Ich wusste bisher nicht, dass sich Mönchengladbach als „Öffentlichkeitswirksamste Vorlesehauptstadt 2013“ bezeichnen lassen darf, geschweige denn wer diesen Titel vergibt, aber eine Vorlesehauptstadt ist ja schon ‚mal etwas Positives. Lesen ist immer gut, Vorlesen auch, deswegen ist die Aktion „MG liest – Bücher haben Gewicht“ auch eigentlich eine gute Sache. Und wenn dann noch einer der bekanntesten Mönchengadbacher als Schirmherr fungiert – Ex-Fußballstar und Ex-Fußball-Fernsehkommentator Günter Netzer – dann kann man das doch nur loben. Mache ich ja auch! Klasse Idee, würde meiner Heimatstadt auch gut stehen. Überall wird vorgelesen, einfach toll! Mit einer Ausnahme, und die findet morgen (also am Donnerstag Nachmittag) in der Stadtbibliothek statt: Dort liest Ingrid Lodenheid – aber nicht aus Büchern, sondern aus Tarotkarten. Das Ganze läuft dann unter dem Titel „Im eigenen Leben lesen“, und ist schon ein mehr als kleines Ärgernis. Muss eine aus öffentlichen Geldern subventionierte Stadtbücherei wirklich solchen Esoterikmumpitz hofieren und mit einer Teilnahme an den – wirklich ansonsten sehr zu empfehlenden – Vorlesetagen adeln? Man kann das aber auf der Facebook-Seite der Lesetage auch kritisieren …
Mönchengladbach liest – leider auch aus Tarotkarten!
18 11 2015Kommentare : Leave a Comment »
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Frau Treppner will die Dollarmillion …
12 11 2015Ja, ich weiß. In den letzten Monaten war hier nicht allzu viel zu lesen, aber ich hatte einfach zu viel zu tun. Natürlich habe ich auch mehr als die 18 bisher hier erwähnten Prognosetexte/-seiten für die alljährliche Auswertung gesammelt, die ca. 50 weiteren Blogeinträge, Newsletter und Youtube-Videos waren nur so langweilig, dass ich mir lakonische Kommentare dazu verkniffen habe. Aber seit gestern gibt es etwas Interessantes, und da muss ich einfach kommentieren – und nicht nur weil ich dort auch erwähnt werde …
Es geht – nach langer Zeit ‚mal wieder – um Frau Treppner, eine Frau, die sich im Internet als große Kartenlegerin, Hellseherin und was-weiß-ich-noch zu inszenieren versucht. Legendär ihre fast schon wahnwitzigen Interviews im DAF (Deutsches Anleger Fernsehen), in denen man zum Beispiel erfahren konnte, dass sich Gold prostituiert. Für 2008 hatte sie sich selbst eine ganze Reihe von Treffern bei ihren DAX-Prognosen gut geschrieben, sogar für Monate für die sie gar keine Prognose abgegeben hatte. Jetzt aber will sie es wirklich wissen, denn sie will die Dollarmillion von der JREF (James Randi Educational Foundation) abkassieren, die bekanntlich für den Nachweis einer parawissenschaftlichen Fähigkeit ausgelobt ist. Mal schauen was die Dame dazu so schreibt …
Sie behauptet sich schon einmal bei der JREF beworben zu haben und dann zur GWUP verwiesen worden zu sein:
Ich weiß nicht mehr genau wann, 2007 oder 2008, da hatte ich mich schon einmal beworben. So weit ich mich erinnere, war aber Hüter des Heiligen Grals die GWUP. Irgendwie konnte man sich über diese Vereinigung bewerben. Das tat ich.
Ich weiß ja nicht ob sie sich wirklich beworben hat, aber bei ihren mir bekannten „Prognosen“ dürfte sie durch jede Vorprüfung gefallen sein. Jetzt also der nächste Versuch:
Ich, nicht dumm,[…]
da masse ich mir kein Urteil an …
[…] hab mich dann direkt bei dem Verein „JREF“ (James Randi Educational Foundation) beworben. Mein Englisch ist etwas mühselig. Vielleicht hat man mein Anliegen damals nicht verstanden, auf jeden Fall gab es auch keine Antwort.
Könnte das daran liegen, dass die Kriterien für einen solchen Antrag nicht erfüllt wurden? Das erfordert nämlich nicht nur das Lesen eines englischen (!!!) Textes, sondern auch das Verstehen desselben.
Nach einigem Blabla über ihre tollen Prognosen im Rahmen irgendwelcher Fernsehaufnahmen (ich erinnere mich) – natürlich lag sie immer richtig, wurde allerdings herausgeschnitten – will sie sich nun dem ultimativen Test stellen. Zumindest behauptet sie das:
Nun ist die Zeit aber reif für eine weitere Offensive. Schließlich habe ich mir die Sporen mit der Börsen-Astrologie mehrfach verdient. Bis hin zur Wallstreet. Ok, ich bin auch nicht 100 %, aber die muss ich auch nicht unter Beweis stellen, sofern ich die Anforderungen richtig heraus lesen konnte.
Nein, sie braucht keine 100%, sie muss nur besser als der Zufall sein (was sie bei den mir bekannten Prognosen niemals war) …
Ich würde mich ja auch der GWUP stellen, aber 1. haben die keine Eier in der Hose und Angst vor mir und 2. würden dann Laien mir als Profi die Regeln diktieren. Der Ehre wegen und für den Freifahrtschein aller Astrologen würde ich es natürlich machen. Als Löwe mag ich auch Herausforderungen. Ich bin mindestens genauso blasiert wie die Buchhalter.
Angst? Vor Ihnen, Frau Treppner? Lächerlich! Und nein – bei solchen Tests werden keine Regeln einseitig diktiert. Man entwirft gemeinsam ein – wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes – Testprotokoll.
Ich bin ja neugierig,ob Frau Treppner nur labert oder sich tatsächlich bewirbt. Bei der GWUP hat sie zumindest schlecht recherchiert, denn ihr Halbsatz …
In Deutschland befasst sich mit dem paranormalen Belegen die GWUP (hier gibt es aber keinen Zaster)
… ist definitiv falsch. OK, man könnte offensiver darauf hinweisen, aber die 10.000 Euro sind noch da. Und wenn sie den GWUP-Test besteht, dann darf sie sich auch gerne für die Dollarmillion der JREF bewerben, denn das wäre eine Referenz an der die JREF nicht vorbei kommt. Und dass sie eine Referenz braucht, das hat sie immerhin herausgelesen:
wie man bei JREF lesen kann, gilt das übliche Bewerbungsverfahren nicht mehr. Ab sofort muss man Referenzen vorlegen (habe ich!!! – zig-fach!) …
Aber ob diese Referenzen als solche anerkannt werden? Da wäre ich doch skeptisch! Aber man braucht ja noch etwas:
… und mit einem Fernseh-Team kann man ab Anfang nächsten Jahres, sofern ich es richtig übersetzt habe, sofort geprüft werden.
Nein, Frau Treppner, das haben sie nicht so ganz richtig verstanden! Ein unabhängiges (!!) Fernsehteam alleine reicht nicht, denn, egal ob bei der GWUP oder der JREF, zunächst muss das Testprotokoll, also die Regeln, abgestimmt werden.
Ich will aber mal nicht so sein und erkläre hier kurz wie das geht – es ist nämlich gar nicht so schwer:
- Schreiben Sie auf was sie zu können glauben (z.B. mittels Astrologie die Kurse bestimmter Aktien oder Indizes voraussagen)
- Beschreiben Sie genau (und vorab), wann eine ihrer Prognosen als Treffer gilt und wann eben nicht (z.B. Der Wert einer Aktie XY/eines Index fällt/steigt im Zeitraum Z – das kann jeder von ihnen frei zu wählende Zeitraum sein; „fällt“ heißt Wert wird kleiner, „steigt“ heißt Wert wird größer im angegebenen Zeitraum, der zum Börsenbeginn in z.B. Frankfurt beginnt und mit dem Closing dortselbst endet)
- Es gilt die einfache Regel: „knapp daneben ist auch vorbei“! Wenn die Aktie/der Index ein paar Tage früher oder später steigt oder fällt, dann ist die Prognose nicht „fast richtig“ sondern einfach falsch!
Wieviele Treffer bei wie vielen Versuchen sie dann zum Bestehen des Tests benötigen würden, das kann ihnen ein Statistiker, möglicherweise auch ich, dann gerne sagen. Erst aber müssen Sie ihre Hausaufgaben machen – das Fernsehteam brauchen sie erst wenn das Protokoll mit GWUP oder JREF abgestimmt ist.
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Die Scharlatanin und die vermissten Kinder – Teil 2 (lächerlich und immer noch widerlich)
5 08 2015Nachdem nicht nur ich letzte Nacht auf den Unsinn hingewiesen hatte, mit dem eine selbst ernannte Hellseherin schamlose und zutiefst zynische Werbung für ihre vermeintlichen Fähigkeiten macht, hat sich in den letzten Stunden so einiges getan. Insbesondere die Dame selbst war fleißig und hat auf ihrem Facebookprofil alle Kommentare die ihr nicht gefallen haben gelöscht. Meistens waren es Fragen, zum Beispiel die – auch von mir gestellte – nach den Belegen für die von ihr behauptete 98%-ige Trefferquote (Zitat: Wenn die Polizei meine Dokumentationen möchte, aus welchen hervorgeht, dass meine Ortsbeschreibungen und Entfernungsangaben zu vermissten Personen zu 98% übereinstimmten, als man sie fand, so können sie diese gerne haben.). Aber der Fleiß dieser Dame war damit noch nicht am Ende, denn nachdem Lydia Benecke auf ihrer eigenen facebookseite nochmal ausführlich Stellung bezogen hatte (sehr, sehr lesenswert! Danke Lydia) meldete sich die Hellseherin auch dort und es begann das große Mimimi, in das ein paar ihrer Fans in geradezu lächerlicher Weise mit einstimmten. Die Frau behauptet tatsächlich sie werde gemobbt und postete mehrfach den immer gleichen, folgenden Kommentar:
Sie glaubt sich also denunziert, nur weil eine Reihe von Menschen gerne Belege für ihre behaupteten, sensationellen Fähigkeiten sehen will? Wie lächerlich ist das denn? Also wenn ich solche Fähigkeiten hätte, dann würde ich die bösen Kritiker einfach mit einer Demonstration meiner Fähigkeiten ein für allemal mundtot machen! Und das würde auch funktionieren, denn die allermeisten Skeptiker lassen sich durch Belege überzeugen. OK, bei einer solchen, außergewöhnlichen (behaupteten) Fähigkeit würde man natürlich auch außergewöhnliche Belege erwarten können – aber gar nichts außer ein paar spitzen Bemerkungen ist dann doch nur noch lächerlich. Immerhin, die Dame will sich zwar eigentlich nicht testen lassen, aber in einer Antwort schlägt sie ja selbst schon eine einfache Testsituation vor:
Genau! Das wäre doch ein wunderbarer Test: Sie setzt sich in einen Raum (ohne PC, Handy oder andere Hilfsmittel – nur mit einem alten Telefon), wird angerufen und soll dann beschreiben „wie es dort aussieht“. Ist doch gar nicht so schwer Frau Hellseherin, und es war ihr eigener Vorschlag! Wann melden sie sich bei der GWUP zum nächsten Psi-Test an?
Zum Schluß noch der Kommentar einer guten Freundin von mir, die sich in ihrer spärlichen Freizeit unentgeltlich um Menschen kümmert, die ein Kind verloren haben. Sie ist nicht bei den Skeptikern, aber wenn es um leidende Eltern geht weiß sie sehr genau von was sie redet … … und sie hat das Angebot dieser unsäglichen Hellseherin wie folgt kommentiert:
Ich bin immer wieder fassungs- und sprachlos. …. mit der Angst und Verzweiflung dieser Eltern, die gerade durch die Hölle gehen, seine Taschen füllen zu wollen. Und wieviele Menschen es doch gibt, die leider nur zu gerne das glauben wollen, was solche Betrüger ihnen vorgaukeln. …
Ich habe kein Problem mit Menschen, die für diese Kinder und ihre Angehörigen beten, Kerzen anzünden, irgendwelche Naturgeister oder sonstwas um Beistand und Kraft bitten. All das ist prima. Es zeugt von Menschlichkeit und Anteilnahme.
Aber das, was diese Frau tut, ist in meinen Augen zusätzliche Gewalt an den Opfern. Jegliche Empathie und respektvolle Zurückhaltung scheint ihr zu fehlen. Armselig.
Danke Heidi! Dem ist nichts hinzuzufügen!
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Eine Scharlatanin wirbt mit vermissten Kindern: WIDERLICH!
5 08 2015Ja, es kommt vor, dass in diesem unserem Lande Kinder verschwinden. War es ein Unfall, ein Verbrechen gar? Solange man keine weiteren Informationen hat sollte man sich mit Einschätzungen zurück halten – aber für die betroffenen Eltern ist diese Zeit der Ungewissheit mit Sicherheit die totale Hölle. Lebt mein Kind noch? Wurde es entführt? – Die entscheidende Frage ist aber eigentlich: Was ist passiert?
OK, man weiß es eben nicht. Aber da gibt es ja Scharlatane wie Evelyn Stötzner, eine selbst ernannte Hellseherin, die behauptet den Aufenthaltsort von gleich zwei derzeit vermisster Kindern zu kennen. Aber in zumindest einem Fall sagt sie ja nicht einmal der Polizei Bescheid:
Auch im Fall des vermissten Elias, erhält die Hellseherin Evelyn Störzner Bilder von einem Ort, an welchem er sich aufhält. In diesem Fall war sie noch nicht bei der Polizei, denn was soll das bringen, wenn dies solange dauert und dann doch nicht nachgesehen wird?
Warum sollte man eigentlich nachsehen, wenn die Frau nicht nachweisen kann, dass ihre Hellsehereien richtig sind? Wenn sie das könnte, dann wäre es ein Leichtes hier diverse Belege zu bringen, aber das scheint sie ja nicht zu machen – klar, und gut so, dass dann die Polizei nicht anspringt
Sie möchte sich nirgends aufdrängen, sie hielt sich hierbei lieber zurück. Jedoch lässt sie auch das Schicksal der Kinder und deren Angehörigen nicht los und sie möchte gerne helfen. Was wäre denn so schlimm, einfach mal nachzufragen ob die Eltern einem Telefonkontakt zustimmen?
Warum sollten die Eltern mit ihr reden? Entweder sie weiß es – als Hellseherin – oder eben nicht! Und schon kommen weitere Lügen:
In Amerika ist es normal das die Polizei mit einem Medium zusammenarbeitet, nur hier in Deutschland ist es noch nicht soweit.
Äh nein, ist es nicht! Ich war ja gerade erst in den USA, dort kennt man auch nur die entsprechenden Behauptungen selbsternannter Hellseher … … aber vielleicht kann die Dame das ja irgendwie belegen? Ich frage mal auf Facebook nach … … aber Belege gibt es natürlich nicht!
Aber die Dame redet ja noch weiter:
Frau Evelyn Störzner sagt: „Ich verstehe es ja, der Mensch braucht Beweise. Wenn die Polizei meine Dokumentationen möchte, aus welchen hervorgeht, dass meine Ortsbeschreibungen und Entfernungsangaben zu vermissten Personen zu 98% übereinstimmten, als man sie fand, so können sie diese gerne haben. Hauptsache es geht endlich mal jemand diesen Hinweisen nach.
98% Übereinstimmung? Das wüsste ich doch gerne genauer, nein – ganz genau! Bitte, Frau Stötzner, zeigen Sie uns ihre 98%-Übereinstimmungsdokumentationen! Ich bin schon mal neugierig! Auf ihrem Facebookprofil haben sie ja Rückfragen dieser Art ziemlich brüsk abgewehrt … … also los: Hellseherin oder Scharlatanin? Es liegt an ihnen wie sie eingeschätzt werden! Belegen Sie doch einfach ihre behaupteten Erfolge – falls nicht müssen sie sich als schamlose Scharlatanin bezeichnen lassen, die die Verzweiflung der Eltern der vermissten Kinder auf widerlichste Art ausnutzen möchte um für sich zu werben. Sie sind dran! Zeigen Sie uns was sie zu können glauben bzw. was sie zu können behaupten – wenn sie das nicht können sollten sie einfach schweigen (ich habe übrigens diverse Facebooksätze von ihnen per Screenshot gesichert …).
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Neues von der vhs Mainz: Viel weniger Esoterik – Warum dann Astrologie, Feng Shui, Schüßler-Salze und Lebensenergiegequatsche?
27 06 2015Irgendwie scheint das mit „meiner“ Volhshochschule eine Art „neverending story“ zu werden. Bereits 2010 hatte ich darauf hingewiesen, dass die Mainzer Volkshochschule einen Pendelkurs im Angebot hatte, in dem man lernen können sollte wie man die Verträglichkeit von Lebens- und Arzneimitteln „auspendelt“. Im Sommer 2013 hatte ich mir das damals aktuelle Programm der vhs Mainz vorgenommen und eine ganze Reihe zweifelhafter Angebote identifiziert, die dem Leitbild der vhs Mainz (Aufklärung!) vehement widersprachen. Nachdem ich im Juli 2014 noch einmal auf Esoterikkurse hingewiesen hatt kochte das Thema dann im September 2014 – ausgelöst durch einen offenen Brief des GWUP-Wissenschaftsrats – so richtig hoch. Die Lokalpresse und der SWR berichteten, die Opposition im Stadtparlament forderte eine Streichung des Pendel-Kurses und die mehr als lächerlichen Reaktion der vhs auf Facebook sorgte für weiteres Kopfschütteln. Auch der Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) griff das Thema im November noch einmal auf. Heute war ich in der Mainzer Innenstadt unterwegs und bin nun stolzer Besitzer eines druckfrischen Exemplar des neuen vhs-Programms – und ich war natürlich gespannt, ob die Leitung der vhs Mainz auf die Kritik reagiert hat.
Immerhin: Der Pendelkurs ist weg! Hier scheint die öffentliche Kritik Wirkung gezeigt zu haben! Auch die Kategorie „Esoterik“ ist verschwunden, denn statt früher “Neue Wege (Psychologie, Kommunikation, Astrologie, Esoterik)” heißt die Kategorie im Themenblock “Mensch und Gesellschaft” nun “Neue Wege (Psychologie, Kommunikation, Astrologie)”.
Aber es gibt Astrologiekurse! Diese unter „Neue Wege“ einzusortieren ist ja schon lächerlich genug, denn eigentlich müssten die vier Angebote (Kursnummern V12201, V12202, V12203, V12204) ja wohl eher unter „Alte Holzwege“ einsortiert werden. Esoterik bleibt es trotzdem, auch wenn das entsprechende Label in der Kategorisierung der vhs Mainz nicht mehr vorkommt. Die Kursleiterin ist natüüüüüürlich keine Wahrsagerin, sie schreibt über sich:
Wichtig ist mir klarzustellen, dass ich keine Wahrsagerin bin. Ihnen also auch keine Vorhersagen über eventuell eintretende konkrete Ereignisse oder Personen in Ihrem Leben geben möchte.
Und was macht sie dann?
Ich teile Ihnen lediglich die Themen mit, die für Sie in der nächsten Zeit anstehen und gebe Hinweise auf eventuell auftretende Hindernisse und Schwierigkeiten.
Und wo ist hier der Unterschied zur Wahrsagerei? Ich sehe keinen! Da hilft auch die folgende Distanzierung nichts:
Wahrsagerei halte ich im Zusammenhang mit Astrologie für unseriös und möchte mich ausdrücklich davon distanzieren.
Klar, unseriös sind immer die Anderen!
Und was gibt es sonst noch an esoterischen Angeboten? Natürlich Feng Shui! Drei von fünf Kursen in der Kategorie „Wohnen“ im Themengebiet „Haus und Garten“ drehen sich um dieses Thema und was …
Erfahren Sie, was Ihr Geburtselement ist, welche Eigenschaften Ihnen zugeordnet werden und wie Ihr Element mit dem vorherrschenden Jahreselement interagiert. (aus der Beschreibung von Kurs V72105: „Farben und Elemente im Feng-Shui)
… mit dem Thema „Wohnen“ zu tun hat dürfte sich halbwegs rational denkenden Menschen kaum erschliessen. Die Kursleiterin der Feng Shui Kurse ist übrigens von einem „Internationalen Feng Shui Institut“ mit Sitz in Bad Schwalbach ausgebildet worden – vermutlich an 6 Wochenenden, denn so lange dauert ein Beraterkurs dort. Für die Kursleiterin spricht natürlich auch, dass sie sich als Geistheilerin betätigt (PRANA healing) und von einer selbst ernannten „Heilerin und Medium“ als Lebens-Energie Therapeutin „ausgebildet“ wurde.
Immer noch angeboten wird auch ein Kurs zu den unsäglichen Schüßler-Salzen (die Beschreibung ist identisch mit der von 2013) incl. „antlitzdiagnostischer Hinweise“ und mehrere Kurse in denen Heilpraktiker/innen über Gesundheitsthemen referieren dürfen. Warum versucht die vhs eigentlich nicht für Kurse zu Gesundheitsthemen Profis von der örtlichen Universität zu gewinnen?
Schließlich geht es in mindestens zwei Kursen um Feinstoffliches und Lebensenergiequatsch – auch das Begriffe, die ausschließlich von Esoterikern benutzt werden, und die jeglichen Sinngehalt entbehren! Muss man den Leuten wirklich für solch einen Käse Geld aus der Tasche leiern und den Schwachsinn noch mit vhs-Weihen adeln? Die jeweiligen Anbieter werben jedenfalls gerne stolz damit, dass sie einen vhs-Kurs halten dürfen, denn damit wird ja ihre Lehre quasi „offiziell“ akzeptiert – auch wenns der letzte Quatsch ist!
OK, der Anteil der Esoterikkurse an der vhs Mainz hat sich – auf den ersten Blick – doch ziemlich verringert, und das ist auch gut so. Auf fast 600 Seiten findet man überwiegend seriöse und gute Bildungsangebote für wirklich alle Menschen. Könnte man nicht auch noch den kleinen Rest des offensichtlichen Esoterikquatschs ersatzlos streichen? Als Mainzer würde ich mich wirklich sehr freuen, wenn ich auf „meine“ Volkshochschule wieder so richtig stolz sein könnte.
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Kategorien : Astrologisches, Esoterisches, Skeptisches
Schamlose Kalkofe Werbung …
20 06 2015Dieses aktuelle Kalkofe-Video ist einfach klasse:
Das möchte ich gar nicht weiter kommemtieren … … und tue das auch nicht! Einfach angucken und geniessen …
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Die vrm-Erlebnis-Akademie: Wissen – Genuss – Kultur und eine Portion Esoterik
19 06 2015Die Herausgeber meiner geliebten Lokalzeitung (die mich per Onlineabo auch auf meinen Dienstreisen zuverlässig begleitet) haben seit einiger Zeit ein Angebot im Portefeuille, das sich Erlebnis-Akademie nennt und mit einem schönen Logo aufwarten kann:
Wissen, Genuss und Kultur – das klingt als hätte diese Akademie viele Angebote für mich auf Lager. Gestartet wurde das Ganze übrigens 2013:
Ende 2013 starteten wir mit exklusiven Kochkursen in den Kupferbergterrassen, die nach kurzer Zeit restlos ausgebucht waren.
Oh ja, das wäre etwas für mich gewesen! Ein Kochkurs in den renommierten Mainzer Kupferbergterrassen verspricht tatsächlich höchste Gaumenfreuden, und daneben wird man auch sein Wissen um die Zubereitung von Speisen erweitern können. Und da gute Küche ja durchaus etwas mit Kultur zu tun hat gehe ich davon aus, dass damit das Akademiemotto bestens repräsentiert war. Ich schreibe bewußt „war“, denn aktuell sind diese Kurse leider nicht im Angebot. Dafür gibt es ein paar etwas andere Angebote, aber der Reihe nach.
Letzten Samstag wurden in der Mainzer Allgemeinen Zeitung auf Seite 6 in einer eine Drittel Seite großen Anzeige Feng-Shui-Veranstaltungen beworben – als „Angebot Ihrer Tageszeitung“. Das war nicht nur mir negativ aufgefallen, in einem Facebookkommentar wies ein Skeptikerkollege mit folgendem Kommentar ebenfalls darauf hin:
Die Rhein Main Presse schändet die zweite Namenshälfte ihrer „Erlebnis-Akademie“ und wirbt für ein Feng-Shui-Seminar:
Im Detail wurden zwei Feng Shui Termine angeboten: Eine „Design-Tafel“ (die unter wechselnden Themen angeboten wird, drei Stunden dauert und ein Drei-Gänge-Menü mit verführerischen Weinen beinhaltet – WebCiteLink) sowie eine Veranstaltung mit dem Titel „Glücksfaktor Feng Shui“ (die dauert 7 Stunden und von Essen steht da nichts – WebCiteLink). Es ist ja eigentlich nichts dagegen zu sagen, wenn ein paar Menschen zusammen Essen gehen und sich dabei über fernöstlich motivierte Inneneinrichtung unterhalten oder sich ohne Essen darüber informieren wollen, aber der Werbetext beinhaltete auch sehr weit hergeholte Versprechungen, denn man soll dort erfahren …
wie Feng Shui Ihr Wohlbefinden, Ihre Gesundheit, Ihre Leistungsfähigkeit, Ihren Erfolg und vieles mehr beeinflussen kann
Dass es Menschen in einer schön empfundenen Wohnung wohl besser gehen wird als in einer vermüllten Souterrainwohnung mag ich noch verstehen, aber wie das die Gesundheit beeinflußen soll hat mich dann doch interessiert und ich beschloß die vrm-Akademie anzuschreiben. Inzwischen hatte ich noch folgendes wunderbare Angebot gefunden: Vorurteile für Anfänger Menschen sehen, Menschen verstehen (WebCiteLink) – dabei handelt es sich um Esoterik pur, denn die dahinter stehende Physiognomik ist das Paradebeispiel einer Pseudowissenschaft. Also fragte ich nach, welchem (oder welchen) der Begriffe Wissen, Genuss und/oder Kultur diese Veranstaltungen zuzuordnen sind, fragte explizit auch nach, ob man bei der vrm-Akademie tatsächlich glaube, dass Feng-Shui die Gesundheit beeinflußen könnte und wies darauf hin, dass das Physiognomik-Angebot pseudowissenschaftlicher Unsinn sei.
Ich gebe ja zu, dass mich die Antwort wenig überrascht hat, denn natürlich ordnen die Verantwortlichen der vrm-Akademie diese Veranstaltungen unter „Wissen“ ein (und wahrscheinlich auch anderen Unsinn wie zum Beispiel diese beiden Shiatsu-Veranstaltungen).
Feng Shui sei ein seit 20 Jahren etabliertes Verfahren, das aufgrund zahlreicher Wünsche von Abonennten angeboten wird, schrieb mir eine Verantwortliche und wies darauf hin, dass solche Angebote von namhaften Experten auf der ganzen Welt angeboten werden. Sie wies auch darauf hin, dass sich Architekten an Feng Shui-Akademien ausbilden lassen. Stimmt alles, aber was hat das mit der Behauptung zu tun, Feng Shui würde die Gesundheit beeinflussen? Auf eine weitere Nachfrage von mir schrieb sie: Ja, wir glauben, dass Gesundheit und Wohlbefinden sehr wohl mit der Ausgestaltung des wohnlichen Umfeldes zu tun haben kann. Das klingt jetzt schon ein wenig allgemeiner und windelweich, denn wie oben geschrieben ist es eine Binsenweisheit, dass es Menschen in einer schön empfundenen Wohnung wohl besser gehen wird als in einer nicht schön empfundenen. Aber braucht es dafür unbedingt Feng Shui mit seinen lächerlichen, esoterischen Chi-Flüßen?
So richtig lächerlich war die Antwort zum Thema Physiognomik, denn hier behauptete die Vertreterin der vrm-Akademie, es würde sich dabei um eine wissenschaftliche Methode, die von großen Firmen bspw. bei der Zusammenstellung von Teams genutzt wird handeln und verwies auf den dazugehörigen Wikipedia-Artikel. Außerdem habe man das Ganze bei der vrm-Akademie selbst getestet und für gut befunden – und natürlich seien die Veranstaltungen auch gut besucht. Wenn man auf einen Wikipedia-Artikel verweist sollte man diesen auch gelesen haben, denn dort steht nirgends, dass es sich um eine wissenschaftliche Methode handelt und dass es Firmen benutzen wird am Ende in einem einzigen Satz erwähnt:
Zum Teil wird auch in der Personalberatung mit Methoden der Physiognomik gearbeitet. Werner Sarges sagte dazu: „Die Suche nach einem Geheimsystem, mit dem man den Charakter eines Menschen sofort erkennen kann, lässt sich leider nicht ausrotten“
Der Satz stammt aus diesem Spiegel-Artikel von Bärbel Schwertfeger, dem ich gerne folgene Zitate aus dem 2. Teil beifügen möchte:
Kein gutes Haar lässt auch Fritz Ostendorf an der Psycho-Physiognomie. „Den Charakter auf der Grundlage der Schädelform, der Art der Nase oder Stirn erschließen zu wollen, ist schlichtweg Humbug“, sagt der Psychologiedozent an der Universität Bielefeld.
Madeleine Leitner ist fassungslos. „Ich hätte nie gedacht, dass sich jemand heute noch ernsthaft mit solchen abstrusen Konzepten beschäftigt“, sagt die Vorsitzende der Sektion Wirtschaftspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP).
Auch Christoph Aldering, Mitglied der Geschäftsleitung und Partner Kienbaum Management Consultants GmbH, ist erstaunt über die „laienhafte Psychologie“. Das erinnere ihn doch an dunkle Zeiten in unserer Geschichte.
Wer noch ein wenig Bedarf am Kopfschütteln hat, dem empfehle ich den auch bei Wikipedia verlinkten Skeptiker-Artikel von Uwe Kanning aus dem Jahr 2010, der den Unsinn alleine am Beispiel der Ohren offensichtlich werden lässt:
Alleine die Betrachtung der Ohren kann zu weit mehr als 3000 Charakterisierungen herangezogen werden (3 Ohrgrößen x 3 Formen der Segelohrigkeit x 3 Ohrzonen x 3 Schrägheitsgrade x 3 Höhenparameter x 5 Ohroberkantenareale x 3 Möglichkeiten des Verhältnisses zwischen rechtem und linkem Ohr).
Und die Parameter werden natürlich, nun ja, geraten:
Ob ein Ohrläppchen als groß, mittelgroß oder klein zu gelten hat, entscheidet er allein, ohne den Einsatz eines Maßbandes oder ähnlicher Hilfsmittel.
So kann also eine „Wissens“-Veranstaltung bei der vrm-Akademie aussehen. Das ist schon deswegen schade, weil es selbstverständlich eine ganze Reihe von guten und sinnvollen Angeboten gibt. Abonnenten wie ich können sich dabei übrigens über Rabatte freuen, die die Verlagsgruppe Rhein Main über die angebotene ABOPlus-Card gewährt. Für mich würden die Feng Shui Veranstaltungen dann 109 statt 129 Euro kosten, über die Lächerlichkeit der Physiognomik könnte ich mich für 129 statt 149 Euro informieren lassen. Hingehen würde ich allerdings nur, wenn man mir die obigen Beträge vorab in doppelter Höhe als Schmerzensgeld zukommen lassen würde …
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Holländisches Arbeitsamt zahlt „Hellseher-Ausbildung“
12 06 2015Fast ein wenig süffisant kommt die aktuelle dpa-Meldung daher, in der berichtet wird, dass man sich in Holland auf Kosten des Arbeitsamts zum Hellseher ausbilden lassen kann – zumindest dann wenn man als Langzeitarbeitsloser registriert ist und das 50. Lebensjahr überschritten hat. Während aber im Spiegel die Meldung mit der Aussage eines holländischen Arbeitsvermittlers schließt …
„Es ist eine anerkannte Ausbildung“, sagte der Sprecher des Arbeitsamts. Wegen der Jobgarantie würden die Kosten bezahlt, allerdings nur für ältere Langzeitarbeitslose. Die frischgebackenen Hellseher könnten schließlich bei einem spirituellen Telefondienst arbeiten und dort 29 Cent pro Minute verdienen.
… endet die Meldung in der Sächsischen Zeitung oder der Welt ganz anders:
Deutsche Arbeitslose können aber nicht hoffen: Nein, die Bundesagentur für Arbeit würde so etwas nicht bezahlen, heißt es aus der Zentrale in Nürnberg. Gefördert würden nur Fortbildungen von anerkannten und zertifizierten Beschäftigungsträgern, sagte eine Sprecherin. Und es sei unwahrscheinlich, dass ein Fortbildungsinstitut zur Ausbildung von Hellsehern amtlich zertifiziert würde.
Mag ja sein, dass das inzwischen wirklich so ist, aber es gab da schon einmal andere Zeiten. Vor gut 5 Jahren durften sich immerhin 2 Damen ihre Astrologie-Ausbildung via Bildungsgutscheinen von der Bundesanstalt für Arbeit bezahlen lassen (Meldungen dazu: hier und hier). Auf meine damaligen Rückfragen bei den zuständigen Behörden hatte ich seinerzeit nur die Info erhalten, dass die Sache geprüft werde, aber irgendwann verschwand der Hinweis auf den möglichen Einsatz von Bildungsgutscheinen zur Begleichung der Kosten für die Astrologieausbildung auf der Webseite des anbietenden „Astrologiezentrums“ kommentarlos (und auf der Webseite „KursNet“ liefert die Suche nach Astrologie in den Kursen „mit Bildungsgutschein“ ebenfalls keinen Treffer). Hoffen wir mal, dass die Verantwortlichen in unserem Nachbarland mit dieser „Qualifizierungsmaßnahme“ ebenso verfahren …
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Kategorien : Skeptisches
War zu erwarten: Astrologische Leichenfledderei zum Germanwings-Unglück
21 05 2015Als Ende März der Absturz eines Germanwings-Fluges tagelang die Medien beschäftigte war klar, dass einige Astrologen eine solche Vorlage zur Leichenfledderei dankbar annehmen würden. Hier eine kleine Auswahl dieser Pietätlosigkeiten …
Fangen wir bei Olaf Staudt an, der natürlich wieder irgendetwas vorhergesehen haben will. In seinem März/April Newsletter steht tatsächlich folgendes:
Spannungsreiche Konstellationen sind dann erneut an den Tagen um den 25. März fällig: Mars spiegelt sich mit Saturn, Sonne steht in Saturn/Pluto. Denkbare Entsprechungen sind einmal mehr extreme Wetterbedingungen, Unglücksfälle oder andere krisenhafte Ereignisse.
Die Prognose, dass irgendetwas „um den 25. März“ passieren könnte ist schon lächerlich genug, denn bei einer solch allgemeinen Blablaprognose wäre auch das Umfallen eines der sprichwörtlichen chinesischen Reissäcke ja eine „denkbare Entsprechung“. Diese aber auch noch als auf das tragische Flugzeugunglück passend zu erklären ist schon eine ziemliche Frechheit. Und natürlich findet Herr Staudt sowohl im Horoskop des Absturzzeitpunkts, des Flugzeuges (!!!), der Bundesrepublik Deutschland (!!!) und natürlich in dem des Piloten massenhaft irgendwelche Pseudoerklärungen, die in folgender Passage gipfeln:
Die halbe progressive Sonne (SO/WI progressiv) deckte sich mit Saturn progressiv und Uranus Radix (Teiler 6) – Entsprechung für ein plötzliches, gravierendes Ereignis.
SO/WI progressiv in den Achsen SA/NE und UR/NE der Progression (Teiler 3) steht für psychisch belastende Zustände, Krankheit, Ohnmacht. Bereits diese Kombinationen allein hätten ausgereicht, um das Ereignis treffend zu beschreiben.
Nö!
Der Newsletter des Allgeier-Verlags zeigte sich von dem Ereignis überrascht:
Als die Maschine am 24. März um 10:01 in Barcelona abhob, fanden sich keine klassischen Absturzkonstellationen am Himmel. Als wir damals von dem Unglück hörten und noch nicht wussten, dass es die Tat eines Massenmörders war, waren wir zugegebenermaßen irritiert.
Aber nachher findet man natürlich doch noch etwas Passendes:
Das Abflugshoroskop deutet allerdings mit dem Fische-Neptun am Zenit im Quadrat zu Saturn und Aszendent an, dass in diesem Fall die Führung (10. Haus), also ein Pilot, psychisch angeschlagen war. Und Pluto im Todeshaus Haus 8 im Quadrat zu Uranus in Haus 11 kann für den Tod bzw. das Massenschicksal einer Gruppe stehen.
Aha! Und welches Horoskop hatte nun diese Gruppe? Wie bei Herrn Staudt werden nun hemmungslos astrologische Mutmaßungen über den Piloten vom Stapel gelassen, und nicht nur über ihn:
Nicht jeder Mensch, der wie Andreas Lubitz am 18.12.1987 geboren wurde, ist ein Mörder. Aber, wir können durchaus behaupten, dass Menschen an diesem Tag geboren wurden, durchaus schwierige Konstellationen im Horoskop haben.
Natürlich kann der Newsletter das behaupten, aber eine übelste Leichenfledderei bleibt diese bodenlose Frechheit trotzdem!
Demgegenüber ist der erste Artikel zum Thema in der Astrologie-Online-Postille Loop! ja wirklich vorsichtig. OK, auch hier wird das Horoskop des Erstflugs des Unglücksflugzeugs gedeutet, und die ursprünglich geplante und tatsächliche Abflugszeit in Barcelona – und natürlich werden wieder die üblichen Pseudoerklärungen gefunden. Am Ende gibt es folgenden Satz:
Das mag auf den ersten Blick für ungeübte Augen alles etwas unklar und zufällig wirken, deswegen nochmals der Hinweis auf andere Artikel zu anderen Fällen. Aber auch der Absturz von Air Asia-Flug 8501 im Dezember zeigt ein ähnliches Bild, wenn auch mit anderen Komponenten.
Äh ja, klar – irgendwelche „Komponenten“ lassen sich in jedem Horoskopbild finden. Hier ein Beispiel aus meinem Fundus, selbst gebastelt (mit einem Astrologieprogramm) und mit nicht einmal allen eingeschalteten Optionen (jede Linie harrt einer Deutung …):
Und natürlich legt Loop! später noch mit einer Deutung des Pilotenhoroskops nach – auch hier wieder wilde Mutmaßungen über die Psyche des Piloten, nicht einmal auf BILD-Niveau und nur gespeist von der eigenen Selbstüberschätzung …
Bei top-Astro wurden keine besondere Konstellationen zum Start- und Absturztermin gefunden, jedoch auch hier wieder zum Erstflug des Fliegers. Das gipfelt darin, dass hier wieder einmal behauptet wird, man könne solche Unfälle irgendwie doch voraussehen:
Die Untersuchung der Transite zu einem bestimmten Ereignishoroskop, hier diejenigen zum Erstflug der Maschine, haben sich noch immer als besonders hilfreich und aussagekräftig erwiesen, so auch in diesem Fall. Bei einer solchen Häufung relevanter Konstellationen sollte zumindest große Vorsicht geboten sein. Hätte man als Astrologe die aktuellen Saturn- und Jupiter-Transite zum Radix als bedenklich erkannt, könnte man durch die Frage, wann denn bei den kritischen Wochen ein auslösender Tag ist, auf die Merkur-Chiron-Konjunktion gekommen sein.
Tja, Herr Liefeld, dann zeigen sie das doch einfach! Es gibt so viele Flugzeuge und so viele Abflugzeiten – da müsste es doch ein Leichtes sein ihre absurde Vermutung zu bestätigen …
Dass man in den Sternen auch irgendwie erkennen können soll,
daß an Bord eine Schülergruppe aus NRW war
, das behauptet aber nur Blue’s Astrologie Café. Ob das die Eltern der Schüler irgendwie tröstet?
Aber klar, nachher ist man sowieso klüger! Und irgendwelche astrologischen Konstellationen denen man das Geschehene in die Schuhe schieben kann finden sich definitiv immer. Wäre ich ein Hinterbliebener einer solchen Katastrophe würde ich mir diese Art von Leichenfledderei verbitten!
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Das royale Baby kommt am Samstag – sagt Lady Di (!!)
22 04 2015Die Regenbogenpresse schaut gespannt nach London, denn irgendwann in den nächsten Tagen wird der neue royale Nachwuchs von William und Kate erwartet. Klar, dass auch Astrologen und Hellseher hier wieder einmal munter darauf los raten und der Öffentlichkeit die ein oder andere Prognose dazu aufdrängen.
Die erste Frage, Junge oder Mädchen, scheint seit Kurzem geklärt. Irgendwie erwartet die Mehrheit ein Mädchen, was allerdings auch daran liegen könnte dass sich Kate vor gut drei Wochen bei einem öffentlichen Auftritt verplappert hat. Außerdem gibt es ja da noch eine obskure, vermeintlich chinesische Methode zur Voraussage des Geschlechts (angeblich 85% Trefferquote – ich vermute ‚mal dass dieser Wert um knappe 35% übertrieben ist), und die deutet bei Kate auch auf ein Mädchen hin.
Zum Datum: Hier hatte die britische Astrologin Jenna-Leigh Black im letzten Jahr noch drei mögliche Termine aus den Sternen gezaubert:
[…] the most likely dates for Kate giving birth are March 10th or near April 11th and around May 5th which is most likely the due date Kate and William have been given for a new royal baby entering the world.
Zwei Termine sind schon vorbei, und nachdem das königliche Paar einen Termin für Ende April angekündigt hat könnte die Dame auch mit dem dritten geratenen Termin daneben liegen. Eine solche Prognose war im August 2014 sowieso ziemlich gewagt, wobei ich noch viel gewagter finde, dass sich die Dame lang und breit über den richtigen Empfängniszeitpunkt auslässt. Da geht natürlich alles streng astrologisch zu:
At the beginning of August Mars was in the early degrees of Scorpio, it was on 4° Scorpio on August 3rd and 10° Scorpio on August 14th and exactly conjuncted (in the same place) Kate’s natal Jupiter 7° Scorpio on August 8th/9th. Transiting Jupiter didn’t become within 3 degrees of Kate’s natal Mars until August 17th when it hit Leo 7°. The only other time she could have gotten pregnant was around the beginning of June when Mars was on Libra 10° in conjunction to her natal Mars.
Etwas genauer will es die britische Hellseherin Carolina Bruce wissen: sie terminiert die Geburt des royalen Zweitbabys auf den kommenden Samstag. Außerdem wird es natürlich ein Mädchen, wobei entsprechende Gerüchte schon älter sind und neben dem oben erwähnten Versprecher von Kate auch auf einer älteren Insidermeldung beruhen, nachdem ein Zimmer in der Wohnung der Beiden erst jüngst in eher weiblichen Farben gestrichen worden sein soll. Außerdem wird das Kind blaue Augen und braune Haare haben, meint Frau Bruce – und beruft sich bei all ihren Vorausssagen auf die Oma des zukünftigen Schreihalses, also auf Lady Di. Diese ist zwar seit 31. August 1997 tot, aber irgendwie glaubt Frau Bruce, dass ihr dieses Zeugs von der verstorbenen Lady eingeflüstert wurde. Da Tote niemals flüstern kann das ja nur bedeuten, dass Frau Mader mit ihrer abstrusen Verschwörungstheorie doch recht hat! Die hatte vor Jahren aus astrologischen Analysen zu Lady Di und ihrem Todeszeitpunt herausgelesen:
Zu meinem Erstaunen fand ich dabei keine Hinweise auf einen Unfall oder gewalttätigen Tod.
Wer sich ferner das progressive Horoskop von Lady Di zu dem besagten Zeitpunkt ansieht, der wird zustimmen, dass ein gewalttätiger Tod aus astrologischer Warte zu jenem Zeitpunkt sogar geradezu ausgeschlossen war.
Ein gewalttätiger Unfalltod wäre bei so einer Progression ungefähr so, als ob man behauptet, bei 30 Grad im Juli könne es trotzdem jeden Moment zu schneien beginnen.
Ihr Schluß daraus war klar: Lady Di lebt! Wenn wir nun Frau Bruce auch nur halbwegs ernst nehmen wollen kann das ja nur heißen, dass wir nun wissen wo sich Lady Di aufhält: sie wohnt bei Frau Bruce zur Untermiete!
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