So funktioniert die Alternativmedizin

31 10 2011

Oh Mist! Da habe ich es tatsächlich geschafft bisher kein einziges Mal xkcd-Cartoons zu empfehlen … … dabei gibt es dort doch so viel Schönes zu entdecken. Zum Beispiel diese absolut treffende Beschreibung der Alternativmedizin – äh, ich meine natürlich Alternativliteratur:





Kalenderverwirrte, Zeitreisen und Hämmorrhoiden – Nachtrag zum 28.10.2011

30 10 2011

Und? War was? Manche der Anhänger des Mayakalenderendes vom 28.10.2011 wollen partout irgend etwas gemerkt haben:

Das also ist das Paradies. Die Neunte Welle ist zu Ende und somit der Mayakalender insgesamt. Alles in Allem bin ich überrascht und begeistert, wie präzise die Prognosen des Kalenders eingetroffen sind, auch wenn ich mir selbst ein viel schnelleres Fortschreiten zum ganzheitlich erleuchteten Einheitsbewusstsein gewünscht hätte.

So fühlt sich also der Tag danach an, der zum Mayakalenderende für den Autor eher Profanes barg:

In einem anderen Blog wird hemmungslos und vollkommen sinnbefreit über irgend einen „Aufstieg“ geschwurbelt, wobei zusätzlich – warum auch immer – ein in Köln, Düsseldorf und Mainz alljährlich wichtiges Datum genannt wird: der 11.11.. Was es mit diesem Tag Besonderes auf sich haben soll, das verrät der Text zwar nicht, aber beim Stöbern auf der Seite habe ich dann doch noch einen Link gefunden, der etwas mit diesem Datum zu tun zu haben scheint.

Zumindest in den genannten Städten dürften sich der 11.11. für so manche Menschen tatsächlich im Hirn bzw. mit Kopfschmerz am Folgetag auswirken.

Auf dieser Seite leidet man offensichtlich unter einer Art Kalenderverwirrung.

Wie ich in meiner letzten Botschaft an euch mitteilte (Channeling July) endet das Jahr 2011 am 28.10.2011 und dort beginnt das Jahr 2012.

Komisch, mein Wandkalender zeigte am Freitag keinen Silvestertag und auch heute ist noch immer 2011. Das ist aber ganz bestimmt wieder so eine gaaanz pöhse Verschwörung, die glücklicherweise von dieser „Neuen Gemeinschaft von Philosophen“ bereits aufgedeckt wurde:

Das Eine-Welt-Establishmant hat nämlich ein ganz besonderes Interesse daran, die Weltöffentlichkeit in dem Glauben zu lassen, daß der 21. Dezember 2012 das entscheidende Wendedatum des Mayakalenders sei.

 Aber warum nur?

Mit der falschen Fokussierung auf 2012 will man erreichen, daß der Großteil aller Menschen die Zuspitzung der Krise für 2011 nicht einplant bzw. erst gar nicht für möglich hält, sie damit davon abgehalten werden, die dringend notwendigen Krisenvorbereitungen früh genug zu treffen und somit unvorbereitet dem gesellschaftlichen Chaos ausgesetzt sein werden. Und genau ein solches Verhalten braucht das Establishment unbedingt, um den unvorbereiteten Völkern das globale Versklavungssystem der Eine-Welt-Herrschaft aufzwingen zu können – „ORDO AB CHAO“ ist das oberste Motto der menschen- und völkerverachtenden Freimaurer!

Ach so! Die Freimaurer ‚mal wieder. Aber was man von diesem auf den 2.2.2011 datierten Text halten soll zeigt schon diese …

[…] (Anmerkung: Sehr wahrscheinlich markiert dieses Datum das Ende des Dritten Weltkriegs durch die prophezeiten Kataklysmen [Nibiru?] als das definitive Ende des alten Paradigmas und Herrschaftssystems).

Nibiru? Ende des 3. Weltkriegs? Da haben die bösen Medien beim Verschweigen wohl ganze Arbeit geleistet!

Eine andere Kalenderverwirrung gehört wohl eher in diese Kategorie, denn  der Autor huldigt nicht nur ausgiebig jeder absurden Verschwörungstheorie sondern hat auch absolut tolle Sonderangebote  auf Lager, die gegen Bares zu erwerben sind. Man muss sich aber schnell entscheiden:

Dieses Angebot gilt nur bis Sonntag, 30.10.2011, damit viele von Euch die Möglichkeit haben, dabei zu sein und damit Geld dabei keine große Rolle spielen soll … Ab Montag 31.10.2011 erhöht sich die Teilnahmegebühr definitiv auf 222,- Euro, was dann ja immer noch 350,- Euro Ermäßigung beinhaltet …

Nun gut, für ein Teil dieses Paketes bräuchte der Anbieter wohl eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit, denn das Folgende soll 95 Euro wert sein:

Persönliche Verankerung auf Deinen Vor- und Nachnamen als Stellvertreter für Deine ganze Familie bezogen auf Ort und Zeit des Rituals im Salar de Uyuni in Bolivien am 28.10.2011 um 11:11 Uhr

Und klar, dass sich der Preis ab Montag 31.10. erhöht – Zeitreisen werden ja täglich teurer …

Interessant ist bei dieser in Panama registrierten Seite übrigens der Haftungsauschluß:

Durch die Nutzung der  hier erhältlichen Angebote kann subjektiv das Empfinden eines sehr starken Energieflusses auftreten.

Stimmt, aber nur wenn man Energie mit Geld gleich setzt.





Maya-Kalender endet schon diese Woche – am 28.10.2011 …

24 10 2011

… zumindest derjenige, an den sich dieser Blogger anzulehnen scheint:

Am 9. März 2011 begann die Neunte und letzte Welle des Mayakalenders. Sie dauert 234 Tage und endet am 28. Oktober 2011 gemeinsam mit allen acht vorhergehenden Wellen. Sie bildet damit den Höhepunkt und Abschluss der gesamten Zeitrechnung des Mayakalenders.

Und nun? Also doch nicht der vorweihnachtliche 21.12. im nächsten Jahr? Klar, dass dies Widerspruch hervorruft – die Astrologin Antonia Langsdorf wagt den Autor zu kritisieren, denn sie hat „das Phänomen 2012 mit den verlässlichen Vorhersagemethoden der Astrologie“ untersucht, und wenn der jetzt Recht hätte, dann wäre ihr Buch, ja ihre ganze „verlässliche Vorhersagemethode“ wohl irgendwie doch eher Mumpitz. Obwohl, wenn man eine Mumpitztheorie mit einer Mumpitzmethode zu untersuchen sucht, dann ist das Ergebnis ja von vorne herein klar …

Der Autor wagt seine abweichende Meinung zum vermeintlichen Kalenderende sogar zu begründen und verweist auf einen alten Schweden, der schon seit einiger Zeit in Texten wie diesem auf den kommenden Freitag hinweist und dies übrigens in diesem Text mit zwei Erdbebenkatastrophen  belegt:

I thus think that plate tectonics and earthquakes are a necessary side effect of the creation of resonance between the human beings and the Earth and that when a new wave starts its interior structure needs to undergo change.

Wenn irgend eine neue Welle im Kalender der Maya beginnt, dann wird irgend eine Resonanz gebildet die dann die Plattentektonik in Bewegung setzt … … und dann rumpelts in der Erde, wie damals (1755) in Lissabon und dieses Jahr in Japan. Für andere Erdbebenkatstrophen (Haiti, Tsunami in Südostasien, etc.) war der Mayakalender bzw. einer seiner „Wellenwechsel“ aber scheinbar nicht verantwortlich, denn sonst hätte der Autor das ganz bestimmt in bester Leichenfledderermanier erwähnt.

Wie sich solcher Quatsch auf Deutsch liest kann man in der Antwort des Bloggers auf Antonia Langsdorfs Kritik lesen:

Das Enddatum kann jedoch plausiblerweise nur auf einen Tag fallen, der 13 Ahau im Tzolkin entspricht. Daher scheidet der 21.12.2012 (4 Ahau) als Enddatum automatisch aus. Wenn man die „Lange Zählung“ bedenkt, dann kann man erforschen, wann diese begonnen hat. Das entspricht dem gregorianischen Datum 11.08.3115 vor Christus. Ganz genau 13 Baktuns später endet der Mayakalender, das entspricht dem 28.10.2011.

Die Plausibilität des Datums der abschließenden Neunten Welle vom 09.03.2011 bis 28.10.2011 ergab sich für mich nicht erst jetzt im August, sondern bereits am 11. März durch das Erdbeben von Fukushima. Wenn man das Erdbeben von Lissabon zu Beginn der Siebenten Welle am 01.11.1755 als Vergleich hernimmt, dann erkennt man, dass diese beiden Beben jeweils ganz zu Beginn einer ganzheitlichen Welle an genau demselben Breitengrad fast exakt am gegenüberliegenden Längengrad stattgefunden haben. Das entspricht ganz genau den gegensätzlichen Energien der Siebenten und Neunten Welle.

Ob jetzt diese Woche schon wieder die Welt irgendwie untergehen oder sich sonst etwas Revolutionäres auf irgend einer „energetischen“ oder spiritüllen Ebene tun soll, das war mir beim Überfliegen dieses Geschreibsels nicht so ganz klar. Beruhigend für die Angsthasen ist vielleicht, dass laut Frau Langsdorf die Welt jedenfalls auch am 21.12.2012 nicht untergehen wird.

Echte Informationen zum ganzen Mayakalenderhype liefern übrigens die 2012-FAQ bei Astrodicticum Simplex. Wer sich dort informiert kriegt genügend Argumente um sich gegen das ganze unsinnige Geschwurbel dauerhaft zu immunisieren.





Auch heute kein Weltuntergang …

21 10 2011

… obwohl Harold Camping (inzwischen sogar mit dem IgNobel geehrt) seine lächerliche Prognose scheinbar – wenn auch in etwas abgeschwächter Formnochmal wiederholt hat. Auf seiner Webseite kann man übrigens ein paar seiner Ergüsse im pdf-Format kostenfrei herunterladen – aber weder in diesem 92-seitigen Büchlein (auf das die IgNobel-Leute in ihrem letzten Newsletter hingewiesen haben) noch in einem anderen, etwas ausführlicheren Werk habe ich auf die Schnelle irgendwelche Hinweise auf das heutige Datum entdecken können (dabei hätte mich diese Berechnung doch wirklich interessiert). Dafür erfährt man andere Ergebnisse seiner lächerlichen Zahlenspiele:

So we have found three excellent “fixes” that relate the Biblical calendar to the Julian calendar. When we add those that identify with the pharaohs of Egypt and which we will presently examine, we can believe with the utmost confidence that we can project our Julian calendar all the way back to creation in 11,013 B.C. [S. 81 im ersten verlinkten Werk]

Auch die Sintflut kann Camping genau terminieren (4990 B.C.), danach soll es eine  Eiszeit und im Jahre 3153 B.C. die „continental division“, also das Aufbrechen der Kontinente gegeben haben [S. 225/226 im anderen Buch]. Lesbar ist das Ganze meines Erachtens eh nur in einem sehr weit von der Realität entrückten Geisteszustand …

Vielleicht gibt es ja zu dem folgenden Gedicht (Weltenende von Jacob von Hoddis) auch eine englische Version, über die Herr Camping angesichts des heutigen Tages ein wenig meditieren kann. Die vorletzte Zeile dieses Werkes scheint dabei sogar gar nicht so ganz falsch (zumindest in meinem Umfeld):

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Ergänzung (22:00 Uhr):

Auf Anregung eines Kommentators zum gleichen Thema bei Astrodicticum Simplex empfehle ich Herrn Camping folgendes Liedchen – auch wenn das Datum nicht ganz stimmt:

 





Bildungsgutscheine für Astrologie? Das war einmal!

12 10 2011

Bildungsgutscheine gibt es in unserem Lande noch immer, aber offensichtlich nicht mehr für eine Astrologieausbildung. Der seinerzeit (im September 2009) auf astrologie.de (das ist der Original-Link) gepostete Ankündigungsartikel ist verschwunden, aber die Kommentierungen verschiedener Blogs (mir wurde sogar in einem inzwischen verschwundenen Blog das Konstruieren einer  urbanen Legende unterstellt) sind natürlich noch da. Auch die Anbieterin dieser Kurse hat weder ihren Hinweis auf die Möglichkeit, einen Bildungsgutschein für ihre Ausbildung zum Jodeldiplom einzusetzen noch diesen Bericht hierzu (nicht vom Titel abschrecken lassen, der suggeriert in der Überschrift Anderes und bietet dann völlig absuren Inhalt) bisher vom Netz genommen.

Das Verzeichnis der von der Bundesanstalt für Arbeit gelisteten Fortbildungsangebote – KURSNET – liefert aktuell bei der (erweiterten) Suche mit dem Stichwort „Astrologie“ und der Nebenbedingung „mit Bildungsgutschein gefördert“ jedenfalls genau NULL Treffer – und nicht einmal unter Ausschaltung der Bildungsgutschein-Option findet man die Ausbildungsstätte, die diese Bildungsgutscheindiskussion damals losgetreten hatte (nur 8 andere Schwurbelangebote).

Mich würde ja nur interessieren, ob da jemand sein Hirn eingeschaltet hat oder ob das Verschwinden dieser Fortbildung irgendwelche anderen Gründe hat. Erfahren werde ich’s wohl nie.





Bankgeschäfte und Heilpraktiker oder warum ich eine e-Petition unterschrieben habe

7 10 2011

Es gibt in diesem Land Gesetze, deren Einführung nicht einmal eine mächtig scheinende Lobby verhindern konnte. In zwei Branchen, die ich aus beruflichen Gründen recht gut kenne, war das in den letzten Jahren der Fall und jeweils wurde die Einführung des entsprechenden Gesetzes mit dem Verbraucherschutz begründet. Es geht um die inzwischen obligatorischen Beratungsprotokolle die bei der Vermittlung von Versicherungsprodukten (seit Mai 2007) und in der Anlageberatung (seit 1.1.2010) ausgefüllt werden müssen. In beiden Fällen muss der Verkäufer dokumentieren, wie er die persönliche Situation des Kunden analysiert und welche Produkte er warum empfohlen hat. Eine gute Sache, die nicht nur dem Kunden dient, sondern auch dem jeweiligen Verkäufer, denn wer ordentlich berät und dokumentiert, über den kann sich auch nachher kein Kunde beschweren. OK, das Ganze ist noch lange nicht perfekt (so muss nicht bei allen Anlageprodukten ein Beratungsprotokoll erstellt werden und die dafür zur Verfügung gestellten Formulare werden teilweise von Verbraucherzentralen und der BAFin kritisiert), aber es ist ein Anfang. Der Gesetzgeber hat hier die Rechte der Kunden gestärkt, damit diese eine Handhabe bei fehlerhaften Beratungen haben und gegebenenfalls auch Schadenersatz verlangen können, falls das angelegte Geld „futsch“ ist.

Klar, wenn Geld aus Kundensicht „vernichtet“ wird ist das sehr ärgerlich. Viel schlimmer ist es jedoch, wenn ähnliche Fehler im Gesundheitsbereich passieren. Hier können Fehler schlimmstenfalls tödlich sein. Wobei für Ärzte schon lange eine Dokumentationspflicht besteht:

Diese Aufzeichnung dient dem Arzt selbst als Rechenschaft über den Behandlungsweg sowie für weiterbehandelnde Ärzte als Informationsquelle. Ebenfalls ist sie eine wichtige Information für den/die Patient/in. Die vom Arzt aufzubewahrenden Dokumente beinhalten Aufzeichnungen über den Krankheits- und Behandlungsverlauf, Arztbriefe mitbehandelnder Ärzte, Röntgenbilder, Befunde (EKG, Laborwerte) sowie Hinweise über die Patientenaufklärung und Patienteneinwilligung. Bei mangelhafter Dokumentation des Arztes kann sich die Beweislast zu seinen Ungunsten umkehren.

Eigentlich logisch, dass ein Arzt genau dokumentieren muss, welche Diagnose er wann und warum erstellt und wie er den Kunden ggf. beraten hat und welche Behandlung daraus resultierte. Festgelegt ist das übrigens in §10 des ärztlichen Standesrechts, und was dies bedeutet wird hier aufgelistet:

Aufzuzeichnen sind hingegen Anamnese, Diagnose und Therapie. Ebenfalls festzuhalten sind diagnostische Bemühungen, Funktionsbefunde, Medikation, ärztliche Hinweise und Anweisungen an die Funktions- und Behandlungspflege sowie jedes Abweichen von Standardbehandlungen. Selbstverständlich ist die Anfertigung eines Operationsberichts und eines Narkoseprotokolls. Zu notieren sind auch das Auftreten etwaiger Komplikationen, der Wechsel des Operateurs während der Operation und Maßnahmen zur Anfängerkontrolle. Dokumentiert werden muss ferner das Verlassen des Krankenhauses durch den Patienten gegen den ärztlichen Rat sowie Sicherheitsvorkehrungen, die gegen eine Selbstschädigung des Patienten getroffen worden sind. Auch die Patientendaten wie Gewicht, Blutgruppe, präoperativer Allgemeinzustand, Verträglichkeit früherer Eingriffe und Medikationen sowie Allergieneigungen sind aufzunehmen.

Auch hier ist mit Sicherheit nicht alles perfekt (in diesem aktuellen Fall soll ein Arzt Krankenakten im Nachhinein „neu erstellt“ haben – wobei dann für ihn ungünstige Inhalte irgendwie verschwunden sind), aber auch hier gilt: Wer seinem Job ordentlich nachgeht, der hat auch kein Problem damit seine Aktivitäten im Detail zu dokumentieren.

Nun gibt es aber im Gesundheitsbereich eine Berufsgruppe, die ihre Diagnosen, Empfehlungen und Behandlungen nicht dokumentieren muss, nämlich die Heilpraktiker. Die dürfen gemäß Heilpraktikergesetz zwar auch Heilkunde ausüben, unterliegen aber keinerlei Dokumentationspflichten. Die Fachverbände empfehlen zwar eine ausführliche Dokumentation (z.B. hier oder hier), aber weder ist ein Heilpraktiker verpflichtet einem solchen Fachverband beizutreten noch hat er Sanktionen zu befürchten, falls er dieser Empfehlung nicht folgt.

Hier ist also – ähnlich wie bei der Einführung der oben erwähnten Beratungsprotokolle bei Finanzprodukten – der Gesetzgeber am Zug. Wenn dieser schon die Ausübung eines solchen Heilberufes (für den es keine Ausbildungsordnung gibt – inzwischen müssen übrigens Versicherungsvermittler gemäß der Verordnung über die Versicherungsvermittlung und -beratung, § 1-4,  eine Sachkundeprüfung nachweisen) erlaubt, dann sollte er die Heilpraktiker doch auch mindestens dazu verpflichten eine ordentliche und ausführliche Dokumentation analog des ärztlichen Standesrechts (s.o.) zu führen, die dem Patienten bzw. anderen behandelnden Ärzten und Heilpraktikern zur Verfügung gestellt werden kann (und auf Anforderung des Patienten muss!). Auch hier gilt, dass ein Heilpraktiker, der in seiner Tätigkeit den vom Heilpraktikergesetz vorgegebenen Rahmen nicht überschreitet (und auch ansonsten seinem Patienten keinen Nonsens erzählt – solche Heilpraktiker soll es tatsächlich geben!), nichts zu befürchten hat.

Wenn in dieser e-Petition die Dokumentationspflicht für Heilpraktiker gefordert wird, kann ich also nur zur Mitunterzeichnung aufrufen … … und eigentlich müssten auch zumindest die beiden oben verlinkten Heilpraktikerverbände ihre Mitglieder zur Mitunterzeichnung motivieren (oder sind die Anforderungen und Empfehlungen zur Dokumentation dort reine Lippenbekenntnisse?) um sich von den schwarzen Schafen der Branche abzuheben. Bis zum 17. November ist übrigens noch Zeit – und hoffentlich können Hinweise auf die Petition wie die im GWUP-Blog möglichst viele Menschen zum Mitzeichnen bewegen.





Preisgekrönte Wahrsagerriege

2 10 2011

Bei der diesjährigen Verleihung der IgNobel-Preise wurde gleich einer ganze Reihe von Wahrsagern und Hellsehern die beliebte Ehrung zu teil – und zwar im Bereich Mathematik, weil sie der Welt zeigten, dass man mit mathematischen Annahmen und Rechnungen vorsichtig umgehen sollte. Hier die Begründung im Original:

MATHEMATICS PRIZE
Dorothy Martin of the USA (who predicted the world would end in 1954), Pat Robertson of the USA (who predicted the world would end in 1982), Elizabeth Clare Prophet of the USA (who predicted the world would end in 1990), Lee Jang Rim of KOREA (who predicted the world would end in 1992), Credonia Mwerinde of UGANDA (who predicted the world would end in 1999), and Harold Camping of the USA (who predicted the world would end on September 6, 1994 and later predicted that the world will end on October 21, 2011), for teaching the world to be careful when making mathematical assumptions and calculations.

Klar, alle Genannten hatten für irgend ein Datum das Ende der Welt berechnet, und bei fast allen (der von Harold Camping vorhergesagte 21. Oktober dieses Jahres kommt ja erst noch …) verging der prognostizierte Tag ohne dass irgend etwas Besonderes passierte. Und Camping hatte sich bereits vor 6 Monaten blamiert, da er für den 21. Mai die so genannte Entrückung („Rapture“) angekündigt hatte – von der die Welt nur deshalb etwas „merkte“, weil sich im Internet nicht wenige Leute ein Späßchen erlaubten und lustige „Rapture-Bomb-Fotos“ publizierten.

In Holland versuchte irgend ein Fernsehprogramm den/die beste(n) Hellseher(in) der Welt zu küren – und wurde sogar fündig:

Am Ende steht die Gewinnerin fest: Elisabeth aus Norwegen wird ‚Beste Hellseherin der Welt‘.

OK, das Ganze ist nicht neu, in Deutschland durfte im letzten Jahr sogar ein Skeptiker beim Hellseher-Casting in der Jury sitzen. Ob bei dieser Version auch ein Skeptiker dabei war weiß ich nicht, aber wie die Siegerin ihren frischen Ruhm mit einem ersten Statement gleich wieder ad absurdum führte ist glücklicherweise überliefert:

„Ich bin sehr sehr glücklich, ich hab nicht damit gerechnet, ich dachte Sylvia gewinnt!“

Dafür müsste ihr dieser „Titel“ doch eigentlich direkt wieder entzogen werden …





Orakeltiereupdate

30 09 2011

Die derzeit laufende Rugby-WM in Neuseeland hat – wie die Fußball-WMs dieses und letztes Jahr – auch ihre Wahrsagetiere. Wie bei Neuseeland nicht anders zu erwarten ist mit „Sonny Wool“ auch ein Schaf dabei, das (ebenso wie der in dieser Meldung auch erwähnte Oktopus Paul) die Spiele der Gastgeber voraussagt. Die Konkurrenz kann man auf der Facebook-Seite des „Kiwi Birdlife Park“ sehen: Ein Ziegensittich (wusste gar nicht, dass es ein Tier solchen Namens gibt – sieht irgendwie wie ein kleiner, grüner Papagei aus) namens „Hugo“ soll bisher ebenfalls immer richtig liegen. Da Hugo aber bereits 6 Spiele richtig vorausgesagt haben soll, während Sonny Wool erst drei Mal erfolgreich im Einsatz war, müffelt das schon ein wenig nach Konkurrenz für den legendären, inzwischen verstorbenen Achtarmer aus Oberhausen.

Mit dem lustig schielenden Opossum Heidi hatte der Leipziger Zoo versucht auf den Tierorakel-Hype aufzuspringen und die Beutelratte noch Anfang dieses Jahres auf Oscar-Gewinner tippen lassen. Jetzt wurde das possierliche Tierchen eingeschläfert … … bleiben für die unvermeidlichen Tierorakel während der in 2012 drohenden Fußball-EM aber immer noch der Ziegensittich Hugo (den kann man ja notfalls einfliegen), die Elefantendame Nelly und wahrscheinlich das ein oder andere Meeresgetier aus dem SeaLife-Umfeld.





Tierhomöopathen im Größenwahn: Der CargoCult-Bachelor

28 09 2011

Richard Feynman prägte den schönen Begriff der Cargo-Cult-Wissenschaft und erklärte ihn in seiner Semester-Eröffnungsrede  1974 am California Institute of Technology wie folgt:

Auf den Samoainseln haben die Einheimischen nicht begriffen, was es mit den Flugzeugen auf sich hat, die während des Krieges landeten und ihnen alle möglichen herrlichen Dinge brachten. Und jetzt huldigen sie einem Flugzeugkult. Sie legen künstliche Landebahnen an, neben denen sie Feuer entzünden, um die Signallichter nachzuahmen. Und in einer Holzhütte hockt so ein armer Eingeborener mit hölzernen Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen darstellen sollen, und dreht den Kopf hin und her. Auch Radartürme aus Holz haben sie und alles mögliche andere und hoffen, so die Flugzeuge anzulocken, die ihnen die schönen Dinge bringen. Sie machen alles richtig. Der Form nach einwandfrei. Alles sieht genau so aus wie damals. Aber es haut nicht hin. Nicht ein Flugzeug landet.

Was hat das aber jetzt mit Tierhomöopathie zu tun? Oder mit einem Bachelor? Eigentlich nichts, es sei denn man schaut sich die Seiten von animalmundi an, denn was springt einem da sofort ins Auge:

Studium der Tierhomöopathie jetzt auf Bachelor-Niveau

Dazu gibt es noch eine mit einschläferndem Geklimper unterlegte Präsentation zum neuen Studienkonzept in dem  die Leute von diesem „Institut“ (so darf sich eigentlich alles und jeder nennen) ganz forsch behaupten:

An der Akkreditierung für den Studienbeginn 2012 arbeiten wir mit Nachdruck!

Oha! Und liest man dann noch genauer nach, dann geht es nicht um irgend einen Bachelor (wie z.B. bei den Menschenhomöopathen – die hätten gerne einen Bachelor of Arts gehabt, den die Uni Magdeburg jetzt doch nicht mitveranstalten will), sondern ausgerechnet um einen Bachelor of Science:

Das Studium ist bereits jetzt in der Lage Ihnen einen Studienumfang zu bieten, der den Anforderungen eines Bachelor-Studienganges gerecht wird. Animalmundi arbeitet intensiv an der Verwirklichung seines Ziels einen  Bachelor of Science für klassische Tierhomöopathie zu realisieren. (gleiches gilt für die Tierpsychologie)

Nun ja, die Verantwortlichen glauben offensichtlich tatsächlich, dass sie Wissenschaft betreiben und geben sich in einer Pressemeldung sehr optimistisch:

Mit der staatlichen Anerkennung als Bachelor-Studiengang im nächsten Jahr wird animalmundi das europaweit erste Institut sein, das diesen Abschluss ermöglicht.

Aber so weit ist es ja zunächst mal gar nicht. Die Leute von animalmundi haben ihre künstliche Landebahn angelegt und daneben Feuer entzündet die Struktur ihrer Ausbildung einem Bachelorstudium angelehnt und sie haben ihre hölzerne Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen darstellen sollen, aufgesetzt den Aufwand für die Ausbildung nach – dem bei echten Bachelorn üblichen – ECTS berechnet. Aber braucht man für einen B. Sc. nicht doch etwas mehr, vielleicht so etwas wie Wissenschaft?

Immerhin: 6 Tage Präsenzseminar und etwa ebenso viel für web-based-training werden für das Modul Wissenschaftliches Arbeiten veranschlagt – und ich würde ja doch gerne wissen, was da gelehrt wird. Wenn da auch nur ein klein wenig (also nicht homöopathisch verdünnt!) wissenschaftliche Methode drin ist, dann müssten danach ja die meisten ihr – kostenpflichtiges – „Studium“ wegen Unsinnigkeit abbrechen. Geht man mit wissenschaftlicher Methodik an die Tierhomöopathie heran, dann muss man neben den üblichen Widersprüchen zu einer Vielzahl bekannt gut belegter Naturgesetze auch noch „schlucken“, dass die Königsdisziplin der Homöopathen – die ausführliche Anamnese – bei Tieren gar nicht möglich ist. Dass Frauchen und Herrchen eines Goldfischs oder Meerschweinchens befragt werden, dürfte da auch wenig befriedigend sein – und schließt herrenlose Fundtiere doch eigentlich a priori von einer Behandlung aus. Oder muss in den letzt genannten Fällen eine der verlinkten Personen (deren selbst behauptete Fähigkeiten sich übrigens ziemlich leicht wissenschaftlich überprüfen lassen) hinzugezogen werden?

In jedem Fall wäre es natürlich ein Skandal, wenn ein solcher Bachelor (und dann noch Sc.) tatsächlich in irgendeiner Form Realität werden würde. Aber bisher reden ja – glücklicherweise – nur die Veranstalter dieser Kurse selbt von einem solchen Titel. Ob da die Spenden helfen, die man extra für dieses Bachelor bei den verblendeten gläubigen Anhängern einsammeln will? Ich schlage vor, dass sie für ihre Tierhomöopathie-Ausbildung entweder den B. o. Sch. (Bachelor of Schalatanerie – der natürlich auf einer Visitenkarte und einem „Praxisschild“ immer voll ausgeschrieben werden muss) oder eben einen CargoCult-Bachelor (der immer mit dem Zusatz „Muster ohne Wert“ oder „alles Quatsch mit Soße“ in gleicher Schriftgröße zu verzieren ist) verleihen dürfen – dann haben sie ihren Bachelor und können zumindest das Spendensammeln beenden.





Am Mittwoch soll die Erde beben …

25 09 2011

… und zwar in Neuseeland, genauer in Christchurch. Herausgefunden haben will das eine gewisse Kathy Robinson, der das genaue Datum, also der 28. September, von einer dünnen Stimme eingeflüstert wurde. Die Stimme war natürlich die ihres Gottes, und der scheint sich öfter mit ihr zu unterhalten, sogar während profaner Alltagstätigkeiten:

Then a few days later, while I was doing the ironing and talking to the Lord He spoke to me that there would be water and drownings.

Ob das jetzt auf einen Tsunami hindeuten soll? Die Voraussage scheint zumindest unter dortigen Hardcorechristen so weit zu zirkulieren, dass sich ein Pastor aus Christchurch zu einer Antwort genötigt sah. Seine Ablehnung dieser Prophezeiung begründet er auf vier Seiten unter anderem so:

It is very unusual for God to give a specific date or time in a prophecy.

Äh, ja – einfach zu schreiben, dass diese Kathy R. offensichtlich einen an der Klatsche hat wäre zu einfach gewesen.