Ein Astrologe beschwert sich …

6 04 2012

… aber nicht über mich, sondern über die für ihn zuständige Lokalpresse. Die Posse spielt in Görlitz. Dort wird am 22. April ein neuer Bürgermeister gewählt und in der vorbereitenden Berichterstattung der Lokalzeitung sollte auch die Meinung eines Astrologen eingeholt werden. Das ist zwar völliger Blödsinn, aber Lokalredaktionen machen das schon ‚mal (manchmal übrigens auch erst hinterher). Normalerweise lassen Sterndeuter ja solche Gelegenheiten nicht aus, da sie wissen dass die Nennung ihres Namens in der Öffentlichkeit nichts anderes als kostenlose Werbung für ihr Tun ist. In diesem Fall kam es aber ganz anders. Die Anfrage der Lokalredakteurin wurde vom Astrologen nämlich nicht beantwortet. Nicht dass der Astrologe vielleicht irgendwelche Skrupel gehabt hätte, auch war er von dem Geistesblitz, dass solche Prognosen doch eh absoluter Humbug sind, verschont geblieben – nein, er verweigerte die Antwort, weil die Redakteurin ihn, den großen Astrologen, für seine „Dienste“ nicht bezahlen wollte.

Und damit auch die ganze Welt von diesem Quatsch Notiz nehmen kann machte der Astrologe die Sache öffentlich. Sein Mittel war ein offener Brief an die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt. Veröffentlicht hat er seinen Sermon aber nicht in der Zeitung selbst, sondern in der Onlinepostille dieses ebenfalls in Görlitz ansässigen Herren, der in mehreren selbst verlegten Büchern die widerliche „Germanische Neue Medizin“ propagiert und noch heute auf dieser einschlägigen Webseite  im Impressum zu finden ist.  In einem solchen Umfeld lässt es sich gut gegen die böse, knausrige Presse schimpfen:

[…] würden Sie Ihre Arbeit auch gratis tun, nur weil jemand es auch machen würde? Heute verlangte eine SZ-Redakteurin von mir, dass für die morgige Samstagsausgabe eine kostenlose astrologischen Prognose zur Wahl am 22.4. in Görlitzer abgebe. Aus Dresden hätten sie schon einen Astrologen, der das gratis tue. Nun, ich beschäftige mich seit 1980 professionell mit Astrologie, u.a. Hunderte von Radiosendungen, bei denen das Standardhonorar momentan bei 400 Euro liegt. Ich habe abgelehnt und erhielt darauf eine beleidigte Email der Journalistin.

Tja, die Journalistin war sicher perplex, weil der Astrologe für die kostenfreie Werbung in Form seiner Namensnennung in einem Artikel sogar noch bezahlt werden wollte. Und seine Rache ist nun schon gänzlich bizarr: Er veröffentlicht auf oben genannter Webseite einfach die Horoskope der beiden Kandidaten – ganz kostenlos! Allzu viel Zeit scheint er aber in diese „Arbeit“ nicht investiert zu haben, denn die Texte tragen diesen Cpyrightvermerk:© Texte von Anita Cortesi. Offensichtlich besitzt der Mann also ein Astrologieprogramm, dass nach Eingabe von Geburtsdaten Texte liefert, die  auf dieser Werbeseite beworben werden. Und ich muss ehrlich zugeben, diese Texte sind wahre Meisterleistungen! Banalitäten und Trivialitäten – passend auf mindestens 95% der Menschheit –  werden mit einem ganz, ganz dicken Klecks Honig dem Leser ums Maul geschmiert. Lesen kann man das in Passagen wie dieser …

Sie brauchen überdurchschnittlich viel freien Spielraum im Beruf, um die eigene Kreativität, Erfindergabe und Ihr Improvisationstalent einzubringen. Ein Beruf, in dem allzu genau vorgegeben ist, was Sie zu tun haben, gibt Ihnen leicht das Gefühl, eingesperrt zu sein.

… oder dieser …

Sie haben eine weiche Ader, mit der Sie sofort spüren, was Ihr Tun bei anderen bewirkt. Oder anders formuliert identifizieren Sie sich mit Ihrer Umwelt, wenn Sie handeln. Sie fühlen fast hautnah mit, wie andere auf Ihre Aktivitäten reagieren. Dies lässt Sie das eigene Tun feinfühlig auf die Umwelt abstimmen.

… oder jener …

Um effizient lernen zu können, muss Ihre Begeisterung geweckt sein. Sie haben wenig Lust, trockenen Lernstoff zu pauken. Aber wenn eine zündende Idee Sie zum Lernen veranlasst, packen Sie den zu lernenden Stoff an, als gelte es, eine Festung zu erobern. Auf ähnliche Weise sind Sie für ein Thema entweder Feuer und Flamme und verschaffen sich in kurzer Zeit eine Menge Informationen oder es lässt Sie gänzlich unberührt.

Ist das nicht toll, dass wir alle Bürgermeisterkandidat in Görlitz sein könnten? Dabei habe ich nicht einmal nach besonders sinnfreien oder banalen Passagen gesucht – ich habe eher zufällig drei nicht allzu lange Stücke aus den beiden Horoskopen herausgenommen …

Wenigstens versucht es der Mann am Ende seines offenen Briefes (der zwar an die Bürgermeisterkandidaten gerichtet ist, sich aber am Ende eigentlich nur an die Lokalredakteurin wendet) noch mit ein wenig Humor:

P.S: Sie wünschen eine astrologische Prognose? Nun gut: Die mundane Aspektierung der Transitoren Jupiter, Uranus und Pluto in Bezug auf die Radix-Konstellationen der Lichter Sonne und Mond in den Tierkreiszeichen Widder und Stier wird den Ausschlag geben.

Äh, ja! Hätte der Mann das nicht noch mit einem …

😉

… garniert, wäre dieser Text doch wirklich als typische Astrologenprognose durchgegangen. Seine vermeintliche Persiflage hat genau so viel Inhalt wie die Abschnitte aus den – von ihm selbst seinem Computer entlockten – „richtigen“ Horoskopen: Null, Nada, Nichts, Niente, …





Vermeintliche und echte Aprilscherze – mit und ohne Homöopathie

4 04 2012

Ich bin ja kein großer Freund von Aprilscherzen. Entgehen kann man ihnen kaum, und zumindest in den Medien gibt es immer mal wieder den einen oder anderen, der mir zumindest ein Schmunzeln, wenn nicht gar ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert. Dieses Jahr war es eine Meldung in Telepolis. Natürlich ist es Quatsch, dass die Bewohner der ehemaligen DDR für ihren damaligen Konsum des Westfernsehens von der GEZ nachträglich zur Kasse gebeten werden sollen. Andererseits – und das macht für mich einen guten Aprilscherze aus – liegt diese Meldung gar nicht so weit neben der Realität. Vielleicht wurde dieser Scherz ja wirklich von dieser echten Meldung inspiriert: Ein Mann soll für die Zeit seiner Obdachlosigkeit GEZ-Gebühren nachzahlen

Wissenschatliche Scherze sind bisweilen schwerer zu entdecken. In Brasilien versuchte der Scientific American mit einer Homöopathiestory den 1. April zu feiern. Den Text selbst fand allerdings nicht nur ich wenig lustig, denn das Ganze könnte ohne eine einzige Änderung tatsächlich in irgendeinem Homöopathiebuch stehen. Das Ganze beginnt – wie hier berichtet wird – so:

Homeopathy is known as an alternative treatment for human beings, but few people know about its utilization on animals, plants, soils, and water. This technique is the target of critiques regarding results and efficacy.  One of them is about the “placebo effect” of its remedies, which do not contain any trace of the raw material used in its preparation. To answer this criticism, a clarification is necessary: homeopathy is not related to chemistry, but to quantum physics, because it works with energy, not with chemical compounds that can be qualified and quantified.

Aber Moment! War das jetzt überhaupt ein Aprilscherz oder meint der brasilianische Scientific American das Ernst? Gibt es überhaupt eine brasilianische Version des Scientific American? Ok, die letzte Frage lässt sich einfach beantworten: Ja, es gibt eine. Um die erste Frage zu beantworten müsste man schon mehr über den Artikel wissen. Auf der verlinkten brasilianischen Internetseite konnte ich ihn nicht finden (das muss aber nichts bedeuten, denn ich kann kein portugiesisch). Ein Aprilscherz auf der zitierenden Seite kann man ausschließen, denn der Artikel trägt das Datum 3. April. So darf also weiter – zum Beispiel hier – darüber diskutiert werden, ob das jetzt ein missglückter Aprilscherz oder völlig missglückte Wissenschaft war. Letzteres wäre viel ärgerlicher!

Bei diesem Beitrag in den Science-Blogs geht es – zum 1.April – auch um Homöopathie, bzw. einen vermeintlichen Beweis dafür. Hier erschließt sich der Scherz auch nicht beim schnellen Querlesen, aber es reichen schon ein genauer Blick auf die ersten beiden Sätze nach der Einleitung:

Behandelt wurden Menschen, die mindestens 5 Jahre an morbus algia imperceptible litten, einer sehr seltenen Schmerzerkrankung des Metencephalon. Die Studie wurde an 5.000 Patienten und Patientinnen in einem Krankenhaus in Barcelona durchgeführt.

Eine sehr seltene Krankheit soll an 5.000 Patienten über 5 Jahre beobachtet worden sein? Das ist natürlich lächerlich, aber noch lächerlicher ist, dass die Krankheit ja „imperceptible“, also gar nicht wahrnehmbar sein soll.

Interessant wird in beiden Fällen sein, ob nicht vielleicht irgendwelche Homöopathen diese Artikel auf ihrer Homepage oder in irgendwelchen Veröffentlichungen als Argument dafür verwenden, dass ja sogar die „richtige Wissenschaft“ sich durchaus positiv zu ihrer glaubensbasierten Pseudomedizin äußert. Dass Aprilscherze – wenn sie gut gemacht sind – durchaus ein längeres Eigenleben führen können, war im Mathlog nachzulesen: Eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung aus diesem SB-Artikel zum 1. April 2009 fand ihren Weg sogar in die deutschsprachige Wikipedia – und wurde erst nach der Veröffentlichung des Mathlog-Artikels bereinigt.

Auf Heilpraxis.net scheinen die Autoren ein wenig verpennt zu haben, denn ihr Aprilscherz stammt vom 2. April. Alleine die 2. Überschrift spricht Bände:

Anti-Homöopathie-Gegner planen keine Aktionen mehr

Herrlich! Den Rest kommentiert Bernd Harder – inclusive echter homöopathischer Tipps – auf dem GWUP-Blog.





Schwachsinn hoch zehn …

3 04 2012

… ist dieser Artikel, in dem es einem BILD-Journalist aus Dresden gelingt in 224 Wörtern bzw. 1284 Zeichen eine rekordverdächtige Anzahl Unsinn unterzubringen. Nicht dass ich von der BILD-Zeitung intellektuell anspruchsvolle Artikel erwarte, aber dieser ist eine absolute Meisterleistung. Es geht um einen 11 cm hohen, schwarzen Schädel „aus Vulkangestein“, der einem Mann gehört (zu dem später mehr), der Reisen zu Kornkreisen organisiert und diesem Steinschädel magische Kräfte zuschreibt.

Angeblich ist der Kopf Tausende Jahre alt und stammt von den legendären Maya. 

Ja! Genau! Angeblich! Übrigens: Man könnte das ganz einfach wissenschaftlich überprüfen … … aber der mutmaßliche Journalist glaubt diesem Mann (zu dem später mehr) offensichtlich alles.

[…] glaubt, dass die Skulptur SS-Chef Heinrich Himmler († 44) gehörte. (5)

Muss es unbedingt diese stinkende, braune Sosse sein? Aber der Mann (zu dem später noch einiges zu erzählen ist) darf seinen Schwachsinn weiter verbreiten:

Der Dresdner dagegen erklärt, er habe recherchiert und herausgefunden, dass Himmler mit Geldern aus dem berüchtigten „Amt Ahnenerbe“ 1937 bis 1939 eine Expedition nach Tibet entsandte.

Für diese Recherche reicht ein kurzer Blick in die Wikipedia (hier die englische Webseite zum Thema) …

Dort sollen die Nazis solch einen Schädel aus einem Kloster geholt haben.

Äh, Moooooment! Wie kommt eigentlich ein Maya-Schädel (Mittelamerika) in ein nepalesisches Kloster (Mitten in Asien)? Das wäre eine einfache Frage gewesen, und die Antwort hätte mich wirklich sehr interessiert. Aber stattdessen gibt es das vermeintliche Gerücht eines eventuellen Schlüssels zur Weltherrschaft:

Die Nazis waren der Überzeugung, dass 13 solcher Schädel existierten. Wer sie zusammenführt, besitzt einen Schlüssel zur Beherrschung der Welt.

Wen interessiert eigentlich, von was die Nazis überzeugt waren? Viel interessanter ist sowieso die Geschichte, wie dieser Mann (zu dem gleich noch ein wenig zu sagen sein wird) den Steinschädel 2009 von jemanden geschenkt bekommen habe will, dessen Vater bei der Verhaftung Himmlers (jetzt reicht’s aber mit dem braunen Zeugs!) dabei gewesen sein soll. Und jetzt wird’s noch mystischer, denn der Schädel hat das dem Ex-Besitzer selbst eingeflüstert:

Sein Vater hätte ihn aufbewahrt. Doch nun forderte der Schädel, der ‚Quauthemoc‘ heiße und telepathisch Kontakt aufnehme, dass man ihn an mich übergebe.

Wow! Ein Kristallschädel mit eigenem, mystisch klingenden Namen, der sich seinen neuen Besitzer (gleich noch mehr zu ihm) selbst aussucht. Und wenn wir schon bei den Maya sind, dann muss natürlich auch noch dieses ominöse Datum aus dem Dezember dieses Jahres verbraten werden:

Ein Maya-Nachfahre hat jetzt Schädelbesitzer aus der ganzen Welt zu einem Treffen in die alte mexikanische Stadt Palenque eingeladen. Ausgerechnet für den 21. Dezember 2012 – dem letzten Tag des Maya-Kalenders, an dem angeblich die Welt untergeht!

Ja, ich habe den letzten Link getürkt! Normalerweise wird auf eine Seite der BILD verwiesen, aber bei Astrodicticum ist dann doch ein klein wenig mehr Information zu diesem Thema zu finden …

Aber nun zu dem Herrn, der hier unkommentiert seine braunen Referenzen und weitere Hirngespinste vorstellen darf, denn den musste ich hier schon des Öfteren erwähnen. Es ist niemand geringerer als der Erfinder der wunderbar lächerlichen Palmblattprognosen, in denen er für 2011/2012 unter anderem Folgendes gelesen haben will:

In den europäischen Metropolen wird es Aufstände geben, die sich zum großen Teil auch gegen dort ansässige Ausländer richten werden. Besonders blutige Kämpfe werden sich in Paris und Rom, aber auch in Madrid, London und Prag abspielen. In Rom wird auch der Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche gestürmt. Zahlreiche Würdenträger sterben bei den Plünderungen, auch der Papst, der zwar zunächst fliehen kann, jedoch außerhalb von Rom in einen Hinterhalt von Plünderern gerät.

Was mich außerdem irritiert, ist die Tatsache, dass dieser Mann – ebenfalls aus den Palmblättern – auch folgenden Satz gelesen haben will …

Die Möglichkeit, nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit zu reisen, wird durch Experimente im Jahr 2012 sowohl in der Schweiz als auch in Australien bewiesen werden.

… zu dem er die entsprechende Reise anbietet:

Jeder Mensch träumt vermutlich irgendwann im Leben davon, in eine andere Zeit zu reisen. Aber für die meisten wird das wohl ewig ein Traum bleiben.Wie soll das auch gehen? Unter dem Namen „Time Machine 1212“ hatten vor einigen Jahren ein paar Männer eine Idee, wie dieser Traum vielleicht doch zu verwirklichen geht. Diese Idee ist so simpel, dass man sie ruhig genial nennen kann. In einer einzigartigen Versuchsanordnung setzen nun der Diplom-Physiker Walter Gith, der Diplom-Ingenieur Uwe Aloé und der Ökonom Bernd Siebler als Initiatoren ihre Idee in die Wirklichkeit um. Unter der Annahme, dass ein Zeitreiseverfahren in der Zukunft entwickelt wird, hat das Projekt exzellente Chancen erfolgreich zu sein. Vielleicht wird ja auch gerade diese jetzige Initiative zur zukünftigen Erfindung eines Zeitreiseverfahrens massgeblich beitragen? Wenn am 12.12.2012 keine Zeitmaschine erscheinen sollte, wäre im Umkehrschluss der Beweis erbracht, dass Zeitreisen grundsätzlich nicht möglich sind. Erleben Sie mit uns am 12.12.2012 das „Jahrtausend-Zeitreise-Experiment“ in Queensland/Australien.

Immerhin, das Timing der Reise nach Australien erlaubt, dass der entweder-an-alles-Glauber-oder-allen-Schwachsinn-für-sein-Geschäft-ausnutzende Herr Ritter noch rechtzeitig zu diesem ominösen Schädel-Event nach Palenque reisen kann. Meine Prognose für Palenque ist einfach: Leute, das mit der Weltherrschaft wird auch dann nicht klappen, wenn sich dort statt 13 dann doch 3000 Kristallschädelbesitzer einfinden werden …





… und wieder keine Dollarmillion …

1 04 2012

Eine Million Dollar bietet die JREF (James Randi Educational Foundation) bekanntlich demjenigen Menschen, der seine übersinnlichen Fähigkeiten unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen zeigen kann. Natürlich haben es auch die Probanden in folgendem Video nicht geschafft:

Aber eigentlich ist der 1. April ja ein ganz anderer, wichtiger Termin für die Leute um James Randi. An diesem Tag werden trditionell die jährlichen Pigasus-Awards bekannt gegeben.Das dazugehörige Bild fand ich schon immer herzallerliebst:

So auch in diesem Jahr:

Ich gebe zu, es sind keine allzu spektakulären Preisträger darunter. Aber es ist ein guter Grund an den vom 18.-20. Mai in Berlin stattfindenden Welt-Skeptiker-Kongress zu erinnern. Dort werden – neben James Randi – eine ganze Reihe weiterer, weltbekannter Skeptiker zu sehen und zu hören sein.





Akademische Titel für Esoterik? Die schwierige und die einfache Variante!

28 03 2012

Die schöne bayrische Kreisstadt Traunstein wird seit einiger Zeit von wissenschaftlich denkenden Mitmenschen eher mit Kopfschütteln bedacht. Die Stadt will sich doch tatsächlich mit einer Hochschule für Homöopathie schmücken – und die Begeisterung der Entscheider ist schier grenzenlos. Ein Glücksfall soll das sein, auch wenn die designierten Betreiber schon mal vorsorglich auf ein kleines Problemchen hinweisen (und böse Kommentare von Kritikern zu lesen sind):

Als Wermutstropfen mussten die Stiftungsvertreter einräumen, dass die Frage der Anerkennung des Abschlusses derzeit nicht endgültig geregelt sei.

Etwa 150 km entfernt von Traunstein ist man schon ein wenig weiter. In Freising machte die Hochschule Weihenstephan Schlagzeilen, weil es dort schon hochoffiziell ein Modul mit dem wunderschonen Namen „Landschaftsästhetik & Geomantie und Feng Shui in der Landschaftsarchitektur“ gibt. Die Reaktionen auf dieses Angebot waren eindeutig, sogar der  Spiegel kommentierte. OK, einen Bachelor oder Master gibt es für diesen esoterischen Quatsch nicht, zumindest nicht alleine, aber man kann immerhin eine Abschlussarbeit mit einem solchen Mumpitz-Schwerpunkt schreiben.

Ebenfalls in Freising befindet sich der 2. Studienort von animalmundi. Diese selbst ernannte „Schule“ bildet z.B. Tierhomöopathen aus – und sammelt Spenden um ihr spezielles Anliegen zu unterstützen: Ihre so genannten Ausbildungen sollen doch bitte Bachelor-Weihen erhalten, es soll sogar der Bachelor of Science sein!

Das mit dem Bachelor ist in Deutschland allerdings ein wenig schwierig. Es gibt hier nur 5 Varianten und „Laws“, „Education“ und „Engineering“ scheiden für solche Themen von vorne herein aus. Bleiben noch „Arts“ und „Science“, aber mit Wissenschaft haben die drei Studienangebote in etwa so viel zu tun wie der Papst mit dem Wechseln von Babywindeln. Bleiben also nur die „Arts“, also Sozial-, Sprach-, Kultur-, Informations– und Wirtschaftswissenschaften. Immerhin! Und genau so machen sie das ja auch in Frankfurt/Oder, denn an der Viadrina gibt es seit 2008 einen Studiengang Komplementäre Medizin, der in der Presse und in Blogs kritisiert wurde, und einen Master of Arts bescheren soll (hier die Beschreibung). Die Homöopathen hatten das Spielchen übrigens auch in der Homöopathiestadt Köthen, gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, probiert, scheiterten aber daran, dass den Magdeburgern offensichtlich das Geld für solchen Humbug fehlte.

Diese gewünschte oder bereits angebotenen Titel haben zwei entscheidende Nachteile. Außer dem – nicht titelrelevanten – Wahlmodul zu Geomantie und Feng-Shui in Weihenstephan sind die anderen Studienangebote ausnahmslos kostenpflichtig. Das bedeutet, dass man nicht nur  jahrelang arbeiten und lernen, und am Ende sogar noch eine Prüfung ablegen muss – das ganze kostet auch noch reichlich Bares. Und das ganze nur um dann den Titel eines Bachelor oder Master „of Arts“ führen zu dürfen? (Ich kann ja leider nicht ausschliessen, dass solcher unwissenschaftliche Unsinn nicht doch irgendwann ‚mal mit einem „of Science“ Titel geadet wird, hoffe es aber nicht!) Allzu eindrucksvoll ist dieser Titel ja nicht. Außerdem sagt der Titel alleine rein gar nichts über irgend eine Qualifikation des Trägers aus. Der „of Arts“-Titelträger könnte ebenso gut ein Wirtschaftswissenschaftler o.ä. sein.

Viel eindrucksvoller wäre es natürlich, wenn man schon am Titel selbst sehen könnte, dass der Titelträger eine Koryphäe in seinem – esoterischen – Gebiet ist. Hier bietet diese Seite eine billige und viel einfachere Alternative. Statt jahrelang an irgend einer obskuren Hochschule zu lernen und sich einer Prüfung zu unterwerfen kann man sich viel eindrucksvollere Titel ja auch einfach kaufen. Und das sind keine Bachelor oder Master, es sind echte Doktor- oder Professorentitel, die man in vielen „Fachgebieten“ erwerben kann. Dass man diese Titel in der Öffentlichkeit nicht einfach mit Dr. oder Prof. abkürzen darf ist dabei nicht einmal ein Nachteil, denn an diesem Titel kann man genau erkennen in welchem Gebiet der Träger  als Scharlatan unterwegs ist sich nach außen als Meister seines Fachs ausgeben will. Zu den rechtlichen Fragen empfehle ich diese Seiten des Anbieters. Scheinbar dürfen selbst ernannte Kirchen alle möglichen Titel vergeben und diese Titel dürfen auch in Deutschland verwendet werden – so lange sie nicht mit echten akademischen Titeln zu verwechseln sind*.

Also warum in Traunstein oder sonstwo studieren, wenn man den Titel eines Dr. h.c. of Homeopathy für kleines Geld (mit einem Groupon-Gutschein kostet der Spaß mit dem Doktortitel gerade mal 39 Euro, der Prof. ist 10 Euro teurer) erwerben kann? Ok, wenn man den Titel tragen will muss man ihn in voller Länge angeben, und das sieht dann so aus:
Dr. h.c. of Homeopathy, MLDC Institute (USA)

Wow! Ist das nicht viel eindrucksvoller als ein schnöder „Bachelor of Arts“ oder „Master of Arts“? Das ist ja sogar ein Dr. (oder Prof.) h.c., also einer der ehrenhalber verliehen wird. Bestimmt für höchst aufsehenserregende Forschungen oder Erkenntnisse in dem entsprechenden „Fachgebiet“ … … dass man einen solchen Titel auch für eine wirklich kleine Spende erwerben kann, daran dürften die Leser der entsprechenden Visitenkarte eher nicht denken. Auch für die Fans der Viadrina gibt es passende Titel:

Dr. h.c. of Alternative Therapy, MLDC Institute (USA)

Dr. h.c. of Alternative Health, MLDC Institute (USA)

Nein, ich möchte hier nicht darüber diskutieren, dass eine Alternative zu Therapie oder Gesundheit eben eigentlich „keine Therapie“ oder „keine Gesundheit“ bedeuten kann. Für die Studenten in Weihenstephan-Triesdorf empfehle ich die beiden folgenden Varianten:

Dr. h.c. of Dowsing, MLDC Institute (USA)

Dr. h.c. of Feng Shui, MLDC Institute (USA)

Klingt das nicht hervorragend? OK, die Tierhomöopathen kriegen keinen eigenen Titel, aber dafür gibt es noch viele andere, über die man wirklich ernsthaft nachdenken könnte. Zum Beispiel dieser:

Dr. h.c. of Ufology, MLDC Institute (USA)

Man muss dafür nicht einmal behaupten, einmal von einem Ufo entführt worden zu sein! Ein paar Euro genügen und Sie sind bei allen UFO-Fans der absolute Star. Wenn Sie sich hingegen gerne irgendwelche pseudophilosophischer Schwurbeltexte in Anwesenheit anderer Menschen entäußern möchte, dann empfehle ich den

Dr. h.c. of Metaphysics, MLDC Institute (USA)

Andere werden lieber diesen Titel erwerben wollen:

Dr. h.c. of Apologetics, MLDC Institute (USA)

Eigentlich ist das ja ein Dr. in Ausreden, aber Apologetics klingt besser …

Meine absoluten Favoriten sind aber die folgenden beiden. Zum ersten der:

Dr. h.c. of Divinity, MLDC Institute (USA)

Einen Doktor h.c. in Göttlichkeit zu besitzen ist schon obercool. Man könnte das ja leicht abkürzen und auf die Frage „was machst’n du“ immer gleich mit „Ich bin Gott ehrenhalber“ antworten. Denn was soll ein Dr. in Göttlichkeit denn sonst aussagen?

Noch besser ist natürlich dieser Titel:

Dr. h.c. of Immortality, MLDC Institute (USA)

Einen Unsterblichkeitsdoktor verleiht die „normale“ wissenschaftliche Community schon gleich gar nicht. Ich frage mich nur, ob die Erben dann – falls der Träger dieses Doktortitels denn trotzdem irgendwann einmal ableben sollte – die Gebühr für den Titel zurückverlangen können? Aberkennen kann man diesen Titel ja nicht so einfach …

Es fehlt natürlich noch der Titel für den aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts überhaupt. Diesen würde ich selbstverständlich sofort erwerben:

Dr. h.c. of Sheng Fui, MLDC Institute (USA)

Ob mein charismatischer Lieblingsguru vielleicht dafür sorgen könnte, dass auch dieser Titel verfügbar wird?

* das finde ich das wirklich Beste an dieser ganzen Sache. Offensichtlich haben diese kaufbaren Doktortitel auch deswegen so tolle Namen, damit sie nicht mit echten Doktortiteln verwechselt werden können. Das „Fachgebiet“ muss wohl ausreichend unwissenschaftlich sein, damit es für die „Allgemeinheit“ als reiner Kauftitel erkennbar werden kann (wenn sich die Leute da mal nicht täuschen) …





Spam von Frau M.

23 03 2012

Am 14. März hatte ich kurz davon berichtet, dass mich eine gewisse Frau M. allerlei Gesetzesübertretungen bezichtigt weil ich es vor etwa 3 Jahren nicht nur gewagt habe, ihr Angebot zu kritisieren, sondern auch die entsprechenden (von mir kritisierten) Passagen ihrer Webseite wortwörtlich zu zitieren. Inzwischen habe ich schon 5 gleichlautende Mails von ihr bekommen (die letzte heute Nachmittag), und da sie in einer sechsten Mail nochmals betonte, dass ich – nach Meinung ihrer Webseitenagentur – definitiv gegen das Urheberrecht verstoßen habe weil ich sie vor Übernahme der Texte nicht um Erlaubnis gefragt hatte, beschloß ich heute Abend zu handeln.

Ich weiß natürlich, dass ihre Behauptungen völlig aus der Luft gegriffen sind. Natürlich darf ich aus veröffentlichten Werken zitieren. Insbesondere dann, wenn es diesen Texten einer gewissen „Schöpfungshöhe“ mangelt. So darf ich zum Beispiel das auf einer Internetseite veröffentlichte Jahreshoroskop eines Astrologen in voller Länge veröffentlichen und kommentieren (da hatte sich vor Jahren ‚mal einer beschwert und einen Rechtsanwalt auf mich gehetzt …), denn das Jahreshoroskop erfüllt das Kriterium der Schöpfungshöhe eben nicht. Schon gar nicht erfüllt ist dieses Kriterium bei reinen Werbeaussagen …

Aber sei’s drum. Wenn die Frau denn unbedingt möchte, dass ich ihre Zitate aus dem Text entferne, dann mache ich das eben …

… und ersetze die Zitate durch die entsprechenden Screenshots. Das ist – ich habe in dieser Woche zufällig ein paar in diesem Themen versierte Anwälte getroffen – selbstverständlich erlaubt. Außerdem macht das den Artikel bunter, so dass man jetzt die Palmblätter aus Mönchengladbach auch in Farbe genießen kann.





Blöder Redaktionsschluss

20 03 2012

Der Redaktionsschluss für Allgeiers Astrologisches Jahrbuch 2012 kam im letzten Jahr definitiv zu früh. Zumindest für einige Teile des auf den Seiten 6 bis 23 zu findenden Artikels mit dem Titel „Das Jahr 2012 – Alles ist in Aufruhr“. Das mit vielen dahingeraunten Katastrophen gespickte, aber ansonsten überwiegend sinnfreies Geblubber ist ein Armutszeugnis erster Güte für diesen Familienbetrieb (Herausgeber: Kurt und Michael Allgeier, Redaktion: Barbara Alllgeier und bei der redaktionellen Mitarbeit findet sich noch der Name Riki Allgeier). Warum sollte man sich mit einem solchenText beschäftigen, wenn bei diesen Prognosen zu einzelnen Ländern die entscheidenten Details (aus 2011) nicht einmal vorhergesagt werden konnten? Hier ein Beispiel (S. 19):

Für Lybien ist kein Ende des Regimes Gaddafi zu sehen,  sollte der Machthaber das Jahresende 2011 überlebt haben.

Eine Prognose zu Gaddafi war offensichtlich nicht möglich – Konkretes vermeiden die Allgeiers doch lieber. Für das Land sehen die Sterndeuter übrigens ganz schwarz:

Es sieht nach einem Krieg aus, für den es kein Ende geben kann.

Dagegen waren die Aussichten für Syrien richtig gut (S. 18):

Syrien wird seinen Machthaber Assad nicht los – sollte das nicht 2011 noch geglückt sein.

Bis dahin sieht das ja fast noch richtig aus, wenn nicht dieser komische Nebensatz wäre. Was jetzt kommt ist jedoch schlicht und einfach falsch:

Trotzdem sieht es für das Land relativ friedlich aus. […viel  Astroblabla …] deuten darauf hin, dass man irgendwie doch recht gut in Syrien zurecht kommen wird.

 Was für eine gequirlte …

 





Klare Worte …

19 03 2012

… findet dieser Kommentar von Guido Tartarotti in der östereichischen Zeitung Kurier:

Auch wenn sich in diesem Text ein beliebter Strohmann versteckt hat – insbesondere den letzten Abschnitt kann man nicht oft genug wiederholen!

(via Florian Freistetter bzw. facebook)





Wer interessiert sich noch für Kornkreise?

16 03 2012

Zumindest im Winter sind die Dinger ja hier, auf der Nordhalbkugel, recht selten zu finden. Dafür gibt es etwas Neues, denn der Winter ist die Zeit der Schneekreise! Und die sehen einfach wunderschön aus. Und dieses Mal ist es auch vollkommen klar, dass es nicht die Außerirdischen waren, die die schönen Bilder in die weiße Pracht gezaubert haben.
Der Künstler heißt Simon Beck und seine Bilder sind einfach atemberaubend! Hier ein Beispiel:





Frau M. kennt einen Anwalt …

14 03 2012

… und der hat ihr – wenn man der mir zugesandten Mail glauben möchte – verraten, dass sie hier im Blog erwähnt wurde. Ihrer Meinung nach würde mein Beitrag gegen §824 BGB bzw. §1004 BGB verstoßen, außerdem hätte ich durch das Zitieren einiger Passagen ihrer Homepage (ohne vorher nachzufragen) das Urheberrecht verletzt …

Um welchen Beitrag es sich dabei handelt hat sie allerdings nicht geschrieben – ob’s der war, den ich vor 1081 Tagen online gestellt hatte?

Aber wenn die Frau schon einen Anwalt kennt, dann sollte sie sich von diesem ‚mal §275 BGB (insbesondere Abs. 1) erklären lassen. Darunter dürften nämlich ihre vielfältigen Angebote fallen. Außerdem sollte der Rechtsanwalt die Dame auch auf dieses Gesetz hinweisen, insbesondere auf §3 und §6, Abs. 2.