Fußball-WM 2014 – vor dem Finale: Statistischer Vorteil für Argentinien?

10 07 2014

Nach den beiden Halbfinals befindet sich die hiesige Fußballwelt in – nach dem 7:1 gegen Brasilien besonders freudiger – Erwartung des Showdowns am nächsten Sonntag. Bevor ich mich ab Samstag um die Orakeltiere kümmere heute ein kurzer Blick auf die Sicht der Statistiker.

Beim schweizer Mathematiker Roger Kaufmann sieht es für die deutsche Mannschaft richtig gut aus:

Deutschland wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 56,3% Weltmeister!

Zu Beginn des Turniers war das noch anders, da hatten seine Berechnungen den Argentiniern mit 13,2% eine höhere Wahrscheinlichkeit für den Titelgewinn geliefert als für die deutsche Mannschaft (10,2%). Offensichtlich werden bei seinen Berechnungen die aktuellen Ergebnisse recht stark gewichtet, wie sonst soll man diesen Wechsel erklären?

Bei Fußballmathe sieht es allerdings ein wenig anders aus:fubama01Die Berechnungen ergeben einen kleinen Vorsprung für die Südamerikaner, und das obwohl vor dem Halbfinale die statistischen Titelchancen der deutschen Manschaft nur bei Fußballmathe höher lagen als die der Argentinier. Allerdings waren dort bei beiden Halbfinals der jeweils unterlegenen Mannschaft die besseren Chancen eingeräumt worden – vielleicht ein gutes Omen für die Löw-Kicker?

Aber nicht nur die Berechnungen bei Fußballmathe geben Messi die etwas größeren Chancen auf den Titel, beim WorldCup-Simulator sieht das Ergebnise in der „Normaleinstellung“ fast exakt gleich aus:

wc01Das ändert sich aber sofort, wenn man die Gewichtung des „Heimvorteils“ herausnimmt:wc03 Nun hat die deutsche Mannschaft in etwa die gleiche Siegeswahrscheinlichkeit wie auf der Webseite von Roger Kaufmann:

wc02Es scheint also auf jeden Fall spannend zu werden, und natürlich sagen die Wahrscheinlichkeiten nichts über die Tagesform der Spieler oder die Laune des Schiedsrichters am nächsten Sonntag aus. Da manche ja außerdem davon ausgehen, dass die brasilianischen Zuschauer im Stadion lieber einen deutschen Sieg sehen wollen, habe ich noch versucht im Simulator den „Heimvorteil“ umzukehren:

wc04Blöderweise weigert sich das Programm aber mit einer negativen Gewichtung zu rechnen … … also habe ich den Heimvorteil wieder auf 0 gesetzt und  ein eigenes Rating hinzugefügt. Dieses gibt der deutschen Mannschaft einen zusätzlichen Vorteil auf Grund der erwarteten Zuschauerunterstützung, und nun steigt die Wahrscheinlichkeit eines deutschen Sieges natürlich stark an:

wc05Man ist fast geneigt daraus auf einen 2:1-Sieg zu schließen (was natürlich nicht gemeint ist), aber der würde den Fans ja schon genügen um am späten Sonntagabend das Wochenende mit einer (kleinen?) Weltmeisterfeier ausklingen zu lassen. Bis dahin dürfen die Fans (beider Mannschaften natürlich) weiter die Daumen für ihren Favoriten drücken, irgendwann in der Nacht von Sonntag auf Montag wissen wir dann Bescheid welche Mannschaft den Pokal aus Brasilien mit nach Hause nehmen darf.

 





Fußball-WM 2014 – vor dem Halbfinale: Statistiker für Brasilien, Mehrheit der Orakeltiere sieht Deutschland vorne (mit Updates, einem Blutegel und Voodoo!)

7 07 2014

Updates vom 8.7., 15:00 Uhr in rot!

Updates vom 8.7., 17:30 Uhr in grün!

spätere Updates in blau!

Morgen Abend steigt das erste Halbfinale der Fußball-WM, und nach den bisherigen Ergebnissen waren die Statistiker mit ihren Simulationen gar nicht so schlecht. OK, Spaniens Scheitern in der Vorrunde war eine Überraschung, aber mit Brasilien, Argentinien und Deutschland haben es drei Favoriten unter die letzten vier Mannschaften geschafft – nur die Holländer waren zu Beginn nicht so ganz auf der Rechnung der verschiedenen statistischen Spielereien. Für das erste Halbfinale sind sich die drei von mir betrachteten Simulationsrechnungen aber einig:

Brasilien gewinnt!

Die Wahrscheinlichkeiten für einen brasilianischen Sieg werden mit 63% (WorldCup-Simulator), 66,2% (Roger Kaufmann) und 62,11% (Fußballmathe.de) angegeben. Beim 2. Halbfinale ist das Ergebnis nicht ganz so eindeutig, denn während beim WorldCup-Simulator und bei Roger Kaufmann Argentinien die Favoritenposition innehat (65% bzw. 55,8%) setzt Fußballmathe auf einen holländischen Sieg (61,43%). Die Titelwahrscheinlichkeiten sehen jetzt übrigens so aus:

R.Kaufmann Fussballmathe WorldCup-Simulator
Brasilien  43,1%   32,15%   41%
Deutschland  16,9%
  20,58%   20%
Argentinien  23,9%
  19,52%   28%
Niederlande  16,3%   27,74%   10%

Außer bei Fußballmathe ist die Reihenfolge also klar: Brasilien vor Argentinien und Deutschland – nur bei Fußballmathe haben die Niederlande eine Chance. Dienstag und Mittwoch Abend werden wir sehen ob eine große Wahrscheinlichkeit auch dieses Mal wieder ein Indiz für einen folgenden Sieg ist.

Dass die Tiere – wie üblich – mehrheitlich auf die deutsche Mannschaft setzen ist keine Überraschung, hier ist natürlich der Wunsch der Fans Vater des zu deutenden Geschehens. Bei den Nasenbären von Sport-Bild hat man dieses Mal irgendwie  einen Sieg nach Verlängerung und Elfmeterschießen aus dem Geschehen gedeutet, ebenso bei Werbemops Berta. Bei Rentier Dancer entscheiden die völlig unparteiischen „Orakelschiedsrichter“ beim aus beiden Näpfen fressenden Tier auf einen deutschen 2:1 Sieg, Hund Canela frißt das deutsche Leckerchen (das brasilianische möchte er auch noch, aber das wird ihm verweigert), die Pinguine haben irgendwie einen deutschen Ball erwischt, die Puchheimer Möpse sind sich einig, Kuh Faironika, diese Schildkröten (warum eigentlich?), Hase Püppi (mit Hilfe eines zweiten Viehs),  Hund Kimberly, die SüdwestpressemöpseEisbär Anori, Gürteltier Tatu und Pferd Schimmelchen. Auch das gespannte Warten auf den Orakelspruch von Gürteltier Taka hat inzwischen eine Ende: eine weitere Stimme für Deutschland!

Noch mehr Tipps auf Deutschland von Hund Tiffie, Gürteltier Arnold, Polarfüchsin Ronja, ein Blutegel (!!), Hund Otto, Hund Lucky, Igel Sonic, Junghund Schreddi, Katze Lucky, Hund Coco (dauert sehr lange, das Tier musste ja erst geweckt werden, obwohl zwei laute und nervige Typen die ganze Zeit irgendwelchen Blödsinn erzählen), Fluffy & Elton, die Eichhörnchen Flipsi und Flapsi (nach Verlängerung!), Mops Winston, ein namenloser Hund, Hund Kira (braucht lange um den brasilianischen Ballon zu zerstören, aber am Ende klappt’s dann doch) und Gürteltier Flitz (na ja, irgendwie werden beide Bälle beschnuppert, aber nur der deutsche gekickt – ins Finale?).

 

Auf Brasilien setzen hingegen Hund Billie, Artgenosse Aggi und sein Kollege Sherloki, letzterer lag allerdings bisher bei allen Tipps zu 22:00 Uhr Spielen daneben, so dass dieser Orakelspruch fast schon wieder Hoffnung gibt. Schafbock Hansi ist dieses Mal auch mehr auf Samba eingestellt, das brasilianische Meerschweinchen sowieso und auch Zwerghamster Erwin mag sein Futter lieber brasilianisch. Dazu kommen noch Hilde aus Bonn, die Schweinchen von Bayern3 (Niederlage per Eigentor nach 10 Sekunden!) und noch zwei Möpse: dieser und Marvin. Auch dieser Hahn, Kaninchen Lulu, eine Schildkröte namens Herr Lehmann, ein Hund namens Anton (der bisher eine ganz miese Quote hatte: 1 Treffer bei 5 Versuchen) und vertrauen eher dem WM-Gastgeber.

Bis jetzt (15:00 Uhr) (17:30 Uhr) sieht es also so aus:

10 x Sieg (davon 2 x im 11m-Schießen) – 6 x Niederlage

15 x Sieg (davon 2 x im 11m-Schießen) – 10 x Niederlage

30 31 x Sieg (davon 2 x im 11m-Schießen) – 14 15 x Niederlage

Da fehlen natürlich noch eine ganze Menge von Orakeln, aber die werden morgen im Laufe des Tages laufend ergänzt. Besonders interessant ist natürlich weiterhin Taka, das Gürteltier, das bisher noch den allerbesten Eindruck aller Orakeltiere machte – auch wenn die Deuter sich beim Ghana-Spiel offensichtlich vertan hatten und aus Quotengründen auf einen Sieg für Deutschland tippten, obwohl Taka die Nahrungsaufnahme vollständig verweigert hatte.

Nicht mitgezählt wurde Orakelhund Ginger aus Rosenheim, denn das der lieber zum Futter mit der deutschen Fahne rennt, wenn es an der brasilianischen gar nichts zum Schnabulieren gibt hat ja wohl nichts mit Orakelei zu tun. Noch schlimmer ist es bei Meerschweinchen Schweini von Radio Gong: Der Weg zur brasilianischen Höhle wird einfach verbarrikadiert – und auch der Kommentar ist eher unlustig.

Spannend war es bei der von der Rhein-Zeitung in Bad Kreuznach initiierten „Simulation“ mit zwei Schülermannschaften. OK, ein richtiges WM-Orakel ist das ja nicht, aber das Ergebnis wäre durchaus im Sinne der hiesigen Fans: Deutschland siegt im 11m-Schießen mit 4:2 nachdem es in der regulären Spielzeit einen 2:0 Vorsprung verspielt hatte … … insbesondere der Ausgleich kurz vor Schluß wäre Garant für reichlich Nervenkitzel und ein Wechselbad der Emotionen!

Bleibt noch das Lemurakel, aber irgendwie scheint das Durcheinander nicht deutbar zu sein. OK, allzu lustig war das eh nicht. Eine traurige Nachricht für den Orakelzoo kommt aus Remscheid: WM-Orakel „Özil“ musste leider eingeschläfert werden – aber natürlich nicht wegen falscher Prognosen sondern ganz profan wegen einer schweren Krankheit.

Aus dem Kölner Restaurant Delphi wird ein Sieg des deutschen Lorbeerblatts über das brasilianische gemeldet – ob man diesem Orakel vom Delphi wirklich trauen kann? Oder doch lieber dem – gleichen – Ergebnis des SpiegelOnline Staubsaugers? Natürlich würde ein solches Ergebnis den Menschen in Brasilien nicht allzu gut gefallen, und damit das nicht passiert hat Voodoo-Priester Helio Sillman schon die richtige Taktik parat, mit der er die deutsche Mannschaft zu verhexen gedenkt:

„Ich nehme die Führungsspieler und binde ihre Beine zusammen, damit sie auf dem Rasen nicht laufen können“

Dass das wirken wird ist ja klar, denn im Spiel gegen Kolumbien hat es ja auch „geklappt“:

Vor dem Achtelfinale gegen Kolumbien hatte sich Sillman deren Toptorschützen James Rodríguez und dessen Mitspieler Juan Cuadrado herausgepickt. Er machte zwei Vodoo-Puppen und zog ihnen ihr gelbes Nationaltrikot an, dann band er ihre Beine zusammen. Bei der Nationalhymne zündete er zwei Kerzen an, um den Fluch zu verstärken. „Das muss für das ganze Spiel ausreichen“, sagte Sillman.

Blöd nur, dass er dem Spieler der Superstar Neymar im Viertelfinale foulte nicht die Beine zusammengebunden oder dem Schiedsrichter die gelben Karten weggezaubert hatte …

… und wer Lust auf einen Liveticker der besonderen Art hat, der möge diesem Link folgen: dort wird das ganze Spiel „astrologisiert“ …





Fußball WM 2014 – das Viertelfinale: Statistiker für Deutschland, aber was tippt der Orakelzoo? Update: Fast alle – auch Taka! – tippen auf Sieg!

3 07 2014

Die Updates vom Freitag ab 16:00 Uhr alle in grün!

Das Achtelfinale ist vorbei, nach dem Verlängerungssieg gegen Algerien muss die deutsche Mannschaft gegen Frankreich antreten. Die Statistiker von Fußballmathe sehen dabei die deutsche Mannschaft ebenso im Vorteil wie der WorldCup-Simulator der TU Berlin (auf die letzte Aktualisierung der Daten bei dem Mathematiker Roger Kaufmann muss man aktuell noch warten, sobald hier Daten vorliegen trage ich diese nach). Während der „Vorsprung“ bei Fußballmathe (52,26%) jedoch nur ganz knapp ist liefert der Simulator eine Wahrscheinlichkeit von 67% für einen Sieg der deutschen Mannschaft. Hier der Überblick über die Wahrscheinlichkeiten für einen Sieg im Viertelfinale und die jeweiligen Aussichten auf den WM-Titel:

R.Kaufmann* Fussballmathe WorldCup-Simulator
Brasilien 66% / 33,7% 31,5% 72,56% / 25,39% 74% / 35%
Kolumbien 34% / 11% 10,5%
27,44% / 4,09% 26% / 5%
Niederlande 80,5% / 19,5% 18,5%
59,08% / 17% 71% / 10%
Costa Rica 19,5% / 1,3%1,2% 40,92% / 2,25% 29% / 1%
Frankreich fehlt / 4,2%34,9% / 3,9% 47,74% / 10,58% 33% / 5%
Deutschland fehlt / 11,6%65,1% / 12,8% 52,26% / 14,53% 67% / 17%
Argentinien fehlt / 15,4%72,8% / 19,1% 68,01% / 19,93% 69% / 23%
Belgien fehlt / 2,0% 27,2% / 2,8% 31,99% / 6,22% 31% / 5%

* Roger Kaufmann hat seine Seite nach den Viertelfinals noch nicht vollständig aktualisiert, deshalb fehlen noch einige Werte, und die anderen können sich eventuell noch ändern (und sie haben sich leicht geändert).

Es fällt auf, dass die Wahrscheinlichkeit für einen deutschen Titelgewinn leicht gesunken ist (außer bei Fußballmathe, aber dort war für das Achtelfinale ja mit dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft gerechnet worden), während der Niederlande immer größere Chancen eingeräumt werden (nur der WorldCup-Simulator gibt der deutschen Mannschaft noch eine höhere Wahrscheinlichkeit auf den Titelgewinn als den Holländern). Nun ja, die Spieler dürften sich in der Vorbereitung auf die Spiele kaum um diese statistischen Prognosen kümmern, spätestens am Sonntag wissen wir mehr.

Ob die Spieler in Brasilien auch den großen Orakelzoo in Deutschland verfolgen? Falls ja werden sie wohl die Daumen drücken, dass Gürteltier Taka wieder aus der deutschen Kiste futtert, denn dann haben Löws Kicker auch jedes Mal gewonnen. Taka wird erst morgen, also am Freitag, antreten, und aus welcher Kiste dieses Mal die gekochte Hühnerhaut verzehrt wird werde ich dann morgen Nachmittag ergänzen.

Bereits heute (Donnerstag, 14:30 Uhr) haben einige Orakeltiere (kann es sein, dass das ein oder andere Tier inzwischen aufgegeben hat?) ihr Votum für’s Viertelfinale abgegeben, und das Bild ist dabei recht eindeutig. Nur die Möpse Otto (frißt erst das französische Croissant und dann die Alternative, ein Bamberger Hörnchen – sogar der Kommentator schließt daraus auf Frankreich) und Berta (mit Verlängerung) sehen aktuell einen französischen Sieg. Der Rest des Zoos setzt nach aktuellem Stand auf einen deutschen Sieg:

Ein solch eindeutiges Orakelvotum habe ich letztmals beim EM-Halbfinale vor 2 Jahren gesehen, damals verlor bekanntlich die deutsche Mannschaft gegen Italien …

Den Preis für die peinlichste Orakelperformance zum Viertelfinale teilen sich zur Zeit das Nasenbärorakel von SportBild und diese Meerschweinchenmanipulation. Bei den Nasenbären sollte bisher immer die Mannschaft gewinnen, deren Futter zuerst verzehrt wird, dieses Mal deutet der Kommentator das weitgehende Ignorieren des mit der deutschen Fahne ausstaffierten Futters als Sieg, das Meerschweinchen Schoko wird von Menschenhand sanft aber bestimmt in Richtung der „richtigen“ Fahne geschoben – vielleicht hätte man neben der Einblendung „Deutschland gewinnt!“ noch eine zweite fertigen sollen …

Inzwischen hat auch Gürteltier Taka als letztes verbliebenes Qualitätsorakel sein Votum abgegeben: Sieg für Deutschland! Außerdem orakeln einen deutschen Sieg nicht nur der SpiegelOnline Staubsauger sondern auch das „Orakel vom Delphi“ (wie immer mittels in kochendem Wasser herumwabernden Lorbeerblättern), das Würfelorakel und der Robofisch. Auf einen deutschen Sieg setzen auch folgende Tiere:

  • Hund Billie
  • Trörakel Nelly (die dieses Mal wenig verlässlich ist und schon zwei Fehlprognosen zu verzeichnen hat)
  • Gürteltier Tatu
  • Schwein Schweini (wenn er nicht richtig liegt gibt’s am Dienstag Schweinebraten!)
  • Hund Emma
  • Hund Ginger
  • Beagle Barnie (zieht Grillwurst dem Camenbert vor – wer hätte das gedacht?)

Neben den oben erwähnten Möpsen gibt es nach aktueller Zählung nur noch Hund Luna, dieses Tier namens Püppi und Gürteltier Arnold mit einem auf einen Sieg der Franzosen deutenden Orakelspruch.

Gleich disqualifiziert hat sich Hund Peppels, denn der frißt beide Näpfe leer – Unentschieden! Aber halt, wir sind ja im Viertelfinale … … damit ist das eine glatte Verweigerung! Nicht mehr orakeln wird übrigens Gürteltier Norman, zwei Treffer in vier Spielen waren dann doch zu schwach, aber immerhin wurde das Orakel ordentlich abgemeldet …

Und wer schon wissen will, auf wen die deutsche Mannschaft im Halbfinale treffen würde, wenn denn die große Mehrheit der Tiere richtig liegen sollte, der frage die Meereschildkröte Bighead aus Praia do Forte: Brasillien! Ach ja, ich vergaß: wo liegt eigentlich Praia do Forte? Hmm – also doch: in Brasilien!

gleich 18:00 Uhr – es geht los … 





Fußball-WM 2014: Statistische Spielereien vor den KO-Spielen

27 06 2014

Die Vorrunde ist vorbei, die tierischen WM-Orakel haben fast auf der ganzen Linie versagt. Meines Wissens hat nur Gürteltier Taka hat alle drei Spiele richtig orakelt, wobei beim Suchen auf youtube immer mehr tierische Orakel auftauchen. 71 weitgehend tierische Orakel hatte ich zum ersten Spiel der deutschen Mannschaft gezählt, und auch da schon das ein oder andere vergessen bzw. einfach nicht gefunden. Inzwischen dürften es weit über 100 Orakel aller Art sein, und zumindest eines hat noch eine lobende Erwähung verdient:

Mit gerade einmal 14 Sekunden dürfte dies das kürzeste Orakelvideo bisher sein, aber die Macher haben den Plastikfisch wohl schon nach dem ersten Spiel – trotz richtigen Tipps – in Rente geschickt.

Schauen wir uns aber zunächst ‚mal an, was die Statistiker denn aktuell so berechnen. Sowohl beim World-Cup-Simulator der Uni-Berlin (mit den vorgegebenen Standardeinstellungen), bei  fussballmathe.de als auch bei Roger Kaufmann kann man für die verbliebenen Mannschaften sehen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie das Viertel- oder Halbfinale erreichen bzw. ins Finale kommen und den Titel gewinnen. Die Berechnungsmethoden unterscheiden sich jedoch deutlich, denn während bei Kaufmann die deutsche Mannschaft mit einer – berechneten – Wahrscheinlichkeit von 90,1% das Viertelfinale erreicht liegt dieser Wert bei fussballmathe.de nur bei 27,5% (!!!). Letzteres liegt daran, dass hier die Länderspielhistorie zwischen Algerien und Deutschland stark gewichtet wird und da sieht es für Deutschland rabenschwarz aus: beide bisherigen Spiele wurden verloren (1964 mit 0:2 und 1982 mit 1:2). Dass die deutsche Mannschaft trotzdem auch bei Fußballmathe.de eine höhere Wahrscheinlichkeit auf den Titelgewinn ausweist als Algerien liegt daran, dass im Falle eines Sieges die folgenden Spiele – zumindest statistisch – wohl „leichter“ werden.

Geht man nach den Wahrscheinlichkeiten, dann sind für das kommende Achtelfinale ein paar ganz spannende Spiele zu erwarten – und einige, bei denen ein Sieg des „Underdogs“ eine große Überraschung wäre. Hier die Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spiele, angegeben ist die Siegwahrscheinlichkeit des erstgenannten Teams:

R.Kaufmann Fussballmathe WorldCup-Simulator
Brasilien – Chile 75,8% 73,74% 74%
Kolumbien – Uruguay 52% 43,9% 51%
Niederlande – Mexiko 83% 54,72% 64%
Costa Rica – Griechenland 53,4% 38,1% 40%
Frankreich – Nigeria 71,5% 27,44% 69%
Deutschland – Algerien 90,1% 27,5% 86%
Argentinien – Schweiz 78,8% 73,78% 69%
Belgien – USA 55% 67,78% 53%

Man sieht, noch schlimmer sieht beim Achtelfinale die Prognose von Fußballmathe.de für Frankreich aus. Dass es bei mindestens drei Spielen schon von der Konstellation her möglicherweise sehr eng zugehen könnte, darin sind sich drei Simulatoren einig. Warten wir also ab, was die Spiele so bringen – in einer KO-Runde ist ja immer die ein oder andere Überraschung drin.

Für den Titelgewinn ergeben sich aktuell die folgenden Wahrscheinlichkeiten:

R.Kaufmann Fussballmathe WorldCup-Simulator
Brasilien 33,1% 21,15% 27%
Argentinien 16,6% 17,57% 18%
Deutschland 13,2% 7,44% 19%
Niederlande 15,4% 12,65% 7%
Belgien 2,1% 6,62% 4%
Frankreich 3,4% 5,18% 4%
Kolumbien 3,5% 3,95% 4%
Chile 4,1% 1,49% 3%
Costa Rica 1,2% 1,63% 1%
Griechenland 0,8% 2,59% 2%
USA 1,3% 1,6% 2%
Mexiko 0,6% 5,32% 2%
Uruguay 3,4% 5,24% 3%
Schweiz 1,0% 3,02% 2%
Nigeria 0,3% 1,07% <1%
Algerien 0,1% 3,46% <1%

In diesem Ranking liegt die deutsche Mannschaft also jetzt auf Rang 2 (WorldCup-Simulator) oder 4 (die beiden anderen). Für die Fans hierzulande gibt es also durchaus noch begründete Hoffnung – aber die wird es geben, bis die Mannschaft dann vielleicht doch ‚mal ein Spiel verliert … … oder bis sich die Hoffnungen in einer Titelfeier verwandeln. Genug für heute, nach dem Achtelfinale gibt es den nächsten Blick in die Statistikerrunde …





Noch mehr Weltmeisterprognosen aller Art: Brasilien, Brasilien, Brasilien – oder doch nicht?

12 06 2014

Der Beginn der WM naht, und immer mehr – bisweilen recht seltsame – Prognosen kommen ans Licht. So bastelte die Direkt Anlage Bank ihre Ergebnisse durch Vergleich der jeweiligen Änderungen des Aktienindices der Länder zwischen Januar und Mai zusammen und erhält Argentinien als Finalsieger gegen Italien, gefolgt von Portugal und Costa Rica (!!) – die deutsche Mannschaft scheitert hier bereits sang- und klanglos in der Vorrunde. Andere Banken haben ihre Prognosen ja dann doch ein wenig ernsthafter berechnet,  die bereits erwähnten Prognosen von GoldmannSachs und Unicredit werden jetzt auch von der Schweizer UBS gestützt: Brasilien siegt im Finale gegen Argentinien oder Spanien. Beim WM-Ergebnis liegt auch die Danske Bank  im allgemeinen Trend (Brasilien vor Argentinien), ihr Chefökonom hat aber durchaus einige Überraschungen in seiner Berechnung parat:

„Die USA werden daher wegen ihrer größeren wirtschaftlichen Potenz Portugal in der Vorrunde eliminieren, Chile und Uruguay dank ihrer höheren Wachstumsraten die krisengeschüttelten Europäer Spanien und Italien besiegen.“

Ob die Spieler das mit der „größeren wirtschaftlichen Potenz“ irgendwie merken? Auch der amerikanische Statistiker Nate Silver hat die WM berechnet und das Ergebnis kommt einem irgendwie bekannt vor:

Brasilien liegt bei Silvers SPI mit grossem Vorsprung vor Argentinien (13 %), Deutschland (11 %) und Spanien (8 %). Überraschend: Chile auf dem fünften Platz, das mit einer Wahrscheinlichkeit von vier Prozent den Titel holt.

Alles klar, die Zahlen sprechen also eindeutig für Brasilien. Und was sagen die Sterne? Natürlich wie immer gar nichts, aber man kann ja mal nachschauen: „Der WM-Titel ist für die deutsche Nationalmannschaft nicht unerreichbar„, meint ein „Astrologen-Team von Viversum„, und hat auch einen Grund für die weniger guten Nachrichten aus der Vorbereitung gefunden:

Spannungsaspekte von Uranus zu seinem Mars, die mit verletzten Spielern und einem Unfall im Trainingscamp so manch unangenehme Überraschung über das DFB-Team gebracht haben, werden schwächer.

OK, dass dieser „Spannungseffekt“ im Horoskop des Trainers sogar einen Mercedes aus der Bahn werfen kann in dem Löw gar nicht drin sitzt ist schon irgendwie seltsam. Auf eine irgdendwie genauere Aussage zum Abschneiden der deutschen Mannschaft lässt sich das Sterndeuterteam natürlich nicht festnageln, allerdings soll es Herrn Löw irgendwie an einem Glückplanet mangeln. Auch der Kartenleger „El Fantadu“ hat nicht viel mehr als allgemeines Geraune zum Abschneiden der deutschen Mannschaft aus den Karten gelesen:

Die Mannschaft wird gut abschneiden. Es wird sehr emotional, es werden Tränen fließen. Ich erkenne auch eine beleidigte Leberwurst. Ist der Trainer wirklich so sensibel? Auf jeden Fall muss der Trainer mit Verletzten improvisieren. Und er wird noch zwei bis drei Jahre im Amt sein.

Außerdem flüsterten ihm die Karten, dass die Niederlande früh nach Hause fahren und Brasilien nicht gewinnen wird während Spanien und Belgien Chancen auf ein gutes Abschneiden haben. Einen anderen Tipp findet man in einem Astrologieforum:

Also, Brasilien als Gastgeberland wird s nicht. Ebenfalls, Frankreich, Holland und Spanien hat diesmal auch nichts mit dem Ausgang des Turniers zu tun. In Verdacht habe ich, Italien die haben ein unglaubliches gutes Horoskop zu diesem Zeitpunkt, dann Argentinien und auch die DFB Auswahl hat Chancen.

Das widerspricht natürlich anderen, bisher bekannten Prognosen aus der Sterndeuterecke, aber immerhin sind mit Argentinien und Italien die gleichen Favoriten wie bei der oben erwähnten Direkt Anlage Bank genannt.

Ebenfalls auf ein Finale zwischen Italien und Argentinien setzt die Webseite „verstand-in-gefahr.de“. Wie der Autor seine WM-Prognose zusammengbastelt hat konnte ich allerdings nirgends finden, und ob dann wirklich Italien gewinnen wird bleibt ebenso abzuwarten wie das dort vorausberechnete Ausscheiden Deutschlands in der Vorrunde.

Zum Mitspielen reizt die Webbeite asertoni. Dort können die aktuellen Prognosen einer speziell konzipierten Software eingesehen werden, und man kann sogar gegen diese – und andere Mitspieler – bei einem Tippspiel antreten und ein nettes Tischfußballspiel aus Pappe gewinnen. Was allerdings fehlt ist eine Gesamtprognose! Oder ist den Verantwortlichen die wasweißichwievielte Prognose auf einen brasilianischen Turniersieg zu profan?

Auf die immer weiter steigende Zahl von Tieren, die einzelne Spiele orakeln, werde ich vor dem ersten Deutschlandspiel näher eingehen, aber das ein oder andere Spezialorakel verdient schon jetzt Erwähnung. Das Kopiererorakel ist natürlich nur ein Scherz, und für den Spiegel soll ein Staubsaugerroboter den Sieger der einzelnen Spiele ermitteln (und fährt ins deutsche und nicht ins portugiesische Tor – aber was bedeutet das?) – da werden Erinnerungen an den Blechnager wach, der 2012 die Sieger einzelner EM-Spiele ohne Erfolg zu erhoppeln versuchte. Bei den von Spiegel Online befragten 66 Promis halten sich die Tipps auf den Gastgeber Brasilien und die  schwarz-rot-goldene Brille mit jeweils 20 Nennungen die Waage, genannt werden außerdem England, Portugal, Argentinien, Belgien, Uruguay, Frankreich, die Elfenbeinküste, Italien und die Schweiz sowie der „SV Gifhorn“ und ein Land namens „Wir“.

Bleibt am Ende noch ein tierisches Orakel wie es nicht sein sollte, nämlich der Orakelhund Emilie. Schon die Auswahl der kleinen Freßnäpfchen ist mit Portugal, „was anderes“, Deutschland, Brasilien, Italien und Spanien ein wenig beschränkt. Dass sich Frauchen dann natürlich hinter das Deutschland-Näpfchen stellt und das gerufene Hundi auch brav aus diesem Näpfchen seine Leckerlis holt ist leider nicht mehr als eine lächerliche Dressurnummer und für ein WM-Orakel doch eher peinlich:

Bitte Leute, wenn ihr schon ein WM-Orakel an den Start schickt, dann lasst es richtig orakeln! Ein Orakel das von vorneherein immer „Deutschland“ als Sieger liefern soll ist schlicht und einfach langweilig!





Wer wird Fußball-Weltmeister 2014? – Teil 1: Statistische Prognosen – auch zum Selbermachen!

8 06 2014

Noch eine Woche bis zur Fußball-WM und so langsam wird es Zeit für den Beginn meiner fast schon traditionellen Prognosesammlung. Wie üblich äußern sich im Vorfeld ein paar Statistiker von Unis oder Großbanken, die ihre geballte Rechnerpower für ausufernde statistische Simulationen nutzen.

Bei Goldmann Sachs mündet das in eine 67-seitige Analyse unter dem Titel „The World Cup and Economics 2014„, die auch eine Simulation des gesamten Turniers beinhaltet. Das Ergebnis: Brasilien (48,5% Wahrscheinlichkeit für den Titelgewinn) besiegt Argentinien (14,1%) im Finale, Deutschland (11,4%) scheidet – wie Spanien (9,8%) – im Halbfinale aus. Bei der Unicredit-Bank sieht es ähnlich aus, gemäß dieses Berichts heißt der Sieger ebenfalls Brasilien, Argentinien verliert das Finale und Deutschland unterliegt im Spiel um den dritten Platz (hier soll der Gegner Uruguay heißen). Die Berechnungen der Universität Innsbruck liefern ein fast identisches Ergebnis: Brasilien (22,5%) vor Argentinien (15,8%), dahinter Deutschland (13,4%) und Spanien (11,8%). Auf der Webseite Fußballvorhersage wurde bereits Anfang Mai mit den zum 3.5. bekannten Daten (ELO-Rating, Weltrangliste, Wettquoten – s.u.) eine Simuation des gesamten Turniers ins Netz gestellt, hier soll im Finale Brasilien die Spanier besiegen, Deutschland wird nach einem Sieg über Argentinien Dritter. Auch auf der Webseite des Schweizer Mathematikers Roger Kaufmann haben die Brasilianer (27,7%) die Nase vorne, gefolgt von Argentinien (13,2%), Deutschland (10,2%) und Spanien (9,4%) – nach Beginn der WM werden diese Titelwahrscheinlichkeiten aber regelmäßig durch Eintrag der aktuellen Spielergebnisse neu berechnet. Nur der Dortmunder Physikprofessor Metin Tolan schafft es sein Simulationsprogramm so zu manipulieren, dass am Ende der Berechnungen die deutsche Mannschaft (mit 20,33% Siegeswahrscheinlichkeit, vor den Niederlanden mit 18,61% – Brasilien hat da nur 9,04% und Spanien gar nur 0,65%) an der Spitze steht, und er gibt das sogar zu: „Bei meinen Berechnungen kommt natürlich immer Deutschland raus„.

Der Trick von Tolan ist dabei, dass er offensichtlich von den verschiedenen Faktoren, die man für eine solche Simulation benutzen kann, diejenigen am höchsten gewichtet, bei denen die deutsche Mannschaft irgendwelche Vorteile hat: in diesem Falle die vielen erzielten Tore in der Qualifikation. Andere Faktoren, die in solche Berechnungen eingehen sind die offizielle FIFA-Weltrangliste, mehr oder weniger aktuelle Wettquoten diverser Wettanbieter, die Ergebnisse früherer WM Turniere sowie anderer Länderspiele, der aktuelle Marktwert der Spieler, der Heimvorteil (… und die Tatsache dass noch nie ein europäisches Team bei einer WM in Südamerika gewinnen konnte) sowie das  – meines Erachtens sehr interessante – ELO-Rating (das von der FIBA Weltrangliste zum Teil deutlich abweicht). Der Fanasie sind dabei wohl kaum Grenzen gesetzt und für die Gewichtung der einzelnen Faktoren lässt sich wohl fast immer eine richtig klingende Begründung finden.

Wer ein wenig mit solchen Gewichtungen ein wenig spielen will, der kann dies auf der Seite „Fußballmathe“ tun. Für die eigene Prognose können die Gewichtungen für die Kategorien „Vergangene Spiele“, „Torverhältnis“ und „FIFA-Punkte“ variiert werden:

fubama

 

Bisher ist es mir allerdings nicht gelungen durch irgendeine Einstellung die Prognose eines brasilianischen Titelgewinns zu verhindern …

Viel mehr Spielmaterial für die Vergabe eigener Gewichtungen – und damit viel mehr auch wirklich unterschiedliche Ergebnisse – gibt es beim Spiel mit dem Worldcup-Simulator der Freien Universität Berlin. Hier darf man nämlich die verschiedenen Gewichtungen einfach ändern und neben der Gewichtung für ELO-Rating, FIFA-Weltrangliste, ESPN’s Soccer Power Index (den habe ich im Netz nicht lokalisieren können), dem Wert der Spieler, des Heimvorteils und dem Alter der Spieler kann zusätzlich nicht nur ein „Glücksfaktor“ eingebaut sondern es kann auch ein eigenes Kriterium für die einzelnen Teams definiert, bewertet und nach eigenem Gutdünken gewichtet werden. Einzige Schwäche der Seite ist die etwas unübersichtliche Gestaltung des jeweiligen Ergebnisses, aber das Spielen mit dem Simulator macht wirklich Spaß. Da man auch die Anzahl der für die Berechnung des Ergebnisses notwendigen Simulationen einfach verändern kann sind auch sehr obskure Ergebnisse möglich. Gewichtet man zum Beispiel alle „echten“ Faktoren mit einer Null und den Glücksfaktor mit „1“, dann kann bei der Standardeinstellung von 10.000 Simulationsrunden natürlich jede Mannschaft als Sieger erscheinen. Setzt man dazu noch die Anzahl der Simulationen auf 1, kriegt man sehr überraschende Sieger, analog einer Folge von einfachen Zufallsexperimenten a la Münzwurf: so kann dann in einer Prognose auch Kamerun im Finale Frankreich besiegen. Auch einen deutschen Sieg kann man sich dadurch zusammenbasteln  – ich gebe aber zu, dass ich bei dieser Simualtion ein wenig übertrieben habe, denn wenn die deutsche Mannschaft mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% den Titel gewinnen soll (gefolgt von Spanien 9%, Brasilien 6% und Argentinien mit 5%) dann muss man schon sehr viel tricksen. Die Standardeinstellungen des Simulators liefern übrigens eine bereits bekannte Prognose: Brasilien (25%) vor Spanien (14%), Argentinien (14%), Deutschland (13%) und dann lange nichts. Spannend wird es auch hier nach Beginn des Turniers, denn die aktuellen Spielergebnisse kann man bei eigenen Simualtionen in das Ergebnis einfließen lassen, oder eben auch nicht.

Fazit:

Brasilien ist bei den statistischen Simulationen der klare Favorit, Argentinien, Deutschland, Spanien und vielleicht noch Uruguay oder die Niederlande haben gemäß diesen Berechnungen ebenfalls Chancen, für den Rest der Teams scheinen die Aussichten auf den Titel nicht allzu gut. Allerdings ist offen, ob diese Simuationen auch berücksichtigt haben, dass Stephen Hawking der englischen Mannschaft eine Erfolgsformel berechnet hat. Er empfiehlt unter anderem „rote Hemden, eine 4-3-3-Formation und blonde Elfmeterschützen„, Faktoren die nicht unbedingt in den anderen Simulationen enthalten sind. Vielleicht hilft das ja dem so genannten „Mutterland des Fußballs“ …





Staunen und Rechnen lernen mit Homöopathie

30 07 2013

Wenn Homöopathie schon nicht unbedingt als so etwas wie eine Arznei taugt, so hilft sie immerhin noch beim Staunen, nämlich beim Staunen über Zahlen. So hat Dr. Aust in seinem wunderbaren Blog „Beweisaufnahme zur Homöopathie“ unlängst sehr ausführlich erklärt, wie man das Homöopathikum Vinum Christi C200 herstellen könnte. Das ist gar nicht mal so schwer, denn wenn man davon ausgeht, dass jener Jesus sich damals, beim so genannten letzten Abendmahl, ein gut gefülltes Glas mit etwa 200ml Flüssigkeit genehmigt hatte, so finden wir noch heute in jedem Wassertropfen etwa 5 dieser Moleküle (wenn wir davon ausgehen, dass sich die Flüssigkeit im ganzen auf der Erde verfügbaren Wasser gut verteilt hat). Nach Überschlagsrechnung und unter geschickter Verwendung der so genannten „generalisierten Quantentheorie“ (die ist vom Träger des Goldenen Bretts Prof. Dr. H. Walach erdacht worden – was es dazu zu sagen gibt kann man hier nachlesen) gibt der Autor auch noch herrliche Anwendungstipps für dieses wahrhaft sensationelle Homöopathikum … … einfach einen Zahnstocher in das verschüttelte Mittel und damit dann einen guten Whiskey impfen, das müsste doch eine tolle (und schmackhafte) Medizin ergeben.

In den USA hat man ähnlich gerechnet, das Ergebnis aber ein wenig anders dargestellt. Ein Mensch, der sich „Sai“ nennt hat auf google+ eine Idee veröffentlicht, die sich auf ähnliche Rechenspiele wie die gerade erwähnte Herstellung von Vinum Christi C200 beruft. Hier soll aber kein neues Homöopathikum hergestellt werden, sondern es wird – politisch völlig unkorrekt – eine einfache Forderung an die Herstellervon Homöopathika gestellt:

We have a simple proposal: that all homeopathic products containing less of the advertised ingredient than Hitler’s breath* have a large, clear statement on the front saying (a) how much more of Hitler’s breath they have, and (b) the most common name of the advertised ingredient. I’ve attached a sample for your marketing team’s enjoyment.

Tja, im Beispielbid, dem bekannten Mittel „oscillococcinum“ der französischen Firma Boiron (die schon mal einen kritischen Blogger verklagen wollte), wird angegeben, dass 10^380 mal soviel vom Atem des in Braunau am Inn geborenen Gröfaz in dem Mittelchen ist, als die angepriesenen Inhaltsstoffe (Entenherz und Entenleber). Nun ja, man hätte ja auch eine andere Person als Referenz nehmen können, oder eben vielleicht tatsächlich den Vinum Christi (aber in der Urtinktur), aber auf jeden Fall finde ich die Forderung nach der Nennung des „normalen Namens“ für den beworbenen Inhaltsstoff sehr gut.

Eigentlich dürfte sich kein dem Verbraucherschutz verpflichtet fühlender Politiker folgenden, sehr einfachen Forderungen entziehen:

1. Inhaltsstoffe müssen in Klarnamen (soweit vorhanden) angegeben werden: also Kochsalz statt Nitriacum Chloratum (das es hier sogar in verschiedenen Varianten gibt) oder Hundekacke statt excrementium canium

2. Inhaltsstoffe müssen in gebräuchlicher Gewichts- bzw. Volumenangabe – also g/mg bzw. l/ml – angegeben werden und dürfen nicht durch eine „Geheimsprache“ (C200, LM1000) verschlüsselt werden (das ist ja bestimmt auch für Allergiker wichtig …).

Wie schön wäre es, wenn  dann zusätzlich gefordert werden würde, dass ein Hersteller selbstverständlich jederzeit die Richtigkeit seiner „Mischung“ nachweisen können muss – am besten natürlich in einem Doppelblindversuch …

Aber Schluß mit dem Träumen. Ich finde bei solchen Rechenspielen wirklich erstaunlich welche Ergebnisse Überschlagsrechnungen liefern: mit jedem Atemzug atmen wir ein Molekül aus dem letzten Atemzug Caesars (Link) und mit jedem Liter Wasser trinken wir mehrere Moleküle des Weins vom letzten Abendmahl (wenn es denn stattgefunden haben sollte). Unvorstellbar? Nein! Einfache Rechnerei mit großen und kleinen Zahlen – und mit den bestätigten Ergebnissen zahlloser Forscher verschiedener Fachgebiete!

… und dass diese Erkenntnisse durch einfaches Nachrechnen die Homöopathie immer lächerlicher erscheinen lassen, das finde ich nicht allzu „schlimm“ …





Aberglaube scheint unrentabel

20 08 2012

… zumindest scheint es so, wenn man sich die bisherige Perfomance des „Aberglauben-Fonds“ anschaut, den ein Herr namens Shing Tat Chung vor einiger Zeit aufgelegt hat. Das Ganze ist allerdings als Kunst-Projekt zu verstehen, wie der Mann in einem Interview mit jetzt.de erläuterte.

Tatsächlich kann ein Fonds ja theoretisch jede nur erdenkliche Anlagestrategie verfolgen, die Verantwortlichen müssen sich dann nur daran halten – und genug Investoren finden, damit sich die Sache dann rentiert. In diesem Fall wird eben nach verschiedenen abergläubischen Regeln gehandelt – wobei die Details zumindest teilweise im Dunkel liegen (welche Aktien ausgewählt werden ist zum Beispiel völig unklar). Im verlinkten Interview werden immerhin ein paar Regeln offen gelegt:

Zum Beispiel die Zahlen. An bestimmten Tagen wie dem 4., 13. oder 17. des Monats kauft er nicht, weil das Unglückszahlen sind. Er kauft, wenn der Index einen „glücklichen“ Wert hat, zum Beispiel 888, eine Schnapszahl; bei einem unglücklichen Wert, in dem etwa eine 13 vorkommt, verkauft er. Das sieht dann so aus: Wenn der Wert des FTSE 100 Index (der wichtigste britische Aktienindex, Anm. d. Red.) zum Beispiel bei 5.413 ist, verkauft er.

Der Computer hat Angst vor Vollmond, Neumond ist dagegen gut. Eine Sonnenfinsternis ist schlecht. Außerdem schafft sich der Algorithmus seine eigenen Glücksregeln, so wie wir das auch manchmal tun. Wenn wir zum Beispiel ein Tennismatch gewinnen, schieben wir das auf unsere „Glückssocken“ und ziehen sie beim nächsten Mal wieder an. Wenn der Computer mit einer Aktion Erfolg hat, wiederholt er sie ebenfalls, so lange, bis er damit kein Glück mehr hat.

Die Details würden mich ja wirklich interessieren, aber scheinbar ist an diese nicht heranzukommen. In der Realität scheint die abergläuische Anlage sowieso nicht allzu erfolgreich zu sein. Auf der Webseite wird aktuell (20.8. 22:00 Uhr) eine Performance von -8,78% angegeben, also ein satter Verlust – aufgelaufen seit dem 1. Juni dieses Jahres, also in nicht einmal 3 Monaten. Wenn man das mit der Entwicklung des im Interview erwähnten britischen Aktienindex FTSE100 vergleicht, wird es noch verlustreicher, denn dieser Stand zu Handelsbeginn am 1.6. bei 5.320,90 Punkten und aktuell bei 5.852,40 Punkten, hatte also in dieser Zeit ca. 10% zugelegt. Aber noch hat der Aberglauben eine Chance, denn in den nächsten Monaten könnte das auf diesen Regeln beasierende Computerprogramm ja noch den ein oder anderen Anlageerfolg erzielen. Ich hab‘ mir auf jeden Fall schon mal eine Erinnerung für Ende Mai 2013 in den Kalender eingetragen um das Ende dieses „Kunstwerks“ mitzuerleben.





Das Eurobarometer und die Astrologie

25 05 2012

Die bei Astrodicticum Simplex schon vor einem halben Jahr ausführlich beschriebene (und diskutierte) Studie zu „Astrology Beliefs among Undergraduate Students“ habe ich mir erst jetzt im Detail angesehen – und dabei sind mir zwei andere Studien eingefallen, die ich hier kurz vorstellen möchte. Die EU-Komission fragt nämlich immer mal wieder die Menschen in den Mitgliedsländern (… und sogar darüber hinaus) was sie zu bestimmten, nicht nur aktuellen Themen denken. Eurobarometer heißt das Ganze und bei den beiden Umfragen zum Thema „Europeans, Science and Technology“ aus den Jahren 2001 und 2005 war auch die Einstellung der Europäer zur Astrologie Thema.

Die Umfrage aus dem Jahr 2001 war seinerzeit zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, weil neben der Einstellung der Europäer zu verschiedenen echten oder vermeintlichen Wissenschaftsbereichen auch verschiedene Aussagen mit  Wahr/Falsch/Weiß Nicht bewertet werden sollten – und die Ergebnisse durchaus überraschend waren:

Jeder 5. glaubte also, dass die Erde nur einen Monat braucht um die Sonne zu umrunden, und jeder 4. lässt die Sonne um die Erde kreisen – da wundert man sich nicht einmal, dass in der damaligen Umfrage über die Hälfte der Befragten die Astrologie als „eher wissenschaftlich“ erachtete:

Wobei diese Einschätzung weitgehend unabhängig vom Bildungsniveau zu sein schien, wie folgende Unterscheidung nach dem „Ausbildungsende“ zeigte:

Bei den oben gezeigten 13 einzuschätzenden Aussagen war die Anzahl der richtigen Antworten übrigens direkt vom Bildungsniveau abhängig, denn während Europäer, die ihre Ausbildung vor dem 15. Lebensjahr vollendet hatten im Schnitt nur 6,4 Aussagen richtig bewerteten lagen solche, die beim Ende ihrer Ausbildung älter als 20 Jahre waren mit 9,0 Richtigen doch wesentlich besser.

In 2005 wurden die Fragen zur Wissenschaftlichkeit dann ein wenig geändert. Dieses Mal mussten die Europäer die verschiedenen Fachgebiete auf einer Skala von 1 (absolut unwissenschaftlich) bis 5 („harte“ Wissenschaft) bewerten – und auch die Homöopathie tauchte in der Liste auf. Als weiteres Schmankerl ließ man die eine Hälfte ihre Einschätzung zur Astrologie angeben, die andere zu Horoskopen. Letztere Unterscheidung zeigte ein wahrlich beeindruckendes Ergebnis: Während 41% der Befragten die Astrologie auf obiger Skala mit 4 oder 5 bewerteten …

… waren es bei Horoskopen gerade ‚mal 13%.

Offensichtlich können die Menschen also sehr gut zwischen Astrologie und Horoskopen (in Zeitungen etc.) unterscheiden und billigen letzterem Thema Wissenschaftlichkeit nur in homöopathischen Dosen zu. Deutlich wird das auch, wenn man sich die durchschnittlichen Bewertungen anschaut …

… und noch deutlicher, wenn man die Achse an die richtige Stelle verschiebt (eine Bewertung mit „0“ war gar nicht möglich):

Es überrascht mich nicht, dass jeder Dritte der Homöopathie und gar 41% der Astrologie eine hohe Wissenschaftlichkeit zubilligen. Mit einem gewissen Prozentsatz mehr oder weniger fanatischer Anhänger solcher reinen Glaubenssysteme wird man wohl immer leben müssen, es wäre aber schön, wenn es nicht gar so viele wären. Vielleicht hilft ja die Resolution vom Welt-Skeptiker-Kongress am letzten Wochenende (es war absolut Klasse!), diese Anteile zu verringern …





Nachtrag zum 11.11.: Bild und die Eso-Jecken-Synchronizität

11 11 2011

Ich weiß ja, dass ich zu spät dran bin. Eigentlich hätte ich mich schon früher um mein heutiges Tagesprogramm kümmern müssen, denn schließlich ist heute ja ein ganz besonderer Tag. So viele Einsen im Datum gibt es nur alle hundert Jahre und da muss ja irgend etwas Besonderes passieren oder?*

Und wenn schon die Bild-Zeitung (zumindest hier im Bergischen Land) auf der Titelseite dick und fett den verrücktesten Tag des Jahres propagiert, dann hätte man sich vielleicht ein wenig darauf vorbereiten sollen. Aus beruflichen Gründen habe ich die Schlagzeile und den dazugehörigen Artikel erst im Nachhinein gelesen und musste bei drei der befragten Koryphäen doch sehr lachen. Das nichtssagende astrologische Blabla von  Michael Allgeier war ebenso lächerlich wie Herrn Dimdes lächerliche Phantasie, die mit Sicherheit nicht aus irgend einem Nostradamus-Werk stammt. Warum man auch noch eine Rubrik „11.11. und Job“ in die Liste aufnahm, das erschließt sich mir nicht. Der Text dazu …

Zahlenforscher Arndt Aschenbeck (40): „Die 11 steht für einen Neuanfang – aber auch für inneren Kampf. Verhandlungen gelingen, Verträge erweisen sich als günstig, Gehaltsforderungen sind erfolgreich. Vorsicht vor Neidern und Intriganten!“

… ist inhaltlich auf dem selben unterirdische Blabla-Niveau wie bei den anderen beiden Erwähnten, aber dass sich dieser „Zahlenforscher“ zur „11“ äußerst ist höchst verwunderlich. Wenn er nämlich in seinem Blog etwas schreibt (Ja, man kann ihn auch den Leichenfledderern zuordnen, den von 5 auf dieser Seite zu findenden Artikeln beschäftigen sich 2 mit gerade Verstorbenen), dann werden immer nur einzelne Ziffern, nie die 10, 11 oder gar 12 auf irgendeine (natürlich völlig willkürliche) Weise gedeutet. Jetzt soll also die die „11“ für einen Neuanfang stehen? Oder nicht vielleicht doch für das „Fastende“ (eines Dutzends)? Oder für einen Wiederanfang (nach dem Ende einer ersten „Zehnerrunde“)? Oder hat sich der Mann einfach nicht an die vielfache „1“ getraut? Oder war ihm die „6“ (1+1+1+1+1+1) suspekt, oder auch die „8“ (1+1+1+1+2+0+1+1)?

Mich würde heute aber sowieso etwas ganz anderes interessieren. Ich würde zu gerne wissen, ob ein Mensch, der diese Veranstaltung in Köln besuchte (bzw. aktuell noch besucht) …

… sich vielleicht vorher noch bei einer anderen Veranstaltung angemeldet hat, für die zum einen galt …… und zum anderen persönliches Erscheinen absolut unerwünscht war:

Das wäre für Kölner auch doof gewesen, denn der veranstaltende Laden hat seinen Sitz in der Nähe von Würzburg. Aber das macht ja nichts, denn es war ja keine Präsenzverannstaltung sondern …

Heilung ist natürlich gut, wenn man an die körperlichen Folgen eines solchen Tages denkt. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass so manchem Kölner Jecken die folgenden Sätze nach dem wasweißichwievielten Kölsch schon kurz nach dem Mittagsläuten durchaus plausibel erscheinen mögen: … aber ob man in Kölle gewillt ist, dafür auch noch 10 Euro zu latzen? Da nimmt man lieber diesen Satz aus dem Newsletter des verlinkten Ladens …

… beim Wort, deutet ihn auf die Lebensfreude spendende Getränkezufuhr um und bittet den Köbes um Nachschub.

… oder eine Begrüßungszigarette – steht zwar nicht direkt so da, aber es leuchtet und raucht auch. Ich vermute, dass sich so mancher Jeck daran gehalten hat! Und auch Abends, wenn sich längst alles verbrüdert hat, sind die Esoteriker zumindest virtuell ganz eng an der Seite der Jecken:

Genau so muss das aussehen! Wenn am Abend die „Überlebenden“ in diversen Kölschkneipen gemeinsam ihr (für Außenstehende wie mich eher unverständliches) Liedgut zum Besten geben und sich schunkelnd in den Armen liegen –  das kommt dann schon einer Art „Einheits-Bewusstsein“ sehr nahe.

Aber Vorsicht! Wie die Jecken wissen bleiben solche Abende nicht ohne Folgen, und das wissen auch unsere Schwurbifexe aus dem Fränkischen:… und sie haben recht, nach 3 Tagen dürfte auch der schlimmste Kater überstanden sein. Ist schon toll, dass die Hardcoreesoteriker und die Hardcorejecken an diesem einen Tag im absoluten Gleichklang leben – in einer Art Supersynchronizität, wobei sogar mir als ausgewiesenem Fastnachts- bzw. Karnevalsverweigerer die Kölner Variante dann doch um Einiges sympathischer ist.

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*Nun ja, in den letzten tausend Jahren war ja immer noch eine 1 mehr im Datum, wenn man es denn ausgeschrieben hätte und vor 900 Jahren, an einem Datum das vollständig nur aus Einsen besteht, scheint (laut Wikipedia) nichts Weltbewegenderes passiert zu sein als die Weihe der Martinskirche in Neckartailfingen – aber immerhin hat die einen schiefen Turm!