Das Reiseportal hotel.de will Paare trennen? Ohne mich!

9 12 2014

Liebe Leute von hotel.de,

danke, danke, danke! Das habt Ihr ja eine tolle Idee gehabt! Mit Eurer Entscheidung, in Zukunft euren Kunden Reisetipps nach deren jeweiligen Sternzeichen anzubieten zwingt ihr mich quasi dazu den Link auf eure Webseite in meinen sämtlichen Browsern zu löschen und in Zukunft bei meinen häufigen Dienstreisen auf  andere Hotelbuchungsportale zu setzen. Eine „wichtige Sondermeldung“ aus dem Presseportal der Gastronomie und Hotellerie ist Schuld daran, dass ich in Zukunft auf eure Dienste verzichten werde und mich freue dass ihr dann keine  Provisionen von meinen Hotelaufenthalten kassiert. In der Pressemeldung steht nach einigem Blabla der folgende Satz:

Auch heutzutage, im Zeitalter der Technologie und Wissenschaft, vertraut ein großer Teil der Deutschen diesen Angaben. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2012 halten 5,4 % der Befragten „viel“ und 33,4 % zumindest „etwas“ von Astrologie und Horoskopen.

Dieser verweist auf eine Studie, die leider nicht ohne teuren Premiumzugang (49 Euro pro Monat) bei statista.de verfügbar ist, deren Ergebnis mir aber nicht unplausibel scheint. Und das ist für Euch der Grund vollkommen den Verstand zu verlieren und in Zukunft Eure Reisetipps mit Astrologie anzureichern? Wegen der 5,4%???? Offenbar schon, wie man weiter lesen kann:

Dieses Ergebnis veranlasste die hotel.de-Redaktion, bei der Auswahl von Reisetipps für das nächste Jahr einen etwas ungewöhnlichen Weg einzuschlagen. Unterstützt wird sie dabei von namhaften Astrologen, die eine Lösung für eine der ältesten Fragen der Astrologie entwickelt haben: An welchen Orten fühlt sich welches Sternzeichen am wohlsten? Die astrologischen Landkarten und Stadtpläne sind so genau, dass sich damit der individuelle Wohlfühlfaktor einer Person zu einer exakten Adresse, einem Haus oder Grundstück berechnen lässt. Gemeinsam mit dem Astrologen erstellte hotel.de nun ein Reisehoroskop für das Jahr 2015 und zeigt, welche Destinationen für welches Sternzeichen besonders geeignet sind.

Ein Reisehoroskop? Echt jetzt? Und dafür habt ihr „namhafte Astrologen“ (wen denn? würde mich echt interessieren!) gewinnen können? Und glaubt ihr echt, dass die Astrologen genaue Landkarten haben? Von der Astrologie werden die übrigens nicht genau, und vermeintlich genaues Geschwafel bleibt immer noch Geschwafel, denn dass man mittels der Sterndeutung einen „individuellen Wohnfühlfaktor“ ermitteln kann wäre mir neu. Und was ist eigentlich wenn bei reisenden Paaren die „individuellen Wohlfühlfaktoren“ nicht zusammen passen? Sollen die dann getrennt wohnen und reisen? Immerhin würde das zwei Mal Provision für euch bedeuten, und wenn ihr dann noch so vollkommen passende Beispiele nennt …

Energie tanken Skorpione in München, Waagen in London, Fische in Amsterdam

… fragt man sich schon, was denn Paare mit unterschiedlichen Sternzeiche dann machen sollen. OK, manches Paar mit Skorpion/Waage, Waage/Fische oder Skorpion/Fische wird euch möglicherweise sogar dankbar sein, ich jedoch nicht! Mich ärgert im Nachhinein jeder Cent Provision den ihr von mir für meine vielen Buchungen (insbesondere München, obwohl ich doch gar kein Skorpion bin) kassiert habt. Zum Glück gibt es noch andere Hotelportale …





Prognosen 2015: Das Jahr wird irgendwie! (… und meine Lokalzeitung macht Esoterikwerbung)

8 12 2014

Das Ende des aktuellen Jahres naht, und schon kriechen die ersten Auguren aus ihren Löchern und beglücken uns mit ihren Prognosen für 2015. Manche dieser vermeintlichen Zukunftskenner werden aber auch von irgendwelchen Zeitungsschreiberlingen aus ihren Löchern gezerrt – und wenn so etwas sogar bei meiner Lokalzeitung passiert, dann finde ich das wenig erheiternd. Es ist schon ein paar Tage her, da konnte man in der Mainzer Allgemeinen Zeitung einen Artikel mit dem Titel

Mainz: 75-Jährige Gonsenheimerin Herlert-Schaaf sagt mit Lenormand-Karten die Zukunft voraus

lesen. Und das tut die Frau gegen Ende des Artikels auch tatsächlich indem sie für das Jahr 2015 folgende „Weisheiten“ zum besten gibt:

Für 2015 sieht sie große Neuerungen, die Glück bringen werden. Und auch für die neue Regierung erkennt sie „Ansehen und Anerkennung“. Die „Schranken“ und Hindernisse würden sich lösen. Und: „Die Dinge tragen bald Früchte und entwickeln sich.“

Äh, ja – und das soll eine ihrer Prognosen sein? Um welche „neue Regierung“ geht es hier eigentlich ? Welche „Schranken und Hindernisse“ werden sich lösen? Und welche „Dinge tragen bald Früchte„?

Der Autor dieser Persiflage auf einen journalistischen Artikel scheint sich mit diesem inhaltsleeren Geplapper zufrieden zu geben und resumiert tatsächlich mit dem Satz: „Na, das will man doch hören!“ Nein, Herr Braun, das will man nicht! Und außerdem finde ich es schon peinlich wenn in der von mir abonnierten Zeitung schamlose Werbung für eine mehr als zweifelhafte Dienstleitung als redaktioneller Artikel ausgegeben wird. Kritische Rückfragen scheint der Autor nicht zu kennen, stattdessen zitiert er lieber die hanebüchenen Behauptungen der Seniorin zum Mischen der Karten:

„Dabei wird das Unterbewusstsein angezapft. Und das Unterbewusstsein kennt Ihr Leben.“

Nein, beim Mischen wird nichts angezapft sondern es werden nur die Karten gemischt. Hätte der Mann übrigens gleich ausprobieren können, indem er nochmal die Karten mischt … … aber nein, stattdessen wird die Werbeveranstaltung weiter getrieben. Dass ausgerechnet die Kartenlegerin darauf hinweist, dass es auch Scharlatane gibt macht den Artikel nicht besser. Immerhin wird deutlich warum die Frau solch zweifelhafte Angebote macht:

Anfangs deutete Herlert-Schaaf nur ihren Freunden die Zukunft. Doch die finanzielle Not machte daraus einen Nebenverdienst. [..] „Ich hatte kein Geld mehr. Ohne das Wahrsagen hätte ich mein Haus verkaufen müssen“, erzählt die gelernte Stenografin.

Aha, es ging und geht also ums Geld! Und das nimmt sie auch heute noch reichlich: 75 Euro kostet ein Termin bei ihr – dabei sagt sie doch auch:

„Man darf keinen Reichtum daraus schlagen“, sagt sie. „Sonst verliert man die Begabung.“

Rückfrage oder Kommentar des Journalistendarstellers der für den Artikel verantwortlich zeichnet dazu? Fehlanzeige!  Dabei könnte man doch sofort auf die Idee kommen, dass sie ihre Fähigkeit längst verloren hat, zumindest wenn man ihre lächerliche Prognose zu meiner Heimatstadt liest:

Auch die politischen Entwicklungen in Mainz kann sie voraussagen. Der Stadt Mainz soll es demnach zukünftig gut ergehen.

Wow! Das wird bestimmt so kommen! Doch, ganz bestimmt, denn sie sagt es doch selbst:

„Meine Prognosen stimmen zu 80 bis 90 Prozent“

Belege bitte!

(Das war die Nummer 1 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)





Zuschauerverdummung, leicht entschärft: WDR ändert Homöopathietipps – aber nur ein wenig!

17 06 2014

Vor einer Woche hatte der WDR in seiner Nachmittagssendung daheim & unterwegs eine Heilpraktikerin zu Gast, die den Fernsehzuschauern eine homöopathische Reiseapotheke empfahl. Auf einer Webseite wurden die Tipps nochmals zusammengefasst, und was man damals dort lesen konnte war wirklich gemeingefährlich. Ich hatte hier darauf hingewiesen, und Elke vom RatgeberNewsBlog hatte im Kommentar noch auf einen anderen, völlig unsinnigen „Tipp“ verwiesen:

Cantharis bei Verbrennungen und Sonnenbränden zweiten Grades (wenn Blasen und Brennen auftreten).

Nun hat die Redaktion ihre Webseite ein wenig verändert und zumindest einige wirklich absurde Behauptungen der Heilpraktikerin entschärft. Dies betrifft schon gleich den ersten Abschnitt zum Mittel Arnica:

Stand dort in der letzten Woche noch folgendes:

Das bekannteste homöopathische Mittel. Es hilft schnell bei Verletzungen aller Art wie Prellungen, Quetschungen, Bluterguss, Schürf- und Bisswunden, aber auch bei Muskelkater. Blutungen hören schneller auf, Wunden verheilen besser, blaue Flecke verschwinden eher oder entstehen gar nicht erst. Bei schlechtem Heilungsverlauf empfiehlt unsere Heilpraktikerin eine Calendula-Tinktur.

So ist jetzt der mittlere Satz (oben fett markiert) mit wirklich hanebüchenen Behauptungen verschwunden. Immerhin möchte man sagen, aber irgendwelche Belege dafür, dass dieses homöopathische Mittel überhaupt bei den erwähnten „Verletzungen aller Art“ hilft dürfte die Heilpraktikerin nicht liefern können, dieser Teil der Zuschauerverdummung bleibt einfach stehen.

Auch die Beschreibung des Mittels Apis (Bienengift) hat die Redaktion ein wenig verändert und den Hinweis auf die Anwendung des Mittels „auch bei allergischer Reaktion“ entfernt. Hier hatte Elke in ihrem Kommentar zurecht moniert, dass für sie als Allergikerin die Gabe von Apis D6 (bei der Internetapotheke remedia.at ist auch D2 zu finden!) bei irgend einem anderen Stich höchstgefährlich wäre. Vielleicht hatte die Heilpraktikerin auch deswegen vorsorglich Homöopathika in der „Potenzierung“ C30 „empfohlen“ (zumindest hat sie keine andere Version genannt) …

Die Beschreibung von Belladonna hat die Redaktion um eine ganze Reihe von haltlosen bis gefährlichen Behauptungen der Heilpraktikerin gekürzt. So sah es noch letzte Woche aus:

Bei Sonnenstich, klopfenden Kopfschmerzen und Hitzschlag ist Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin. Er hilft auch bei beginnenden brennenden Halsschmerzen und bellendem Husten. Ebenso findet er Anwendung bei schnell steigendem Fieber und Fieberkrämpfen.

Jetzt steht dort nur noch folgendes:

Bei Sonnenstich, klopfenden Kopfschmerzen und Hitzschlag soll Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin sein.

Man beachte, dass aus einem „ist Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin“ jetzt plötzlich ein „soll Belladonna das Urlaubs- und Sommermittel schlechthin sein“ geworden ist.

In der Beschreibung der Mittel Cantharis und Urticaria hat die Redaktion nur den folgenden Satz stehen lassen:

Die homöopathischen Notfallmittel gegen Verbrennungen und Sonnenbrand.

Die weitere Beschreibung, aus der ich oben schon kurz zitiert habe, ist verschwunden (hier natürlich noch nachzulesen!), und das ist auch gut so. Dass diese homöopathischen Mittel in einem echten Notfall tatsächlich angebracht sind möchte ich jedoch bezweifeln, besser wäre es wohl gewesen, diese Mittel nur bei einem homöopathisch verdünnten „Notfall“ zu empfehlen. Ansonsten fragt man sich schon, warum die Redaktion eines öffentlich-rechtlichen Senders bei Gesundheitsfragen nicht einfach einen kompetenten Arzt – hier etwa einen Hautarzt – fragt, bevor sie ihren Zuschauern Unsinn präsentiert.

Nach den üblichen Tipps zur Einnahme und Lagerung von Homöopathika (z.B. „Alkohol, Kaffee, Zahnpasta, ätherische Öle, Kaugummi sowie manche Kräuter und Kräutertees beeinträchtigen die Wirkung der Globuli„) kommt am Ende ein Satz, der nicht wirklich überraschen kann:

Bitte beachten Sie: Die Heilpflanzenkunde ersetzt bei Beschwerden nicht den Besuch eines Arztes oder Heilpraktikers.

Ein Satz, der wohl als Feigenblatt dienen soll, falls sich vielleicht doch ‚mal jemand auf diese „Tipps“ beruft und dann zu Schaden kommt – aber bei dem es gar nicht um die oben immer noch empfohlenen Mittelchen geht, denn Homöopathie ist eben keine „Heilpflanzenkunde„, und sie war es auch nie! Ob die eingeladene Heilpraktikerin, die sich gerne als eine Art natürliche Kräuterfee geriert und im Mai in der gleichen Sendung über die „Heilkraft der Erdbeere“ erzählen durfte (Quelle: ihre Facebookseite), diesen Unterschied kennt weiß ich natürlich nicht. Gesundheitstipps von medizinischen Laien – und das sind Heilpraktiker überwiegend – ohne Rücksprache mit einem echten Mediziner an seine Zuschauer herauszugeben ist auf jeden Fall ein Armutszeugnis für eine Redaktion – ganz besonders bei einem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender der ja immer noch so etwas wie einen Bildunsauftrag haben sollte.





Kleiner Bettelpost

11 05 2013

Es gibt Dienste im Web, die müsste man sofort erfinden, wenn es sie nicht schon gäbe. Nein, ich meine nicht facebook oder Twitter, ich meine einen der genialsten kleinen Dienste, den das Web zu bieten hat:

WebCite®

Das Problem ist Folgendes: Egal ob für einen Blog oder für eine wissenschaftliche Arbeit, das Zitieren von Internetquellen ist nicht ganz trivial. Während man bei dem Zitieren von Texten aus Büchern durch die Angabe des Buches und der Seite, von der das Zitat stammt, auf der sicheren Seite ist hat man bei Quellen aus dem Internet das Problem, dass diese sich jeder Zeit ändern können.  Was tun? Die Webseite ausdrucken, einen Screenshot ziehen oder einfach auf der Festplatte speichern? Alles nicht so optimal! Und genau hier hilft WebCite® ein.

WebCite® sichert Webseiten im aktuellen Zustand, und liefert dafür eine spezielle WebCite®-URL (die außerdem noch Datum und Uhrzeit der Speicherung erfasst).  Damit ist es viel leichter und effektiver Quellen aus irgend welchen Webseiten zu benutzen (ok, es gibt Webseiten, bei denen das mit WebCite® nicht funktioniert – diese sind aber eher selten). Ein wunderbarer Dienst, der nicht einmal etwas kostet. Allerdings st dieser Dienst jetzt gefährdet, denn die Betreiber melden auf ihrere Webseite folgendes:

WebCite will stop accepting new submissions end of 2013, unless we reach our fundraising goals to modernize and expand this service.

OK, das Projekt braucht Geld, und ich habe auch schon brav meinen Obulus geleistet, damit dieser Dienst weiter bestehen kann. Ich fände es schön, wenn noch mehr Leute dieses Projekt mit einer kleinen Spende unterstützen würden. Nähere Informationen gibt es übrigens bei FundRazr.

Also Leute, gebt reichlich für einen guten Zweck, auch wenn diese Spende nicht von der Steuer abgesetzt werden kann.





Walulis kuckt Astro TV

30 09 2012

Nur kurz ein paar Minuten aus „Walulis sieht fern„. Bei seinem Blick auf den TV-Wahnsinn hat Walulis auch bei Astro-TV Station gemacht und einfach mal ein Beispiel des Herrn Kreibich überprüft:

Klar, die Abzocke mit solchem Kram ist eine absolute Sauerei. Eigentlich unvorstellbar, dass jemand ernsthaft glaubt, dieser Clown würde tatsächlich diese Steine aus Bermuda holen. Und er hat ja noch mehr auf Lager, zum Beispiel das:

Solche Dinge gibt es dann noch in mehreren Farben, und immer beträgt der Preis satte 90 Euro (fast). Dabei muss man dar nicht bei dem Herrn K. bestellen, wenn man sich solches Zeugs anschaffen will:

Sieht doch genau so aus, oder? Ist auch genau so groß:

Kostet aber wesentlich weniger:

Ich hoffe ja, dass Herr Kreibich wirklich bei diesem ebay-Anbieter seine Steine bestellt hat, denn dann war der Umsatz bisher nicht allzu hoch:





Frau M. kennt einen Anwalt …

14 03 2012

… und der hat ihr – wenn man der mir zugesandten Mail glauben möchte – verraten, dass sie hier im Blog erwähnt wurde. Ihrer Meinung nach würde mein Beitrag gegen §824 BGB bzw. §1004 BGB verstoßen, außerdem hätte ich durch das Zitieren einiger Passagen ihrer Homepage (ohne vorher nachzufragen) das Urheberrecht verletzt …

Um welchen Beitrag es sich dabei handelt hat sie allerdings nicht geschrieben – ob’s der war, den ich vor 1081 Tagen online gestellt hatte?

Aber wenn die Frau schon einen Anwalt kennt, dann sollte sie sich von diesem ‚mal §275 BGB (insbesondere Abs. 1) erklären lassen. Darunter dürften nämlich ihre vielfältigen Angebote fallen. Außerdem sollte der Rechtsanwalt die Dame auch auf dieses Gesetz hinweisen, insbesondere auf §3 und §6, Abs. 2.





Hochprozentige Trefferquote: Whiskey, Werbung und die Zukunft

26 02 2010

Auf der Webseite von der Computerzeitschrift PC-Welt gibt es aktuell einen sehr schönen Artikel über eine ganz spezielle Art der Zukunftsprognose. Unter dem Motto „Für Männer, die über das Morgen hinausplanen“ warb die Whiskeymarke „Seagram“ in den 40-er Jahren mit einer ganzen Reihe von  Spekulationen über zukünftige Technologien, die man – aus heutiger Sicht – als weitgehend zutreffend bezeichnen kann. OK, das gilt glücklicherweise nicht für alle Utopien der damals offensichtlich sehr technikgläubigen Werbefritzen, denn ob man wirklich die Wüsten mittels Atomkraftwerken in blühende Landschaften verwandeln sollte, darüber könnte man trefflich streiten. Andere der vorausgesagten technischen Neuerungen sind heute längst im Alltag angekommen – entweder genau so wie es die schönen alten Bilder zeigen oder doch zumindest in verblüffend ähnlicher Form:

  • 3D-Kinofilme gab es in der Realität erst 9 Jahre später (… das Highlight des 53/54-er 3D-Kinohypes dürfte der herrliche Horrorklassiker „Der Schrecken vom Amazonas sein“ – vor einigen Jahren hab‘ ich den mal in 3D in einem Kino gesehen und war wirklich begeistert, auch wenn die damalige Technik natürlich nicht mit heutigen 3D-Werken a la Avatar vergleichbar ist)
  • das Radiotelefon sieht zwar nicht aus wie ein heutiges Handy, aber es soll wohl so funktionieren (und das die Mikros eines Headsets heute sehr viel kleiner sind konnte man sich damals wohl schelcht vorstellen).
  • im Bild zur Kommunikation der Zukunft sieht das Mobiltelefon schon ziemlich genau so aus wie ein Handy der ersten Generation aus den 90er Jahren, und auch die anderen Ideen waren alles andere als abwegig auch wenn die technische Realisierung einen etwas anderen Weg genommen hat.

Unter den weiteren, vorausgesagten Innovationen befinden sich die von den heutigen Flughäfen bekannten Laufbänder, Bildtelefonie, Flachbildschirme in Kneipen und das wunderscöne Zukunftsbüro, bei dem ledigklich das Design der Geräte nicht dem heutigen Geschmack zu entsprechen scheint. Insgesamt wirklich sehr schöne „Prognosen“ mit einer „Trefferquote“, die Hellseher, Wahrsager und Astrologen vor Neid erblassen lassen müsste, denn deren Trefferquote scheint im Vergleich dazu lächerlich gering.





Bundesagentur zahlt für Astrologieausbildung???

18 09 2009

Noch nicht könnte man erleichtert aufatmen. Aber wenn schon die Österreicher solche Ausbildungen Scharlateneriekurse fördern, dann probieren einschlägige Anbieter natürlich auch hierzulande irgendwie an die öffentlichen Fördertöpfe zu gelangen.  In einer Meldung auf Astrologie.de spricht Helen Fritsch schon mal vorab ganz gezielt Arbeitslose an und wirbt für ihre Ausbildung zum Astrologen/ zur Astrologin mit folgender Überschrift:

Arbeitslos und an einer Astrologie-Ausbildung interessiert, die 100%-ig durch die Bildungsagentur für Arbeit finanziert wird?

Weiter heißt es in der Meldung:

Unsere Ausbildung ist staatlich zugelassen und voraussichtlich ab 1. Oktober 2009 nach AZWV- zertifizert. Das bedeutet für Arbeitslose, dass eine 100%-ige Finanzierung der Ausbildung über Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit möglich ist!

OK, das heißt also, dass diese Ausbildung noch nicht AZWV-zertifiziert ist, die Ausbildungsträger jedoch bis Anfang nächsten Monats mit einer Zertifizierung rechnen. Tatsächlich findet man in der Systematik auf KURSNET, dem Portal für berufliche Weiterbildung, unter C771-14-c5 (das sind die  Fortbildungen zu Astrologie, Graphologie und parawissenschaftliche Therapien) 14 Kursangebote,  die allerdings derzeit noch nicht über Bildungsgutscheine finanziert werden können (man kann bei KURSNET nach Kursen filtern, für die Bildungsgutscheine eingesetzt werden können).

Hoffentlich bleibt das auch so, es ist ja schon schlimm genug, dass in KURSNET seitenweise esoterische Nonsensfortbildungen aufgelistet werden. Sollten Astrologie-Ausbildungen tatsächlich über Bildungsgutscheine – und damit von der Allgemeinheit –  finanziert werden können, dann spricht nichts dagegen, dass auch für den Besuch der folgenden (Online-)Kurse Bildungsgutscheine eingesetzt werden können:

  • Aufzucht und Haltung von Dinosauriern“ (im Bereich Tierzucht, -pflege, -haltung), immerhin gibt es dazu ein wunderbares Lehrbuch (das man vor einigen Jahren als Spektrum-Abonnent in einer pdf-Version herunterladen durfte)
  • Ausbildung zum „Gästeführer(in) Atlantis“ (im Bereich Reiseleitung, Fremdenführung), analog der sicherlich hervorragenden Ausbildung „Gästeführer(in) Eifel“ – mit dem kleinen Unterschied, dass das Reiseziel nicht so genau festglegt ist. Die Lokalisierungshypothesen erfordern ja Reisen in eine ganze Reihe touristisch interessanter Gegenden (die dann natürlich auch über die Bildungsgutscheine bezahlt werden sollten) …
  • „Tastaturbedienung per Telekinese“ – ein Kurs zur Optimierung der Computer-Skills: Kaum gedacht bewegen sich die Tasten automatisch, und das unabhängig davon ob nur Texte abgetippt oder komplexe Programme geschrieben werden sollen (für den Bereich EDV-/IT-Grundlagen)

Weitere Kursvorschläge nehme ich gerne entgegen – die Gründung eines Ausbildungsinstituts dürfte ja nicht allzu schwer sein. Und die Zertifizierung wird mit dem Verweis auf die Astrologie dann ganz bestimmt auch klappen.

Ich muss mur mir nur noch Gedanken um die Kosten machen – immerhin schlägt die Anerkennung laut Bundesgesetzblatt (siehe letzte Seite) locker mit 10.000 Euro zu Buche. Ich glaube ich mach’s wie Frau Fritsch: Bei etwas über 2000 Euro pro Kurs (das verlangt sie nämlich) brauche ich nur 6 Ausbildungswillige um aus dem Minus zu kommen …





Der Paungger-Poppe-Zahlenwahn: Primitivnumerologie

14 08 2009

16 Jahre nach dem Mondschwurbel-Megaseller „Vom richtigen Zeitpunkt“ (… und vieler folgender „Mondwerke“ voller unsinniger,  unbelegter und teilweise gefährlicher Behauptungen – mondgläubige Menschen aus meinem Umfeld wollten z.B. wichtige Operationen verschieben weil der Mondkalender irgendwelche Gefahren herbeifantasiert hatte) wagt sich das Bestsellerautorenpaar Johanna Paungger-Poppe und Thomas Poppe an ein neues Thema: In ihrem neuesten Machwerk behauptet Frau Paungger-Poppe sich an weiteres Geheimwissen von Tiroler Bergbauern erinnern zu können. Spielte das Mondgefasel der Autoren immerhin noch zumindest teilweise mit den bekannten (falschen!) Mondmythen, so behauptet sie jetzt sich an etwas ganz anderes erinnern zu können:

Mit diesem Buch möchte ich Sie mit einem ganz besonderen Kapitel des Lebens auf unserem Tiroler Bergbauernhof bekannt machen: mit dem alten Wissen, welch weit reichenden und einschneidenden Einfluss die Zahlen des Geburtsdatums haben.

Ob sie diesen Satz tatsächlich glaubt weiß ich nicht – in jedem Fall verkauft sich vermeintlich altes Wissen unter Esoterikern immer gut – man muss sich nur auf irgend eine Gruppe von Leuten berufen denen man entweder selten im Großstadtalltag begegnet oder die ganz weit weg wohnen. Frau Paungger-Poppe hat sich für ersteren Weg entschieden und da hilft es natürlich, dass sie tatsächlich aus Tirol stammt. Über ihre abstruse Numerologievariante namens „Tiroler Zahlenrad“ schreibt sie:

Für das Leben mit dem Zahlenrad gab es bei uns keine Lehrbücher, es gab keine „einführenden Gespräche“ in der Familie. Wir wussten, wie sicher seine Anwendung funktioniert, wir wussten aber nicht, warum sie funktioniert. Wir lebten damit, erfuhren fast täglich seinen Sinn und Wert, und damit ließen wir es bewenden. Wir nahmen es so selbstverständlich hin wie den Lauf der Jahreszeiten, wie den Donner nach einem Blitz. Das Zahlenrad war uns in Fleisch und Blut übergegangen, es nicht anzuwenden wäre uns verrückt, seltsam, unsinnig vorgekommen. Den Rest des Beitrags lesen »





Joghurtstudien

10 08 2009

Im März hatte die Verbraucherorganisation foodwatch den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge an den Marktführer im Geschäft mit probiotischen Joghurts verliehen. Dass da intensiv mit wissenschaftlichen Studien geworben wird ist nichts Neues, seit einiger Zeit darf sich in einem Werbespot sogar ein junger Mensch als Teilnehmer einer Studie outen und strahlend verkünden, dass er die Joghurtplörre (sorry, das Zeugs schmeckt mir einfach nicht!) inzwischen freiwillig jeden Tag aus den kleinen Fläschlein nuckelt. Aber warum blenden die bloß immer zusätzlich noch etwas klein Gedrucktes ein? Dort liest man dann irgendetwas von „im Rahmen einer gesunden Lebensführung“ und ich frage mich dann immer, warum ein Mensch mit einer gesunden Lebensführung überhaupt noch irgendwelche zusätzlichen „Hilfsmittel“ brauchen soll …

Inzwischen ist in „Service Gesundheit“ auf wdr5 ein kurzer Bericht zum Thema Studien zu probiotischen Joghurts (zum Nachhören hier) erschienen, und die wissenschaftlichen Ergebnisse scheinen – im Sinne der probiotischen Joghurts wohlwollend ausgedrückt – zumindest zweifelhaft.

Ob die Qualität der Studien, auf die sich der Hersteller beruft, wirklich so schlecht ist, wie das der Wissenschaftler im Bericht erwähnt lässt sich übrigens für einen Laien wie mich nicht direkt nachprüfen: Actimel hat lediglich die Abstracts verschiedener Studien verlinkt,  und dort kann man – wennn man sich von unten nach oben hangelt – zunächst mal lesen, dass bei Ratten, Ratten und Mäusen irgendwelche Effekte zu beobachten sein sollen. Schaut man in die Abstracts der  als „Beweis“ angegebenen klinischen Studien, so werden die Fragezeichen nicht kleiner. In einer doppelblinden und placebo-kontrollierten Studie wurden 135 Senioren (Durchschnittsalter 74) untersucht, die mit Antibiotika behandelt wurden. Dass in der Probiotikgruppe nur 7 von 57, in der Placebo-Gruppe jedoch 19 von 56 Testteilnehmern an Durchfall erkrankten (und damit ein signifikantes Ergebnis erzeugten) ist durchaus interesant, aber mich würde auch interessieren, was mit den restlichen 22 Personen aus dem Test passierte und ob bzw. warum diese Studie die Werbeaussagen rechtfertigen kann wenn ich keine Antibiotika nehme. In einer anderen Studie, in der es ebenfalls um Durchfall ging, steht sogar im Abstract, dass sich ein Unterschied lediglich bei der „stool consistency“ ergab – was diese „Ausscheidungskonsistenz“ mit den Werbeaussagen (gestärkte Abwehrkräfte!) zu tun haben soll erschließt sich mir nicht. Nach einer weiteren Studie kommen etwa die Hälfte der mit dem Joghurt eingenommen Lactobacillus casei DN-114 001 im Darm an, mehr als ein Viertel verlässt diesen jedoch auch wieder. Bei 2 anderern Studien war die Anzahl der Probanden recht gering (12 gesunde Personen bzw. sieben Freiwillige), so dass man die vollmundigen Versprechungen wohl kaum damit begründen kann. Zumindest kann ich mir das nicht vorstellen, aber vielleicht kann das jemand vom Fach erklären, der nicht unbedingt auf der Lohnliste der Joghurtproduzenten steht.

Aber was soll’s, das Ganze ist Werbung! Und wer diesen Aussagen blind vertraut, der hat eh nix kapiert. Gleich zu Beginn des wdr5-Beitrags weisen die Autoren übrigens darauf hin, dass schon vor hundert Jahren Joghurt mit Bildern von „steinalten bulgarische Bauern“ beworben wurde – heute muss eben die Wissenschaft herhalten und man nutzt – durchaus geschickt – aus, dass die meisten Konsumenten über Wissenschaft ebenso viel wissen wie damals über bulgarische Landwirte.