Ganz kurz: Maischberger und noch ’ne Lottoauswertung

7 01 2010

Über die Maischberger-Sendung vom 5.1. (Seher und Propheten) haben sich die Welt, die Frankfurter Rundschau und der Esowatch-Blog bereits geäußert, ich selbst hab‘ mir die Sendung erst jetzt in kleinen Dosen zugemutet. Über die Seherinnen erübrigt sich jeder Kommentar – wem nichts besseres einfällt als einen Krankenhausaufenthalt des Papstes (irgendwann in der Zukunft) oder die Brille von Frau Merkel (trägt sie schon länger zum Lesen) zu prophezeien, der macht sich selbst lächerlich. Wen dieser komische Pastor in der Sendung genervt hat (das dürfte die Mehrzahl der Leser hier sein), dem empfehle ich folgende, kurze Therapie: Diesen Link anklicken (… hab‘ ihn korrigiert – irgendwie hat’s beim ersten Mal nicht funktioniert), dann auf der Webseite ganz links unten zu den Videos und Hörbeispielen spazieren und das 2. Video von oben aus Herrn Nitschkes Bestsellermenu anklicken … .

Neben dem Ergebnis des astrologischen Lottotest gibt es noch eine weitere Lottoauswertung zu erwähnen: In der RTL-Sendung „Die Prophezeiung 2009“ hatte ein afrikanischer Wahrsager sieben Lottoglückszahlen für das abgelaufene Jahr genannt – und wieviele Treffer damit gelandet? Keinen Einzigen! . Cimddwc hat nicht nur die damalige Sendung protokolliert, er hat das jetzt auch ausgewertet. Dieses Versagen ist übrigens durchaus überraschend, denn die Wahrscheinlichkeit dafür, mit 7 Zahlen im gesamten Jahr nicht ‚mal einen schäbigen Dreier zu erzielen liegt bei gerade mal 3,8% … … oder wollte der Mann die deutschen Lottospieler nur auf eine falsche Fährte locken um mit den richtigen Zahlen dann umso mehr absahnen zu können? RTL sollte mal nachprüfen, ob sich der Mann jetzt nicht zufällig ungeahnten Reichtums erfreut.





Zufall besser als Astrologie – das Ergebnis des Lottotests

7 01 2010

Im Juni letzten Jahres hatte ich  das astrologische Lottexperiment von Herrn Wolters vorgestellt, dessen Ergebnis nun vorliegt. Herr Wolters hatte mit einem Computerprogramm namens KME (Kosmophänologische Muster Erkennung) für alle Lottoziehungen zwischen Mai und Dezember 2009 vorab jeweils 1o „Gewinnzahlen“ ermittelt und seine Hypothese lautete, dass er häufiger Gewinne erzielen würde, als dies statistisch zu erwarten wäre. Das Programm KME nutzt für die Erzeugung der Zahlen spezielle astrologischer Berechnungen, die Herr Wolters in jahrelanger Forschungsarbeit selbst entwickelt hat.

Mir imponiert bis heute, dass Herr Wolters den Mut aufbrachte sein – wissenschaftlich ordentlich konzipiertes – Experiment nicht nur auf seiner Homepage zu veröffentlichen, sondern sogar die GWUP und mich selbst darüber per Mail zu informieren. Bisher gibt es leider viel zu wenige Astrologen, die es wagen ihre Behauptungen einem ordentlichen, wissenschaftlichen Test zu unterziehen.

Die Gewinnzahlen aller Lottoziehungen zwischen Mai und Dezember habe ich also brav gesammelt und  nicht nur mit den vorab veröffentlichten Zahlenreihen von Herrn Wolters, sondern auch mit 10 durch Nutzen der Zufallszahlenfunktion in Excel erzeugten „Zufallszahlenreihen“ abgeglichen. Damit eine Zahlenreihe ein signifikantes Ergebnis (bei einem Signifikanzniveau von 5%) erzielt mussten bei den 68 Ziehungen mindestens 11 Treffer* erzielt werden … … das Ergebnis von Herrn Wolters ist eindeutig:

Herr Wolters konnte kein signifikantes Ergebnis erzielen. In 68 Ziehungen brachten die mittels KME erzeugten Zahlenreihen genau 6 Treffer. Dies entspricht ziemlich genau der Zufallserwartung (der Erwartungswert für die Anzahl an Treffern lag bei 6,14).

Unter den 10 Zufallsreihen, die ich zu Beginn des Tests erzeugte, lag die Anzahl der Treffer zwischen 2 und 11 (!!). Eine meiner Zahlenreihen hätte also tatsächlich ein signifikantes Ergebnis geliefert … … wenn sie denn die einzige überprüfte Zahlenreihe gewesen wäre. Dies zeigt sehr schön, was man bei einen solchen Test nicht machen sollte: So lange testen, bis irgend eine Testreihe ein signifikantes Ergebnis liefert und die anderen Testreihen unter den Tisch fallen lassen. In diesem Fall müsste ich um die Hypothese „meine Excelzufalllottozahlen haben signifikant mehr Treffer als per Zufall zu erwarten wäre“ eben alle Zahlenreihen betrachten – und dann wäre das Ergebnis wiederum nicht signifikant (69 Treffer bei 680 Lottoziehungen; signifikant wäre es ab 75 Treffern gewesen), obwohl „meine“ Trefferzahl (also die Trefferzahl des Zufallszahlengenerators) mit 69 doch ein wenig über dem Erwartungswert von 61,38 Treffern lag.

Bereits am 6. Setember hatte Herr Wolters übrigens in seinem Forum einen längeren Beitrag zum Zwischenstand seines Tests geschrieben. Damals hatten seine KME-Zahlen gerade zum 4. Mal (bei 35 Ziehungen) einen Treffer erzielt – und wie er selbst erkannte schien ein signifikantes Ergebnis eher unwahrscheinlich. Allerdings begann sein Text mit einem – fast schon typischen – Fehler, denn er schrieb:

Zählt man die ersten 7 Gewinne mit, die KME bis Anfang Mai produziert hat, dann ist es mit der Nullhypothese jetzt schon Essig, doch habe ich diesen Zeitraum für meine Beobachtungen genommen und die Prognosen deshalb nicht veröffentlicht.

In einem echten Test ist es völlig irrelevant, wieviele Treffer bei irgendwelchen Testläufen vorab produziert wurden. Das Spannende ist ja gerade, dass man alle Rahmenbedingungen des Experiments vorab definiert und festlegt und eben nicht weiß was am Ende herauskommt. Ich glaube Herrn Wolters, dass sein Programm in den ersten 4 Monaten des letzten Jahres 7 Treffer erzielt hat und er dadurch bei den Ziehungen von Jahresbeginn bis einschließlich 5. September bei immerhin 11 Treffern (bei 71 Ziehungen) gelandet wäre. Aber wäre und hätte zählen nicht, sondern nur die tatsächlichen Testergebnisse – und dafür müssen die Parameter (z.B. Beginn und Ende des Tests; Anzahl der Ziehungen) eben vorab festgelegt werden. Es ist also müßig darüber zu diskutieren, dass eine Auswertung von Jahresbeginn bis zum 5.9. nur ganz knapp an einem signifikanten Ergebnis vorbeigeschrammt wäre (die Wahrscheinlichkeit für bis zu 10 Treffern bei 71 Versuchen liegt bei 94,7% – für 11 oder mehr bei 5,3%, 11 Treffer wären also in diesem Fall ganz knapp nicht signifikant, da in diesem Fall ja 3 Ziehungen mehr betrachtet werden müssen … … aber ein solches Ergebnis wäre natürlich trotzdem sehr interessant gewesen und hätte – bei Bestätigung des Ergebnisses in weiteren Tests – selbstverständlich Anlass für weitere Forschungen gegeben!!). Im „Ernstfall“ würde übrigens auch ein signifikantes Ergebnis dazu führen, dass man dieses zunächst  zu replizieren versucht, um ein Zufallsresultat auszuschliessen. Dass man zufällig richtig liegen kann hat ja eine meiner Zufallszahlenreihen gezeigt.

Interessant ist, was Herr Wolters zum Thema Zufall sonst noch schreibt:

Mit den Zufallsreihen ist das nämlich so eine Sache. Es ist ganz schön verzwickt.
Aus der Sicht des Astrologen sind Zufallsreihen ebenso spannend wie erheiternd, denn wenn man genügend Zufallsreihen erzeugt,
dann wird eine dabei sein, welche die Zeitqualität über einen abgegrenzten Zeitraum recht gut widerspiegelt.

… oder wie meine Zufallszahlenreihe die Lottozahlen …

Genau das war über Jahre mein Riesenproblem. Bei Herrn Kunkels Zufallsreihe 5 habe ich genau diesen Verdacht.

… der die Frage aufwerfen könnte, ob die „Zeitqualität“ nicht generell ebenso zufällig ist wie meine Zufallszahenreihe …

Er wird bestätigt sein, wenn eine seiner Zufallsreihen – wahrscheinlich die Reihe 5 – am Jahresende 11 Treffer oder mehr verzeichnet.

Dass eine meiner Zufallsreihen ein signifikantes Ergebnis liefert hatte ich gar  nicht erwartet, denn darum ging es in diesem Test nicht. Erst jetzt habe ich mal ausgerechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war mit einer meiner Zufallszahlenreihen ein signifikantes Ergebnis zu erzielen: 33,9% **.  Also war die Chance mit einer von 10 solchen Zufallsreihen ein „signifikantes Ergebnis“ (… das – wie oben kurz dargelegt – allerdings einen schwerwiegenden methodischen Fehler beinhaltet) zu erzielen bei ca. 1/3.  So  bleibt nur, dass Herr Wolters die Trefferzahl meiner Zufallsreihe 5 ziemlich genau vorausgesagt hat, wobei die Zufallsreihe dieses „Ziel“ nur dadurch „schaffte“, dass ihr der Zufall in den letzten 6 Lottoziehungen höchst unwahrscheinliche 3 Treffer (die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt 1,2%)  bescherte …

Herrn Wolters bleibt es natürlich unbenommen, einen neuen Testlauf zu starten. Vielleicht möchte er sein Programm ein wenig anpassen, oder er möchte – wie von ihm ebenfalls erklärt – einen anderen, ggf. längeren Testzeitraum betrachten. Ich bin gerne bereit, ihn auch bei einem neuen Versuch zu begleiten. Allerdings sollten die Bedingungen – wie auch bei diesem Test – vollständig vorab festgelegt werden. Ich bin gespannt, ob Herr Wolters einen weiteren Test starten wird.

*ein wenig Statistik zur Erklärung:

Die Wahrscheinlichkeit, mit 10 Zahlen im so genannten 10er-Vollsystem mindestens einen Gewinn zu erzielen (also mindestens 3 Richtige unter den 10 gewählten Zahlen zu haben) liegt bei 0,0903 oder ca. 1/11. Da die einzelnen Ziehungen unabhängig sind, kann für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit der zu erzielenden Treffer (bei einem gegebenen Signifikanzniveau von 5%) die Binomialverteilung genutzt werden. Das geht übrigens in Excel ganz einfach und schnell, da es dort eine entsprechende Funktion gibt …

Mit der Binomialverteilung kann berechnet werden, wie wahrscheinlich es ist eine bestimmte Anzahl von Treffern (k) bei einer vorgegebenen Anzahl von Versuchen (n) und einer bekannten Trefferwahrscheinlichkeit (p) zu erzielen. Man berechnet nun die die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man k oder mehr Treffer erztielt – liegt diese Wahrscheinlichkeit für ein zu findendes k unter 5%, dann ist das Ergebnis signifikant.

Um die Nullhypothese (Alles nur Zufall) abzulehnen muss man zunächst ausrechnen, ab wie vielen Treffern (bei einer vorgegebenen Anzahl von Versuchen) die Wahrscheinlichkeit unter 5% fällt. Dies kann man in Excel einfach mit der Funktion BINOMVERT(k;n;p;X) ausrechnen, wobei X noch angibt, ob man ein kumuliertes Ergebnis (X = 1; dies liefert die Wahrscheinlichkeit höchstens k Treffer bei n Versuchen zu erzielen) oder ein Einzelergebnis (X = 0; damit erhält man die Wahrscheinlichkeit dafür, genau k Treffer bei n Ziehungen zu erzielen).

Im vorliegenden Fall berechnet man BINOMVERT(k;68;0,0903;1) für verschiedene k, bis man einen Wert erhält, der größer als 95% (also 0,95) ist. Für k=10 erhält man 95,94% – das bedeutet, dass 11 oder mehr Treffer nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 4,06% (also weniger als 5%) zu erwarten sind – das ist schon ziemlich selten, aber (s.o.) das kann vorkommen (mit 2 Würfeln eine Doppelsechs zu würfeln ist ähnlich unwahrscheinlich, trotzdem kommt es immer mal wieder vor dass jemand 2 Würfel zur Hand nimmt und sofort eine Doppelsechs erzielt).

** Berechnung mit Excel: 1- BINOMVERT(0;10;0,0406;0)





Prognosen 2010 (Teil 5): Deutschland wird Fußballweltmeister …

6 01 2010

… natürlich nur, wenn die einzige mir bisher bekannte entsprechende Voraussage von Sunil Kumar Das auch tatsächlich eintrifft. Für den Lokalteil Witten der WAZ hat sich der Mann, der eigentlich als Handleser sein Geld erschwurbelt,  astrologisch betätigt und diese allen Fußballfans hierzulande Hoffnung machende Prognose abgesondert. OK, er wusste scheinbar nicht in welche Vorundengruppe die Löw-Kicker bei der WM in Südafrika gelost wurden, aber das ist bei dem prognostizierten Ende ja sowieso völlig egal.

In der Thüringer Allgemeine vom 31.12.09 (Seite TCMZ131; der Artikel ist leider nicht online verfügbar) ist die Wahrsagerin Astrid Fuhrmann nicht ganz so optimistisch:“ Ein Platz unter den ersten dreien dürfte drin sein.“ raunt sie und verweigert den Deutschen die Titelprognose ebenso wie ihre Augsburger Kollegin Ramona Kreis, die meint das deutsche Team würde „sehr weit kommen, aber nicht Weltmeister.“ Mehr wollte sie dazu nicht sagen …

Die Karten von Sybille Wiese wollen den deutschen Kickern auch keinen WM-Titel versprechen, aber immerhin geht’s mindestens ins Achtelfinale, wenn auch „nur über Umwege„.  Ob sie damit einen – nicht unwahrscheinlichen – Stau auf dem Weg ins Stadion meinte? Da war die internationale Wahrsagerriege in der RTL-Sendung „Die Prophezeiung 2009“ doch wesentlich optimistischer: Halbfinale (Hexenmeister Tuwani aus Südafrika),  Chancen auf Halbfinale und vielleicht mehr (Selina Nenzhelele, auch aus Afrika) und sogar Finale (Leopoldas Malinauskas liest aus den Karten den 1. oder 2. Platz) wurde den Fußballfans versprochen.

Warten wir’s ab und vergessen dabei nicht, dass die ganze WM sowieso nur ein gigantisches Ablenkungsmanöver der Mächtigen ist, die uns über die Medien manipulieren. Das muss so sein, denn so hat es ja Thomas Ritter aus uralten Palmblättern in pseudonaiver Formulierung aus seinen früheren Prognosen kopiert herausgelesendingst:

Im Jahr 2010 wird die Aufmerksamkeit der Menschen durch die Manipulation der Medien vor allem auf sportliche Ereignisse gerichtet werden. Vor allem im sechsten und zu Beginn des siebten Monats 2010 wird der Sport alle Schlagzeilen beherrschen. Mit Berichten über ein sportliches Ereignis im Süden Afrikas, an dem die ganze Welt teilhat, sollten die Menschen von ihren Problemen abgelenkt werden. Doch dieser Plan der Mächtigen wird nicht aufgehen. Die Wettkämpfe werden bereits im Vorfeld und auch während ihrer Durchführung von schweren, gewaltsamen Unruhen überschattet, mit denen die Armen auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Diese Proteste werden eine überaus scharfe Reaktion der Mächtigen nach sich ziehen, welche ihre wahren Absichten verrät.

Aha! Immerhin werden die mächtigen Superbösewichte durch ihre Reaktion ihre wahren Absichten verraten … … vielleicht sollte Herr Ritter aber erst einmal verraten, wen er überhaupt meint, wenn er – wie schon in den letzten Jahren – verschwörerisch von „den Mächtigen“ faselt.





Prognosen 2010 (Teil 4): Sternenschwurbeleien für die Börse

3 01 2010

Im Wirtschaftsressort auf heute.de, in der Welt und in der Schweizer Zeitschrift Cash durften sich Astrologen zum kommenden Börsenjahr äußern. Wie üblich trauen sich die Sterndeuter kaum irgendwelche nachprüfbaren Prognosen zu, ein Ausblick auf das Börsenjahr aus Sicht der Astrologen ist aber trotzdem interessant.  Gleich doppelt vertreten ist übrigens Winfried Noé, der seine Börsenkompetenz Ende 2007 in der Zeitschrift „Euro am Sonntag“ mit folgender Prognose manifestierte „2008 wird ein stabiles Börsenjahr, der DAX steigt bis Jahresende um fünf bis neun Prozent.“ OK, dass der DAX mit 8045 Punkten startete und zum Handelsende 2008  gerade mal 4810 Punkte aufwies, daran dürfte sich Herr Noé höchst ungern erinnern. Für 2009 war mir keine ähnliche Prognose von ihm bekannt, aber er selbst behauptet natürlich, dass sein Timing in Börsendingen 2009 durchaus spektakulär war:

Zu seiner Leidenschaft aber hat sich das Geschehen an den Märkten entwickelt. Kein Wunder: Wo könnte ein Blick in die Zukunft mehr wert sein als an der Börse – vom Lotto mal abgesehen? Noé mag keine Zahlen nennen, doch für sich persönlich ist er mit dem Anlagejahr 2009 recht zufrieden. „Ich bin im Februar in die Märkte eingestiegen.“ Nicht schlecht – Anfang März markierte der Dax bei rund 3600 Punkten sein Jahrestief, von dem aus er in einer beispiellosen Rallye zuletzt sogar die Marke von 6000 Zählern erreichte.

Soweit der Artikel aus der „Welt“ zu Noé, den ich ab jetzt als Quelle [1] bezeichnen werden.  Quelle [2] ist der kurze Text aus Cash, der den Schweizer Astrologen Claude Weiss zitiert,  und [3] der Artikel auf heute.de (der sich leider nicht nach WebCite überführen liess) in dem neben der Autorin des Buches „Brigitte Astrologie„, Roswitha Broszath, wieder Winfried Noé zu Wort kommt.

Ich versuche das Ganze mal chronologisch zu ordnen, also beginnen wir mit dem Januar: Den Rest des Beitrags lesen »





Prognosen 2010 (Teil 3): Von wegen Weltklasse …

31 12 2009

Am 17. Dezember 2009 gab es im Presseportal OpenPR eine Werbemitteilung des Astrologen Alexander Rostami, die mich natürlich gleich auf seine Webseite mit dem an sich schon sehr paradoxen Namen „gute-astrologie“ führte. Die in der Pressemeldung versprochene Jahresvorschau konnte ich dort zwar nicht finden, aber dafür eine Webseite die entweder auf grenzenloser Selbstüberschätzung oder dummdreiste Werbeübertreibungen schliessen lässt. So sieht also „Astrologie von Weltklasse“ aus: Viel Blabla, noch mehr Selbstbeweihräucherung und kein einziger echter Beleg des behaupteten Könnens.  Aber der Mann muss ja ungeheuer wichtig sein, denn auch seine 2. OpenPR-Werbung zierte ein Foto, das ihn gemeinsam mit einem weltbekannten tibetischen Grinsekasper zeigt. Auf seiner Webseite zeigt er stolz weitere Bilder, die ihn wichtig erscheinen lassen sollen: so wurde er gemeinsam mit der ehemaligen Justizministerin Brigitte Zypries (die den Wahlkreis seines Wohnortes im Bundestag vertritt) und dem ehemaligen Umweltminister Jürgen Trittin abgelichtet. Immerhin gibt er zu den Bildern folgenden Hinweis:

Alexander Rostamí trifft auf seinen Reisen, Einladungen und Vorträgen viele bekannte Menschen. Nicht alle sind seine Klienten und nicht alle glauben an Astrologie. Das gilt auch für die hier abgebildeten.

Hoffentlich gilt das für die beiden Erwähnten! Umwelt- und Rechtspolitik auf Basis von Sternenschwurbeleien würden mir auch im Nachhinein noch Übelkeit verursachen. Aber zurück zu seinen Behauptungen! Wer sich in seiner eigenen Pressemeldung mit dem Satz „Astrologen treffen präzise Vorhersagen“ zitieren lässt, von dem sollte man wohl etwas mehr erwarten können als folgende Aussagen:

  • Anleger müssten im ersten Halbjahr 2010 mit einem deutlichen Nachbeben an den Börsen rechnen
  • Uranus, Saturn und Pluto lassen die deutsche Wirtschaft auch bis 2012 nicht aus ihren Fängen,
  • Die Deutsche Binnennachfrage und das deutsche Konsumklima bleiben im Jahr 2010 trotz der Börsenunruhe unerwartet gut
  • Im Ausland drohten zudem weitere überraschende Staatspleiten

Tja, Herr Rostami, da hätte ich dann doch ein paar Fragen: Den Rest des Beitrags lesen »





Noch eine Rückschau: Überwiegend Bewährungsstrafen für betrügerische Wahrsagerinnen

30 12 2009

Zum Jahresende hat mich ein aktueller Fall zu einer kleinen Übersicht der mir bekannten Verurteilungen von Wahrsagerinnen und Wahrsagern (es waren dieses Jahr keine Männer dabei …) vor deutschen Gerichten des Jahres 2009 motiviert. Das Betrugsschema ist dabei weitgehend gleich, Strafmaß und Schadenshöhe variieren jedoch kräftig.

Ganz aktuell ist ein Fall aus Frankfurt: Wie die lokalen Medien (Offenbach-Post, FAZ und die Frankfurter Rundschau) berichteten hatte die Täterin in diesem Falle die alte Fluchmasche verwendet: Negatives voraussagen und dann gegen Entgeld irgendeinen Abwehrzauber versprechen. In diesem Falle sollte zur Vermeidung des anstehenden Unfalls irgendein Teufel ausgetrieben werden – die 300 Euro für das Ritual waren im Vergleich zu anderen, ähnlich gelagerten Fällen geradezu ein Schnäppchen. Dass die Täterin dann auch noch irgendwelche Schmuckstücke einkassiert und nur gegen die Zahlung von 3000 Euro zurückgeben wollte scheint ihr zum Verhängnis geworden zu sein: 1 Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen versuchten Betrugs und 150 Sozialstunden lautete das Urteil.

In anderen Fällen waren die Urteile der Gerichte wesentlich milder: Ende August war eine – übrigens einschlägig vorbestrafte – Wahrsagerin mit ähnlichen Praktiken in Bonn ebenfalls zu einer Bewährungsstrafe (1 Jahr und 10 Monate) und 150 Sozialstunden verurteilt worden – der Schaden betrug satte 170.000 Euro (!!!) von denen die Täterin lediglich 20.000 Euro an die Opfer zurückzahlen musste. Besonders unappetitlich an diesem Fall: Die Wahrsagerin hatte Heilung von einer schweren Krankheit versprochen und das Opfer hatte sogar einen Kredit über 50.000 Euro aufgenommen um die Gier der Betrügerin zu befriedigen.

Im Juli berichtete der Bonner Generalanzeiger über einen ähnlichen Fall: Damals lag der angerichtete Schaden bei 33.600 Euro und die Täterin wurde zu schlappen 7 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Opfer hat nun einen Kredit von ca. 30.000 Euro am Hals und erhält von der Täterin 4 Jahre lang lächerliche 50 Euro pro Monat …

Gleich mehrmals musste sich das Stuttgarter Landgericht mit einer Wahrsagerin beschäftigen, die ihren Kunden mindestens 180.000 Euro abgenommen hatte. Das Urteil: Eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren und eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten sowie die Erkenntnis, dass sich Gerichte mit solchen  Straftaten wohl doch etwas schwer tun.

Es ist schon seltsam, dass der versuchte Betrug in Frankfurt mit einer fast ebenso schweren Strafe geahndet wird wie z.B. das vollständige Ausnehmen der Opfer in Köln Ende August. OK, die Leichtgläubigkeit der Opfer wirkt sich da in der Regel strafmildend aus – aber warum eigentlich? Geht es hier wirklich „nur“ um Betrug?

Unter Betrug versteht man im strafrechtlichen Sinn ein Vermögensdelikt, bei dem der Täter in rechtswidriger Bereicherungsabsicht das Opfer durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen gezielt so irreführt, dass es sich selbst oder einen Dritten am Vermögen schädigt.

Haben die Täterinnen nicht doch eher versucht sich „durch Androhung eines empfindlichen Übels zu Lasten eines anderen zu bereichern„? Falls ja, dann wäre dies kein Betrug sondern Erpressung, bzw. räuberische Erpressung, da „der Täter der räuberischen Erpressung [sich] die Beute vom eingeschüchterten Opfer übergeben lässt„. Ich bin ja kein Jurist, und ich weiß natürlich, dass die Opfer sich ihre Betrüger bisweilen sogar selbst aussuchen –  aber irgendwie scheint mir die Tatsache, dass die Täter für ihre Opfer in der Regel tatsächlich ein absurdes Bedrohungsszenario aufbauen doch recht wenig gewürdigt.

Ob die Gerichte in Österreich in solchen Fällen härter bestrafen? In diesem Jahr habe ich nur von einem Fall erfahren, und da kann man das Strafmaß durchaus als „etwas höher“ bezeichnen: Ein deutsches Ehepaar, dass seine Kunden auf Esoterikmessen anwarb und um mindestens 80.000 Euro erleichterte, wurde dort im Januar zu 20 Monaten Haft verurteilt (von denen mindestens 4 Monate abzusitzen waren), wobei hier immerhin ein Geständnis strafmildernd berücksichtigt werden konnte … (die Pressemeldung in ganzer Länge gibts dort).





Prognosen 2010 (Teil 2): Palmblattblabla und Banalitätenparade

30 12 2009

So langsam trudeln die Prognosen für 2010 ein, und es zeigt sich mal wieder, dass die Auguren auch für das kommende Jahr nicht in der Lage zu sein scheinen irgendetwas Konkretes vorauszusagen. Ausnahme ist der Palmblattdeuter Thomas Ritter, der auch in seiner Prognose für 2010 nicht auf konkrete Terrorprognosen verzichten möchte. Immerhin hat er seine Terrorprognose für 2010 nicht noch einmal wörtlich aus dem Vorjahr kopiert, denn dieses Mal sollen Flugzeuge mit Raketen beschossen werden und zwar „in der dritten Woche des siebten Monats und der zweiten Woche des achten Monats“ – für die Orte des Unheils fehlt ihm allerdings Phantasie oder eine Deutschlandkarte: Wieder sollen Frankfurt und Berlin leiden. Der Rest seines Textes folgt dem gewohnten Schema und ist dann doch wieder aus seinen früheren Prognosen kopiert und wie gewohnt liefern die Palmblätter die üblichen Schwarzsehereien mit öffentlichen Unruhen überall. Weitere aus den Palmblättern herausgefaselte Aussagen wie „Dieser Mann ist jedoch ein kluger Politiker“ (über Irans Präsidenten Ahmadinedschad), „der US-Dollar , aber auch der Euro werden weiter extrem an Wert verlieren“ (gegenüber welcher Währung denn?) oder „In Europa und Nordamerika treten seit auch 2008 verstärkt bis dahin unbekannte Wetterphänomene wie Wirbelstürme und Starkregen auf. Diese Phänomene sind das Resultat von Experimenten, welche von einigen Nationen, darunter den USA, mit dem Klima veranstaltet werden (sind hier HAARP oder auch die Chemtrails gemeint? – Anm. Thomas Ritter).“  muss man nicht kommentieren: Wer solcherlei Schwachfug tatsächlich ernst nimmt, der hat seinen Verstand wohl gerade in den Urlaub geschickt. Nur so ist es auch zu erklären, dass man es als Leser zwischen den Zeilen immer mal wieder tiefbräunlich durchschimmern sieht … Den Rest des Beitrags lesen »





Bullshitbingo für Atheisten

28 12 2009

Kurz vor Weihnachten über irgend eine Twitternachricht entdeckt: Bullshitbingo für die Diskussion mit Gläubigen aller Art bei LOLGOD:

Ich kann mir schwer vorstellen, dass  es mehr als 5 Minuten bis zum erlösenden „Bullshit“ dauert …





Lieblingsweihnachtsgeschichte – jetzt auf YouTube!

21 12 2009

Eigentlich geht mir der ganze Weihnachtsrummel ja am Allerwertesten vorbei, aber die Familie erfordert dann doch alljährlich ein wenig weihnachtliches Engagement. OK, als Wahrsagercheck bin ich seit der Veröffentlichung der GWUP-Pressemeldung ja durchaus abgelenkt, weil diverse Interviewwünsche befriedigt werden wollen, aber irgendwie muss man sich ja auf die Feiertage vorbereiten. Warum also nicht die Weihnachtsgeschichte anschauen? Heute war es soweit: nachdem die abendliche Ruhe einkehrt war (die Kinder müssen ja morgen früh nochmal in die Schule) füllte ich ein paar Tropfen Talisker 57 in ein Glas, legte meine Weihnachts-DVD ein und erfreute mich an dem Getränk und der Wandlung des Herrn Ebenizer … … nein, nicht Scrooge, sondern Blackadder, die von einem sympathischer Weihnachtsgeist (gespielt von Robbie Coltrane) angestossen wird. Netterweise gibt es Leute, die das Ganze in fünf Teilen nach YouTube geladen haben, so dass diese Bescherung nicht auf DVD-Besitzer beschränkt bleibt:





Meine Wahrsagerpremiere (Update)

20 12 2009
Kleine Erklärung für das zwischenzeitliche Verschwinden dieses Textes
Den folgenden Text hatte ich am 8. Dezember geschrieben und hier veröffentlicht. Der Autor des Planetopia-Beitrags hatte mich gebeten, ihn bis zur Sendung vom Netz zu nehmen, und dieser Bitte bin ich natürlich gerne nachgekommen …

Am Montag war ich fast den ganzen Tag in Köln unterwegs – aber ausnahmsweise nicht beruflich, sondern wegen ein paar Fernsehaufnahmen. Im Rahmen eines Beitrags zum Thema Wahrsager hatte mich die SAT1-Sendung Planetopia kontaktiert und nachdem ich das Treffen des Redakteurs mit einer Wahrsagerin kommentieren durfte (die Frau war sehr nett, beherrschte aber nicht ‚mal einfachste Cold-Reading-Techniken … … und als Ergebnis gab’s viel wirres und überwiegend zusammenhangloses Geblubber) sollte ich in der Fußgängerzone meine Fähigkeiten unter Beweis stellen. OK, ich hatte dem Redakteur vorher gesagt, dass ich solcherlei noch nie gemacht habe und dass andere das viel, viel besser können, aber jetzt musste ich da durch.

Hinter dem Dom standen also der Kameramann, der Assistent, der Redakteur und ich, auf meinen ersten Einsatz als Wahrsager wartend. Der Redakteur versuchte freiwillige Testpersonen zu finden, und gleich die erste zeigte, wie das mit dem Cold-Reading funktioniert. Ich hatte mir – für Menschen, die offensichtlich Ü30 sind – folgende „Eingebung“ zurechtgelegt: „Sie haben in letzterZeit an jemanden gedacht, den sie schon lange, vielleicht viele Jahre lang, nichtmehr gesehen haben.“ Klar, das ist primitivstes Cold Reading, denn eigentlich denktjeder immer mal wieder an irgend Jemanden, den er/sie seit Jahren nicht mehr getroffen hat. Gleich die erste Frau schüttelte erst den Kopf und gerade als ich an meiner Strategie verzweifeln wollte sagte sie „Ja, meine Schwester!“. Ui! Ich war so überwältigt, dass sie genau das tat, was Wahrsagerkunden in solchen Fällen tun (ein diffuses, höchst allgemeines Statement durch eigene Erinnerungen verifizieren), dass ich die Situation gleich aufgelöst habe und mich als Nicht-Wahrsager zu erkennen gab (… ich hatte ja gesagt, dass ich das nicht so einfach aus dem Stegreif kann). Für die Sendung hatte ich noch ein paar weitere Plattitüden ausprobiert und bei den wenigen Versuchen eine durchaus respektable Trefferquote erzielt – zumindest besser als die Profiwahrsagerin beim Planetopia-Redakteur (… das werde ich jetzt natürlich nicht verraten, am 20.12. kann man sich’s anschauen …). Meinen Supertreffer erzielte ich bei einem jungen Österreicher, dem ich  ein sportliches Hobby auf den Kopf zusagte (typisches Coild Reading) und dann mit „Sie spielen Fußball“ (das war geraten, aber für einen Basketballer oder Voleyballer war er einfach zu klein und für einen Handballer fehlten die breiten Schultern) ihn auch wirklich überraschte. Die Vermutung von Narben am Bein war zwar falsch, aber nicht ganz, da er – klar, Fußballer! – blaue Flecken beklagte.

Insgesamt war mein Auftritt als Wahrsager mit Sicherheit ausbaufähig, und ich verspreche, dass ich das weiter üben werde. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht, und ich war überrascht wie die Leute auf meine – für Wahrsagerverhältnisse – grottenschlechte Performance reagierten.

PS: Dass ich in den letzten Wochen hier nichts geschrieben habe lag nicht an mangelnden Themen, sondern an unserem Umzug. Wenn ich die nächsten 10 Kisten im neuen Häuschen einsortiert habe, werde ich mich auch einigen inzwischen aufgelaufenen Kommentaren widmen …