Kleines Rechenbeispiel zu esoterischen Gewinnmargen: Glaskügelchen für die Erde

13 04 2015

Ich gebe es ja zu, wenn ich Worte wie „Erdheilung“ oder gar „Erdheilritual“ lese, dann rollen meine Augen automatisch und in meine Nase glaube ich weihrauchgeschwängerte Novemberluft aufsteigen zu fühlen – und das hat einen ganz profanen Grund: Meine früheren Nachbarn! Diese hatten ihre Gartenhütte zum „Meditationszentrum“ erklärt und dort bisweilen Erdheilrituale durchgeführt … … ich weiß ja nicht was die dort, keine 10m von meinem Balkon entfernt, getrieben haben, auf jeden Fall war immer eine riesige Portion Weihrauch dabei. Den Novemberabend, an dem ich von einer Dienstreise zurück kommend, in unsere Straße einbog und mir in dem neblig-feuchten, weihrauchgeschwängerten Dunst ein Marder mitten auf der Straße entgegen wankte werde ich wohl nie vergessen. Die damalige Webseite ist sogar noch irgendwie auffindbar, aber da das mit dem Meditationszentrum längst passé zu sein scheint möchte ich mich doch anderen, womöglich wesentlich erfolgreicheren „Erdheilern“ zuwenden. Über den „Erfolg“ bei irgendwelcher Heilung kann ich natürlich nichts sagen, aber zumindest hätten diese Anbieter finanziellen Erfolg, wenn sie denn genug Dumme Kunden finden …

Es geht um eine Firma, die gutgläubigen und wohlmeindenden Erdenfreunden folgendes verkauft:

glasnuggets01Eine „unvergleichlich erschwingliche Möglichkeit der Erde zu helfen“ soll es also sein, wenn man sich diese Glasnuggets zulegt. „Erdheilung so einfach wie noch nie – leicht bezahlbar, diebstahlsicher und umweltneutral.“  posaunt die Werbebotschaft hinaus und bezeichnet diese Wunderdinger als „Reinigend – harmonisierend – aufbauend„. Und weiter mit der Werbebotschaft:glasnuggets02Die Wirkungen klingen geradezu atemberaubend:

  • fördert das biologische, kristalline und feinstoffliche Leben,
  • wirkt sowohl im Wasser wie im Boden und in der Luft,
  • verbindet sich harmonisch mit anderen, harmonisch wirkenden Hilfsmitteln bzw. Feldern,
  • vererbender Effekt im Wasser, was besonders in stehenden Gewässern den Einsatz relativ weniger  Glasnuggets notwendig macht und Flüssen eine permanente Zone der Erneuerung schenkt, aus der sich heilendes Wasser mit der Strömung weiter fließt – somit werden auch physisch unzugängliche Zonen energetisch zugänglich gemacht.
  • Einige mut- und/oder messbare Parameter: ph-Wert, Schwermetalle, Sauerstoffgehalt, Radioaktivität, Boviseinheiten, Informationsstruktur. Bitte teilen Sie uns, wenn Sie die Möglichkeiten zur Messung haben, Ihre Ergebnisse mit!
  • Blockierte Lebensenergie fließt wieder – kann zur „Entstörung“ der lebensstörenden Effekte durch Radar, Mikrowellen-Funktürmen, Elfwellen u.s.w. eingesetzt werden.

Klasse, was diese kleinen Dinger (laut Beschreibung so genannte „Muggelsteine“ mit einer Größe von 17-20 mm) so alles können sollen! Ein wenig blöd ist ja, dass die „mut- und/oder messbaren Parameter“ nur aufgelistet werden und man die Ergebnisse selbst mitteilen soll. Und wenn sich jetzt die Schwermetalle durch die Glasteilchen erhöhen, die Radioaktivität zunimmt oder der Sauerstoffgehalt im Gartenteich sinkt? Immerhin wird das mit den Boviseinheiten ganz bestimmt funktionieren, denn Hirngespinste sind bekanntlich realitätsresistent. Aber wie und wo (warum fragt man natürlich nicht!) wendet man diese Dinger denn nun an? Dazu gibt die Webseite eine etwas eigenartige Antwort:

Fühlige Menschen spüren schnell, wie Energie und Harmonie, Freude und Leben in ein vormals belastetes und wenig lebendiges Gebiet schnell zurückkehrt. Der beschenkte Bereich bekommt seine natürliche Kraft zurück, Naturwesen finden sich ein, die Wasserqualität verbessert sich im Ganzen durch bessere Selbstregulierung u.v.m. kann beobachtet werden. Berichten Sie uns!

Man soll das Ganze also erspüren? Und wenn’s nicht klappt hat man falsch erspürt? Und was macht man jetzt eigentlich genau mit den Glasdingern? Schauen wir mal unter „Anwendung“ nach:

 Geeignet für das Ausbringen im Boden, in alle Arten von Gewässern – fließende und stehende, natürliche wie künstliche, von Kleinstgewässern bis zum offenen Meer – sowie praktisch an allen sinnvollen Orten. Kann leicht versteckt werden und somit auch an Orten platzierbar, die anderen Hilfsmittel nicht zugänglich sind oder wo sie schnell entfernt werden würden.

 Aha, man soll das Zeugs also irgendwo auslegen oder ins Wasser werfen … … weiter:

einige Glasnuggets in einem Elementewirbel platziert, verstärkt dessen Wirkung und verbindet sehr harmonisch mit anderen Hilfsmitteln und Naturwesen,

Was ist ein „Elementewirbel“? Was sind „Naturwesen“ und können die auch beißen (erst am Wochenende hat mich ein geflügeltes Naturwesen überfallen und gestochen – Premiere 2015!)?

Wasser: wirken bei jedem ph-Wert, soweit dies innerhalb der natürlichen Ordnung sinnvoll ist.

Ja, ok – aber wie wirken denn die Dinger??????

Wirkung beginnt sofort sich aufzubauen, Beobachtungen je nach Bereichsgröße ab einigen Tagen bis Wochen mit Ausgangzustand vergleichen.

Welche Wirkung?????

Irgendwie scheinen die Anbieter weder zu wissen, wie ihre Glasdinger wirken, noch wo oder wie man sie verwenden soll. Irgendwie soll man also diese Glasdinger kaufen – für 1,75 Euro pro Stück – und dann irgendetwas damit machen (… und nachschauen was dann passiert). Tolles Produkt, aber nur für den Verkäufer, denn man kann die gleichen Teile auch woanders kaufen … … aber zu ganz anderen Preisen. Hier kosten 10 Stück 0,99 Euro, dort 55 Stück 2,99 Euro (und 220 wegen Mengenrabatt 9,98 Euro). Über die Möglichkeit, solche Glasdingens im 10 kg – Gebinde für 35- 60 Euro zu kaufen möchte ich gar nicht nachdenken.

Gehen wir von der teuersten Version des Einkaufspreises aus, dann kostet ein Glasdingens gerade mal 10 Cent, mit Mengenrabatt wahrscheinlich weniger als 5 Cent. Verkauft wird das Ganze dann für 1,75 Euro pro Stück, also fast dem 20-fachen (oder 35-fachen) des Einkaufspreises. Der Begriff „Raubtierkapitalismus“ dürfte bei den Käufern dieser Erdheildingens eher unbeliebt sein, aber eine solche Gewinnmarge ist ja schon irgendwie … (nein, das sage ich jetzt nicht).

Was stand nochmal in der Werbung? Ach ja: „extrem preiswert“ …





Neo-the-One weiß es genau: Am 1.11.2015 beginnt der 3. Weltkrieg

10 04 2015

Bei manchen Webseiten fragt man sich, warum diese eigentlich ins Netz gestellt werden. Wer Dienste eines PC-Services anbietet, von dem erwartet man eigentlich Informationen über die Art der angebotenen Dienstleistungen oder die ein oder andere Referenz – es gibt aber eine Seite auf der das alles ganz anders ist, und auf der nach dem ganz harmlosen oberen Teil

nebu01eine Unterzeile folgt die potentiellen Kunden wohl einige Fragezeichen ins Gesicht zeichnen würde:

nebu02Nun ja, das mit dem „Geld im Internet“ könnte ja irgendwie interessant weitergehen, ich zeig’s euch mal:

nebu03Ok, Geld verdienen mit der Homepage, da kennen Internetprofis ja diverse unmoralische Angebote (der Betreiber der Seite zeigt, dass er jeden Monat damit eine nicht ganz dreistellige Eurosumme einkassiert) – aber bei einem solch schrägen Sammelsurium an Angeboten interessiert mich nicht einmal mehr das angebotene „Windows-Tuning“ sondern die ersten Themen in der Leiste, die „Krisenvorsorge 2015“ und insbesondere das mit dem „3. Weltkrieg 1.11.2015“.

Unter der „Krisenvorsorge 2015“ gibt es einen Link auf eine seiner (offensichtlich mehreren) Facebookseiten mit dem Namen „Alois Irlmaier, Nostradamus und Seher Prophezeiungen Weltkrieg 2015“ und das Gefasel dort habe ich keiner Erwähnung würdig gefunden. Aber was passiert beim Klick auf  „3. Weltkrieg 1.11.2015„?

Man landet auf einer Webseite namens „Nebukadnezar-2015“ *, auf der man sich durch ein Sammelsurium an Werbelinks auf (meist) eigene Seiten scrollen muss, deren Design bis 2007 eine Kandidatur für die Erwähnung bei der „endgültigen Müllseite“ zwingend erforderlich gemacht hätte. Aber dann kommt’s:

Der 3. Weltkrieg am 1.11.2015 (Mitternacht)

Und wie kommt der Mann darauf und warum schreibt er sowas? Letzteres erklärt er so:

Das Ziel von Nebukadnezar 2015 ist es, zu informieren vor dem was geschehen ist,
offenbar noch geschehen wird und wie wir uns darauf vorbereiten können.

Das „wie“ soll wohl folgende wirre Übersetzung von Nostradamusversen erklären:

Erhöht das Papsttum – erniedrigt wird sein die Moschee.
2015 ist erhöht der Papst.
Gewesen sein erhöht die Moschee.
Zeit des Amoklaufens der Gruppe der 10 000 000. (Islam) “

„Seid ruhig in Indien in der Nacht des Todes des Führers“
„Hundert fürchten das Testament Indiens“
„Nicht fern die Zeit der Erprobung der gegenpoligen Stadt “
„Indien bei der 10 und die Kugel schmelzen – Zeit der Luft

Die dazugehörigen Erklärungen erinnern verdächtig an den Nonsens des Nostradamusapokalyptikers Manfred Dimde:

Kugel = Erde
gegenpolige Stadt = Neutronenbombe
(weiterentwickelte Strahlungs-Verschmelzungs-Bombe)

Und daraus folgt für den Herrn so ziemlich zwingend – nein – vermutlich:

Vermutlich am 10.11.2015 durch den Einsatz einer Neutronenbombe gegen Indien
(72. Längengrad / Bombay)
Beginn des 72 stündigen atomaren Holocaust (die große 3 Tage Finsternis)
und Ende des 9 tägigen dritten Weltkrieg

Immerhin, an eine genauere Prognose aus den letzten Jahren kann ich mich – trotz des „vermutlich“ –  nicht erinnern (die genaueste Fehlprognose lieferten zwei Nostradamusdeuter aus den Neunzigern: V.J. Hewitt und Peter Lorie prophezeiten ein schweres Erdbeben in Kalifornien für den 8. Mai 1993, 7:05 Uhr)! In dieser Kategorie ist der Mann also wirklich Spitze, allerdings auch in der Wirrnis seiner sonstigen Aussagen. So folgert er aus weiteren Texten:

9.11.2015 – Abwurf einer Atombombe auf Britanien/England ins Meer (10. Längengrad)

Entweder es wird eine Bombe auf „Britannien/England“ abgeworfen oder ins Meer am 10. Längengrad (wobei noch nicht einmal klar ist ob westl. oder östl. Länge). Um an den 10. Längengrad heranzukommen müsste sich „Britannien/England“ mächtig aufblasen, denn dieser läuft z.B. durch Hamburg (östl.) bzw. trifft westl.gerade noch so die Südwestpitze Irlands.

Dazu erwähnt er noch den bayrischen Seher Alois Irlmaier (1894 – 1959) dem folgender Text zugeschrieben wird:

„Das Unheil wird ganz plötzlich aus Rußland kommen. Zuerst wird es Deutschland treffen, dann Frankreich, Italien und England. Ein neuer Nahostkrieg flammt plötzlich auf, große Flottenverbände stehen sich feindlich im Mittelmeer gegenüber – die Lage ist gespannt… …Aber der eigentlich zündende Funke wird im Balkan ins Pulverfass geworfen… …Ich sehe einen Großen fallen, ein blutiger Dolch liegt daneben. Dann geht es Schlag auf Schlag, zwei Männer bringen einen dritten Hochgestellten um. Ich denke am Balkan wird es sein. Nach der Ermordung des Dritten geht es über Nacht los… …große Truppenverbände marschieren in Belgrad von Osten her ein und rücken nach Italien vor.“

Das mit dem Balkan erinnert irgendwie an den von Irlmaier ja selbst erlebten ersten Weltkrieg (Sarajevo!) und dass man zu seinen Lebzeiten das Böse gerne in Russland beheimatete ist auch wenig überraschend. Blöd ist auch, dass Irlmaier gar nichts Schriftliches hinterlassen hat und man sich bei allen ihm zugeschriebenen Aussagen auf die Zeugnisse Dritter verlassen muss. Und warum soll das jetzt gerade 2015 gelten?

Weiterhin wird noch ein altes Gedicht als Quelle erwähnt (Der alten Linde Sang von der kommenden Zeit – um 1850), die Webseite eines mir bisher unbekannten Herrn (Zitat: „[…] daß mit „Inbetriebnahme“ der neuen Waffensysteme 2015 auch sofort der Dritte Weltkrieg ausbricht“) sowie weitere irgendwie zusammengestückelte, vermeintliche Nostradamusfragmente. Garniert wird das mit vermeintlichen Zeichen aus den letzten Jahren, die auf diesen Termin deuten sollen (und die normalen Menschen entgangen sein dürften). Und auch hier herrscht Wirrnis:

Am 30.7.1999 (ca. Mitternacht) kam es zu einer Nuklearexplosion auf dem Mond (welcher für die Sonnenfinsternis 11 Tage später verantwortlich war), ausgelöst durch die Sonde Lunar Prospector, welche mit 33Kg Plutonium ausgestattet war.

Nein du „einer Neo“, Lunar Prospector hatte die Asche eines Astronomen an Bord, die Raumsonde Cassini, die ein paar Tage später an Mond und Erde vorbei flog, war die mit den 33 kg Plutonium …

Ist aber sowieso egal, denn immerhin ist der Beginntermin für diese Weltendevariante günstig gewählt „errechnet“ herbeifantasiert: Der 1. November ist ein Sonntag – man wird also ungeniert in diesen Tag „hineinfeiern“ können …

 

* Wieso der Mann gerade diesen Namen wählt weiß ich nicht, schließe aber bei seinem an anderen Stelle erwähnten Geldeingang durch Internetwerbung aus, dass der Name der Bezeichnung einer recht großen Champagnerflasche gleichen Namens geschuldet ist.

(Herr Bode ist Nummer 18 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015 – und dem erwähnten Herrn Masslau mit der nackten Kriegsprognose irgendwann im Jahr gebe ich die Startnummer 19)





Kumaré – die Fake-Guru-Doku jetzt auf youtube!

23 02 2015

Ein schöner Film gefällig? Bitteschön! Der Dokumentarfilm des New Yorker Filmemachers Vikram Gandhi, der sich als indischer Guru ausgibt, Anhänger findet – und denen nachher die Wahrheit beichten muss ist seit einiger Zeit auf Youtube zu finden:

Ein wirklich schöner Film, auf den man nicht oft genug hinweisen kann …

Danke für den Hinweis auf Facebook!





Was ist der Uwe-Hilbig-Preis?

12 02 2015

Googlen hilft werden jetzt viele sagen, und das habe ich auch gemacht, aber es kommt immer nur das gleiche Ergebnis. Warum ich überhaupt danach suche? Nun ja, ich hatte vor einiger Zeit die Wahnwitzprognosen aus dem Nostradamus-Kalender 2015 gelesen und in diesem Büchlein gibt es neben dem vergessenswürdigen Inhalt eben auch einiges an Werbung, und in einer Werbung fand sich dann der folgende Satz:

2 mal den Uwe-Hilbig-Preis als bester Hellseher erhalten

Ein Preis für den besten Hellseher? Das ist natürlich spannend! Bevor ich die Suchmaschine nach dem Uwe-Hilbig-Preis absuchte versuchte ich es mit dem Namen alleine – und fand

  • einen Professor für Ingenieurwissenschaften,
  • ein Reifenservice,
  • eine KFZ-Werkstatt,

und noch eine Person (dazu gleich mehr). Die bereits genannten Personen dürften mit einem Hellseher-Preis eher weniger zu tun haben, aber Moment, was findet Google eigentlich wenn man nach dem Preis selbst sucht? Nun, dafür gibt es genau drei Suchergebnisse, und das sind ebenfalls Werbeanzeigen aus der einschlägigen Esoterikpresse. Das sieht dann z.B. so aus:

hilbi01… oder so: hilbi02
Damit sieht das sehr verdächtig nach einer schamlosen Werbeaussage des Paares aus Hamburg aus, denn dass dieser Preis so gar keine weiteren Spuren im Internet hinterlassen haben sollte ist doch sehr unwahrscheinlich. Es scheint so zu sein, dass der Herr sich diesen wohl gar nicht vorhandenen Preis aus Werbezwecken ans Revert heftet um so in einem Geschäft Seriosität vorzugaukeln, in dem es einfach nicht seriös zugehen kann. Denn zu dem letzten gefundenen Uwe Hilbig passt die Tätigkeit des Schwurbelpaares wie die Faust aufs Auge: der Mann ist professioneller Märchenerzähler, aber im Gegensatz zu den selbst ernannten Hellsehern wohl wirklich seriös …

Damit meine Leser sich auch mit einem Preis brüsten können verleihe ich ihnen hiermit den Helga-und-Fritze-Bademann-Gedächtnis-Preis für was auch immer sie sich einen Preis wünschen (… und wenn’s nur der letzte Pups ist) Im Gegensatz zum Uwe-Hilbig-Preis ist dieser echt und ehrlich verdient, und mit Link auf diesen Artikel darf er gerne auf dem eigenen Blog oder wo auch immer verwendet werden.





MMS-Messe kein XING-Event mehr

11 02 2015

Das ging ja schnell! Vor wenigen Tagen hat XING mir einige Events vorgeschlagen, darunter auch den usäglichen „Spirit of Health“ Kongress 2015 in Kassel. Man konnte sich über die XING-Events sogar anmelden – meine Rückfrage per Mail mit Hinweis auf den Inhalt dieser Veranstaltung wurde postwendend beantwortet, und jetzt liefert eine Suche nach diesem Event Event bei XING nicht mehr das (… sogar mit Anmeldeseite):

soh06sondern das:

soh04Dass der Kongress wirklich abgesagt sein soll glaube ich ja nicht, aber vielleicht sollten sich die Veranstalter in Kassel ein Beispiel an den XING-Leuten nehmen …





Murmeltiere, der Super Bowl und Berliner Sportprognosen

4 02 2015

Beim Sammeln von Prognosen stolpert man bisweilen über das ein oder andere skurrile Highlight oder erinnert sich an alte Filme – oder beides. Ja, am Montag war der 2. Februar – genau jener Tag den Bill Murray alias Phil Connors im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ immer und immer wieder durchleben musste – und natürlich hat Mulmeltier Phil aus Punxsutawney auch dieses Mal wieder das Wetter für die nächtsten 6 Wochen vorausgesagt (es bleibt kalt). Ihm widersprach übrigens Artgenosse Willie aus dem kanadischen Örtchen Wiarton, der ebenso seit vielen Jahren sein Prognoseglück versucht. Keine Lust an einer Wetterprognose scheint das Murmeltier aus einer Stadt in Wisconsin gehabt zu haben: es biss den Bürgermeister ins Ohr.

Weiter südlich, genauer gesagt in Phoenix, Arizona fand am Sonntag der Super Bowl, das Finale der American Football Profis, statt. Die Huffington Post hatte vorab 25 Wahrsager und Hellseher gefragt, ob sie nicht den Sieger vorhersehen könnten – und immerhin 16 hatten auf den richtigen Sieger getippt. OK, das richtige Ergebnis war nicht darunter und einer der Auguren tippte zwar den richtigen Sieger, hatte sich aber beim Namen des Gegners ziemlich vertan. Und klar, das Ganze war für die natürlich nur ein Spaß, aber hätte einer oder eine aus der Hellsehertruppe tatsächlich ganz zufällig das richtige Ergebnis vorhergesagt, dann wäre dies bestimmt wieder werbetechnisch ausgeschlachtet worden. So bleibt nur die Bitte eines Teilnehmers, der im Falle seines Prognoseversagens seinen Namen gaaaaanz klein gedruckt sehen wollte, so höchstens Schriftgrad 3 Pt (das ist ca. 1 mm).

In Berlin durfte bereits letzte Woche der Handleser Nestrovo über die Zukunft einiger Berliner Sportvereine schwurbeln. Dass dabei nicht allzu viel herauskam wundert nicht, denn Nestrovo ist einschlägig vorbelastet. Ende 2009 versprach er den Hauptstadtkickern von der Hertha den Klassenerhalt – den diese dann prompt als Tabellenletzter deutlich verfehlten. Ob es für die Fußballer ein gutes Omen ist wenn er wieder den Nichtabstieg voraussagt? Das liest sich dann so …

Am Ende schafft es Hertha, aber für den Trainer bleibt es ein Drahtseilakt.

… und mit Mirko Slomka nennt er sogar einen möglichen neuen Trainer (der sich dann bis 2018 halten können soll). Den Eishockey-Eisbären sagt er eine gute Saison voraus, allerdings nicht den Meistertitel – der soll dann 2016 folgen (das merke ich mir natürlich). Während Nestrovo für die „Eisernen“ von Union Berlin aus den Karten nur belangloses Blabla lesen kann, ist es für die Basketballer von Alba Berlin etwas anders:

Albas Herrschaft ist, wenn sie sich im Verein nicht ganz dumm anstellen, auf zwei Jahre hin unschlagbar.

OK, Alba ist zur zeit klarer Tabellenführer, und international?

Weil das Team gefestigt ist, wird es auch international achtbar abschneiden.

Das ist allerdings keine Prognose, denn die Mannschaft hat bereits die Zwischenrunde der Europaliga erreicht und dort auch schon 2 Spiele gewonnen – das achtbare Abschneiden ist also bereits erfüllt. Aber wie das mit der zweijährigen Herrschaft zu verstehen ist, das weiß ich natürlich nicht – eigentlich müssten das doch zwei Meistertitel sein, oder? Für die Berliner Handballer kann der Mann offensichtlich gar nichts aus den Karten lesen – ist wohl auch besser so.  Bei den amtierenden deutschen Herren-Volleyballmeister, den Berlin Recycling Volleys (irgendwie finde ich den Namen lustig), sagt Nestrovo dieses Mal keine erneute Meisterfeier voraus sondern tippt auf den Konkurrenten Friedrichshafen. Aber nächstes Jahr soll es wieder so weit sein. Das wäre dann ja – mit den Eisbären und Alba – schon der dritte Berliner Meistertitel für 2016! Aber warten wirs lieber ab, wetten würde ich auf keine der drei Titelgewinne.

(Nestrovo ist Nummer 14 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)





Der Hessische Esoterikrundfunk: Schon wieder Werbung für einen Scharlatan

4 01 2015

Erst vor wenigen Tagen war sich die Sendung „hallo hessen“ im Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks nicht zu schade einem offensichtlichen Scharlatan ausführliche Werbezeit zu gewähren und eine Sendung in schlechtestem Astro-TV-Niveau auszustrahlen, gestern hat dann der Radiosender hr1 nachgezogen und den ganzen Tag über Werbung für einen Astrologen gemacht. Kritische Stimmen waren natürlich auch dieses Mal nicht vorhanden, statdessen durfte der Astrologe Alexander Graf von Schlieffen den ganzen Tag lang mit lächerlich belanglosen Texten Werbung für seine nicht ganz so billigen Dienstleistungen an die Hörerschaft bringen. Bei einem privaten Sender wäre das wenig überraschend, aber ein öffentlich-rechtlicher Sender mit definiertem Bildungsauftrag sollte da doch ein wenig wählerischer sein. Wikipedia beschreibt das mit dem Bildungsuftrag wie folgt:

Zu den Bildungsaufgaben zählt neben der Wissens– und Kulturvermittlung auch das Verständnis für soziale, kulturelle und geschichtliche Zusammenhänge, die religiöse und politische Bildung.

Das Verständnis für soziale und kulturelle Zusammenhänge in Bezug auf die Astrologie scheint beim Hessischen Rundfunk jedoch nur auf dem Betrachten von Astro-TV zu beruhen, denn warum sonst sollte man sonst auch noch solche vollkommen inhaltsleeren Texte auf den eigenen Webseiten veröffentlichen wie diesen:

Worauf sollten Sie achten?
Es kann passieren, dass manche Dinge, mit denen Sie sich seit langer Zeit beschäftigen, ein bisschen an Reiz verlieren. Daher ist es an der Zeit, sich von bestimmten Themen – auch im Beruf – zu verabschieden. Gleichzeitig ist es ein Jahr, das emotional sehr aufregend werden kann. Diese Erregung steht auch für eine Art Neuanfang im Privat- und Familienleben.

Ein einziges Blablabla, ohne jeden Inhalt, und der Rest ist auch nicht besser. Gut war das wirklich nur für den Astrologen, der durch diese Aktion ganz kostenlos Werbung für seine gar nicht kostenlose Dienste bekommen hat. Seine Preisliste sieht übrigens so aus:

Die Kosten für eine Stunde am Telefon sind 150€.

Die Kosten für eine halbe Stunde am Telefon sind 70€.

Die Kosten für eine Stunde vor Ort sind 200€.

Kann man bei diesem Astrologen eigentlich seine gezahlten Rundfunkgebühren bei der Rechung anrechnen lassen?





Astro TV? Nein, Hessischer Rundfunk! (mit Update)

31 12 2014

Wer am 30.12.2014 beim Zappen über die Sendung „hallo Hessen“ im hessischen Fernsehen gestolpert ist (sie ist noch ein paar Tage in der Mediathek verfügbar), dürfte ein wenig überrascht gewesen sein. Was dort zu sehen war würde man eher bei einem Sender wie Astro-TV erwarten: Eine völlig unkritische Selbstdarstellung eines selbsternannten Handlesers, Pendlers und Wahrsagers, dem der Hessische Rundfunk auf Kosten der Gebührenzahler eine über 40-minütige Werbeveranstaltung ermöglichte. Kritische Rückfragen? Fehlanzeige! Und die Reaktion auf kritische Stimmen auf Facebook spricht auch Bände:

hr301214Das „Augenzwinkern“ war nirgends zu sehen, stattdessen Werbung pur mit einem  vermeintlich „sensationellen“ Prognosetreffer (siehe Update unten) des Wahrsagers – für einen öffentlich-rechtlichen Sender mit Bildungsauftrag war das ein absolutes Armutszeugnis, und beim HR  nicht das erste Mal.

Beibt die Frage ob der HR diesem Menschen auch noch eine Gage gezahlt hat? Ich befürchte ja, dass die das getan haben – und damit die Gebührenzahler auf deren eigene Kosten veralbert. Wieviele auf diesen lächerlichen Unsinn hereingefallen sind möchte ich gar nicht wissen – für den Wahrsager ist es auf jeden Fall ein lukratives Geschäft: 20 Euro nimmt der für eine „Kurzberatung“, 100 Euro für eine Stunde Gelaber – und natürlich wirbt er im Internet gerne mit diesen Auftritten. Dass der Mann nicht mehr als schwammiges Gelaber drauf hat konnte man in der Sendung übrigens sehr gut überprüfen …

Zum sensationellen Prognosetreffer:

Der Handleser/Pendler-Schwurbifex hatte einer Teilnehmerin an der Vorjahressendung (einer Frankfurter Konditorin) kommenden Kindersegen prognostiziert, und tatsächlich, im August wurde der Dame ein Kindlein geboren. Komisch ist dabei natürlich, dass die Frau zum Zeitpunkt der Sendung so etwa in der 8. Schwangerschaftswoche gewesen sein muss (wenn es denn keine Frühgeburt war) und ihr die Schwangerschaft schon „irgendwie“ hätte auffallen müssen („ihre Tage“ dürfte sie ja schon 2 mal nicht gehabt haben). So ist die Darstellung des hr nicht nur eine lächerliche Esoterikwerbung, mit dem nach dem Duktus der Sendung quasi selbst recherchierten Trefferbeispiel wird der Fernsehzuschauer schlicht und einfach betrogen!

 





Das Reiseportal hotel.de will Paare trennen? Ohne mich!

9 12 2014

Liebe Leute von hotel.de,

danke, danke, danke! Das habt Ihr ja eine tolle Idee gehabt! Mit Eurer Entscheidung, in Zukunft euren Kunden Reisetipps nach deren jeweiligen Sternzeichen anzubieten zwingt ihr mich quasi dazu den Link auf eure Webseite in meinen sämtlichen Browsern zu löschen und in Zukunft bei meinen häufigen Dienstreisen auf  andere Hotelbuchungsportale zu setzen. Eine „wichtige Sondermeldung“ aus dem Presseportal der Gastronomie und Hotellerie ist Schuld daran, dass ich in Zukunft auf eure Dienste verzichten werde und mich freue dass ihr dann keine  Provisionen von meinen Hotelaufenthalten kassiert. In der Pressemeldung steht nach einigem Blabla der folgende Satz:

Auch heutzutage, im Zeitalter der Technologie und Wissenschaft, vertraut ein großer Teil der Deutschen diesen Angaben. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2012 halten 5,4 % der Befragten „viel“ und 33,4 % zumindest „etwas“ von Astrologie und Horoskopen.

Dieser verweist auf eine Studie, die leider nicht ohne teuren Premiumzugang (49 Euro pro Monat) bei statista.de verfügbar ist, deren Ergebnis mir aber nicht unplausibel scheint. Und das ist für Euch der Grund vollkommen den Verstand zu verlieren und in Zukunft Eure Reisetipps mit Astrologie anzureichern? Wegen der 5,4%???? Offenbar schon, wie man weiter lesen kann:

Dieses Ergebnis veranlasste die hotel.de-Redaktion, bei der Auswahl von Reisetipps für das nächste Jahr einen etwas ungewöhnlichen Weg einzuschlagen. Unterstützt wird sie dabei von namhaften Astrologen, die eine Lösung für eine der ältesten Fragen der Astrologie entwickelt haben: An welchen Orten fühlt sich welches Sternzeichen am wohlsten? Die astrologischen Landkarten und Stadtpläne sind so genau, dass sich damit der individuelle Wohlfühlfaktor einer Person zu einer exakten Adresse, einem Haus oder Grundstück berechnen lässt. Gemeinsam mit dem Astrologen erstellte hotel.de nun ein Reisehoroskop für das Jahr 2015 und zeigt, welche Destinationen für welches Sternzeichen besonders geeignet sind.

Ein Reisehoroskop? Echt jetzt? Und dafür habt ihr „namhafte Astrologen“ (wen denn? würde mich echt interessieren!) gewinnen können? Und glaubt ihr echt, dass die Astrologen genaue Landkarten haben? Von der Astrologie werden die übrigens nicht genau, und vermeintlich genaues Geschwafel bleibt immer noch Geschwafel, denn dass man mittels der Sterndeutung einen „individuellen Wohnfühlfaktor“ ermitteln kann wäre mir neu. Und was ist eigentlich wenn bei reisenden Paaren die „individuellen Wohlfühlfaktoren“ nicht zusammen passen? Sollen die dann getrennt wohnen und reisen? Immerhin würde das zwei Mal Provision für euch bedeuten, und wenn ihr dann noch so vollkommen passende Beispiele nennt …

Energie tanken Skorpione in München, Waagen in London, Fische in Amsterdam

… fragt man sich schon, was denn Paare mit unterschiedlichen Sternzeiche dann machen sollen. OK, manches Paar mit Skorpion/Waage, Waage/Fische oder Skorpion/Fische wird euch möglicherweise sogar dankbar sein, ich jedoch nicht! Mich ärgert im Nachhinein jeder Cent Provision den ihr von mir für meine vielen Buchungen (insbesondere München, obwohl ich doch gar kein Skorpion bin) kassiert habt. Zum Glück gibt es noch andere Hotelportale …





Prognosen 2015: Das Jahr wird irgendwie! (… und meine Lokalzeitung macht Esoterikwerbung)

8 12 2014

Das Ende des aktuellen Jahres naht, und schon kriechen die ersten Auguren aus ihren Löchern und beglücken uns mit ihren Prognosen für 2015. Manche dieser vermeintlichen Zukunftskenner werden aber auch von irgendwelchen Zeitungsschreiberlingen aus ihren Löchern gezerrt – und wenn so etwas sogar bei meiner Lokalzeitung passiert, dann finde ich das wenig erheiternd. Es ist schon ein paar Tage her, da konnte man in der Mainzer Allgemeinen Zeitung einen Artikel mit dem Titel

Mainz: 75-Jährige Gonsenheimerin Herlert-Schaaf sagt mit Lenormand-Karten die Zukunft voraus

lesen. Und das tut die Frau gegen Ende des Artikels auch tatsächlich indem sie für das Jahr 2015 folgende „Weisheiten“ zum besten gibt:

Für 2015 sieht sie große Neuerungen, die Glück bringen werden. Und auch für die neue Regierung erkennt sie „Ansehen und Anerkennung“. Die „Schranken“ und Hindernisse würden sich lösen. Und: „Die Dinge tragen bald Früchte und entwickeln sich.“

Äh, ja – und das soll eine ihrer Prognosen sein? Um welche „neue Regierung“ geht es hier eigentlich ? Welche „Schranken und Hindernisse“ werden sich lösen? Und welche „Dinge tragen bald Früchte„?

Der Autor dieser Persiflage auf einen journalistischen Artikel scheint sich mit diesem inhaltsleeren Geplapper zufrieden zu geben und resumiert tatsächlich mit dem Satz: „Na, das will man doch hören!“ Nein, Herr Braun, das will man nicht! Und außerdem finde ich es schon peinlich wenn in der von mir abonnierten Zeitung schamlose Werbung für eine mehr als zweifelhafte Dienstleitung als redaktioneller Artikel ausgegeben wird. Kritische Rückfragen scheint der Autor nicht zu kennen, stattdessen zitiert er lieber die hanebüchenen Behauptungen der Seniorin zum Mischen der Karten:

„Dabei wird das Unterbewusstsein angezapft. Und das Unterbewusstsein kennt Ihr Leben.“

Nein, beim Mischen wird nichts angezapft sondern es werden nur die Karten gemischt. Hätte der Mann übrigens gleich ausprobieren können, indem er nochmal die Karten mischt … … aber nein, stattdessen wird die Werbeveranstaltung weiter getrieben. Dass ausgerechnet die Kartenlegerin darauf hinweist, dass es auch Scharlatane gibt macht den Artikel nicht besser. Immerhin wird deutlich warum die Frau solch zweifelhafte Angebote macht:

Anfangs deutete Herlert-Schaaf nur ihren Freunden die Zukunft. Doch die finanzielle Not machte daraus einen Nebenverdienst. [..] „Ich hatte kein Geld mehr. Ohne das Wahrsagen hätte ich mein Haus verkaufen müssen“, erzählt die gelernte Stenografin.

Aha, es ging und geht also ums Geld! Und das nimmt sie auch heute noch reichlich: 75 Euro kostet ein Termin bei ihr – dabei sagt sie doch auch:

„Man darf keinen Reichtum daraus schlagen“, sagt sie. „Sonst verliert man die Begabung.“

Rückfrage oder Kommentar des Journalistendarstellers der für den Artikel verantwortlich zeichnet dazu? Fehlanzeige!  Dabei könnte man doch sofort auf die Idee kommen, dass sie ihre Fähigkeit längst verloren hat, zumindest wenn man ihre lächerliche Prognose zu meiner Heimatstadt liest:

Auch die politischen Entwicklungen in Mainz kann sie voraussagen. Der Stadt Mainz soll es demnach zukünftig gut ergehen.

Wow! Das wird bestimmt so kommen! Doch, ganz bestimmt, denn sie sagt es doch selbst:

„Meine Prognosen stimmen zu 80 bis 90 Prozent“

Belege bitte!

(Das war die Nummer 1 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)