Wieviel Wahnsinn verträgt die Welt?

1 08 2011

… das fragt ausgerechnet der aktuelle Newsletter des Allgeier-Verlags in seiner Überschrift. Und dann werden – wie üblich – Ereignisse des aktuellen Zeitgeschehens astrologisiert und dabei – wie ebenfalls üblich – die ein oder andere Leiche gefleddert. Dieses Mal im Angebot: Amy Winehouse und die norwegischen Terroropfer.

Bei Amy Winehouse braucht niemand mehr nach einer Todesursache zu suchen, denn:

Die Sterne brachten das Fass zum Überlaufen.

Ja klar doch! Das restliche Blabla erreicht nicht einmal unterstes Kaffeeklatschniveau …

Bei der Verhöhnung der norwegischen Terroropfer legen die Allgeier-Leute dann noch eine ganz große Schippe drauf. Zum Beginn heißt es noch

Es fällt uns zugegebenermaßen schwer, dieses furchtbare Verbrechen zu kommentieren, da es einfach nicht zu verstehen ist, wie tief ein Mensch sinken kann. Aus Respekt gegenüber den Opfern und den Angehörigen, werden wir das Attentat selbst nicht näher beleuchten.

Was „nicht näher beleuchten“ bedeutet klingt dann so:

Betrachtet man nun das Horoskop des Attentäters, dessen Geburtszeit wir nicht kennen, fällt sofort eine starke Wassermann-Betonung ins Auge. Seine Sonne steht dort in Konjunktion mit Merkur und Mars, was ihn zunächst als einen durchaus kämpferischen und aggressiven Menschen ausmacht. Seine innere Unruhe und Gewaltbereitschaft wird deutlich gesteigert durch das Quadrat von Uranus, dem Herrscher des Wassermann. Hier deutet sich die Verrücktheit, die Unberechenbarkeit und Gefährlichkeit dieses Menschen an, wobei wir zu einer noch genaueren Beurteilung seine Geburtszeit bräuchten. Alleine Sonne-Uranus und Mars-Uranus zählen zu den klassischen Ausrast- und Attentatsaspekte. Zusätzliche Durchsetzungskraft erhält seine Sonne, Merkur und Mars durch ein Trigon von Pluto.

Der böse Uranus also? Aber die starken Worte werden gleich noch ein wenig relativiert:

Man hätte alleine von seinem Horoskop nicht darauf schließen können, dass er ein Massenmörder ist.

Ach so! Dann war das oben also gar nicht so gemeint? Nee, zumindest hätte ein Astrologe ja doch Hinweise für das finden müssen, was jetzt – im Nachhinein – doch so klar ist:

Man hätte ihn aber durchaus als unberechenbaren und möglicherweise gewaltbereiten Menschen einschätzen können.

Und dann standen die Sterne ja auch noch genau an diesem Tag so richtig bösartig am Himmel ‚rum:

Am Tage seiner furchtbaren Tat bildete unter anderem Saturn ein Quadrat zu seiner Venus. Erstaunlicherweise kann man immer wieder beobachten, dass Attentäter im Augenblick ihrer Tat eine angegriffene Venus haben, was eben auf tiefe Frustration und dem Gefühl des Abgelehntseins hinweist. Typische Wassermänner neigen ohnehin dazu, sich in Außenseiterrollen hineinzubegeben.

Eine angegriffene Venus also. Was immer das auch sein mag, bei der Leichenfledderei angesichts des Amoklauf eines Jugendlichen in Winnenden spielte die Venus offensichtlich keine Rolle, sie wurde in dem entsprechenden Textabschnitt nicht einmal erwähnt.

Aber gegen die Einlassungen auf dieser Seite sind die Leichenfleddereien der Allgeier-Truppe ja geradezu lächerlich. Hier bricht sich der absolute Wahnsinn Bahn. Diese völlig durchgeknallte Verschwörungstheorie ist keines weiteren Kommentars würdig. Der in vielen YouTube-Videos zu beobachtende Labersack hat sich außerdem noch an die Superterroranschlagsprognosenpleite von Ende Juni drangehängt und schwadroniert jetzt von einem Anschlag am 11.9. (klar! Dieses Datum hat natürlich eine Bedeutung …). Wieder soll eine Sportveranstaltung eine Rolle spielen (vielleicht diese?) … … und wieder wird der Tag in Berlin ohne einen Anschlag vergehen (meine Prognose).

Ebenso absurd sind die Einlassungen dieses einschlägig bekannten Autors auf der Newsseite des Kopp-Verlags. Ich weiß ja nicht, ob dieser Verlag noch immer in der ADAC-Postille werben darf (meine Frau entsorgt die Postille in der Regel direkt vom Postkasten in die Papiertonne), aber mit 2 Artikeln über Norwegen belegt der Autor freiwillig, dass sich zwischen seinen Ohren bestenfalls eine übelriechende braune Masse aber keinesfalls eine funktionierende Gehirnzelle befindet.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Klar, die Welt kann diesen Wahnsinn vertragen, sie muss es sogar. Aber man sollte solchen menschenverachtenden Schwachsinn einfach auch als solchen benennen!





B. Sc. = Bachelor für Scharlatanerie?

29 07 2011

Was ein Bachelor ist wird in der Wikipedia ausführlich erklärt:

der erste akademische Grad eines gestuften Hochschulstudiums und zugleich staatliche Abschlussbezeichnung einer grundständigen wissenschaftlichen Ausbildung […]

Der B. Sc. (Bachelor of Science) bezeichnet dann einen solchen Abschluss in Natur-, Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften. Diesen Titel kann man zum Beispiel auch auf der – privaten – H:G Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin erwerben. Das wäre nichts besonderes, wenn nicht einer der Studiengänge tatsächlich einen B. Sc. in Komplementärmedizin anbieten würde.

Nehmen wir mal obige Definition für den Bachelor beim Wort und schauen uns an welche Inhalte das Studium der Komplementärmedizin denn so umfassen soll:

Das Studium der Komplementärmedizin vermittelt sowohl Kenntnisse und praktische Anwendungen in Homöopathie, Akupunktur und vielen weiteren naturheilkundlichen Verfahren …

OK, das kann man ähnlich in den Werbebroschüren beliebiger Heilpraktikerschulen lesen nur wird dort meines Wissens eben kein Bachelor verliehen. Wie war das beim Bachelor mit der „grundständig wissenschaftliche[n] Ausbildung“? Die Anbieter dieses Studiums scheinen dies zumindest im Hinterkopf gehabt zu haben, denn der nächste Halbsatz winkt mit einem kleinen wissenschaftlichen Fähnlein:

… auf wissenschaftlichem Niveau als auch medizinische Grundkenntnisse in Anatomie, Physiologie und Pathologie.

Dass in einem Studium, das irgendwie das Wort „Medizin“ im Namen führt, Grundkenntnisse in Anatomie, Physiologie und Pathologie vermittelt werden ist eine Selbstverständlichkeit. Wie soll aber die praktische Anwendung z.B. der Homöopathie auf wissenschaftlichem Niveau stattfinden? Im GWUP-Blog waren vor einiger Zeit folgende Zeilen zitiert worden, die das Verhältnis von Homöopathie und Wissenschaft meines Erachtens sehr gut darstellen:

Meiner Meinung nach, kann man nicht gleichzeitig Arzt, Wissenschaftler und Homöopath sein. Entweder man ist Arzt und Wissenschaftler -> dann kann man kein Homöopath sein. Oder man ist Arzt und Homöopath -> dann kann man kein Wissenschaftler sein. Wenn man aber Wissenschaftler und Homöopath ist, dann hat man die Bezeichnung Arzt nicht verdient, weil man genau weiß, dass Patienten getäuscht und ausgenommen werden

Ob die im Curriculum aufgelisteten Kurse dieses Dilemma in irgend einer Weise problematisieren möchte ich bezweifeln. Dezidierte Kurse über wissenschaftliche Methodik und deren Anwendung sind mir nicht aufgefallen (außer vielleicht „Statistik der Biometrie / Evaluation und Forschungsmethodik“), die würden aber wohl auch das Ziel einer Ausbildung in Komplementärmedizin ziemlich in Frage stellen.

Eigentlich ist es mir ja egal, wer wen in was ausbilden möchte. In diesem Fall wird jedoch ein staatlich anerkannter, wissenschaftlicher Titel für etwas verliehen, das mit Wissenschaft – zumindest überwiegend – nichts zu tun hat. Das ist in etwa so, als würde eine – ggf. private –  Hochschule für Mathematikinteressierte Kurse im Kreisquadrieren mit Zirkel und Lineal oder für Physikfans Kurse in der Überwindung der Gravitation anbieten – und dafür ebenfalls einen entsprechenden Titel verleihen wollen.

Es kann natürlich auch sein, dass die genannte Hochschule nur einen neuen B. Sc. erfunden hat, der in der Auflistung auf Wikipedia noch fehlt, den Bachelor of Scharlatanerie





Ein Dingens zum Wetter machen!

27 07 2011

In den letzten Wochen war das Wetter ja nicht so toll. Der andauernde Regen ließ einen Journalisten letzten Freitag sogar folgende Verzweiflungsüberschrift verfassen: Tief Otto blieb erwartungsgemäß unbeeindruckt, denn so einfach liess es sich eben nicht verscheuchen.

Dabei ist Tief Otto ist gar nicht schuld an dem schlechten Wetter – das hat ganz andere Gründe. Es sind – man glaubt es kaum – die Lieblingshimmelsphänomene der Verschwörungsfraktion, die Kämmtrails Chemtrails! Erklärt wird das auf einer leicht kommerziellen Webseite mit folgenden Worten:

In Folge von chemtrails zieht meist eine dichte Wolkendecke den Himmel zu. So dass man vieler Orts die chemtrails überhaupt nicht zu Gesicht bekommt.

Man weiß es selbst ganz genau, bei trüben Wetter kommen recht schnell auch trübe Gedanken auf. Und trübe schlecht gelaunte oder auch traurige Menschen lassen sich viel leichter beeinflussen und steuern von Funk und Fernsehen,
aber auch von den Print-Medien( Zeitschriften, Bücher), als gut gelaunte lebenslustige und lebensfrohe Menschen.

Aha! Das schlechte Wetter soll also dafür sorgen, dass wir leichter von Funk und Fernsehen „gesteuert“ werden können. Aber wohin? Und warum? Auch hier findet diese Seite eine Antwort:

Auf der Erde setzt unaufhaltsam eine Erhöhung des Bewusstseins der Bevölkerung ein, und diese ganzen chemtrails( schlechtes trübes Wetter) und die negativen Medien sind nur ein letzter verzweifelter Versuch dies zu verhindern.

Ui! Eine Erhöhung des Bewusstseins? Hab‘ ich noch gar nichts von gemerkt! (Ist aber auch kein Wunder bei dem Mistwetter!) Wie äußert sich das? Vielleicht ja darin, dass sich immer mehr Menschen irgendwelche Abwehrutensilien gegen diese pöhsen Chemtrails kaufen (sollen). Das wäre wohl der Wunsch des Autors dieser Seite, denn der verkauft solche Teile seit Jahren. Sahen diese Chemtrailabwehrdinger anfangs noch ziemlich häßlich aus und trugen teilweise martialische Namen (z.B. hhg für „heilige Handgranaten“) so hat eine Art Evolution dafür gesorgt, dass die Dinger inzwischen sogar als unscheinbare Kunstobjekte durchgehen. Glauben sie nicht? Hier ein paar Screenshots des alten Krams …

… und hier das neue Dingens, das …

… wie der Text unter dem Bild zeigt außerdem für den blauen Himmel verantwortlich gemacht wird, weil …

Der EnergieKegel bricht die Wolkendecke auf, einige Tage nachdem man den EnergieKegel aufgestellt hat, färbt sich der Himmel oft in ein dunkles Rot.
Dadurch das die chemtrails nicht mehr ihre volle Wirkung erzielen können,
verschwinden die Wolken über dem EnergieKegel, und man sieht die
gesamte Verschmutzung der Atmosphäre. […]

Nach einiger Zeit wird immer öfter ein schöner Blauer Himmel zu sehen sein,
wenn der EnergieKegel die Umgebung gereinigt hat.

So einfach ist das also! Man stellt einfach diese kleinen, unscheinbaren weißen Gipskegel Energiekegel auf und schon wird der Himmel blau. Wie das ganze funktionieren soll wird übrigens auch mit Hilfe eines Bilds „erklärt“:

Der Gips bündelt also irgend eine Energie, die dann die bösen Wolken – und ganz zu allererst natürlich die Chemtrails – vertreibt. Beweisfotos gibt’s auch, aber die sollte man sich auf den Seiten selbst anschauen.

Sollte man solche Kegel nicht einfach flächendeckend in Deutschland aufstellen? Gemäß dem Hersteller müsste es mit dem schlechten Wetter dann ja ganz schnell vorbei sein: das ganze Land würde sich in der Sonne räkeln und nette Grillabende mit Freunden würden die Beeinflussung der Bevölkerung durch Glotze und andere Medien zumindest erschweren. Ganz zu schweigen von der dann einsetzenden Bewusstseinserhöhung …

Der Preis von 30 Euro (excl. MWSt., plus 3,90 Euro Versandkosten – also 39,60 Euro insgesamt) macht das Ganze übrigens zu einem absoluten Schnäppchen, wenn man vergleicht wie viel Geld Menschen ansonsten dafür ausgeben, dass sie ein paar Tage in der Sonne liegen können.

Andererseits: Wenn überall solche Kegel ‚rumstehen und die Wolken vertreiben, was würden die Landwirte dazu sagen? Kann man die Dinger wenigstens abschalten, wenn Wälder, Wiesen und Felder nach Flüssigkeit dürsten? Einen Schalter habe ich nicht gesehen, aber vielleicht nützt es ja, die Kegelchen einfach in den Keller zu verbannen, oder mit einem Tuch zu verhängen. Leider steht darüber nichts auf den Seiten des Herstellers.

Bevor ich mir so ein Kegelchen zulege warte ich erst noch auf den nächsten Evolutionsschritt. Wie man bereits an der heutigen Form sieht, fehlen nur noch eine Portion Miniaturisierung, kleine farbliche Anpassungen und ein paar Änderungen im verwendeten Material, dann eignet sich dieses Dingens perfekt für’s kommende Weihnachtsgeschäft:

(da dieses Video nicht mehr da ist, hier eine Art Ersatz:

…)





Fukushima-Leichenfledderer-Nachtrag

26 07 2011

Das katastrophale Erdbeben im Norden Japans ist zwar lange vorbei, aber irgendwie war mir ein Leichenfledderer-Interview im DAF durch die Lappen gegangen. Nach 01:17 Minuten erklärt Herr Felber etwas absolut Sensationelles:

Prinzipiell ist es schon so, dass man auch Erdbeben mit Hilfe der Astro-Kartographie voraussagen kann bzw. zumindestens Breitengrade auf der Erde festlegen kann wo zu welchen Zeiten besonders erhöhte Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, dass ein Erdbeben stattfindet.

Wow! Da stellt sich nur die Frage, warum hat er denn nicht nachgeschaut?

Dass man dies dann noch auf ein bestimmtes Land einschränken kann, dafür müsste man dann die verschiedenen Nationalhoroskope durchschauen und das ist eine unglaubliche Menge an Arbeit für einen Astrologen so dass er dies von vorne herein nicht tut …

Zu viel Arbeit also. Tja, schade aber auch. Nicht nur, dass damit Menschenleben hätten gerettet werden könnten, auch finanziell würde sich der Aufwand doch eigentlich lohnen: Es winken nämlich nicht nur Ruhm und Ehre sondern auch eine Million Dollar!

… und gleichzeitig stellt sich natürlich die Frage der Sinnhaftigkeit …

Wie bitte? Es macht also keinen Sinn, Menschenleben zu retten? Und – in diesem Fall – wäre es keine gute Idee gewesen, vielleicht einige Wochen vorher (da war die astrologische Konstellation ja schon bekannt) darauf hinzuweisen, dass man Kernkraftwerke in bestimmten Regionen vielleicht vorsorglich doch herunterfahren soll? Für mich zeugt diese Aussage von Herrn Felber von einer gewissen Menschenverachtung …

… denn nur zu leicht ist es im Grunde nur eine Panikmache und im Endeffekt erntet er das Gelächter wenn’s nicht eintritt.

Natürlich erntet der Astrologe Gelächter, wenn seine vollmundig verkündeten Prognosen nicht eintreffen. Stellt er sich aber mit Behauptungen wie den oben zitierten einer fairen und offenen Überprüfung, dann macht er sich keinesfalls lächerlich, sondern zeigt dass er bereit und gewillt ist seine Behauptungen zu belegen.

Herr Felber tut dies allerdings nicht. Er behauptet zwar, dass die Voraussage von Erdbeben mittels der Astrologie möglich sei, redet sich dann aber mit fadenscheinigen Ausreden (zu viel Arbeit) heraus. So darf er sich nicht wundern, wenn man ihn in der Öffentlichkeit in die Riege der schamlosen Leichenfledderer einreiht, die auf den Leichen der Opfer dieser Katastrophe ihr astrologisches Werbesüppchen kochen zu müssen glauben.

Sollte Herr Felber zu einem Test seiner behaupteten Fähigkeiten bereit sein, revidiere ich selbstverständlich gerne den obigen Text. Dann ziehe ich sogar meinen virtuellen Hut, übrigens auch dann, wenn seine Voraussagen falsch sein sollten.

PS: Dass die sich Redakteurin nennende Mitarbeiterin des DAF auch hier nicht eine einzige kritische Nachfrage stellt überrascht nicht wirklich. Frau Thonak lässt sich offensichtlich gerne von Sterndeutern irgendwelchen Unsinn erzählen.





Frauen-WM-Tierorakel-Nachschlag: Nelly versagt! (Update)

14 07 2011

Eigentlich dachte ich ja, dass die hiesiegen Tierorakel nach dem Ausscheiden der deutschen Fußball-Damen jetzt doch lieber schweigen, aber sowohl im Serengeti-Park als auch in den SeaLife-Aquarien wurde weiter orakelt. Dabei hat das bisher makellose Trörakel Nelly beim Halbfinale schmählich versagt (zwei Tipps, beide daneben), während von den 7 verbliebenen SeaLife-Kraken immerhin 4 auf die richtigen Siegerinnen tippten (sie durften wohl nur ein Spiel raten).

Vielleicht war ich zu voreilig, als ich Nelly bereits zur Siegerin erklärte, mit 4 Treffern bei 6 Versuchen liegt sie wahrscheinlichkeitstechnisch jetzt wieder hinter der Berliner Octopodin Ophira, mit 4 Treffer bei 5 Versuchen – und sie hatte bei den ersten 3 Spielen noch erschwerte Bedingungen (sie konnte offensichtlich Sieg, Unentschieden oder Niederlage raten). Egal wie die letzten Tipps (SeaLife kündigt neue Tipps für den 15.7. an) jetzt ausgehen: Paul’s Quote wird wohl noch längere Zeit unerreichbar bleiben.

Update (18.7.)

Jetzt sind auch die letzten Spiele vorausgesagt und ich muss meinen Orakelsiegesglückwunsch an die wackere Elefantendame Nelly jetzt doch nicht  zurücknehmen. Zum Finale schaffte sie ihren fünften Treffer (bei sieben Spielen) und hat damit immerhin einen mehr als die Berliner SeaLife-Krake Ophira (vier Treffer bei sechs Spielen). Für die im nächsten Jahr anstehende Europameisterschaft sage ich jetzt schon mal voraus, dass es neben irgendwelchen Wassertieren bei SeaLife auf jeden Fall mehr Tierorakel geben wird, als jetzt bei der Frauen-WM.





Orakeltierfinale: Nelly gewinnt

10 07 2011

Wer hätte gedacht, dass das gestrige Viertelfinalspiel zwischen den deutschen und japanischen Kickerinnen gleichzeitig das Finale im Wettbewerb der Orakeltiere ist? Die Elefantendame Nelly hat dabei ihr 4. Spiel in Folge richtig geraten und darf sich daher als Siegerin wähnen. Wenn im nächsten Jahr die Herren um den Europameistertitel kämpfen kann sie ja versuchen ihren Titel zu verteidigen. Die SeaLife-Aquarien werden bestimmt wieder mit von der Partie sein, und vielleicht auch die vom Radiosender 1Live ins Rennen geschickte Orakelsau – obwohl: die hatte ja den deutschen Damen schon gegen Frankreich keinen Sieg zugetraut.





Krake oder Elefant: 2 Kandidatinnen für Pauls Nachfolge (Update)

1 07 2011

Im Orakelwettbewerb der acht SeaLife-Kraken steht nach dem Sieg der deutschen Fußballdamen gegen Nigeria nur noch Ophira aus Berlin auf der Liste der Oktopoden, die wirklich in Paul’s FußTentakelstapfen treten können. Sie hat es als einzige geschafft, zwei Mal den richtigen Spielausgang vorauszusagen – um als legitime Nachfolgerin Pauls zu gelten fehlen zwar noch ein paar richtige Tipps, aber der Rest der SeaLife-Konkurrenz hat ja noch nicht einmal diese beiden Treffer erzielt. Man kann darüber streiten, ob man den drei Kraken, die immerhin ein Mal richtig lagen, noch eine Chance geben mag – immerhin war die Wahrscheinlichkeit eines Treffers bei diesen Prognosen eine etwas andere (irgendwie können ja auch Unentschieden vorausgesagt werden), so dass die Wahrscheinlichkeit für 2 Treffer in Folge mit 1/9 (gegenüber 1/4) doch weit geringer war als bei Paul.

Im Rennen um den Titel des erfolgreichsten Frauen-WM-Prognosetieres hat sich inzwischen eine weitere Kandidatin aufgedrängt: Nelly, die kickende Elefantendame aus dem Serengetipark Hodenhagen hat den deutschen Kickerinnen schon zwei Mal vorgemacht wie’s geht und  einen Ball in das mit der Fahne der jeweils anderen Mannschaft geschmückten Tores geschossen. Ob sie nächsten Dienstag das Tor mit der Trikolore trifft?

Update 5.7.:

Nach dem Sieg der deutschen Kickerinnen gegen Frankreich bleiben Ophira und Nelly weiterhin fehlerfrei bei ihren Prognosen. Überraschend auch, dass die Tipps der 8 SeaLife-Prognosekraken dieses Mal weit weniger „gestreut“ haben als bei den beiden vorherigen Spielen. 5 mal wurde auf Deutschland und 3 mal auf Unentschieden getippt – ob das jetzt wirklich reiner Zufall war? Oder haben die SeaLife-Leute da ein wenig nachgeholfen? Oder liegt es vielleicht  daran, dass die Kraken durch die regelmäßigen Prognoseübungen besser werden? Gilt Lezteres, dann müsste das ja bei den nächsten Spielen leicht zu erkennen sein.





Eins, Zwei, Drei – und wieder mal vorbei …

26 06 2011

… singen Fußballfans ganz gerne, wenn das gegnerische Team so freundlich ist und seine Unfähigkeit vor dem Tor zeigt. Im Falle der völlig durchgeknallten  Terroranschlagsprognose für die Zeit des Eröffnungsspiels der Frauenfußball-WM war ja eigentlich von vorne herein klar, dass die Verschwörungfutzies nichts außer übelriechender, heißer Luft produziert hatten.

Aber halt, bei Astrodicticum Simplex gab es nicht nur einen ausführlichen Artikel zur Anschlagsprognose, er hat über Twitter inzwischen auch auf folgendes Beweisfoto von Lumpidoo aufmerksam gemacht:


Ein Zeichen! Eindeutig! Die beiden nach oben gereckten Arme symbolisieren die Twin Towers, die Zahlen sprechen für sich und für HUBLOT lässt sich bestimmt auch eine abgefahrene Erklärung finden. Irgendwelche Vorschläge?





Acht Kandidaten: SeaLife sucht das neue Krakenorakel

24 06 2011

Nach dem großen Erfolg der Oberhausener Wahrsagerkrake Paul bei der Männerfußball-WM im letzten Jahr (8 Prognosen – 8 Treffer) versuchen die hiesigen SeaLife-Aquarien auch bei der Frauenfußball-WM mit ihren Tieren die Medien zu interessieren. Versuchten es einzelne Dependancen im letzten Jahr noch mit anderen Tieren – z.B. Seepferdchen oder Langusten –  setzen die SeaLife-Werbestrategen in diesem Jahr voll auf die achtarmigen Meeresbewohner. Lola, Otti, Ophira, Sammy, Uli, Stöpsel, Paul (natürlich der II., das Original ist im Oktober letzten Jahres verstorbenen) und Paula heißen laut dieser Meldung die Kandidaten für die Nachfolge der inzwischen sogar mit einem eigenen Denkmal geehrten Orakellegende aus Oberhausen.

Ich sage schon mal voraus, dass sich die mediale Begeisterung für das Orakelteam auf keinen Fall in Paulschen Dimensionen bewegen wird und dass – auch wenn die ein oder andere Krake mehrfach richtig liegt – kaum Kamerateams aus der ganzen Welt vor irgend ein Aquarium pilgern um zu beobachten aus welchem Näpfchen das jeweilige Tier sein Leckerchen holt. Bei 8 Kandidaten ist es übrigens nicht unwahrscheinlich, dass mindestens ein Tier die 3 Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft richtig voraussagt – soweit es kein Unentschieden gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgend ein Oktopus bei allen drei Spielen richtig liegt beträgt knapp 40%, für zwei immerhin noch 20% (dafür, dass kein einziger Oktopus bei allen drei Spielen richtig liegt beträgt die Wahrscheinlichkeit ca. 35%).

Jetzt heißt es erstmal abwarten. Zum einen werden  in den nächsten Stunden die ersten Prognosen auf der SeaLife-Seite veröffentlicht und zum anderen könnten ja auch – wie im letzten Jahr – noch weitere Tierorakel auftauchen. Ob der Tierpark in Chemnitz wieder mitspielt? Oder 1Live mit einem Prognosehamster? Nur die Astrologen und Wahrsager scheinen sich nicht für das Thema zu interessieren – irgendwelche Prognosen habe ich von dieser Seite jedenfalls noch nicht gefunden.

Update:

Die Orakelkraken scheinen seit Paul ein wenig Wahrscheinlichkeitsrechnung gelernt zu haben. 3 mal Sieg für unsere Mädels, 3 mal Unentschieden und 2 mal Sieg für Kanada – sieht verdächtig nach Würfeln aus …





Superterroranschlagsprognose: 26. Juni, 19:00 Uhr, Berlin (Frauenfußball-WM!)

7 06 2011

Genaue, und damit leicht prüfbare, Prognosen sind selten in der Welt der Astrologen, Wahrsager und Hellseher. Nur bei den Weltuntergängen werden – wie erst kürzlich – immer mal wieder genaue Daten genannt. In dieser Hinsicht hatten schon die – natürlich falschen – Terrorprognosen meines Lieblingspalmblattschwaflers (hier oder da) Seltenheitswert, denn sie nannten Orte und zumindest die Kalenderwoche der zu befürchtenden Anschläge. Von ganz anderer, noch viel besserer „Qualität“ ist die Prognose, die sich vor ein paar Tagen auf der Seite extremnews finden liess. Garniert mit einem halbstündigen YouTube-Video führt wildwüste Zahlenmystik in den ersten 6-7 Minuten zu einem Anschlagstermin am 26.6.2011, 19:00 Uhr. Dass danach auch noch die Simpsons (so ab ca. 8:30 min) als Belege für dieses Datum herhalten ist nur der Anfang eines lächerlichen Sammelsuriums von Filmausschnitten, das irgendwie interpretiert als eine Art Prognose durchgehen soll:

Demnach könnte, wenn die Aussagen des Videos richtig interpretiert sind und tatsächlich Hinweise in eben diesen Hollywoodproduktionen versteckt worden sind, am 26.6.2011 ein Terroranschlag gigantischen Ausmaßes in Berlin das Eröffnungsspiel der Frauen-Fußball-WM zum Ziel haben. Dieser könnte die Anschläge des 11. September 2001 noch übertreffen und sogar durch eine Atombombe ausgelöst werden.

Tja, wenn! Und eine Person scheint ja mindestens darauf hereingefallen zu sein. Ein Rechtsanwalt aus Essen hat wegen diesem Terrorgeblubber eine einstweilige Verfügung beantragt:

In der außerordentlich umfassenden Antragsschrift [Anm.: fast 40MB, 409 Seiten] des Rechtsanwaltes Torsten van Geest sind die meisten Indizien aufgeführt. Diese als Ganzes betrachtet ergeben ein äußerst erschreckendes Bild. Laut van Geest scheint ein sogenannter staatsterroristischer „Anschlag unter falscher Flagge“ („false flag operation“) das Olympiastadion in Berlin am 26.06.2011 zum Ziel zu haben. Die Planung gehe wahrscheinlich von ausländischen Geheimdiensten aus, um „diesen Anschlag als weiteren Akt islamistischen Terrors darzustellen und auf diese Weise in den Bevölkerungen der von dem Anschlag betroffenen Nationen die Akzeptanz weiterer Maßnahmen im internationalen Krieg gegen den Terror („war on terror“) herbeizuführen“.

Wer sich von der Größe der pdf-Datei nicht abschrecken lässt erhält übrigens einen hervorragenden Überblick über die abgedrehtesten Verschwörungstheorien der Szene. Und das Schöne daran ist, wenn an diesem Tag nichts passiert, dann war das mit Sicherheit auf die Intervention dieses Rechtsanwalts zurückzuführen. Dieser fordert nämlich die Behörden auf, rechtzeitig zu intervenieren, damit es eben nicht passiert … … nur war dann die „Prognose“ falsch und die ganze Rechnerei umsonst.