Die „Weltklasse“ ist zurück – Update: alles nur ein Fake

18 02 2011

Vor gut einem Jahr bin ich durch Pressemeldungen wie diese auf die damalige Seite eines Astrologen aufmerksam geworden, der sich „Alexander Rostami“ nannte und für sich „Weltklasse“ reklamierte. Fand man zwischendurch unter der höchst paradoxen Webadresse „gute-astrologie.de“ lediglich ein  kleines Bildchen, so gibt es dort inzwischen wieder etwas mehr zu sehen. Es fehlen allerdings die lächerlichen Prognosen von damals, und auch das Lalai Lama wird nicht mehr erwähnt.

Immerhin, die branchenüblichen, wichtigtuerischen Behauptungen gibt es natürlich immer noch: Rostamí soll einer der renommiertesten Astrologen der Welt sein und er habe namhafte Klienten auf allen Kontinenten. Auch die „Weltklasse“ findet sich noch im Seitenquelltext:

<title>Startseite - Alexander Rostamí - Astrologe mit Weltklasse - Alexander Rostami

Komisch, außer ihm selbst scheint das niemand zu wissen, denn vor der ersten „Begegnung“ im letzten Jahr war nicht nur mir sein Name vollkommen unbekannt – auch mir persönlich bekannte praktizierenden Astrologen, die ich danach fragte, kannten den Namen Rostamí nicht (… nicht einmal dann, wenn sie in unmittelbarer Nähe der vermeintlichen „Weltklasse“ wohnen),

Noch mehr der branchenüblichen Selbstbeweihräucherungen gibt es auf einer Seite namens „Rostami privat„, auf der man unter dem Motto „Wußten Sie schon, dass Alexander Rostami …“ das übliche, wichtigtuerische Geblubber finden kann. Er soll also schon als Kind „übersinnliche und radiästhetische Fähigkeiten“ gehabt haben? Belege bitte! Er hat „weltweit Klienten„, hilft „als Psychic Detective ehrenamtlich bei der Suche nach Vermissten“ und engagiert sich „für den Schutz junger Hellfühliger„? Ersteres ist weder eine Legitimation (ich kenne eine Schamanin aus Paraguay, die regelmäßig ihre Kunden in der Schweiz besucht – auf deren Kosten), noch ein Beleg für irgendetwas. Beim Thema „Psychic Detective“ würden mich ebenfalls Belege seiner Erfolge (und natürlich auch der Misserfolge!) interessieren und der „Schutz junger Hellfühliger“ ist ja wohl ganz einfach ein riesengroßer Schmarrn (… bin im Moment öfters in München unterwegs, da muss diese Bezeichnung einfach sein).

Jetzt könnte es natürlich sein, dass Rostamí einfach das Kunstprodukt einer PR-.Agentur ist. barsfeld kommunikation heißt das Unternehmen, das komischerweise die Adresse im Impressum mit dem mysteriösen Herrn Rostamí gemeinsam hat.

Herrn Rostamí’s Studierzimmer:

Woogs Straße 1a
64367 Mühltal

Impressum bei barsfeld kommunikation

Woogstraße 1a
64367 Trautheim bei Darmstadt

Tja, Trautheim gehört eben zu Mühltal, das sieht man nicht nur an der Postleitzahl  – als ehemaliger „Gaasehenker“ (… wie können sich nur die Einwohner eines Ortes bzw. Stadtteils solch eine bescheuerte Bezeichnung geben – und ich hab‘ 12 Jahre dort gewohnt …) bzw. damals (über 20 Jahre her) eingewanderter Heiner kenne ich mich in der Gegend ziemlich gut aus …

UPDATE:

OK, das Ganze war tatsächlich ein Fake, ein Projekt unter dem Titel:

Gefahren und Chancen modernen Spindoctorings am Beispiel eines (fiktiven) Angebotes im New-Age-Markt

Kann man natürlich machen, und ich werde die Leute mal kontaktieren, ob sie mir die Auswertung nicht in irgendeiner Form zur Verfügung stellen können. Immerhin habe ich durch meine 3 Artikel mit Sicherheit einige Leute auf ihre Seite gelotst … … und das sollten sie bei ihrer Auswertung auch berücksichtigen.

Den im Kommentar von Horst genannten Vorschlag, mir die Adresse doch von denen schenken zu lassen, möchte ich aber doch dankend ablehnen. Ich wüsste ja gar nichts mit dieser Adresse anzufangen – außer sie vor der Nutzung durch echte Astrologen zu bewahren, die sich gerne mit solchen Namensparadoxien schmücken.





Noch mehr Katastrophenprognosen …

16 02 2011

Am 28.12. letzten Jahres hatte ich es gewagt, einige Inhalte des drohenden Welthoroskops 2011 von Frau Elfriede Schilddorfer vorauszusagen, und mit meinen – zugegeben, auf Basis ihrer Schwarzsehereien der Vorjahre nicht allzu schweren – Mutmaßungen lag ich vollkommen richtig. Frau Schilddorfer erwartet für 2011 zum Beispiel folgendes:

Naturgewalten sowie die Zunahme der extremen Wetterkapriolen tötet Tausende und führt zu Milliardenschäden. Viele Schäden sind auf das schwere Versagen der Politik zurückzuführen.

Der globale Klimawandel hat unsere Küsten erreicht und er ist nicht mehr beeinflussbar. Er wird zu Massenmigration und kriegerischen useinandersetzungen führen – um Rohstoffe, Wasser, Energie, Lebensmittel und Lebensraum.

Großflächige Stromausfälle, Groß- und Waldbrände, Flugzeugunfälle und Schiffsunglücke, schwere Unfälle und Explosionen häufen sich. Verwüstung. Großflächige Stromausfälle, Groß- und Waldbrände, Flugzeugunfälle und Schiffsunglücke, schwere Unfälle und Explosionen häufen sich.

Christiane Durer verbreitet ihre Unkenrufe inzwischen auch auf YouTube:

Den Text ihrer mit Einschlafmusik garnierten Diashow hat sie netterweise auch hier hinterlegt, so dass man den ganzen Unsinn auch nachlesen kann. Getreu dem bekannten Wahrsager-Motto „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist …“ will sie zum Beispiel folgendes wissen:

Eine gute Nachricht: viele finden in diesem Jahr den/die „richtige/n“ Partner/in – und so wird 2011 ein Rekordjahr der Eheschließungen aber auch der Ehescheidungen – und auch ein Rekordjahr der Geburten.

Immerhin: Letzteres lässt sich sogar wirklich ganz einfach nachprüfen … … aber ansonsten ist Frau Durer wie üblich eher in Sachen Katastrophen unterwegs:

2011 wird es noch extremere Ernteausfälle geben als 2010. Es kommt zu sehr großen Hungersnöten. Nicht nur weit weg von Deutschland.

2011 wird das Jahr außergewöhnlicher Katastrophen. (wirkt bis 3/12)

Und bei folgenden Sätzen fragt man sich, welche Drogen in einem Hirn wirken müssen, damit es die Finger anweist eine Tastatur mit folgenden Buchstabenfolgen zu malträtieren:

Es sieht aus als würde durch ein sog „wissenschaftliches“ Experiment ein großes Gebiet wie in ein Ungleichgewicht geraten. und als würden sich “Vergangenheit und Zukunft“ überschneiden. Inmitten des Geschehens wird es ein großes Unglück geben, auf das die ganze Welt mit Entsetzen schaut. Es wird sein, als würde ein riesiges Gebiet wie ausgelöscht werden. Einige bezeichnen es als ein lange angekündigtes „Zeichen“.

Eine Währungsumstellung wird in mehreren Schritten vonstatten gehen und sich bis weit ins Jahr 2012 hineinziehen.

Wie werden wir leben in den Jahren bevor Polsprung, Finsternis und Russen über uns hereingefallen
sein werden. Es wird eine hoffnungslose Welt sein, in der viele aus  lauter Elend alles tun um zu
überleben – auch Bespitzelung, Verrat und schlimmeres.

Statt der Welt scheint eher der Geisteszustand der Autorin „hoffnungslos“  zu sein, zumindest wenn sie ihre Einlassungen tatsächlich ernst meint. Ansonsten wäre es die übliche  Abzockmasche gegenüber verängstigten Esoterikjüngern, die sich mit solchen Prognosen immer wieder gerne ihre Welt- und Lebensängste bestätigen lassen.

Noch mehr Katatstrophales liefern die folgenden Youtube-Videos – zumindest für die, die des Schwyzerdütschen mächtig sind:






Der doppelte Astrobernd

19 01 2011

Eigentlich wollte ich ja nur meinem Schwager den Astrosketch des miesgelaunten Kastenbrots Bernd aus der KiKa-Lounge Nachtschleife zeigen, die dieser mangels Satellitenfernsehen bisher nicht sehen konnte. Die Eingabe der Schlagworte Bernd, Astro und Telefon lieferte dann aber nicht nur das Bernd-Video mit der hoffnungslos verwirrten Anruferin sondern auch den Hinweis auf einen YouTube-Kanal, bei dem man sich wundert, dass überhaupt eine (!!!) Person diesen abonniert hat. Die dort zu findenden, selbst produzierten Videos sind zum Teil sogar schon über 20 (zwanzig!!!!!) mal angesehen worden – ob vor mir jemals irgendjemand bei diesem Geschwurbel bis zum Ende durchgehalten hat darf allerdings bezweifelt werden.

Die Monatsvorschau für den Januar 2011 habe ich mir nämlich in voller Länge zu Gemüte geführt und ich muss zugeben, vor dem 3. Gläschen Shiraz hätte ich das nicht durchgehalten (dann war’s eher lustig). OK, reden kann der Mann nicht so richtig, aber der Comedian „Hallo erstmal“ Rüdiger Hofmann verdankt seine Berühmtheit ja auch nicht seinem sprudelnden Redefluss. Hier kommt dazu, dass alles ernst gemeint ist … …  und der Mann beherrscht sogar eine Grimasse:

Inhaltlich geht es nach einem sensationellen Einstieg („Ein neues Kalenderjahr hat begonnen, ohne das das alte zu Ende ging.“ [1:10]) überwiegend ums Geld. Während es Anfang des Monats noch gut aussieht (sogar „das Lottoglück ist – wen’s betrifft – eher zu Gast“ [3:30]) drohen später nicht nur für „das mafiose System unseres Pseudostaates BRD“ [4:40] sondern auch für jeden einzelnen Menschen „finanzieller Größenwahn und Prunksucht“ [5:21]. Es könnte die Leute allerdings auch „dämlicher Geiz“ [6:12] treffen – bei der Sprechgeschwindigkeit dieses Mannes ist dieser in der Astrologie nicht unübliche Widerspruch binnen einer einzigen Minute schon fast sensationell.

Danach wird’s ein wenig politisch, es geht um „weitere Einschränkungen der  bürgerlichen  Freiheit, natürlich nur zu unserem Schutz“ [8:54], wobei „notfalls wieder ein selbst inszenierter Anschlag oder dergleichen herhalten“ [9:04] muss. Es soll überhaupt ein „sehr, sehr intensiver und interessanter Winter“ [9:46] werden, ganz abgesehen vom „aller Wahrscheinlichkeit nach abgebrochenen Golfstrom und von den Sonnenaktivitäten“ [9:57]. Letzeres vertieft er leider nicht, aber er schiebt der bösen Venus noch die Schuld für höhere Heizkosten [10:11] in die Schuhe und wechselt dann in den Werbeblock [10:50] für seine eigene (keine Warteschleife, keine Vermittler, er ist immer direkt dran) 0900-er Nummer. Nach dem folgenden Satz …

Bleiben Sie gesund und munter, bleiben Sie friedlich und bleiben sie verteidigungsbereit – auch finanziell.

… und einer kurzen Verabschiedung sind die 12:29 Minuten dann auch endlich geschafft.

Die knapp anderthalb Minuten aus der KiKa-Lounge sind da natürlich wesentlich besser und die 12 Minuten von oben kann der kurzarmige Miesepeter präzise und inhaltlich voll ausreichend in einem einzigen Wort zusammenfassen:

GNAMPF

http://www.youtube.com/watch?v=AHUAPLGOb9o

Kleiner Nachtrag: Ich hab nochmal ein wenig auf der Webseite von Grimassen-Bernd gewühlt und tatsächlich den Text zu seinem YouTube-Auftritt gefunden (man muss ein wenig nach unten scrollen) …





Wie entlarvt man einen Wahrsager als Scharlatan?

16 01 2011

Ganz einfach:

(aus einem Kommentar bei Astrodicticum Simplex)

… ok, esowatch war schneller und excanwahn auch – ist aber trotzdem gut …





BGH-Urteil zum Kartenlegen schlägt Wellen

14 01 2011

Das BGH hat gestern kein endgültiges Urteil im Fall der Kartenlegerin, die von einem ihrem Kunden Geld einklagen wollte, bekannt gegeben sondern das Ganze an die Vorinstanz zurückverwiesen. In der Pressemeldung nimmt der BGH wie folgt Stellung:

  • Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat zunächst die Annahme der Vorinstanzen gebilligt, dass die von der Klägerin versprochene Leistung objektiv unmöglich ist.
  • [daraus folgt] nicht zwingend, dass der Vergütungsanspruch der Klägerin nach § 326 Abs. 1 Satz 1 BGB* entfällt. Die Vertragsparteien können im Rahmen der Vertragsfreiheit und in Anerkennung ihrer Selbstverantwortung wirksam vereinbaren, dass eine Seite sich – gegen Entgelt – dazu verpflichtet, Leistungen zu erbringen, deren Grundlagen und Wirkungen nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und Technik nicht erweislich sind […]
  • [Ist dem Kunden klar,] dass die Geeignetheit und Tauglichkeit dieser Leistungen zur Erreichung des von ihm gewünschten Erfolgs rational nicht erklärbar ist, so würde es Inhalt und Zweck des Vertrags sowie den Motiven und Vorstellungen der Parteien widersprechen, den Vergütungsanspruch des Dienstverpflichteten zu verneinen.

Also: Wenn der Kunde wusste, dass er sein Geld für absoluten Nonsens ausgeben würde, dann darf die Kartenlegerin auch Geld dafür verlangen? Ganz klar ist das Ganze ja noch nicht, und das Oberlandesgericht darf jetzt erst einmal eine weitere, möglicherweise entscheidende, Frage klären, die im früheren Urteil gar nicht betrachtet wurde. Es muss nämlich noch geklärt werden,

  • ob die Vereinbarung der Parteien nach § 138 BGB*** wegen Sittenwidrigkeit nichtig ist. In diesem Zusammenhang darf nicht verkannt werden, dass sich viele Personen, die derartige Verträge schließen, in einer schwierigen Lebenssituation befinden oder es sich bei ihnen um leichtgläubige, unerfahrene oder psychisch labile Menschen handelt. Daher dürfen in solchen Fällen keine allzu hohen Anforderungen an einen Verstoß gegen die guten Sitten im Sinne des § 138 Abs. 1 BGB gestellt werden.

Der erwähnte § 138, BGB beschäftigt sich mit den Themen „Sittenwidriges Rechtsgeschäft“ und „Wucher“ und Satz 1 lautet:

(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.

Mit dieser Frage darf sich nun das Oberlandesgericht beschäftigen …

Inzwischen streiten die juristischen Kommentatoren, was von diesem Urteil zu halten sei. Im GWUP-Blog (mit vielen Links zu Presseartikeln zum Thema) befürchtet der Hamburger Jurist Dr. Jan-Peter Ewert, dass dieses Urteil eher negative Auswirkungen haben wird:

Das heutige Urteil birgt die Gefahr, Tür und Tor für Klagen von Kurpfuschern jeglicher Couleur zu öffnen. Musste in der Vergangenheit der Kunde nur darlegen, dass die vereinbarte Leistung den Naturgesetzen widerspricht, um aus dem Zahlungsanspruch herauszukommen, muss er nunmehr belegen, dass er sich in einer Notlage befand, die ausgebeutet wurde. […]

Schwieriger wird die Lage für Opfer von Quacksalbern damit aber allemal.

In der Legal Tribune äußert sichProf. Dr. Hans Prütting (Inhaber des Lehrstuhls für deutsches und ausländisches Zivilprozessrecht an der Universität zu Köln) wesentlich positiver und sieht ein ganz anderes Szenario:

Soweit die Wahrsagerin als Klägerin im vorliegenden Fall ihren Zahlungsanspruch mit der verfassungsrechtlichen Garantie der Vertragsfreiheit, der Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses und der Berufsfreiheit untermauert hatte, kommt dem keinerlei Gewicht zu.

Keine der verfassungsrechtlich genannten Garantien erlaubt es einem Wahrsager, betrügerisch zu handeln oder Kunden durch wucherische Vertragsbedingungen zu schädigen. Gleiches würde gelten, wenn ein Wahrsager den Versuch machte, rechtliche Konsequenzen durch vertragliche Vereinbarungen oder gar durch allgemeine Geschäftsbedingungen zu umgehen.

Rechtliche Konsequenz eines wucherischen Geschäfts ist die Nichtigkeit des Dienstvertrags. Die auf Grundlage dieses nun nichtigen Vertrags erbrachten Leistungen erfolgten dann ohne Rechtsgrund.

… und nicht nur das, Prütting sieht sogar gute Chancen, falls der Kunde auf Rückzahlung bereits erbrachter Zahlungen klagen würde:

Der von der Wahrsagerin verklagte Kunde kann also nicht nur die Zahlung gemäß § 821 BGB verweigern. Er kann auch gemäß § 812 BGB alles zurückverlangen, was er der Wahrsagerin gezahlt hat. Hoffentlich hat sie das Geld auf die hohe Kante gelegt. Sie müsste es ja eigentlich gewusst haben.

Dabei hilft die Einschätzung des BGH, dass in diesen Fällen keine hohen Anforderungen an den „Verstoß gegen die guten Sitten“ angelegt werden dürfen.

Ralf Neugebauer (Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf und Köln) schreibt in seinem Blog nur vorläufig über das Thema und verweist auf die Tatsache, dass die genaue Begründung des BGH-Spruchs noch gar nicht veröffentlicht ist. In seiner ersten Bewertung schreibt er:

Vertragsfreiheit ist sicher wichtig. Man kann auch durchaus den strengen Standpunkt vertreten, dass Verträge eben eingehalten werden müssen. Wenn sich also alle darüber einig sind, dass Magie nach wissenschaftlichen Kriterien wirkungslos ist, warum sollen sie dann darüber keinen Vertrag schließen dürfen? Genau bei dieser Annahme habe ich aber ein  Problem. Wer glaubt, dass ein Magier in die Zukunft sehen kann, der irrt. Er glaubt ja gerade, dass der Magier mit seinen Mitteln den versprochenen Erfolg erzielen kann. Der Kunde ist sich also gerade nicht darüber im Klaren, dass er sich auf eine unmögliche Dienstleistung einlässt. Ist er damit nicht schutzbedürftig? Insbesondere, wenn man an Fälle wie diesen denkt, in denen der Kunde einen beträchtlichen Teil seines Vermögens für solchen Aberglauben ausgibt.

Er hält das Urteil zumindest für nicht ungefährlich, denn er fährt fort:

Ob es in allen Fällen gelingt, diesen Schutz über das Verdikt der Sittenwidrigkeit zu erreichen, dürfte zweifelhaft sein.

Die Argumentation finde ich übrigens höchst aufschlußreich, endet sie doch in einem typischen Paradoxon a la Catch-22: Wenn alle Beteiligten wissen, dass Kartenlegen (o.ä.) Nonsens ist, warum sollten sie dann einen Vertrag schließen? Wenn ein solcher Vertrag geschlossen wird, dann muss also der Kunde von dem Nonsens nichts gewußt haben und hat damit eine – möglicherweise vorübergehende – „geistige Schwäche“ offenbart, die wiederum vom Anbieter nicht ausgenutzt werden darf …

Im Law-Blog von Udo Vetter sind beim diesbezüglichen Artikel die Kommentare das Spannendere, da ansonsten fast ausschließlich die Pressemeldung es BGH zitiert wird. Mein Lieblingskommentar stammt von einem Menschen namens „Lutz“ und findet sich in Kommentar Nr. 11:

Wird nicht bei jedem Dienstvertrag nur das Tätigwerden – und nicht der Erfolg der Tätigkeit – geschuldet? M.E. hätte man darauf abstellen können und sich jegliche Ausführungen über eine Unmöglichkeit der Leistung sparen können.

Mit anderen Worten: Der Voodoo-Hexer schuldet eben nur, dass er seine Show abzieht und Nadeln in die Puppe piekst und nicht, dass es bei der betreffenen Person aua macht. Diese Tätigkeit ist nicht unmöglich.

Wenn sich der Voodoo-Hexer im Rahmen der Vertragsfreiheit dazu verpflichtet, bei der betreffenden Person ein aua zu bewirken – ja dann hat er eben Pech gehabt und bekommt – wegen objektiver Unmöglichkeit – kein Geld.

Insgesamt also ein eher diffuses Bild – weder Freibrief für die Kartenleger noch dezidierte Stärkung des Verbraucherschutzes. Für mich erinnert das an ein ganz anderes Thema, bei dem der Markt allerdings viel stärker und viel restriktiver reguliert ist: die Finanzdienstleistungsbranche!

Dort hat der Kunde die Möglichkeit den Verkäufer (bzw. Vermittler) zu verklagen, wenn dieser ihn nicht über alle Risiken der Anlage – schriftlich! – aufgeklärt hat. Wie schön wäre es, wenn dies in ähnlicher Form (die Beschreibung der Risiken bei Finanzprodukten muss nach aktueller Gesetzeslage auch für Laien verständlich sein!) auch bei Kartenlegern, Wahrsagern und Astrologen der Fall sein müsste. Dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Wer das „Kleingedruckte“ nicht liest ist definitiv selbst schuld
  2. Ohne entsprechende Hinweise sind diese Verträge nichtig (und der Kunde muss nicht zahlen)

OK, ich weiß natürlich, dass auch die Gesetze zur Regulierung der Finanzdienstleister, Banken und Versicherungen noch alles andere als perfekt ist, aber immerhin ist es ein Schritt in die richtige (d.h. den Verbraucher/Kunden schützende) Richtung. Im esoterischen Zukunftsschwurbelmarkt ist man leider meilenweit von solchen Regelungen entfernt. Dabei gab es sogar schon mal eine entsprechende Gesetzesinitiative, die allerdings im Sande verlaufen ist. Der Gesetzentwurf  zielte eigentlich eher auf das Geschäft mit irgendwelchen Psycho-Seminaren und war ebenfalls noch nicht perfekt, aber alleine §2 Abs. 1 und 2 würden die Kunden erheblich besser stellen:

§ 2 Form und Inhalt des Vertrages
(1) Verträge nach § 1 bedürfen der Schriftform.
(2) Die Vertragsurkunde muss Angaben enthalten

  • über die genaue Bezeichnung und zustellungsfähige Anschrift des Unternehmers, bei juristischen Personen und rechtfähigen Personengesellschaften auch über die Person des gesetzlichen Vertreters,
  • zur genauen Beschreibung der Leistung und des angestrebten Ziels einschließlich
    • einer kurzen Beschreibung der angewandten Methode,
    • der vertretenen ethischen Werte und
    • der theoretischen Grundlagen,
  • über die berufliche Qualifikation der Personen, die die Dienstleistung erbringen,
  • über Art sowie die voraussichtliche Anzahl und Dauer der Veranstaltungen,
  • darüber, ob die Veranstaltungen in Gruppen oder einzeln durchgeführt werden sollen,
  • über den Gesamtpreis sowie den Einzelpreis je Veranstaltung,
  • darüber, ob Begleitmaterial erworben werden muss, und welche Kosten hierdurch entstehen,
  • darüber, ob der Vertragsgegenstand Teil eines Gesamtkonzepts ist, und über den Preis der hierzu gehörenden Leistungen,
  • darüber, welche Risiken und Nebenwirkungen die angewandten Methoden haben und
  • welcher Personenkreis hierdurch gefährdet sein könnte.

So heißt es erst ‚mal abwarten – irgendwann wird es eine weitere Entscheidung des OLG Stuttgart geben und ich bin schon mal gespannt wie das jetzt ausgeht …





Promiprognosen 2011: Bohlen heiratet, Brangelina getrennt

5 01 2011

In der Regenbogenpresse finden sich zum Jahresende nicht nur irgendwelche nichtssagenden Jahreshoroskope sondern auch die ein oder andere Promiprognose. Bisher habe ich zu diesem Thema folgendes gefunden:

Die Hamburger Wahrsagerin Casia Chayenne hatte bereits vor einiger Zeit Schlagersternchen Helene Fischer eine Schwangerschaft samt folgender Trennung von Florian Silbereisen und ab Sommer eine neuen Liebe zu einem 45- 60-Jährigen aus dem Musikbusiness vorausgesagt und durfte im Berliner Kurier noch sechs weitere Promiprognosen abfeuern. Hier das Ergebnis:

  1. Der Vergewaltigungs-Prozess wird weder gut noch schlecht für Jörg Kachelmann (52) ausgehen. Die Karten zeigen an: Er wird mit Bewährung davonkommen.
  2. Für Heidi Klum (37) naht im Sommer ein anstrengendes Projekt, das sie erfolgreich abschließt. Danach zieht sie sich zurück, beendet Mitte 2012 ihre Karriere.
  3. Das Geld bleibt Dieter Bohlen (56) treu. Neue Werbeverträge warten im Frühjahr. Privat wird er sich enger binden: Circa im September heiratet er – im kleinen Kreis im Ausland.
  4. Kate Middleton (28) ist in enger Liebe mit Prinz William (28) verbunden. Neben den Herzkarten landete die Familienzuwachskarte. Kate wird im September/Oktober schwanger.
  5. Fußballer-Gattin Sylvie van der Vaart (32) ist weiterhin sehr gefragt. Gesundheitlich läuft alles bestens (kein Krebs-Rückfall). Spätestens im Frühjahr 2012 bekommt sie ein zweites Kind.
  6. Obwohl sie es in ihrem Innersten noch nicht will, wird Victoria von Schweden (33) nächstes Jahr Königin. Im Sommer 2012 bekommen sie und Daniel ihr erstes Baby.

OK, Nummer 4 ist nicht so ganz unwahrscheinlich, die Prognosen 2, 5 und 6 beziehen sich zumindest teilweise auf 2012 (und werden nicht vergessen …).

Die Frankfurter Astrologin Aylin Bulanik erwartet „prominente Beziehungskrisen“ bei Seal und Heidi Klum, Carla und Nicolas Sarkozy, Lilly und Boris Becker, Brad Pitt und Angelina Jolie (Trennung spätestens Ende 2011, diese Prognose gehört aber seit Jahren zum Standardrepertoire der Promiprognosten), Tom Cruise und Katie Holmes sowie – Überraschung! – bei den zu Guttenbergs. Dazu gibt es noch ein wenig Blabla zu Westerwelle (wird wahrscheinlich zum Rücktritt als Parteivorsitzender gezwungen), Sarazin (bekommt Ärger), Seehofer (gesundheitliche Probleme nicht ausgeschlossen) und Volker Bouffier (kann sich als hessischer Ministerpräsident halten wenn er den Sommer übersteht, wird aber 2014 die Wahl verlieren) sowie die Ankündigung von Protesten und Groß-Demos ab spätestens März.

In drei Teile hat Elizabeth Teissier ihr Jahreshoroskop für 2011 in der „Schweizer Illustrierten“ aufgeteilt und dabei auch kurze, nichtssagende Sätze zu – mir weitgehend unbekannten – überwiegend schweizer Promis gemacht. Auch Viktoria von Schweden wird erwähnt, aber statt der Frage „Wird sie 2011 Königin von Schweden, oder bremst Saturn die Thronfolgerin aus?“ hätte man von Frau Teissier doch eher eine Antwort erwartet – da war die oben erwähnte Casia Chayenne mutiger. Auf ihrer Webseite schwafelt sie dann immerhin noch ein wenig über anstehende Katastrophen:

Der Neumond am 3. April könnte den Beginn einer kritischen Phase darstellen, die bis Mitte Mai andauern dürfte. Voraussichtlich äussert sie sich erneut in gigantischen Staatsschulden und Börsen-Turbulenzen. Zusätzlich könnten sich auch politische und soziale Probleme zuspitzen oder Naturkatastrophen eintreten.

Ähnlich sieht es bei den Jahreshoroskopen in der Zeitschrift Bunte (von Leslie Rowe, in Heft 52, 2010) und in der Neuen Post (kein Name eines/einer Verantwortlichen, Heft 51,2010) aus. Rowe lässt sich immerhin zu einer einzigen halbwegs prüfbaren Aussage hinreißen: Fußballprofi Thomas Müller soll sich „erst ab Mai wieder auf sein (Tor-)Glück verlassen“ können – also ziemlich genau dann, wenn die Saison endet. Rowe war übrigens bis Ende letzten Jahres auch im öffentlich-rechtlichen Radio aktiv und durfte auf der Webseite von Bayern3 sogar noch ein Jahreshoroskop für 2011 ablegen – zum 1. Januar wurde das Bayern3-Horoskop jedoch eingestellt.

Wer noch weitere solche Prognosen hat (meine Schwiegermutter liest nicht die gesamte Regenbogenpresse) darf mir gerne die entsprechenden Seiten bzw. das ganze Heft zukommen lassen. Einfach per Mail melden …





Pech für Rumäniens Wahrsager und Hellseher

3 01 2011

Eigentlich hätten sie es ja voraussehen müssen, die rumänischen Hellseher und Wahrsager: Ihr Beruf ist jetzt nicht nur „offiziell anerkannt“, sondern sie müssen jetzt auch „ganz offiziell“ Steuern zahlen. Wie die Financial Times berichtete, gehören die Zukunftsdeuter mit einem geschätzten Jahresverdienst von 15.000 Euro sogar zu den rumänischen Spitzenverdienern. Damit, dass sie die Besteuerung nicht vorausgesehen haben sondern stattdessen mit irgendwelchen Flüchen drohen stellen sich die Zukunftsdeurer selbst ein Armutszeugnis aus. Schön wäre es, wenn sie denn tatsächlich  – wie in der Meldung erwähnt – bei falschen Prognosen schadensersatzpflichtig wären. Das wäre doch mal eine wirklich gute Idee, die man auch hierzulande einführen könnte.

Dass jetzt eine Hexe das Land nicht mehr mit irgendwelchen Ritualen vor Naturkatastrophen schützen will sollte die Bewohner gleich zu einer ersten Schadensersatzklage animieren, denn bereits im Juli letzten Jahres gab es in Rumänien eine Flutkatastrophe …

Für den bösen Fluch, den eine andere Hexe den Parlamentariern an den Hals wünschen will, empfehle ich zur Abwehr Mehl, ein paar Tropfen Olivenöl, Mozarella, Wasser Salz und Tomaten – zusammen mit der in der Nähe des Parlaments deponierten Mixtur aus schwarzem Pfeffer, Hefe und Paprika kann man dann immerhin schon eine Pizza backen.





Prognosen 2011: Noch mehr Katastrophen und das übliche Blabla

30 12 2010

Nikki Pezaro kann’s nicht lassen. Auch für 2011 hat sie wieder viele Prognosen auf ihrer Webseite aufgelistet und neben den üblichen Katastrophen (überall Erdbeben und Terroranschläge!) finden sich nicht nur viel aus den Vorjahren Kopiertes sondern auch das ein oder andere Schmankerl für’s Kuriositätenkabinett. Hufeisenförmige UFOs über Roswell (World Predictions Nr. 22), Riesenspinnen (Nr. 48) und eine Pille die Menschen binnen 30 Tagen jünger werden lassen soll (Nr. 96) – der übliche Quatsch wie jedes Jahr.  Die Regenbogenpresse scheint sie nicht verfolgt zu haben, denn bei ihrer Nr. 6 in der Rubrik „The Royals“ (Wedding in Monaco) dürfte es um Albert II. gehen – und dessen Hochzeit ist seit Monaten für Anfang Juli 2011 angekündigt. Wenn ihre World Prediction Nr. 14 tatsächlich wahr werden sollte schlage ich vor, dass sie sich als Testperson zur Verfügung stellt. Sie hätte „The world’s first brain transplant“ bitter nötig!

Die Voraussage, dass FDP-Chef Westerwelle abtreten wird (oder muß) bescherte Mona Stein mediale Aufmerksamkeit. Mehr Konkretes gibt es von ihr nicht, und für eine Hellseherin ist der Ausblick auf die Wahlen in Berlin geradezu lächerlich:  Das Duell um das Berliner Rathaus im Herbst wird laut Mona Stein „wahrscheinlich“ nicht die Grüne Renate Künast gewinnen. Diese sei zwar sehr intelligent, aber etwas herrisch. SPD-Amtsinhaber Klaus Wowereit hingegen lasse alles schleifen. Eventuell werde er es wieder schaffen. Oder es komme jemand ganz Neues.

Winfried Noé hat gleich mehrere Ausblicke auf das Kommende Jahr auf Lager. Bei diesem reiht er völlig sinnfrei Sätze über Yin und Yang-Planeten aneinander und schließt mit einer Warnung: „Venus-Neptun in Verbindung mit Chiron lässt das Geld (Venus) wegfließen (Neptun).“ Angekündigt ist auch ein Artikel mit dem Thema 2011 und die Numerologie …

… aber schon der Text darunter zeigt, dass das verlinkte Zahlengemurmel aus dem letzten Jahr stammt. Genial dabei der Anfang:

Was geschieht eigentlich numerologisch, wenn die 2009 durch die 2010 ersetzt wird? Ganz einfach, es fällt eine Neun weg, und eine Eins kommt hinzu.

Aber das ist noch nicht alles, denn Herr Noé kennt ja auch die besten Tage 2011 für Liebe, Gesundheit und Beruf. Das Jahr wird also mit Spontanheilungen und Knochenbrüchen beginnen und in den Zeiträumen 30.3.-23.4., 3.-27.8. und 24.11.-14.12. soll man sich vor wichtigen Zusagen und Vertragsschlüssen hüten.

Im Newsletter des Allgeier-Verlags vom 23.12. gibt es natürlich auch eine Jahresvorschau 2011. Während aber bei Noé Venus, Neptun und Chiron das Geld abfließen lassen, schauen die Allgeiers einfach woanders hin und schwupps haben sie bezüglich der Finanzen eine positive Nachricht: Jupiter im Stier verspricht finanziellen Aufschwung und Lebensgenuss. Aber natürlich fehlen unter dem Punkt „Die besondere Konstellation“ auch die üblichen Schwarzsehereien nicht:

Was das weltliche Geschehen betrifft, bleibt die Gefahr von Gewalttaten, insbesondere von Amokläufen und Anschlägen recht hoch. Es wäre in der Tat besser, größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

Mehr davon haben sie in ihrem Astrologischen Jahrbuch auf Lager: Dort werden auf den Seiten 10 und 11 die „schwierigsten Tage“ mit Texten wie diesem aufgelistet:

1. bis 30. Juni. Saturn-Plutoweckt Fanatismus und kann Naturkatastrophen auslösen. Uranus-Pluto steht für Katastrophen, im schlimmsten Fall mit Nuklearkraft.

Insgesamt zählen übrigens so ca. 190 Tage zu den schwierigen und Ende Juni wird’s sogar doppelt gefährlich: zwischen dem 23. und 30. soll sich die Unfallgefahr erhöhen und es droht ein Flugzeugabsturz. Beim Katastrophen-Rundumschlag auf Seite 11 fehlt eigentlich nur das Wort Tsunami, ansonsten ist alles da: Vulkanausbruch, Zwischenfall im Kernkraftwerk, besonders heftige Erdbeben, schlimme Terroranschlägen und kriegerischen Auseinandersetzungen. „Ziemlich dick“ kommt es dann im November – aber nur für Bundeskanzlerin Angela Merkel (Seite 13): Sie könnte sogar krank werden oder einen Unfall erleiden.






Nachgereicht: „Topprognosen“ für 2010

28 12 2010

Die alljährliche Prognoserückschau führt bisweilen dazu, dass mir einzelne Astrologen und Wahrsager ihre eigenen Prognosetexte zum abgelaufenen Jahr mit dem Hinweis zuschicken, dass diese doch so viel besser gewesen seien als die von mir in der Pressemeldung erwähnten. Dieses Jahr war es eine österreichische Astrologin, die mir mit folgendem Kommentar ihr Welthoroskop 2010 zusendete:

Es gibt nicht nur laute Stümper, sondern auch stille Könner.

Vermutlich zählt sich die Dame selbst zu den stillen Könnern – Grund genug sich mal mit ihr zu beschäftigen.

Beim Namen ihrer Webseite rollen sich mir schon die Fußnägel hoch: http://astro-medizin.eu/. Und natürlich ist die Dame laut  Selbstbeweihräucherung Selbstbeschreibung die renommierteste Astrologin Europas, und der Name ihrer Webpräsenz erklärt sich dann auch ganz einfach:

Sie ist ausschließlich forschend tätig ist. Da sie gerne Kinderärztin geworden wäre, wurde ihr Forschungsgebiet Medizin. Und da ein Wassermann mit Widder Aszendent keine ausgetretenen Wege geht, interessierte sie die pränatale Diagnostik (vorgerburtliche Prägung). Heute ist sie auf diesem Gebiet weltweit Expertin.

Tatsächlich? Expertin? Das sieht man natürlich am Inhalt eines ihrer Bücher:

In Ihrem Buch „Dem Leben vor dem Leben auf der Spur“ behandelt sie neben 9 Krebserkrankungen u.a. auch den plötzlichen Kindstod durch Atemstillstand, Autismus, Diabetes und auch Aids und Gleichgeschlechtliche Liebe. Auch sie ist erbbedingt und pränatal erkennbar. Ihrer Meinung nach ist sie eine Variante der Schöpfung und eine vorgegebene, natürliche Geburtenkontrolle.

Unfassbar! Aids soll also pränatal (… aus dem Horoskop) erkennbar sein …

Nun aber  zu den Prognosen der alten Dame (Jahrgang 1925) für die letzten Jahre. Ich habe für den Katastropheneil ihrer Weltprognosen der Jahre 2007, 2008, 2009 und 2010 eine kleine Tabelle erstellt („ja“ bedeutet: wird in der Prognose erwähnt):

2007 2008 2009 2010
Naturkatastrophen(allgemein) ja ja ja ja
Seuchen/Epidemien ja ja ja
Abnahme der Sonnenenergie ja ja
Schneemassen / Lawinen ja ja ja
Hitze/Dürre ja ja ja ja
Waldbrände ja ja ja ja
Wasser/Luftverschmutzung ja ja ja ja
sterbende Wälder ja
Orkane ziehen Schneisen der Verwüstung ja ja ja
„galoppierender“ Klimawandel (o.ä.) ja ja ja
Pole schmelzen ja ja
Anstieg Meeresspiegel / Inseln versinken ja ja ja ja
Menschen hungern ja ja ja ja
Wasserknappheit ja ja ja ja
Störfehler in Atomkraftwerken ja ja ja ja
schwere Flugzeugunfälle ja ja ja
Stromausfälle ja ja ja
Schiffsunglücke ja ja

Fazit: Die Abnahme der Sonnenenergie ist offensichtlich 2009 zum Stillstand gekommen, sterbende Wälder gibt es sogar schon seit 2008 nicht mehr – dafür werden seit 2008 Stromausfälle und Flugzeugabstürze vorausgesagt und seit 2009 auch Schiffsunglücke. Meine Vermutung für das von ihr angedrohte „Welthoroskop 2011“: Eine große Portion Naturkatastrophen (Erdbeben, Vukanausbrüche etc.), gewürzt mit den üblichen Folgen (Hunger, Wasserknappheit); dazu ein wenig Klimawandel und eine Prise Technikkatastrophen (Atomkraftwerke, Flugzeuge etc.) – es würde mich wundern, wenn ich mit dieser Prognose völlig falsch liegen sollte ..

Der Rest besteht aus ähnlichen Schwarzsehereien (wer jedes Jahr einen Börsencrash vorhersagt hat alle paar Jahre automatisch einen Treffer …) und mehr oder weniger hanebüchenen Schwurbeleien – und auch hier wiederholt sich so manche Formulierung für die verschiedenen Jahre. Vielleicht liegt das ja daran, dass sie sich auf die Astrologie der „Hamburger Schule“ verlässt? Diese verwendet 8 zusätzliche Planetenimmaterielle Existenzen“, also Objekte, die in der Realität schlicht und einfach nicht existieren. Klar, dass ein solches Vorgehen auch nur zu immateriellen Treffern führen kann.





Prognosen 2011: Erste angedrohte Katastrophen und 5 Weltuntergänge

17 12 2010

Auch für 2011 werden Astrologen, Wahrsager und Hellseher wieder alle nur erdenklichen Katastrophen ankündigen, und wie in den Vorjahren werden sie es auch 2011 nur selten wagen, ihre Prognosen mit irgendwelchen genauen Daten zu versehen. Hier eine erste Auswahl …

Das Ende der Welt droht 2011 laut einer Liste der Ontario Consultants on religious tolerance am 21. Mai, 29. September, 21. Oktober oder 22. November. Die dort ebenfalls gelistete obskure Ankündigung per Mail, dass die Welt am 11.11.11 untergehen wird, dürfte dabei insbesondere in Orten wie Köln oder Düsseldorf Entsetzen auslösen – aber vielleicht passiert’s ja erst am Nachmittag so dass der Karnevalsbeginn von den Jecken noch zünftig begossen werden kann.

Palmblattschwurbifex Thomas Ritter hat in seinem dieses Mal für 2 Jahre „gültigen“ Text erstmals keine detaillierten Terroranschläge auf Lager und widerspricht ansonsten den Weltuntergangspropheten:

Die Erde wird nicht untergehen, und auch nicht unbewohnbar werden.

Die üblichen Katastrophen kann er natürlich auch nicht auslassen – er „verspricht“ sie Russland:

In der Zeit von März 2011 bis Februar 2012 besteht für Russland ein hohes Risiko, durch Klimaveränderungen schwere Nachteile zu erleiden. Erdbeben im Osten und Süden des Landes sind ebenso wie Unfälle im Zusammenhang mit der Energieerzeugung und Schiffstransporten möglich.

Seine alljährlich vorausgesagten Aufstände sollen in naher Zukunft sogar ein ganz prominentes Opfer finden:

In den europäischen Metropolen wird es Aufstände geben, die sich zum großen Teil auch gegen dort ansässige Ausländer richten werden. Besonders blutige Kämpfe werden sich in Paris und Rom, aber auch in Madrid, London und Prag abspielen. In Rom wird auch der Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche gestürmt. Zahlreiche Würdenträger sterben bei den Plünderungen, auch der Papst, der zwar zunächst fliehen kann, jedoch außerhalb von Rom in einen Hinterhalt von Plünderern gerät.

Es ist nicht ganz klar, ob diese und weitere ähnliche Schwarzsehereien jetzt schon für 2011 gelten sollen, oder ob sich das alles auf die Folgen des von ihm auf den Oktober 2012 terminierten Kollaps des amerikanischen Finanzsystems bezieht – der von Plünderern gemeuchelte Papst ist auf jeden Fall eine ganz neue Prognose.

Derweil klagen die Hoteliers auf der thailändischen Ferieninsel Phuket: Nachdem irgendwelche Wahrsager Tsunamis angekündigt haben zeigten sich insbesondere asiatische Touristen verunsichert und liessen sich zum Stornieren ihrer Hotelbuchungen verführen.

Susanne Eder hat auf ihrer „5-Jahresvorschau“ ausnahmsweise auch ein paar leicht positive „Nachrichten“, schließt aber auf vermehrte Vulkanausbrüche und Erdbeben:

KLIMAWANDEL
Die Lage dürfte sich etwas stabilisieren. Sei es durch neue Technologien oder durch andere Maßnahmen, die sich allesamt positiv auswirken werden. Die Uranus-Pluto-Verbindung lässt hinkünftig vermehrt auf Vulkanausbrüche und Erdbeben schließen, Überschwemmungen und Orkane hingegen sollten nicht mehr so stark auftreten wie in den letzten Jahren, da Uranus und Neptun nicht mehr in Rezeption stehen. Trotzdem ist das Thema Umweltschutz und Klimakatastrophen sicher noch nicht vom Tisch!

Bei „Wunderweib“ dürfen gleich 8 Astrologen ihre Einschätzung des kommenden Jahres abgeben – und blubbern überwiegend Allgemeines über Gefühle und Partnerschaft. Winfried Noé kündigt an, dass Dollar und Euro bis 2015 „entwertet“, in 2011 aber keine Staatspleiten kommen werden,  seine Kollegin Ruth Siegenthaler weist dagegen auf die positive „Wirkung“ von Katastrophen hin:

Auch im Jahr 2011 geschehen Naturkatastrophen. Das Geschenk, das darin verborgen ist, ist, dass unser Mitgefühl für die notleidenden Menschen wächst und wir einander näherkommen.

Es wird die Opfer zukünftiger Katastrophen (oder die in Haiti postum) sicher beruhigen, dass sie mit ihrem Tod dafür gesorgt haben, dass wir einander näherkommen!