Schüler testen: Astrologie versagt!

27 05 2010

Klasse Idee aus Nienburg (Weser): Am Marion-Dönhoff-Gymnasium trifft sich jeden Montag die „Skeptiker-AG“ – Schülerinnen und Schüler der 8.-10. Klasse, die sich mit vielerlei spannenden Fragen beschäftigen.  Von Astrologie über das Monster vom Loch Ness bis zu Verschwörungstheorien und dem Yeti reicht die Themenpalette – wobei sich die Nachwuchsskeptiker natürlich zunächst mal – wie auch die lokale Sonntagszeitung berichtete – mit der Theorie beschäftigen müssen; also damit wie mit den Methoden der Wis­sen­schaft Be­haup­tun­gen eigentlich geprüft werden. Ob sie sich dabei auch von folgendem Video* zu einem Test inspirieren liessen weiß ich natürlich nicht …

… aber dass sie die Methodik beherrschen haben die Schüler mit einem Astrologietest gezeigt, den sie im Rahmen ihrer AG  durchgeführt haben:

Versuchsanordnung

Drei freiwilligen Versuchspersonen wurden zur Überprüfung der Übereinstimmung mit ihrer Person zwei verschiedene Charakterhoroskope vorgelegt. Eines der beiden Horoskope wurde mit Hilfe der Geburtsdaten ermittelt, das andere war ein fremdes (das einer anderen Versuchsperson).
Die Versuchspersonen hatten die Aufgabe, die Horoskope zu lesen und anzugeben, inwieweit diese auf die eigene Person zutreffen (Übereinstimmung in Prozent). Die Versuchspersonen wussten nicht, bei welchem Horoskop es sich tatsächlich um ihr eigenes handelte (so genannte „Verblindung“). Sie erfuhren es erst nach dem Versuch.
Die verwendeten Charakterhoroskope wurden auf der Astrologie-Seite http://de.astrogeno.com/ unter Angabe von Geburtszeitpunkt und Geburtsort erstellt.

Das Ergebnis ist für die Astrologie katastrophal:

Die jungen Probanden fanden also in einem fremden Horoskop im Schnitt mehr Übereinstimmungen zur eigenen Person als in dem zu ihrem Geburtsdatum erstellten und folgerichtig formuliert das Versuchsergebnis auch ganz klar:

Der von Astrologen behauptete Zusammenhang zwischen den Charaktereigenschaften eines Menschen und der Konstellation der Himmelskörper zum Zeitpunkt seiner Geburt konnte im Experiment nicht belegt werden.

Natürlich ist das für Skeptiker keine neue Erkenntnis, aber auf die Teilnehmer der Skeptiker AG dürfte dieses eigene Experiment einen nachdrücklicheren Eindruck hinterlassen als wenn man ihnen nur folgenden Beitrag aus der RTL-Sendung „Welt der Wunder“ vorgespielt hätte. Dort findet man – nach der sehr schönen Entlarvung und Demonstration von Techniken des  „Cold Reading“ – am Ende noch zwei ähnliche Tests mit vergleichbaren Ergebnissen:

Gibt es eigentlich ähnliche Veranstaltungen auch an anderen Schulen? Zu wünschen wäre es, denn zum Einen gibt es genug Themen aus dem „Skeptiker-Repertoire“ mit denen man Schülerinnen und Schüler begeistern und an denen man die wissenschaftliche Methode wunderbar erklären und erproben kann, zum Anderen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass eine solche AG allen Beteiligten auch richtig Spaß macht – und der sollte bei einer AG natürlich nicht zu kurz kommen.

* Nein, ich bekomme von They might be giants kein Geld für diese erneute Werbung – ich finde aber, dass man die CD/DVD „here comes science“ nicht oft genug lobend erwähnen kann … … sie eignet sich übrigens bestimmt auch gut für den Einsatz im Englischunterricht!





Weltklasse? Erledigt!

25 05 2010

Wie war das noch mit dem Astrologen aus Darmstadt, der sich mit einer paradox benamten Webseite („gute-astrologie“? – klingt irgendwie nach „wohlduftende-Gülle“!) und zwei openPR-Veröffentlichungen (jeweils verziert mit ein und dem selben Bild, das die Möchtegernweltklasse in unmittelbarer Nähe eines weltbekannten Exiltibeters mit inhaltsleerer Schwafelneigung und dauernder Grinselähmung zeigt) Ende letzten Jahres so richtig bekannt machen wollte? Scheint ja irgendwie nicht geklappt zu haben, denn als ich heute mal auf seiner Webseite vorbeischaute war es vorbei mit den „Prognosen von Weltklasse“ – stattdessen ein Bild, eine Liste der üblichen esoterischen „Dienstleistungen“ und der Hinweis: Wir bauen um!

Aktuelle Webseite www.gute-astrologie.de





Die alte Wahrsager-Betrugsmache: 500.000 Euro sind jetzt „im Himmel“

22 05 2010

Hier, dort oder da kann man die aktuell durch die österreichischen Medien geisternde Story lesen, in der eine selbst ernannte „Seherin“ ihrer offensichtlich recht betuchten „Kundin“ ein halbes Euromilliönchen abgeknöpft hat. Die hanebüchene Geschichte, in die auch noch der Ehemann und der Bruder der „Seherin“ verwickelt zu sein scheinen, bekommt durch den Kommentar eines gewissen Timmy1986 auf der Webseite der Kronenzeitung (vom 21.05., 13:38) noch eine ganz andere Wendung:

Ich kenne die Frau und die Seherin war die Schwester Ihres Lebensgefährten!!! Das Geld wurde nur auf Anweisung des Lebensgefährten zur Seherin gebracht, weil das Geld dort sicher war!!! Wenn Sie nicht einverstanden war, wurde Ihr gedroht! Es fehlen bei dem Bericht einige Details, die die Lage der Frau erklären würden!!! Viel Spass im Gefängnis wünsch ich den 3!!!!

Wenn das stimmen sollte, dann wäre das mal wieder so eine Geschichte, die man im Rahmen des abendlichen Spielfilmprogramms kopfschüttelnd als viel zu unrealistisch einschätzen würde …





Astrologische Eyjafjalladingens: Datum egal

18 05 2010

Sollte tatsächlich irgend ein Astrologe vorausgesehen haben, dass Mitte April der gesamte Flugverkehr in Nord- und Mitteleuropa wegen eines isländischen Vulkans zum Erliegen kommen würde, dann ist mir diese Prognose doch glatt durch die Lappen gegangen. Gefunden habe ich allerdings ein paar der üblichen und lächerlichen astrologischen Erklärungsversuche im Nachhinein …

Zum Beispiel auf astrologie.de: Dort hatte bereits am 18.4. Gabrielle Moog den Kleinstplaneten Astraea als „Verursacher“ des Flugverbots ausgemacht, ihr Kollege Andreas W. Höschen widersprach nur einen Tag später:

Da braucht es meines Erachtens keineswegs eine von den hauptsächlichen Themen nur ablenkende „Beschwörung“ eines Asteroiden wie Astraea zur Erklärung, wie eine geschätzte Kollegin es hier vor einigen Tagen vorschlug.

Natürlich brauchte es Astraea nicht, denn das Herr Höschen hatte ja schon Ende März für das „Schicksalsjahr 2010“ alles Mögliche  vor sich hin gemurmelt:

Es geht also um möglicherweise plötzliche und unerwartete radikale und explosive Umwälzungen, welche Wirtschaft und Gesellschaft ganz praktisch und real betreffen.  […]

Da Saturn und das Steinbockzeichen, in welchem sich Pluto aufhält, auch ganz direkt die Materie bedeuten, enthält diese Konstellation durchaus auch die Möglichkeit zu schweren Erschütterungen der Erde selbst:
Erdbeben, Vulkanausbrüche …

Haiti und Chile waren vielleicht noch nicht „alles“.

Immerhin widersteht der Mann der Versuchung, die Nennung des Wortes „Vulkanausbrüche“ als exorbitanten Treffer für sich zu reklamieren – stattdessen verweist er auf seine weiteren Texte, in denen er ähnlich obigem Zitat bedeutungsschwanger vor sich hin schwurbelt (… und die er offensichtlich immer wieder nachträglich untereinander verlinkt). Er findet natürlich auch ein Datum, aus dem er die Aschenwolkenflugverbote nachträglich noch sehr gut erklären kann (Hervorhebung von mir):

Denn die Opposition von Saturn und Uranus wurde Ende April zum vorletzten Male exakt. am 27. 4. um 0 h 23 MESZ – zum ersten Male zeitgleich mit den ebenfalls schon bestehenden Quadraten zu Pluto.

Gefallen hat ihm offensichtlich auch die Erklärung seines Kollegen Holger L. Faß, der die Flugausfälle jedoch mit den Gestirnsständen zu einem ganz anderen Datum begründet (Hervorhebung von mir):

Die Umkehr des Planeten Merkur fand exakt am 18. April 2010 um 06:05 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit statt. […] Wir schauen nämlich, ob Merkur in diesem Moment Verbindungen zu anderen Planeten eingegangen ist. Das ist der Fall: es gab ein Quadrat zu Mars. […] Mars wiederum ist ein Planet der Schnelligkeit. […]  Tatsächlich bremst der im Erdzeichen stehende, rückläufige Merkur uns besonders dort aus, wo es schnell gehen soll. Fies. Denn da trifft uns die Zwangspause am meisten. Schauen wir uns aber ergänzend noch einen anderen Faktor an, der üblicherweise für den Flugverkehr herangezogen wird: Uranus, Planet des Himmels und ebenfalls der Schnelligkeit. Auch er ist an Ketten gelegt: aktuell beschert uns der Kosmos eine Konfrontation zwischen Uranus und Saturn, wobei Saturn als Bremser bekannt ist.

Im Newsletter des Allgeier-Verlags ist derVulkanausbruch natürlich ebenfalls Thema. Immerhin: die Allgeiers hätten ihre Newsletterempfänger vorab irgendwie warnen können, denn sie begründen das Ganze mit einem weiter zurück liegenden Datum (Hervorhebung von mir):

Am 20.3.2010 kurz vor Mitternacht fand nun zwar kein Erdbeben statt, aber die Erde brach in Island auf.

Für  Olaf Staudt ist die Flugasche natürlich nur ein weiterer Beleg für die universelle Gültigkeit seiner Astrologie. Zumindest schreibt er das in seinem aktuellen Newsletter, denn tatsächlich hatte er in einem früheren Newsletter den 13. und 14. April erwähnt …

Am 13. wird ein Halbsextil zwischen Uranus und Neptun exakt, zusätzlich aktiviert durch einen Neumond am 14. (siehe Abb. rechts). […] Die Erfahrung hat gezeigt, dass Verbindungen dieser beiden kollektiven Planeten häufig mit Naturkatastrophen wie Erdbeben, Stürmen und Tsunamis korrelieren, […]. Unglücksfälle im Zusammenhang mit der Luft- oder Schifffahrt bzw. Wasser allgemein sind weitere mögliche Entsprechungen.

Die Konstellation ist den ganzen März und April hindurch wirksam.

… und auch wenn er am Ende die „Wirksamkeit“ seines Datums noch fix auf 2 Monate ausdehnt, für ihn passt es natürlich trotzdem:

Der Eyjafjalla wurde am 14. April aktiv.

Nö, wurde er nicht – zu diesem Zeitpunkt hatte er schon ein paar Tage lang Asche gepustet und Lava gespuckt. Hier lag der Allgeier-Newsletter wohl besser – obwohl das andererseits sowieso völlig schnurz ist. Es ist ja offenbar egal, zu welchem Datum sich Astrologen ein Horoskop anschauen: Im Nachhinein findet sich immer eine passende Konstellation – egal für was.





Alles Lug und Trug …

17 05 2010

… behauptet eine Frau namens Birgit über ihre Zeit als Kartenlegerin bei irgend einem Esoterikportal. Das Ganze ist nicht wirklich überraschend und die potentiellen Kunden werden durch solche Selbstbezichtigungen wohl auch nicht davon abgehalten ihr Geld weiter den esoterischen Abzockern in den Rachen zu werfen. Die zwölfminütige Beichte bei Domian in 2 Teilen:

(gefunden bei esowatch)





Hilfe! Homöopathische Zwangsbehandlung durch Eyjafjallajökull!!

21 04 2010

Es gibt kein Entrinnen! Ein Kommentator in einem eigentlich eher astrologisch orientierten Forum hat die wirkliche und echte  Vulkanverschwörung entdeckt:

Es könnte sich die Frage für astrol. Homöopathen stellen, ob der feine Vulkanstaub, der über Europa in der Luft liegt, nicht einer homöopathischen Gabe entspricht. Die Luftströme könnten energetisch wie eine Verschüttelung wirken. Spagyrische Verfahren der Verdünnung (Vergeistigung) haben sich als sehr wirksam erwiesen.

WAAAAS? Ich werde, nein wir alle werden homöopathisch zwangsbehandelt!!!!! Von einem Vulkan!!!! Und warum schreitet da niemand ein? Wo sind die Verschwörungstheoretiker, die einen sofortigen Einsatz der Chemtrail-Flieger fordern, damit sich nicht die unten angegebenen Symptome flächendeckend ausbreiten?

Geist & Gemüt
· Beschwerden durch Entrüstung. SY, B
· Gefühl der Hilflosigkeit. SY, B
· Antriebslosigkeit. Trägheit. B
· Keine Motivation. B
· Lustlosigkeit. B
· Gleichgültigkeit gegenüber allem. B
· Schweres Gemüt, depressiv. B
· Grosse Hoffnungslosigkeit. B
· Bedürfnis alleine zu sein. B
· Traurig, niedergeschlagen, melancholisch. B
· Gefühl von innerer Leere. B
· Gefühl von Überforderung durch den Alltag. Es ist mir alles zu viel. B
· Gesteigertes Mitgefühl für Schicksale / Situationen anderer. B
· Sehr empfindlich auf ungerechtes Verhalten ihm oder anderen gegenüber. SY,B
· Erträgt keine Ungerechtigkeit. SY, B
· Starke Konzentrationsschwierigkeiten. B
· Gedächtnisprobleme, v.a. Kurzzeitgedächtnis. Vergesslich. B
· Schwierigkeiten mit Denken, kann nicht klar denken. B
· Benebelt / blöde im Kopf. Stumpfsinn. B
· Mühe, die richtigen Worte zu finden. B
· Schnell gereizt und ärgerlich. B
· Ein Gefühl wie weit weg von sich selbst. Es ist, als ob nur seine Hülle anwesend wäre.
· Wie nicht ganz da im Leben, sondern wie noch am Erwachen/Schlafen. B
· Erschöpfung und Müdigkeit. SY, B

Besonders das letzte Symptom hat sich erst letzte Nacht wieder bei mir eingestellt – nachdem ich bis Mitternacht eine wichtige Kundenpräsentation überarbeitet hatte – ein absolut eindeutiger Beweis! Es muss einfach an der Vulkanasche liegen, wenn ich nach einem arbeitsreichen Tag erschöpft und müde bin!

Aber es kommt noch viel schlimmer, denn wenn man die Arzneimittelprüfung zur Heklalava liest, dann droht uns allen noch viel mehr Ungemach … …  hier nur fünf von vielen noch nicht genannten, uns allen drohenden Symptomen (… und nur aus der Reihe der wichtigsten und  fettgedruckten):

Haut: Juckreiz an diversen Körperstellen. (S. 10)

Kopf: Chronischer Kopfschmerz (S. 4)

Mund und Zähne: Trockenheit im Mund (S. 6)

Magen: Viel Durst auf kaltes Wasser (S. 7)

Allgemein: Abneigung gegen Telefonieren (S. 11)

Und alles stimmt! Habe vor wenigen Minuten mit einem überraschend unwirschen Bekannten telefoniert, der all diese Symptome zeigte weil er mangels Heimflugmöglichkeit die letzten 3 Tage ohne vernünftige Dusche – weitgehend – in einer Flughafenbar verbracht hat …

Es gibt nur einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer: Die Asche der Zwangshomöopathikation stammt ja vom Eyjafjallajökull – ganz sicher ist die Asche energetisch und homöopathisch und auch sonst irgendwie doch ein ganz klein wenig anders – immerhin hat der Berg ja einen eigenen Namen, da muss doch auch die Wirkung ganz gewiss und hoffentlich ganz bestimmt ein wenig anders sein!





Astraea war’s – nicht Eyjafjallajökull!

19 04 2010

Jetzt ist es endgültig raus: Der isländische Vulkan mit dem schönen Namen Eyjafjallajökull ist absolut unschuldig an den derzeit herrschenden Flugverboten in ganz Europa. Das wäre ja noch schöner, wenn man aus einem solchen Ereignis nicht sofort irgendwelche Verschwörungstheorien zusammenbasteln könnte …

Hier werden groß angelegte Antiterror-Maßnahmen und Notstandsübungen vermutet, dort ist irgendwie die NATO beteiligt und in dem von zoon politikon berichteten Verschwörungstheorien soll gar die Landung von Außerirdischen vorbereitet oder verschleiert werden.  Inzwischen werden in den Kommentaren zu einem neuen Artikel bei den selbst ernannten Infokriegern immer schwerere Geschütze aufgefahren, wobei ein sich möglicherweise veränderndes Magnetfeld ebenso erwähnt werden wie der Beginn einer neuen Weltordnung.

Dabei ist es doch eigentlich gaaaaanz anders. 117 km „groß“ ist der Asteroid, der laut Gabrielle Moog’s Artikel auf astrologie.de vom Sonntag Vormittag den Flugverkehr an den Boden fesselt:

Ganz einfach: im Vollmondhoroskop (wirksam meist ab ca. 10-14 Tage vor dem exkten Vollmond) für den 28. April steht Astraea in Konjunktion mit Uranus und zwingt den Flugverkehr (Uranus) unbeweglich am Boden zu bleiben, wie sie es damals tat, statt zu den Göttern in den Himmel aufzusteigen.





2 E-Petitionen und google

14 04 2010

Gibt es jemanden, der noch nie google mit irgend einem Namen (vielleicht auch dem eigenen) gefüttert hat? Ich vermute ja eher nein – und manchmal ist das Ergebnis einer solchen Suche ja irgendwie entlarvend …

Als ich vor ein paar Wochen über die Kämmtrail-Verschwörer und ihre – inzwischen nicht mehr zeichenbare – E-petition berichtete, hatte ich mir für die Petitionsliste einen Link angelegt. Jetzt habe ich dort wieder einmal nachgeschaut … … und zwei – nun ja – interessante Petitionen gefunden.

In dieser geht es um die Heilpraktikerprüfung. Der Petent möchte erreichen, dass man bei einer Wiederholung der Prüfung vom schriftlichen Teil (einem Ankreuztest, bei dem 75% der Fragen richtig beantwortet sein müssen) befreit wird, wenn man diesen schon bei einem vorherigen Versuch – wie auch immer – bestanden hat. Ob der Petent selbst von diesem – bei Uniprüfungen völlig normalen – Procedere betroffen war, darüber kann man natürlich nur spekulieren, seine Begündung ist jedenfalls völlig lächerlich. In der dazugehörigen Diskussion wird ihm dann auch tüchtig der Marsch geblasen.

In der zweiten Petition geht es um das Heilmittelwerbegesetz. Das gilt ja nicht nur für Arzneimittel und Medizinprodukte, sondern es findet auch Anwendung wenn sich bei der Werbung für irgendein Produkt (§ 1 Abs.1 Satz 2)  …

… die Werbeaussage auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhaften Beschwerden bei Mensch oder Tier bezieht […].

Im Klartext heißt das eigentlich nur, dass man beim Werben mit Gesundheitsversprechen sich eben diesem Gesetz zu unterwerfen hat und es sich nach § 3 des Gesetzes immer dann um eine irreführende Werbeaussage handelt, wenn

Arzneimitteln, Verfahren, Behandlungen, Gegenständen oder anderen Mitteln eine therapeutische Wirksamkeit oder Wirkungen beigelegt werden, die sie nicht haben,

Doof ist das natürlich immer dann, wenn man mit solchen Ausagen gerne werben möchte, es aber keinerlei Beleg für die Gesundheitsversprechen gibt. Zum Beispiel für irgendwelche Wasseraufbereitungsmaschinen für mehrere hundert Euros wie diesen IonQuell Wasser-Ionisierer (man beachte das Impressum) oder für irgendwelche Mittelchen zum „Entschlackungsschwachsinn„, die es in diesem Laden bzw. im dazugehörigen Webshop gibt (man beachte das zugehörige Impressum).

Stattdessen möchte der Petent lieber folgenden Paragraphen lesen:

Gestattet sind Hinweise auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften bei Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln, Verfahren, Behandlungen und Gegenständen ohne Bezug auf die in der Anlage bezeichneten Krankheiten, wenn sie bei üblichem Gebrauch keine schädigenden Wirkungen haben.

Jo, genau! Anstatt dass der Anbieter seine Werbebehauptungen belegen muss, soll er also nur nachweisen müssen, dass sein Zeugs bei „üblichem Gebrauch“ nicht schädlich ist? Vermutlich wird als erste die Zigarettenindustrie reagieren, den „üblichen Gebrauch“ mit „nicht anzünden“ definieren und ihre Nichtmehrglimmstengel als Beruhigungsmittel in Streßsituationen bewerben.

Und wohin führte die Namenssuche über google? Zu einem Matheprof (der nichts mit den Petitionen zu tun hat) und vielen Schwurbeltexten, absurden Produktangeboten und hanebüchenen Beiträgen in einigen Blogs: dieser Petent scheint wirklich nichts unversucht zu lassen, seinen Unsinn unter’s Volk zu bringen. Zum Glück ist die Resonanz auf seine Petition bisher äußerst mager.





Zeig’s uns Mr. White! Hol`dir den Nobelpreis!

27 03 2010

„Eliyantha Lindsay White“ lautet der wohlklingende Name eines Mannes, den Mahinda Rajapakse – so heißt der Präsident von Sri Lanka – seit vielen Jahren gut kennt. Mr. White bezeichnet sich selbst als Arzt, ja sogar als Leibarzt des Präsidenten, und er will nun viele britische englische Fußballfans glücklich machen, indem er den derzeit verletzten Superstar David Beckham binnen kurzer Zeit von seiner schweren Sportverletzung heilt. Schaffen will er das – laut einer aktuellen Meldung im Focus – mit Heilkräutern, Meditation und einer speziellen Ernährung, denn der Mann betreibt ayurvedische Medizin – also nicht . Die Behauptung von Mr. White verspricht ja Vieles:

„Seine Verletzung kann leicht behandelt werden. Innerhalb von drei Tagen wird er in der Lage sein, wieder zu spielen“

OK, ich bin kein Arzt, aber dass eine gerissene Achillessehne durch Heilkräuter, Meditation und eine spezielle Ernährung binnen 3 Tage wieder so zusammenwächst, dass sie die hohen Belastungen des Profifußballs „klaglos erträgt“, das glaube ich nicht. Jetzt hoffe ich, dass der Kickerstar tatsächlich das Angebot annimmt und nach Sri Lanke fliegt – und ich wette, dass – falls dieses eintritt – zum Einen Beckham nicht binnen dreier Tage wieder wird Fußball spielen können und zum Zweiten Mr. White bestimmt eine lächerliche Ausrede dafür präsentieren wird, warum es in diesem Falle nicht geklappt hat.

Ansonsten: Los Mr. White! Zeigen sie was sie können – und falls David Beckham ncht mitspielen will, täglich gibt es weltweit mit Sicherheit genug Menschen, denen bei einer solchen – oder ähnlichen – Verletzung geholfen werden muss. Der Medizinnobelpreis ist ihnen sicher, wenn sie das wirklich können …





Nachtrag zum Tag der Astrologie

24 03 2010

Am vergangenen Samstag war ja – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – der „Tag der Astrologie“. Zwar wies der Deutsche Astrologenverband auf seiner Webseite auf diesen Tag hin, aber die Ankündigung „Rund um diesen Tag führen viele der insgesamt 33 Regionalstellen des DAV besondere Veranstaltungen durch.“ wird durch den Veranstaltungskalender konterkariert: Lediglich 3 Veranstaltungen (und davon zwei nicht am 20.) berufen sich auf diesen Tag. Sogar auf dem „Informationspool“ Astrologie.de fand sich nur ein einziger Artikel, der diesen Tag (ganz am Ende) erwähnte, und dessen Titel mich durchaus erstaunte:

Hat die Verschiebung der Erdachse Einfluss auf die Astrologie?

Im Artikel wird zu Beginn auf eine Meldung aus der Frankfurter Rundschau (über die vom Erdbeben in Haiti ausgelösten, minimalen Verschiebungen der Erdachse um 8 cm) verwiesen – aber warum dieser erwähnt wird bleibt im weiteren Verlauf  schleierhaft. Der Autor erklärt nämlich lediglich den Unterschied zwischen – astrologischen – Sternzeichen und – astronomischen – Sternbildern, erwähnt die Präzession der Erdachse und erklärt dann – vollkommen richtig:

Wir sehen schon, dass moderne Astrologen keine Beziehung zwischen den Sternansammlungen am Firmament und dem Tierkreis annehmen.

Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber immerhin wird sie auch mal von Astrologenseite öffentlich erwähnt. OK, in Lehrbüchern zur Astrologie wird das in der Regel auch erklärt, aber gegenüber den Kunden verschweigen die Astrologen meiner Erfahrung nach fast ausnahmslos, dass die Sternzeichen schlicht und einfach keine Entsprechung am Himmel haben. Im nächsten Satz fehlt dann allerdings das 5. Wort („willkürlich“):

Der Tierkreis ist eine Einteilung des Sonnenjahres in einen Zwölfer-Rhythmus, er beschreibt die Planetenbahnen in ihrem Lauf durch das Sonnensystem von der Erde aus gesehen.

Äh, na ja. Der Tierkreis ist gerade – willkürlich – so gemacht worden, dass alle Planeten auf jedem Punkt dieses zweidimensionalen „Kreises“ irgendwann erscheinen (also haben alle aus Sicht des Tierkreises die „selbe Bahn“). Dass dies nichts mit der Realität zu tun hat, Abstände zu den Planeten ebenso ignoriert werden wie Bahnabweichungen von der Ekliptik, das verschweigt der Autor natürlich ganz dezent. Immerhin kriegt er noch die Kurve zur verschobenen Erdachse …

Solange ein Erdbeben die Erde nicht „aus der Bahn wirft“, solange stimmen die Aussagen der Astrologie.

… und liefert dann die übliche astrologische Selbstbeweihräucherung. Dabei war die ganze Erdachsengeschichte doch gar nicht notwendig, denn die Aussagen der Astrologen stimmen ja bekanntlich immer, auch wenn sie das falsche Horoskop, den falschen Tierkreis oder völlig unsinnige Geburtsdaten benutzen …

Florian Freistetter nahm den Astrologietag zum Anlass und kommentierte einen aktuellen Artikel aus dem gleichen Informationspool der Astrologin Birgit von Borstel. Das nicht gerade überraschende Ergebnis lautete, dass die Dame außer einer Menge Schwurbelei nichts zu ihrem selbstgewählten Thema „Wissenschaft vs. Astrologie“ beitragen kann, da sie schlicht und einfach keine Ahnung von Wissenschaft und ihrer Methodik hat. In ihrem aktuellen Artikel fehlt allerdings die ansonsten unter Esoterikern so beliebte Erwähnung der Quantenmechanik … … aber das hatte Frau von Borstel ja auch gar nicht mehr nötig, denn  das hatte sie ja bereits im Januar 2007 unter dem fast gleichen Titel „Wissenschaft vs. Astrologie“ erledigt:

Das ganzheitliche System der Astrologie und das Paradigma der Wissenschaft von einem mechanistischen Universum schließen sich grundsätzlich gegenseitig aus. Dieses Paradigma wird übrigens auch moderneren Thesen wie der Teilchenphysik nicht mehr gerecht – die Quantenmechanik konnte z.B. nicht von der klassischen Mechanik abgeleitet werden, da sie voraussetzt, dass die Materie gleichzeitig Aspekte des Teilchens wie auch des Wellenverhaltens aufweist.

Teilchenphysik und Quantenmechanik gehören also nicht zum Paradigma der Wissenschaft? Diese Erkenntnis dürfte diversen Physikern ziemlich neu sein! Den letzten Abschnitt ihres damaligen Textes mag ich übrigens am liebsten, ist er doch ein weiteres Paradebeispiel für die einzige Disziplin, in der ich vielen Esoterikern wahre Meisterschaft zugestehe: Die wahllosen Verknüpfung vermeintlich bedeutsamer Buzzwords zu völlig sinnfreien und lächerlichen Texten. Der Abschnitt beginnt ein wenig wirr, denn zumindest mir ist vollkommen unklar, welche alten Theorien sich hier wem oder was öffnen sollen:

Vielleicht ist es doch nur noch eine Frage der Zeit, bis die Astrologie bis sich die Wissenschaft einer Erweiterung der alten Theorien über die Welt öffnet.

Es folgt ein Buzzwordsatz mit Globalisierung, Klimawandel und irgendeinem „Wandel des Bewusstseins“, der natürlich nichts mit Astrologie zu tun hat …

Die fortschreitende Globalisierung und Themen wie der Klimawandel tragen zumindest einen Teil zum Wandel des Bewusstseins bei, dass alles miteinander verbunden ist.

… gefolgt von der nicht unüblichen Rechtfertigung der Astrologie mittels der Erwähnung der Psychologie (… wobei natürlich hartnäckig verschwiegen wird, dass es für die Astrologie eben keine empirischen Belege gibt):

Bis dahin kann man Astrologie wie gehabt unter empirischen Gesichtspunkten betrachten, ähnlich wie die Psychologie. Und mit dieser wissenschaftlichen Zunft harmoniert sie ja wunderbar, […]

Ach wirklich? Nee, das tut sie wirklich nicht! Vielleicht solte man vor einer solchen Behauptung einfach mal einen Psychologen fragen? Diesen Text hatte ich schon mal verlinkt, tue es aber immer wieder gerne.

[…] wenn man für diese Verbindung offen ist.

Nö, das harmoniert nur dann, wenn man bedingungslos an die Astrologie glaubt und sich von der wissenschaftlichen Psychologie endgültig verabschiedet hat.