… und wieder keine SoFi-Katastrophe

22 07 2009

Heute morgen gab es eine Sonnenfinsternis in Asien und wie vor knapp 11 Jahren in Europa haben die üblichen Katastrophenpropheten mit ihren Voraussagen mal wieder nicht Recht gehabt. Waren es 1999 bei uns eine ganze Reihe von Nostradamusdeutern sowie die bekannte schweizer Sternverdeuterin Elisabth Teissier, die im Zuge der damaligen Sonenfinsternis gar schröckliche Katastrophen befürchteten so waren es hier ziemlich konkrete Voraussagen von Erdbeben und möglicherweise drohenden Tsunamis, über die Florian in seinem Blog Astrodictuicum Simplex berichtete. Die Prognose war dabei sogar überaus genau …

6+ Magnitude Quake on 22 July 2009 at 3:00 pm Local Japanese time. This will be follower by two level 5+ Earthquakes and a Tsunami between 5:00 pm and 7:00 pm. The tsunami will start out in the pacific ocean (to the South East of Japan … Along the fault line) and hit all the islands to the south west of Japan, Indonesia and even reach New Zealand. The major quakes will actually be along the fault lines inthe Ocean.

… und stützte sich übrigens nicht auf irgend einen alten oder neuen Propheten, sondern die Autoren beriefen sich auf Simulationen der Wirkungen der Gravitationskräfte auf tektonische Platten. Was die Autoren hier simuliert haben wollen ist jetzt egal, denn die Realität war es offensichtlich nicht. Viel spannender und schöner sind die ebenfalls bei Florian zu findenden Bilder der Sonnenfinsternis

Dass die Sonnenfinsternis auch hierzulande die esoterische Beraterbranche inspirieren soll zeigen die heutigen Pressemeldungen des Beraterportals viversum. Die auf Businessportal24.com und PresseEcho.de veröffentlichten Werbetexte sollten ja eigentlich gleich sein, doch scheinen den für die Veröffentlichung zuständigen Mitarbeitern nicht bekannt zu sein, wie man Links in eine Pressemeldung setzt. So liest sich das Ganze jetzt bei Businessportal24 eigenartiger Weise so …

Einer der führenden Anbieter für Astrologie viversum, Horoskope viversum und Esoterik viversum ist viversum.“

… während bei PresseEcho wenigstens noch die – sicher beabsichtigten – Links zu erkennen sind …

Einer der führenden Anbieter für Astrologie http://www.viversum.de/astrologie.php, Horoskope http://www.viversum.de/horoskop.php und Esoterik http://www.viversum.de/esoterik.php ist viversum.

… die jedoch nicht funktionieren. Die Beschreibung der Sonnenfinsternis ist auch ein wenig seltsam geraten – oder erinnert sich irgendjemand an einen aus der Sonne herausbrechenden Mond im August 1999?

Das besondere an einer Sonnenfinsternis ist, wie am helllichten Tag das Sonnenlicht seine Kraft verliert und die Farben langsam verblassen, bis hin zu dem Moment, wo aus der leuchtenden Sonnen heraus der Mond hervorbricht.

Immerhin stimmt das Ende irgendwie:

Der faszinierende Anblick der zart leuchtenden Sonnenkorona ist überwältigend.

Was das mit dem folgenden Werbeblabla über Astrologie zu tun haben soll, das ist den Autoren der viversum-Meldung wohl ebenso schleierhaft wie das Setzen von Links in Texten …





Astrologen auf Tour: Der Lehmann-Clan (mit kleinem Update)

15 06 2009

Der Name Lehmann wird seit dem Spätsommer 2008 in der Öffentlichkeit meist mit der Pleite einer Investmentbank und deren Folgen für die Anleger in Verbindung gebracht. Der Name steht aber auch für eine andere Art monetärer Verluste: Die Mitglieder des Lehmann-Clans – selbst ernannte (Diplom-)Parapsychologen, Astrologen und Handleser – ziehen auf ihren „Tourneen“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz regelmäßig leichtgläubigen Kunden dreistellige Eurobeträge für ein Stündchen Palaver aus der Tasche – und manchmal sogar mehr. Und das nicht erst seit gestern, denn bereits 1993 erwähnt der Focus-Artikel „Blendkraft der Sterne“ den Lehmann-Clan:

Den „Vulgär“-Astrologen sind auch die „Tournee“-Astrologen zuzuordnen, die von Stadt zu Stadt pilgern und – angekündigt von der Lokalpresse – ihre Deutersessions abhalten. Besonders aktive Mitglieder des fahrenden Astro-Volkes: Madame Indira (bürgerlich Lehmann) aus Kötzting, Bayerischer Wald, Patricia Bahrani (bürgerlich Lehmann), Tochter von Madame Indira, Rei Souli (bürgerlich Lehmann), Sohn von Madame Indira, sowie Madame Fatima (bürgerlich Eichel) aus München.

Die Masche mit der Lokalpresse

Bei ihren Reisen durch die Lande verschicken die reisenden Sternenschwafler in der Regel etwas Werbematerial an die Lokalpresse des zukünftigen Auftrittsorts und laden zu einem Pressetermin. Dort gibt es ein wenig nettes Blabla und gerne wird auch Gutes über die Zukunft des aktuellen Ortes verbreitet: Irgendetwas Positives mit Kultur soll in naher Zukunft geschehen und neue Arbeitsplätze durch Ansiedlung eines neuen Unternehmens soll es geben – dazu noch ein wenig heiteres Prognoseraten (Vertreter des Lehmann-Clans gehören zu den häufigsten Quellen des jährlichen Prognoserückblicks der GWUP) und in der Lokalpresse wird das Ganze dann mit den Werbematerialien vermischt dem Publikum dargeboten. Wenn’s optimal läuft, wird am Ende des Artikels noch eine Handynummer für die Terminvereinbarung angegeben … … perfekte Werbung ohne Kosten! Einige Beispiele finden sich auf meiner vor vielen Jahren erstellten Fanseite eines Clanmitgleids …

Da nicht jede Lokalzeitung diese Spielchen mit macht, gibt man noch die ein oder andere Kleinanzeige auf und schon kann man den Astrologiegläubigen das Geld aus der Tasche ziehen.

Die Mitglieder des Lehmann-Clans

Bereits 1993 erwähnt wurde Ludmilla Lehmann oder auch Madame Indira. Sie wird allerdings keine Tournee mehr unternehmen, denn sie starb – nachzulesen auf dieser Webseite – Anfang Dezember 2008. Laut Frankfurter Lokalteil der FAZ vom 13.6.2002 verlangte sie 180 Euro für ein Gespräch. Wer sich einen typischen  Barnumtext von ihr anhören möchte, dem sei dieser Link zu einem Gespräch mit SWR1 empfohlen (dass ein öffentlich rechtlicher Radiosender einer Astrologin so viel Platz einräumt, das wäre ein anderes Thema …) und auch hier schaffte sie es die Lehmann-übliche Standardwerbung als „Deutschlands bekannteste Wahrsagerin“ unterzubringen.

Lange Jahre war Patricia Bahrani alias Patricia Schwennold geborene Lehmann das aktivste Familienmitglied. Seit den Neunzigern war sie – siehe meine „Fanseite“ – immer wieder im Lande unterwegs, sagte allen möglichen Unsinn voraus und wurde in der Regel mit folgendem Lebenslauf angekündigt:

Die Vorhersagerin wurde vor 34 Jahren als Tochter eines Inders und einer Österreicherin geboren, ging mit 15 Lenzen mit ihrem Vater, einem Architekten, für drei Jahre nach Indien, lebte ein Jahr lang in einem Internat in einem Buddhistenkloster, wurde in fernöstliche Lebensphilosophie eingewiesen. (zu Patricia Schwennold, Neue Ruhr Zeitung, Moers, 14.5.2002)

Ihr Bekanntheitsgrad aus den Prognoserückschauen der GWUP führte übrigens dazu, dass sie in so manchem Pressegespräch unangenehme Fragen zu ihren Fehlprognosen beantworten musste, die sie mit Ausreden wie „ihre Daten seien nicht genau gewesen“ oder „die Presse hätte sie falsch ausgelegt“ konterte. Aus privaten Anrufen und Mails weiß ich außerdem, dass die Frau auch schon mal einer Kundin den binnen weniger Monate nahenden Tod vorhersagte (natürlich war’s falsch, aber die an Astrologie glaubende Frau hatte totale Panik!). Inzwischen gibt sie sich mehr als Parapsychologin aus und hält Vorträge zum Thema Reinkarnation. Seit kurzer Zeit hat sie auch wieder eine Homepage (auf der allerdings ein uralter Text zu finden ist – ich vermute aus 2002 oder 2003) und sogar ein XING-Profil. Dort nennt sie sich als Freiberuflerin „General Manager“ und „Therapeut“ und gibt das Ayurveda-Center Schloß Aistersheim in Österreich an (… das aber keine weiteren Spuren im Web hinterlassen hat … … das Schloß natürlich schon, aber Ayurveda?). Außerdem bietet sie Seminare an – so konnten Interessierte Anfang Mai im österreichischen Linz ein solches für „Menschen mit spirituellem Hintergrund“ besuchen – was da für 496 Euro pro Nase geboten wurde weiß ich nicht, aber die Beschreibung klingt eindrucksvoll:

Ich werde Ihnen auf realer und wissenschaftlicher Basis erklären, welche Kräfte, Mythen und Phänomene zwischen Himmel und Erde aktiv sind. Auch was Ihr Beitrag und Ihr Platz in diesem Ganzen Unglaublichen ist.“

Wissenschaftliche Basis? Lächerlich!

Mit dem fast gleichen Lebenslauf ist bis heute Rei Souli alias Roman LehmannSohn einer Österreicherin und eines Inders“ (Tiroler Tageszeitung, 16.3.2004) unterwegs.  Er erzählt gerne, dass er ungefähr 800 Jahre alt sei, schmückt sich mit nicht nachprüfbaren Prognosetreffern und schien im Frühjahr 2009 durch die  Schweiz zu reisen, wie man im RatgeberNews-Blog oder in der örtlichen Lokalpresse (Kreuzlingen) nachlesen kann. Dort verlangte er übrigens 230 Fränkli pro Stunde. Auch er hat in den Prognoserückblicken der GWUP seine Spuren hinterlassen …

Anton Lehmann alias Shandro Ramagani ist eher im Internet aktiv. Früher war er auch unterwegs, wie ein Artikel aus Berlin (in dem er mit seiner mutmaßlichen Schwester Patricia verglichen wurde) zeigt, aber scheinbar war das Betreiben von Webseiten lukrativer. Seine „Shandro Ramagani Gesellschaft für Esoterik und Parapsychologie mbH“ sitzt inzwischen in Unterschleißheim bei München, die  Werbeagentur Anton Lehmann, die für seine Webseite verantwortlich ist, zeigt noch immer eine Adresse aus Duisburg. Er betrieb bis Ende 2008 das esoterische Internetportal Okulus Videns, für das er für 1 Million Euro (kein Scherz!) kürzlich einen Käufer suchte. Auch war er Webmaster der Seite von Patricia Bahrani/Schwennold/Lehmann und es verwundert nicht, dass die „Testperson“, mit der er für seine Wahrsageseminare unter dem Titel „Remote Vewing“ warb ausgerechnet Patricia Schwennold hieß …

UPDATE: Anton Lehmann ist inzwischen übrigens als Questico-Berater aktiv … … und seine „Fans“ berichten dort über ihn! (Nachtrag 19.7.: Der Link zur Diskussion über ihn beim „Gofeminin“-Forum funktioniert leider nicht mehr – dort hatten sich einige ehemalige Berater von Okulus Videns über seine Zahlungsmoral geäußert …)

Völlig aus dem Internet verschwunden ist die Seite von Albert Lehmann. Sie wird zwar bisweilen noch auf obskuren Esoterikseiten aufgelistet, aber ein Klick auf den Link zum weltbekannten Wahrsager führt ins Leere. Er betrieb ein „Wahrsagerlädchen“ in Bruchsal bei Karlsruhe und die Seite verschwand just zur selben Zeit, als ein Wahrsager in einem spektakulären Prozess wegen Betrugs zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde … … Zufall?

Verhältnismäßig neu in der Szene scheint ein Mann zu sein, der sich Francesco Schwennold nennt (sein richtiger Vorname ist wohl „Marcel“ wie eine seiner Kundinnen nach einem Gespräch mit ihm berichtete). Den Sprung in die Lokalpresse hat er offensichtlich noch nicht geschafft, aber er bietet seine Dienste als reisender Astrologe und Handleser per Kleinanzeigen wie dieser aus dem Kölner Stadtanzeiger vom4./5.4.2009 an:

Astrologe und Parapsychologe Francesco S. kommt nach Köln!

Francesco Schwennold der seine Jugend in Indien verbrachte und dort die Astrologie, Parapsychologie und Chirologie erlernte, kommt jetzt nach Köln. Mit seinen Prognosen verblüffte er Medien, Politiker und auch Privatpersonen. Der Starastrologe, der in Indien in die Geheimnisse der Fernöstlichen eingewiesen wurde, lernte dort die drei verschiedenen Arten (indische, chinesische und klassische Astrologie) praktizieren und kombinieren. Jeder der eine persönliche Beratung möchte, hat vom 01.04.2009 bis 07.04.2009 die Gelegenheit dazu in Punkto Liebe, Beruf, Gesundheit, Familie und Anlagen einen persönlichen Rat zu bekommen. Preis pro Beratung 100 Euro.

Weitere Informationen und Terminvereinbarung unter Tel. XXXX-XXXXXXX

Also wieder mal genau der gleiche Lebenslauf, die gleichen Behauptungen – alles wie gehabt! Eine weitere Kundin berichtete, dass er zusätzlich zu der Beratungsgebühr noch „Energiearbeit“ für mehrere Hundert Euro (samt Ratenzahlungsvertrag) anbot, um „negative Energien“ beim (abtrünnigen) Lebenspartner der Kundin zu beseitigen. Die übliche Abzockmasche also – man findet irgendetwas Negatives und verspricht gegen Entgeld die Beseitigung des „entdeckten“ Übels. Immerhin scheint Schwennold dieses Spielchen nicht ganz so extrem zu betreiben wie andere, aber auch ein paar hundert Euro sind bares Geld, für das bestimmt bessere Verwendungsmöglichkeiten denkbar sind als es dem Familienvermögen des Lehmann-Clans zuzufügen.

PS: Über die Zusendung eingescannter Artikel oder Kleinanzeigen von den bzw. über die oben erwähnten Mitglieder des Lehmann-Clans würde ich mich freuen …





Werbung für „Heilsteine“ unzulässig

3 04 2009

Ein interessantes Urteil hat das Landgericht Hamburg gefällt: Werbung für „Heilsteine“ ist selbst dann unzulässig, wenn der Anbieter darauf hinweist, dass es für die in die Steine hineinphantasierten Wirkungen keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt. Ein wirklich schönes Urteil, das die Frage offen lässt, ob sich die vielfältigen Webangebote zu Heilsteinen nun ändern werden.

Ob Seiten wie diese oder  jene von dem Urteil betroffen sind könnte ebenfalls eine spannende Frage sein. Dort wird zwar nicht direkt etwas verkauft, sondern es werden nur mit den üblichen Eso-buzzwords garnierte Pseudoerklärungen geliefert, aber im Urteil des Gerichts steht auch folgender Satz:

Der Unterlassungsanspruch gegen die Klägerin umfasste aber nicht nur das Verbot, Steinen krank¬heitsheilende Wirkung beizulegen, sondern auch das Verbot, die Steine im konkreten Zusammenhang als „Heilsteine“ zu bezeichnen. Denn nach Ansicht des Gerichts stellt die Bezeichnung „Heilsteine“ im Kontext mit der Werbung für die angeblich krankheitslindernde Wirkung von Steinen eine unzulässige Werbeangabe i.S.d UWG und HWG dar.

Zum Thema „Einfluß der Steine auf den Menschen“ gab es auf der Skeptikertagung 2002 einen schönen Vortrag des Geologen Klaus Olschewski – den Bericht darüber möchte ich den Lesern nicht vorenthalten:

Der anschließende Vortrag des Geologen Klaus Olschewski beschäftigte sich mit der Frage „Welchen Einfluss haben Steine, Minerale und Edelsteine auf den Menschen?“ Zunächst gab Olschewski einen Überblick über die verschiedenen Gesteinsarten und erläuterte, wie die einzelnen Steine auf den Menschen wirken. Wohl jedem bekannt ist das in Höhlen auftretende Radon. Dies kann in Dosen, wie sie unterirdisch auftreten, schädlich sein, wird aber im Kurbetrieb therapeutisch immer noch eingesetzt. Bekannt sind auch durch Gesteine verursachte Krankheiten wie Silikose und Asbestose. Neben der schädlichen Wirkung sind durchaus auch positive Auswirkungen bekannt. So gibt es einen Deo-Stein (aus Alaun), der das Schwitzen unterbindet und als Blutstillstift adstringierend wirkt. Oder das „Höllenstein“ genannte Silbernitrat, welches zur Behandlung von Warzen eingesetzt werden kann, da es katalytisch auf Sauerstoff wirkt und die Warzenviren schädigt.

Der Referent ging dann über zur Gemmologie, der Edelsteinkunde. Zu den Edelsteinen zählen u. a. Bernstein, Perlen, Korallen und Elfenbein – bei Preisen von 20 Euro pro Gramm (4000 Euro pro Karat) sei hier eine eindeutige Wirkung auf die Psyche der Frauen festzustellen – eine Bemerkung, die ihren erheiternden Effekt nicht verfehlte. Olschewski widmete sich dann aber den in Mode gekommenen Heilsteinen. Ein guter Heilstein müsse auf jeden Fall bunt und attraktiv sein. Von Esoterikern werden fast alle attraktiven Minerale gegen jede Art von Beschwerden eingesetzt. In der Szene sind zurzeit „Donuts“ in Mode, ringförmig geschliffene, flache Anhänger, die an Lederschnüren getragen werden. Dem Tigerauge etwa schreibt man positiven Einfluss auf Lunge, Augen und Darm zu, es soll helfen bei hormoneller Überfunktion, Knochenkrankheit, Asthma usw. usw. Kein Steinchen, dem nicht eine Vielzahl von Heilwirkungen zugeschrieben werde – und Achat helfe sowieso gegen alles!

Daneben gibt es noch die Heilstein-Alchemie. Hier wird etwa die Asche von angeblich heilenden Steinen, z. B. von Diamant (!), aufgegossen mit Regenwasser, als Elixier verabreicht. Damit solle die „Information“ des Heilsteines weitergegeben werden. Oder es werden „Tees“ zubereitet, wobei z. B. der grüne Malachit gegen den Grünen Star eingesetzt wird. Die Steine werden auch getragen, wobei sie mit schädlicher Energie aufgeladen werden, sodass man sie danach wieder entladen muss, um sie schließlich wieder mit positiver Energie aufladen zu können. Mondstein etwa legt man zu diesem Zweck bei Vollmond ans Fenster. Die Palette der Anwendungsmöglichkeiten ist schier unendlich…

Entbehren solche Behauptungen jeder Grundlage, sollte man mögliche schädliche Wirkungen von Steinen ernster nehmen. So werden etwa so genannte Handschmeichler aus Zinnober vertrieben. Zinnober ist Quecksilbersulfid, das schon durch schwache Säuren wie etwa im Handschweiß gelöst wird, wodurch Quecksilber über die Haut aufgenommen werden kann. Das Mineral Rotnickelkies, das von Esoterikern gegen Anämie empfohlen wird, verwittert schon an der Erdoberfläche. Dabei entstehen u. a. Arsenate und Nickeloxide, die zum einen giftig und karzinogen sind und zum anderen hochallergen wirken können. Als Schmuckanhänger sollten auch radioaktive Zirkone nur dann eingesetzt werden, wenn man, so Olschewski, „von der Trägerin als Universalerbe eingesetzt wurde“. In den meisten Heilsteinbüchern fehle jedoch der Hinweis auf die Gefahren durch Mineralien.





Astrologe verschenkt echtes Geld!

30 03 2009

Der Astrologe Gerald Peraeus hatte mich schon Ende Februar mit seinem Wall-E-Horoskop verblüfft, jetzt überrascht er mich total. Da ich seinen Newsletter von einer netten Bekannten regelmäßig weitergeleitet bekomme weiß ich zum Beispiel, dass der Herr Magister (Österreicher mögen ja jede Art von Titeln) Anfang Mai auf der Münchner Esoterikmesse zu „bewundern“ sein wird. Aus diesem  Grund bietet er seinen Newsletter-Empfängern an, dass er deren Eintrittspreis cash zurückzahlt:

Als besonderes Dankeschön fürs treue Mitlesen refundiere ich den Eintrittspreis, der in bar zur Abholung bereit liegt (STAND-NUMMER 125!!)

OK, der Besuch einer Esoterikmesse ist nicht unbedingt ein Geschenk und außerdem ist die Erstattung des Esomessentickets an eine kleine Bedingung gebunden:

Voraussetzung dafür ist lediglich die Anmeldung zu einem Gratisgespräch mit mir unter Bekanntgabe meines Expertencodes 437737 auf folgendem Link:
https://www.questico.de/k3/join.do
und das Führen eines wenigstens 5-minütigen Gesprächs über die Questico-Line bis spätestens 29.04.2009. Das Gespräch kostet tatsächlich keinen Cent (auch die Telefonkosten übernimmt Questico), ist aber wirklich sehr wertvoll! Damit ich Ihr Gespräch auch dieser Aktion zuordnen kann, nennen Sie bitte bei der Abholung Ihren Usernamen, den Sie bei Questico frei wählen können.

Ach so, der Mann wirbt also für Questico und erhält wahrscheinlich eine „Vermittlungsprovision“, wenn sich jemand dort mit Angabe des Peraeusschen Expertencodes anmeldet. Und ohne den Eintrittspreis für die Münchner Esoterikmesse zu kennen würde ich vermuten, dass die Anwerbeprämie bei mehr als 5 Euro liegt. Denn genau das verspricht er all denen zu überweisen, die nicht nach München kommen können – sich aber trotzdem bis dahin mit seiner Zahlenkombination bei Questico anmelden:

Manche meiner Leser nehmen diesen Dienst bereits in Anspruch, manche können nicht auf die Messe kommen – liebe XXXXXXX, auch da gibt es ein Dankeschön von mir:  5 Euro auf Ihr Konto*, wenn Sie mir bis 29.04.2009 in wenigstens 10 Minuten erzählen, was Sie bewegt! Damit ich Ihr Gespräch auch dieser Aktion zuordnen kann, mailen Sie bitte Ihren Usernamen, den Sie bei Questico frei wählen können, sowie Ihre Bankdaten*, die Gutschrift erfolgt umgehend nach der Messe, also in Kalenderwoche 19.

Ein wenig blöd ist natürlich, dass man vor dem Abkassieren 10 Minuten mit ihm reden muss, während für den Esomesseneintritt 5 Minuten Zeitverschwendung genügen …





Palmblätter aus Mönchengladbach (mit aktuellem Update)

29 03 2009

Vor einiger Zeit hatte ich über die kopierten Terrorprognosen aus den Palmblättern des Herrn Ritter geschrieben, heute muss ich – nach dem Lesen des taz-Artikels „Der übersinnliche DAX“ und dem Folgen des Links zu den Anbietern von Esoterikmessen – mich doch noch einmal zum Thema Palmblätter äußern. Denn auch wenn es Herrn Ritter, der ja Reisen zu den Palmblattbibliotheken in Indien feil bietet, nicht unbedingt gefallen dürfte, es gibt auch so etwas wie eine deutsche Palmblattbibliothek: bei Hildegard Matheika in Mönchengladbach. Auf ihren Namen kam ich durch das Verzeichnis der „Esoterikexperten“ auf der Webseite der Esoterikmesse-Veranstalter, denn dort firmiert sie als einzige Palmblattexpertin. Und ihre (Selbst-)Beschreibung klingt schon toll:


8000 Jahre? Nun ja, die anderen Palmblattjünger übertreiben da weniger und nennen 5000 Jahre, aber auch das stimmt ja nicht so ganz, denn sie schreibt  ja selbst, wie diese Blätter in ihren Besitz gelangten:

Für Frau Matheika sind also Palmblätter aus dem 16. und 17. Jahrhundert 8000 Jahre alt … … und selbstverständlich erklärt sie nicht, warum die Vergangenheit und Zukunft ihrer Kunden gerade in diesen Blättern stehen soll. Wahrscheinlich hat sie dafür keine Zeit, denn Frau Matheika ist nämlich 200 Tage im Jahr unterwegs und bietet ihre Arbeit an [der im Folgenden zitierte Text ist im Internet nicht mehr verfügbar, listet aber nur einen Teil der Angebote dieser Frau von ihrer Webseite auf]

„zum Teil Kartenlegen, Lesen aus der Palmblattbibliothek, Kontakt zum Jenseits, biete Pilgerreisen an nach Lourdes, dann Deeksha-Reisen nach Bali – einfach um den Menschen zu helfen …“

Boah! Diese Frau kann ja fast alles! Und auf ihrer Webseite kommt noch viel mehr (Die Screenshots der im Internet veröffentlichten Webseite von Frau Matheika habe ich am 23.3.2012 erneut erstellt. Außerdem wurden die Seiten aus Dokumentationsgründen bei WebCite archiviert) – zum Beispiel ist sie auch Meisterin der weißen Magie und kann alles Böse entfernen:

Das kennt man ja! Wenn’s schief läuft im Leben haben andere Schuld – und Matheika kann natürlich helfen:

Matheika, die Expertin für die Abwehr alles Bösen!

Wissenschaftlich erforscht? Aha! Und wie war das Ergebnis? Hat sie den Randi-Preis gewonnen? Natürlich nicht, aber wenn – wie in den Zeiten der Finanzkrise ja durchaus üblich – die Gier nach Geld als „negativ“ zu bewerten ist, dann kann Matheika sicher helfen … … denn ihre Hände haben die Kraft zu nehmen – bevorzugt Bares aus dem Portemonaie der Kunden!

Klar,  Matheika opfert sich und nimmt das negativ beladene Geld an sich. Verlogene, zynische Abzocke ist das – aber die Kunden auf den Esoterikmessen sind das ja gewohnt und haben es wohl nicht besser verdient. Wer bei der hanebüchenen Verbindung von Lourdes, weißer Magie und Palmblattbibliotheken nicht irgendwie stutzig wird, dem ist wohl nicht mehr zu helfen – hätte Matheika noch gechannelte Botschaften des Osterhasen in ihrem Repertoire, es würde kaum auffallen.

(Die Screenshots der im Internet veröffentlichten Webseite von Frau Matheika habe ich am 23.3.2012 erneut erstellt. Außerdem wurden die Seiten aus Dokumentationsgründen bei WebCite archiviert und können bei Bedarf jederzeit wieder abgerufen werden.)





Satire vs. Esoterik 0:1

20 03 2009

Qualitätsbloggerin Buchstaeblich hat ihre hübsche Beschreibung der Herstellung einer CD  zur Ohral-Homöopathie unter Satire eingeordnet und da gehört sie auch hin. Ihre Tonverdünnung ist aber noch gar nichts  gegen den realen Wahnsinn esoterischer Produkt- und Voodooangebote. Eine CD mit in „reiner Stille“ Verdünntem kann man nämlich schon seit Jahren in England bestellen – zum Beispiel bei Energetic Medicine Research oder World Development Systems.

Die Beschreibung ist Realsatire pur und beginnt zum Beispiel so:

The Silent Healing CD is 74 minutes of powerful silence – just pop it into your CD player and press Play, sit back, and FEEL the difference.

Nach einigem Gefasel von „advanced technology“ und „energy system“ wird auch erklärt, warum die CD so wirksam ist:

The CD contains over 34,000 different homoeopathic type remedies, which have been sampled and stored on the Silent Healing CD.

Wow! Damit wissen wir endlich, dass – bei 74 Minuten Laufzeit – ein gesampletes Homöopathikum in durchschnittlich 0,13 Sekunden Stille aufgelöst werden kann. Wie das funktioniert wird leider verschwiegen, aber dafür gibt es eine riesige Menge an Wirkung:

Balancing energies of people, room, office and space clearing.
Helps Feng Shui.
Counteracts adverse energy from TV, TV games, computer games, computer and Internet.
Promotes clearer thinking, whatever you are doing!
Reduces the effects of “sick office syndrome”.
Creates clear space for meditation and daily work.
Offers self-healing during the day and/or night.
Promotes deeper more restful sleep.
Helps calm children and animals.
Promotes healthier environment for house and greenhouse plants.
Exercises body’s ability to recognise beneficial healing

Fehlt nur noch, dass die CD das Körpergewicht reduzieren hilft, Viagra ersetzen kann und für dauerhaften Weltfrieden sorgt – für £34,00 (es geht auch teurer) ist das ein absolutes Schnäppchen. Und wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dem empfehle ich das Ganze doch einfach selbst zu testen: Einen 5-minütigen Ausschnitt kann man nämlich hier herunterladen und dann ganz in Ruhe anhören auf sich wirken lassen. Und das schönste: Wenn man den Download als Endlosschleife über die Lautsprecher schweigen lässt verwandeln sich die unbeschallten Räume automatisch in eine Heilpraktikerpraxis …





Potentiale im Gesicht

10 03 2009

„Was umstrittene Persönlichkeitstrainer in Unternehmen anrichten“ ist der Untertitel des lesenswerten Buches „Der Griff nach der Psyche“ von Bärbel Schwertfeger aus dem Jahr 1998. Das Werk selbst ist leider nur noch antiquarisch verfügbar, aber die Autorin ist weiterhin in diesem Bereich aktiv. Unter dem Titel „Verräterische Beule am Kopf“ berichtete sie im November 2006 in einem Spiegel-Artikel über einen gerade aktuellen Wahnsinn aus der esoterischen Rumpelkammer: die Psycho-Physiognomik – eine 1:1-Fortführung der Physiognomik mit der schon die Nationalsozialisten ihr Eugenik-Programm pseudowissenschaftlich zu unterfüttern verstanden. Dass es offensichtlich Unternehmen gibt, die sich auch heute bei der Personalauswahl auf ein solches „Instrument“ verlassen ist an sich schon kaum zu glauben. „So sehe er etwa am Aufbau des Hinterkopfs und Unterkiefers, ob jemand eher harmoniegetrieben sei. Die Willensstärke erkenne er an der Nase.“ wird ein Personaler zitiert – man möchte ihn zu gerne fragen, ob sich die Willensstärke ändert, wenn bei einer Person mittels plastischer Chirurgie eine Nasenkorrektur vorgenommen wird.

Inzwischen gibt es ein solches Angebot sogar online für jedermann: Auf der Webseite Facionic – Discover your potential reicht das Einsenden zweier Fotos und man erhält – je nach Wunsch – sein Persönlichkeitsprofil oder sein Partnerschaftsprofil. Und dass es funktioniert, dafür verweist die Webseite auf einige Presseartikel, die ganz deutlich zeigen, wie wissenschaftlich das Ganze ist:

  • ein Artikel in der Fernsehwoche (Ausgabe vom 6.3.09; Seite 14/15)
  • ein Artikel aus Wallstreet online vom 20.11.2008
  • drei Spiegelartikel

Nun ja, die Fernsehwoche ist nicht gerade für Wissenschaftlichkeit berühmt (der Artikel ist so überzeugend wie eine Astrologiewerbung) und in Wallstreet online wird nur darauf hingewiesen, dass es ab jetzt Facionic gibt. Mit den Spiegelartikeln verhält es sich da etwas anders. Ein Artikel hat nichts mit dem Thema zu tun (es geht um Autos!), die beiden anderen beschreiben die jeweils gleiche Studie – einmal unter dem Titel „Erfolg steht Managern ins Gesicht geschrieben“ ein weiteres Mal unter „Das Antlitz der Sieger„. In dieser Studie konnten Probanden nur an Hand von Schwarz-Weiß-Fotos ziemlich gut unterscheiden, ob der Abgebildete ein eher erfolgreicher oder eher erfolgloser Manager war. Immerhin, möchte man sagen, aber stützt dies wirklich die Behauptung, dass man aus dem Gesicht eines Menschen seine Talente, Eigenschaften, Potentiale und Fähigkeiten ermitteln könne?

Aber auf Facionic wird das Ganze ja auch erklärt:

Grundlage der Physiognomik ist die Erkenntnis, dass das menschliche Erscheinungsbild einerseits auf genetischen Grundlagen aufbaut, zusätzlich jedoch auch sehr stark durch Erlebnisse und Erfahrungen wie auch Erziehung und Bildung, also durch anhaltende Aktivitäten des Gehirns geprägt wird.

Eine ziemlich gewagte Behauptung, zu der ich doch gerne den ein oder anderen Beleg hätte…

An allen Stellen eines menschlichen Körpers, an denen ein starker Energiefluss herrscht, zeigen sich formbildende Veränderungen.

Genau! Wenn ich zu viel esse, dann zeigen sich formbildende Veränderungen in Form einer Plautze – aber wo sonst herrscht ein starker „Energiefluß“ im Körper? Oder wird hier nur mal wieder das Wort „Energie“ verwendet weil es so schön klingt?

So wie ein Muskel, der über längere Zeit stark beansprucht wird, sich ausdehnt und vergrößert, reagiert auch das menschliche Gesicht auf die immer wiederkehrenden energetischen Reize geistiger Aktivität mit Ausdehnung und Veränderung.

Ein wunderbarer Satz! Mittels geistiger Aktivität kann ich also meine Gesichtsszüge verändern? Belege bitte! Um welche „energetischen Reize“ handelt es sich hier? Wie wirken sie?

In fortgesetzter Forschungsarbeit und Weiterentwicklung der Physiognomik ist es der FACIONIC AG gelungen, durch die Zuordnung von Arealen und Ausprägungen zu definierten Begabungen, Fähigkeiten und Eigenschaften die Methode so zu systematisieren, dass eine klare, nachvollziehbare und verlässliche Analyse der Merkmale des menschlichen Gesichts möglich ist.

Tatsächlich? Wo ist das nachzulesen? Wo sind diese bahnbrechenden Erkenntnisse veröffentlicht? Aber natürlich sucht man auf der Webseite diese Art von Quellen vergeblich. Es geht ja nur darum, seine pseudowissenschaftlichen Dienstleistungen zu verkaufen – und da behauptet man halt mal ziemlich genau das, was Astrologen von ihrer „Kunst“ auch behaupten. Potential, Beruf und Partnerschaft kann man übrigens auch aus anderen Körperteilen lesen lassen: Ob der oben zitierte Personalmensch seine Bewerber um entsprechende Bilder bittet wenn er an die Fähigkeiten von Frau Olschewski glaubt?





Die Kunden der Astrologin

7 03 2009

Anfang März erschien im Schweizer Tagesanzeiger ein Interview mit der Astrologin Monika Kissling mit dem Titel „In der Not schauen die Banker in die Sterne„. Die Kommentare zu diesem Artikel waren dabei sehr eindeutig:

Mumpitz Mumpitz Mumpitz Wüsste die Dame alles hätten wir keine Krise ! Das man darüber noch einen Artikel bringt ist ebenfalls bedauerlich.

Ein derartiger Versuch von Volksverdummung wie dieser Artikel sollte eigentlich nicht einfach so durchgehen. Pure Eigenwerbung für Frau Kissling, ohne jede kritische Frage, wie z.B. welche ihrer Voraussagen – konkret! – denn tatsächlich eingetroffen ist?

Können die Wirtschaftswissenschaften noch tiefer sinken? Unglaublich, dass der Tagi eine Plattform bietet für solche Inhalte. Hätte der Zusammenschluss der UBS mit dem Bankverein also an einem andern Tag als am 8.12.1997 stattgefunden, hätten wir nun keine Finanzkrise? Wer glaubt solchen Schwachsinn?

Florian Freistetter hat sich in seinem Blog Astrodicticum Simplex auch zu diesem Interview geäußert und ich habe mich mal auf der Webseite der Astrologin umgesehen. Da gibt es doch tatsächlich monatliche „Sternenberichte„, in denen allerdings außer belanglosem Blabla nichts zu finden ist. Bestenfalls zeigt Frau Kissling, dass sie in den Tagen vor dem Schreiben der Texte die Nachrichten verfolgt hat – so heißt es für den Februar 2008:

So werden im Umeld von Finsternissen (-/+ 2-4 Wochen) auf globaler Ebene meist die Weichen für die Zukunft neu gestellt. In das aktuelle Finsternis-Zeitfenster fallen die Amtseinsetzung von Barack Obama und seine ersten Amtshandlungen. Interessant dürften aber auch die Entwicklungen in der katholischen Kirche sein, denn die Rückführung von vier exkomunizierten Bischöfen durch den Papst erfolgte ebenfalls kurz vor der Finsternis.

Noch interessanter ist die Seite ihrer Angebote für Unternehmen. So bietet sie Vorträge zu folgenden Themen an:

  • Am Puls der Zeit: Wissensvorsprung dank Astrologie
  • Zyklisches Denken – ein neues Verständnis der Zeit
  • Erfolg hat, wer die Zeichen der Zeit erkennt!
  • Zeitgeist 2009 – ein Blick in die Zukunft

OK, als Realsatire könnte man einen solchen Vortrag ja mal über sich ergehen lassen  – ob es allerdings unterhaltsam wäre ist zu bezweifeln. Erfahrungsgemäß verursachen solche Vorträge zunmindest bei mir nach ca. 10-15 Minuten einen Schwurbeloverflow im Hirn, der wahlweise  durch Frischluft oder bestimmte, leicht toxische, Getränke zu bekämpfen ist. Aber  hier ist natürlich alles ernst gemeint – ebenso wie das Consulting für Führungskräfte und die Unterstützung bei der Personalselektion. Für letztere wirbt sie mit folgendem Text:

Der richtige Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort: Das Horoskop ist ein wertvolles Diagnoseinstrument für eignungsdiagnostische Abklärungen bei Anstellungen, Beförderungen und Weiterbildung. Es zeigt die Stärken und Konfliktbereiche eines Mitarbeiters auf und gibt Auskunft über Führungskompetenzen, soziale sowie persönliche Kompetenzen.

Eine astrologische Analyse weist Parallelen zum graphologischen Gutachten auf, umfasst jedoch zusätzlich die „zeitliche“ Dimension. Wo steht der Bewerber auf seinem Lebensweg? Ist die Zeit für ein langfristiges Engagement reif, oder präsentiert sich die nahe Zukunft wechselhaft? Welche Herausforderungen stellen sich in den kommenden Jahren?

Dass sich manche Unternehmen tatsächlich auf solchen Nonsens verlassen ist wenig überraschend, denn an den entscheidenden Stellen sitzen Menschen, die eben auch der einen oder anderen esoterischen Lehre erliegen können. Offen zugegeben wird das eher selten – welches Unternehmen möchte sich schon nachsagen lassen, dass seine Personalauswahl zumindest teilweise auf pseudowissenschaftlichem Humbug beruht?

Ob das auf die Unternehmen zutrifft die Frau Kissling in ihrer Kundenreferenzliste angibt weiß ich natürlich nicht. Gewundert haben mich einige der Namen auf der Liste aber schon – ob die tatsächlich wissen, dass sie dort als Referenz genannt werden? Ich habe bei einer kleinen Auswahl einfach ‚mal nachgefragt – immerhin finden sich auf der Liste zwei schweizer Dependancen ehemaliger Arbeitgeber von mir und ich möchte nicht auf Grund meines Horoskops eingestellt worden sein …





Werbewindbeutel

1 03 2009

Dass in der Werbung nicht immer die Wahrheit gesagt wird, dürfte dem Konsumentenvolk nicht unbekannt sein. Bis heute entlockt mir der Uraltwerbespruch eines Waschmittelherstellers , dass nach Benutzung eines bestimmten Pulvers die Wäsche „weißer als weiß“ aus der Waschtrommel entnommen werden könne (wer war das eigentlich?), ein kopfschüttelndes Grinsen angesichts dieser schönen Paradoxie.

Die Organisation Foodwatch möchte nun öffentlichkeitswirksam auf unsinnige Werbeaussagen hinweisen und lässt Internetnutzer auf ihrer Webseite „abgespeist.de“ darüber abstimmen, welches Produkt den „Goldenen Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge erhalten soll. Bei Foodwatch geht es natürlich nur um Essbares, und ob der Begriff „Lüge“ angesichts der in den letzten Jahren verschärften EU-Gesetze zu unlauteren Werbeaussagen hier wirklich angebracht ist darüber kann man streiten. Werbeaussagen müssen doch belegt werden – oder warum sonst wird bei vielen Werbespots Kleingedrucktes für Sekundenbruchteile eingeblendet, das den mit dicker Lupe bewaffneten Schnellleser über irgendwelche die Werbebehauptung unterstützenden Studien informiert?

Aber mal ganz ehrlich: Schminke und Übertreibungen erwartet man doch von der Werbung … … aber gleich so dreist wie bei dem vorgestellten Pesto? Dieses wirbt mit Olivenöl und Pinienkernen, besteht aber überwiegend aus Sonnenblumenöl und Cashewkernen. Die Ausrede des Herstellers faselt dann von einem „Lebensgefühl“ – dabei möchte der Kunde doch eigentlich nur das erwerben was auch beworben wird … … aber beim Pesto wird wenigstens nichts Wissenschaftliches behauptet.

Ganz anders sieht es bei einem bekannten bioaktiven Joghurtdrink aus, denn dieser wir gleich mit ganz vielen Studien die die „Stärkung der Abwehrkräfte“ belegen sollen, und da wird’s wirklich spannend. In der englischsprachigen Wikipedia ist der Streit darüber, ob die Werbebehauptungen nicht doch maßlos übertrieben sind, ein wenig dokumentiert und es werden einige der Studien im Detail erwähnt. Falls Foodwatch hier Recht hat (und meiner Meinung nach spricht Vieles dafür), so finanzieren die Konsumenten mit dem hohen Preis eben neben den Aktionären nicht nur die sicher nicht billigen Werbeauftritte eines bekannten TV-Wetterfroschs (der die im Verdauungstrakt wirksam werden sollenden, abwehrkarftstärkenden Kulturen auch gerne mal in die Achselhöhle zeichnet  – wie der Werbewahn berichtet – die anderen Actimel-Artikel dort sind übrigens ebenfalls sehr zu empfehlen …) sondern auch die positiven Studien zu diesem Produkt. Jeder Nonamebilligjoghurt aus den Kühlregal scheint die gleichen positiven Wirkungen zu haben – eine schöne und den Geldbeutel schonende Information für all jene, die sich ihre Abwehrkräfte bisher teuer zu „ertrinken“ glauben. Was die Werbung allerdings verschweigt sind die Gefahren, die von den kleinen Fläschchen ausgehen: liegt wohl daran, dass die Werbung für Menschen gemacht wird und nicht  für Ratten!





Falsches Blechhoroskop!

27 02 2009

Auf der österreichischen Nachrichtenplattform news.at gibt derzeit eine Diashow zur DVD-Veröffentlichung des Pixar-Animationsfilms Wall-E. Wie in solchen Fällen nicht unüblich gibt es auch ein kleines Gewinnspiel – na ja, eigentlich ist es eher eine Art organisierter Datensammlung, denn „Mitspieler“ müssen lediglich ihre eigenen Kontaktdaten im Antwortformular erfassen.

Zu gewinnen gibt es dabei etwas durchaus Ungewöhnliches: ein Partnerhoroskop von tierkreis.at. Zur Motivation dieses Gewinns gibt es dazu noch eine 5-seitige astrologische Würdigung der Blechbüchsenliebesgeschichte zwischen Wall-E und Eve, die man sich sogar als pdf herunterladen kann.

Der Autor – Astrologe Gerald Peraeus – schildert die animierten Roboterprotagonisten als Vertreter verschiedener astrologischer Prinzipien, und hat sogar ein Horoskop für Wall-E zu bieten. Als „Geburtsdaten“ verwendet er den 27.6.2008 mit der Uhrzeit 20:00 Uhr und dem Ort Washington. Wie er darauf kommt beschreibt er auch:

Nachstehend die Radix der Premiere in den USA bezogen auf die Hauptstadt Washington.

Dass diese Daten rein willkürlich gewählt sind, das zeigt schon ein Blick auf die Releaseinfos des Films. Die Premiere fand nämlich bereits am 23.6.2008  statt, und – wie es sich für einen Kinofilm gehört – in Los Angeles. Die „Geburtszeit“ ist ebenfalls willkürlich gewählt, denn da der Film auch Kinder ansprechen sollte dürfte er am ersten offiziellen Spieltag (das war der 27.6.2008) selbstverständlich auch schon vor der Abendvorstellung gelaufen sein. Aber im Horoskoptext passt ja alles astrologisch soooo schöööön zusammen … … dann müssen diese Daten einfach „richtig“ sein.

Ein rein logisches Problem habe ich aber mit den Geburtsdaten von Eve. Hat diese Blechbüchse nicht die selben Geburtsdaten wie Wall-E? Falls nein, warum nicht? Falls ja, wie kann Eve dann – wie von Herrn Peraeus in seinem Text beschrieben – ein ganz anderes „astrologisches Prinzip“ vertreten? Na ja, Logik ist ja bekanntlich nicht die Stärke der Astrologen …

Insgesamt muss man natürlich Herrn Peraeus gratulieren: auf die Idee die DVD-Veröffentlichung eines Animationsfilms als Werbeträger für seine unsinnigen astrologischen Dienste zu benutzen muss man schliesslich erstmal kommen.