… ganz kurz und ohne Schnickschnack in folgender Szene:
Wer’s ein wenig ausführlicher mag, der kann ja dem britischen Comedian Matt Kirshen lauschen:
… ganz kurz und ohne Schnickschnack in folgender Szene:
Wer’s ein wenig ausführlicher mag, der kann ja dem britischen Comedian Matt Kirshen lauschen:
Eines der schwachinnigsten Themen aus dem reichhaltigen Fundus der Verschwörungstheoretiker sind die so genannten „Chemtrails„. Irgendwie sollen über die Kondensstreifen von Flugzeugen irgendwelche Substanzen oder Nanopartikel großflächig verteilt werden um irgendwie ganz superböse die Menschen oder das Wetter oder was auch immer zu manipulieren. Für Verschwörungstheoretiker ist es natürlich viel einfacher, daran zu glauben, dass zigtausende von Piloten, Servicetechniker auf Flughäfen, Hersteller der Chmikalien bzw. Nanopartikel und so weiter alle absolut verschwiegen sind, als die Ergebnisse der – reichhgaltig vorhandenen – wissenschaftlichen Forschungen zu diesem Thema anzuerkennen. Wobei die Wissenschaftler selbstverständlich auch in die Verschwörungstheorie eingeweiht sein müssen, denn warum sonst würden sie die Wahrheit über die bösen Chemtrails in ihren Forschungsergebnissen so beharrlich unterschlagen?
Eine Schwäche hat der ganze Chemtrailschwachsinn sowieso: Bisher habe ich noch nicht einmal von einem Kronzeugen gehört, einem aus der Riege der zigtausend Beteilgten, der irgend einen Beleg dafür liefern könnte, dass diese – natürlich nicht genannten – Chemikalien oder Nanopartikel (oder beides?) tatsächlich an dem ein oder anderen Flugzeug heimlich aus den von den Chemtrailverschwörern genannten Gründen appliziert wurden. Das macht aber nichts, denn es gibt ein anderes „Argument“, das mindestens ebenso eindrucksvoll erscheint und das man leicht binnen weniger Minuten selbst erzeugen kann. Und das geht so:
Da steht jetzt zwar nichts von Chemtrails, aber genau das ist mit „Geoengineering“ gemeint. Und für die Verschwörungstheoretiker ist das wirklich ganz toll, denn jetzt steht das Thema sogar auf einer offiziellen Regierungsseite. Und auch wenn Verschwörungstheoretiker ja den bösen Mächtigen immer irgendwie alles zutrauen und ihnen permanent Vertuschungen und Lügen vorwerfen, eine „offizielle“ Erwähnung der Verschwörungstheorie auf einer Regierungsseite gilt als absoluter Beweis dafür, dass an der Sache doch irgendetwas dran sein muss. Das meint auch ein Mensch aus der Community eines (nicht eingetragenen) Vereins von Hobby-Verschwörern in ihrem Forum (hier die unschöne Kopie auf WebCite®):
ich find die petition super… wird wahrscheinlich den kurs der regierenden nicht ändern, aber wenigstens kann man jetzt auf eine petition verweisen die auf einer regierungsseite steht …
Ist das nicht herrlich? Und es wird sogar noch besser: Wird die e-Petition abgeschmettert oder gar gelöscht, dann kann man weiter auf die böse Regierung schimpfen, die das Thema – wieder einmal – unter den Teppich gekehrt bzw. schlicht und einfach „wegzensiert“ hat.
Ob ich jetzt auch eine e-Petition erstellen soll? Immerhin verschwinden – nicht nur bei mir zu Hause – immer wieder einzelne Socken und ich fordere deswegen die Bundesregierung auf, sich endlich einmal um die Erforschung dieser – unter Skeptikern ja fast schon sprichwörtlichen – Sockenmonster zu kümmern und endlich Gegenmaßnahmen gegen diese Viecher einzuleiten. Es ist doch wirklich ein Skandal, dass man die Bevölkerung weiter darunter leiden lässt. Die Zahl der täglich verschwindenden Einzelsocken geht sicher in die Tausende und alleine der finanzielle Schaden für die Bevölkerung (die ja Geld für neue Sockenpaare ausgeben muss) dürfte sich pro Jahr auf mehrere Millionen Euro beziffern lassen. Das liegt eindeutig daran, dass die sockenproduzierende Industrie und der dazugehörige Handel durch gezielte Lobbyarbeit diese dringend notwendigen Forschungen verhindert sowie bereits besetehende Forschungsergebnisse unterdrückt. Es wird Zeit, dass sich das endlich ändert, deshalb wird meine Petition wohl so lauten:
Der Deutsche Bundestag möge beschließen , daß die in vielen Waschmaschinen offensichtlich beheimateten „Sockenmonster“ endlich grundlegend erforscht und diese Forschungeergebnisse veröffentlicht werden, um der leidenden Bevölkerung endlich effektive Gegenmaßnahmen zu ermöglichen.
Ich war übrigens letzte Woche wieder betroffen, dieses Mal hat’s eine meiner Wundersocken erwischt! Bei der einzureichenden Petition könnte ich also genau so – wie Kommentatoren aktuell bei der Chemtrail Geoengineering-Petition – Zeugnis ablegen. Klar, dank des blauen Himmels sieht man Kondensstreifen, vor denen man sich fürchten kann, weil in diese irgendetwas „hineingesprüht“ worden sein soll, und genau das wird in meinem Lieblingsbeitrag aus dem Forum auch erwähnt:
Bei uns das gleiche, gestern abend Sternenklarer Himmel, gestern den ganzen Tag blauer Himmel und heute Morgen fingen sie schon wieder an erst vor der Sonne zu Sprühen und mittlerweile fliegen sie in Formation nebeneinander und ziehen dicke Streifen
Ob das daran liegen könnte, dass ein Flughafen in der Nähe ist?
Raum: frankfurt
Dacht‘ ich’s mir doch …
… und zwar aus den Töpfen der Bundesanstalt für Arbeit in die Taschen der einzigen, für die Annahme von solchen Bildungsgutscheinen bisher zertifizierten, Sternenschwurbelausbildungsstätte. Jetzt berichtete die Hamburger Morgenpost darüber, und über diesen Artikel ist ganz aktuell etwas bei Astrodicticum Simplex zu lesen (… bin mal gespannt, was aus dem Interview mit der Zeitung wird, das Florian dort ankündigt). Etwas ausführlicher geht übrigens die Webseite der Kursveranstalterin selbst auf die zwei jetzt aus Steuermitteln geförderten Damen ein. Im Artikel geht es dabei zunächst um das Urteil des Bundesverfasungsgerichts zu Hartz IV und Frau Fritsch ordnet dieses Urteil zunächst mal astrologisch ein
Nimmt man die Unterzeichnung des Grundgesetzes als Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland, so ergibt sich eine interessante Radix zur Betrachtung der Qualitäten dieses Landes:
Bundesrepublik Deutschland
Unterzeichnung des Grundgesetzes, 23.05.1949, 17:00 Uhr, Bonn
Die Berufung, Mitgefühl zu entwickeln (MC im Krebs), wird von einer starken Neptunstellung in Konjunktion zum Aszendenten im 12. Haus und im Trigon zum AC-Herrscher Venus untermauert. Im Bewusstsein ist nicht immer alles so klar, wie es erscheint, wohl ist aber die Stimmung von starker Empathie und dem Wunsch nach Harmonie im Umgang miteinander geprägt. Da nicht immer alles so klar ist (rückläufiger Merkur) bedarf das Grundgesetz offenbar starker Hüter, also eines Verfassungsgerichts, das in wichtigen Fragen entscheidende Klärung schafft, um Neptun auf den richtigen Weg zu bringen und Dinge deutlich zu machen.
Ein herrlicher Text! Reine Leere – und natürlich erklärt sie nirgendwo, warum sie gerade dieses Datum benutzt (wie lange dauerte die Unterzeichnung denn? Hat sie um 17:00 Uhr begonnen oder geendet? Und warum hat sie nicht die folgende Mitternachtsstunde genommen, denn da trat das Gesetz in Kraft…), wobei dies bekanntlich sowieso egal sein dürfte.
Vor dem Interview mit den beiden Damen, deren Ausbildung jetzt auch von meinen Steuern bezahlt wird, wird kurz auf deren Lebenslauf eingegangen, aber diesen möchte ich wirklich nicht kommentieren. Gegen Ende werden die beiden dann nach Tipps gefragt „für den Umgang mit der Arbeitsagentur bzw. Arge, um an den Bildungsgutschein zu kommen“. Klar, für die Ausbildungsstätte ist es sehr wichtig, dass man noch mehr Leute in Selbstbetrug ausbilden und sich dies vom Steuerzahler bezahlen lassen kann. Während die erste Dame da noch auf ganz profane Überredungskünste gesetzt zu haben scheint…
Ich denke, es ist ganz wichtig, den Mitarbeitern bei den Behörden klar zu machen, dass es sich hier um einen seriösen Beruf mit Zukunftsperspektiven handelt, der vielfältige Möglichkeiten bietet. Es zeichnet sich im Moment ja schon der Trend ab, dass die seriöse Astrologie immer mehr Akzeptanz finden wird.
… will die andere keine Ratschläge geben …
Leider kann ich keinerlei konventionelle Ratschläge geben, da es bei mir anscheinend ganz anders gelaufen ist als bei den meisten, mit denen ich bis jetzt geredet habe oder von denen ich gehört habe.
… hat aber trotzdem eine Vermutung für ihren Erfolg:
Aber ich bin wohl auch die Einzige, die generell bei Behördengängen in der Wartezeit still für sich Licht-Meditation betreibt.
Und? Hat’s geholfen?
Tatsächlich bin ich in der Folge dann auch immer sehr kooperativen Sachbearbeitern zugeteilt worden.
Wow! Ein Wunder! Kooperative Sachbearbeiter dank Lichtmeditation – das ist doch wirklich der Tipp des Tages! Man sollte die Dame allerdings fragen, welche Art der Licht-Meditation denn dafür angewendet werden muss – bei google liefert das Stichwort immerhin ca. 246.000 Ergebnisse …
Vielleicht bin ich ja zu doof dafür, aber irgendwie schaffe ich es nicht das knapp viertelstündige Video mit Michael Shermer hier einzubetten – dann muss ich die ca. 15 Minuten halt einfach verlinken Michael Shermer redet sehr schnell, ist der Herausgebers des Skeptic Magazine, kommentiert regelmäßig im „Scientific American“ und hat einige interessante Bücher geschrieben. Im jetzt endlich eingebetteten Video erklärt er mit was sich Skeptiker so beschäftigen (der Titel „Why people believe strange things“ ist meines Erachtens nicht so ganz passend) und stellt am Ende noch eine spezielle, wissenschaftlich korrekte Strophe zu Katie Meluas Hit „Nine Million Bycicles“ vor. Im Original singt sie:
We are twelve billion light years from the edge – That’s a guess
No one can ever say it’s true – but I know that I will always be with you
Den 12 Milliarden Jahren wagte Simon Singh, der damals gerade sein insbesondere für interessierte Laien sehr schön zu lesendes Buch „Big Bang“ herausgebracht hatte, zu widersprechen und Katie Melua outete sich daraufhin als ehemals begeistertes Mitglied des Astronomieclubs, entschuldigte ihr Versehen (das natürlich aus lyrischen und metrischen Gründen durchaus verzeihlich war) und sang für Simon Singh die Strophe neu:
We are 13.7 billion light years from the edge of the observationable universe – that’s a good estimate with well-defined error bars
And with the available information I predict, that I will always be with you
Ich geb‘ ja zu, dass die 2. Version ein wenig holprig ist, aber dafür richtiger – man kann eben nicht alles haben (… gerade einige meiner absoluten Lieblingspopsongs von Peter Gabriel oder Kate Bush haben höchst esoterische Texte – z.B. „More than this“ oder „Cloudbursting“ …).
Und hier der Link: Michael Shermer on strange beliefs
„Die zehn verrücktesten sozialen Netzwerke“ lautete eine der heutigen Überschriften bei Shortnews, aber diese Meldung war doch zu kurz, als dass man Näheres zu diesen verrückten Netzwerken lesen konnte. In der Originalmeldung bei d-news ist da schon wesentlich mehr zu finden und man erfährt, dass es ein soziales Netzwerk für Bartträger ebenso gibt wie eines für Vampirfans mit Gothicfaible (mit immerhin über 2 Millionen Registrierungen). Obwohl ich es ziemlich unsinnig finde, sich in immer mehr dieser Netzwerke anzumelden und dann doch nicht mitzubekommen was da so läuft (… weil man sich ja noch um seinen Blog, Twitter und die 27 anderen Netzwerke kümmert …) haben dann doch zwei aus der Liste mein Interesse geweckt.
Als erstes habe ich mich bei nclüdr umgesehen, denn dort wird wirklich etwas tolles versprochen:
nclüdr is the social network where everyone and everything is your friend.
Na herrlich, aber was bedeutet das? Auf der Startseite gibt’s auch eine kurze Erklärung: „Tired of only having 60, 100, 200 friends? nclüdr is the most awesomest ultimate social network ever.“ Man soll also schnell ganz, ganz viele Freunde kriegen? Der nächste Satz wird dann noch besser:
upload photos or publish notes • get the latest news from your friends • post videos on your profile • tag your friends • use privacy settings to control who sees your info • NOT WITH nclüdr!
OK, die letzten 3 Worte sagen eigentlich alles und auch das Testimonial einer unter dem Namen „Robert E. Lee“ firmierenden Reiterstatue zeigt um was es hier tatsächlich geht: I believe this to be a fine social networking website. Of course, I must admit here in public that I don’t know what social networking is exactly …
Nicht ganz so gefaked scheint das „Wir segnen uns“-Spielchen auf der Line for Heaven (klar, das darf man mit Himmelsstrich übersetzen). Dort kann man sich kostenlos anmelden und – eben – andere Leute segnen. Dafür kriegt man sogar etwas, nämlich einen Karmapunkt. Für eine Beichte gibt’s deren 5 und wenn man weitere Personen für das Netzwerk wirbt gibt es noch viel mehr Karmapunkte (50) – und alle bringen seinen „Besitzer“ näher zu Gott. Und wenn man den ganzen Tag so um sich herum gesegnet und zwischendurch ein wenig gebeichtet hat, es aber immer noch nicht reicht mit den Punkten, dann haben die Betreiber noch einen ganz traditionellen Weg des Punkteerwerbs im Programm, den sie 1:1 beim mittelalterlichen Ablaßhandel abgekupfert haben:
Need to move up faster in line? Send us a buck and you’ll get 10 Karma points. Send us two and we’ll give you 20 Karma points… get it?
You will get 10 Karma Points added to your account for each US dollar donated.
Am Preis merkt man sofort, dass das nicht ernst gemeint sein kann, denn so billig kann der Weg zu Gott wirklich nicht sein. Als Atheist kann mir das eh egal sein, aber jetzt frage ich mich, was ich mit meinem Karmapunkt machen soll, den ich gleich nach dem Anmelden erworben habe, in dem ich mich selbst gesegnet habe … … das geht nämlich auch, zumindest ein Mal täglich.
Der Text auf der Startseite der Gruppe Wir-gemeinsam liest sich harmlos und erinnert an altbekannte Utopien:
Suchst du einen Weg deine Persönlichkeit zu verwirklichen, innerhalb einer Gemeinschaft? Ist es dein Traum dich selbst zu versorgen und unabhängig zu sein und somit in den Genuss von Freiheit zu kommen?
Der zweite Satz ist wirklich schön: Natürlich ist es ein schöner Traum, unabhängig und frei zu sein – aber ist man es dadurch, dass man sich selbst versorgt? Aber es geht ja noch weiter …
Hier ist es möglich, diesem Traum nachzugehen, indem wir Orte aufsuchen die für Menschen mit diesem Traum wie geschaffen sind, durch Anbau von Nahrung über den Respekt zur Natur, zu den Tieren und zu uns selbst. Lasst uns gemeinsam Lebensinseln suchen und schaffen um diesen Traum wahr werden zu lassen. ~
Ziel dieser Gruppe ist es also, solche Inseln zu suchen (und natürlich zu finden) bzw. zu schaffen. OK, ein schöner Traum nach dem Motto „Zurück zur Natur“, der noch ein wenig weiter ausformuiert wird:
Lasst uns unsere eignen Häuser errichten, legen wir eigene Felder an, entwickeln wir uns in eine friedliche Zukunft, seien WIR einfach frei. ~ Gemeinsam ist alles möglich.
Klingt ja alles wunderbar! Ich habe durchaus ein Faible für Leute, die ihren Weg abseits des Mainstreams suchen und Utopien haben ihren Charme, auch wenn ich diese allgemein formulierten und höchst unkonkreten Zielsetzungen für grenzenlos naiv halte. Eigene Häuser errichten? Eigene Felder anlegen? Tolle Idee, aber für Beides braucht man doch erstmal ein wenig entsprechendes Knowhow, sonst geht das Ganze schlicht und einfach in die Hose. Respekt vor der Natur? Klar doch! Friedliche Zukunft? Unterschreibe ich sofort! Einfach frei sein? Moment, was bedeutet das eigentlich genau? Ist dann jeder einzelne frei? Oder nur die eigene Gruppe? Und frei von was eigentlich? Reicht da wirklich ein „Gemeinsam ist alles möglich“? Man könnte zum Beispiel darauf hinweisen, dass die Bewirtschaftung eigener Felder zumindest zur Folge hat, dass man weitgehend frei von Freizeit sein wird, denn Landwirtschaft (natürlich ohne die böse Chemie) ist ein Knochenjob. Neu ist dieser Ansatz sowieso nicht, bei der Graswurzelrevolution klingt das ganz ähnlich, wenn man die Kapitalismuskritik und das Sozialismusziel überliest, denn die
bezeichnet eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung, in der durch Macht von unten alle Formen von Gewalt und Herrschaft abgeschafft werden sollen. Wir kämpfen für eine Welt, in der die Menschen nicht länger wegen ihres Geschlechtes oder ihrer geschlechtlichen Orientierung, ihrer Sprache, Herkunft, Überzeugung, wegen einer Behinderung, aufgrund rassistischer oder antisemitischer Vorurteile diskriminiert und benachteiligt werden. Wir streben an, dass Hierarchie und Kapitalismus durch eine selbstorganisierte, sozialistische Wirtschaftsordnung und der Staat durch eine föderalistische, basisdemokratische Gesellschaft ersetzt werden. Schwerpunkte unserer Arbeit lagen bisher in den Bereichen Antimilitarismus und Ökologie. Unsere Ziele sollen – soweit es geht – in unseren Kampf- und Organisationsformen vorweggenommen und zur Anwendung gebracht werden. Um Herrschafts- und Gewaltstrukturen zurückzudrängen und zu zerstören, setzen wir gewaltfreie Aktionsformen ein.
… und auch die Graswurzler waren bei weitem nicht die ersten hierzulande, die sich den Einklang mit der Natur auf die Fahnen geschrieben hatten.
Nun wäre eine Webseite von Nachwuchsträumern an sich nicht erwähnenswert, aber schon ein Blick auf die Seite mit den bereits gefundenen „Lebensinseln“ bietet ein etwas anderes Bild. Neben durchaus interessanten Projekten (z.B. die Genossenschaft auf Schloß Tonndorf) wurden auch die „Zwölf Stämme“ aus Deiningen, eine streng bibeltreue Splittergruppe, die sich aus religiösen Gründen weigert ihre Kinder in öffentliche Schulen zu schicken, verlinkt. Sollte wirklich diese Art von „Freiheit“ gemeint sein? Ansonsten umfasst die Liste diverse Biobauernhöfe und andere Versuche alternativer Lebensentwürfe – ein roter Faden ist nicht zu entdecken, Hauptsache irgendwie „anders“.
Einen großen Teil der Webpräsenz bildet die „DokuTheke“. Eine Motivation dafür, warum man dieses oder jenes Video verlinkt hat sucht man zwar vergebens, aber ich vermute mal, dass auch hier einfach alles verlinkt wurde was irgendwie „anders“ zu sein vorgibt. Und „anders“ scheint hier zu bedeuten, dass – mit ganz wenigen Ausnahmen – mindestens Esoterisches und/oder eine Verschwörungstheorie, in jedem Fall aber absolut Irreales und Schwachsinniges, dabei sein muß. Nur so lässt sich dieses Panoptikum des Wahnwitzes erklären.
Das fängt schon ganz oben in der links auf der Startseite zu findenden DokuTheke an, denn dort findet sich – wenig verdächtig – das AZK Archiv. „AZK“ steht für „Anti-Zensur-Koalition„, ein Name der ja gar nicht schlecht klingt, der sich aber bei näherem Hinsehen als eine Gruppe abgedrehter Verschwörungsschwurbler um den Schweizer Sektenführer Ivo Sasek entpuppt. Auf den AZK-Treffen wurden auch die 25 verlinkten Videos gedreht, und da wird schon mal (fast) nichts ausgelassen: Mondlandungsverschwörer, fanatische Impfgegner, Chemtrailbefürchter, usw. usf. – nichts scheint zu bescheuert, als dass man es nicht in einen „anderen“ Lebensentwurf einbauen könnte. So richtig eklig wird’s aber, wenn Scientologen Werbung für ihre Sekte machen und Holocaustleugner ihre braune Gülle verspritzen dürfen. Ein gewisser „Czechbot“ hat für die Zeitung „der Freitag“ seine Erlebnisse bei einem Treffen der AZK sehr schön beschrieben …
Unter „Gesundheit & Genesung“ kann man sich nochmal die ARD-Sendung „Heilung unerwünscht“ anschauen. Der wirkliche Skandal um diese „Dokumentation“ wird allerdings gar nicht erwähnt, denn dieser betraf eben nicht die böse Pharmaindustrie (… die sich nicht meiner besonderen Sympathie erfreut) sondern es ging um schlechte Recherche in Verbindung mit schamloser Eigenwerbung des vermeintlichen Enthüllungsjournalisten: alles detailliert nachlesbar mit vielen Links und Hinweisen bei der Stationären Aufnahme. Ist das noch vergleichsweise harmlos fallen andere Videos eher unter die Kategorie hirnlos, denn auch HIV/AIDS-Leugner werden verlinkt – und die widerliche „Neue Germanische Medizin“ des Antisemiten Ryke Geerd Hamer, die erst kürzlich wieder einmal den Tod eines Kindes zu verantworten hatte.
Unter „Wissenschaft“ gibt’s Desinformationen zu „Der Energie Irrtum – Erdöl und Erdgas sind unerschöpflich“, und ausgerechnet unter „Verschwörungen“ scheint „Der letzte Beweis – Todesstreifen am Himmel (Chemtrails)“ am beliebtesten zu sein (seit wann gibt es Beweise bei Verschwörtungstheorien?). Neben viel Maya-Geblubber (unter „altes Wissen„), und einem Video zu „Freie Energie & Levitation“ (Vormachen bitte!) fehlen auch Quantengefasel („J.J. Hurtak: Bewusstsein und Quantenkohärenz“) und – streng kreationistisches – Evolutionsbashing eines bibeltreuen Predigerclowns („Walter Veith – Kreation aka Evolution – Saeugetiere im Wandel“) nicht. Schon blöd, dass die Bitte von Jörg Wipplinger so oft ignoriert wird …
Und so geht’s munter weiter. Neben den bereits erwähnten unsäglichen Videos werden die Bücher des Kopp-Verlags, braune Verschwörungssoße und die Internet-TV-Sender jeet.tv und secret.tv empfohlen – um auf der Seite von wir-gemeinsam aufgeführt zu werden muss etwas scheinbar entweder besonders dummdreist, besonders falsch oder besonders unwissenschaftlich sein, wobei es nicht schadet, wenn’s ein wenig oder etwas mehr bräunlich schimmert. Die wenigen Ausnahmen (ja, es sind auch ein paar Videos verlinkt, die ich gut finde … … z.B. das Nachrichtenvideo von Charlie Brooker) wirken in diesem Umfeld eher verstörend.
Am besten gefiel mir übrigens, dass sich letzte Woche in der „Shoutbox“ von wir-gemeinsam folgender Dialog verfolgen liess (wobei ich vermute, dass der „Weltwolf“ eine mir bekannte Person aus den Reihen der Rhein-Ruhr-Skeptiker ist):
Weltwolf : Warum haben die Durchgeknallten mehr Zulauf als die Vernünftigen?
WIR-Redaktio : weil sich noch zu viele Menschen vom lautesten Geschrei, der größten Wortblase (Versprechungen) und dem schillernden Katzengold beeindrucken lassen, statt dem Flüstern des wahrhaft EINfachem zu lauschen und zufrieden zu sein
Weltwolf : Wir-gemeinsam, das sind die, die sich vom lautesten Geschrei, der größten Wortblase und dem schlillernden Katzengold (Versprechungen) beeindrucken lassen, statt dem Flüstern des wahrhaft Einfachen zu lauschen.
WIR-Redaktio : wie kommst du zu diesem Schluss/Einschätzung?
Weltwolf : Wir beschäftigt sich mit Wortblasen bzw. Versprechungen (siehe freie Energie), mit lautem Geschrei (Verschwörungstheorien) und hört nicht auf das Flüstern des Einfachen sondern verstrickt sich in komplizierte Widersprüche.
Statt einer Antwort gab’s einen anderen Kommentar …
Jens-L : alles Easy hier herrscht Meinungsfreiheit 🙂
… gefolgt von einem der üblichen, sinnlosen und schon tausend mal in verschiedener Abart gehörten Esoteriksätze
Jens-L : und nur weil man etwas für unmöglich hält heißt es ja nicht das es so ist 🙂 die Natur selbst ist ne freie Energie-Maschienerie wieso sollte das nicht auch umsetzbar sein in Form von Technik
Ach ja, Jens-L: Nur weil man etwas für möglich hält (und es sich vielleicht wünscht), muss es das nicht tatsächlich geben … … sobald irgend jemand die „freie Energie“ (oder was auch immer) demonstriert hat, dann kann man ja weiter reden. Bis dahin hat solches Gefasel bestenfalls den Wahrheitsgehalt des Märchens vom Froschkönig … (oder behauptet tatsächlich jemand, das sei ein Tatsachenbericht gewesen, wobei der Frosch eigentlich ein Reptiloid gewesen sei, der durch den Kuss der Prinzessin zu einem Adonis mutierte …)
Auf der Webseite von der Computerzeitschrift PC-Welt gibt es aktuell einen sehr schönen Artikel über eine ganz spezielle Art der Zukunftsprognose. Unter dem Motto „Für Männer, die über das Morgen hinausplanen“ warb die Whiskeymarke „Seagram“ in den 40-er Jahren mit einer ganzen Reihe von Spekulationen über zukünftige Technologien, die man – aus heutiger Sicht – als weitgehend zutreffend bezeichnen kann. OK, das gilt glücklicherweise nicht für alle Utopien der damals offensichtlich sehr technikgläubigen Werbefritzen, denn ob man wirklich die Wüsten mittels Atomkraftwerken in blühende Landschaften verwandeln sollte, darüber könnte man trefflich streiten. Andere der vorausgesagten technischen Neuerungen sind heute längst im Alltag angekommen – entweder genau so wie es die schönen alten Bilder zeigen oder doch zumindest in verblüffend ähnlicher Form:
Unter den weiteren, vorausgesagten Innovationen befinden sich die von den heutigen Flughäfen bekannten Laufbänder, Bildtelefonie, Flachbildschirme in Kneipen und das wunderscöne Zukunftsbüro, bei dem ledigklich das Design der Geräte nicht dem heutigen Geschmack zu entsprechen scheint. Insgesamt wirklich sehr schöne „Prognosen“ mit einer „Trefferquote“, die Hellseher, Wahrsager und Astrologen vor Neid erblassen lassen müsste, denn deren Trefferquote scheint im Vergleich dazu lächerlich gering.
Die Überschrift im Ärzteblatt klingt ja richtig eindeutig:
Britische Politiker fordern Verbot der Homöopathie
Aber all den Verdünnungsfreaks sei gesagt, sie ist so nicht ganz richtig. Wie man der ausführlichen Stellungnahme des Parlamentsauschusses entnehmen kann geht es lediglich darum, homöopathische Mittel aus dem Leistungskatalog des NHS (National Health Service) zu entfernen. Die Gründe werden in der verlinkten Stellungnahme aufgeführt und sind natürlich ein wenig trocken formulier. Die britischen Homöopathen finden das erwartungsgemäß gar nicht gut und zeigen in ihrer Antwort, dass sie beim Lesen des Reports (275 Seiten) noch nicht auf Seite 7 (bzw. Seite13 im pdf) angekommen sind.„The committee did not entertain evidence of effectiveness, which is actually what patients care most about. “ kann eigentlich nur bedeuten, dass die Abschnitte zum Thema „The distinction betwen efficiacy and effectiveness“ und die folgenden Beschreibungen des Placebo-Effekts von der British Homeopathic Association entweder nicht gelesen oder nicht verstanden wurden.
Schöner (und kürzer) ist natürlich diese von dem Engländer Jake Archibald stammende und von Astrodicticum Simplex übersetzte Metapher zum Verdünnungswahnsinn. Die erklärt an einem einfachen Beispiel sehr schön wie Gespräche zwischen freundlichen Skeptikern und aktiven Glaubulisten üblicherweise ablaufen …
Diesem Video, das eben bei Astrodicticum Simplex verlinkt wurde, ist wirklich nichts hinzuzufügen – außer vielleicht eine gute deutsche Übersetzung:
Eine selbst ernannte Schamanin und Wahrsagerin namens Madame Sophia muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Baden-Baden verantworten. 630.000 Euro soll sie ihren Kunden abgeknöpft haben und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind durchaus heftig: gewerbsmäßiger Betrug und Erpressung(!!). Einer ihrer Verteidiger – laut dem verlinkten Spiegel-Artikel wird sie gleich von mehreren „renommierten Strafverteidigern“ vertreten – hat natürlich auch etwas zu ihrer Verteidigung vorzutragen:
„Sie hat magische Fähigkeiten, ist in ihrer Sippe als Schamanin anerkannt und schon in mehreren TV-Sendungen aufgetreten“
Magische Fähigkeiten? Los, zeigen! Bin schon mal gespannt, welche Fähigkeiten das sind! Und die Liste der TV-Sendungen wüsste ich ja auch gerne – wahrscheinlich Astro-TV oder ein ähnlicher Abzock-Sender. Aber vielleicht besteht ihre Magie ja darin, Geld verschwinden zu lassen? Bisher hat die Staatsanwaltschaft jedenfalls nichts von der Beute dem von den Kunden ganz sicher freiwillig gespendeten „Energieausgleich“ gefunden. Ob das den „renommierten Strafverteidigern“ zu denken gibt? Immerhin wollen die doch gerne bezahlt werden …
Ansonsten sind das wieder einmal die üblichen Geschichten, bei denen Menschen in Lebenskrisen schamlos ausgenutzt und abgezockt werden. „Wer an so etwas glaubt, wurde auch nicht getäuscht“, soll einer ihrer Anwälte noch gesagt haben … …. der Zynismus hinter dieser Aussage wird nur noch von der Gier seiner Mandantin getoppt: Die hatte nämlich zwischen 2005 und 2007 auch noch unberechtigterweise Arbeitslosengeld kassiert …
Update (4.2.): Das Landgericht hat überraschend bereits gestern ein Urteil gefällt und auf die vier weiteren angesetzten Prozesstermine verzichtet: 5 Jahre Haft!
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