Die Wahrheit über das Dalaidings …

30 05 2012

… erzählt Colin Goldner in diesem wunderbaren Vortrag anlässlich des Besuchs eines Exiltibeters in Österreich. Das ganze heißt „Hinter dem Lächeln des Dalai Lama“ und gibt einen kleinen Teil der von Goldner über viele Jahre akribsch gesammelten Informationen zu diesem Grinsekasper wieder. 90-Minuten-Videos sind nicht jedermanns Sache, aber als lehrreiches Kontrastprogramm für Fußballmuffel während der in Kürze beginnenden Fußball-EM eignet sich dieser Vortrag hervorragend. Und wer dieses (740-seitige!!) Buch nicht kennt, dem kann ich einen Staunfaktor garantieren, den ein EM-Kick kaum erreichen wird:

 





Das Eurobarometer und die Astrologie

25 05 2012

Die bei Astrodicticum Simplex schon vor einem halben Jahr ausführlich beschriebene (und diskutierte) Studie zu „Astrology Beliefs among Undergraduate Students“ habe ich mir erst jetzt im Detail angesehen – und dabei sind mir zwei andere Studien eingefallen, die ich hier kurz vorstellen möchte. Die EU-Komission fragt nämlich immer mal wieder die Menschen in den Mitgliedsländern (… und sogar darüber hinaus) was sie zu bestimmten, nicht nur aktuellen Themen denken. Eurobarometer heißt das Ganze und bei den beiden Umfragen zum Thema „Europeans, Science and Technology“ aus den Jahren 2001 und 2005 war auch die Einstellung der Europäer zur Astrologie Thema.

Die Umfrage aus dem Jahr 2001 war seinerzeit zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, weil neben der Einstellung der Europäer zu verschiedenen echten oder vermeintlichen Wissenschaftsbereichen auch verschiedene Aussagen mit  Wahr/Falsch/Weiß Nicht bewertet werden sollten – und die Ergebnisse durchaus überraschend waren:

Jeder 5. glaubte also, dass die Erde nur einen Monat braucht um die Sonne zu umrunden, und jeder 4. lässt die Sonne um die Erde kreisen – da wundert man sich nicht einmal, dass in der damaligen Umfrage über die Hälfte der Befragten die Astrologie als „eher wissenschaftlich“ erachtete:

Wobei diese Einschätzung weitgehend unabhängig vom Bildungsniveau zu sein schien, wie folgende Unterscheidung nach dem „Ausbildungsende“ zeigte:

Bei den oben gezeigten 13 einzuschätzenden Aussagen war die Anzahl der richtigen Antworten übrigens direkt vom Bildungsniveau abhängig, denn während Europäer, die ihre Ausbildung vor dem 15. Lebensjahr vollendet hatten im Schnitt nur 6,4 Aussagen richtig bewerteten lagen solche, die beim Ende ihrer Ausbildung älter als 20 Jahre waren mit 9,0 Richtigen doch wesentlich besser.

In 2005 wurden die Fragen zur Wissenschaftlichkeit dann ein wenig geändert. Dieses Mal mussten die Europäer die verschiedenen Fachgebiete auf einer Skala von 1 (absolut unwissenschaftlich) bis 5 („harte“ Wissenschaft) bewerten – und auch die Homöopathie tauchte in der Liste auf. Als weiteres Schmankerl ließ man die eine Hälfte ihre Einschätzung zur Astrologie angeben, die andere zu Horoskopen. Letztere Unterscheidung zeigte ein wahrlich beeindruckendes Ergebnis: Während 41% der Befragten die Astrologie auf obiger Skala mit 4 oder 5 bewerteten …

… waren es bei Horoskopen gerade ‚mal 13%.

Offensichtlich können die Menschen also sehr gut zwischen Astrologie und Horoskopen (in Zeitungen etc.) unterscheiden und billigen letzterem Thema Wissenschaftlichkeit nur in homöopathischen Dosen zu. Deutlich wird das auch, wenn man sich die durchschnittlichen Bewertungen anschaut …

… und noch deutlicher, wenn man die Achse an die richtige Stelle verschiebt (eine Bewertung mit „0“ war gar nicht möglich):

Es überrascht mich nicht, dass jeder Dritte der Homöopathie und gar 41% der Astrologie eine hohe Wissenschaftlichkeit zubilligen. Mit einem gewissen Prozentsatz mehr oder weniger fanatischer Anhänger solcher reinen Glaubenssysteme wird man wohl immer leben müssen, es wäre aber schön, wenn es nicht gar so viele wären. Vielleicht hilft ja die Resolution vom Welt-Skeptiker-Kongress am letzten Wochenende (es war absolut Klasse!), diese Anteile zu verringern …





Wer gewinnt heute Abend? Sissi und Rosi oder Nicholas?

19 05 2012

Beim Finale der Fußball-Champions-League heute Abend in München scheinen sich drei Orakeltiere für die kommende Fußball-EM qualifizierrn zu wollen. Und schon jetzt steht fest, dass mindestens ein Tier gewinnen wird.
Die tierischen Tipps sind dabei wenig überraschend:
Die Münchner Dackeldamel Sissi und Oktopus Rosi aus dem örtlichen SeaLife Aquarium (ohne Orakelkrake scheinen solche Spielchen – seit Paul’s Glückssträhne bei der WM 2010 – der Öffentlichkeit nicht zumutbar zu sein) sollen die Bayern favoritisieren, das in England lebende Lama Nicholas setzt auf Chelsea.
Ob wir heute den Beginn der erfolgreichen Karriere eines Orakeltiers sehen wird sich dann bei der Fußball-EM zeigen. Das „erfolgreiche“ Tier darf sich mit Sicherheit bald am jeweiligen Nationalteam ausprobieren.





Quathemoc verletzt! Nachnominierung oder Weltuntergang?

10 05 2012

In den Wochen vor Fußballgroßereignissen steigt traditionell die Nervosität unter den Fans. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass sich immer wieder nominierte Spieler in Training oder Testspielen verletzen, so dass dann tagelang diskutiert werden kann, ob der Spieler vielleicht doch noch rechtzeitig gesundet oder ob nicht vielleicht doch ein anderer nachnominiert werden sollte. Aber wer interessiert sich schon für eine Fußball-EM, wenn es bei dem in der Überschrift erwähnten Quathemoc um nichts weniger als den Weltuntergang geht?

Denn Quathemoc ist der aus Vulkanstein gefertigte Maya-Schädel, der als einer von 13 am 21.12.2012 im Maya-Land irgendwie den Weltuntergang verhindern soll. So erzählte es zumindest die BILD und beruft sich dabei auf einen Herrn, der hier schon mehrfach erwähnt wurde. Aktuell erzählt der Mann sogar in einem Video ähnlichen Unsinn, nur das mit dem Weltuntergang verkneift er sich und überlässt das dem Schreiberling der Zeitung mit den großen Buchstaben. Blöd ist jetzt allerdings, dass der Schädel heruntergefallen ist und nun im Kinnbereich eine Macke hat:

Die ist zwar – wie man hier sehen kann – minimal im Vergleich zu der im Video dokumentierten Macke des Herrn Kristallschädelschwurblers (… obwohl: Wenn man bedenkt dass der Typ sogar Kristallschädelwasser vertreibt, könnte man auch auf die Idee kommen, dass der Mann nur ganz konsequent Leichtgläubige von der Last ihres monetären Besitzes befreien will), aber ob der Schädel jetzt noch „funktioniert“ und zum Beispiel nochmals seinen Namen telepathieren kann oder stattdessen nur noch „AUAUAUAUAUAUAUAUAUAUA“ aussendet, das bleibt abzuwarten. Ob das mit dem Aufstieg oder der Weltrettung mit einem verletzten, ja quasi demolierten Quathemoc überhaupt noch funktioniert? Wieso muss eigentlich so ein sensationeller Kristallschädel Schaden nehmen, wenn er von einem profanen Tisch plumpst? Hätte der (ich mein‘ den Schädel, nicht den Tisch) nicht zumindest kurzzeitig die Gravitation aufheben können? Oder wenigstens eine Delle im Fußboden verursachen?

Aber vielleicht ist der Kristallschädelfritze sowieso irgendwie getäuscht worden. Vielleicht hat Quathemoc ja gelogen! Der Besitzer des jetzt demolierten Schädelsteins behauptet zum Beispiel, für den 21.12. wären Maya-Schädel in verschiedenen Farben wichtig, die irgendwie zusammen kommen müssten (weil – wir erinnern uns: Die Nazis waren der Überzeugung, dass 13 solcher Schädel existierten. Wer sie zusammenführt, besitzt einen Schlüssel zur Beherrschung der Welt. – Uäääährxxxx!). In diesem Text  kann man lesen, dass es doch einzig und allein um 13 Kristallschädel geht, und die haben (auch in der reichhaltigen Bebilderung) nur eine Farbe …

Nun gut, das mit den 13 Schädeln ist offensichtlicher Unsinn. Außerdem gibt es ein paar mehr davon, laut dieser Meldung sind’s 51! Die stammen übrigens mitnichten von den Maya (dort gibt’s das notwendige Ausgangsmaterial dafür gar nicht) sondern wahrscheinlich aus Idar-Oberstein. Von solchen Ausflügen in die Realität (… oder die deutsche Provinz – womit ich nichts gegen Idar-Oberstein gesagt haben möchte: ich fand das Städtchen bei meinen paar Besuchen durchaus nett) dürften sich Kristallschädeladepten keinesfalls beunruhigen lassen. Vielleicht grübeln die unterdessen darüber, wie man Quathemoc ggf. ersetzen, oder vielleicht auch reparieren heilen könnte. Für Letzteres bräuchte man einen Superkleber, für die Nachnominierung wohl eher einen neuen Schädel. Aber auch hier hilft das Internet:

Hier gibt’s ein Luxusstück für schlappe 2.400 Euro! Sieht genauso aus wie Quathemoc und wenn der Besitzer ein paar bewusstseinserweiternde Pilze (oder Ähnliches) einwirft, wird ihm auch sicher ein neuer Name dafür eingeflüstert werden einfallen (oder er postuliert -ganz langweilig – Quathemoc’s Kristall-„Seelenwanderung“).

Wenn’s dann doch ein Kristallschädel sein soll, kann man sogar Geld sparen. Der hier kostet nur 900 Euro …

… und im gleichen Laden gibt’s übrigens noch viel mehr Kristallschädel, und auch -schädelchen. In verschiedenen Größen und Farben kostet der Spaß zwischen 14,90 € (40 mm) und 433,00 € (13 cm). OK, da fehlt noch eine Kleinigkeit. Die Steine werden zu diesen Preisen quasi nackt angeboten. Der richtige Esoteriker leistet sich natürlich dazu noch die 25 € teure Aktivierung

Ob Klebstoff und eine Portion frische Aktivierung für Quathemoc reichen um den Weltuntergang zu verhindern?





Sensation: Homöopathiekonzern zahlt Geld zurück

23 04 2012

Der Homöopathiekonzern Boiron – das ist der mit der unendlich verdünnten Ententeilen, der bereits vor einigen tagen hier erwähnt wurde – zeigt sich kundenfreundlich, zumindest in diesem einen Fall. Was war passiert? Ganz einfach: Carrie, die eine Hälfte des wunderbaren Podcasts Oh No, Ross and Carrie! hatte sich nämlich einem heroischen Selbstversuch unterworfen. Das war übrigens ganz im Sinne des Untertitels des Podcasts: „we show up so you don’t have to.“ – durch den man sich zum Beispiel den Besuch eines Kreationistenmuseums dank ihres sehr lustigen und lehrreichen Berichts ersparen kann.
Auf YouTube hat sie aber nicht nur ihren Schnupfen dokumentiert, sondern auch ihre Anfragen wegen des verwendeten Boiron-Homöopathikums.

Sehr schön ist natürlich schon nach etwa o:45 Minuten die Antwort des „Poison-Centers“ – also einer Art Giftnotrufzentrale – auf ihren Anruf, sie hätte versehentlich die doppelte Dosis eingeworfen. Was die Worte „bogus“ und (total!) „rip-off“ bedeuten kann jeder, der des Englischen nicht mächtig ist, bei Leo nachlesen. Da die Boiron-Dame bei ihrem Rückruf nur ziemlich lächerliche Ausflüchte findet, schreibt Carrie noch einen Brief, legt die Rechnung bei und wartet …

… und das Unglaubliche passiert: Boiron ersetzt ihr die bezahlten 10,29$ – mittels eines echten Schecks (also keine homöopathische Bezahlung!), für den das Unternehmen nochmals 6 $ löhnen muss. Man mag sich gar nicht vorstellen was passieren würde, wenn das alle Käufer von Homöopathika machen würden …

Ich glaube ja nicht, dass deutsche Hersteller von Homöopathika ähnlich kundenfreundlich agieren würden. Aber vielleicht sollte man’s mal versuchen – ist ja gar keine schlechte Idee …





Nachtrag zur Woche der Homöodingsbums

13 04 2012

In den Begleitmaterialien zur Woche der Homöopathie (Motto: Homöopathie bei unerfülltem Kinderwunsch) sind auch zwei Studien angegeben, die Belege für die Wirksamkeit der Verschüttelungsmedizin bei diesem Thema liefern sollen. Der RatioBlog hat sich die Studien unter dem Titel „Macht Homöopathie Kinder?“ angesehen. Die eine Studie (Männer) sagt nichts aus, bei der anderen (Frauen) werden gar keine „richtigen“ Homöopathika getestet (es ist ein so genanntes Komplexmittel mit drei Wirkstoffen in der „Potenzierung“ D5 – also nichts anderes als ein stark verdünntes „normales“ Arzneimittel), was aber bei einem nicht signifikanten Ergebnis sowieso egal ist.

Aber so sind sie, die Homöopadingenskasper. Die Realität wird ausgeblendet, wenn sie nicht zum eigenen Weltbild passt. Mein Lieblingsbeispiel fand sich schon vor einiger Zeit ebenfalls beim RatioBlog: Hier zeigten sich Wirkungsunterschiede ganz offensichtlich in Abhängigkeit vom Alkoholgehalt (also dem Verdünnungsträger!) der verschiedenen verwendeten Mittelchen – diese widersprachen vollständig der homöopathischen Leere, aber die Homöopathen schrieben trotzdem ein positives Ergebnis für ihre Verschüttlungen auf.

Und dass aus Marketinggründen auch ganz klar formulierte Sätze aus einer Studie umdefiniert werden zeigt dieser Bericht bei Excanwahn





Zweifelhafter Kinderspaß mit Wünschelruten

13 04 2012
In Köln durften sich im Zuge der alljährlich von der örtlichen Sparkasse gesponserten Ferienbelustigung Grundschulkinder tatsächlich in der Handhabung von Wünschelruten ausprobieren. Im Bericht der Lokalpresse (der Artikel in der Kölnischen Rundschau mit dem Titel „Wenn die Wünschelrute ausschlägt“ ist derzeit noch kostenlos im Online-Archiv verfügbar – ansonsten habe ich ein schönes Bild der Seite, das in Facebook die Runde machte) wird dabei von der leitenden Scharlatanin Leiterin – einer Frau Klaes, die sich „Baubiologin“ nennt und ein so genanntes  „Institut“ betreibt – ausdrücklich festgestellt, dass die Kinder ja soooooo „offen“ für diesen Mumpitz seien, und eben „nicht so verkopft“.
Und klar, die Kleinen fanden überall Wasseradern, obwohl es die doch – wie mir ein Geologe erläuterte – in dieser Gegend eigentlich gar nicht gibt. Aber das macht ja nichts, Hauptsache die Kids hatten ihren Spaß! „Der kleine Wünschelruten-Lehrgang ist Teil einer Themenwoche der SK Stiftung Kultur der Sparkasse Köln Bonn.„, konnte man in der Zeitung lesen, und weiter heißt es „Zu den Themen Mystik, Kult und Heiligtum in Köln können Grundschüler eine Woche lang verschiedenes lernen, ausprobieren und erleben.“ Ach wäre das schön – und für die Kleinen nicht weniger spannend – gewesen, wenn man wirklich erklärt hätte wie das Rutengewese funktioniert. Ein paar kleine, spannende Versuche wären ohne großen Aufwand möglich gewesen – und die Kinder hätten etwas fürs Leben gelernt. Stattdessen gab’s falsche Pseudoerklärungen, wie die folgende:

Durch die Spannungen von Wasseradern kommt es durch die Füße des Rutengängers zu leichten Muskelkontraktionen in den Händen, so dass sich die Ruten bewegen

Nein Frau Klaes! Selbst wenn es Wasseradern gäbe könnten die nicht durch die Füße der Kids Muskelkontraktionen in den Händen auslösen. Das ist lächerlicher Bullshit! Außerdem widerspricht Ihnen da doch dieser Energetiker aus Österreich (diesen „Beruf“ gibt’s da wirklich, und in mehreren, hochesoterischen Ausprägungen:  „Humanenergetik„, „Tierenergetik“ und „Lebensraum Consulting„), der die Sache mit dem Rutenausschlag ganz anders erklärt. Laut einem hier abgedruckten und mit einem Video garnierten Interview mit diesem Energetiker sind die Auslöser der Rutenausschläge zwar wie bei Frau Klaes „einfach Bäche, die unter der Erde verlaufen“, aber es ist keine Rede von „Spannungen“.  Der Mann will Folgendes wissen: „dieses fließende Wasser gibt Ionen ab, die den Körper beeinflussen„. Au weia! Hat Frau Klaes damit die Kinder nicht unnötig (!!!) irgendwelchen Gefahren ausgesetzt? Welche Wirkung diese Ionen haben, erklärt der kluge Herr mit dem wirren Mayernamen (oder war das doch umgekehrt?) mit einem eindrucksvollen Beispiel:

Wenn eine Forelle in einem Bach einen Wasserfall nach oben schwimmen muss, nutzt sie diese Ionen. Das Wasser fällt nach unten und erzeugt einen negativen Ionenstrom. Der Fisch springt mehrere Meter hoch und lässt sich sozusagen nach oben tragen.

Tja, esoterische Erklärungen für nicht Vorhandenes können wirklich recht lustig sein. Und nein, eigentlich gefährlich ist das ja nicht:

Die Ionen an sich sind nicht schädlich. Sie sind eigentlich Energiebringer. Wenn man erschöpft und müde ist, sollte man sich einige Minuten auf eine Wasserader stellen. Man wird dann regelrecht aufgeladen. Genau dieser Effekt ist aber beim Schlafen schädlich. Menschen brauchen ihre Ruhephasen. Wenn man dann ständig mit Energie aufgeladen wird, kann der Körper nicht rasten. Die Leute bekommen Kreuzweh und allerlei Beschwerden, für die Ärzte keine Ursache finden können.

Und ja, so einfach ist das! Wenn’s irgendwo zwickt sind die Ionen schuld. Und die bösen Dinger sind wirklich extrem mächtig:

Die Ionen steigen bis zu 100 Stockwerke nach oben und durchdringen alles.

Sie durchdringen sogar Telefonleitungen, wie der Herr zu berichten weiß:

Ich bin auf das Wasser sensibilisiert. Inzwischen kann ich grobe Auskünfte sogar über das Telefon erteilen.

Wow! Und am Ende kommt noch eine Warnung vor Scharlatanen:

„Man sollte auf alle Fälle hellhörig werden, sobald jemand versucht, irgendwelche Geräte zur Entstörung zu verkaufen, Einrichtungen, welche die Wasserionen abschirmen oder ähnliches. Diese Geräte funktionieren nicht.“

Und Frau Klaes? Sie „berät Sie in allen Fragen zur Sanierung, Abschirmung von Elektrosmog und Vermeidung von Belastungen“ – auf deutsch: sie labert ihnen einen Ast an die Backe und wird empfehlen das Bett umzustellen. Ob sie auch entsprechende Geräte in einer solchen Nonsens-Beratung  verkaufen will weiß ich nicht, sie bietet aber ein paar lächerliche Entstörungs- und Lebensenergiechips an. Eine Anbieterin von solchem Unsinn auf Kinder loszulassen ist bei Leibe kein Ruhmesblatt für die mit organisierende Sparkasse.





Die Woche der homöopathischen Widersprüche

10 04 2012

Aktuell haben wir ja die Internationale Woche der Homöopathie. Zeit für den RatioBlog auf eines der absurdesten Homöopathika hinzuweisen, das es überhaupt gibt: Oscillococcinum – das Zeugs, das zwar irgendwie aus Entenleber hergestellt werden soll, das aber bei dieser Potenzierung Verdünnung (C200 = 1:10 hoch 400 – das Abtippen der vielen Nullen erspare ich mir jetzt) absolut gar keine Entenleber enthalten kann. Der Hersteller hatte es im letzten Jahr zu einiger Berühmtheit gebracht, da er drohte einen italienischen Blogger wegen eines kritischen Artikels abzumahnen (es gibt natürlich noch viel mehr Links zu diesem Thema …).

Das Motto der diesjährigen Woche ist sehr interessant: Homöopathie bei unerfülltem Kinderwunsch
In der kurzen Beschreibung werden natürlich auch vermeintlich wissenschaftliche Untersuchungen erwähnt, die zeigen sollen, dass mittels Homöopathie bei Männern die Anzahl der Spermien steigt. Ist das aber nicht vollkommen unhomöopathisch? Müsste nicht bei Männern mit einer hohen Spermienverdünnungpotenzierung mit einer viel höheren Fertilisationsrate gerechnet werden? In etwa so wie in diesem schönen Bild:

Und selbstverständlich gibt es auch das Homöopathikum Sperma hominis

… wobei ich gar nicht darüber nachdenken möchte wie das Zeugs in den verschiedenen Darreichungsformen Globuli, Tropfen und Zäpfchen (die Größe ist leider nicht angegeben) zur Anwendung kommen soll.

Noch schöner ist aber diese Seite. Es geht um „Cousto´s neues Verfahren zur Herstellung von Hochpotenzen für die homöopathische Medizin„, das im Folgenden beschrieben wird. Eindrucksvoll ist schon der Anfang des Textes:

Der Schweizer Mathematiker und Musikforscher Hans Cousto ist durch seine Publikationen über das von ihm entdeckte Gesetz der „Kosmischen Oktave“ und den daraus hervorgegangen planetaren Tonfrequenzen weltweit bekannt geworden. Die Planetentöne werden von Therapeuten insbesonders für die Tonakupunktur mit Stimmgabeln angewendet (Ausführliches hierzu unter tune in).

Durch die konsequente Anwendung des Oktavgesetzes und neuer Erkenntnisse aus der Forschung von Hans Cousto im Bereich der klassischen Homöopathie entstand eine vollkommen neue Art der Herstellung von Hochpotenzen. Die ersten Grundüberlegungen basieren auf der Frage, warum eigentlich die Hochpotenzen nach Hanemann im Dezimalsystem hergestellt werden, obwohl weder die chemischen Elemente, noch der genetische Code auf der Basis 10 aufbauen. Sich auf die Schwingungsgesetze der Natur berufend, kam die Einsicht, daß die homöopathischen Hochpotenzen nicht mehr auf der Basis 10 sondern auf der Basis der 8 hergestellt werden müssen!

Der Rest ist so richtig herrlich abgedrehtes Wort- und Zahlengeschwurbel (auch die anderen Seiten dieser Internetpräsenz sind absurd: z.B. die erwähnte „Phonophorese„, also Tonpunktur – eine Art Akupunktur mit Stimmgabeln!!!), dass man fast überliest, dass der Autor hier tatsächlich Spermien schüttelt. Eine völlig neue Potenzierungsschreibweise ist dem Mann auch eingefallen: „CCLVI 16„, also 256 hoch 16. Wenn man bei Erwähnung des „Hare Krishna“ Mantras (in voller Länge tatsächlich 32 Silben – passt also zur Basis 8) und irgendwelchen Mandalas als weitere Schüttelhilfsmittel glaubt, das war’s jetzt an Abstrusität, dann setzt der Mann locker noch eins drauf:

Eine Musik zur Begleitung dieser Schüttelvorgänge sollte im Ton G mit 194,18 Hz gestimmt sein, da die Hauptresonanz der DNS-Ketten ein G ist und ein G auch der Tageston der Erde ist.

Und natürlich hilft das:

Die Wirkung dieser Spermahochpotenzen ist übrigens erstaunlich – eine ganze Reihe von Freunden haben mir das schon nachgemacht und sind danach echt geiler geworden.

Nur das Ende dieser Seite ist eine Enttäuschung, ja eigentlich sogar ein Skandal! Der Autor weist auf Nebenwirkungen hin! Seine und seiner Freunde selbstgeschüttelte homöopathische Spermien (das meine ich natürlich nur im Sinne seiner beschriebenen Anweisungen) haben negative Auswirkungen:

Eine ganze Reihe hat allerdings so zwei bis drei Wochen nach Beginn des Einnehmens über Nierenschmerzen geklagt.

Ist das der Preis für’s – na ihr wisst schon? Ist ja nicht allzu hoch, denn …

Diese sind dann aber nach etwa 2 bis 3 Wochen wieder verschwunden (ohne absetzen der Hochpotenz).

Na bitte! Und was machen die – offensichtlich – Jungs dann:

Nun sind wir da am Weiterexperimentieren – und am Genießen der Wirkung !

Die Vorstellung ist betäubend: Ein paar Männer sitzen bei eigenartiger Musik, Mantras murmelnd vor Mandalas … …  und wenn sie nicht gestorben sind dann schütteln sie immer noch, und schütteln und schütteln und schütteln …





Weltbild gefällig? (Zwei Danksagungen)

9 04 2012

Danke Jörg W.! Dieses Video erklärt kurz und prägnant dein (und mein) Weltbild:

Und auch auf diese hervorragende Miniserie über „Diskussionszerstörer“ kann man nicht oft genug hinweisen:

Teil 1: Galileo – Gambit

Teil 2: Informier dich erst mal

Teil 3: Beweis doch mal…

Teil 4: Idioten

Teil 5: Finale

Wer statt Videos lieber lesen möchte, dem bietet der RatioBlog eine sage und schreibe 20-teilige Reihe (!!!!) über die „beliebtesten“ Fehlschlüsse. Danke auch dafür!





Tiefkühlpizza, Foren-Zensur und viele schlechte Screenshots

8 04 2012

Nehmen wir ‚mal an, ich kaufe mir zum ersten Mal die – fleißig beworbene – Tiefkühlpizza XY, bereite sie anweisungsgemäß zu und … … werde dann bitter enttäuscht. Als Mitglied der Pizzafreunde-Community* würde ich sofort meine Erfahrungen mit dieser Pizza mit den anderen Pizzafreunden teilen wollen, würde nachschauen, ob es schon einen Thread zur Tiefkühlpizza XY gibt bzw. einen neuen eröffnen und dann meine Erfahrungen posten:

Was für eine Enttäuschung! Die neue Pizza XY aus der Serie „Gusto Riscante“ sieht beim Auspacken noch sehr gut aus, aber das ist auch schon alles. Natürlich sieht der Belag auf dem Titelbild besser aus, als in der Realität – aber das gilt ja für so ziemlich alle Tiefkühlpizzas. Das Backergebnis lieferte schon ‚mal einen Teig, der mit einem Pizzaschneider gar nicht zu zerteilen war. Die Konsistenz erinnerte an einen viel zu dick geratenen Pappkarton – und der Geschmack leider auch. Die Tomatensosse war rot, aber das war auch das Einzige was bei dieser faden und öden Pampe an Tomaten erinnerte. Die Salami hatte die Konsistenz eines durchgekauten Kaugummis und der – viel zu spärliche – Käse roch (und schmeckte) wie meine Füße nach halbstündigen Joggen.

Vielleicht ergäbe sich daraus eine Diskussion mit anderen in der Pizzafreundecommnity – mit Leuten, die das Bouquet der Tomatensosse preisen und/oder denen die leichte Pfeffernote der Salami ganz besonders mundete. Der ganz normale Alltag in Internetforen also – und wenn jetzt der Forenbetreiber auf Veranlassung des Herstellers der Tiefkühlpizza meinen Beitrag löschen würde, dann würde dies bei den anderen Foristis mit ziemlicher Sicherheit ein kleines Shitstörmchen auslösen.

Würde ich allerdings in selbigem Forum behaupten, dass der Hersteller der Tiefkühlpizza XY es mit der Hygiene nicht so genau nimmt und man deshalb insbesondere bei der Sorte XY doch vorab prüfen sollte ob nicht unter der ein oder anderen Salamischeibe eine tiefgefrorene Küchenschabe oder ein Mäuseschwänzchen den Teig zieren, dann wäre die Löschung meines Beitrags nicht nur höchst wahrscheinlich, sondern sogar gerechtfertigt.

Halber Themawechsel: In der Lesercommunity  „bfriends“ der Zeitschrift „Brigitte“ wird des Öfteren über esoterische Angebote diskutiert, und fleißig werden von den Posterinnen die Erfahrungen mit AstrologINNen, KartenlegerINNEn und anderen Anbietern solcher Dienstleistungen – selbstverständlich mit Namensnennung – ausgetauscht. Das scheint normalerweise auch bei negativen Meinungen kein Problem zu sein, wie man in den folgenden Zitaten lesen kann:

Marlies Döscher hat mal einer Freundin von mir geraten, sie solle schnell mit ihrem OdB poppen, um zu sehen, ob sich eine Beziehung mit ihm wirklich lohnt. Sehr seriös . So weit ich weiß, ist auch keine ihrer Voraussagen eingetroffen.

Petra Röntgen – ich weiß, hier wurde sie empfohlen, ich kann das nicht und ich kenne viele ihrer ehemaligen Kundinnen, bei denen genau wie bei mir rein gar nichts eingetroffen ist. Sie ist eine Schönrednerin. Mir hat sie damals was erzählt von einem Haus im Grünen mit meinem Freund und zwei Kindern. Jetzt sind wir getrennt. Und auch den anderen Kundinnen hat sie das Blaue vom Himmel erzählt, dass natürlich nie eingetroffen ist. Sie hat so Spitzenbewertungen, weil die Kunden in ihrer ersten Euphorie nach dem Gespräch sofort 5 Sterne vergeben.

Maria Theresia Grass alias Thekla – hat total viele Spitzenbewertungen, redet aber nur schön und ich kenne viele Kunden von ihr, keine einzige ist heute mit ihrem Herzensmann zusammen

Lediglich allzu dreiste (Eigen-)Werbung scheint hier entfernt zu werden. In diesem Thread sieht es aber ein wenig anders aus. Dort gibt es einen Beitrag von „schnabel“, datiert auf den 29.12.2011, 17:23 Uhr, der heute so aussieht:

Die gleiche zensierte Leere ziert einen weiteren Beitrag von „schnabel“ (17:59 Uhr am gleichen Tag), sowie Beiträge von „aninmi“ (01.03.2012, 11:03 Uhr) und „einmalname“ (03.03.11:45 Uhr). Bei einem weiteren Post von „schnabel“ (30.12.2011, 12:34 Uhr) variiert die Begründung leicht:

Was stand eigentlich in den von der Forenadministration inkriminierten Beiträgen? Waren es eher persönliche Erfahrungsberichte – und damit erlaubt! – oder doch eher wüste Anschuldigungen ohne jeden Beleg? Zufällig hatte ich diese Seiten per Screenshot gesichert, so dass ganz einfach zu dokumentieren ist, was die Administratoren von bfriends.de hier wegzensiert haben.

Interessant ist dabei, dass alle zensierten Beiträge bis Mitte März noch ganz normal im Forum verfügbar waren. Die Forenzensur bei bfriends.de schlug ziemlich genau dann zu, als auch ich eine Mail bekam, in der mir vorgeworfen wurde, dass ich mit diesem uralten Beitrag irgendwie gegen mehrere Gesetze verstoßen haben sollte. Ich habe allerdings nicht mit Löschung des Beitrags reagiert, denn wie mir mehrere Juristen, die ich eher zufällig traf, bestätigten gibt es keinen Grund, seine Meinung nur deswegen vor der Öffentlichkeit zu verbergen, weil diese der Anbieterin/dem Anbieter nicht gefällt.

Bei bfriends.de scheint man da anderer Meinung zu sein – bzw. man zensiert lieber grundlos die Beiträge seiner Forumsteilnehmerinnen, statt die Esoterikanbieterin auf das grundgesetzlich garantierte Recht auf freie Meinungsäußerung hinzuweisen. Schaut man sich die Originalposts an, dann waren es wirklich rein subjektive Erfahrungsberichte, die sich allerdings kritisch mit diesem „sehr speziellen“ Angebot auseinandersetzten. Hier ein paar Ausschnitte aus dem Post von „schnabel“:

Ist hier irgend eine Schmähkritik oder eine Beleidigung der Anbieterin zu lesen?

Am Ende musste noch der finanziellen Aspekts der Aktion geklärt werden:

Auch hier („einmalname“) wurde lediglich die eigene Erfahrung mit dieser Anbieterin geschildert:

Nur im Post von „aninmi“ finden sich nach der folgenden Passage …

…ein paar Bemerkungen, die man mit einer großen Portion Böswilligkeit als  grenzwertig einstufen könnte (deswegen lasse ich diese Passagen auch weg).

Wie „schnabel“ außerdem berichtete, ist Forenzensur bei dieser Anbieterin nicht unüblich:

Auf die letzte Frage von „schnabel“ kann ich mit ja antworten. Die Frau scheint jedem Forum und jedem Blog, der „etwas Negatives“ (Originalzitat!!!) über sie schreibt eine entsprechende Mail zu schicken. Und offenbar gelingt es ihr tatsächlich die  ein oder andere Forenadministration – zum Beispiel bei bfriends.de – zu beeindrucken. Dass die Forenadministration einer so großen und mächtigen Zeitschrift wie der Brigitte sich von einer Esoterikanbieterin so leicht einschüchtern lässt, das hätte ich nicht gedacht, denn andere Foren sind da offensichtlich weniger (hier wird nur der Name der Anbieterin abgekürzt) oder gar nicht (in diesem Forum gibt’s den Originaltext) einzuschüchtern.

Die Verantwortlichen bei bfriends.de sollten sich entscheiden, ob sie eher auf der Seite ihrer Community stehen (… und deren Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigen!!!) oder ob sie lieber die vermeintlichen Rechte von Menschen verteidigen, deren Angebote gemäß BGB § 275 nach deutschen Recht generell nichtig sind („Der Anspruch auf Leistung ist ausgeschlossen, soweit diese für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist.„).

*ich wüsste nicht dass es eine solche Pizzafreundecommunity gibt, die existierende Webseite pizzafreunde.de gehört übrigens einem Lieferdienst, über den ich mangels konkreter Erfahrung keine Aussage tätigen kann.