Für 2012 scheinen sich ganz besonders viele Astrologen und Hellseher zu irgendwelchen prognostischen Texten herausgefordert zu fühlen. Noch bevor ich mich um die Printpresse kümmern kann sind es jetzt bereits fast 50 verschiedene Sterndeuter, denen Texte zum neuen Jahr aus der Feder flossen.
Beginnen möchte ich heute mit einem Fachblatt, der Astrowoche. Auf dieser Webseite kann man die Texte von gleich 11 Astrologen und Astrologinnen zum neuen Jahr lesen und das Ganze endet mit folgendem Fazit
Was unsere großen Astrologen der Welt für das Jahr 2012 prophezeien, ist kein düsteres Katastrophen-Szenario. Aber auch keine Schönfärberei. Im Klartext: Die Welt kann sogar besser werden, vorausgesetzt, wir ändern uns.
Ein wenig Untergang folgt dann aber doch, allerdings ein positiver. „Das Unwahrhaftige„, „die Ich-Welt“ und „die Welt von gestern“ sollen nämlich untergehen. Dabei ist der letzte Punkt eine wirklich herrliche Binsenwahrheit. Geht die Welt von gestern nicht jeden Tag „unter“? Leben wir nicht immer – quasi automatisch – in der Welt von heute?
Die Texte der 11 Befragten (die sich erstaunlicherweise gar nicht zur Fußball-EM äußern) enthalten überhaupt außer einer Überdosis Astrologengeblubber weitgehend Belangloses und herrliche Binsenwahrheiten wie diese von Christopher Weidner:
Völker werden sich gegen ihre Machthaber erheben und diese werden entsprechend reagieren, denn sie fürchten nichts so sehr wie den Verlust ihrer Macht.
Bei seinem Kollegen Erich Bauer kommt da auch nur ein wenig mehr Konkretes (Ich bin daher sicher, dass es in der Welt weiter zu Aufständen kommen wird. Auch bei uns in Europa, womöglich sogar in Deutschland.) und bei den meisten anderen (Winfried Noé, Christine Schoppa, Claudia Straub, Jasmin Rachlitz und Konstantin Schott) ist das Ganze ein einziges bedeutungsschwangeres aber absolut sinnfreies Geblubber. Gabriele Sperzel (die das verlinkte Engelhoroskop zu verantworten hat) und Michael Allgeier sagen zwar auch nichts Konkretes zum Jahr 2012, aber sie gehören scheinbar zu den Astrologen die das mit der Prognose irgendwie nicht verstanden zu haben scheinen. Statt über das jahr 2012 schreiben sie über die Vergangenheit – aber sollte diese „Welt von gestern“ nicht (gemäß dem Fazit über alle elf Prognosen) untergehen?
Da ist der Vater von Michael Allgeier schon ein anderes Kaliber. Kurt Allgeier gehört seit Jahren zur Schwarzseherfraktion, und er zeigt das auch für 2012:
Ende Juni und Mitte Juli kommen dann recht heftige Tage. Wir werden wieder Naturkatastrophen erleben, die wohl sogar noch heftiger sein werden als das, was wir zuletzt erlebt haben.
Wie man den ebenfalls von ihm vorhergesehenen „Computer-Totalausfall“ am besten übersteht weiß er natürlich auch (die letzten 3 Worte stehen tatsächlich so da):
Es ist deshalb sinnvoll, sich zu Hause einen kleinen Geldvorrat anzulegen, um damit über einige Tage hinwegzukommen. Denn es würde auch kein Geldautomat mehr funktionieren und die Bank könnte auch nichts ausbezahlen. Vielleicht brauchen wir dann auch einen Wasservorrat, weil es auch kein Wasser gibt, und Kerzen, weil der Strom ausfällt. Und so weiter
Fehlt noch Ruth Siegenthaler. Die Schweizerin fängt schon ganz toll an:
Die Astrophysiker unserer Zeit bestätigen, was schon die Astronomen der Mayas gesagt haben: Von 2008 bis 2016 befindet sich unsere Sonne in größter Nähe zum galaktischen Zentrum und am 22. Dezember 2012 ist die maximale Annäherung erreicht. Dieses Ereignis findet nur ungefähr alle 26 000 Jahre statt und symbolisiert das Ende eines Zyklus, in dem der Lernprozess der Menschheit auf Angst und Leiden gründete.
So richtig zu ihrer Schwurbelhochform läuft sie allerdings erst in der Langfassung der Jahresvorschau auf ihrer Webseite auf. Was die Frau sich da alles so zusammen fantasiert ist ein unglaublicher Parforce-Ritt durch das esoterische Buzzwords-Imperium.
Bei Susanne Eder gibt es Sensationelles: „Telepathie, Feinfühligkeit, Sensibilität für alles, was hier auf unserem Planeten geschieht, steht jetzt im Vordergrund.“ – aber was bedeutet das? Da sind ihre Katastropheprognosen doch ein wenig konkreter:
Gefährlich wird es leider immer wieder dann, wenn auch Mars bei o.a. Pluto-Uranus-Quadrat mitspielt, da kann es zu Bombenattentaten, Terroranschlägen, Flugzeugunfällen und anderen Katastrophen kommen.
Besonders kritische Tage sind: 10. – 22. Juli und 20. November – 3. Dezember 2012.
Klar, es fehlen die genauen Prognosen des was und wo – und es wäre schon sehr unwahrscheinlich wenn während der beiden angegebenen Zeiträume nicht zumindest eine der gelisteten Katastrophen irgendwo auf der Welt für eine Pressemeldung sorgen würde.
Dr. Harald Geir nennt sich „Kosmobiologe“ und leidet schon zu Beginn seines mit „Jahreshoroskop 2012 – global“ überschriebenen Geschreibsels unter einer leichten Jahreszahlenstörung:
Rein astrologisch gesehen befinden wir uns – von den Themen her – schon längst im Jahr 2012 bzw. es erstreckt sich über mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte.
Tolle Idee! Ein Jahr dass sich über Jahrzehnte erstreckt war mir bisher auch unbekannt. Der Rest ist das allgemeine schwachsinnige Astrogelaber, das man auch schon in den anderen Texten findet. Auch seine Landsfrau Gerda Rogers konnte bei relevant.at nur astrologisches Gelaber liefern. Immerhin sollen wir jetzt wissen, dass Österreich Skorpion und der Euro sowie die EU Widder sind.
Es ist schon verwunderlich, dass diese Astrologen meinen ihre Kunden würden sich mit solch nichtigen Wortaneinanderreihungen zufrieden geben. Wie bemerkte eine astrologiebegeisterte Bekannte beim Lesen der elf oben verlinkten „Jahresprognosen“ kopfschüttelnd: „Aber da steht ja gar nix drin!“ Recht hat sie, aber das Nichts ist beim Inhalt astrologischer Jahresprognosen ja eigentlich zu erwarten.
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