung tatsächlich stattgefunden hat?

Kommt als Letztes eine „Prognose“, die diesen Namen eigentlich nicht verdient hat:

This upcoming winter may be colder and more brutal than the last. The central part as well as the Atlantic portions of North America may experience two more ice storms like the one they saw in 2013. For those winters, people may want to stay at home.

Auf Deutsch: Der Winter wird kalt …

Wenn dieser Mann, er ist ja Lehrer (!!), solchen Unsinn auch seinen Schülern erzählt, dann können einem diese wohl nur leid tun.

(Alex Noudelman ist die Nummer 2 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2016)





Klare Frage – einfache Antwort: Nein!

8 12 2015

Bei manchen Zeitungen scheinen Menschen zu arbeiten, die eine Allergie gegen jedwede Recherche haben und obendrein alles glauben, was ihnen obskure Quellen so unterjubeln. Wie sonst konnte es bei oe24.at zu dieser Schlagzeile mit dem Vermerk „Bereits vor 20 Jahren“ kommen:

Hat diese Wahrsagerin ISIS vorhergesagt?

Die einfache Antwort lautet „Nein, hat sie nicht!!!„, denn was die als blinde Seherin bekannte Frau namens Baba Vanga in kryptischen (und dadurch immer wieder neu deutbaren) Worten vorausgesagt haben soll war doch scheinbar etwas ganz Anderes. Zumindest sagen das frühere Deutungen, und die waren sich ganz sicher. Wenn also jetzt bei oe24.at folgendes steht

Die blinde Vorhersagerin, die eine „Erfolgsquote“ von 85 Prozent haben soll, sagte vorher, dass es 2010 zu einer Revolte in den arabischen Ländern kommen werde. Diese soll dann zu einem großen muslimischen Krieg führen, in dessen Zentrum Syrien stehen soll. Dieser Krieg werde dann auf Europa übergehen, der Kontinent werde von Muslimen „überrollt“.

 … dann widerspricht das den Deutungen, die man im Jahr 2008 der Dame zugeschrieben hatte:

Der Dritte Weltkrieg werde im Jahr 2010 nach einem Attentatsversuch auf drei Staatsmänner sowie nach Kämpfen in Indien beginnen, soll die Hellseherin beteuert haben. Sie wurde 1911 in Bulgarien geboren, und erblindete im Alter von zwölf Jahren. Ihre Prophezeiungen wurden von Mitarbeitern zu Papier gebracht. Vanga gab an, im Kontakt mit unsichtbaren Geschöpfen zu stehen, die sie durch Raum und Zeit schicken könnten. Sie war überzeugt, daß der Mensch innerhalb von 200 Jahren Kontakt zu Außerirdischen herstellen wird können. Einige von ihnen würden schon mehrere Jahre auf der Erde leben, gab sie an.

Tja, da wird wieder in kryptische Verse irgendetwas hineingedeutet, früher so und heute eben anders, Hauptsache es scheint irgendwie zu passen. Das Folgende hätte teilweise schon geschehen sein sollen:

  • 2010 – World War III. War will begin in November 2010 and end in October 2014. Will begin as usual, then nuclear will be used initially, and then chemical weapons.
  • 2011 – As a result of the fallout of nuclear fallout in the northern hemisphere will not be any animals or vegetation. Then Muslims will wage war against chemical surviving Europeans.
  • 2014 – Most people will suffer skin cancer and other skin diseases (a consequence of chemical warfare).
  • 2016 – Europe almost lonely (empty).
  • 2018 – New China becomes a world power. Developing countries in turn operated from exploiters.
  • 2023 – A little bit of change in the Earth’s orbit.
  • 2025 – Europe still little settled.

Von den nuklearen Kriegen in Europa haben wir ja nicht allzu viel mitbekommen, und die Chemiewaffen waren irgendwie auch falsch. Und dass es in Europa im nächsten Jahr einsam werden könnte, das glaube ich auch nicht. Und dass sich die Umlaufbahn der Erde ändern wird – spannend wäre es ja, aber das wird bei Astronomen bestenfalls für Kopfschütteln sorgen.

Aus ihren vermeintlichen Prognosen für die weitere Zukunft habe ich ‚mal ein paar Highlights herausgefiltert die sich irgendwie nach einer Endlos-Science-Fiction-Serie lesen (… und die Ansage für 2033 ist gar nicht so schlecht):

  • 2028. – Erschließung einer neuen Energiequelle, vermutlich eine kontrollierte Kernreaktion. Die Welt leidet überwiegend Hunger, ein bemanntes Raumschiff startet zum Planeten Venus.
  • 2033. – Der Nordpol schmilzt, der Meeresspiegel steigt an, es kommt zu Überschwemmungen.
  • 2043. – Die Weltwirtschaft boomt, Europa ist fest in muslimischer Hand.
  • 2076. – Die Welt wird kommunistisch.
  • 2088. – Eine neuartige Krankheit entsteht, Menschen altern binnen Sekunden.
  • 2097. – Die Alterskrankheit wird besiegt.
  • 2100. – Eine künstliche Sonne erwärmt die Erde.
  • 2125. – In Ungarn kommt es zum Kontakt zu den Außerirdischen. (und alle erinnern sich wieder an Baba Vanga!)
  • 2196. – Asiaten und Europäer werden zu einem gemeinsamen Volk.
  • 2201. – Die Sonnenenergie nimmt ab, infolgedessen wird es kälter.
  • 2221. – Auf der Suche nach außerirdischem Leben stoßen die Menschen auf etwas sehr grässliches.
  • 2271. – Entstehung neuer physikalischer Konstanten.
  • 2288. – Zeitreisen sind möglich. Kontakt zu Außerirdischen.
  • 2296. – Starke Sonnenexplosionen, die vermutlich durch die Reaktivierungsversuche der Menschen verursacht wurden. Die Anziehungskraft verändert sich, Weltraumstationen und Satelliten fallen vom Himmel.
  • 2378. – Es entsteht eine schnell wachsende neue Rasse Mensch.
  • 3005. – Krieg auf dem Mars.
  • 3797. – Die Erde wird von einer Nebelwand umgeben und alles Leben auf ihr erlischt. Die Menschen siedeln auf andere Planeten um.

Mich wundert nicht, dass für diesen Artikel niemand die namentliche Verantwortung übernehmen will – wäre wohl gar zu peinlich!





Die vrm-Erlebnis-Akademie: Wissen – Genuss – Kultur und eine Portion Esoterik

19 06 2015

Die Herausgeber meiner geliebten Lokalzeitung (die mich per Onlineabo auch auf meinen Dienstreisen zuverlässig begleitet) haben seit einiger Zeit ein Angebot im Portefeuille, das sich Erlebnis-Akademie nennt und mit einem schönen Logo aufwarten kann:

vrm

Wissen, Genuss und Kultur – das klingt als hätte diese Akademie viele Angebote für mich auf Lager. Gestartet wurde das Ganze übrigens 2013:

Ende 2013 starteten wir mit exklusiven Kochkursen in den Kupferbergterrassen, die nach kurzer Zeit restlos ausgebucht waren.

Oh ja, das wäre etwas für mich gewesen! Ein Kochkurs in den renommierten Mainzer Kupferbergterrassen verspricht tatsächlich höchste Gaumenfreuden, und daneben wird man auch sein Wissen um die Zubereitung von Speisen erweitern können. Und da gute Küche ja durchaus etwas mit Kultur zu tun hat gehe ich davon aus, dass damit das Akademiemotto bestens repräsentiert war. Ich schreibe bewußt „war“, denn aktuell sind diese Kurse leider nicht im Angebot. Dafür gibt es ein paar etwas andere Angebote, aber der Reihe nach.

Letzten Samstag wurden in der Mainzer Allgemeinen Zeitung auf Seite 6 in einer eine Drittel Seite großen Anzeige Feng-Shui-Veranstaltungen beworben – als „Angebot Ihrer Tageszeitung“. Das war nicht nur mir negativ aufgefallen, in einem Facebookkommentar wies ein Skeptikerkollege mit folgendem Kommentar ebenfalls darauf hin:

Die Rhein Main Presse schändet die zweite Namenshälfte ihrer „Erlebnis-Akademie“ und wirbt für ein Feng-Shui-Seminar:

Im Detail wurden zwei Feng Shui Termine angeboten: Eine „Design-Tafel“ (die unter wechselnden Themen angeboten wird, drei Stunden dauert und ein Drei-Gänge-Menü mit verführerischen Weinen beinhaltet – WebCiteLink) sowie eine Veranstaltung mit dem Titel „Glücksfaktor Feng Shui“ (die dauert 7 Stunden und von Essen steht da nichts –  WebCiteLink). Es ist ja eigentlich nichts dagegen zu sagen, wenn ein paar Menschen zusammen Essen gehen und sich dabei über fernöstlich motivierte Inneneinrichtung unterhalten oder sich ohne Essen darüber informieren wollen, aber der Werbetext beinhaltete auch sehr weit hergeholte Versprechungen, denn man soll dort erfahren …

wie Feng Shui Ihr Wohlbefinden, Ihre Gesundheit, Ihre Leistungsfähigkeit, Ihren Erfolg und vieles mehr beeinflussen kann

Dass es Menschen in einer schön empfundenen Wohnung wohl besser gehen wird als in einer vermüllten Souterrainwohnung mag ich noch verstehen, aber wie das die Gesundheit beeinflußen soll hat mich dann doch interessiert und ich beschloß die vrm-Akademie anzuschreiben. Inzwischen hatte ich noch folgendes wunderbare Angebot gefunden: Vorurteile für Anfänger Menschen sehen, Menschen verstehen (WebCiteLink) – dabei handelt es sich um Esoterik pur, denn die dahinter stehende Physiognomik ist das Paradebeispiel einer Pseudowissenschaft. Also fragte ich nach, welchem (oder welchen) der Begriffe Wissen, Genuss und/oder Kultur diese Veranstaltungen zuzuordnen sind, fragte explizit auch nach, ob man bei der vrm-Akademie tatsächlich glaube, dass Feng-Shui die Gesundheit beeinflußen könnte und wies darauf hin, dass das Physiognomik-Angebot pseudowissenschaftlicher Unsinn sei.

Ich gebe ja zu, dass mich die Antwort wenig überrascht hat, denn natürlich ordnen die Verantwortlichen der vrm-Akademie diese Veranstaltungen unter „Wissen“ ein (und wahrscheinlich auch anderen Unsinn wie zum Beispiel diese beiden Shiatsu-Veranstaltungen).

Feng Shui sei ein seit 20 Jahren etabliertes Verfahren, das aufgrund zahlreicher Wünsche von Abonennten angeboten wird, schrieb mir eine Verantwortliche und wies darauf hin, dass solche Angebote von namhaften Experten auf der ganzen Welt angeboten werden. Sie wies auch darauf hin, dass sich Architekten an Feng Shui-Akademien ausbilden lassen. Stimmt alles, aber was hat das mit der Behauptung zu tun, Feng Shui würde die Gesundheit beeinflussen? Auf eine weitere Nachfrage von mir schrieb sie: Ja, wir glauben, dass Gesundheit und Wohlbefinden sehr wohl mit der Ausgestaltung des wohnlichen Umfeldes zu tun haben kann. Das klingt jetzt schon ein wenig allgemeiner und windelweich, denn wie oben geschrieben ist es eine Binsenweisheit, dass es Menschen in einer schön empfundenen Wohnung wohl besser gehen wird als in einer nicht schön empfundenen. Aber braucht es dafür unbedingt Feng Shui mit seinen lächerlichen, esoterischen Chi-Flüßen?

So richtig lächerlich war die Antwort zum Thema Physiognomik, denn hier behauptete die Vertreterin der vrm-Akademie, es würde sich dabei um eine wissenschaftliche Methode, die von großen Firmen bspw. bei der Zusammenstellung von Teams genutzt wird handeln und verwies auf den dazugehörigen Wikipedia-Artikel. Außerdem habe man das Ganze bei der vrm-Akademie selbst getestet und für gut befunden – und natürlich seien die Veranstaltungen auch gut besucht. Wenn man auf einen Wikipedia-Artikel verweist sollte man diesen auch gelesen haben, denn dort steht nirgends, dass es sich um eine wissenschaftliche Methode handelt und dass es Firmen benutzen wird am Ende in einem einzigen Satz erwähnt:

Zum Teil wird auch in der Personalberatung mit Methoden der Physiognomik gearbeitet. Werner Sarges sagte dazu: „Die Suche nach einem Geheimsystem, mit dem man den Charakter eines Menschen sofort erkennen kann, lässt sich leider nicht ausrotten“

Der Satz stammt aus diesem Spiegel-Artikel von Bärbel Schwertfeger, dem ich gerne folgene Zitate aus dem 2. Teil beifügen möchte:

Kein gutes Haar lässt auch Fritz Ostendorf an der Psycho-Physiognomie. „Den Charakter auf der Grundlage der Schädelform, der Art der Nase oder Stirn erschließen zu wollen, ist schlichtweg Humbug“, sagt der Psychologiedozent an der Universität Bielefeld.

Madeleine Leitner ist fassungslos. „Ich hätte nie gedacht, dass sich jemand heute noch ernsthaft mit solchen abstrusen Konzepten beschäftigt“, sagt die Vorsitzende der Sektion Wirtschaftspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP).

Auch Christoph Aldering, Mitglied der Geschäftsleitung und Partner Kienbaum Management Consultants GmbH, ist erstaunt über die „laienhafte Psychologie“. Das erinnere ihn doch an dunkle Zeiten in unserer Geschichte.

Wer noch ein wenig Bedarf am Kopfschütteln hat, dem empfehle ich den auch bei Wikipedia verlinkten Skeptiker-Artikel von Uwe Kanning aus dem Jahr 2010, der den Unsinn alleine am Beispiel der Ohren offensichtlich werden lässt:

Alleine die Betrachtung der Ohren kann zu weit mehr als 3000 Charakterisierungen herangezogen werden (3 Ohrgrößen x 3 Formen der Segelohrigkeit x 3 Ohrzonen x 3 Schrägheitsgrade x 3 Höhenparameter x 5 Ohroberkantenareale x 3 Möglichkeiten des Verhältnisses zwischen rechtem und linkem Ohr).

Und die Parameter werden natürlich, nun ja, geraten:

Ob ein Ohrläppchen als groß, mittelgroß oder klein zu gelten hat, entscheidet er allein, ohne den Einsatz eines Maßbandes oder ähnlicher Hilfsmittel.

So kann also eine „Wissens“-Veranstaltung bei der vrm-Akademie aussehen. Das ist schon deswegen schade, weil es selbstverständlich eine ganze Reihe von guten und sinnvollen Angeboten gibt. Abonnenten wie ich können sich dabei übrigens über Rabatte freuen, die die  Verlagsgruppe Rhein Main über die angebotene ABOPlus-Card gewährt. Für mich würden die Feng Shui Veranstaltungen dann 109 statt 129 Euro kosten, über die Lächerlichkeit der Physiognomik könnte ich mich für 129 statt 149 Euro informieren lassen. Hingehen würde ich allerdings nur, wenn man mir die obigen Beträge vorab in doppelter Höhe als Schmerzensgeld zukommen lassen würde …





Die Sache mit dem „L“

14 04 2015

Nur den Link posten ist zu wenig, ich hoffe kumi ist nicht sauer kann das all jenen, die kumis Blog noch nicht kennen doch nicht vorenthalten … … hier sein aktuelles Meisterwerk in seiner vollen Schönheit:

Nie hat es besser gepasst.

Deutschand