Noch mehr astrologische Wahlprognosen …

27 09 2009

Kurz vor Schließung der Wahllokale hat sich auch bei den astrologischen Wahlprognosen noch einiges getan. Auf Astrologix hat Gerhard Lukert gleich 6 astrologische Wahlprognosen eingestellt. Dabei gibt es neben den üblichen Vermutungen über den Wahl-Ausgang (Schwarz-Gelb vs. Schwarz-Rot 4:2) noch einige wunderbare Stilblüten zu lesen. So weiß Manfred Gregor:

Die größte Instabilität ergibt sich jedoch dadurch, dass astrologisch mit großer Wahrscheinlichkeit die gesamte Wahl annulliert wird und wiederholt werden muss. Gabriele Pauli mit der Freien Union (und auch andere) haben beste Aussichten, mit einer Klage gegen ihre Ausgrenzung zu gewinnen.

Aha, nochmal wählen! Und wie’s dann ausgeht, das weiß Manfred Gregor auch schon:

Falls Neuwahlen stattfinden, wird der Erdrutsch perfekt: die CDU/CSU verliert nochmals Stimmen und Prozente, die Freie Union und die Piratenpartei ziehen in den Bundestag ein, eine große Koalition ist politisch nicht mehr durchsetzbar. Es wäre eine Form von Revolution – oder Instabilität wie in der Weimarer Republik: eine noch nie dagewesene Koalition würde sich bilden: rot-rot-grün, Jamaika. Welche, das hängt astrologisch entscheidend von dem Neuwahltermin ab.

Mal sehen, ob er jetzt besser geraten hat als bei seiner Fußballprognose vor einigen Monaten …

Wie Herr Lukert darauf kommt, dass Konrad Gruber „eingängig formuliert“ weiß ich nicht. Abschnitte wie der Folgende (und davon gibt es viele) lassen mich doch eher ratlos zurück:

PLtr = MAr „Ich setze mich durch!“

JUtr = MAr

0.00 0.29

„Ich bin erfolgreich!“

URtr = JUr

0.00 -0.15

Bei Brigitte Hamann findet erstaunlicherweise mehrfach die Sonnenfinsternis vom 2.7.2009 Erwähnung. Ansonsten ist das Geschwurbel zumindest klar gegliedert und mit denm beliebten Konjunktiven versehen. Lukert zählt diese Prognose zu den Schwarz-gelben, bei Hamann selbst liest sich das etwas vorsichtiger:

Wenn Merkel diese Wahl gewinnt, wird sie die Möglichkeit haben, ihre Vorstellungen besser durchzusetzen als in der Großen Koalition, trotz der Schwierigkeiten zwischen CDU/CSU und FDP.

… und wenn nicht?

Der Text von Christine Keidel-Joura ist auf jeden Fall der bisher am besten lesbare. So richtig spektakulär ist die leider nicht datierte Prognose allerdings nicht. Neben lächerlichen Trivialitäten wie …

Die CDU bekommt jedenfalls die meisten Stimmen.

… wird gewohnt unscharf formuliert. Aussagen wie die, dass die Grünen „so viele Stimmen bekommen wie erwartet“ sind schlicht und einfach nichtssagendes Blabla.

Den langen Text von Gerhard Lukert habe ich mir noch nicht angetan – ich werde mir das Ganze später zu Gemüte führen. Glücklicherweise ist aber inzwischen auch der Text von Wilma Sommer online (der um 17:00 noch nicht verfügbar war). Auch ihr Fazit ist – wie üblich in der Astrologie – nicht ganz klar:

Die Prognose für die Bundestagswahl 2009 kann aus mundan- astrologischer Sicht nur lauten:

Die Wähler werden für eine CDU/ CSU und FDP Regierung votieren, die aber evtl. die Grünen als Koalitionspartner gewinnen muss, um die erforderliche Mehrheit zu erreichen.

Es reicht also für Schwarz-Gelb, oder auch nicht …

Warten wir’s also ab – in 20 Minuten sind wir alle schlauer!





Vermischtes: Wahlprognosen, Lourdeswunder und Abmahndrohung (Teil 3)

22 09 2009

Eigentlich wollte ich ja schon letzte Woche etwas zu den Wahlprognosen verschiedener selbst ernannter Auguren schreiben, aber irgendwie fand ich nicht die Zeit dazu. Jetzt hat Florian ein paar Prognosen (u.a. Monika Piper-Albach, Winfried Noe, Markus Termin und Chritiane Durer) schon mal sehr schön zusammengefasst … … und dem ist nicht viel hinzuzufügen. OK, es gab natürlich noch weitere Prognosen, aber die waren weder besser noch genauer. Ein paar Beispiele möchte ich noch ergänzen:

Hans-Jürgen Butz hat laut Münchner TZ vom 30.12.2008 das „zweite Gesicht“ und immerhin bei seinen Fußballtipps (Meister wird nicht der FC Bayern sondern eine Überraschungsmannschaft) richtig gelegen. Ob seine Merkelprognose stimmt? „Sie bleibt nach der Bundestagswahl nicht Kanzlerin. Das wird ein Mann.“ meint Butz, nennt aber nicht den Namen des Nachfolgers. Im gleichen Artikel hatte sich die Kartenlegerin Klaudia Braungart nicht zu einer Wahlprognose entschliessen können (Angela Merkel muss sich auf einen harten Kampf bei der Wahl zur Bundeskanzlerin einstellen: „Das wird ein knappes Ergebnis.“), während die „Hexe“ Luisa Francia keinen Wechsel im Kanzleramt voraaussah. In der Brigitte durfte Roswitha Broszath ihre astrologischen Pseudo-Erkenntnisse zu einigen Spitzenkandidaten im Bundestagswahlkampf loswerden. Die einige bekanntermaßen höchst absurde Diagnosemethoden benutzende Heilpraktikerin (dass die Irisdiagnose Unsinn ist hat sich sogar bis zur AOK herumgesprochen; der ebenso zur Anwendung kommende Vegatest ist eine „Weiterentwicklung“ der Elektro-Akupunktur nach Voll und wurde bereits bei Quackwatch „gewürdigt“) findet in den Sternen von Merkel, Steinmeier, Westerwelle, Lafontaine, Künast und Trittin Trivialitäten zuhauf. Wer hätte denn gedacht, dass bei Lafontaine die Sterne auf „Genussorientierung“ hindeuten, dass „er dem luxuriösen Leben nicht abgeneigt“ ist und dass er „die sozialen Aspekte hoch“  hält? „Einfluss haben, Macht ausüben“ das sagen die Sterne zu Angela Merkel (für welchen Politiker gilt das nicht???) – nur bei Westerwelle verwirrt mich, dass „das weibliche Prinzip etwas kompliziert besetzt“ sein soll … … insgesamt viel Blabla ohne wirklichen Inhalt und nach der ergebnislosen Erörterung der Frage „wer passt zu wem“ weiß Frau Broszath noch, welche Planeten angeblich schuld sind, wenn das Volk sich partout nicht entscheiden kann: Am Wahltag ist Volkes Wille gespalten, das liegt am Einfluss von Saturn und Uranus. Aha!

Lourdes 16072009

Ab heute sollen sich – laut der Nostradamus-Exegese von Ray O. Nolan – in Lourdes diverse Wunderheilungen ereignen. Ich bin schon mal gespannt, ob die großen Nachrichtensender dann vielleicht live berichten wenn die Leute reihenweise ihre Krücken wegwerfen oder aus ihren Rollstühlen aufstehen. Warum gerade dieses Datum interessant sein soll, findet sich übrigens nicht nur bei Nolan, sondern wortgleich im Wikipedia-Artikel zu Bernadette Soubirous, jenem Mädel, dass den ganzen Rummel durch ihre angebliche Vision im Jahre 1858 startete: Vor genau 100 Jahre wurde nämlich ihr Leichnam (warum auch immer) exhumiert …  … ob das die florierenden Geschäfte mit allerlei Behältnissen zum Transport des vermeintlich wunderwirksamen Wassers besonders begünstigt weiß ich natürlich nicht. Zu Engpässen dürfte es in den vielen Souvenirläden aber nicht kommen, denn so wie auf nebenstehenden Foto vom 16.Juli dieses Jahres sieht es vor jedem Laden dort aus (man beachte die Plastikmadonnen mit abschraubbarem Kopf …).

Die Abmahndrohung von Herrn X eskaliert inzwischen weiter. Nachdem mir eine Unterlassungserklärung zugesandt worden war die mir im Falle des Nichtentfernens seines Textes von meiner Webseite eine Strafe von sage und schreibe knapp 23 Euro pro zitiertem Wort androht, habe ich die Sache einem Anwalt übergeben. Jetzt bin ich mal gespannt, wie das Ganze ausgeht …





Bundesagentur zahlt für Astrologieausbildung???

18 09 2009

Noch nicht könnte man erleichtert aufatmen. Aber wenn schon die Österreicher solche Ausbildungen Scharlateneriekurse fördern, dann probieren einschlägige Anbieter natürlich auch hierzulande irgendwie an die öffentlichen Fördertöpfe zu gelangen.  In einer Meldung auf Astrologie.de spricht Helen Fritsch schon mal vorab ganz gezielt Arbeitslose an und wirbt für ihre Ausbildung zum Astrologen/ zur Astrologin mit folgender Überschrift:

Arbeitslos und an einer Astrologie-Ausbildung interessiert, die 100%-ig durch die Bildungsagentur für Arbeit finanziert wird?

Weiter heißt es in der Meldung:

Unsere Ausbildung ist staatlich zugelassen und voraussichtlich ab 1. Oktober 2009 nach AZWV- zertifizert. Das bedeutet für Arbeitslose, dass eine 100%-ige Finanzierung der Ausbildung über Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit möglich ist!

OK, das heißt also, dass diese Ausbildung noch nicht AZWV-zertifiziert ist, die Ausbildungsträger jedoch bis Anfang nächsten Monats mit einer Zertifizierung rechnen. Tatsächlich findet man in der Systematik auf KURSNET, dem Portal für berufliche Weiterbildung, unter C771-14-c5 (das sind die  Fortbildungen zu Astrologie, Graphologie und parawissenschaftliche Therapien) 14 Kursangebote,  die allerdings derzeit noch nicht über Bildungsgutscheine finanziert werden können (man kann bei KURSNET nach Kursen filtern, für die Bildungsgutscheine eingesetzt werden können).

Hoffentlich bleibt das auch so, es ist ja schon schlimm genug, dass in KURSNET seitenweise esoterische Nonsensfortbildungen aufgelistet werden. Sollten Astrologie-Ausbildungen tatsächlich über Bildungsgutscheine – und damit von der Allgemeinheit –  finanziert werden können, dann spricht nichts dagegen, dass auch für den Besuch der folgenden (Online-)Kurse Bildungsgutscheine eingesetzt werden können:

  • Aufzucht und Haltung von Dinosauriern“ (im Bereich Tierzucht, -pflege, -haltung), immerhin gibt es dazu ein wunderbares Lehrbuch (das man vor einigen Jahren als Spektrum-Abonnent in einer pdf-Version herunterladen durfte)
  • Ausbildung zum „Gästeführer(in) Atlantis“ (im Bereich Reiseleitung, Fremdenführung), analog der sicherlich hervorragenden Ausbildung „Gästeführer(in) Eifel“ – mit dem kleinen Unterschied, dass das Reiseziel nicht so genau festglegt ist. Die Lokalisierungshypothesen erfordern ja Reisen in eine ganze Reihe touristisch interessanter Gegenden (die dann natürlich auch über die Bildungsgutscheine bezahlt werden sollten) …
  • „Tastaturbedienung per Telekinese“ – ein Kurs zur Optimierung der Computer-Skills: Kaum gedacht bewegen sich die Tasten automatisch, und das unabhängig davon ob nur Texte abgetippt oder komplexe Programme geschrieben werden sollen (für den Bereich EDV-/IT-Grundlagen)

Weitere Kursvorschläge nehme ich gerne entgegen – die Gründung eines Ausbildungsinstituts dürfte ja nicht allzu schwer sein. Und die Zertifizierung wird mit dem Verweis auf die Astrologie dann ganz bestimmt auch klappen.

Ich muss mur mir nur noch Gedanken um die Kosten machen – immerhin schlägt die Anerkennung laut Bundesgesetzblatt (siehe letzte Seite) locker mit 10.000 Euro zu Buche. Ich glaube ich mach’s wie Frau Fritsch: Bei etwas über 2000 Euro pro Kurs (das verlangt sie nämlich) brauche ich nur 6 Ausbildungswillige um aus dem Minus zu kommen …





Skeptische Kartenspiele und mehr von Crispian Jago

1 09 2009

Kaum schludert man mal ein paar Tage beim Besuch seiner Lieblingsblogs, schon hat man fast einen wunderbaren Link verpasst. Amphibol hat bereits vor mehr als einer Woche auf das skeptische „Quartettspiel“ hingewiesen, das auf Crispian Jago’s Blog „Science, Reason and Critical Thinking“ zu finden ist. Im Stile der Simpson’s gemalt finden sich einige bekannte Skeptiker mit ihren „Super Powers“ wieder und jetzt weiß ich auch warum Ludmilla von „Hinterm Mond gleich links“ letzten Freitag das geniale Stück „Storm“ von Tim Minchin als Skeptiker Hymne bezeichnet hat: Genau das wird als „Super Power“ von Tim Minchin auf der entsprechenden Karte vermerkt, die Amphibol bereits am letzten Dienstag präsentierte. Einen weiteren Link zu Storm möchte ich mir ersparen (hatte ich schon vor Monaten und hat dazu geführt, dass ich inzwischen 3 schöne CDs von dem Herrn besitze …), aber sehr nett sind auch ein paar weitere Artikel bzw. „Ideen“ von Crispian Jago.

Da wären zum Beispiel die skeptischen Tarotkarten oder die Celebrity Quack Trumps (noch eine Art „Quartett“ – dieses Mal mit Promis die Nonsens promoten), unter denen er sich im 2. Teil auch selbst einsortiert hat. Immerhin hatte er sich ein paar eigenwillige Alternativmethoden ausgedacht Das „Arse Candling“ finde ich wirklich sehr gelungen und es würde mich nicht wundern, wenn es das tatsächlich gäbe. Die „Vinddox„- Beschreibung erinnertmich daran, mal wieder ein indisches Restaurant aufzusuchen um ein leckers Vindaloo-Gericht zu verzehren – natürlich nur aus therapeutischen Gründen.  OK, das mit dem Mammary Energy Balancing ist nicht wirklich neu, ein entsprechendes Schild (na ja, ist ’ne Postkarte) kann man sich hierzulande für kleines Geld kaufen und an die Tür kleben – oder man inseriert gleich auf seinem Kleinwagen.





FAZ und Briefzustellung: Unfaire Statistik!

30 08 2009

Als vor 2 Wochen die deutsche Bundespost zugeben musste, dass sie in den Sommermonaten an Sonntagen ihre Dienstleistung einschränkte (und so viele am Samstag eingeworfene Briefe eben erst am Montag weiter befürdert wurden) war die Aufregung groß. Die Sonntags-FAZ hat dies zum Anlass genommen, die Post mal ein wenig auf die Probe zu stellen und hat einen Test durchgeführt um zu ermitteln wie lange Briefe denn brauchen, bis sie beim Kunden ankommen.  Dafür hat man 22.8. (Samstag), 24.8. (Montag) und 25.8. (Dienstag) jeweils 33 Briefe abgeschickt und ausgewertet, wann diese denn beim Kunden angekommen sind. Als Ergebnis schreibt die FAZ: „Nur 61 Prozent der Briefe kommen am nächsten Werktag beim Empfänger an.“ – ein wirklich miserabler Wert, wenn man berücksichtigt, dass die Post selbst dies bei mindestens 95% der Sendungen verspricht und die Bundesregierung die Zustellung am Folgetag bei mindestens 80% der Sendungen verlangt..

Aber der Test der FAZ ist ziemlich unfair! Von den montags und dienstags abgeschickten Briefen kamen 57 von 66 (also 86%) am nächsten Tag beim Empfänger an, bei den samstags eingeworfenen allerdings nur ganze 3 von 33 (also 9%).  Aussagekräftig wäre das Gesamtergebnis (die 61%) eines solchen Tests nur dann, wenn die FAZ auch mittwochs, donnerstags und freitags jeweils 33 Briefe verschickt hätte, denn dann wäre das Verhältnis der „normalen“ Werktage zum – wegen der bereits bekannten Einschränkungen der Post an Sonntagen – etwas anders zu beurteilenden Samstag realistisch gewesen. Geht man davon aus, dass die Dauer der Briefzustellung bei Einwurf der Sendung an den anderen Werktagen ebenso „gut“ ist wie beim Einwurf montags und dienstags, dann käme man auf eine Gesamtquote von über 73% – immer noch deutlich unter den von der Post angepeilten 95%, aber doch weit unspektakulärer als es die Darstellung der FAZ suggeriert.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn Briefe zu lange unterwegs sind, und natürlich ist es legitim sich darüber zu beschweren. Aber wenn man schon die Post testet (… und die Idee selbst finde ich ja gut),  dann sollte dies auf faire Weise geschehen. Ob das in dieser Form nicht aussagekräftige Ergebnis dem fehlenden Wissen in statistischer Methodik der Autoren geschuldet ist kann ich natürlich nicht beurteilen. So richtig ärgerlich war jedoch die kurze Nachricht in der Tagesschau am Sonntag Mittag, die sich auf den FAZ-Artikel berief. Dort wurde berichtet, dass „an Werktagen von 99 Sendungen nur 61% am kommenden Tag“ angekommen seien und dass es „am Samstag sogar noch schlechter aussah“. Da bereits die 61% schon den Samstagswert beinhalteten war diese Unterscheidung schlicht unsinnig, richtig wäre gewesen, dass nach dem Test der Sonntags-FAZ „Werktagsbriefe“ zu 86% am kommenden Tag ankommen. Aber auch bei der Tagesschau scheint sich niemand die Mühe gemacht zu haben, die offen vorliegenden Zahlen kritisch zu bewerten.

Mich würde ja viel mehr interessieren, was mit dem einen Brief geschehen ist, der am 24.8. verschickt wurde und bisher nicht angekommen zu sein scheint.

Nachtrag (31.8.): Wie ein Kommentator bei der FAZ richtigerweise anmerkt hätte man für einen wirklich aussagefähigen Test auch noch berücksichtigen müssen, dass die Anzahl der an den jeweiligen Tagen versandten Briefe in der Realität höchst unterschiedlich ist. Wenn beispielsweise samstags das Briefaufkommen generell sehr gering ist, dann zieht die miserable Samstagsquote in einer „vernünftigen“ Auswertung das Gesamtergebnis auch nicht so weit nach unten …





… und noch eine betrügerische Wahrsagerin verurteilt

29 08 2009

Bonn scheint eine Hochburg für die Verurteilung von Wahrsagerinnen zu sein. Nachdem bereits vor 5 Wochen eine Wahrsagerin wegen Betrugs verurteilt wurde gab es diese Woche einen fast gleichen Fall zu verhandeln. Wie damals endete das Ganze mit einer Bewährungsstrafe – dieses Mal waren es ein Jahr und 10 Monate für die auch in diesem Fall wieder einschlägig vorbestrafte Täterin, also mehr als 3 Mal so viel wie im Fall aus dem Monat Juli. OK, der bei den Opfern angerichtete Schaden war auch beträchtlich höher. Um sage und schreibe fast 170.000 Euro hatte die Täterin ihre zwei Opfer betrogen … … und auch dieses Mal scheint es sich um ein „gutes Geschäft“ gehandelt zu haben. Die Täterin ist zwar jetzt vorbestraft, aber neben der Bewährungsstrafe und 15o Stunden Sozialarbeit musse sie laut Urteil lediglich 20.000 Euro an die Opfer zurückzahlen.  Ob die Summe an beide zusammen oder jedes Opfer einzeln zu zahlen ist, darüber gibt der Artikel leider keine Auskunft (Lilith meint 10.000 € pro Opfer). Es bleiben also in jedem Fall fast 130.000 Euro übrig – dafür, dass die Frau nun 4 Jahre nicht strafällig werden darf hat sie also vorgesorgt: Mindestens 2.500 Euro steuerfrei pro Monat, da müssen andere Leute schon ordentlich für schuften.

Den traurigen Artikel aus der Kölnischen Rundschau über zwei kranke Frauen, Den Rest des Beitrags lesen »





Der Paungger-Poppe-Zahlenwahn: Primitivnumerologie

14 08 2009

16 Jahre nach dem Mondschwurbel-Megaseller „Vom richtigen Zeitpunkt“ (… und vieler folgender „Mondwerke“ voller unsinniger,  unbelegter und teilweise gefährlicher Behauptungen – mondgläubige Menschen aus meinem Umfeld wollten z.B. wichtige Operationen verschieben weil der Mondkalender irgendwelche Gefahren herbeifantasiert hatte) wagt sich das Bestsellerautorenpaar Johanna Paungger-Poppe und Thomas Poppe an ein neues Thema: In ihrem neuesten Machwerk behauptet Frau Paungger-Poppe sich an weiteres Geheimwissen von Tiroler Bergbauern erinnern zu können. Spielte das Mondgefasel der Autoren immerhin noch zumindest teilweise mit den bekannten (falschen!) Mondmythen, so behauptet sie jetzt sich an etwas ganz anderes erinnern zu können:

Mit diesem Buch möchte ich Sie mit einem ganz besonderen Kapitel des Lebens auf unserem Tiroler Bergbauernhof bekannt machen: mit dem alten Wissen, welch weit reichenden und einschneidenden Einfluss die Zahlen des Geburtsdatums haben.

Ob sie diesen Satz tatsächlich glaubt weiß ich nicht – in jedem Fall verkauft sich vermeintlich altes Wissen unter Esoterikern immer gut – man muss sich nur auf irgend eine Gruppe von Leuten berufen denen man entweder selten im Großstadtalltag begegnet oder die ganz weit weg wohnen. Frau Paungger-Poppe hat sich für ersteren Weg entschieden und da hilft es natürlich, dass sie tatsächlich aus Tirol stammt. Über ihre abstruse Numerologievariante namens „Tiroler Zahlenrad“ schreibt sie:

Für das Leben mit dem Zahlenrad gab es bei uns keine Lehrbücher, es gab keine „einführenden Gespräche“ in der Familie. Wir wussten, wie sicher seine Anwendung funktioniert, wir wussten aber nicht, warum sie funktioniert. Wir lebten damit, erfuhren fast täglich seinen Sinn und Wert, und damit ließen wir es bewenden. Wir nahmen es so selbstverständlich hin wie den Lauf der Jahreszeiten, wie den Donner nach einem Blitz. Das Zahlenrad war uns in Fleisch und Blut übergegangen, es nicht anzuwenden wäre uns verrückt, seltsam, unsinnig vorgekommen. Den Rest des Beitrags lesen »





Joghurtstudien

10 08 2009

Im März hatte die Verbraucherorganisation foodwatch den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge an den Marktführer im Geschäft mit probiotischen Joghurts verliehen. Dass da intensiv mit wissenschaftlichen Studien geworben wird ist nichts Neues, seit einiger Zeit darf sich in einem Werbespot sogar ein junger Mensch als Teilnehmer einer Studie outen und strahlend verkünden, dass er die Joghurtplörre (sorry, das Zeugs schmeckt mir einfach nicht!) inzwischen freiwillig jeden Tag aus den kleinen Fläschlein nuckelt. Aber warum blenden die bloß immer zusätzlich noch etwas klein Gedrucktes ein? Dort liest man dann irgendetwas von „im Rahmen einer gesunden Lebensführung“ und ich frage mich dann immer, warum ein Mensch mit einer gesunden Lebensführung überhaupt noch irgendwelche zusätzlichen „Hilfsmittel“ brauchen soll …

Inzwischen ist in „Service Gesundheit“ auf wdr5 ein kurzer Bericht zum Thema Studien zu probiotischen Joghurts (zum Nachhören hier) erschienen, und die wissenschaftlichen Ergebnisse scheinen – im Sinne der probiotischen Joghurts wohlwollend ausgedrückt – zumindest zweifelhaft.

Ob die Qualität der Studien, auf die sich der Hersteller beruft, wirklich so schlecht ist, wie das der Wissenschaftler im Bericht erwähnt lässt sich übrigens für einen Laien wie mich nicht direkt nachprüfen: Actimel hat lediglich die Abstracts verschiedener Studien verlinkt,  und dort kann man – wennn man sich von unten nach oben hangelt – zunächst mal lesen, dass bei Ratten, Ratten und Mäusen irgendwelche Effekte zu beobachten sein sollen. Schaut man in die Abstracts der  als „Beweis“ angegebenen klinischen Studien, so werden die Fragezeichen nicht kleiner. In einer doppelblinden und placebo-kontrollierten Studie wurden 135 Senioren (Durchschnittsalter 74) untersucht, die mit Antibiotika behandelt wurden. Dass in der Probiotikgruppe nur 7 von 57, in der Placebo-Gruppe jedoch 19 von 56 Testteilnehmern an Durchfall erkrankten (und damit ein signifikantes Ergebnis erzeugten) ist durchaus interesant, aber mich würde auch interessieren, was mit den restlichen 22 Personen aus dem Test passierte und ob bzw. warum diese Studie die Werbeaussagen rechtfertigen kann wenn ich keine Antibiotika nehme. In einer anderen Studie, in der es ebenfalls um Durchfall ging, steht sogar im Abstract, dass sich ein Unterschied lediglich bei der „stool consistency“ ergab – was diese „Ausscheidungskonsistenz“ mit den Werbeaussagen (gestärkte Abwehrkräfte!) zu tun haben soll erschließt sich mir nicht. Nach einer weiteren Studie kommen etwa die Hälfte der mit dem Joghurt eingenommen Lactobacillus casei DN-114 001 im Darm an, mehr als ein Viertel verlässt diesen jedoch auch wieder. Bei 2 anderern Studien war die Anzahl der Probanden recht gering (12 gesunde Personen bzw. sieben Freiwillige), so dass man die vollmundigen Versprechungen wohl kaum damit begründen kann. Zumindest kann ich mir das nicht vorstellen, aber vielleicht kann das jemand vom Fach erklären, der nicht unbedingt auf der Lohnliste der Joghurtproduzenten steht.

Aber was soll’s, das Ganze ist Werbung! Und wer diesen Aussagen blind vertraut, der hat eh nix kapiert. Gleich zu Beginn des wdr5-Beitrags weisen die Autoren übrigens darauf hin, dass schon vor hundert Jahren Joghurt mit Bildern von „steinalten bulgarische Bauern“ beworben wurde – heute muss eben die Wissenschaft herhalten und man nutzt – durchaus geschickt – aus, dass die meisten Konsumenten über Wissenschaft ebenso viel wissen wie damals über bulgarische Landwirte.





Sommerlöcher

5 08 2009

Gestern Abend gab es auf wdr5 einen wunderschönen Rückblick auf die schönsten Sommerlöcher (… kann man dort auch anhören …) der letzten Jahre. Gleich zu Beginn tauchte der Chopper auf – jener „Geist“ aus einer Nautraublinger Zahnarztpraxis, der Deutschlands damals berühmtesten Parapsychologen narrte und sich als Koproduktion der 17-jährige Zahnarzthelferin mit dem Zahnarztehepaar entpuppte (siehe diesen Bericht der Stuttgarter Zeitung). Ansonsten reichte das Panoptikum der Sommerlöcher vom Bär Bruno über Raab’s Maschendrahtzaun, Badesee-und Rheinkrokodile bis zu längst vergessenen politischen Vorschlägen aus Absurdistan. Da gab es doch tatsächlich die Forderung eines CSU-Abgeordneten, Deutschland soll Mallorca als neues Bundesland zu annektieren.

Ein richtiges Sommerlochthema 2009 ist mir hierzulande noch nicht aufgefallen, aber in den USA gibt es offensichtlich eins: Ultra-rechte Verschwörungstheoretiker behaupten, dass Präsident Obama in Kenia geboren sei und deshalb als Präsident illegal ist. Ebenfalls auf wdr5 nahm sich Horst Kläuser diesem Thema in einem kurzen Kommentar an und wundert sich, dass sich seriöse Medien in den Staaten überhaupt mit solch einem Nonsens beschäftigen. Noch ist der Sommer ja nicht vorbei und falls wirklich nichts passiert kann ja mal wieder das Monster von Loch Ness als Füllmaterial für das Sommerloch herhalten: Immerhin hatte Nikki Pezaro ja vorausgesagt, dass das Vieh in diesem Jahr – endlich – gefangen werden wird (Nr. 13 ihrer vielen Prognosen).





Ehrendoktor für esoterische Lehren: Das Dalai Lama kommt nach Marburg

29 07 2009

Nächste Woche ist es soweit. Die hessische Universitätsstadt Marburg kriegt Besuch von seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama, damit dieser sich einen Ehrendoktorhut abholen kann. Wie die Philipps-Universität in einer Pressemeldung mitteilt wird damit sein „wissenschaftliches Wirken“ gewürdigt – und außerdem

habe er viele westliche Wissenschaftler und Studierende auf den Gebieten der buddhistischen Philosophie und der esoterischen Lehren des tibetischen Buddhismus (die prinzipiell nur mündlich tradiert werden) belehrt, so dass sich sein Wissen maßgeblich auch in deren Veröffentlichungen niedergeschlagen hat.

Wissenschaftliches Wirken? Dann sollte die medizinische Fakultät auch gleich noch Papst Benedikt XVI. wegen seiner tiefgehenden Erkenntnisse zur Verbreitung des HIV-Virus, die er im März dieses Jahres auf seinem Afrika-Flug geäußert hatte, mit einer Ehrendoktorwürde auszeichnen. Die Lehren des rotbemützten Mystifex hat Colin Goldner bereits vor 4 Wochen in der Tageszeitung „Junge Welt“ treffend – und mit einem schönen Beispiel –  kommentiert:

Was der »Gottkönig« in seinen Vorträgen zum besten gibt, ist eine absurde Dialektik von Platitüde und Nonsens. Zum einen läßt er positiv-denkerischen Trivialkram ab, dessen Niveau nur selten über das der Glückskekse hinausreicht, die man nach dem Essen im Chinarestaurant bekommt, beispielsweise »Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren«. Alle können dabei mit dem Kopf nicken und sich der Erleuchtung ganz nahe wähnen, auch wenn der Aussagewert gleich null ist. Zum anderen schwadroniert er endlos in pseudophilosophischer Metaphysik herum und reiht, begleitet von unmotiviertem Gekichere und sonstigen Hanswurstiaden, wie etwa dem Herumschaukeln auf seinem Thron, sinnleere Worthülsen aneinander.

In der heutigen Ausgabe der gleichen Zeitung gibt Goldner unter dem Titel „Der Phallokrat“ einen kurzen Überblick über die absurden  budhistischen Sexualregeln, der auch folgende schöne Beschreibung enthält:

Solange Mönch oder Lama nicht ejakulieren, können – und sollen! – sie sich durchaus verschiedenster sexueller Aktivitäten befleißigen, die »Benutzung des Sexualorgans«, sofern korrekt vorgenommen, sei ohne weiteres mit dem Gelübde des Zölibats vereinbar. Derlei sexuelle Praktiken, so der Dalai Lama spitzfindig, »sind in Wahrheit kein Sex, auch wenn es so aussieht«

Irgendwie erinnert das an einen amerikanischen Präsidenten, seine Praktikantin und eine Zigarre – wobei jener Präsident immerhin demokratisch legitimiert war, während der – übrigens in China geborene – Grinsemönch einfach auf Grund obskurer und absolut lächerlicher „Reinkarnationsregeln“ im zarten Alter von nicht einmal 3 Jahren in sein Amt gehoben wurde und noch heute in weiten Kreisen auch als legitimer weltlicher Herrscher Tibets (warum eigentlich????) gilt.

Wer mehr über den Dalai Lama wissen möchte, dem sei Goldners Buch empfohlen. Die über 700 Seiten sind nicht unbedingt leicht zu lesen:  Goldners kompromissloser Stil ist gewöhnungsbedürftig,  durch den Einbau diverser Exkurse gibt es viele Wiederholungen im Text und die Detailversessenheit des Autors (der seine Aussagen mit über 1500 Quellenangaben belegt!) nervt manchmal ein wenig, aber gerade im Angesicht dieser unsäglichen Dalaimania (der ja auch Politiker jeglicher Couleur anheim fallen) braucht es solche Bücher! Bitte lesen (und staunen)!