Kalenderverwirrte, Zeitreisen und Hämmorrhoiden – Nachtrag zum 28.10.2011

30 10 2011

Und? War was? Manche der Anhänger des Mayakalenderendes vom 28.10.2011 wollen partout irgend etwas gemerkt haben:

Das also ist das Paradies. Die Neunte Welle ist zu Ende und somit der Mayakalender insgesamt. Alles in Allem bin ich überrascht und begeistert, wie präzise die Prognosen des Kalenders eingetroffen sind, auch wenn ich mir selbst ein viel schnelleres Fortschreiten zum ganzheitlich erleuchteten Einheitsbewusstsein gewünscht hätte.

So fühlt sich also der Tag danach an, der zum Mayakalenderende für den Autor eher Profanes barg:

In einem anderen Blog wird hemmungslos und vollkommen sinnbefreit über irgend einen „Aufstieg“ geschwurbelt, wobei zusätzlich – warum auch immer – ein in Köln, Düsseldorf und Mainz alljährlich wichtiges Datum genannt wird: der 11.11.. Was es mit diesem Tag Besonderes auf sich haben soll, das verrät der Text zwar nicht, aber beim Stöbern auf der Seite habe ich dann doch noch einen Link gefunden, der etwas mit diesem Datum zu tun zu haben scheint.

Zumindest in den genannten Städten dürften sich der 11.11. für so manche Menschen tatsächlich im Hirn bzw. mit Kopfschmerz am Folgetag auswirken.

Auf dieser Seite leidet man offensichtlich unter einer Art Kalenderverwirrung.

Wie ich in meiner letzten Botschaft an euch mitteilte (Channeling July) endet das Jahr 2011 am 28.10.2011 und dort beginnt das Jahr 2012.

Komisch, mein Wandkalender zeigte am Freitag keinen Silvestertag und auch heute ist noch immer 2011. Das ist aber ganz bestimmt wieder so eine gaaanz pöhse Verschwörung, die glücklicherweise von dieser „Neuen Gemeinschaft von Philosophen“ bereits aufgedeckt wurde:

Das Eine-Welt-Establishmant hat nämlich ein ganz besonderes Interesse daran, die Weltöffentlichkeit in dem Glauben zu lassen, daß der 21. Dezember 2012 das entscheidende Wendedatum des Mayakalenders sei.

 Aber warum nur?

Mit der falschen Fokussierung auf 2012 will man erreichen, daß der Großteil aller Menschen die Zuspitzung der Krise für 2011 nicht einplant bzw. erst gar nicht für möglich hält, sie damit davon abgehalten werden, die dringend notwendigen Krisenvorbereitungen früh genug zu treffen und somit unvorbereitet dem gesellschaftlichen Chaos ausgesetzt sein werden. Und genau ein solches Verhalten braucht das Establishment unbedingt, um den unvorbereiteten Völkern das globale Versklavungssystem der Eine-Welt-Herrschaft aufzwingen zu können – „ORDO AB CHAO“ ist das oberste Motto der menschen- und völkerverachtenden Freimaurer!

Ach so! Die Freimaurer ‚mal wieder. Aber was man von diesem auf den 2.2.2011 datierten Text halten soll zeigt schon diese …

[…] (Anmerkung: Sehr wahrscheinlich markiert dieses Datum das Ende des Dritten Weltkriegs durch die prophezeiten Kataklysmen [Nibiru?] als das definitive Ende des alten Paradigmas und Herrschaftssystems).

Nibiru? Ende des 3. Weltkriegs? Da haben die bösen Medien beim Verschweigen wohl ganze Arbeit geleistet!

Eine andere Kalenderverwirrung gehört wohl eher in diese Kategorie, denn  der Autor huldigt nicht nur ausgiebig jeder absurden Verschwörungstheorie sondern hat auch absolut tolle Sonderangebote  auf Lager, die gegen Bares zu erwerben sind. Man muss sich aber schnell entscheiden:

Dieses Angebot gilt nur bis Sonntag, 30.10.2011, damit viele von Euch die Möglichkeit haben, dabei zu sein und damit Geld dabei keine große Rolle spielen soll … Ab Montag 31.10.2011 erhöht sich die Teilnahmegebühr definitiv auf 222,- Euro, was dann ja immer noch 350,- Euro Ermäßigung beinhaltet …

Nun gut, für ein Teil dieses Paketes bräuchte der Anbieter wohl eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit, denn das Folgende soll 95 Euro wert sein:

Persönliche Verankerung auf Deinen Vor- und Nachnamen als Stellvertreter für Deine ganze Familie bezogen auf Ort und Zeit des Rituals im Salar de Uyuni in Bolivien am 28.10.2011 um 11:11 Uhr

Und klar, dass sich der Preis ab Montag 31.10. erhöht – Zeitreisen werden ja täglich teurer …

Interessant ist bei dieser in Panama registrierten Seite übrigens der Haftungsauschluß:

Durch die Nutzung der  hier erhältlichen Angebote kann subjektiv das Empfinden eines sehr starken Energieflusses auftreten.

Stimmt, aber nur wenn man Energie mit Geld gleich setzt.





Preisgekrönte Wahrsagerriege

2 10 2011

Bei der diesjährigen Verleihung der IgNobel-Preise wurde gleich einer ganze Reihe von Wahrsagern und Hellsehern die beliebte Ehrung zu teil – und zwar im Bereich Mathematik, weil sie der Welt zeigten, dass man mit mathematischen Annahmen und Rechnungen vorsichtig umgehen sollte. Hier die Begründung im Original:

MATHEMATICS PRIZE
Dorothy Martin of the USA (who predicted the world would end in 1954), Pat Robertson of the USA (who predicted the world would end in 1982), Elizabeth Clare Prophet of the USA (who predicted the world would end in 1990), Lee Jang Rim of KOREA (who predicted the world would end in 1992), Credonia Mwerinde of UGANDA (who predicted the world would end in 1999), and Harold Camping of the USA (who predicted the world would end on September 6, 1994 and later predicted that the world will end on October 21, 2011), for teaching the world to be careful when making mathematical assumptions and calculations.

Klar, alle Genannten hatten für irgend ein Datum das Ende der Welt berechnet, und bei fast allen (der von Harold Camping vorhergesagte 21. Oktober dieses Jahres kommt ja erst noch …) verging der prognostizierte Tag ohne dass irgend etwas Besonderes passierte. Und Camping hatte sich bereits vor 6 Monaten blamiert, da er für den 21. Mai die so genannte Entrückung („Rapture“) angekündigt hatte – von der die Welt nur deshalb etwas „merkte“, weil sich im Internet nicht wenige Leute ein Späßchen erlaubten und lustige „Rapture-Bomb-Fotos“ publizierten.

In Holland versuchte irgend ein Fernsehprogramm den/die beste(n) Hellseher(in) der Welt zu küren – und wurde sogar fündig:

Am Ende steht die Gewinnerin fest: Elisabeth aus Norwegen wird ‚Beste Hellseherin der Welt‘.

OK, das Ganze ist nicht neu, in Deutschland durfte im letzten Jahr sogar ein Skeptiker beim Hellseher-Casting in der Jury sitzen. Ob bei dieser Version auch ein Skeptiker dabei war weiß ich nicht, aber wie die Siegerin ihren frischen Ruhm mit einem ersten Statement gleich wieder ad absurdum führte ist glücklicherweise überliefert:

„Ich bin sehr sehr glücklich, ich hab nicht damit gerechnet, ich dachte Sylvia gewinnt!“

Dafür müsste ihr dieser „Titel“ doch eigentlich direkt wieder entzogen werden …





Prognosen 2011: Noch mehr Katastrophen und das übliche Blabla

30 12 2010

Nikki Pezaro kann’s nicht lassen. Auch für 2011 hat sie wieder viele Prognosen auf ihrer Webseite aufgelistet und neben den üblichen Katastrophen (überall Erdbeben und Terroranschläge!) finden sich nicht nur viel aus den Vorjahren Kopiertes sondern auch das ein oder andere Schmankerl für’s Kuriositätenkabinett. Hufeisenförmige UFOs über Roswell (World Predictions Nr. 22), Riesenspinnen (Nr. 48) und eine Pille die Menschen binnen 30 Tagen jünger werden lassen soll (Nr. 96) – der übliche Quatsch wie jedes Jahr.  Die Regenbogenpresse scheint sie nicht verfolgt zu haben, denn bei ihrer Nr. 6 in der Rubrik „The Royals“ (Wedding in Monaco) dürfte es um Albert II. gehen – und dessen Hochzeit ist seit Monaten für Anfang Juli 2011 angekündigt. Wenn ihre World Prediction Nr. 14 tatsächlich wahr werden sollte schlage ich vor, dass sie sich als Testperson zur Verfügung stellt. Sie hätte „The world’s first brain transplant“ bitter nötig!

Die Voraussage, dass FDP-Chef Westerwelle abtreten wird (oder muß) bescherte Mona Stein mediale Aufmerksamkeit. Mehr Konkretes gibt es von ihr nicht, und für eine Hellseherin ist der Ausblick auf die Wahlen in Berlin geradezu lächerlich:  Das Duell um das Berliner Rathaus im Herbst wird laut Mona Stein „wahrscheinlich“ nicht die Grüne Renate Künast gewinnen. Diese sei zwar sehr intelligent, aber etwas herrisch. SPD-Amtsinhaber Klaus Wowereit hingegen lasse alles schleifen. Eventuell werde er es wieder schaffen. Oder es komme jemand ganz Neues.

Winfried Noé hat gleich mehrere Ausblicke auf das Kommende Jahr auf Lager. Bei diesem reiht er völlig sinnfrei Sätze über Yin und Yang-Planeten aneinander und schließt mit einer Warnung: „Venus-Neptun in Verbindung mit Chiron lässt das Geld (Venus) wegfließen (Neptun).“ Angekündigt ist auch ein Artikel mit dem Thema 2011 und die Numerologie …

… aber schon der Text darunter zeigt, dass das verlinkte Zahlengemurmel aus dem letzten Jahr stammt. Genial dabei der Anfang:

Was geschieht eigentlich numerologisch, wenn die 2009 durch die 2010 ersetzt wird? Ganz einfach, es fällt eine Neun weg, und eine Eins kommt hinzu.

Aber das ist noch nicht alles, denn Herr Noé kennt ja auch die besten Tage 2011 für Liebe, Gesundheit und Beruf. Das Jahr wird also mit Spontanheilungen und Knochenbrüchen beginnen und in den Zeiträumen 30.3.-23.4., 3.-27.8. und 24.11.-14.12. soll man sich vor wichtigen Zusagen und Vertragsschlüssen hüten.

Im Newsletter des Allgeier-Verlags vom 23.12. gibt es natürlich auch eine Jahresvorschau 2011. Während aber bei Noé Venus, Neptun und Chiron das Geld abfließen lassen, schauen die Allgeiers einfach woanders hin und schwupps haben sie bezüglich der Finanzen eine positive Nachricht: Jupiter im Stier verspricht finanziellen Aufschwung und Lebensgenuss. Aber natürlich fehlen unter dem Punkt „Die besondere Konstellation“ auch die üblichen Schwarzsehereien nicht:

Was das weltliche Geschehen betrifft, bleibt die Gefahr von Gewalttaten, insbesondere von Amokläufen und Anschlägen recht hoch. Es wäre in der Tat besser, größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

Mehr davon haben sie in ihrem Astrologischen Jahrbuch auf Lager: Dort werden auf den Seiten 10 und 11 die „schwierigsten Tage“ mit Texten wie diesem aufgelistet:

1. bis 30. Juni. Saturn-Plutoweckt Fanatismus und kann Naturkatastrophen auslösen. Uranus-Pluto steht für Katastrophen, im schlimmsten Fall mit Nuklearkraft.

Insgesamt zählen übrigens so ca. 190 Tage zu den schwierigen und Ende Juni wird’s sogar doppelt gefährlich: zwischen dem 23. und 30. soll sich die Unfallgefahr erhöhen und es droht ein Flugzeugabsturz. Beim Katastrophen-Rundumschlag auf Seite 11 fehlt eigentlich nur das Wort Tsunami, ansonsten ist alles da: Vulkanausbruch, Zwischenfall im Kernkraftwerk, besonders heftige Erdbeben, schlimme Terroranschlägen und kriegerischen Auseinandersetzungen. „Ziemlich dick“ kommt es dann im November – aber nur für Bundeskanzlerin Angela Merkel (Seite 13): Sie könnte sogar krank werden oder einen Unfall erleiden.






Wünschelruten, Bovis-Einheiten und Louis de Funes

31 08 2010

Die FAZ berichtete über den aktuellen GWUP-Test, bei dem ein Herr Müller mit Hilfe seiner Wünschelrute herausfinden wollte, ob ein Stromkabel unter Spannung steht, oder etwa nicht. Die 24 Treffer bei 50 Versuchen entsprachen ziemlich genau der Zufallserwartung, und waren natürlich ein enttäuschendes Ergebnis für den Herrn. Ob er allerdings tatsächlich auf die 10.000 Euro Preisgeld beim erfolgreichen Bestehen dieses Tests (das hätte mindestens 40 Treffer erfordert) angewiesen war, das muss bei seinen Angaben bezweifelt werden, immerhin soll sich sein „Abschirmvlies“ für 90 Euro pro Stück ja bisher ganz gut verkauft haben …

Ein anderer Kandidat, der sich für einen ähnlichen Test angemeldet hatte, trat hingegen gleich gar nicht an:

Eigentlich hatte vor Müller noch ein anderer Kandidat antreten sollen, der feststellen wollte, ob Eimer mit Wasser gefüllt sind oder nicht. Er rief Mahner am Morgen des Tests aber an und sagte, dass der Teppich im Flur seines Hotels über Nacht schlechte Strahlung abgegeben habe und deswegen sein innerer BE-Wert durcheinander sei. Was ein BE-Wert ist, kann hier niemand erklären.

Das mit dem BE-Wert ist eigentlich ganz einfach: Es handelt sich dabei mit ziemlicher Sicherheit um die unter Wünschlern beliebten Bovis-Einheiten. Auch ohne genaue Kenntnis des bösen Teppichs im Hotelflur wäre dem Mann leicht zu helfen gewesen, und da kommt schon wieder der Name eines Herrn Müller ins Spiel. Der spielt nämlich eine Rolle in folgendem kurzen Sketch von Louis de Funes

… und die dort erwähnte Muskatnuss hätte den BE-Haushalt des verhinderten Wassereimerwünschlers doch ganz bestimmt wieder in Einklang bringen können – zumindest wenn man der Tabelle auf dieser Webseite glauben will. Während die „gute Vitalstrahlung beim Menschen“ (was immer das auch sein mag) mit 7000-8000 Bovis-Einheiten (BE) angegeben wird „strahlt“ die Muskatnuss mit sagenhaften 34000 BE,  Laut dieser Seite also in einem „kosmischen Strahlenbereich

Vielleicht war das dem Mann aber auch einfach zu gefährlich, denn die oben verlinkte Tabelle weist 14000 BEs als „Schwelle zur Verwandlung“ aus, und da sollte man dann doch lieber vorsichtig sein.

Deshalb reagiere ich auf die Strahlenschleuder auf meinem Schreibtisch …

… mit zwei vor sich hin strahlenden Handys und einem DECT-Telefon. Nachdem ich auch den WLAN-Router im Arbeitszimmer aufstellte haben sich die aus meinem Schädel gewachsenen Fühler inzwischen auch weitgehend zurückgebildet. Trotzdem traue ich mich noch nicht, eine Goji-Beere (355000 BE) zu essen …

PS:

Dass der Namensgeber dieser Schwurbelwerte – Andre Bovis – tatsächlich ein Physiker gewesen sein soll, wie auf mehreren Seiten (hier, da oder dort) nachzulesen, mag ich nicht glauben. Zwar kommt es vor, dass auch gestandene Physiker gravierenden Irrtümern unterliegen (mir fällt da immer René Blondlot mit seinen N-Strahlen ein), aber dass einer Ende des 19. Jahrhunderts irgendwelche Skalen erfunden hat, bei denen man Werte mittels Pendeln und Wünscheln ermittelt, scheint mir doch nur der übliche Versuch von Esoterikern zu sein, mittels Angabe möglichst Ehrfurcht-erheischender Titel und Berufsbezeichungen ein lächerliches Gedenkenkonstrukt plausibler klingen zu lassen. Laut der französischen Wikipedia war der Mann „radiesthésiste“ (Rutengänger), ebenso in der englischen und der deutschen Version.





Lottogewinn, Blitzschlag und Wahrscheinlichkeiten: Frau Treppner verrechnet sich wieder

6 08 2010

Dass es Astrologen immer mal wieder mit Lottoprognosen irgend welcher Art probieren ist nichts Neues. Vollmundige Versprechungen sind dabei an der Tagesordnung und auch Iris Treppner – bekannt für falsche Prognosen (hier, da oder dort erwähnt) und schamlose Übertreibungen bei der Bewertung ihrer „Trefferquoten“ zum DAX oder zum Goldkurs – macht da keine Ausnahme.

Schon die Überschrift auf ihrer Lottoseite ist eine Frechheit:

Lottogewinn? Jetzt ganz sicher!

Ach nee, nicht schon wieder! Auch die „Methode“ ist nicht neu. Denn sie weiß natürlich, dass die Voraussage von Lottozahlen gar nicht funktioniert …

Nein, ich kann Ihnen nicht die richtigen Zahlen im Vorwege nennen,

… behauptet aber folgendes zu können:

aber ich kann Ihnen sagen, wann es sich für Sie lohnt Lotto zu spielen.

Nein, Frau Treppner! Das kann schlicht und einfach nicht funktionieren. Dies zu widerlegen, dazu genügt ein einfaches Gedankenexperiment: Nehmen wir einfach an, dass ab der nächsten Ziehung nur noch diejenigen Leute Lotto spielen, für die es sich nach dieser Analyse auch tatsächlich zu spielen lohnt – würde dann der deutsche Lottoblock mehr Geld an die Mitspieler ausschüttet als er an Spielbeiträgen einnimmt?

OK, dass Rechnen nicht die Stärke von Frau Treppner ist hat sie ja bereits gezeigt – und ein Wort wie „statistisch“ sollte sie am besten gar nicht verwenden, denn dann wird’s  vollkommen falsch:

Statistisch betrachtet werden wir nämlich eher sechsmal vom Blitz getroffen, denn einmal im Lotto zu gewinnen.

Was für ein Unsinn –  obwohl der Grund dafür für Laien nicht ganz so einfach zu verstehen ist. Aber wer das Wort „statistisch“ verwendet sollte schon ein wenig über Wahrscheinlichkeiten Bescheid wissen …

Die Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres ein einziges Mal vom Blitz getroffen zu werden wird hier auf ca. 1:20 Millionen geschätzt (es gibt auch andere Schätzungen), die eines Lottohauptgewinns (6er mit Superzahl) kann man pro abgegebenen Tipp berechnen und sie beträgt ungefähr 1:140 Millionen. Man wird also mit einer ca. 6 mal höheren Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres vom Blitz getroffen, als dass man mit irgendeinem einzelnen Lottotipp den Supergewinn holt. Schon dieser Vergleich ist wenig sinnvoll (welcher Lottospieler gibt schon ein Mal im Jahr einen einzigen Tipp ab?). Nun aber zum Blitz: Schon die Wahrscheinlichkeit das 2. Mal (innerhalb eines Jahres) vom Blitz getroffen zu werden setzt voraus, dass man zunächst ein erstes Mal (mit der oben angegebenen Wahrscheinlichkeit) getroffen wurde – es handelt sich also um eine bedingte Wahrscheinlichkeit. Da die beiden Blitzschlagereignisse unabhängig sind, muss man die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten multiplizieren … … und erhält so schon für den 2. Blitzschlag eine Wahrscheinlichkeit von 1:400 Billionen. Beim 6. Blitztreffer (binnen eines Jahres) wäre man nicht nur ein sensationeller Pechvogel, sondern hätte auch die Ehre, dass einem ein Ereignis zugestoßen wäre, dessen Wahrscheinlichkeit bei 1:64 Septillionen (nach der „Langen Leiter“) oder 1: (64*10⁴²) liegt. Wäre das die Gewinnwahrscheinlichkeit beim Lotto, dann hätten wir in Deutschland seit der ersten Ziehung im Oktober 1955 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch keinen einzigen Hauptgewinner zu verzeichnen. Dies entspräche nämlich in etwa einem Lottospiel bei dem man 6 aus 60 Millionen (ohne Superzahl) bzw. 6 aus 41 Millionen (mit Superzahl) tippen müsste.

Aber der Frau geht es ja wohl eher um andere Zahlen: 50 Euro kostet die völlig nutzlose Voraussage von vermeintlich lohnenden Zeiträumen zur Abgabe eines Tippscheins … … natürlich nur gegen Vorkasse und – selbstverständlich – ohne jede Garantie.





Weitere WM-Prognosen und Zahlenspielereien

17 06 2010

Das südafrikanische Summermärchen (kein Tippfehler) ist ja bereits voll im Gange, aber hin und wieder gibt es noch neue Prognosen zum Ausgang der WM. So hat sich der Mannheimer Wahrsager Emanuell Charis bei seiner Favoritenprognose auf die üblichen Verdächtigen „festgelegt“ – und sieht Deutschland als Vizeweltmeister. Einzelne Astrologen versuchen sogar so ziemlich jedes Spiel irgendwie vorherzusagen – bin mal gespannt, ob sie das bis zum Ende durchhalten, und ob die Ergebnisse dann in irgend einer Form überraschend sind.

Ist es nicht viel lustiger, beim kenntnisfreien Herumschwafeln mit Freunden eigene Prognosen zu erstellen und mit der Realität abzugleichen? Auch ohne tiefer gehende Fußballkenntnisse habe ich letzten Sonntag beim gemeinsamen Deutschland-Spiel-Kucken eine solche gewagt – das Ergebnis erinnerte dann allerdings  eher an folgendes Video:

Der damit beworbene Goal-Predictor ist eine wirklich nette Spielerei. Die von den Machern vorbelegten „Stärkepunkte“ in Angriff, Abwehr und 11m-Treffsicherheit kann man dort für alle Länder auf einer Skala von 0-9 beliebig ändern und ein Programm berechnet dann eine – jeweils neue – Ergebnisprognose für das gesamte Turnier (unter Berücksichtigung der aktuellen Ergebnisse). Wie das verwendete „Gaussian mathematical model for football match simulation“ genau funktioniert wird leider nicht verraten, aber mit ein wenig Manipulation habe ich folgende Ergebnisprognosen für Halbfinale und Finale gebastelt:

OK, das war jetzt natürlich völlig unrealistisch – zumindest was die einzelnen Spielergebnisse angeht. Noch unrealistischer ist freilich diese – wohl lustig gemeinte –  „Prognose“ des YouTube-Users „EpicClown“: bei ihm siegt Nordkorea im Finale gegen Neuseeland …

Auch die im Spiegel ewähnten Zahlenspielereien sind nicht ernst zu nehmen, denn hier geht es lediglich darum mit irgendwelchen obskuren Rechenexempeln den nächsten WM-Titel für die deutschen Balltreter irgendwie auf das Jahr 2010 zu rechnen … … oder – falls es dann doch nicht klappt – eben auf 2014. Ebenfalls im Spiegel begründet der FDP-Mann Dirk Niebel, warum der vierte deutsche WM-Titel – im Gegensatz zu 2006 – dieses Mal nicht zu vermeiden sei: Weil die FDP – wie bei den Titelgewinnen zuvor – mit in der Regierung sitzt! OK, die FDP saß auch während der Weltmeisterschaften 1998, 1994, 1986, 1982 und 1978 in der Regierung – also doch eher ein schlechtes Omen?

Derweil haben sich übrigens die Weltmeisterwahrscheinlichkeiten im bereits erwähntenWorld-Cup-Predictor“ nach der ersten Spielrunde in Südafrika verändert: Brasilien liegt noch immer vorne (22,0% statt 23,4%), dahinter folgen aber jetzt die Niederlande (16,2% statt 9,8%), England (10,4% statt 10,3%), Spanien (10,2% statt 17,0%), Deutschland (9,2% statt 5,7%) und Argentinien (9,0% statt 7,5%) – in etwas veränderter Reihenfolge.

Wahrscheinlichkeiten, Sternenschwurbel, mehr oder weniger lustige Raterei – es wird auch dieses Mal sein wie immer: Irgendjemand wird mit seiner Prognose Recht gehabt haben …





Prognosen 2010 (Teil 7): WM-Prognosen aller Art

7 06 2010

Kurz vor der Fußball-WM in Südafrika nimmt erwartungsgemäß auch die Zahl der Prognosen zum Ausgang des Kickerspektakels zu. Dabei könnten die Quellen der im Folgenden vorgestellten Prognosen unterschiedlicher kaum sein. Von Astrologen über mehr oder weniger fachkundige Ratereien bis zu statistischen Simulationsmodellen reicht die Bandbreite. Beginnen möchte ich mit drei Prognosen aus dem Bereich Mathematik/Statistik/Ökonometrie.

Als Co-Sponsor der Titelkämpfe hat sich Castrol mächtig ins Zeug gelegt und bietet auf einer  Fußballseite einen „World-Cup-Predictor„. Dort kann man nicht nur die Wahrscheinlichkeiten für den Titelgewinn der einzelnen Nationen, sondern sogar die Wahrscheinlichkeiten jedes im Turnier möglichen Spielergebnisses (zumindest in der Form Sieg – Unentschieden – Niederlage) und einiges mehr abfragen. Das Ganze wird offensichtlich laufend upgedated, denn die angegebenen Wahrscheinlichkeiten ändern sich immer wieder ein wenig.  Die Namen der drei Topfavoriten blieben allerdings in den letzten Tagen gleich: Brasilien (aktuell: 23,4%) vor Spanien (17,0%) und England (10,3%). Hinter den Niederlanden (9,8%) und Argentinien (7,5%) folgen die Bundeskicker mit 5,7% auf Rang 6.

Deka-Bank und UBS haben für ihre WM-Broschüren ebenfalls fleißig mit statistischen Simulationen herumgespielt. Auch hier hat Brasilien die jeweils höchste Siegeswahrscheinlichkeit. Während aber die Ergebnisse bei der DEKA-Bank den Castrol-Berechnungen noch weitgehend ähneln (bei der DEKA folgen Spanien, Niederlande, England, Italien und Deutschland) sieht die Reihenfolge hinter Brasilien (22%) bei der UBS ganz anders aus: Deutschland (18%),  Italien (13%), Niederlande (8%), Frankreich (6%) und Argentinien (5%) liegen allesamt vor Spanien und England (jeweils 4%). OK, wer jetzt im aktuellen Spektrum der Wissenschaft den Artikel ‚Ist Fußball Glücksspiel?‘ aus den Mathematischen Unterhaltungen gelesen hat, der wird auf diese Prognosen eh nichts geben. Wie der Autor dort am Ende anmerkt lässt sich das ansonsten (… im Liga-Alltag) recht zuverlässige mathematische Modell (… zuverlässig im Vergleich zu einem Zufallsgenerator) auf eine Weltmeisterschaft gar nicht übertragen, da ‚diese nur alle vier Jahre stattfindet und sich die Zusammensetzung der Mannschaften in diesem Zeitraum stark ändert.‘

Die Astrologen drücken sich ja normalerweise eher kryptisch aus, es gibt allerdings auch Ausnahmen: Dieser Astrologe verbreitet die frohe Botschaft für die Oranje-Kicker sogar über ein Video:

Österreich spielt zwar gar nicht mit, aber auch in der Alpenrepublik kann man in die Sterne schauen und daraus irgendwelche Nonsensschlüsse ziehen. Ich bin schon mal gespannt, welche Prognosen uns von Herrn Amann erwarten: In seinem Blog kündigte er am 30. 5. an, dass er ab dem 10. 6. astrologische Fußballergebnisse zur Verfügung stellen wird – selbstverständlich ‚ohne Gewähr‘. Mal abwarten, was da so kommt …

Über einige weitere Prognosen aus der Astrologenszene hat Florian Freistetter aktuell berichtet. Entgangen ist ihm allerdings die genialste aller Prognosen – und die Auszeichung dafür gebührt ohne Einschränkungen Winfried Noe:  Kurz vor Weihnachten 2009 hatte er  im Kalenderblog auf die Frage nach dem kommenden Fußball-Weltmeister mit folgendem Sätzchen geantwortet:

“Das beste Team.”

Genaueres verraten die Sterne wohl nicht, aber vielleicht wissen Tarotkarten oder irgendwelche ‚Psychics‘ mehr? Sue Knock zum Beispiel traut sich was: Sie sieht schon jetzt, dass Ghana die WM gewinnen wird – und dass Deutschland und England nach starkem Beginn abfallen werden (während sich Italien und Frankreich im Laufe des Turniers steigern). Ein Kartenleger auf dieser Seite nennt die vier Halbfinalisten (Brasilien, England, Italien und Argentinien) und überlässt den Rest irgendwelchen Göttern. Das kanadische Medium Blair Robertson setzt auf die Spanier … … also irgendwie kommen immer die gleichen Namen –  oder eben gar keine.

Da sind mir Prognosen wie die Folgenden wesentlich lieber, denn da berufen sich die Autoren eigentlich auf gar nichts. Reine Raterei also? Vielleicht auch einfach eine Mischung aus Spaß, Wunschdenken und Youtube-Spielerei – die bisweilen aber wenig erfolgreich ist. So dauert das erste Video quälend lange 9 Minuten und ist wegen einer extrem dilletantischen Tonmischung weitgehend unverständlich – aber es wird ein ‚Sieger‘ benannt: England!

Der folgende Clip ist zumindest technisch ganz ok – er beginnt mit dem entscheidenden Elfmeter der WM 2006, liefert nette Flaggenanimationen und die erwarteten Ergebnisse aller Vorrundengruppen – für die entscheidenden K.O.-Runden danach reicht dann eine einzige schäbige Grafik (ab 4:20):

Argentinien als Titelträger? Die Fußballfans hierzulande werden eher folgendes Video lieben: Dort wird ein vollständiges Turnierszenario mit allen (!!!!) Spielergebnissen geboten und …

… einem Sieger der dann tatsächlich Deutschland heißen soll.

Da aber sowieso die Prognostiker aus den jeweiligen Ländern wohl am liebsten ihr eigenes Team vorne sehen, ist der folgende Clip für die Fußballfans aller teilnehmenden Länder zu empfehlen:

Herrlich kurz und wunderbar klar wird die Botschaft transportiert: Das eigene Team wird den Cup gewinnen – jetzt oder irgendwann später! Zumindest macht man sich mit einer solchen Prognose bei den heimatlichen Fans nicht unbeliebt.





Zufall besser als Astrologie – das Ergebnis des Lottotests

7 01 2010

Im Juni letzten Jahres hatte ich  das astrologische Lottexperiment von Herrn Wolters vorgestellt, dessen Ergebnis nun vorliegt. Herr Wolters hatte mit einem Computerprogramm namens KME (Kosmophänologische Muster Erkennung) für alle Lottoziehungen zwischen Mai und Dezember 2009 vorab jeweils 1o „Gewinnzahlen“ ermittelt und seine Hypothese lautete, dass er häufiger Gewinne erzielen würde, als dies statistisch zu erwarten wäre. Das Programm KME nutzt für die Erzeugung der Zahlen spezielle astrologischer Berechnungen, die Herr Wolters in jahrelanger Forschungsarbeit selbst entwickelt hat.

Mir imponiert bis heute, dass Herr Wolters den Mut aufbrachte sein – wissenschaftlich ordentlich konzipiertes – Experiment nicht nur auf seiner Homepage zu veröffentlichen, sondern sogar die GWUP und mich selbst darüber per Mail zu informieren. Bisher gibt es leider viel zu wenige Astrologen, die es wagen ihre Behauptungen einem ordentlichen, wissenschaftlichen Test zu unterziehen.

Die Gewinnzahlen aller Lottoziehungen zwischen Mai und Dezember habe ich also brav gesammelt und  nicht nur mit den vorab veröffentlichten Zahlenreihen von Herrn Wolters, sondern auch mit 10 durch Nutzen der Zufallszahlenfunktion in Excel erzeugten „Zufallszahlenreihen“ abgeglichen. Damit eine Zahlenreihe ein signifikantes Ergebnis (bei einem Signifikanzniveau von 5%) erzielt mussten bei den 68 Ziehungen mindestens 11 Treffer* erzielt werden … … das Ergebnis von Herrn Wolters ist eindeutig:

Herr Wolters konnte kein signifikantes Ergebnis erzielen. In 68 Ziehungen brachten die mittels KME erzeugten Zahlenreihen genau 6 Treffer. Dies entspricht ziemlich genau der Zufallserwartung (der Erwartungswert für die Anzahl an Treffern lag bei 6,14).

Unter den 10 Zufallsreihen, die ich zu Beginn des Tests erzeugte, lag die Anzahl der Treffer zwischen 2 und 11 (!!). Eine meiner Zahlenreihen hätte also tatsächlich ein signifikantes Ergebnis geliefert … … wenn sie denn die einzige überprüfte Zahlenreihe gewesen wäre. Dies zeigt sehr schön, was man bei einen solchen Test nicht machen sollte: So lange testen, bis irgend eine Testreihe ein signifikantes Ergebnis liefert und die anderen Testreihen unter den Tisch fallen lassen. In diesem Fall müsste ich um die Hypothese „meine Excelzufalllottozahlen haben signifikant mehr Treffer als per Zufall zu erwarten wäre“ eben alle Zahlenreihen betrachten – und dann wäre das Ergebnis wiederum nicht signifikant (69 Treffer bei 680 Lottoziehungen; signifikant wäre es ab 75 Treffern gewesen), obwohl „meine“ Trefferzahl (also die Trefferzahl des Zufallszahlengenerators) mit 69 doch ein wenig über dem Erwartungswert von 61,38 Treffern lag.

Bereits am 6. Setember hatte Herr Wolters übrigens in seinem Forum einen längeren Beitrag zum Zwischenstand seines Tests geschrieben. Damals hatten seine KME-Zahlen gerade zum 4. Mal (bei 35 Ziehungen) einen Treffer erzielt – und wie er selbst erkannte schien ein signifikantes Ergebnis eher unwahrscheinlich. Allerdings begann sein Text mit einem – fast schon typischen – Fehler, denn er schrieb:

Zählt man die ersten 7 Gewinne mit, die KME bis Anfang Mai produziert hat, dann ist es mit der Nullhypothese jetzt schon Essig, doch habe ich diesen Zeitraum für meine Beobachtungen genommen und die Prognosen deshalb nicht veröffentlicht.

In einem echten Test ist es völlig irrelevant, wieviele Treffer bei irgendwelchen Testläufen vorab produziert wurden. Das Spannende ist ja gerade, dass man alle Rahmenbedingungen des Experiments vorab definiert und festlegt und eben nicht weiß was am Ende herauskommt. Ich glaube Herrn Wolters, dass sein Programm in den ersten 4 Monaten des letzten Jahres 7 Treffer erzielt hat und er dadurch bei den Ziehungen von Jahresbeginn bis einschließlich 5. September bei immerhin 11 Treffern (bei 71 Ziehungen) gelandet wäre. Aber wäre und hätte zählen nicht, sondern nur die tatsächlichen Testergebnisse – und dafür müssen die Parameter (z.B. Beginn und Ende des Tests; Anzahl der Ziehungen) eben vorab festgelegt werden. Es ist also müßig darüber zu diskutieren, dass eine Auswertung von Jahresbeginn bis zum 5.9. nur ganz knapp an einem signifikanten Ergebnis vorbeigeschrammt wäre (die Wahrscheinlichkeit für bis zu 10 Treffern bei 71 Versuchen liegt bei 94,7% – für 11 oder mehr bei 5,3%, 11 Treffer wären also in diesem Fall ganz knapp nicht signifikant, da in diesem Fall ja 3 Ziehungen mehr betrachtet werden müssen … … aber ein solches Ergebnis wäre natürlich trotzdem sehr interessant gewesen und hätte – bei Bestätigung des Ergebnisses in weiteren Tests – selbstverständlich Anlass für weitere Forschungen gegeben!!). Im „Ernstfall“ würde übrigens auch ein signifikantes Ergebnis dazu führen, dass man dieses zunächst  zu replizieren versucht, um ein Zufallsresultat auszuschliessen. Dass man zufällig richtig liegen kann hat ja eine meiner Zufallszahlenreihen gezeigt.

Interessant ist, was Herr Wolters zum Thema Zufall sonst noch schreibt:

Mit den Zufallsreihen ist das nämlich so eine Sache. Es ist ganz schön verzwickt.
Aus der Sicht des Astrologen sind Zufallsreihen ebenso spannend wie erheiternd, denn wenn man genügend Zufallsreihen erzeugt,
dann wird eine dabei sein, welche die Zeitqualität über einen abgegrenzten Zeitraum recht gut widerspiegelt.

… oder wie meine Zufallszahlenreihe die Lottozahlen …

Genau das war über Jahre mein Riesenproblem. Bei Herrn Kunkels Zufallsreihe 5 habe ich genau diesen Verdacht.

… der die Frage aufwerfen könnte, ob die „Zeitqualität“ nicht generell ebenso zufällig ist wie meine Zufallszahenreihe …

Er wird bestätigt sein, wenn eine seiner Zufallsreihen – wahrscheinlich die Reihe 5 – am Jahresende 11 Treffer oder mehr verzeichnet.

Dass eine meiner Zufallsreihen ein signifikantes Ergebnis liefert hatte ich gar  nicht erwartet, denn darum ging es in diesem Test nicht. Erst jetzt habe ich mal ausgerechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war mit einer meiner Zufallszahlenreihen ein signifikantes Ergebnis zu erzielen: 33,9% **.  Also war die Chance mit einer von 10 solchen Zufallsreihen ein „signifikantes Ergebnis“ (… das – wie oben kurz dargelegt – allerdings einen schwerwiegenden methodischen Fehler beinhaltet) zu erzielen bei ca. 1/3.  So  bleibt nur, dass Herr Wolters die Trefferzahl meiner Zufallsreihe 5 ziemlich genau vorausgesagt hat, wobei die Zufallsreihe dieses „Ziel“ nur dadurch „schaffte“, dass ihr der Zufall in den letzten 6 Lottoziehungen höchst unwahrscheinliche 3 Treffer (die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt 1,2%)  bescherte …

Herrn Wolters bleibt es natürlich unbenommen, einen neuen Testlauf zu starten. Vielleicht möchte er sein Programm ein wenig anpassen, oder er möchte – wie von ihm ebenfalls erklärt – einen anderen, ggf. längeren Testzeitraum betrachten. Ich bin gerne bereit, ihn auch bei einem neuen Versuch zu begleiten. Allerdings sollten die Bedingungen – wie auch bei diesem Test – vollständig vorab festgelegt werden. Ich bin gespannt, ob Herr Wolters einen weiteren Test starten wird.

*ein wenig Statistik zur Erklärung:

Die Wahrscheinlichkeit, mit 10 Zahlen im so genannten 10er-Vollsystem mindestens einen Gewinn zu erzielen (also mindestens 3 Richtige unter den 10 gewählten Zahlen zu haben) liegt bei 0,0903 oder ca. 1/11. Da die einzelnen Ziehungen unabhängig sind, kann für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit der zu erzielenden Treffer (bei einem gegebenen Signifikanzniveau von 5%) die Binomialverteilung genutzt werden. Das geht übrigens in Excel ganz einfach und schnell, da es dort eine entsprechende Funktion gibt …

Mit der Binomialverteilung kann berechnet werden, wie wahrscheinlich es ist eine bestimmte Anzahl von Treffern (k) bei einer vorgegebenen Anzahl von Versuchen (n) und einer bekannten Trefferwahrscheinlichkeit (p) zu erzielen. Man berechnet nun die die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man k oder mehr Treffer erztielt – liegt diese Wahrscheinlichkeit für ein zu findendes k unter 5%, dann ist das Ergebnis signifikant.

Um die Nullhypothese (Alles nur Zufall) abzulehnen muss man zunächst ausrechnen, ab wie vielen Treffern (bei einer vorgegebenen Anzahl von Versuchen) die Wahrscheinlichkeit unter 5% fällt. Dies kann man in Excel einfach mit der Funktion BINOMVERT(k;n;p;X) ausrechnen, wobei X noch angibt, ob man ein kumuliertes Ergebnis (X = 1; dies liefert die Wahrscheinlichkeit höchstens k Treffer bei n Versuchen zu erzielen) oder ein Einzelergebnis (X = 0; damit erhält man die Wahrscheinlichkeit dafür, genau k Treffer bei n Ziehungen zu erzielen).

Im vorliegenden Fall berechnet man BINOMVERT(k;68;0,0903;1) für verschiedene k, bis man einen Wert erhält, der größer als 95% (also 0,95) ist. Für k=10 erhält man 95,94% – das bedeutet, dass 11 oder mehr Treffer nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 4,06% (also weniger als 5%) zu erwarten sind – das ist schon ziemlich selten, aber (s.o.) das kann vorkommen (mit 2 Würfeln eine Doppelsechs zu würfeln ist ähnlich unwahrscheinlich, trotzdem kommt es immer mal wieder vor dass jemand 2 Würfel zur Hand nimmt und sofort eine Doppelsechs erzielt).

** Berechnung mit Excel: 1- BINOMVERT(0;10;0,0406;0)